OSNABRÜCK. Sport vor Kunst und Englisch, Chemie und Physik ganz hinten: Eine große Befragung der Universität Osnabrück zeigt, wie unterschiedlich Schülerinnen und Schüler ihre Unterrichtsfächer erleben. Bemerkenswerter als die Rangliste ist allerdings, was sich dahinter verbirgt. Fast alle Fächer verlieren während der Sekundarstufe I an Beliebtheit, bei Physik und Chemie ist der Absturz besonders deutlich. Zugleich hängen die Bewertungen mit Geschlecht, Schulform und Bildungsherkunft zusammen. Und ausgerechnet Mathematik schafft es, gleichzeitig zu den meistgenannten Lieblings- und Unlieblingsfächern zu gehören.

Welche Fächer mögen Schülerinnen und Schüler – und welche würden sie am liebsten vom Stundenplan streichen? Aktuelle fachübergreifende Daten dazu waren für Deutschland bislang erstaunlich rar. Viele grundlegende Untersuchungen stammen aus einer Zeit, in der weder Digitalisierung und Künstliche Intelligenz noch Kompetenzorientierung, Ganztag und Inklusion den Schulalltag in heutiger Weise bestimmten.
Forschende der Universität Osnabrück haben deshalb 5.623 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 13 befragt. Die Jugendlichen kamen von 19 weiterführenden Schulen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Baden-Württemberg. Sie sollten 17 Schulfächer nach dem Schulnotenprinzip von 1 („sehr gut“) bis 6 („ungenügend“) bewerten. Zusätzlich wurden unter anderem Jahrgangsstufe, Geschlecht, Schultyp, Bundesland, Bildungsabschluss der Eltern und Migrationsstatus erfasst. Die Untersuchung ist nach Angaben der Forschenden nicht bundesweit repräsentativ, ermöglicht wegen ihrer Größe und Breite aber differenzierte Vergleiche.
An der Spitze steht ein Fach, dessen Unterricht sich deutlich von dem der meisten anderen unterscheidet: Sport erhält nach Bereinigung um das Wahlverhalten in der Oberstufe die Durchschnittsnote 1,93. Kunst folgt mit 2,19, Englisch mit 2,45. Am anderen Ende der Rangliste liegen Pädagogik mit 2,99, Chemie mit 3,01 und Physik mit 3,06. Auch zusammengefasst schneiden die MINT-Fächer schlechter ab als Sprachen, Gesellschaftswissenschaften sowie Sport, Musik und Kunst.
„Für uns als Chemiedidaktiker ist das zunächst ein ernüchternder Befund: Chemie und Physik gehören tatsächlich weiterhin zu den am wenigsten beliebten Fächern. Gleichzeitig zeigt die Studie aber, dass es kein generelles Desinteresse an Naturwissenschaften gibt – Biologie wird beispielsweise deutlich positiver bewertet“, sagt Studienautor Dr. Lars Otte. „Entscheidend ist also offenbar, wie zugänglich die spezifischen Anforderungen eines Faches für die Schülerinnen und Schüler werden.“
Die Rangliste zeigt allerdings nur, wie die Fächer insgesamt bewertet werden. Doch verändert sich die Wahrnehmung womöglich im Laufe der Schulzeit? Die Daten zeigen einen ausgesprochen breiten Abwärtstrend. Fast alle untersuchten Fächer werden im Verlauf der Sekundarstufe I schlechter bewertet. Sport beispielsweise kommt in Jahrgang 5 auf eine Durchschnittsnote von 1,48 und in Jahrgang 10 auf 2,03. Kunst verschlechtert sich von 1,97 auf 2,32, Musik von 2,25 auf 2,83. Mathematik fällt von 2,65 auf 2,91, Deutsch von 2,67 auf 2,90. Selbst Fächer, die vergleichsweise weit oben stehen, sind also nicht gegen den Motivationsverlust gefeit.
Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung jedoch in den beiden Naturwissenschaften am unteren Ende der Rangliste. Chemie verschlechtert sich zwischen den Jahrgangsstufen 5 und 10 von 2,67 auf 3,20, Physik von 2,72 auf 3,37. Im gesamten MINT-Bereich sinkt die Bewertung in diesem Zeitraum von durchschnittlich 2,66 auf 3,00.
