MÜNCHEN. Die neue PISA-Studie hat vor allem wegen der Leistungen deutscher Schülerinnen und Schüler Aufmerksamkeit gefunden. Weniger beachtet wurden bislang die Ergebnisse darüber, wie Jugendliche ihren Unterricht erleben. Dabei zeigen sich in Bereichen, die für die schulische Praxis hierzulande von Bedeutung sind, Schwächen: beim Disziplinarklima, bei der individuellen Unterstützung und bei der Zusammenarbeit im Kollegium. Allerdings ist das Bild nicht einheitlich – bei fachlich herausfordernden Lernaktivitäten liegt Deutschland im internationalen Durchschnitt. Und während sich die rechnerische Personalausstattung verbessert hat, berichten Jugendliche von weniger naturwissenschaftlichem Unterricht als vor zehn Jahren.

Fast jeder dritte 15-Jährige in Deutschland berichtet, dass die Lehrkraft im naturwissenschaftlichen Unterricht in fast allen oder allen Stunden lange warten muss, bis die Klasse ruhig ist. Konkret sind es 29 Prozent der Befragten.
Deutschland liegt beim sogenannten Disziplinarklima unter dem Durchschnitt der OECD- und EU-Staaten. Das zeigt Kapitel 11 des deutschen PISA-Berichts, in dem die Bildungsforscher*innen Henrike Elmers, Sittipan Yotyodying, Anja Schiepe-Tiska und Knut Neumann untersuchen, welche Bedingungen Jugendliche an ihren Schulen vorfinden und wie diese mit ihren naturwissenschaftlichen Leistungen zusammenhängen. Dabei werden sowohl Einschätzungen der Jugendlichen als auch Angaben von Lehrkräften und Schulleitungen berücksichtigt.
Jugendliche in Deutschland berichten von mehr Unterrichtsstörungen als im OECD-Durchschnitt
Beim Disziplinarklima erreicht Deutschland auf dem PISA-Index zur Klassenführung einen Wert von 0,04. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 0,14, der EU-Durchschnitt bei 0,09. Günstiger bewerten Jugendliche die Klassenführung in Österreich (0,32), Estland (0,23) und der Schweiz (0,19). In Frankreich (minus 0,12) und den Niederlanden (0,00) fallen die Einschätzungen dagegen ungünstiger aus.
Der Index erfasst, ob Jugendliche im Unterricht aufmerksam arbeiten können, wie häufig Störungen auftreten und ob Arbeitsphasen zügig beginnen. Über die Strenge von Lehrkräften oder den Einsatz von Sanktionen sagt er nichts aus.
Bemerkenswert ist der Zusammenhang mit den Leistungen: Innerhalb Deutschlands geht eine um eine Standardabweichung günstigere Bewertung der Klassenführung statistisch mit durchschnittlich 13 zusätzlichen PISA-Punkten in den Naturwissenschaften einher. Berücksichtigt wurden unter anderem die soziale Herkunft, der Zuwanderungshintergrund, das Geschlecht und die besuchte Schulart.
Unter den drei untersuchten Dimensionen der Unterrichtsqualität fällt dieser Zusammenhang am deutlichsten aus. Bei der Unterstützung durch Lehrkräfte beträgt er drei Punkte. Für die kognitive Aktivierung, also die fachliche Herausforderung im Unterricht, ergibt sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang.
Warum das Disziplinarklima in Deutschland ungünstig bewertet wird, erklärt die Untersuchung nicht. Auch lässt sich aus dem statistischen Zusammenhang nicht ableiten, dass strengere Disziplinarmaßnahmen bessere Leistungen bewirken würden.
Die Forschenden betonen vielmehr das Zusammenspiel der Unterrichtsmerkmale: „Die drei Dimensionen sind theoretisch eng miteinander verbunden. Lernwirksamer Unterricht setzt voraus, dass Lernzeit effektiv genutzt wird, Schüler*innen kognitiv herausfordernde Aufgaben bearbeiten und zugleich die notwendige Unterstützung erhalten, um diese Anforderungen erfolgreich zu bewältigen.“
Deutsche Jugendliche fühlen sich vergleichsweise wenig unterstützt
Bei der sogenannten konstruktiven Unterstützung durch die Lehrkraft fällt der Abstand zum internationalen Durchschnitt noch größer aus. Deutschland erreicht einen Indexwert von minus 0,28, gegenüber 0,03 im OECD- und minus 0,08 im EU-Durchschnitt.
Unter den ausgewählten Vergleichsstaaten bewerten Jugendliche die Unterstützung nur in den Niederlanden (minus 0,31) noch ungünstiger. Österreich liegt mit minus 0,25 nahe bei Deutschland, die Schweiz (minus 0,10) und Estland (0,01) schneiden besser ab.
Die Jugendlichen beurteilen unter anderem, ob sich ihre Lehrkraft für ihr Lernen interessiert, bei Schwierigkeiten zusätzliche Hilfen anbietet und darauf achtet, dass sie den Stoff verstehen. Auch die Möglichkeit, eigene Positionen einzubringen, gehört dazu.
Dabei fallen die Antworten unterschiedlich aus: 55 Prozent der Jugendlichen in Deutschland berichten, dass ihre Lehrkraft erst mit dem Unterricht fortfährt, wenn alle den Inhalt verstanden haben.
Gegenüber 2015 hat sich die wahrgenommene Unterstützung in Deutschland offenbar leicht verbessert. Der Abstand zum damaligen OECD-Durchschnitt ist kleiner geworden. Dennoch liegt Deutschland weiterhin unter dem aktuellen OECD-Durchschnitt.
Bei anspruchsvollen Lernaktivitäten liegt Deutschland dagegen im OECD-Durchschnitt
Ein anderes Bild ergibt sich bei der dritten untersuchten Dimension der Unterrichtsqualität: der kognitiven Aktivierung. Deutschland erreicht einen Indexwert von 0,02 und liegt damit ungefähr auf OECD-Niveau (0,00). Der EU-Durchschnitt beträgt minus 0,06.
Dabei geht es darum, ob der naturwissenschaftliche Unterricht zum fachlichen Denken anregt – beispielsweise durch das Erklären naturwissenschaftlicher Prinzipien, das Verknüpfen neuer Inhalte mit bereits Bekanntem oder die Planung von Experimenten.
27 Prozent der Jugendlichen in Deutschland berichten, im naturwissenschaftlichen Unterricht regelmäßig aufgefordert zu werden, ein Experiment zur Lösung eines naturwissenschaftlichen Problems zu entwerfen.
International zeigen sich Unterschiede: In Kanada wird die kognitive Aktivierung mit einem Indexwert von 0,22 besonders günstig eingeschätzt, in den Niederlanden mit minus 0,36 besonders ungünstig.
Dass sich für diese Dimension in der deutschen PISA-Analyse kein statistisch signifikanter Zusammenhang mit den naturwissenschaftlichen Kompetenzen zeigt, bewerten die Forschenden zurückhaltend. Der Wert liege nahe an der Signifikanzgrenze. Zudem erfasst PISA die kognitive Aktivierung 2025 nur über einen Teilbereich, nämlich die Instruktion der Lehrkraft. Aus dem Ergebnis lässt sich deshalb nicht schließen, dass anspruchsvolle Lernaufgaben für den Kompetenzerwerb unerheblich wären.
Bei der Zusammenarbeit im Kollegium liegt Deutschland unter dem OECD-Durchschnitt
Bei den schulischen Rahmenbedingungen fällt die Zusammenarbeit im Kollegium auf. Deutschland erreicht auf dem Kooperationsindex minus 0,13 und liegt damit unter dem OECD-Durchschnitt von 0,10 sowie dem EU-Durchschnitt von minus 0,05.
2015 lag Deutschland mit einem Indexwert von 0,11 noch ungefähr auf dem damaligen OECD-Niveau von 0,08. Inzwischen ist der Abstand deutlich größer.
Dabei geben 54 Prozent der befragten Lehrkräfte an, häufiger als dreimal im Monat Unterrichtsmaterialien mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Der Kooperationsindex berücksichtigt jedoch weitere Formen der Zusammenarbeit.
Die internationale Vergleichbarkeit ist eingeschränkt: Nicht alle Staaten haben am Lehrkräftefragebogen teilgenommen. Zudem beruhen die Ergebnisse auf einer reduzierten Stichprobe und ungewichteten Mittelwerten. Unter den verfügbaren Vergleichsstaaten weisen Frankreich und die Niederlande noch niedrigere Kooperationswerte auf als Deutschland.
Einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der erfassten Kooperation und den naturwissenschaftlichen Leistungen findet PISA für Deutschland nicht. Die Forschenden verweisen auf mögliche indirekte Wirkungen: „Auch die Kooperation im Kollegium steht kaum in direktem Zusammenhang mit den Kompetenzen von Schüler*innen, sondern wirkt eher indirekt, etwa über gemeinsame Unterrichtsentwicklung oder die Weiterentwicklung schulischer Routinen (Hattie, 2009; Richter & Pant, 2016). “
Weniger naturwissenschaftlicher Unterricht – trotz verbesserter Personalausstattung
Auch beim Umfang des naturwissenschaftlichen Unterrichts zeigt sich eine Veränderung. 2015 berichteten die Jugendlichen in Deutschland von durchschnittlich 4,68 Unterrichtsstunden pro Woche in den Naturwissenschaften, 2025 waren es noch 4,07.
Während Deutschland 2015 über dem damaligen OECD-Durchschnitt von 4,22 Stunden lag, befindet es sich inzwischen ungefähr auf OECD-Niveau. Der Durchschnitt beträgt 3,96 Stunden, in der EU 4,10 Stunden.
In Estland geben die Jugendlichen durchschnittlich 5,46 naturwissenschaftliche Unterrichtsstunden pro Woche an, in der Schweiz 3,20 und in den Niederlanden 2,69.
Die Angaben beruhen auf den Auskünften der Jugendlichen zu ihrem regelmäßigen Unterricht in Fächern wie Physik, Chemie und Biologie. Sie belegen weder eine Kürzung der Stundentafeln noch einen Anstieg des Unterrichtsausfalls.
PISA findet allerdings einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Unterrichtszeit und Leistungen: Eine zusätzliche regelmäßige naturwissenschaftliche Unterrichtsstunde geht in Deutschland durchschnittlich mit sechs Kompetenzpunkten mehr einher, wenn zentrale Hintergrundmerkmale berücksichtigt werden.
Die Forschenden betonen die Bedeutung der Unterrichtsgestaltung: „Der in diesem Kapitel berichtete schwach signifikante Zusammenhang zwischen Unterrichtsstunden und naturwissenschaftlicher Kompetenz deutet darauf hin, dass nicht die Anzahl angebotener Unterrichtsstunden, sondern die Nutzung und Qualität dieser entscheidend sind (z. B. Meissner et al., 2020).“
Bei der Personalausstattung zeigt sich eine andere Entwicklung. Kamen 2015 in Deutschland rechnerisch 14,67 Schülerinnen und Schüler auf eine Lehrkraft, waren es 2025 noch 13,30. Die Relation hat sich damit verbessert, liegt allerdings weiterhin ungünstiger als der EU-Durchschnitt von 10,66.
Die Kennzahl beschreibt das Verhältnis von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern auf Schulebene, nicht die Klassengröße. Über die Auswirkungen kleinerer Klassen lässt sich daraus keine Aussage ableiten.
Auch der statistische Zusammenhang zwischen der Personalausstattung und den naturwissenschaftlichen Leistungen fällt vergleichsweise gering aus: Eine um vier Schülerinnen und Schüler je Lehrkraft günstigere schulische Betreuungsrelation geht statistisch mit durchschnittlich zwei zusätzlichen Kompetenzpunkten einher. Die Forschenden ordnen die Lehrkraft-Schüler-Relation als Indikator personeller Ressourcen ein, der allein nur begrenzt Auskunft über die tatsächlichen Lerngelegenheiten gibt. News4teachers
Hier lässt sich der komplette PISA-Bericht für Deutschland gratis herunterladen.
Ja, es gibt bei vielen Lehrern viele Unterrichtsstörungen. Das hat sich seit Jahrzehnten abgezeichnet/angekündigt. Ich bin oft erschrocken, wie hilflos viele Lehrkräfte den Störungen gegenüber stehen. Sie machen einen Eintrag im Klassenbuch. Das ist alles. Dann erwarten sie, dass der Klassenlehrer das Problem für sie löst. (Und wer der es auch nicht besser kann?)
