Home Nachrichten Kritik an Abordnungen: „Auch Lehrkräfte haben das Recht auf Lebensplanung“

Kritik an Abordnungen: „Auch Lehrkräfte haben das Recht auf Lebensplanung“

1
Anzeige

DRESDEN. Im laufenden Schuljahr werden in Sachsen deutlich mehr Lehrkräfte an andere Schulen abgeordnet als im Vorjahr. Die Linke sieht darin ein Problem und verlangt andere Schritte gegen den Personalmangel.

Abordnungen von Lehrkräften sind ein durchaus übliches Verfahren – in einigen Bundesländern jedenfalls. Illustration: Shutterstock

Der sächsische Schulbetrieb kommt ohne Abordnungen von Lehrerinnen und Lehrern an andere Schulen nicht mehr aus. Die Linken im Landtag fragten nun Zahlen zum Ausmaß der aktuellen Lage ab. Motivation und Entlastung seien besser als Druck, lautete das Fazit der Linksfraktion.

Abordnungen seien nicht das beste Mittel, weil die Probleme oft nur verlagert würden, betonte Linke-Bildungsexpertin Luise Neuhaus-Wartenberg. «Überwinden können wir den Mangel nur, indem der Personalbedarf realistisch geplant wird, das Lehramtsstudium praxisnäher wird und Studierende stärker in den Unterrichtsalltag eingebunden werden». Es wäre besser, wenn sich mehr Lehrkräfte im Erzgebirge oder in der Lausitz ansiedeln würden, sagte sie. «Je früher wir ihnen das schmackhaft machen, desto besser ist es.»

Lehrkräftemangel vor allem abseits der Großstädte ein Problem

«Der Lehrkräftemangel ist heute abseits der Großstädte ein viel größeres Problem als in Leipzig oder Dresden. Wir müssen aktuelle und künftige Lehrkräfte dazu bewegen, auch fernab der Metropolen zu arbeiten», sagte Neuhaus-Wartenberg. Dabei sei es besser, sie zu motivieren, als sie per Abordnung zu zwingen. Dieses Instrument mache den Beruf nicht attraktiver. Kultusminister Conrad Clemens (CDU) mache einen großen Fehler, wenn er den Anwärtersonderzuschlag streichen wolle. «Auch Lehrkräfte haben das Recht auf Lebensplanung.»

Nach Angaben des Kultusministeriums gibt es aktuell 6.768 Abordnungen, darunter 812 sogenannte Vollabordnungen. Diese Lehrkräfte sind dann überhaupt nicht mehr an ihrer ursprünglichen Schule im Einsatz.

Die Zahl der Abordnungen lässt aber keinen Rückschluss auf die Anzahl der abgeordneten Lehrer zu. Ein Sportlehrer kann beispielsweise an mehreren Schulen Unterricht erteilen – das wird dann auch mehrfach als Abordnung gezählt. Zu Beginn des vergangenen Schuljahres waren 2.263 Lehrkräfte betroffen. Die Zahl für das derzeitige Schuljahr liegt erst im November vor, hieß es. News4teachers

„Das Kultusministerium überspannt den Bogen deutlich“: Tausende von Abordnungen – Lehrerverbände schäumen vor Wut

Anzeige

1 COMMENT

  1. Nicht vergessen: Das Pendeln zwischen zwei Schulen innerhalb eines Tages ist sowohl Arbeitszeit als auch eine Dienstreise, d.h. Kosten sind zu erstatten! Auch die Fahrt zur abgeordneten Schule, wenn diese weiter weg ist als die Stammschule!

Kommentar schreiben

Bitte gib einen Kommentar ein!
Bitte gib deinen Namen ein

wpDiscuz
Die mobile Version verlassen