„Die Herausforderung besteht darin, diese Faszination auch dann zu erhalten, wenn Modellvorstellungen, Symbolsprache und mathematische Anforderungen hinzukommen“
„Man könnte auch sagen: Sobald es in Chemie und Physik abstrakter wird, sobald gerechnet werden muss, sinken die Werte“, erklärt Otte. Eine mögliche Erklärung sehen die Forschenden in der Struktur dieser Fächer. Chemie und Physik bauen – ähnlich wie eine zweite Fremdsprache – stark auf zuvor erworbenem Wissen auf. Wer Grundlagen verpasst, kann später Schwierigkeiten bekommen, wieder Anschluss zu finden. Biologie bietet mit stärker voneinander abgegrenzten Themengebieten dagegen häufiger die Möglichkeit eines neuen Einstiegs.
„Eigentlich besitzt Chemie alles, was ein faszinierendes Schulfach ausmachen kann: Experimente, Alltagsbezüge und Antworten auf zentrale Fragen etwa zu Energie, Umwelt oder modernen Materialien. Die Herausforderung besteht darin, diese Faszination auch dann zu erhalten, wenn Modellvorstellungen, Symbolsprache und mathematische Anforderungen hinzukommen“, sagt Chemiedidaktiker Prof. Dr. Marco Beeken. Die Ergebnisse seien deshalb „weniger ein Urteil über ein Fach als ein klarer Auftrag an die Fachdidaktik“.
Wie stark die Bewertung mit persönlichen Erfolgserlebnissen zusammenhängen könnte, wird in der Oberstufe sichtbar. Dort verändert die Möglichkeit zur Fächerwahl das Bild teilweise erheblich. Schülerinnen und Schüler, die ein Fach weiterbelegen, bewerten es häufig positiver. Bei Physik ist der Unterschied besonders auffällig: Während das Fach in Jahrgang 10 mit 3,37 am Ende der Rangliste liegt, erreicht es bei denjenigen, die es in Jahrgang 13 noch belegen, einen Mittelwert von 2,42. Auch Chemie verbessert sich bei den verbliebenen Schülerinnen und Schülern von 3,20 in Jahrgang 10 auf 2,91 in Jahrgang 13.
„Das zeigt, wie eng Fachbeliebtheit, Kompetenzerleben und Bildungsentscheidungen miteinander verknüpft sind“, kommentiert Prof. Ferdinand Stebner. „Wenn Schülerinnen und Schüler sich in einem Fach als kompetent erleben und dessen Inhalte für sich als bedeutsam wahrnehmen, erhöht das nicht nur die Motivation – es kann auch beeinflussen, ob sie sich langfristig weiter mit diesem Fach beschäftigen.“
Dass sich hinter den Durchschnittswerten unterschiedliche Erfahrungen verbergen, zeigt auch der Vergleich zwischen den Geschlechtern. Schüler bewerten insbesondere Informatik, Geschichte und Erdkunde positiver, Schülerinnen vor allem Deutsch, Religion/Werte und Normen/Ethik sowie Pädagogik. Auf Ebene der Fachbereiche zeigt sich der Unterschied vor allem zwischen MINT und Sprachen: MINT kommt bei Schülern besser an, sprachliche Fächer bei Schülerinnen.
Eine Erklärung im Sinne vermeintlich typisch männlicher oder weiblicher Interessen geben die Forschenden ausdrücklich nicht. Unterschiede könnten mit fachbezogenen Interessen und Selbstkonzepten ebenso zusammenhängen wie mit Unterrichtserfahrungen und gesellschaftlich geprägten Vorstellungen davon, wem ein Fach vermeintlich liegt. Für die schulische Praxis leiten die Autoren daraus vielmehr den Auftrag ab, „fachliche Vielfalt sichtbar zu machen, stereotype Engführungen aufzubrechen und unterschiedliche Zugänge zu Selbstwirksamkeit, Relevanz und Kompetenzerleben zu eröffnen“.
