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Cybermobbing eskaliert: Millionen Schüler betroffen – und Schule ist der Haupttatort

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BERLIN. Cybermobbing unter Schülerinnen und Schülern nimmt weiter zu – und die Angriffe beginnen immer früher. Einer neuen repräsentativen Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing zufolge sind inzwischen fast 2,4 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland betroffen. Die Folgen reichen von Angstzuständen und Depressionen bis hin zu Suizidgedanken, von denen jeder vierte Betroffene berichtet. Besonders brisant für Schulen: Mehr als 90 Prozent der Attacken finden im schulischen Umfeld statt, während Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten eröffnet, Mitschülerinnen und Mitschüler gezielt bloßzustellen und zu demütigen.

Mit freundlichen Grüßen. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Unter einem heimlich im Schwimmunterricht aufgenommenen Foto eines Drittklässlers steht «fettes Schwein», in eine pornografische Darstellung ist das Gesicht einer Jugendlichen hineingefälscht: Schockierende Beispiele für Schikane im Netz, die einer neuen Studie zufolge weiter zunimmt und für betroffene Kinder und Jugendliche katastrophale Folgen haben kann, wie das Bündnis gegen Cybermobbing berichtet.

Ein Anstieg seit Jahren und ein «Weckruf» zum Gegensteuern

Es sei davon auszugehen, dass aktuell fast 2,4 Millionen Schülerinnen und Schüler bundesweit von Angriffen im Netz betroffen sind, schildert das Bündnis bei Vorstellung seiner repräsentativen Befragung in Berlin. Das sei erneut ein Anstieg im Vergleich zur vorherigen Untersuchung 2024 und eine anhaltend negative Entwicklung seit der ersten Erhebung 2013, betont Uwe Leest, Mitautor der Studie.

Es gehe öfter auch schon im Grundschulalter los. Die Angriffe laufen demnach vor allem über WhatsApp, TikTok, Snapchat, Instagram, Gaming-Plattformen oder in Chatrooms. Cybermobbing bedrohe die mentale Gesundheit einer ganzen Generation, heißt es im Bericht «Cyberlife».

Das Internet sei allgegenwärtig, es gebe keine verlässlichen Schutzräume, die Angriffe verfolgten die Kinder und Jugendlichen rund um die Uhr und in alle Lebensbereiche hinein. Trotzdem werde die Problematik weiterhin unterschätzt, kritisiert der Verein, spricht von einem «dringenden Weckruf zum Handeln».

Tatort ist fast immer die Schule

Gut 1.100 Eltern, über 700 Lehrkräfte und 4.525 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 7 und 20 Jahren in Grundschulen, weiterführenden Schulen und Berufsschulen waren zwischen März und Juli online befragt worden.

Eine gestiegene Zahl von 20,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler (2024 waren es 18,5 Prozent) gab an, Ziel eines Cybermobbing-Angriffs gewesen zu sein. Hochgerechnet sind das dem Bündnis zufolge fast 2,4 Millionen junge Betroffene.

Und zur Häufigkeit gefragt, sagten diesmal 24 Prozent, dass sie täglich Cybermobbing ausgesetzt seien, 35 Prozent erlebten das nach eigener Aussage «einmal oder mehrmals pro Woche» und 41 Prozent «seltener».

Zu gut 90 Prozent finden die Attacken laut Erhebung im Schulumfeld statt. Mehr als zwei Drittel der Opfer kennen die Angreifer, die oft aus der eigenen Schule oder der eigenen Klasse stammten. Betroffene nennen häufig Beschimpfungen, Beleidigungen, das Verbreiten von Lügen, Gerüchten und peinlichen Bildern, Erpressung und Bedrohung. Gut sieben Prozent der Befragten räumten ein, schon mal Täter gewesen zu sein. Nicht selten waren sie zugleich auch Mobbingopfer.

Cybermobbing führt oft zu schweren Folgen

Mobbing könne schwer belasten, zu Ängsten, Depressionen, Rückzug und abfallenden Schulleistungen führen, Kopf- und Bauchschmerzen oder Schlafstörungen seien häufig, so das Bündnis. Erschreckend sei, dass 25 Prozent der Betroffenen deswegen sogar nach eigener Darstellung schon mal Suizidgedanken hatten.

Die Angriffe beginnen früh, wie Leest weiter schildert: Die Studie geht davon aus, dass etwa jeder zwölfte Grundschüler schon einmal attackiert wurde. «Diese Zunahme resultiert daraus, dass heute oft schon Sechs- bis Achtjährige ein Smartphone besitzen, die Social-Media-Nutzung früher beginnt und damit die Angriffsfläche früher gegeben ist», sagt der Bündnis-Vorsitzende. Aber auch Jugendliche in der Pubertät seien sehr verletzlich.