Man muss aber auch sagen, „Disziplin“ war lange Zeit verpönt. Selbst im Artikel klingt das ja an.
Das ist die intrinsische Motivation, die man nur durch spannenden Unterricht wecken muss.
Dass das bis zur Pubertät vielleicht noch klappt, Kinder ab 11 oder 12 dann aber oftmals ganz andere Interessen haben als zu lernen, liegt IMMER am Lehrer und an der fehlenden Vorbereitung des Unterrichts.
Auch was andere Leute hier bemängeln… Ja klar wäre es toll wenn wir permanent in multiprofessionellen Teams arbeiten würden, uns selbst, den Unterricht und das Material überprüfen würden uns jede Stunde spannend wäre.
Die Realität ist aber das wir alle mindestens 26 Stunden Unterricht pro Woche geben. Je nach Bundesland und Verordnungen.
Das einige durchaus auch Familien haben die auch 10 bis 20 Minuten Aufmerksamkeit pro Tag brauchen und verdienen.
Das man durch unterrichtsferne Aufgaben immer mehr und mehr eingespannt wird.
Das pädagogische und disziplinarische Bereiche immer mehr Zeit erfordern.
Man immer mehr Zeit mit den Eltern verbringt und auch die Korrekturen immer mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Ich habe daher permanent das Gefühl niemandem gerecht zu werden. Das frisst die Seele auf und macht einen kaputt.
„Die Jugendlichen beurteilen unter anderem, ob sich ihre Lehrkraft für ihr Lernen interessiert, bei Schwierigkeiten zusätzliche Hilfen anbietet und darauf achtet, dass sie den Stoff verstehen.“
Das sind wohl die Schüler*innen, die im Forum als „faul“ bewertet werden… Sollen deren Eltern mehr „Eigenverantwortung“ zeigen oder whatever (augenroll)
„Dabei geben 54 Prozent der befragten Lehrkräfte an, häufiger als dreimal im Monat Unterrichtsmaterialien mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.“
Dabei sagen sie noch „Guten Morgen.“ ohne dabei den Vornamen ihrer Gegebüber zu vergessen – wie viel mehr an Zusammenarbeit muss da noch aufgebracht werden?
„Während Deutschland 2015 über dem damaligen OECD-Durchschnitt von 4,22 Stunden lag, befindet es sich inzwischen ungefähr auf OECD-Niveau. Der Durchschnitt beträgt 3,96 Stunden, in der EU 4,10 Stunden.“
Quatsch beiseite und ohne Mängel rechtzufertigen, aber war dies nicht eventuell eine Folgen der Fokussierung auf Kernfächer – also einer Notmaßnahme?
Was mich daran wieder massiv ärgert: das wurde uns 2009 (!) nach dem Referendariat mit auf den Weg gegeben, dass wir die Teamarbeit im Kollegium aufbauen sollen. Ich habe das regelmäßig in allen regionalen Gymnasien, in denen ich tätig war, angesprochen und angemahnt, Vorschläge unterbreitet, es gab auch andere Kollegen und Kolleginnen,die das gerne aufbauen würden … es hat niemanden aus der Leitung so wirklich interessiert, dabei weiß man aus zahlreichen Studien, von Hattie bis hin zu den großen Erfolgsländern, dass Teamarbeit und gemeinsame Unterrichtsentwicklung ein entscheidender Faktor sind.
Man muss das so hart sagen: diese Befunde werden komplett ignoriert, vom Ministerium und von den örtlichem Leitungsebenen.
Warum brauchst du die SL dafür?
Such dir doch einfach Kolleg:innen, die mitmachen, für ein Projekt, eine Einheit, ein Fach, eine Klasse.
Fangt einfach an, dann finden sich andere, die das auch machen und wollen.
Wirkliche Teamstrukturen zu etablieren führt an der SL nicht vorbei. Sie muss die Schulorganisation darauf ausrichten…..Zeiten schaffen für Teamsitzungen und deren Ablauf, Vorgaben zu Verantwortlichkeiten schaffen und nachhalten. Erst dann ist es überhaupt möglich, echte Teamarbeit zu leben. Ist übrigens ein Schulentwicklungsvorhabrn, was nicht so einfach und rasch umzusetzen ist……
Was Sie meinen, ist, sich jemanden Gleichgesinnten zu schnappen und mit ihm/ihr ein Team zu bilden…..das mag ein Anfang sein, aber sobald sich Personalwechsel ergeben, ist das Team tot…..
Wenn’s aber die Schulleitung nicht weiß, gibt’s kein Fleißkärtchen!
„dass Teamarbeit und gemeinsame Unterrichtsentwicklung ein entscheidender Faktor sind. „
Bei PISA scheinbar nicht:
„Einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der erfassten Kooperation und den naturwissenschaftlichen Leistungen findet PISA für Deutschland nicht.“
Würde die Quelle dazu gerne lesen.
Vielleicht wirken Teamarbeit und Unterrichtsentwicklung sich in anderen Bereichen als der naturwissenschaftlichen Leustung positiv aus (und würden diese scheinbar nicht negativ beeinflussen?) 😉
Eine Verhaltensänderung soll der störende Schüler machen weil?
Welche Maßnahmen halten denn die Schüler/Eltern/Verantwortlichen Behörden und Politiker für angemessen? Ohne Beziehungsarbeit sind disziplinarische Maßnahmen wenig wirksam und oft einfach nur sehr sehr schwierig. Klassenstärken spielen bei einem Beziehungsaufbau Zeit pro Schüler welche Rolle nochmal…
Zeit wäre auch bei der gezielten Unterstützung hilfreich…
Aus dem Elfenbeinturm gibt es leider zu oft Vorschläge, die an der Front einfach nicht funktionieren…Angst vor Konsequenzen wurde ja abgeschafft und durch Einsicht ersetzt.
Klingt gut, ist in der Realität in der Gruppendynamik nur leider nicht immer umsetzbar…
Teamwork ist doch eigentlich nichts anderes als Gruppenarbeit, oder?! Da muss man dann machen, was die Mehrheit oder die Lautstarken beschließen, auch wenn das gar nicht richtig findet. Da bestimme ich doch lieber selbst. Ich bin Erwachsener und kein Kind. Erfahrungsaustausch kann man doch trotzdem machen und sich Ideen von anderen holen. Das finde ich gut.
Spannend, wie wenig KuK hier über Teamarbeit wissen. Offenbar ist es an den Schulen nicht etabliert…..da staune ich ein wenig.
Bei uns gibt es Klassenteams (alle, die Hauptfächer in der Klasse unterrichten), Jahrgangsteams (alle, die Hauptfächer in dem Jahrgang unterrichten und dazu die OGS-Erzieher). Falls es auch KuK gibt, die ein bestimmtes Fach (Z.B. Mathe oder Deutsch) gibt, dann haben wir nach Möglichkeit auch Fachteams.
Vor Anfang des Schuljahres gibt es entspechende Sitzungen, in denen Verantwortlichkeiten und spezielle Rituale (außerhalb der Schulregeln und des festen Classroommanagements) festgelegt werden.
Im Schuljahr treffen sie alle Teams zu festgelegten Zeiten einmal in der Woche (alle Kinder haben an diesem Tag gleichzeitig Schulschluss) und planen gemeinsam den Unterricht der folgenden Woche, planen Unternehmungen, besprechen Probleme oder Besonderheiten und machen ggf. eine Fallkonferenz.
Nein, dauert maximal zwei Stunden……und erfolgt tatsächlich während der regulären Arbeitszeit…..falls jemand jetzt denkt „oh Gott“
Arbeitsteilig wird dann der geplante Unterricht mit Materialien unterfüttert oder Planungen in Angriff genommen…..
Das ist Teamarbeit…..
„…erfolgt während der regulären Arbeitszeit.“ Heißt das, diese Teamzeiten stehen bei Ihren Kollegen im regulären Stundenplan? Oder heißt es nur, man ist vor 16.00 Uhr fertig? Teilzeitkräfte sind mit letzterem Modell mal wieder überdurchschnittlich belastet.
Wir haben einen Tag in der Woche, an dem alle Schüler gleichzeitig Schulschluss haben und alle Kollegen sich dann in den Teams zusammensetzen. Es ist auch der Tag, an dem unsere LKs, Fachkonferenzen, andere Sitzungen stattfinden…..
Und nein, dafür gibt es keine Deputatsermäßigung, weil dies zur ganz normalen Arbeitszeit einer Lehrkraft dazugehört (Vor-und Nachbereitung des Unterrichts).
Auch Teilzeitkräfte bereiten hoffentlich ihren Unterricht vor und nach. Für diese Lehrkräfte haben wir Freikarten für LKs und anderen Mechanismen…..
Klasse, wenn das bei euch geht – meine ich ganz ernst.
Wenn ich mir das allerdings in meiner Realität vorstelle, dann fahre ich mit dem ganzen zusätzlichen Zeitaufwand wahlweise meine Familie, meinen Job oder mich selbst gegen die Wand. Oder alles zusammen.
Denn in der Realität ist es nun leider so, dass der Dienstherr schon seit Jahren und Jahrzehnten immer mehr von uns verlangt, aber keinerlei Entlastung dafür zur Verfügung stellt.
Wenn Teamarbeit wirklich auch möglich gemacht (!!!) wird, gerne. Ansonsten verstehe ich jeden KuK, der die Umsetzung deiner Erfahrungen bei sich selbst kritisch sieht.
Vielleicht ist das auch einfach einer der Gründe dafür, dass das nicht flächendeckend gemacht wird – denn das das sinnvoll sein kann, ist glaub ich klar!
Warum sollten Sie mit diesem Modell Ihre Familie an die Wand fahren? Sie setzen sich zwei Stunden in der Woche mit Ihrem Team zusammen und planen gemeinsam den Unterricht für eine ganze Woche und haben Gelegenheit über Anliegen zu sprechen und bei Problemen Maßnahmen zu planen. Das müssten Sie sonst alleine tun und sich selber Zeiten suchen, an denen Sie mit den Beteiligten KuK sprechen können….
In der letzten Evaluation von unseren Konzepten, waren sich alle LuL bei uns einig, dass dieses Konzept uns in der Schule mit am meisten entlastet (auch was die Verantwortlichkeit und die pädagogische Geschlossenheit angeht).
Warum zählen Sie lediglich die Lehrer der Hauptfächer zu den Klassenteams?
„Neue PISA-Befunde zeigen, wo Deutschlands Unterricht schwächelt: Mehr Störungen, weniger Unterstützung – und zu wenig Teamwork im Kollegium.“
Der Hinweis auf mangelndes Teamwork im Kollegium greift aus meiner Sicht zu kurz. Viele erfahrene Kollegen lehnen Zusammenarbeit nicht deshalb ab, weil sie grundsätzlich nicht teamfähig wären, sondern weil gemeinsame Standards zunehmend fehlen. Wer seit Jahren erlebt, wie der fachlich abgespeckte Junglehrer sich durch die Unterrichtseinheiten kahootet und in der Parallelklasse Noten für pädagogisches Wohlfühlmanagement verschenkt, während anderswo noch Leistung, Verbindlichkeit und fachliche Ansprüche gelten, verliert irgendwann die Lust auf das verordnete Harmonieprojekt. Teamarbeit funktioniert nur dort, wo Einigkeit über Ziele und Maßstäbe herrscht. Fehlen diese, wird aus Kooperation bloß die gemeinsame Verwaltung von Beliebigkeit.
Besonders treffend formuliert es Ulla Bengs im Interview mit der WELT: „Ist ein neues Konzept politisch gewollt, so wird es auf Biegen und Brechen durchgedrückt, ohne vorher sorgfältig und über mehrere Jahre evaluiert zu werden.“ Genau dieser Eindruck entsteht seit Jahren. Der Lehrer soll heute Lernbegleiter sein, Noten sollen motivieren statt unterscheiden, Disziplin gilt schnell als überholt und Leistungsansprüche stehen unter Rechtfertigungsdruck. Gleichzeitig steigt die Zahl der Spitzenzeugnisse, während internationale Vergleichsstudien immer wieder sinkende Kompetenzen dokumentieren.