Wie wenig sich die Fachurteile auf eine einzelne Eigenschaft der Schülerinnen und Schüler zurückführen lassen, zeigt die statistische Gesamtanalyse. Den mit Abstand größten Erklärungsbeitrag liefert das konkrete Fach selbst. Danach folgen die Jahrgangsstufe und die formale Bildungsherkunft der Eltern. Schultyp, Geschlecht und Bundesland tragen zusätzlich zur Erklärung bei, aber deutlich weniger. Für den Migrationsstatus lässt sich unter Berücksichtigung der anderen Faktoren kein eigenständiger allgemeiner Effekt nachweisen.
Gerade die Bildungsherkunft fällt dabei auf. Schülerinnen und Schüler aus Elternhäusern mit höheren formalen Bildungsabschlüssen bewerten viele Fächer positiver. Besonders ausgeprägt ist der Zusammenhang bei MINT: Mathematik, Biologie, Chemie und Physik werden mit steigender Elternbildung besser bewertet. Unterschiede zeigen sich auch bei einzelnen sprachlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern. Bei Sport, Kunst oder Pädagogik sind die Herkunftseffekte dagegen wesentlich schwächer oder statistisch nicht robust.
Die Autoren sehen darin mehr als einen Nebeneffekt unterschiedlicher Elternhäuser. Formale Bildungsherkunft und besuchter Bildungsweg seien im gegliederten Schulsystem nicht unabhängig voneinander. Bildungsaspirationen, Schulform- und Kurswahl sowie das fachbezogene Selbstkonzept könnten ineinandergreifen. Fachbeliebtheit sei insofern „auch sozial gerahmt“ und werde damit „auch zu einer Frage von Bildungsbeteiligung und Chancengerechtigkeit“.
Christian Reintjes, Professor für Schulpädagogik und empirische Schul- und Unterrichtsforschung und Mitautor der Studie, warnt deshalb vor einfachen Zuschreibungen. „Das ist für die Bildungsforschung ein wichtiger Befund: Fachbeliebtheit lässt sich nicht auf einfache Kategorien wie Geschlecht, Bundesland oder Migrationsstatus reduzieren“, sagt er. „Gleichzeitig zeigt der Zusammenhang mit der Bildungsherkunft, dass auch familiäre Bildungsressourcen und unterschiedliche Voraussetzungen dafür eine Rolle spielen können, wie zugänglich und bedeutsam schulische Fächer erlebt werden.“
Wie unterschiedlich solche Zugänge sein können, zeigt ausgerechnet Mathematik. Denn die Schülerinnen und Schüler vergaben nicht nur Noten für die einzelnen Fächer. Sie wurden auch direkt danach gefragt, welches Fach sie am liebsten und welches sie am wenigsten mögen. Bei den Lieblingsfächern gibt es zunächst einen klaren Sieger: 24,7 Prozent der Nennungen entfallen auf Sport. Mit großem Abstand folgt Englisch mit 9,6 Prozent. Danach kommen Mathematik und Kunst mit jeweils 9,3 Prozent. Mathematik, im Gesamtranking der benoteten Fächer nur auf Platz 13, gehört damit zugleich zu den meistgenannten Lieblingsfächern.
Auf der anderen Seite steht – Mathematik. 20 Prozent nennen es als das Fach, das sie am wenigsten mögen. Kein anderes Fach erreicht auch nur annähernd diesen Wert. Deutsch folgt mit 8,4 Prozent, die zweite Fremdsprache mit 7,5 Prozent, Englisch mit 7,3 Prozent und Physik mit 6,5 Prozent. Chemie kommt auf 4,9 Prozent.
„Beliebtheit ist nicht im Fachnamen angelegt. Sie entsteht dort, wo Schüler:innen fachliche Anforderungen als verstehbar, bedeutsam und bewältigbar erleben – oder eben nicht“
Mathematik ist damit weniger ein schlicht unbeliebtes als ein polarisierendes Fach. Auch Deutsch und Englisch tauchen vergleichsweise häufig auf beiden Seiten auf. Gesellschaftswissenschaftliche Fächer lösen solche eindeutigen Reaktionen wesentlich seltener aus. Die Forschenden weisen allerdings darauf hin, dass diese direkte Abfrage lediglich die Häufigkeit der Nennungen erfasst: Sie zeigt nicht, wie stark die jeweilige Begeisterung oder Ablehnung ausgeprägt ist.