Bündnis: «Lehrkräfte und Eltern besser unterstützen»

Bei den Lehrkräften – darunter auch Schulleitungen und Schulsozialarbeiter – gaben fast zwei Drittel an, dass Cybermobbing an ihrer Schule ein Problem sei. Prävention wirke, müsse ausgebaut werden und schon in den Grundschulen beginnen, mahnt das Bündnis. Auch Eltern sollten besser unterstützt werden. Es habe sich gezeigt, dass Eltern sich der Gefahren von Cybermobbing in der Regel bewusst seien, es aber viel Überforderung gebe.

In puncto Social-Media-Nutzung habe sich eine große Mehrheit der Eltern und Lehrer für eine Altersbeschränkung ausgesprochen, favorisiert werde dabei eine Grenze von 16 Jahren. «Das müssen wir aufnehmen», verlangt Leest. Das Netzwerk fordert von der Politik ein Cybermobbing-Gesetz. Strafrechtlich würden diese Angriffe «nicht oder nur sehr selten geahndet».

Auf das seit Jahren bestehende Problem haben auch andere Untersuchungen schon hingewiesen. «Die Gesellschaft unternimmt trotzdem zu wenig dagegen. Cybermobbing ist ein Dauerproblem und nimmt weiter zu», moniert Leest. Das Bündnis, das mit einem Präventionsprogramm in die Schulen geht, plädiert auch für einen «Internet-Führerschein» – am besten in den dritten Klassen mit geschulten Lehrern zu erarbeiten. Inhalte: Sozialverhalten, Erkennen von Risiken, sicherer Umgang mit sozialen Medien. «Das ins Bildungssystem zu integrieren, könnte unseren Kindern nachhaltig helfen.»

«Künstliche Intelligenz wird Problem verschärfen»

Auch Künstliche Intelligenz werde im Schulalter bereits genutzt, um Bilder, Videos, Sprache zu manipulieren oder fälschen, warnt das Bündnis aus Eltern, Pädagogen, Medizinern und Wissenschaftlern. KI erleichtere jungen Tätern das Handwerk. Angesichts der rasanten KI-Entwicklung brauche es schnelle Antworten. Leest befürchtet: Der Missbrauch von KI-Werkzeugen könnte das Problem Cybermobbing künftig noch deutlich verschärfen. News4teachers / Von Yuriko Wahl-Immel, dpa

Cybermobbing: Einer ganzen Generation droht, sozial zu verwahrlosen – wie sich (aus Lehrersicht) gegensteuern lässt

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17 COMMENTS

  1. Deckt sich leider mit den Ergebnissen der PISA-Studie-2025.
    Dort war der Anteil SuS, die angaben im Berichtszeitraum mehrfach Opfer von Mobbing und Cybermobbing gewesen zu sein, deutlich höher als im OECD-Schnitt.

  2. Nein, nicht die Schule ist der Tatort.

    Der Punkt ist, dass Cybermobbing in der Regel unter Menschen geschieht, die sich kennen. Und in Schulen kennen sich sehr viele untereinander. Das ist eine Korrelation, keine Kausalität, wie der Titel suggeriert.

    Mit geht es so langsam auf die Nerven, immer wieder dieselben bekannten Fakten lesen zu und die sinnfreien Forderungen, das Schule es richten müsse, lesen zu müssen. Wir (meine Schule) betreiben massig Aufklärung (Prävention, Projekte, im Klassenrat, auf Elternabenden). Das Thema kommt in verschiedenen Fächern als Thema dran. Sogar mehrmals in Englisch.
    Bringt nichts. Man könnte fast meinen, dass das Problem dadurch nur noch schlimmer gemacht würde, da einige erst auf dumme Gedanken gebracht werden.

    Eine andere Lösung muss her! Schule schafft es nicht, weil sie es nicht schaffen kann.

    • Ich dachte Ähnliches, als ich das las. Wir machen Eltern der 5er darauf aufmerksam, dass WhatsApp-Gruppen nicht geeignet, die Kinder zu jung sind und wir Lehrer keine Aufsicht führen (anders als bei der Schulplattform, die auch einen Chat anbietet). Keine vier Wochen später geschieht die erste „Katastrophe“, Tatort: WhatsApp-„Klassenchat“, aufgeregte Eltern und Kinder, Emails, Diskussionen. Und der freundliche Hinweis, dass wir da zwar guten Willens, aber unsere Mittel begrenzt sind.

    • Sehr guter Hinweis.

      Es ist schon penetrant, wie den Schulen das immer wieder hingeschoben wird, obwohl es sich offensichtlich (Whatsapp vs. DSGVO) um rein private Chat-Gruppen handelt.

  3. Wann kommt ein Handy-Verbot an Schulen von oben.

    Wir nehmen alle Handys morgens ab. Ein Mitführen ist verboten.

    Null Probleme, alle Schüler machen es anstandslos.