Die vielen Einser-Abiture sind deshalb längst kein verlässlicher Qualitätsnachweis mehr, sondern oft Ausdruck einer fortschreitenden Noteninflation. Wer Leistung und Anstrengung zunehmend als Problem darstellt, darf sich nicht wundern, wenn am Ende Zeugnisse und Fähigkeiten immer weiter auseinanderlaufen. PISA liefert keine Überraschung. Es liefert die Quittung für eine Entwicklung, die viele Praktiker seit Jahren beobachten und die politisch dennoch unbeirrt fortgesetzt wird.
Weitere Gründe an denen Team-Arbeit scheitert:
An meinen beiden ersten Schulen klappten kollegiale Zusammenarbeit und Absprachen meist sehr gut. Die Schulen waren klein (zweizügig, knapp 200 Schüler). Da kannte jeder jeden. In den Hofpausen saßen alle, die keine Aufsicht hatten, im Lehrerzimmer zusammen. Nach der 6. Stunde gingen die wenigsten sofort nach Hause, man saß noch bei einem Kaffee oder Tee eine Weile zusammen. Da wurden viele Dinge des Tages besprochen, Erfahrungen und Materialien ausgetauscht. Man half sich gegenseitig – da wurde ein Problemschüler auch mal ganz unbürokratisch für eine oder mehrere Stunden in eine andere Klasse gesetzt, ohne große „Fallbesprechungen“. Sofortmaßnahmen dieser Art zeigten fast immer, zumindest für eine Weile 🙂 ,Wirkung.
Gab es Probleme auf dem Schulhof, kannte man „seine Pappenheimer“ und wusste an welchen Lehrer man sich wenden musste. Das ermöglichte schnelle Reaktionen. An großen Schulen verläuft, meiner Erfahrung nach, viel im Sand, weil alles immer anonymer wird.
Quellen dazu oder sprechen Sie großen Schulen aus Prinzip schlechtere Ergbenisse zu?
„Nach der 6. Stunde gingen die wenigsten sofort nach Hause, man saß noch bei einem Kaffee oder Tee eine Weile zusammen. Da wurden viele Dinge des Tages besprochen, Erfahrungen und Materialien ausgetauscht.“
Zehn Likes für unbezahlte Mehrarbeit? Nicht schlecht! 🙂
„An großen Schulen verläuft, meiner Erfahrung nach, viel im Sand, weil alles immer anonymer wird.“
Und Sie suchten nicht das Gespräch im Team, um die von Ihnen empfundene Fehlentwicklung anzusprechen, weil… ?
Teilen Sie doch bitte mal Ihre Erfahrungen mit Team-Arbeit mit. Vielleicht können andere von Ihren Erfahrungen etwas lernen.
„Viele erfahrene Kollegen lehnen Zusammenarbeit nicht deshalb ab, weil sie grundsätzlich nicht teamfähig wären, sondern weil gemeinsame Standards zunehmend fehlen.“
Anerkennung geltenden Rechts?
Ne, Rainer, die Standards muss jede Schule schon selber erarbeiten….
Volle Zustimmung, wird aber nicht leichter, wenn diese Leute wissenschaftliche Erkenntnisse leugnen, Kinder mit Fluchthintergrund oder Behinderung ausgrenzen und die Religionsfreiheit abschaffen wollen 😉
Ich kannte es als Junglehrerin anders. Die erfahrenen Kollegen wollten nicht teilen. Sie meinten, dass die Jungen sich genauso durchbeißen müssten wie sie damals.
„Viele erfahrene Kollegen lehnen Zusammenarbeit nicht deshalb ab, weil sie grundsätzlich nicht teamfähig wären, sondern weil gemeinsame Standards zunehmend fehlen.“
Gebe es doch bloß eine Art Plan fürs Lernen…
Naja, das würde aber dennoch gegenseitigen Respekt erfordern und ausschließen, dass jemand stumpf mit seiner Idee durch die Wand rennen will, scheitert und de Frust am Team auslässt („Wer seit Jahren erlebt, wie der fachlich abgespeckte Junglehrer sich durch die Unterrichtseinheiten kahootet und in der Parallelklasse Noten für pädagogisches Wohlfühlmanagement verschenkt, während anderswo noch Leistung, Verbindlichkeit und fachliche Ansprüche gelten, verliert irgendwann die Lust auf das verordnete Harmonieprojekt.“)
Aber hey, alle machen alles falsch und sind schuld, außer Ihnen, wie einfach :/
Aber schön, dass Sie sich für eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation von Maßnahmen aussprechen, anstatt wissenschaftsfeindlich über „den Elfenbeinturm“, „Scheinforscher“ oder sonst was zu faseln – da pflichte ich Ihnen voll bei 🙂
Ich finde auch, dass uns immer mehr die Zügel aus der Hand gleiten. Manche Lehrkräfte versuchen noch, sich durchzusetzen, erfahren dabei nicht immer Unterstützung. Das reicht dann von „Mach dir doch kein‘ Stress mit denen, in 2 Jahren sind die weg“ über „Ich geb trotzdem 3en und 4en, sonst hab ich die Eltern am Hals“ und „Förderpläne schreib ich keine – wann denn?“ zu „Bring alles nix, wir haben ja kaum was in der Hand“. Auch schön: „Auf X musst du pädagogisch einfühlsam reagieren, hat ganz starkes [hier Eigendiagose der Klassenmutti/des Klassenpapas einfügen, ohne dass dies jemals getestet worden wäre].
Ich unterrichte in Sek. I & II. Häufig frage ich mich, ob die Kids in der Grundschule gar nicht mehr gelernt haben, wie man sich im gemeinsamen Unterricht (Nawiexperimente, Fremdsprachen-Anfangsunterricht etc.) verhält und sie folglich nicht erkennen, was sie selbst falsch machen, wenn sie nicht zur Ruhe kommen („Was will die Frau, hat wohl ’nen schlechten Tag“).
Wer 1/3 der Zeit (und mehr) um Aufmerksamkeit und Respekt (vor den anderen Kids, die was lernen wollen) kämpfen muss, schafft den Stoff/die Kompetenzvermittlung nicht. Siehe Pisa …
Richtig. Die Grundschule bringt es nicht mehr bei. Schule muss immer Spaß machen. Diese Entwicklung begann für uns im Osten genau nach der Wende. Ich erinnere mich an die hitzigen Diskussionen deswegen. Ist nun alles so gekommen wie befürchtet.
Echt, gleich nach der Wende? Bei uns in SH (zur Info: Bundesland in Nordwestdeutschland) erst ab ungefähr 2000.
Nach der Übernahme der Westberliner Rahmenlehrpläne und Lehrbücher hätten wir in Ost-Berlin erst einmal ein Schuljahr in fast allen Fächern auf der Stelle treten können (Sonderschule-Lernen), außer in Englisch. Fremdsprachen-Unterricht hatten diese Schüler bis dahin nicht, auch kein Russisch 🙂
Aber es dauerte nicht sehr lange, das West-Niveau zu etablieren. Wir sind ja lernfähig.
Das könnte zu tun haben mit dem neoliberalen Kult des Individualismus. „Selbstorganisiert“ ist das zeitgemäße Lernen in der PISA-Ära, „schülerzentriert“, „personalisiert“. Eben ganz so, wie es Arbeitgeberorganisationen, Wirtschaftsthinktanks und Konzernlobby sich vom postmodern flexibilisierten Proletariat wünschen. Dafür ist man dann auch gerne bereit, auch mal abseits ausgetretener Pfade demokratischer Kontrolle und öffentlicher Teilhabe zu operieren (liebe Grüße an die OECD). Wozu auch, denn „there is no such thing as society“ (M. Thatcher). Wer möchte es den Kids da noch verübeln, dass sie sich in der Schule nicht etwa mit anderen zusammenraufen (und sei es gegen die Schule), sondern wie vorgesehen als kleine Ich-AGs agieren und sich schonmal üben als angehende Arbeitskraftunternehmer?
Insofern läuft, was die soft skills angeht, v.a. die an den Ellbogen, im PISA-Zeitalter also alles wie vorgesehen. Nur mit den harten Fachkompetenzen, da hapert es noch ein wenig. Um nicht zu sagen: seit der erfolgreichen Umstellung unseres Bildungssystems auf testkompatible Lernfabriken läuft es so schlecht wie nie, und das ausgerechnet mit genau den Sachen, die PISA doch eigentlich hatte verbessern sollen.
Was PISA misst, resümmierte kürzlich der Erziehungswissenschaftler Volker Ladenthin, ist sein eigenes Scheitern:
https://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/pisa-misst-das-scheitern-von-pisa.html
Mein Kind wurde gerade eingeschult – er hatte ich sehr auf die Schule gefreut und es gab vorher keine nennenswerte Auffälligkeiten in der Kita oder bei anderen Aktivitäten. In den ersten 1,5-2 Wochen muss er in der Schule gut mitgemacht haben. Nach der 4. Woche teilte man uns dann per Email mit, dass unser Kind im Unterricht nicht mitmachen würde und aktiv stören würde. Nach der 6. Woche nahm man wieder Kontakt zu uns auf und berichtete, dass das Verhalten noch schlimmer geworden sei. Es müsse wohl ADHS vorliegen und das Kind bräuchte Medikamente und Schulbegleitung.Nun sind wir in Gesprächen mit dem Kinderarzt wie es weitergehen soll. Seitens der Schule wurde uns bislang keinerlei Perspektive für eine Lösung aufgezeigt. Die Lehrer wissen kaum etwas über das Kind, innerhalb der Schule scheint es auch keinerlei Ansatz zu geben um sich auszutauschen und zu helfen.
Es scheint offensichtlich zu sein, dass es an der Schule keinerlei Strukturen gibt, um Probleme in den Griff zu bekommen: Weder gegenseitige Unterstützungsmechanismus noch die Erwartungshaltung, dass Probleme von Kindern in der Schule auch in der Schule gelöst werden sollten.
Wundert sich da ernsthaft jemand darüber, dass das „Disziplinarklima“ schlecht ist, wenn es da schon bei manchen Kindern in den ersten Wochen zu Schwierigkeiten kommt, die Lehrer als unlösbar ansehen? Elementere pädagogische Ansätze wie eine Beziehung zu den Schülern aufzubauen, deren akute Probleme verstehen zu wollen und sich ggf. selber Hilfestellung im Umgang mit problematischen Situationen zu suchen, scheinen Teilen der Lehrer völlig abhanden zu gehen. Stattdessen wird die Verantwortung an Eltern, Ärzte, Schulbegleiter etc. ausgelagert und gehofft, dass die störenden Kinder sich dann schon irgendwie anpassen.
„Mein Kind wurde gerade eingeschult – er hatte ich sehr auf die Schule gefreut und es gab vorher keine nennenswerte Auffälligkeiten in der Kita oder bei anderen Aktivitäten.“
Eben. Es gab eine klare Veränderung der äußeren Umstände – Schule und Kita sind unterschiedlich, das ist zwangsläufig ein Bruch – und in zeitlicher Nähe auch ein deutlich verändertes Verhalten Ihres Kindes. Es käme jetzt wirklich darauf an, im Interesse Ihres Kindes zügig den Auslöser für dieses veränderte Verhalten zu ermitteln.
„…noch die Erwartungshaltung, dass Probleme von Kindern in der Schule auch in der Schule gelöst werden sollten.“
Diese Erwartungshaltung haben Lehrkräfte in der Tat nicht – wir versuchen IMMER, Probleme zum Wohle des Kindes gemeinsam zu lösen, in Zusammenarbeit mit dem Elternhaus. Denn wir wissen genau, dass ein Kind nicht aus zwei getrennten Individuen besteht, die nichts miteinander zu tun haben – einem Kind, das in die Schule geht, und einem anderen, das den Rest seiner Zeit zu Hause verbringt.
Abgesehen davon: Die Erwartungshaltung, dass Schule bei einer Betreuungsrelation von ca. eins zu 20 bis eins zu 30 (eine Lehrkraft für bis zu 30 Schülerinnen und Schüler) dasselbe für jedes Kind leisten kann (oder müsse) wie dessen Eltern, ist schlichtweg lächerlich.