Gerade diese Gegenüberstellung relativiert die Versuchung, aus der Studie eine Hitliste guter und schlechter Schulfächer zu machen. Ein Fach kann im Durchschnitt mäßig abschneiden und zugleich für einen erheblichen Teil der Jugendlichen das Lieblingsfach sein. Umgekehrt schützt ein guter Durchschnittswert nicht davor, dass andere Schülerinnen und Schüler dasselbe Fach ausdrücklich ablehnen.
Die Autoren verstehen Fachbeliebtheit deshalb ausdrücklich nicht als Qualitätsurteil über den Bildungswert eines Faches. Entscheidend sei vielmehr, wie fachliche Anforderungen, Unterricht und individuelle Voraussetzungen zusammenkommen. In ihrer Gesamtanalyse formulieren sie es so: „Beliebtheit ist nicht im Fachnamen angelegt. Sie entsteht dort, wo Schüler:innen fachliche Anforderungen als verstehbar, bedeutsam und bewältigbar erleben – oder eben nicht.“ News4teachers
Hier lässt sich die vollständige Studie herunterladen.
Physik und Chemie sind ‚Nebenfächer‘, wenige Wochenstunden, oft nicht durchgängig unterrichtet und, wie erwähnt, stark vernetzt. Alle Nebenfächer werden sehr häufig zum ‚Ausruhen‘ genutzt oder, wenn nicht ohne Aufwand verstehbar, im Kopf abgehakt, für die vier wird es schon reichen. Dazu kommen die Erwartungen: Action, Praxis, Spiel und Spaß. Die Basis dafür wird schon in Kita und Grundschule gelegt, ‚kleine Forscher‘, die überraschende oder spannende, einfache Versuche machen. Es werden Erwartungen aufgebaut, die nicht zu erfüllen sind, auch am Tag der offenen Tür sind Ph/Ch bitte als Werbeveranstaltung zu konzipieren. Die gleichen einfachen Versuche (Bsp. Oberflächenspannung), leicht abgewandelt, kommen dann im Anfangsunterricht Ph oder Ch noch einmal vor (laaangweilig…), dann aber mit dem entscheidenden zweiten Teil, der ‚warum‘-Frage. Daneben werden die Lehrpläne immer stärker phänomenologisch angelegt, Zusammenhänge immer schwieriger darstellbar.
Wer in der Oberstufe diese Fächer wählt, ist an der warum-Frage und Zusammenhängen interessiert, nicht unerwartet, dass das Bild dann etwas anders ist.
Wir können Physik und Chemie so unterrichten, dass Elefantenzahnpasta und Thermit die Erwartungen erfüllen. Das ist dann aber keine naturwissenschaftliche Grundbildung mehr, sondern ein buntes Bilderbuch. Anforderungen der Lehrpläne und Erwartungen der SchülerInnen, auch der selbsternannten Experten (ihr müsst doch nur spannende Versuche machen) widersprechen sich leider ganz gewaltig.
Wieder aus der Grundschule: Ich habe bei einigen der Mädchen Mathematik als regelrechtes “ Angstfach“ notiert. Es waren gute Schülerinnen, die sehr besorgt waren, etwas nicht zu verstehen und dann schlechte Noten zu schreiben.
Ähnlich belastet waren Diktate. Vielleicht weil das zwei Klassenarbeitstypen sind, bei denen man wirklich eine 6 bekommen kann, ohne die Chance auf Teilpunkte oder wohlwollende Interpretation des Lehrers….
Aber mein Verdacht war eher, dass eine elterliche Prägung stattgefunden hat. Ob bewusst oder unbewusst, das weiss ich nicht. Denn diese Ängste traten sogar auf, bevor überhaupt die erste Stunde Mathematik erteilt wurde.
“ Mathe – verstehe ich bestimmt nicht. Das ist so schwer“
Und wenn ich Eltern darauf ansprach:
“ Ach, ich habe Mathe auch nie verstanden“
Erfolge werden eher einem ominösen Talent zugeschrieben als Fleiß und der richtigen Methode.
Vor Talentfächern hat ein jeder, der glaubt, das Talent nicht zu haben, Respekt.
