POTSDAM. Jugendliche schlagen auf Gleichaltrige ein, treten weiter zu, wenn ihre Opfer bereits am Boden liegen, und verbreiten Aufnahmen der Angriffe im Internet. Nach mehreren Gewalttaten in Brandenburg erklärt die Bildungsforscherin Nina Kolleck, warum solche Übergriffe aus ihrer Sicht zunehmen und die Täter immer jünger werden. Die Professorin der Universität Potsdam sieht ein Zusammenwirken familiärer Gewalterfahrungen, sozialer Unsicherheit, digitaler Gewaltverherrlichung und problematischer Männlichkeitsvorstellungen. Zugleich kritisiert sie, dass ausgerechnet bei der Prävention gespart worden sei. Ihre zentrale Frage richtet sich auch an die Schulen: Warum werden gefährdete Jugendliche häufig erst erreicht, wenn sie bereits gewalttätig geworden sind?

Ein 14-jähriger Schüler liegt am Boden. Mehrere Jugendliche schlagen und treten weiter auf ihn ein, auch gegen den Kopf. Andere stehen dabei, die Tat wird gefilmt. Die Aufnahmen verbreiten sich anschließend in sozialen Netzwerken. Der Angriff ereignete sich Mitte Oktober vor einer Oberschule in Frankfurt (Oder). Gegen zehn Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 13 und 15 Jahren ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung und Raubes.
Auch in Potsdam beschäftigen gewalttätige Jugendgruppen seit Wochen Polizei und Öffentlichkeit. Jugendliche sollen Gleichaltrige angegriffen und eingeschüchtert haben; selbst Zeugen sollen unter Druck gesetzt worden sein. Nach Darstellung von Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) geht es den Gruppen auch darum, an öffentlichen Orten und auf Schulhöfen zu bestimmen, wer das Sagen hat.
Was bringt Jugendliche dazu, Gleichaltrige derart zu erniedrigen und selbst dann nicht aufzuhören, wenn ihre Opfer längst wehrlos sind? Die Potsdamer Bildungsforscherin Nina Kolleck sieht in den jüngsten Vorfällen keine überraschende Entwicklung. Im Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) beschreibt die Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie eine seit Jahren erkennbare Verschärfung. „Sie schockiert mich, überrascht mich aber nicht. Denn es zeichnet sich ja schon seit einigen Jahren ab, dass Gewalt gerade unter jungen Männern immer schlimmer wird. Und dass immer mehr junge Männer gewalttätig werden. Und die Gewalttäter werden dabei immer jünger.“
Kolleck beschäftigt sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit Jugendgewalt. An ihrem Lehrstuhl werden große Datensätze ausgewertet, Gespräche mit ehemals gewalttätigen Jugendlichen geführt und Erkenntnisse mit Landeskriminalämtern sowie Präventionseinrichtungen ausgetauscht. Ihre Forschung richtet sich insbesondere auf familiäre Gewalterfahrungen, die Angst vor Schwäche und den Wunsch nach Anerkennung.
„Vieles liegt auch daran, dass viele junge Männer das Gefühl haben, von der Welt überrollt zu werden und gar nicht mehr mitzukommen“
„Es liegt einerseits an den Nachwirkungen der Pandemie. Anderseits liegt es daran, dass junge Menschen Orientierung suchen. Es liegt aber auch an Social Media“, erklärt die Wissenschaftlerin. Jugendliche begegneten dort einer Verherrlichung von Gewalt, die Empathielosigkeit fördern könne. Hinzu komme, dass sich viele junge Männer von gesellschaftlichen Entwicklungen überfordert fühlten.
„Vieles liegt auch daran, dass viele junge Männer das Gefühl haben, von der Welt überrollt zu werden und gar nicht mehr mitzukommen. Viele von ihnen haben gelernt, derart überwältigende Gefühle mit Gewalt zu überbrücken. Sodass sie die anderen Gefühle nicht fühlen müssen. Und am Ende hat es auch mit ihrer Erziehung und Sozialisation zu tun. Zudem werden sie in der Gesellschaft zu wenig aufgefangen.“
Eine wesentliche Rolle spielen dabei familiäre Gewalterfahrungen. Manche Jungen lernten bereits zu Hause, dass Gewalt ein akzeptables Mittel sei, um Konflikte auszutragen, während Gefühle wie Angst oder Scham unterdrückt werden müssten. „Manche werden zu Hause geschlagen und bekommen von ihren Eltern vermittelt, dass Gewalt und Hass akzeptabel sind, während Gefühle wie Scham oder Angst nicht gezeigt werden dürfen“, berichtet Kolleck.
