BERLIN. Die Unzufriedenheit mit dem deutschen Schul- und Bildungssystem ist weit verbreitet. Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge machen sich 79 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger große oder sehr große Sorgen über dessen Qualität. Damit gehört Bildung neben steigenden Preisen und der Handlungsfähigkeit der Bundesregierung zu den Themen, die die Menschen besonders beschäftigen. Auffällig ist allerdings, wie unterschiedlich die Anhänger der politischen Parteien die Probleme bewerten: Ausgerechnet unter den Unterstützern der Union ist die Sorge um das Bildungssystem vergleichsweise gering.

Mehr als drei Viertel der Menschen in Deutschland sehen die Qualität des Schul- und Bildungssystems mit Sorge. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten „Sorgenbarometer Oktober 2026“ hervor, das das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL und ntv erstellt hat. 79 Prozent der Befragten gaben an, sich darüber große oder sehr große Sorgen zu machen. Bildung zählt damit zu den drei am häufigsten genannten Sorgenfeldern der Untersuchung.
Noch stärker beschäftigt die Menschen demnach die Frage, ob die Bundesregierung den Herausforderungen gewachsen ist. 87 Prozent sorgen sich, dass die Regierung mit den Problemen überfordert sein könnte. Steigende Preise bereiten 84 Prozent der Befragten große oder sehr große Sorgen.
Die Ergebnisse zeigen damit, dass die Qualität des Bildungssystems in der öffentlichen Wahrnehmung einen ähnlich hohen Stellenwert einnimmt wie die wirtschaftliche Entwicklung und die politische Handlungsfähigkeit der Regierung. Allerdings erfasst die Befragung lediglich das Ausmaß der Sorgen. Welche konkreten Missstände die Menschen im Schul- und Bildungssystem sehen oder welche politischen Maßnahmen sie erwarten, wurde in den veröffentlichten Ergebnissen nicht näher aufgeschlüsselt.
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den politischen Lagern. Unter den Anhängerinnen und Anhängern der AfD machen sich 83 Prozent Sorgen über ein unzureichendes Schul- und Bildungssystem. Bei den Unterstützern von CDU und CSU sind es dagegen lediglich 58 Prozent. Damit ist die Sorge um die Bildungsqualität unter Unionsanhängern deutlich weniger verbreitet als in der Bevölkerung insgesamt.
Auch bei der Bewertung der Bundesregierung gehen die Einschätzungen auseinander. Während nahezu sämtliche AfD-Anhänger (99 Prozent) meinen, die Regierung könnte mit den Problemen überfordert sein, äußern 60 Prozent der Unionsanhänger und 76 Prozent der SPD-Anhänger entsprechende Sorgen.
Die parteipolitischen Unterschiede beschränken sich allerdings nicht auf die Einschätzung der Regierungsarbeit und des Bildungssystems. Besonders ausgeprägt sind sie bei den Themen Zuwanderung, Extremismus und Klimawandel.
So machen sich 98 Prozent der AfD-Anhänger Sorgen über die Folgen der Zuwanderung, während dieser Anteil unter allen Befragten bei 56 Prozent liegt. Auch das Ausmaß der Kriminalität beschäftigt AfD-Unterstützer mit 91 Prozent deutlich häufiger als die Bevölkerung insgesamt (70 Prozent).
Umgekehrt ist die Sorge vor zunehmendem Rechtsextremismus unter Anhängern von SPD und Grünen besonders verbreitet. Sie erreicht dort 98 beziehungsweise 97 Prozent. Die mögliche Zunahme des Linksextremismus beschäftigt dagegen vor allem Anhänger der AfD (87 Prozent) und der Union (76 Prozent).
Beim Klimawandel fallen die Unterschiede ebenfalls erheblich aus. Während sich 95 Prozent der Grünen-Anhänger und 90 Prozent der Linken-Anhänger Sorgen über dessen Folgen machen, sind es unter AfD-Unterstützern lediglich 25 Prozent.
Weniger weit auseinander liegen die Einschätzungen zur Gefahr, Deutschland könnte in einen Krieg hineingezogen werden. Insgesamt machen sich darüber 58 Prozent der Befragten Sorgen. Unter den Anhängern von SPD und AfD liegt der Anteil jeweils bei 62 Prozent. Am geringsten ist er unter Grünen-Anhängern mit 41 Prozent.
Für das „Sorgenbarometer Oktober 2026“ befragte Forsa zwischen dem 21. und 23. Oktober insgesamt 1.009 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger. Die statistische Fehlertoleranz gibt das Institut mit plus/minus drei Prozentpunkten an. News4teachers
Umfrage: Bildungskrise gilt Bürgern als Bedrohung Nummer eins für Deutschland