„Es müsse wohl ADHS vorliegen und das Kind bräuchte Medikamente und Schulbegleitung.Nun sind wir in Gesprächen mit dem Kinderarzt wie es weitergehen soll. Seitens der Schule wurde uns bislang keinerlei Perspektive für eine Lösung aufgezeigt.“
Doch, natürlich – die diagnostische Abklärung, ob tatsächlich ADHS vorliegt oder nicht, IST die Perspektive, die Ihnen aufgezeigt wurde. Das kann Schule nicht nur nicht leisten, das DARF sie auch gar nicht: Wir schleppen keine fremden Kinder zum Arzt…
„…wenn es da schon bei manchen Kindern in den ersten Wochen zu Schwierigkeiten kommt, die Lehrer als unlösbar ansehen?“
Eine Ferndiagnose (der Schule, nicht Ihres Kindes!) verbietet sich hier; ich kenne die Schule nicht, die Lehrkräfte nicht, kenne Sie nicht und schlussendlich Ihr Kind nicht (und wundere mich, ehrlich gesagt, dass anscheinend bei einer so ausgeprägten Problemlage eine Kontaktaufnahme ausschließlich per E-Mail erfolgt ist?).
Die Gefahr, die ich sehe, ist, dass Sie unter Umständen seitens der Lehrkräfte als unkooperativ abgestempelt werden könnten und Ihr Kind am Ende mit rein disziplinarischen Mitteln ruhiggestellt wird, ohne das zu Grunde liegende Problem zu lösen.
Meine rein private und persönliche Empfehlung wäre, im Interesse Ihres Kindes IMMER zu versuchen, mit der Schule zusammenzuarbeiten, soweit das eben möglich ist.
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ich nehme hier den Versuch wahr uns helfen zu wollen und das weiß ich wirklich zu schätzen.
ADHS wurde von der Kinderarztpraxis allerdings innerhalb weniger Minuten als extrem unwahrscheinlich bezeichnet, weil das Gesamtbild dort vorne und hinten nicht passt. Der Weg wird uns aber natürlich zu einem Kinderpsychologen zur weiteren Abklärung führen.
Genau deswegen ist aber auch der Versuch der Lehrer sich selber mit einer unqualifiziert gestellten Diagnose aus der Veranwortung zu ziehen ein Problem. Ich finde es an dieser Stelle auch leider Recht bezeichnet, dass Sie die Forderung, dass man sich in diesen Situationen intensiver mit dem Kind in der Schule beschäftigen müsste als „lächerlich“ bezeichnen. Ich kann den Frust und Überforderung von Lehrpersonal in solchen Situation völlig nachvollziehen. Aber ja: Genau das SOLLTE Schule in der Situation leisten können, dass in solchen Situation innerhalb der Schule versucht wird herauszufinden, woran die Probleme gerade liegen. In anderen Länder gibt es in jeder größere Schule dafür z.B. auch schulpsychologisches Personal. In Niedersachsen kommen auf einen Schulpsychologen 15000 SchülerInnen.
Der Psychologe von außerhalb kann nun Berichte einfordern, aber letztlich fehlt die Möglichkeit die Situationen selber zu beobachten. Die Dynamik zwischen Kind und Lehrpersonal kann letztlich nur aufgrund des Berichts der Lehrer und evtl. einer Schulsozialarbeiterin (die uns übrigens im Erstgespräch versichert hat, dass sie ein ganz normales Kind mit etwas ausgeprägteren Anpassungsproblemen beobachtet hat) nachvollzogen werden. Was natürlich absolut kein neutraler Bericht ist, da dass Lehrpersonal eigene Fehler in der Kommunikation ersteinmal von sich weisen und die Probleme rein beim Kind verordnen könnte.
Und letztlich, selbst dann, wenn herauskommen sollte, dass eine Schulbegleitung und Medikamente benötigt würden: Der Weg dorthin wird viele Monate dauern. Da sollte eine Schule dann auch selber Ideen haben wie man in der Zwischenzeit vorgehen kann, ohne dass das Kind weiterhin psychisch leidet.
„Aber ja: Genau das SOLLTE Schule in der Situation leisten können, dass in solchen Situation innerhalb der Schule versucht wird herauszufinden, woran die Probleme gerade liegen. In anderen Länder gibt es…..“
Genau hier, liegen Sie einem Trugschluss auf. Die Schule kann keine Ursachenforschung betreiben. Dafür sind Lehrer nicht ausgebildet. Auch einen Verdacht (hier ADHS) zu äußern, bedeutet schon, sich aus dem Fenster zu lehnen.
Lehrer können Symptome beschreiben und Hinweise geben, alles weitere sollten sie Experten überlassen.
Und tatsächlich weiß ich nicht, warum Sie auf andere Länder verweisen. Wir sind hier, haben die Ressourcen und Rahmenbedingungen und da hilft es kein bisschen, dass andere Länder anderes leisten können.
Was ich übrigens auch seltsam finde, ist, dass Sie einem Kinderarzt (der Ihr Kind im Zweifel noch sehr viel weniger Kennt, als die Lehrerin und der auch nicht die Expertise eines Kinderpsychologen hat), mehr Glauben schenken, als der Lehrerin (die nicht nur höchstwahrscheinlich in den Wochen ihr Kind besser kennt, als der Kinderarzt, sondern auch in punkto ADHS vermutlich mehr Fälle erlebt hat, als der Kinderarzt es je wird)
Die Foristen haben Ihnen wirklich wertvolle Hinweise gegeben und erklärt, was Schule in Deutschland so leisten kann und was eben nicht.
Es nützt Ihrem Kind gar nichts, wenn Sie der Schule kein Vertrauen schenken und wertvolle Zeit verplempern, indem Sie nach schulinternen Ursachen suchen.
Aber es kann doch nicht sein, dass die Schule ein gravierendes Lernproblem feststellt – und die Eltern damit dann alleine gelassen werden. Wo ist denn das Netzwerk aus Kinderärzten, Schulpsychologen, Sozialarbeitern, sozialpädiatrischen Zentren, Lerntherapeuten, Logopäden, das Eltern dann weiterhilft. Diese Ansprechpartner existieren alle – nur: niemand verbindet sie.
Und hier wäre tatsächlich die Schule (genauer: das multiprofessionelle Team einer Schule) gefordert, einen geregelten und organisierten Ablauf zu starten, um Unterstützung fürs Kind in Gang zu bringen. Derzeit ist es weitgehend dem Zufall und dem Engagement/den Möglichkeiten der Eltern überlassen, ob es Hilfe gibt. Bei vielen Kindern dann eben nicht – und die fallen hinten runter.
Es bräuchte mitunter so wenig, um Kindern eine Chance zu geben: nur mal, dass jemand zum Telefonhörer greift. Dieses herrschende organisatorische Chaos – besser wohl: diese systemische Verantwortungslosigkeit – ist beschämend.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Es reicht nicht zum Telefonhörer zu greifen und die Verbindungen herzustellen! Da steht schlicht und ergreifend der Datenschutz entgegen! Kein Arzt, Psychologe, Therapeut, Sozialdienst darf und gibt ihnen Auskünfte noch darf ich welche weitergeben ohne ausdrückliche Zustimmung der Erziehungsberechtigten! Wenn doch macht er sich strafbar! Selbst Aussagen vor Gericht oder bei der Polizei muss man sich genehmigen lassen! Aufzeichnungen z.B. aus der Grundschule existieren nicht, oder fehlen ganz, beim einem Umzug erst recht nicht, Unterlagen über Disziplinarmassnahmen oder Ordnungsmassnahmen müssen am Schuljahresende aus den Akten entnommen werden! Neues Spiel, neues Unglück! Besonders brisant erlebt im Fall eines sexuellen Missbrauchs! In den Akten nichts verzeichnet, keine Information durch durch Schulleitung etc. Erst der Anruf eines Elternteils informierte darüber!
Bishin zu einem Fall bei dem Schüler eine Lehrkraft in einen Hinterhalt locken wollten, ihn angegriffen und verletzt haben! Strafverfahren wegen jugendtypischen Verhaltens mit Jugendarrest zur Bewährung geahndet! Versetzung der Schüler an eine andere Schule, dort wurde niemand über die Hintergründe informiert, im Gegenteil auf Nachfrage von KuK wurde diese bei Androhung von Sanktionen zum Stillschweigen verdonnert!
Selbstverständlich kann eine Schule den Kontakt zwischen Eltern und schulpsychologischem Dienst (zum Beispiel) vermitteln. Sie darf lediglich ohne die vorherige, ausdrückliche Einwilligung der Eltern keine personenbezogenen Daten an den schulpsychologischen Dienst weitergeben. Bei akuter Kindeswohlgefährdung dürfen Schulen auch ohne Zustimmung der Eltern Stellen wie das Jugendamt einschalten.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Zwei Dinge die dem entgegenstehen!
1. Es sind keine Termine zu bekommen! Erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist!
2. Bei Jugendämtern ist die Situation nicht viel besser! Die Mitarbeiter sind restlos überlastet! Regelmässige Gespräche fallen aus!
Was zudem frustiert, selbst wenn man alle Beobachtungen und Einschätzungen mitgeteilt hat, eine Rückmeldung bekommen sie nicht! Steht der Datenschutz und das Patientengeheimnis entgegen!
Und wo ist der Aufschrei angesichts solcher Zustände?
Selbstverständlich steht einer Kontaktaufnahme mit Einverständnis der Eltern kein Datenschutz entgegen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Aufschrei – da kennt man aber das Dienstrecht und die Schulaufsicht schlecht! Bevor die Missstände benannt werden dürfen, Genehmigung vorher einholen, ansonsten Abmahnung mit Maulkorb!
Sorry, es gibt Lehrkräfteverbände und -gewerkschaften. Bei Themen wie Besoldung und Arbeitszeit benennen die auch – zu Recht – Missstände.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„Unterlagen über Disziplinarmassnahmen oder Ordnungsmassnahmen müssen am Schuljahresende aus den Akten entnommen werden! “
Kenne ich für kein Bundesland. Lediglich die 2-5 Jahres-Fristen.
Am Ende des Schuljahres? Haben Sie ein Quelle? Das wäre schlichtweg „falsches Handeln“/“bewusste Weitergabe ohne Information“. Mehr auch nicht.
Also nein … Es „muss“ sicherlich nicht. Dazu hätte ich wirklich … Wirklich … Gerne eine offizielle Quelle.
Als Alltag-Geschehen? Das glaube ich Ihnen. Als rechtliche Vorgabe? Nope.
„Besonders brisant erlebt im Fall eines sexuellen Missbrauchs! In den Akten nichts verzeichnet, keine Information durch durch Schulleitung etc.“
Hier MUSS(TE) die Schulleitung agieren. Das Pflicht. Ansonsten Disziplinarverfahren ggf. einleiten, bei Verweigerung.
„Bishin zu einem Fall bei dem Schüler eine Lehrkraft in einen Hinterhalt locken wollten, ihn angegriffen und verletzt haben! Strafverfahren wegen jugendtypischen Verhaltens mit Jugendarrest zur Bewährung geahndet! Versetzung der Schüler an eine andere Schule, dort wurde niemand über die Hintergründe informiert, im Gegenteil auf Nachfrage von KuK wurde diese bei Androhung von Sanktionen zum Stillschweigen verdonnert!“
Straftat. Zwangsumschulung ist verpflichtend zu nennen. Also als Ordnungsmaßnahme der Relegation. Amtshilfe und Schulpflichtverwaltung ist in Kenntnis zu setzen.
Hier geht es um die Sicherheit des Kollegiums und der Kinder.
Demnach hoffe ich, dass Sie/Ihre Schulleitung/Ihre Schule hier auch rechtlich Druck entgegen gebracht hat.
„Silencing“ ist hier weder zulässig, noch rechtlich in Ordnung.
Also ja, ich glaube Ihnen in allen Punkten. Aber nein … Das ist rechtlich weder sauber, noch haltbar. Und manchen Personen muss man sowas auch ggf. recht deutlich aufzeigen.
Keine Ahnung, warum man sich ständig hier „innersystemisch“ einbuttern lässt …
Aber vllt. liegt das auch am Privatschulprivileg … Da muss man auch nicht alles durchgehen lassen, was „an Stuss“ von außen kommt.
Die Angaben beziehen sich auf einen Fall der bundesweit Schlagzeilen gemacht! Wurde uns so in einer Konferenz von der Schulaufsicht so mitgeteilt! Im Gegenteil, man verwies auf die Grosszügigkeit die Informationen sogar bis zum Schuljahresende in den Akten zu belassen, obwohl dies gar nicht vorgesehen sei! Die anderen Fälle sind aus persönlichen Kontakten bekannt! Manche Fällen werden allerdings nur freundlich mitgeteilt, weil man Insiderkenntnisse hat! Die Schulleitung unter Druck setzen, probieren sie es mal! Die setzt sich mit der Schulaufsicht zusammen und sie haben eine Abmahnung an der Backe oder sie werden versetzt! Die Versetzung wurde dann mit der Störung des Schulfriedens begründet! Bei der Einschaltung des Personalrats wurde dies vom VG sogar als Drohung angesehen und die Versetzung bestätigt!