Verstärkt werden könne dies durch Männlichkeitsvorstellungen, die Stärke verlangen und Schwäche abwerten. In einem Beitrag auf LinkedIn beschreibt Kolleck zwei Fragen, die viele dieser Jungen beschäftigten: „Bin ich ein richtiger Mann? Und was bin ich wert, wenn die anderen mich für schwach halten?“
Im rbb-Interview spricht die Wissenschaftlerin von einer Krise der Männlichkeit, unter der manche jungen Männer litten. Sie seien durch widersprüchliche Erwartungen verunsichert. Zugleich würden in sozialen Netzwerken Dominanz und Gewalt als Ausdruck männlicher Stärke dargestellt. „Solche Rollenbilder können Gewalt legitimieren. Nicht alle übersetzen das in Aggression. Wir gehen aber davon aus, dass diese Männlichkeitsbilder durch die sozialen Medien jeden jungen Mann erreichen.“
Soziale Netzwerke verändern nach Kollecks Einschätzung auch die Wirkung der Gewalttaten selbst. Wer einen anderen Jugendlichen zusammenschlägt und den Angriff veröffentlicht, kann damit Aufmerksamkeit erzeugen. Für das Opfer setzt sich die Demütigung über die Tat hinaus fort. Kolleck: „Dass sie ihre Gewalttaten filmen und ins Netz stellen, ist eine neue Dimension. Für viele junge Menschen ist es normal geworden, im Netz Inhalte preiszugeben, die besonders drastisch sind und die dadurch besonders viel Aufmerksamkeit erzeugen. Dazu gehört Gewaltverherrlichung.“
Die Aussicht auf Aufmerksamkeit könne selbst zum Motiv werden. Kolleck verweist zugleich auf tief sitzende Feindseligkeiten, denen sie in ihrer Forschung begegne. „Viele junge Menschen verspüren einen sehr tiefen Hass. Ich habe mit vielen gesprochen und forsche auch schon lange zu diesem Thema. Da geht es um eine Form von Hass, die nicht vom Himmel fällt. Es gibt verschiedene Faktoren, die diesen Hass entstehen und unkontrollierbar ausbrechen lassen.“
Zu diesen Faktoren zählt die Forscherin neben familiärer Gewalt und problematischen Männlichkeitsbildern auch soziale Benachteiligung und Ausgrenzung. Welche Rolle dabei Fluchterfahrungen und mangelnde gesellschaftliche Teilhabe spielen, müsse genauer untersucht werden.
Die jüngsten Gewalttaten haben auch eine politische Debatte über die Herkunft der Tatverdächtigen ausgelöst. Die AfD rief in der Folge zu einer Kundgebung in Frankfurt (Oder) auf und sprach von „Migrantengewalt“. Nach Schätzungen folgten dem Aufruf am Dienstagabend rund 500 Menschen.
Kolleck warnt davor, Jugendgewalt allein mit der Herkunft der Täter zu erklären. „Es gibt bei diesen Taten einen Zusammenhang mit Staatsangehörigkeit und Migrationshintergrund. Das zeigen die Statistiken. Aber die Situation ist komplex. Man kann nicht sagen, dass jemand – nur weil er einen Migrationshintergrund hat oder eine andere Staatsbürgerschaft – automatisch gewalttätig wird. Da spielen auch wieder verschiedene Faktoren zusammen.“
Um diese Zusammenhänge besser zu verstehen, brauche es nach Auffassung der Wissenschaftlerin weitere Untersuchungen und insbesondere langfristige Daten. Die Forderung nach Abschiebungen greife als Antwort auf Jugendgewalt zu kurz: Auch Jugendliche mit deutscher Staatsangehörigkeit würden gewalttätig. Entscheidend sei, die Ursachen zu erkennen und Gewalt unabhängig von der Herkunft zu verhindern.