  4. „Tatort ist fast immer die Schule“
    „Zu gut 90 Prozent finden die Attacken laut Erhebung im Schulumfeld statt.“

    Zwischen diesen beiden Aussagen gibt es doch wohl einen kleinen(?) Unterschied: „Schulumfeld“ bedeutet in der Regel private Chatgruppen von Schülern, mit denen die Schule erst einmal gar nichts zu tun hat. Und dann wird auch nicht während der Schulzeit gemobbt, sondern während der Freizeit. Also ein klassisches Versagen der Eltern im Hinblick Aufsichtspflicht, wenn diese so gar nicht wissen, was „die lieben Kleinen“ den ganzen Nachmittag und Abend im Netz treiben. Da hat die Schule ziemlich wenig Einfluss drauf.

    „Die Studie geht davon aus, dass etwa jeder zwölfte Grundschüler schon einmal attackiert wurde. «Diese Zunahme resultiert daraus, dass heute oft schon Sechs- bis Achtjährige ein Smartphone besitzen, die Social-Media-Nutzung früher beginnt und damit die Angriffsfläche früher gegeben ist»“

    Wozu braucht ein Sechs- bis Achtjähriger ein eigenes Smartphone? Da gibt es nun wirklich keinen Grund für und alle Gründe, welche die „Erziehungs“berechtigten vorschieben sind bloße Bequemlichkeits-Ausreden. Wenn es um Erreichtbarkeit im Notfall geht (wie haben wir das nur früher geschafft?) genügt eine Feature-Phone für 50 Euro oder eine der „Kinder-Smartwatches“ (mit der eingebauten „Überwachungsfunktion“…). Wer natürlich „Erziehung“ als dauerndes Nachgeben, Einknicken vor Dauerquengelei und „einfach Ruhe haben“ sieht, der kauft seinem Grundschüler natürlich ein Smartphone „weil alle Freunde auch eins haben“ (fällt in dieselbe Kategorie wie der glühende Gesamtschulverfechter, der das eigene Kind aufs Gymnasium schickt „weil alle Freund da auch hingehen“…).

    Da wird scheinbar wieder sehr oft das eigene Versagen auf Schule und Gesellschaft abgeschoben.

    • Ja, aber wenn die armen Erziehungsberechtigten das doch nicht besser wissen? Oder können? Dann muss doch die Schule! Ist doch sonst auch so! Weil: wo sind die Kinder denn den ganzen lieben Tag? Genau!

  5. Da Lehrer nicht nur keinerlei Rechte haben in Smartphones ein- geschweige denn durchzugreifen, sondern sich dabei sogar STRAFBAR machen würden… bleibt die ständig hochemotional vorgetragene Klage über den Missbrauch der
    – von den Eltern beschafften Geräte
    – mit i.d.R. von den Eltern kontrollierten SIM-Zugängen
    – und mit von Eltern bezahlten Verträgen das, was es schon vorher war:

    Ein Abwälzungs- und Entlastungsversuch für die eigene Unfähigkeit, den eigenen Kindern Grenzen zu setzen.

  6. Ist das heimlich aufgenommen Foto im Schwimmunterricht ein erfundenes Beispiel oder real? So etwas sollte eigentlich nicht vorkommen können.

    Die Aussagen halte ich für irreführend. Nur weil ich etwas „Klassenchat“ nenne, handelt es sich beim Tatort doch nicht um die Schule. Diese Dinge werden in der Freizeit gemacht.

    Die Studie des Vereins zeigt die Wichtigkeit und Wirksamkeit von Prävention in Schulen. Wie praktisch, dass der Verein genau das anbietet.

    Mein Kind hat schon eine zweistellige Anzahl Mobbinpräventions-Maßnahmen absolviert. Bringen tut es exakt gar nichts. In der ersten kleinen Pause, der Workshop ist noch nicht mal abgeschlossen, gibt es die selben Hänseleien und Streitigkeiten wie eh und jeh. Diejenigen die es eigentlich betrifft, hören beim Workshop gar nicht zu.

    Wir brauchen keine Workshops die Schulzeit kosten, keine Verbote aus der Politik, sondern einfach nur Eltern die ihre Verantwortung ernst nehmen.

    Und die entscheidende Frage ist und bleibt: Warum haben sehr junge Kinder Zugang zu Social Media und Messengerdiensten, wenn die negativen Folgen klar auf der Hand liegen. Eltern können das einfach und vollständig kontrollieren, ganz ohne Gesetze.

    • „Und die entscheidende Frage ist und bleibt: Warum haben sehr junge Kinder Zugang zu Social Media und Messengerdiensten…“

      Exakt, und die Antwort lautet:

      Weil die Erwachsenen selbst komplett drauf sind und ihr Leben nicht mehr im Griff haben.

  7. Unsere Schule lässt die Kinder jedes Jahr an einem Workshop Cybermobbing teilnehmen. Da lernen die Kinder, wie man das macht.

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