Kann auch alles passieren, was Sie da vorschlagen.
Passiert aber nicht ohne Mithilfe der Eltern. Wenn Eltern sich nicht vorstellen können, dass es überhaupt ein Problem gibt, dann ist an dieser Stelle mit der Netzwerkarbeit schon Ende….
Ohne Einverständniserklärung der Eltern, sich mit den anderen Professionen, die Sie nennen, austauschen zu dürfen, kann Schule zwar schulintern Maßnahmen vereinbaren, aber dies wird niemals bis zur Ursache vordringen, sondern nur an den Symptomen rumdoktern.
Im besten Fall (und ja, das ist auch nicht selten der Fall), stellt Schule ein Problem fest. Eltern werden zeitnah eingeladen und informiert und ein Austausch findet statt. Bei Erstis findet bestenfalls vorher noch ein Austausch mit der Kita statt. (Hier tut Schule gut daran, sich immer schon bei Schulanmeldung die Erlaubnis von den Eltern zu holen).
Erste Maßnahmen werden bei diesem Gespräch mit den Eltern vereinbart und nach und nach alle nötigen Expertisen ins Boot geholt. So…..aber das ist der Idealfall…..
Aber ich wiederhole mich, wenn Eltern das Problem nicht sehen, nicht nachvollziehen oder sogar die Augen zu machen, dann wird es holprig…..
„Passiert aber nicht ohne Mithilfe der Eltern. Wenn Eltern sich nicht vorstellen können, dass es überhaupt ein Problem gibt, dann ist an dieser Stelle mit der Netzwerkarbeit schon Ende…“
Das stimmt (außer in Fällen akuter Kindeswohlgefährdung) – betrifft aber nicht den Fall, den wir hier diskutieren. Und der ist kein Einzelfall.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Nein? Sie wissen doch gar nicht, wie die Eltern im oben angesprochenen Fall reagieren……zu wenig Details….
Zitat des Vaters: „Seitens der Schule wurde uns bislang keinerlei Perspektive für eine Lösung aufgezeigt.“
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das schreibt er Vater so, aber entspricht das auch der Realität?
Tatsächlich bezweifel ich, dass es eine nackte Email gab, mit dem Hinweis auf ADHS und einer Aufforderung sich zu kümmern….
Sollte dies wirklich so sein, dann würde ich als Eltern die Schule wechseln…..
„Das schreibt er Vater so, aber entspricht das auch der Realität?“
Ja. Wir kennen genügend solche Fälle. Herzliche Grüße Die Redaktion
„Aber es kann doch nicht sein, dass die Schule ein gravierendes Lernproblem feststellt“
Das kommt ja grundlegend häufig vor.
„und die Eltern damit dann alleine gelassen werden“
Auch das kommt grundlegend leider häufig vor. Aus verschiedenen Gründen.
„Wo ist denn das Netzwerk aus Kinderärzten, Schulpsychologen, Sozialarbeitern, sozialpädiatrischen Zentren, Lerntherapeuten, Logopäden, das Eltern dann weiterhilft. Diese Ansprechpartner existieren alle – nur: niemand verbindet sie.“
Sie existieren alle, nur viel zu wenig direkt an Schulen.
Zusätzlich sind sämtliche Ihrer genannten Ansprechpersonen ebenfalls „Mangelbereiche“. Sie gibt es zwar – nur viel zu wenig und ggf. viel zu lange Zeit bis Handlungsrealität eintritt.
Hatte ein I-Kind, welches von einer Spezialklinik [6 Wochen Kur angedacht] am nächsten Tag wieder bei mir in der Klasse stand. War denen zu anstrengend und das Kind zu unkooperativ. Ablehnung dürfen sie machen – ist ihr Recht.
Steht halt dann in der Schule … War auch kein Problem, allerdings schade vom Aufwand [Aufgabenplanung/Lehrplanabstimmung usw. musste alles ich vorab gestalten und einreichen … Dazu auch die Materialien etc.].
Dann braucht man nur die Realität ansehen im Bereich von Förderungen und Therapie. Ohne „Kindeswohlgefährdung“ kommste hier im Prinzip gar nicht in den Bereich. Und bei „maximaler Stundenzahl der Therapie“ braucht man den Schrieb im Prinzip gar nicht mehr ausfüllen … Macht man trotzdem. Und Ablehnung kommt. Dann darf man ggf. selbst hier agieren und/oder die Eltern müssen halt „das Extra“ irgendwie ohne Expertise versuchen zu entgegnen/aufzufangen.
Erschreckend, was „so abgelehnt“ wird stellenweise …
Einigen Privatschulen wurde die staatliche Instanz der Schulpsychologen „entzogen“ – zwecks Mangel an Ressourcen und Rahmen. Man hat zwar noch irgendwie „die Zuständigkeit“ … Allerdings doch nicht … Ist so ein „Problembereich“, welchen man mir bisher auch noch nicht wirklich erklären konnte, wie das denn in der Praxis funktionieren sollte. Zum Glück sind manche Schulpsychologen hier sehr entgegenkommend und agieren trotzdem. Halt im Rahmen und „bei Notfällen“. Ansonsten muss man auch hier selbst „nachziehen“ an manchen Schulen.
„Und hier wäre tatsächlich die Schule (genauer: das multiprofessionelle Team einer Schule) gefordert“
Wäre. Gibt es halt eben nicht an vielen Schulen. Klingt dann mal gut als theoretischer Gedanke. Klar. Aber die Realität ist halt durchaus komplexer und „häufig anders“.
„einen geregelten und organisierten Ablauf zu starten, um Unterstützung fürs Kind in Gang zu bringen.“
„Soll-Zustand“ – leider nur bedingt „Ist-Zustand“.
Genau genommen gehören Eltern auch zur Schulfamilie. Und bestenfalls auch „zum Multiprofessionellen Team“ der Zusammenarbeit zumindest.
Auch das ist nicht immer der Fall …
Ohne Eltern wird es schwierig.
Schaut man den Fall des „ADHS“ mal an:
„müsse wohl ADHS vorliegen“
-> Warum „müsse“ das vorliegen? Eine Diagnose darf eine Lehrkraft nicht stellen. Eine Vermutung aufstellen? Okey. Einen pädagogischen (!) Verdacht auf ADHS stellen? Ja.
Aber letztendlich obliegt es IMMER dem Elternrecht, dies zu machen oder auch nicht.
Und das sollte man als Schule auch so kommunizieren und ggf. beraten.
„Genau deswegen ist aber auch der Versuch der Lehrer sich selber mit einer unqualifiziert gestellten Diagnose aus der Veranwortung zu ziehen ein Problem“
Als Lehrer eine Diagnose zu stellen ist immer ein Problem. Das darf man rechtlich nicht und obliegt auch gar nicht unserem Arbeitsfeld. Wir stellen (maximal) einen pädagogischen Verdacht. Und den darf/sollte/“muss“ ich stellen. Zumindest, wenn ich dies „so bewerte“ und „Anzeichen“ auch habe. Da muss etwas „da sein“. Ansonsten ist das Quatsch. Der muss ja begründet sein.
Und so „bisschen“ „ist in der 1. Klasse aktiver/’stört‘ “ ist erstmal gar kein Verdacht, sondern liegt häufig mitunter an dem Übergang Kita/Elternhaus – Schule. Dazu eben bei manchen Kids die Testungsphase (2-3 Schulwochen) oder eben die „Sicherheitsphase“ (nach diesen 2-3 Wochen beobachten des Kindes und „sicher fühlen“) als Verschiebung der Testphase.
Daher meiner Meinung nach durchaus etwas … Voreilig? Nennen wir es mal so.
Je nach Rahmen kann man das ja auch pädagogisch „eingrenzen“. Also bspw. durch Aktivitätsübungen und Beobachtung des Impulses auf das Kind. Bei ADHS Verdacht sollte man das meiner Meinung nach auch machen. Wie soll man denn sonst „das austesten“ im Rahmen? Womit will ich sonst „zu den Eltern“ überhaupt gehen als Beratung und Beobachtung?
„Das Kind stört“? Haha. Ja klar. Das Kind testet Grenzen/das Umfeld? Und dann? Warum ADHS? Zeigt man die Grenzen auf? Testet man ADHS-Impulse?
„Derzeit ist es weitgehend dem Zufall und dem Engagement/den Möglichkeiten der Eltern überlassen, ob es Hilfe gibt.“
Welchem „Zufall“?
Bei einer Diagnostik sind die Eltern IMMER mit im Boot. Ansonsten gibt es de facto keine. Ganz einfaches Prinzip.
Entweder ich schaffe es als Lehrkraft dies auch zu beraten und bewusst zu machen oder ich bekomme gar nicht die nötige Kooperation und das Vertrauen hin. Also muss ich „mit den Eltern“ hier arbeiten, damit sie die Sinnhaftigkeit verstehen und man gemeinsam überhaupt agieren kann.
Wenn ich auf „Kind stört -> ADHS – muss Medikation her“ gehe … Schwierig. Da stellen sich mal grundlegend manche quer. Wem will man es verübeln …
Das keine Ursachenbekämpfung. Das Symptombekämpfung. Oftmals aus Pragmatismus und „Ohnmachtgefühl“. Aber dem Kind bringt das nur bedingt was. Den Eltern auch. Rein vom Gefühl schon.
„Bei vielen Kindern dann eben nicht – und die fallen hinten runter.“
So ist es. Mangelbereich trifft auf Mangelbereich trifft auf Mangelbereich. Wie soll das denn funktionieren auch? Sind wir mal ehrlich …
„Es bräuchte mitunter so wenig, um Kindern eine Chance zu geben: nur mal, dass jemand zum Telefonhörer greift.“
Dann haben Sie noch nicht sonderlich viele Anträge gestellt? Ne, so einfach ist es eben nicht immer.
Ich hatte mal einen pädagogischen Verdacht auf ein „Mustertypus einer potentiellen Diagnostik“. Dazu „muss“ ein Diagnostiker/Mediziner/Psychologe/usw. aber jedoch an die Schule. Weil das ein Hauptfaktor dieses „Typus“ ist. Wurde nie gemacht.
Also … Auch hier gibt es halt Grenzen. Eine Einsicht könnte nur mit Elternwillen usw. gegeben sein. Und das immer auch ein harter Kampf ggf.
Diagnostik darf und will ich nicht stellen. Jedoch kann ich es in Frage stellen, bei solchen absoluten Musterbeispielen. Das ist dann ggf. einfach eine Verwehrung der Diagnostik zu Ungunsten des Kindes (im schlimmsten Fall).
„Dieses herrschende organisatorische Chaos – besser wohl: diese systemische Verantwortungslosigkeit – ist beschämend.“
Naja, als Lehrkraft ist man hier eben nur beratend tätig diesbezüglich. Man kann auch Kontakte herstellen/anbieten. Man kann auch pädagogisch vor Ort arbeiten und drauf eingehen. Aber die Diagnostik? Die braucht eben die Eltern mit im Boot. Ebenfalls das Fachpersonal diesbezüglich.
Bei Epipens und Buccal-Spritzen war ich auch schon „im Clinch“ mit medizinischen Fachpersonal … Letztendlich gibt es dann keine Unterschrift direkt. Sondern den Bezug auf „Einweisung vor Ort in der Praxis“. Auch toll.
Wo bleibt dann der „Schulbezug“ auch im Hinblick auf Inklusion? Oder muss jetzt dann „jede Lehrkraft“ dort hin? Das ja auch Irrsinn.
Das ist Delegation der Verantwortung. Sorry. Muss man so hart benennen.
Und ich verstehe es ja auch (bedingt). Alle haben so ihre Ressourcen und Einsatzfelder.
Müsste man dann eben systemisch so machen, dass dies Voraussetzung und Pflicht ist. Nur lese/sehe ich dies als Praxisbezug nirgends.
Es gibt multiprofessionelle Teams an Schulen? Ich kenne die nur aus Vorlesungen… In den Praktikumsschulen gab es meistens nichtmal ein dauerhaft besetztes Sekretariat.