„Wir merken seit einigen Jahren, dass die Gewalt dramatisch ansteigt. Es wird aber zu wenig dagegen getan“
Eine wesentliche politische Aufgabe sieht Kolleck deshalb in der Prävention. Nach der Wiedervereinigung habe es bereits eine Phase ausgeprägter Jugendgewalt gegeben, auf die mit erheblichen Investitionen in Jugendarbeit und Gewaltprävention reagiert worden sei. In den folgenden Jahrzehnten sei die Gewalt zurückgegangen. Inzwischen beobachte sie erneut einen deutlichen Anstieg – während Präventionsangebote gekürzt worden seien.
„Ein weiterer Grund ist, dass gerade in den letzten Jahren viele Präventionsangebote Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen sind. Es gab schon zuvor Phasen in Deutschland, in denen es eine starke Jugendgewalt gab. Gerade nach der Wende war sie sehr hoch. Da wurde sehr intensiv in Prävention und in Jugendarbeit insgesamt investiert, sodass sie weniger wurde in den letzten Jahrzehnten. Doch wir merken seit einigen Jahren, dass die Gewalt dramatisch ansteigt. Es wird aber zu wenig dagegen getan.“
Kolleck richtet den Blick deshalb auf Schulen und andere Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche begleiten. In ihrem LinkedIn-Beitrag fordert sie, früher auf die Entwicklung gefährdeter Jungen zu achten: „Wer Jungengewalt verhindern will, muss vor der Tat hinschauen: Wie wachsen diese Jungen auf? Wo verlieren wir sie? In der Schule und darüber hinaus? Und warum erreichen wir sie oft erst, wenn ein anderer am Boden liegt?“
Unterdessen schreiten die Ermittlungen in Brandenburg weiter voran. In Potsdam sitzen inzwischen sechs tatverdächtige Jugendliche in Untersuchungshaft. Nach Angaben von Innenminister Redmann hat die Polizei dort 25 Tatverdächtige identifiziert, in Frankfurt (Oder) weitere zehn. An Treffpunkten gewaltbereiter Jugendgruppen wurde die Polizeipräsenz verstärkt. News4teachers
Brutaler Angriff auf Schüler: Politik diskutiert Abschiebungen und schulische Gewaltprävention
Die Kinder werden durch Social Media erzogen. Die Eltern ziehen sich aus der Verantwortung. Sie kontrollieren nicht, was Kind am Handy macht und sieht. Die Kinder sehen dort allen möglichen Mist, wie Tiere gequält werden zB und denken, dies sei normal. Spätestens in der 5. Klasse bekommen die Kinder ein Handy in die Hand gedrückt, teilweiser schon deutlich früher. Man muss mittlerweile schon mit seinem Kind in der ersten Klasse diskutieren, warum die anderen ein Smartphone haben und es selbst nicht. Das ist krank! Kein Kind braucht ein Smartphone. Es ist wie eine Droge und es gibt keine Regulierung. Es schadet dem Gehirn dauerhaft, es schadet der Psyche, es schadet der Konzentration, es schadet indem die Kinder sich weniger bewegen. Da sitzen sie mit Smartphone auf dem Spielplatz und bewegen Männchen über den Bildschirm anstatt sich selbst in der Realität. Schon Kleinkinder werden mit dem Hand ruhiggestellt im Einkaufswagen, beim Kinderarzt usw. Die digitale Droge. Und es ist einfach erlaubt, es gibt nicht mal eine gesellschaftliche Empörung.
„Wer Jungengewalt verhindern will, muss vor der Tat hinschauen: Wie wachsen diese Jungen auf? Wo verlieren wir sie? In der Schule und darüber hinaus? Und warum erreichen wir sie oft erst, wenn ein anderer am Boden liegt?“
Meine Frage an Frau Kolleck: Warum Grenzen Sie als Forscherin die Mädchen aus ihren Aussagen aus?
… weil Mädchen subtiler Gewalt ausüben? Das läuft sehr oft unter dem Radar der Medien. … obwohl es mittlerweile wohl auch mehr Mädchen-Gangs gibt, die andere brutal „abziehen“.