Biologie ist unter den Naturwissenschaften nur deshalb vergleichsweise beliebt, weil in ihr überhaupt nicht gerechnet wird. In der Sek II wird sie aus genau dem Grund so häufig gewählt, wobei die Schüler sehr schnell mit Genetik und Stoffwechsel auf den Boden der Tatsachen geholt werden. Aus der Physik wurde das Rechnen erstens weitgehend entfernt, was das Gegenteil von Studienpropädeutik ist, und zweitens verlässt die verlangte Mathematik kaum das Niveau der Mittelstufe.
Die Liste erweckt steigt den Eindruck es wäre eines drr Hauptkriterien die Einfachheit des Faches und nicht unbedingt dessen wirklichen Inhalte. Zumindest kann ich aus meiner Praxis sagen, der Schüler meistens zur Auskunft geben Kunst sehr zu schätzen. fast alle sagen aber auch ,dass sie eigentlich nicht malen mögen, sondern vielmehr dass das Fach eine einzige große Pause ist wo man sich unterhalten kann und praktisch nichts macht. älÄhnlich auch im Sport – dort geht es weniger um die Pause als dass man sich einfach etwas bewegen kann. Englisch wird meistens ad hoc beherrscht. Chemie und Physik sind deutlich abstrakter und zunächst mal zusammen intensiver und erfordern auch mehr Verstehen.
Einen wunderschönen Nachmittag,
Kurz zu mir, ich war über 40 Jahre Gymnasiallehrer für die Fächer Sport, Geografie und AWT/ Wirtschaft. Meiner persönlichen Meinung nach, hängt alles damit zusammen, wie bringe ich es den Schülern interessant rüber.
Sport habe ich immer mitgemacht, bis zu meiner Rente.
Geografie habe ich mit meinen Schülern gelebt, ob im Alltag oder auf Studienfahrt. Es gab immer einen Praxisbezug und man ich habe immer auf die MINT-Fächer zurückgegriffen. Das heißt ich habe physikalische, chemische Experimente mit Bezug zur Geografie verwendet. Das Beste war, mein Schulleiter hat Chemie unterrichtet und irgendwann kam er auch zu diesem Thema. Sein einziger Kommentar, das habt ihr schon zum Teil in Geografie gehabt.
AWT/Wirtscahft hier kann man immer aktuelle Themen ob aus dem Alltag, aus der Presse oder was unsere Politiker verzapfen, die möglichen Ergebnisse analysieren und was heißt das für mein Leben. Ich möchte nur ein Wort sagen „Rente“. Hier kommt wieder Mathematik ins Spiel. Ich habe zum Teil Bereiche aus der Mathematik wiederholt oder eingeführt, weil die Schüler es nich mehr konnten. Warum?
Ich habe in den letzten Jahren erlebt, dass in den Schulen in denen ich auch ausgeholfen habe, die Mathelehrer es nicht drauf hatten zu erklären, oder einfach gesagt haben, schaut es euch auf YouTube an oder nur komplizierte Wege gingen, obwohl es auch einfacher gehen würde.
Nicht jeder ist ein Mathegenie, aber wir wollen die Jugendlichen aufs Leben vorbereiten.
Jetzt wird es noch schwieriger, ich sage nur Quereinsteiger.
Hier wird gespart am falschen Ende. Ich habe Politiker erlebt, wie sie von sich eingenommen sind. Da brauche ich mich nicht wundern.
Ich wünsche allen Lehrer und Lehrerinnen viel Schaffenskraft.
Die Schule des neuen Normal hat eine Lernkultur geschaffen, in der Schüler glauben, dass Wissen sich durch Gruppenarbeit und unangestrengtes lustbetontes Stationenlernen materialisiert. Chemie und Physik gelten als unzumutbar, weil sie kontinuierlichen Lernfleiß verlangen, logisch‑abstraktes Denken, Definitionswissen, Algorithmen, Wiederholung und Durchdringung – alles Dinge, die in der Wellbeing‑Schule als „nicht mehr zeitgemäß“ gelten. Stattdessen wird Schubladenlernen betrieben: drei Tage vor der Klausur hektisches Pauken, in der Klausur bulimisches Auskotzen und danach sofortiges Vergessen, weil das Gehirn die Inhalte als temporären Datenmüll erkennt. Für KI‑generierte Präsentationen werden Supi‑Noten, also Gefälligkeitsnoten, erwartet. Ein Mahlzahn, wer sich als MINT‑Lehrer diesem Hokuspokus verweigert oder den Schülern evtl. sogar mal einen unangekündigten Test zumutet.