Nein, es gibt fast keine multiprofessionellen Teams an Schulen. Genau das kritisieren wir.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„Es bräuchte mitunter so wenig, um Kindern eine Chance zu geben: nur mal, dass jemand zum Telefonhörer greift.“
@Redaktion: Das Problem ist hier, dass es dafür – mit Ausnahme des Schulpsychologen (der aber natürlich so überlastet ist, dass er nur bei extremen Ausnahmefällen überhaupt mit einsteigen kann) und dem Schulsozialarbeiter (falls vorhanden), die man beide tatsächlich kontaktieren darf – keinen institutionellen Rahmen gibt. Den müsste die Politik in Grundzügen erst mal vorgeben und die nicht vorhandenen multiprofessionellen Teams, die in Internetforen nicht totzukriegen und in der Realität nicht existent sind, müssten ihn dann ausgestalten.
Bis dahin wäre „einfach mal zum Telefonhörer zu greifen“ ein böses, böses Dienstvergehen – selbst wenn man einen konkreten Fall anonymisiert schildern würde, wären das auf jeden Fall personenbeziehbare Daten und das war’s dann.
„Das Problem ist hier, dass es dafür – mit Ausnahme des Schulpsychologen (der aber natürlich so überlastet ist, dass er nur bei extremen Ausnahmefällen überhaupt mit einsteigen kann) und dem Schulsozialarbeiter (falls vorhanden), die man beide tatsächlich kontaktieren darf – keinen institutionellen Rahmen gibt.“
Genau das kritisieren wir.
Zum Hörer zu greifen, um einen Kontakt zu vermitteln, ist, wenn die Eltern um diese Hilfe bitten, natürlich kein Dienstvergehen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Was ich übrigens auch seltsam finde, ist, dass Sie einem Kinderarzt (der Ihr Kind im Zweifel noch sehr viel weniger Kennt, als die Lehrerin und der auch nicht die Expertise eines Kinderpsychologen hat), mehr Glauben schenken, als der Lehrerin (die nicht nur höchstwahrscheinlich in den Wochen ihr Kind besser kennt, als der Kinderarzt, sondern auch in punkto ADHS vermutlich mehr Fälle erlebt hat, als der Kinderarzt es je wird)
Woher kommt diese Idee? Jedes Kind mit ADHS muss beim Kinderarzt vorgestellt werden. Jedes Schulkind mit ADHS hat einen Klassenlehrer. Es gibt aber viel weniger Kinderärzte als Klassenlehrer. EIn Klassenlehrer betreut 16-28 Kinder glaub ich Niedersachsen. Ein Kinderarzt mehrere Hundert Kinder.
Außerdem erklären mir hier gerade diverse Lehrer, dass sie gar keine Zeit hätten sich intensiv um einzelne Kinder im Unterricht zu kümmern. Das deckt sich auch mit den Fragen der Lehrer meines Sohnes. Diese wollten in dem Gespräch von UNS wissen, ob das Kind denn überhaupt verstehen würde was Zahlen und Mengen sind. Ein Kind im Unterricht 6 Wochen lang zu beobachten ist etwas andereres als 6 Wochen zu versuchen ein Kind und dessen Probleme zu verstehen.
Und tatsächlich weiß ich nicht, warum Sie auf andere Länder verweisen. Wir sind hier, haben die Ressourcen und Rahmenbedingungen und da hilft es kein bisschen, dass andere Länder anderes leisten können.
Ich dachte genau darum würde es hier gehen: Einen Austausch darüber, wie man das System in Deutschland verbessern kann. Ich finde es nett, wenn mir hier irgendwelche fremden Menschen etwas zu ADHS erklären wollen und sagen „Glaube lieber dem Lehrer als dem Arzt bei medizinischen Diagnosen“. Ist bestimmt gut gemeint – wirklich. Aber Hilfe für unseren speziellen Fall werde ich hier nicht bekommen – das gehört in die Hände von Fachleuten. Ich dachte aber, dass ein Betroffener-Bericht vielleicht eine sinnvolle Anregung sein könnte, z.B. dass ich fassungslos darüber gerade bin wie wenig Schulpsychologen es gibt. Dass es die überhaupt gibt, darüber bin ich übrigens über Google auf der Suche nach Hilfe gestolpert und es wurde in der Schule nirgendwo bislang erwähnt. Und nach meinen Erfahrungen der letzten Woche wundert mich nix mehr, dass wir solche Probleme im Schulsystem haben. Und ehrlich gesagt wundert mich nach den Kommentaren hier auch nicht, dass sich nichts ändert.
„Dass es die überhaupt gibt, darüber bin ich übrigens über Google auf der Suche nach Hilfe gestolpert und es wurde in der Schule nirgendwo bislang erwähnt.“
Leider kein Einzelfall.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich kenne keine einzige Schule, die mit einem Schulpsychologen glänzen kann…
Jede Stadt, jeder Kreis hat einen schulpsychologischen Dienst. Herzliche Grüße Die Redaktion
… ja und die Wartezeiten sind seeehr lang!
Manchmal kommen die aber sogar in die Schule, war zumindest bei uns so. So ein, zwei Mal im Jahr, zu Schulhilfekonferenzen. Wenn ich Glück hatte, hatte der Psychologe manchmal danach noch etwas Zeit, um meine anderen Fragen zu beantworten.
Ein Schulpsychologe direkt an jeder Schule und Vollzeit …. ein Träumchen!
Für JEDE Schule gibt es offiziell eine Zuständigkeit. Die kann man auch einsehen. Das ist verpflichtend meines Wissens nach.
Normalerweise hört man kaum bis nie davon … Und bekommt auch wenig bis keinen Kontakt. Aber es gibt sie.
Auch Privatschulen „brauchen“ diese Zuteilung. Denen werden dann staatliche SchulpsychologInnen zugeteilt.
Manche Schulen haben eben diese SchulpsychologInnen (diese haben Deputatsabminderung nach Schulen und Zuständigkeit). Und „betreuen“ die anderen Schulen auch.
Ich kenne auch Fälle, wo man zwar „intern jemanden hat“, jedoch „extern“ jemand zuständig ist.
Gibt hier bspw. die Regionale Zuständigkeit durch den schulpsychologischen Dienst.
Und dazu eben die „regionalen Schulzuständigkeiten“ als zusätzliche AnsprechpartnerInnen.
Finde es immer wieder faszinierend, dass das manchen kaum bis gar nicht bekannt ist. So traurig und zeigt zugleich Problemfelder im Bereich „Schule“ klar auf. Sonst „wüsste man das“.
Also gar keine Kritik Ihnen gegenüber … Die Info müsste man ja irgendwoher bekommen.
Schauen Sie mal nach, welche Person für Ihre Schule zuständig ist.
Problem ist ganz einfach, die Schule muss Ideen haben, wie in der Zwiscgenzeit vorgehen kann, ohne dass das Kind weiterhin leidet! Erst einmal sind Lehrkräfte keine Psychologen, Psychiater oder Ärzte und Therapeuten! Das Bild des eines Schulsozialarbeiters gibt keinen Unterrichtseindruck wieder! Die sind nämlich keine Lehrkräfte!
Auch eine Differenzierung zwischen ADHS und Autismusspektrumstörung ist höchst komplex! Nur Superhelden schaffen das nebenbei! Nur nebenbei, da man sich auch damit beschäftigt, 70 % der ADHS-Erkrankungen sind genetisch bedingt! Bei den Autismuserkrankungen gibt es noch keine empirischen Studien darüber vor, die Dunkelziffer wird jedoch auch nicht gering eingeschätzt!
Von daher Blickwinkel erweitern und die ganze Familie einbeziehen! Auch wieder festgestellt bei vielen Erwachsenen wird ADHS erst sehr spät festgestellt! Besonders auch bei Frauen, da zumeist, diagnostisch oder beobachtet, Jungen diese Erkrankung zugeordnet wird!
Ich glaube nicht, dass die Lehrer überfordert sind, sondern ihr Kind ist mit der neuen Situation Schule überfordert. Da muss man halt schauen, woran es liegt. Ich finde das auch ehrlich gesagt gar nicht schlimm und ungewöhnlich, mit solchen Situationen haben wir ja dauernd zu tun.
Der Rest ist halt tatsächlich ein Zeitproblem. Lehrer gehören zusammen mit Ärzten zu den top qualifizierten 1-2% der Bevölkerung, deren Arbeitszeit so kostbar ist, dass sie leider nur gang wenig Zeit mit dem eigentlichen Patienten verbringen dürfen. Deswegen dauert so ein Arztgespräch auch nur drei Minuten im Schnitt, da kommen eben nach mir auch noch 30 andere Patienten, die ebenfalls alle ein Recht auf Behandlung haben.
Und Niedersachsen ist übrigens eines der Länder, welches sich weiterhin weigert, die Arbeitszeit von Lehern zu erfassen. Wenn Sie Ihrem Kind etwas Gutes tun wollen, dann denken Sie bitte bei der nächsten Landtagswahl daran, eine Partei zu wählen, die daran etwas ändern möchte. Nur so besteht die Chance, dass sich am System etwas verbessert.
Vielleicht hilft Ihnen ein Perspektivwechsel:
Wir haben in der neue 5. Klasse einen Schüler, der schon in der Grundschule sehr herausforderndes Verhalten zeigte. Entsprechende Eintragungen sind in den Grundschul-Zeugnissen zu finden, keine Maßnahmen dort haben funktioniert. Das Verhalten haben wir sofort auch bei uns gesehen.
Fast tägliche Gespräche mit dem Kind, es zeigt sich im Einzelgespräch einsichtig, man geht gemeinsam wieder in den Klassenraum und das Verhalten ist 3 min später wieder wieder da. Alle schulischen Maßnahmen bisher laufen ins Leere.
Bei Elterngesprächen wird alles verharmlost, das Kind sei eben faul, „lebhaft“, sehr „kommunikativ“ usw. Dazu Tipps wie: „Loben Sie mein Kind doch mal, dann geht es besser…“. Sonderpädagogen und Schulsozialarbeiter sind auch schon involviert.
Aber ganz ehrlich – wenn das nicht klappt, dann muss eben ein Arzt (Kinder- und Jugendpsychiater) auf das Kind schauen. Und wenn ein Kind sich nicht alleine regulieren kann und permanent sich selbst und andere Kinder vom Lernen abhält, dann braucht man ggf. eine Schulbegleitung.
Sie mögen frustriert sein und es als Auslagern von Verantwortung ansehen. Aber Sie als Eltern haben vielleicht ein bis drei Kinder, als Klassenlehrer haben wir knapp 30 Kinder, für die wir ebenfalls Verantwortung haben und für die wir auch Zeit finden müssen.
Auch wenn sich Kinder zu Hause anders verhalten als in einer großen Gruppe Gleichaltriger, kennen Sie als Eltern Ihr Kind nunmal am besten! Natürlich sollten Sie als Eltern involviert werden.
Auch ein Kinder- und Jugendpsychiater kann sich ein Kind anschauen und eine Batterie an Tests durchlaufen lassen, so dass man das Verhalten auch korrekt einordnen kann, ggf. Probleme erkennt und diese sinnvoll angehen kann.
Das ist mir ein wenig zu plakativ. Wenn das Kind wirklich ADHS hat, dann merkt man im Kindergarten nicht unbedingt, weil da ja viel mehr Bewegungsraum und Freiraum ist. In den ersten Schulwochen oft auch nicht, weil da der Hyperfokus (Interesse an Neuem) greift. Wenn aber dann die Alltagsroutine einsetzt (dauernd sitzen, schreiben, wiederholende Tätigkeiten), dann ist das Interesse schnell vorbei. Und ja, es gibt Kinder, die haben eine so ausgeprägte ADHS, dass es den Unterricht fast schmeißt, weil ja viele andere darauf dann auch reagieren und die Lehrkraft ständig intervenieren muss. Wir haben in der 2. Klasse auch so einen Fall, wo wir den Eltern jetzt gesagt haben, dass eine Diagnostik und Medikation hermuss – auch im Sinne des Kindes (Thema: Lernrückstände, permanente negative Rückmeldungen). Und nein, ein Lehrer allein in der Klasse hat keine Chance, das in den Griff zu bekommen. Ich hab die Klasse in Reli – keine Chance! Der hält es keine 2 Minuten im Sitzkreis aus, ohne zu stören. Wenn man ihn an den Platz zurücklässt, krabbelt er durchs Klassenzimmer, sitzt unter Tische, ruft von hinten ständig rein usw. Um was soll ich mich jetzt kümmern? Um den Schüler oder um den Unterricht, dass wir irgendwas gemacht bekommen? Manchmal kann man ihn in eine andere Klasse setzen – aber der arme Kerl krieg ja unausweichlich permanent die Rückmeldung, dass er nicht ok ist. Und Lernlücken tun sich jetzt auch auf, weil er ja kaum was zu Papier kriegt. — An eurer Stelle würde ich jetzt erst mal die Lehrer fragen, was konkret da den ganzen Tag passiert (also wie ist es am Anfang des Tages, wie im Verlauf, gibt es Unterschiede zwischen Fächern, was heißt störendes Verhalten usw.). Dann würde ich evtl. die Beratungslehrkraft hinzuziehen, dass die mal eine U-Beobachtung macht und eine Einschätzung trifft. Und dann würde ich mich an eurer Stelle mal in das Thema ADHS einlesen, denn wenn das Kind das wirklich hat, merkt man dann eben auch Symptome, die das Kind schon früher und zuhause gezeigt hat/ zeigt. — Alles Gute für euch!