Zur Einordnung: Jungen werden nach wie vor deutlich häufiger als Tatverdächtige bei Gewaltdelikten registriert (etwa dreimal bis fünfmal öfter als Mädchen). Studien (wie die Dunkelfeld-Studien in Nordrhein-Westfalen von Prof. Dr. Clemens Kroneberg) zeigen einen überproportionalen Anstieg gewalttätigen Verhaltens bei Mädchen – zum Teil gibt es in bestimmten Jahrgängen (z. B. 9. Klasse) einen Zuwachs von über 50 % bei gewalttätigen Handlungen im Vergleich zu früheren Jahren. Dadurch hat sich die geschlechtsspezifische Lücke etwas verringert. „Insgesamt ist es immer noch so, dass Jungen eher zu Delikten und gerade auch zu Gewalt neigen.“ Gerne hier nachlesen: https://www1.wdr.de/politik/politik-in-nrw/dunkelfeldstudie-jugendkriminalitaet-interview-100.html
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich weiß! Ist aber kein Grund, diese beunruhigende Entwicklung nicht zu beachten!
Gerade in der Grundschule werden tätliche Auseinandersetzungen nach meinem Eindruck eher verharmlost. Einen Tadel geben? Nein, doch nicht den lieben Kleinen. (Wobei ein Tadel alleine natürlich keine Lösung ist, nur selbst das wird nicht gemacht!) Ich meine also vor allem, es gibt kaum mal ernsthafte Konsequenzen. Und wir wissen doch alle, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Hinzu kommt, selbst mehrmals gehört und gesagt bekommen, dass der Vater (gelegentlich auch die Mutter) gesagt haben, man solle sich nichts gefallen lassen und „wenn dich einer schlägt, schlag noch 3x stärker zurück“. Das ist die häusliche Erziehung, die im Gegensatz zur schulischen steht. Und ja, es sind eher selten deutschstämmige Elternhäuser (aber auch!).
Dazu kommen aus meiner Sicht all die Filme, wo die Helden massenhaft andere Menschen auf brutalste Weise töten, selber aber kaum oder gar nicht verletzt werden und vor allem, sie sind die Helden! Jungs wollen dann wie diese Helden sein: unempfindlich, durchsetzungsstark, unerschrocken, ohne Mitleid, der Sieger. Ich höre gelegentlich junge Leute darüber reden und damit prahlen, wie sie angegriffen wurden und es dem anderen aber gezeigt haben. Die schulische Erziehung steht heutzutage in so einem krassen Gegensatz zur „Welt da draußen“. Es ist fast unverantwortlich. Kinder, die zu 100% der schulischen Erziehung folgen, gehen draußen unter! Sie brauchen ja mindestens eine Kampfsportart zur Selbstverteidigung.
Ich finde tatsächlich, wir waren schon mal einen Schritt weiter in Richtung Friedfertigkeit im Umgang miteinander. Die Gewalt war nie weg, aber sie war nicht so präsent. Man trat nicht mehr zu, wenn jemand am Boden lag. Das war Ehrenkodex für die meisten. Man zückte nicht sofort ein Messer und stach jemanden ab. Man trug gar keine bei sich. Doch, das sind auch kulturelle Einflüsse von außen, die sich halt ausbreiten, wenn man nicht das Opfer sein will.
Kurz: Schon die Kleinen in der Grundschule „lernen“, wer schwach ist, geht unter. Und die Schule reagiert auf Gewalt zu nett, zu sanft, zu milde = schwach. Und viele Elternhäuser arbeiten dagegen, um ihre Kinder wehrhaft zu machen. Schule war immer ein Abbild der Gesellschaft!
Stimmt, mindestens die alte Bundesrepublik war irgendwie ein Land der Vollkaskoversicherung und dazu gehörten die Rechtsschutzversicherungen. Man ließ sich nichts gefallen (wenn man es sich leisten konnte), man zog vor Gericht. Man hatte ja eine Rechtsschutzversicherung. Bester Ausdruck für den Rechtsstaat und sein Funktionieren. Der Einzelne nahm seine Probleme nicht selbst in die Hand, er schaltete einen Anwalt ein.
Jedenfalls minimierte das die Streitgewalttätigkeiten, man drohnte dem anderen keine Schläge an, sondern man drohte mit Anwalt. Und wer die Zeichen der Zeit nicht erkannt hatte, landete dann eben auch hinter Gittern.
Bis auf die „Kriminalität im Schatten der Nacht“ war das schon fast alles. Nun haben wir wieder Gewalt am helllichten Tage und nicht zu knapp. Das Faustrecht (Messerrecht) bahnt sich die Bahn. Sie haben einige Gründe dafür genannt.
Ich gebe ihnen in vielem recht.