Stationenlernen und Gruppentrallala retten Junglehrern die Noten, weil niemand mehr individuell geprüft wird. Solange die Schüler zwischen Lerninseln rotieren, fühlen sie sich kompetent, obwohl zunehmend mehr Schüler in Wahrheit hierbei nur pädagogische Beschäftigungstherapie bzw. leere Betriebsamkeit betreiben. Und sobald es konkret wird – sobald ein Schüler alleine eine Formel anwenden, eine Definition präzise wiedergeben oder ein abstraktes Konzept durchdringen soll – bricht das gesamte Kompetenzgebäude zusammen. Dann heißt es zuverlässig: „Zu aaaaanstrengend“, „Kann ich nicht“, „Will ich nicht“, „Hab ich nie gelernt“ und natürlich: „Meine Mutti hat Chemie auch schon nicht verstanden.“
Bloß gut, dass es Fachkräfte aus dem Ausland gibt. Während die Wohlfühlschule hierzulande alles tut, um Denken und Lernarbeit zu vermeiden, kommen Menschen aus Ländern, in denen Naturwissenschaften nicht als pädagogische Zumutung gelten, sondern als Grundlage für ein funktionierendes Leben. Dort paukt man Definitionswissen, übt man Algorithmen, dort wird abstraktes kausales Denken trainiert, als Voraussetzung für jede technische Entwicklung. Dort gilt auch die Forderung nach Lernfleiss – das böse Pauken- nicht als Übergriff, sondern als Normalität.
Deutschland importiert MINT‑Fachkräfte, weil unsere Gymnasien selbst immer weniger hervorbringen. In den Laboren der Universitäten stehen am Ende jene, die aus Bildungssystemen kommen, in denen fachspezifisches theoretisches Wissen nicht als optional gilt. Die Wohlfühlschule feiert inzwischen weiter „individuelle selbstorganisierte Lernwege“ und „(Schein)Kompetenzen“, vermeidet aber alles, was fachliche Kompetenz im MINT-Bereich überhaupt erst ermöglicht: Arbeit, Wiederholung, Übung, Abstraktion, Durchdringung.
Gerne mal die Fakten betrachten: „Deutschland ist MINT-Weltmeister.“ Tatsächlich: Deutschland glänzt – auf den ersten Blick jedenfalls. 35 Prozent aller Absolventinnen und Absolventen eines Bachelor- oder gleichwertigen Programms schließen hierzulande in einem der MINT-Fächer ab. Das ist der höchste Anteil im OECD-Vergleich; der Schnitt liegt bei 23 Prozent. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2025/12/deutschland-ist-mint-weltmeister-und-laesst-viele-junge-menschen-links-liegen/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wie viele Absolventen der deutschen Hochschulen im MINT-Bwreich sind ausländische Studenten?
Gerne hier nachlesen: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2025/MINT-Herbstreport_2025-MINT-Meter.pdf
Herzliche Grüße
Da ich private Kontakte zur TH Wildau habe (Informatik-Studiengang), weiß ich, dass die Zahl ausländischer Studenten in diesem Fach seit Jahren stetig steigt und ebenso steigt die Zahl der deutschen Studienabbrecher (die meisten wegen fachlicher Überforderung).
Anteil internationaler Studierender bis 2024/2025 | Statista
Studierende an Hochschulen in Berlin und Brandenburg – Wintersemester, vorläufige Angaben
Je höher die Grundgesamtheit der Studiengänge, desto niedriger der jeweilige
Prozentanteil und umgekehrt.
Das IW-Köln weißt z.B. darauf hin, dass die relativ hohe MINT-Quote in DE auch damit zusammenhängt, dass in DE viele Berufsausbildungen, z.B. im Bereich Erziehung und Gesundheit, nicht an Hochschulen erworben werden, in anderen Ländern schon.