„Wir haben in der 2. Klasse auch so einen Fall, wo wir den Eltern jetzt gesagt haben, dass eine Diagnostik und Medikation hermuss – auch im Sinne des Kindes (Thema: Lernrückstände, permanente negative Rückmeldungen).“
Ich scheine da ja durchaus einen wunden Punkt getroffen zu haben, wenn ich mir die Rückmeldungen hier anschaue. Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn ein Lehrer die Rückmeldung gibt, dass eine pychologische Untersuchung angeraten wird, um die Probleme ggf. medizinisch angehen zu können.
Was Sie aber hier machen – genauso wie Lehrer meines Sohnes – ist das Ergebnis vorwegzunehmen. Wenn Lehrer Kinder diagnostizieren könnten, dann bräuchten wir in der Gesellschaft ja keine Kinderpsychologen mehr. Aber Lehrer haben dafür kaum Qualifikationen. Und vor allem: Sie sind ja nicht außenstehend, sondern sie sind ja gerade elementarer Bestandteil der Situation in der Schule. Sie sind selber in einem möglichen Konflikt eine beteiligte Person.
ich lese hier dauern (und habe das ja auch selber im Gespräch gerade erst gehört) „Ich habe auch noch 20 andere Kinder, ich kann das nicht leisten“. Ich kann das das wirklich nachvollziehen, ich meine das nicht als Vorwurf Lehrern gegenüber: Aber genau das SOLLTE Schule leisten können. Wenn ein Schüler nicht mit der Schule klar kommt, dann braucht es ersteinmal Strukturen innerhalb der Schule, um das Kind aufzufangen.
Ich gebe als Vater mein Kind in der Schule ab und bekomme dort ein Kind zurück, was innerhalb von weniger Wochen psychisch völlig kaputt gegangen ist. Natürlich braucht die Schule mittelfristig auch eine ärztliche Rückmeldung, damit man gemeinsam zum Wohl des Kindes den besten weiteren Weg gehen kann. Aber es gibt eben kurzfristig keinerlei Mechanismus an der Schule, um aus dieser Abwärtsspirale rauszukommen.
Das Kind wird innerhalb weniger Wochen immer frustrierer und geht auf Konfrontationskurs, die Lehrer sind überfordert mit der Situation und gehen auch auf Konfrontationskurs. Und nach ein paar Wochen weiß keiner mehr wo die Kausalität hier nun liegt. Wenn ich die Probleme eines Kindes nicht ernstnehme und versuche zu verstehen was das Kind belastet, sondern versuche das Kind mit Maßnahmen versuche ruhig zu stellen, dann ist doch nur völlig logisch, dass das schief gehen muss. Das ist eben auch die Rückmeldung, die wir bekommen haben. Das Problem ist nicht der Frust unseres Kindes, das Problem ist, dass er dabei stört.
Das sind wirklich elementare psychologische Erklärungsansätze und diese werden auch hier in den Kommentarspakten von diversen Lehrern abgestritten mit dem – sicherlich berechtigten Hinweis – dass man selber an die Grenzen des Leistbaren stößt.
Aber genau das ist ja der Punkt: Dann muss ich mich doch auch nicht wundern, dass die Displin an deutschen Schulen ein generelles Problem ist und es eben nicht nur Einzelfälle sind.
Und genau das ist eben der Punkt meines Ausgangsbeitrags gewesen: Es werden an deutschen Schulen weiterhin systematisch die Probleme von Kindern ausgelagert. Durch die Ganztagsschulen ist die Schule inzwischen DER zentrale Lebensmittelpunkt von Kindern geworden. Und die Schulen MÜSSEN hier in Zukunft in der Lage sein um auf die Probleme von Kindern eingehen zu können.
„Nach der 4. Woche teilte man uns dann per Email mit, dass unser Kind im Unterricht nicht mitmachen würde und aktiv stören würde. Nach der 6. Woche nahm man wieder Kontakt zu uns auf und berichtete, dass das Verhalten noch schlimmer geworden sei.“
Hmm, das klingt irgendwie sehr „anonym“ und unpersönlich und schon nach so kurzer Zeit stellt ein Regellehrer so eine „Diagnose“?. Gab es keine ausführlichen Gespräche mit dem Klassenlehrer und ggf. Horterzieher, die die Problemlage genauer beschreiben? Es kann ja außer ADHS noch viele andere Ursachen geben (Über- oder Unterforderung, Lautstärke in der Klasse, Seh- oder Hörprobleme, Mobbing, ….). Vielleicht können Sie auch mit anderen Eltern aus der Klasse ins Gespräch kommen und erfahren, wie die anderen Kinder das Klassenklima und Ihr Kind einschätzen? Und wie sieht sich Ihr Kind selbst, in welcher Rolle in der Klasse und warum?
Klingt wenig glaubhaft. Sorry.
Haben Sie sich nicht mit der Klassenlehrkraft zusammengesetzt? Was erzählt ihr Kind denn so aus der Schule? Was sagen andere Eltern?
Eine Schulbegleitung muss nicht schlecht sein: Unser Kind wurde die ersten drei Jahre begleitet. Es durfte, wenn die Konzentration und die Bereitschaft für Fremdanforderungen aufgebraucht war, kurz mit der Begleitung auf den Schulhof. Später durfte es mit der Begleitung und eventuell mit einem Mitschüler im ablenkungsarmen Nebenraum arbeiten. Während des dritten Schuljahres wurde die Stundenzahl der Begleitung immer weiter reduziert, in der vierten Klasse war keine Begleitung mehr nötig. Falls Sie Angst vor Stigmatisierung haben: Für die Mitschüler stellte die Begleitung keine Besonderheit dar, es war nie ein Thema. Als Lehrkraft stelle ich eher Probleme fest bei Kindern, die regelmäßig störendes Verhalten zeigen und nicht begleitet werden, also keine Unterstützung bei der Selbstregulation erfahren.
„Bei den schulischen Rahmenbedingungen fällt die Zusammenarbeit im Kollegium auf. Deutschland erreicht auf dem Kooperationsindex minus 0,13 und liegt damit unter dem OECD-Durchschnitt von 0,10 sowie dem EU-Durchschnitt von minus 0,05.
2015 lag Deutschland mit einem Indexwert von 0,11 noch ungefähr auf dem damaligen OECD-Niveau von 0,08. Inzwischen ist der Abstand deutlich größer.
Dabei geben 54 Prozent der befragten Lehrkräfte an, häufiger als dreimal im Monat Unterrichtsmaterialien mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Der Kooperationsindex berücksichtigt jedoch weitere Formen der Zusammenarbeit.“
Wir haben bspw. für alle möglichen Einheiten die Unterrichtsmaterialien digital vorhanden. Jede Fachlehrkraft kann das Material nutzen – oder eben eigene Materalien verwenden.
Wer öfter in den gleichen Jahrgängen unterrichtet, der weiß, dass doch oft noch mal ein Material hier überarbeitet wird, ein weiteres hinzukommt, etwas differenziert wird usw.
Da vermüllt der heimische Rechner leicht. Aber wenn genügend Kollgen ihre Materialien hochladen, läuft man auch schnell Gefahr, die reine Menge an Dateien kaum überblicken zu können. An sich müsste auch der digitale Materialpool regelmäßig aufgeräumt und ausgemistet werden. Aber dafür hat man leider keine Zeit – und wer soll entscheiden, ob ein Kollege vielleicht dieses oder jenes Arbeitsblatt ganz toll findet?
Früher hatten wir uns in den Naturwissenschaften auch regelmäßig zusammengesetzt, die anstehenden Einheiten besprochen, teilweise für neuen Kollegen die Experimente der nächsten Einheit aufgebaut und ausprobieren lassen. Und natürlich eine Menge über fachliche Schwierigkeiten der Schüler gesprochen und wie man damit umgeht. Das ist seit Corona völlig eingeschlafen und jeder macht seinen Unterricht.
In anderen Ländern ist einfach das Deputat niedriger, man hat weniger allgemeine Orga und es gibt z.T. feste Stunden für Kooperation der Lehrkräfte. So kann man sich bspw. auch mal mit einem Sonderpädagogen (wenn man welche hat) zusammensetzen und sich gemeinsam um eine Differenzierung kümmern.
Wenn Zusammenarbeit im Kollegium gewollt ist, muss man eben auch die Zeiträume dafür schaffen.
Die Frage was wichtiger ist, Teambuilding oder Kompetenz ist schon länger entschieden! Die Politik, Schulaufsicht und Verwaltung wollen nach aussen glänzen! Also möglichst viele gute und sehr gute Abschlüsse! Auch Eltern möchten dies, da Intelligenz vererbbar ist, das Gegenteil ist allerdings ausgeschlossen! Jüngere Kollegen und Kolleginnen, denen fachliche Voraussetzungen fehlen, die nicht einmal Basiskenntnisse haben, bei denen sich das Team darauf beschränkt, Downloads herunter zuladen, per Email in WhatsappGruppen dies austauschen, Klassenarbeiten stellen, die über reines Reprolernen nicht hinausgehen, aber sehr gute Noten verteilen! Dann haben wir den perfekten Dreiklang von guten Noten. guten Schülern. guten Lehrern! Die zweite Trias besteht aus zufriedenen Eltern, zufriedenen Schulleitungen, zufriedener Schulaufsicht und Politikern!
Wieso fehlen denn jüngeren Kollegen und Kolleginnen „fachliche Voraussetzungen“, wieso gaben sie „nicht einmal Basiskenntnisse“? Ich stimme Ihnen ja -für einen Teil, nicht für alle – zu, aber wie haben die denn Studium und Referendariat geschafft?
Ich meine das ernst, was hab ich verpasst?
Verpasst, weiss ich nicht! Erfahrung, die man nicht braucht! Beispiele: Vertretung einer Deutsch-Fachlehrkraft: Lektüre „Der Schimmelreiter“! Behandlung trotz vorbereiteter Basismaterialien durch eine examinierte Deutsch-Lehrkraft abgelehnt, mit dem Hinweis, dies könne man nicht noch nebenher zeitlich schaffen! Stattdessen lieber die SuS im Arbeitsheft Aufgaben erledigen lassen!
Auf Vergabe durch die Schulleitung , die diese Aufgabe in einer SL-Tagung an Land gezogen worden ist, sollten Kriterien für die Erstellung und die Präsentationen erarbeitet werden! Keiner der KuK der Fk Deutsch Lust! Also alleine erstellt! Die Erarbeitung passte der SL aber nicht! Also Fk dazu verdonnert sich des Themas nochmal anzunehmen! Fragwürdige Überarbeitung meines Entwurfes! Vorstellung in der nächsten Lehrerkonferenz! Mein Kommentar: Trage das Ergebnis solidarisch mit, distanziere mich aber inhaltlich deutlich davon! Bestürzung, Irritation im Kollegium! Lange Beratung, Ergebnis: Beschlossen wurde der Erstvorschlag!
Die Beispiele lassen sich fortsetzen! Einem Magisterstudenten musste erstmal die Grundlagen für die Thmafindung erklärt werden, Einleitung und Auswertung der Magisterarbeit formuliert werden, bishin zum Kopfschütteln über die Verwendung eines Tiktok-Fakes zur Darstellung des Hamas-Anschlags, um Antisemitismus in der Schule zu untersuchen!
Mit der stetigen Abschaffung fast jeglicher Disziplin und Authorität war eine solche Entwicklung fast zwangsläufig. Nur weiter so und die Ergebnisse werden weiter nicht hoffen lassen in einer vermehrt entsprechend ideologisch geprägten Gesellschaft.
