KIEL. Trotz fortschreitender Digitalisierung bestellt die schleswig-holsteinische Landesregierung weiterhin Millionen Blatt Papier. Zu den Ressorts mit den höchsten Ausgaben gehört das Bildungsministerium: Allein 2025 gab es knapp 13.000 Euro für Papier aus. Die oppositionelle SPD wundert sich – und kritisiert, dass die Regierung den tatsächlichen Verbrauch nicht erfasst.

Das schleswig-holsteinische Bildungsministerium gehört zu den Ressorts mit den höchsten Papierkosten innerhalb der Landesregierung. Im vergangenen Jahr gab es 12.873 Euro für Papier aus. Nur das Finanzministerium lag mit 13.055 Euro noch darüber. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Kianusch Stender hervor.
Bereits 2022 hatte das Bildungsministerium mit Ausgaben von 12.309 Euro zu den größten Papierbeschaffern gehört. Insgesamt bestellten Staatskanzlei und Ministerien 2025 knapp 5,8 Millionen Blatt Papier, nach gut sieben Millionen im Vorjahr. Die Kosten beliefen sich auf mehr als 48.000 Euro. Wie viel Papier tatsächlich verbraucht wurde, erfasst die Landesregierung nach eigenen Angaben nicht.
Der SPD-Abgeordnete Stender sieht darin ein grundsätzliches Problem. „Die Antwort der Landesregierung zeigt nicht nur ein Problem beim Papierverbrauch, sondern ein grundsätzliches Problem bei der Verwaltungssteuerung“, kritisierte er. Seit 2022 bis Ende Juni 2026 habe die Landesregierung fast 30 Millionen Blatt Papier beschafft.
Stender bemängelt, dass die Regierung zwar zahlreiche Digitalisierungsmaßnahmen anführe, aber kaum konkrete Einsparungen, Effizienzgewinne oder überprüfbare Zielwerte benenne. Auch die teilweise erheblichen Unterschiede zwischen Papiermengen und Beschaffungskosten der Ressorts seien auffällig, könnten allerdings durch unterschiedliche Papierarten, Formate oder Beschaffungszeitpunkte erklärt werden.
Entscheidend sei, ob die Digitalisierung tatsächlich Verwaltungsaufwand reduziere. „Damit bleibt unklar, ob Digitalisierung tatsächlich zu weniger Aufwand führt oder ob lediglich bestehende analoge Abläufe durch neue digitale Systeme ergänzt werden. Eine Verwaltung ist nicht schon deshalb effizienter, weil sie ein weiteres digitales Verfahren eingeführt hat.“ News4teachers / mit Material der dpa
17 Ziele der Nachhaltigkeit – Eine UN-Konvention nur für Kinder?
Das Bildungsministerium in Schleswig-Holstein gehört trotz Digitalisierung zu den Spitzenverbrauchern an Papier. Mit knapp 13.000 € im Jahre 2025 lag es nach dem Finanzministerium auf dem zweiten Spitzenplatz aller Ressorts. Dazu nach N4T die Stellungnahme des SPD Abgeordneten Stender, auf dessen Nachfrage diese Zahl ermittelt wurde: „Entscheidend sei, ob die Digitalisierung tatsächlich Verwaltungsaufwand reduziere. „Damit bleibt unklar, ob Digitalisierung tatsächlich zu weniger Aufwand führt oder ob lediglich bestehende analoge Abläufe durch neue digitale Systeme ergänzt werden. Eine Verwaltung ist nicht schon deshalb effizienter, weil sie ein weiteres digitales Verfahren eingeführt hat.“
Interessant hierbei ist, dass es ausschließlich um die Frage der Effizienz durch Digitalisierung geht. Die ist natürlich in SH genauso wichtig wie in allen anderen Bundesländern. Ganz sicher gibt es Kriterien, mit deren Hilfe diese Effizienz gemessen werden kann.
Was mir aber direkt auffällt: Es wird nicht einmal ansatzweise erwähnt, dass es bei der Digitalisierung auch um Reduzierung des Papierverbrauchs und damit um einen Beitrag zur Nachhaltigkeit geht. Nur Recyclingpapier kann als ressourcenschonend gelten, denn durch seine Verwendung werden Wasser, Energie und CO² – Emissionen eingespart. Normalpapier zeichnet sich durch einen höheren Ressourcenverbrauch, Klimabelastung und die Schonung der Wälder aus.
Es ist keinesfalls marginal, dass Nachhaltigkeit in diesem Vorgang keine Rolle spielt. Es macht dagegen deutlich, dass Nachhaltig, Klima- und Umweltschutz keineswegs in den Köpfen von politisch Handelnden angekommen sein müssen. Das erklärt dann auch die mangelhafte Entscheidungskraft und die ebenso mangelhafte Vorbildwirkung in vielen anderen Bereichen. Deutschland belegt ausweislich verschiedener Studien beim Papierverbrauch immer noch einen unrühmlichen Spitzenplatz. Zahlreiche Schulen haben die 17 Nachhaltigkeitsziele gemäß UN-Beschluss zu ihrem Programm erhoben. Es wird höchste Zeit dafür, dass unsere Kinder erleben, dass die 17 Ziele der Nachhaltigkeit nicht nur für Kinder gelten, sondern für ausnahmslos alle, also auch für Erwachsene und Behörden.
Vielleicht liegt das daran, dass die Ministeriumsmitarbeitenden ihren Arbeitstag mit dem Falten von Papierfliegern, lustigen Hütchen, Schiffchen oder fröhlichen Origami-Projekten rumzukriegen versuchen, denn – gemessen an den Ergebnissen für die Basis – gearbeitet wird dort doch scheinbar nicht. Daher rührt auch das strikte Verbot, am Vormittag aus dem Bürofenster zu gucken, weil man ansonsten nachmittags nix mehr zu tun hätte.
Immerhin hat sich beim Verbrauchsvergleich vom Vorjahr zum Erhebungszeitpunkt eine Einsparung von 1,2 Millionen Blatt ergeben … wenn das nicht eine echte Sparleistung ist … nach Donald Trump wäre das eine Einsparung von 600 bis 1200 Prozent!
Das schafft unser Finanzminister nicht.
Go on and go for it!!
Aber die PDF’s müssen doch ausgedruckt und abgeheftet werden. So funktioniert doch Digitalisierung … oder nicht?