Zunächst: https://www.zeitjung.de/shaun-das-schaf-knete-aardman-wallace-und-gromit/
Aber immer schön daran denken, nicht zu viele Seiten zu kopieren! Es geht ja um das Unterrichten von Kindern und geistiges Eigentum – und nicht um milliardenschwere Konzerne 🙁
„Am anderen Ende der Rangliste liegen Pädagogik […]“
Noooo!
„Christian Reintjes, Professor für Schulpädagogik und empirische Schul- und Unterrichtsforschung und Mitautor der Studie, warnt deshalb vor einfachen Zuschreibungen.“
Achso 🙂
„Das ist für die Bildungsforschung ein wichtiger Befund: Fachbeliebtheit lässt sich nicht auf einfache Kategorien wie Geschlecht, Bundesland oder Migrationsstatus reduzieren“
Erst mal das n4t-Forum abwarten…
Was wäre den Studienautor*innen nach also die Lektion für Chemie und Physik? Fächer, die möglichst viele etwas mögen oder polarisierende, die von manchen nicht gemocht, aber von anderen geliebt werden?
Es geht ja mit dem Alter auch auf die Berufsbildung zu…
Wurde auch der IQ untersucht? Ich vermute mal je höher der IQ, desto höher auch das Interesse an MINT
Und wir vermuten: Für je schlauer sich Leserbriefschreiber halten, desto bescheuerter die Zuschriften.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Was bringt Sie darauf, das zu glauben??
Blau!
Ich fürchte, Sie unterschätzen da das Baugefühl so mancher Forist*innen 🙁
Zur Überraschung von genau niemandem (der tatsächlich mit SuS zu tun hat) mögen Schüler in der Masse ein Fach um so weniger, je kognitiv anstrengender es ist.
Unerwartet war für mich nur die (relativ) gute Position von Englisch.
Und darum mögen bzw. hassen Schüler*innen Mathe (augenroll)
„Unerwartet war für mich nur die (relativ) gute Position von Englisch.“
Sind Sie SICHER, dass Sie Kontakt zu HEUTIGEN Schüler*innen haben?
Ich meine, das merken wir sogar GRAVIEREND an der Förderschule, wie geht das an Ihnen vorbei? 😀
Da ich aufgrund des Mangels an richtigen Lehrern (studiert & examiniert & Vollzeit; die entweder in Pension gehen oder garnicht erst an Schulen ankommen oder dauernd schwanger, krank, abgeordnet sind usw.usf.) seit mehreren Jahren (mit exakt einer Ausnahme letztes SJ) ausschließlich Englisch unterrichte … kann ich da schlecht aktuell und persönlich vergleichen.
Was allerdings tatsächlich positiv auffällig ist:
Von den SuS, die in Englisch halbwegs mitmachen und sich bemühen erreichen *deutlich* mehr spürbar bessere Teilnoten in Sprechen & Hören.
Was ja prima ist und worüber ich mich sicher nicht beklage, lol.
Da ich ansonsten tatsächlich ein sehr beliebter Lehrer bin (wenn auch aus eigentlich falschen Gründen und ein Ruhmesblatt ist es eh nicht) ginge die durchschnittliche Fachbeliebtheit wohl auch eher an mir vorbei.
So einfach kann das sein.
„[…] ausschließlich Englisch unterrichte … kann ich da schlecht aktuell und persönlich vergleichen.“
Das tut mir leid. Wünsche Ihnen Stärke und Geduld!
„Von den SuS, die in Englisch halbwegs mitmachen und sich bemühen erreichen *deutlich* mehr spürbar bessere Teilnoten in Sprechen & Hören.“
Spricht für den Lehrer, der zum Mitmachen animiert 😉
Auf TikTok & co kriegen die Kinder immer mehr englische Sprache mit. Das färbt natürlich ab, jedoch weniger beim Schreiben und Literatur.
Englisch -> Netflix
Die Frage ist, ob hier das Fach selbst „beliebt ist“ oder „die Sprache“.
Wurde danach gefragt und unterschieden?
??
Also unterscheiden Sie bspw. beim Sport, wer gerne Sport macht und wer das Fach mag?
Vielleicht missverstehe ich Sie.
Wo unterscheiden Sie konkret die Freude am Fach selbst und die Freude an der Sprache?