PS: Sehr viele Lehramts- Anwärter und auch “ gestandene“ LehrerInnen hatten diese Entwicklung erkannt und entsprechend reagiert. Kann man es ihnen verdenken, but Ideologie first!?
Ich finde Teamarbeit sehr gut. Aber ich werde sicher nicht meine Arbeitsunterlagen die ich in den 5 Jahren als Lehrer*in erarbeitet habe an Andere abgeben. Das ist MEINE Arbeit. Ich helfe gerne bei Fragen. Jede Pädagog*in hat einen anderen Unterrichtsstil und andere Lebensauffassung, da kann man nichts austauschen.
Pu
Ihre Haltung ist sehr bedauerlich. Wir haben auf unserer HP sogar die schwer erarbeiteten Konzepte stehen, kann sich jeder Downloaden, wenn gefällt.
Sie haben nicht verstanden, dass Teamarbeit ein Geben und Nehmen ist…..Können ja ein CR Zeichen auf Ihre ABs machen….
„Aber ich werde sicher nicht meine Arbeitsunterlagen die ich in den 5 Jahren als Lehrer*in erarbeitet habe an Andere abgeben.“
Also, ich habe kein Problem damit – warum sollte immer jeder von uns alles einzeln erarbeiten müssen?
Sie mischen m.E. zwei Punkte und werfen eine total spannende Frage auf:
Ob Material für andere Kollegen sinnvoll einsetzbar ist, hängt stark vom Material ab:
Eine „Checkliste“ für die Mappe, für ein Versuchsprotokoll, eine mikroskopische Zeichnung oder eine Facharbeit nicht so komplex, dass sie nicht auch jemand anderes nutzen könnte. Wenn Sie für Textverständnis zum Lehrbuch eine Liste mit Aussagen erstellen, bei der man den Text genau lesen und richtig oder falsch ankreuzen muss, dann können auch alle anderen Fachkollegen mit diesem Material arbeiten.
Ich hatte aber auch schon Materialien, deren Sinn mir einfach völlig unklar war und die ich völlig ungeeignet hielt, bis ich bei einer Kollegin gesehen habe, wie sie es im Unterricht einsetzt. Dann konnte ich auch damit gut arbeiten.
Unabhängig von der Sinnhaftigkeit: Sollte man sein Material überhaupt hergeben?
Zunächst arbeiten Sie als Lehrkraft für die Schule bzw. den Träger. Insofern kann man schon argumentieren, dass alles. was Sie in Ihrer Arbeitszeit erstellen, auch der Schule bzw. dem Schulträger gehört – sie werden schließlich dafür bezahlt!
Irgendwie gilt das aber auch nur, wenn wir Materialien im Rahmen unserer Arbeitszeit erstellen. Was ist also mit Materialien, die wir abends noch schnell erstellen, nachdem unsere Stunden längst abgearbeitet sind, in unserer Freitzeit?
Ich sehe es inzwischen pragmatisch:
Gerade zu Beginn des Lehrerdaseins ist man glücklich über alles und profitiert von allem, was man von Kollegen bekommt. Insofern sollte man später auch mal Material zurückgeben! Niemand schafft es heute mehr, alle Materialien komplett neu selbst zu erstellen und zu differenzieren. Das geht nur durch Kooperation mit anderen Lehrkräften.
Gerne können alle Kollegen meine Checklisten, meine Arbeitsblätter, Anleitungen etc. bekommen. Das tut mir nicht weh. Wenn ich aber abends zu Hause noch irgendwelche haptischen Materialien erstelle, ausschneide, laminiere, Materialien für Experimente privat kaufe und zusammenstelle, dann bleiben die Sachen bei mir. Ich habe keine Lust mehr drauf, dass am Ende Sachen, die ich bezahlt und in meiner Freizeit erstellt habe, unvollständig oder kaputt zurückkommen.
Mittelfristig wird man Schule nur gut hinbekommen, wenn man wirklich zusammenarbeitet. Dazu müssen aber auch die Zeiten und Räume bereitgestellt werden, z.B. durch Reduzieren der Deputate und feste Stunden für gemeinsames Arbeiten.
Was verlieren Sie denn, wenn Sie Ihre Unterlagen teilen?
Gerade das ist doch ein wesentlicher Bestandteil von Teamwork, dass man sich austauscht auch in den verwendeten Materialien.
Meine Güte, das erinnert mich an die Handvoll Studierenden, die Panik hatten, dass ihre Zusammenfassungen in Umlauf kommen.
Ich hatte als Student tatsächlich immer ein kleines Unbehagen meine Arbeit zu teilen, weil ich immer Angst hatte, dass Fehler sich eingeschlichen hatten und andere dann damit lernen.
Ich habe das Gefühl, dass das bei einigen LehrerInnen in eine ähnliche Richtung geht: Solange man alleine arbeitet, ist man eben auch nicht kontrollierbar, nicht angreifbar. Entsprechend ist man bereit „bei Fragen“ zu helfen, aber eben nicht die Arbeitsweise offen zu legen und sich transparent auszutauschen.
Ich erlebe soetwas leider gerade auch bei meinem Sohn, der in der 1. Klasse Probleme hat. Eigentlich sollte man erwarten, dass die Lehrerin sich direkt mit dem Kollegium und anderen Stellen austauscht, berichtet was sie bislang gemacht und guckt, ob sie Anregungen erhält. Stattdessen wird das Thema aber intern kleingehalten und stattdessen die Verantwortung an Eltern und Ärzte abgegeben: Bloß nicht selber Angriffsfläche bieten!
Ich finde es einfach skuril, dass soetwas in der Schule möglich ist. In fast jedem anderen Beruf ist es völlig normal, dass man seine Arbeit offenlegen muss. Kollegen haben selbstverständlich Zugriff auf den Code den man schreibt, sehen selber wie die Kollegen täglich arbeitet oder man muss eben seine Arbeitsweise kleinteilig dokumentieren und für andere Stellen überprüfbar machen.
Dass jemand sagt „Das ist meine Arbeit“ ist eine wirklich verstörende Berufseinstellung.
Aber die Arbeit mit Menschen kann man natürlich nicht mit einem geschriebenen Code vergleichen. Da greift ja auch der Datenschutz. Ich darf zum Beispiel gar keine Informationen über meine Patienten mit anderen Kollegen oder Einrichtungen austauschen, da würde ich mich direkt strafbar machen.
Und Angriffsfläche sollte man tatsächlich nicht zeigen. Das lernt man in jeder Fortbildung zur Deeskalation. Natürlich versucht man in einem Beruf, in dem man täglich physische und psychische Gewalt sowie Bedrohungen um sich herum erfährt, diese so weit wie möglich zu verhindern.
Ich glaube, viele Menschen, die selbst lediglich mit Maschinen und Computern in ruhigen Büros oder Werkhallen arbeiten, vergessen recht schnell, wie gefährlich die Arbeit in der Schule, beim Rettungsdienst, in der Pflege, im Krankenhaus oder der Bahn sein kann, wo man täglich mit völlig unberechenbaren Menschen Kontakt hat. Das man da in einer anderen Rolle auftritt als in einem sicheren Umfeld, ist verständlich und notwendig.
„Ich finde Teamarbeit sehr gut. Aber ich werde sicher nicht meine Arbeitsunterlagen die ich in den 5 Jahren als Lehrer*in erarbeitet habe an Andere abgeben. Das ist MEINE Arbeit.“
Steht Ihnen zu und verlangt niemand von Ihnen.
Vielleicht dann aber auch aufregen, wenn die jungen Kolleg*innen vieles anders machen, wie Sie es noch gelernt haben – vielleicht geht da was verloren 🙁
Nicht auszudenken, wenn wissenschaftliche Arbeitende ebenso denken würden. Erfolg ist immer ein Produkt von kollektivem Zusammenwirken. Ließen Sie die anderen früher auch nicht abgucken ?
Ich persönlich würde es anders halten, aber wenn Frauke bspw. ihr Material selber bezahlt, Fortbildungen besucht und Arbeitsstunden in diese Stunden investiert hat, würde es nicht schaden, wenn Ihre Kolleg*innen Ihr ähnlich entgegenkommen würden.
Sowas wäre dann tatsächlich Teamwork: Jede*r gibt eben das, was möglich ist. Warum denn jedes Mal das Rad neu erfinden?
„Ich persönlich würde es anders halten,…“
??? Warum tun Sie es denn nicht?
Mmh, dann nutzen Sie vermutlich auch nie im Leben Arbeitsmaterialien, die Kollegen, auf welchen Plattformen auch immer, zur Verfügung gestellt haben, oder?
Erinnert mich sehr an hiesige, nachbarschaftliche Plattform auf 4tea : Ich habe hier sehr vom Austausch profitiert und mich im Gegenzug über alle gefreut, die mein Material verwenden konnten.
Einiges wurde ja schon beschrieben:
ich würde gern noch ergänzen:
2 Dinge sind m.E. besonders wichtig
1.) Schulleitungen sind in Deutschland primär als Verwalter von Recht und Ressourcen ausgebildet. Und selbst das oft nur unzureichend. Konzepte der modernen Organisations- und Personalentwicklung sowie des „Instructional Leadership“ (pädagogische Führung) fehlen in der klassischen Ausbildung oft völlig.
Wenn eine Schulleitung nicht gelernt hat,
versandet Teamwork im Unverbindlichen.
2.) Ca. Dreiviertel der Lehrkräfte sind weiblich.
Frauen entwickeln andere Konfliktstrategien (vgl. Kaj Björkqvist). Dazu gehören der Entzug von Aufmerksamkeit, das Ausschließen aus der Gruppe oder das Reden über Dritte hinter deren Rücken.
Wenn dieser Kommunikationsstil dann das Lehrerzimmer dominiert, entsteht eine „Schlangengrube“. Das blockiert das professionelle Teamwork auf der Sachebene.
Da Schulleitungen und Kollegium oft zwei (auch räumlich getrennte) Welten sind, bilden sich im Kollegium zusätzliche informelle Hierarchien heraus.
Formal sind alle gleichgestellt – aber Kollegin X hat irgendwie „mehr (oder zumindest etwas anderes) zu sagen“ als Kollege Y.
Hier schließt sich der Kreis zu den Schulleitungen:
Wenn die Schulleitung keine klaren, professionellen Leitlinien für die Zusammenarbeit vorgibt, verlagert sich die Kooperation in den privaten Bereich. Man arbeitet nur noch mit den Kollegen zusammen, die man „sympathisch“ findet. Es entstehen die typischen „Fraktionen“, die sich gegenseitig blockieren…
Zu all den guten Gedanken, Kritiken und Ideen, die hier bis eben gerade zusammengetragen und vorgestellt wurden, die alle ihre Berechtigung haben, ist meine Haltung zu der Sache aber schließlich noch:
Die Jugendlichen tragen doch alle (jeder für sich!) auch einen eigenen Anteil zu der Atmosphäre des Unterrichts bei! Da kann doch nicht nur die LK für verantwortlich gemacht werden…???
Wenn sich ein -selbst- schwatzender / störender Schüler/in bei mir beschwert, es sei zu laut, dann frage ich immer, welchen Anteil ER/SIE denn daran habe? Dabei ernte ich oft großes Erstaunen: „Ach jaaaa….!??!“ Überraschung hoch 10…
So habe ich mir angewöhnt mit den SuS immer wieder einmal darüber zu sprechen, welche Eigenverantwortung sie alle doch haben, damit ein störungsfreier Unterricht gelingen kann und die LK nicht wie ein Dompteur vor der Klasse „rumhampeln“ muss, damit auch (An-)Drohungen (im Sinne von Ordnungsmaßnahmen) weitgehend vermieden werden könnten.Und ich weise auch darauf hin, dass es durchaus möglich sein könnte, sich dem Gruppenzwang zu entziehen.
Da alles klappt nicht immer – aber immer öfter! Und das lässt mich, trotz allem, hoffen!
So lange jede Arbeitsgruppe- formelle oder informelle-, jedes Team- multi-, mono- oder unprofessionell- immer zeitlich und organisatorisch on top läuft, habe ich bei 6 Korrekturklassen (Sprachen, auch Oberstufe) dazu weder Muße noch Zeit.
Meine Wochenarbeitszeit liegt bei 40- und darüber hinaus habe ich kein Kontingent. Basta.