Folgende Aussage möchte ich aber etwas konkretisieren.
„Und die Schule reagiert auf Gewalt zu nett, zu sanft, zu milde = schwach.“
Es ist nicht die Schule, sondern das, was den dort arbeitenden Menschen an Möglichkeiten gegeben wurde, was es so schwierig macht.
Schulen, die rigoroser durchgreifen, werden schnell zur Räson gebracht, sobald Eltern Maßnahmen widersprechen. Bürokratie, Formfehler … Und die Opfer von Gewalttätigen müssen dann entweder mit ihren Peinigern leben oder selbst die Schule wechseln. Dem Schulamt sind die Opfer nämlich egal. Dort geht es nur darum, ob die vorgegeben Standards, die z.T. jeder Beschreibung spotten, eingehalten werden. Dass man vielleicht mal die Standards anpasst, darauf scheint noch niemand gekommen zu sein.
Vielleicht auch auf die Sozialisation von migrantischen Familien schauen. Sie bräuchten viel mehr Anleitung und Hilfe., um sich nicht in das schlimmste, gewalttätige Umfeld zu integrieren. Und jetzt bitte kein whatsaboutism oder “ Nicht alle sind so“ Natürlich nicht, jeder einigermaßen intelligente Mensch weiss das. Und ja, Gewalt kommt auch in angehängten Familien vor oder in dysfunktionalen. Im Grunde bräuchte es ein System von aufsuchender Familienhilfe, die passgenau hilft. Jeder braucht andere Hilfe. Teuer ist es, ja. Aber eine Generation abgehängter Gewalttäter, die wird noch viel, viel teurer.
Nicht alle sind so. Ich war längere Zeit auf einer sog. Leuchtturmschule. Dort hatten wir Kinder von schwedischen Webdesignern, portugiesischen Modelabelchefinnen und indischen Unternehmensberatern. Das ist eine ganz andere Qualität. Ein solches Ausmaß von Egozentrik, Respektlosigkeit, brutalstem Individualismus und Ablehnung aller gemeinschaftsbezogenen Werte habe ich im „Brennpunkt“ nie erlebt.
Das besagt nur, dass Kinder, deren Eltern sie nicht liebevoll und umsichtig erziehen, in der Regel keine sozialen Wesen werden.
Dann hätte aus Nazi-Deutschland und Schwarzer Pädagogik nichts Soziales mehr werden können. Herzliche Grüße Die Redaktion
Das widerspricht meiner Aussage nicht.
Die Mehrheit der Menschen in Deutschland waren damals keine wirklichen Nazis, also Menschen, die ihren Kindern eine Kruppstahl-Mentalität, Nachgiebigkeit und Toleranz als Schwäche und Hass auf Minderheiten vermittelt haben. Nicht umsonst haben die obersten Verantwortlichen versucht, den Eltern die Kinder zu entziehen, indem sie sie in Organisationen eingebunden haben.
„Die Mehrheit der Menschen in Deutschland waren damals keine wirklichen Nazis“ – nicht? Keine „Menschen, die ihren Kindern eine Kruppstahl-Mentalität, Nachgiebigkeit und Toleranz als Schwäche und Hass auf Minderheiten vermittelt haben“? Alles nur ein paar Parteibonzen schuld?
Rassismus – gab’s und gibt’s kaum in Deutschland? Schwarze Pädagogik – alles nur geträumt? Autoritäre Erziehung – nur Spaß? Wohl kaum. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2025/10/dann-liebe-mutter-werde-hart-wie-ns-paedagogik-deutschland-jahrzehntelang-praegte/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ach ja, wir sind alle Nazis und Rassisten. Alle weißen Deutschen. Sorry hab ich doch schon wieder vergessen.
Der Nationalsozialismus ist vom Himmel gefallen. Die KZs haben sich alle von selbst gefüllt. Die rassistische AfD wählt ja gar keiner – und die Union kennt auch keine rassistischen Ausfälle („Kinder statt Inder“, „Stadtbild“). Herzliche Grüße Die Redaktion
Sach ich doch. Wir sind alle …
Danke, jetzt wissen wir, was Sie denken. Oder können Sie nur nicht differenzieren?
Wir sind nicht blauäugig – schon gar nicht, was Rassismus in Deutschland betrifft. Etwa 25 bis 36 % der Deutschen (je nach Umfrage) glauben noch immer an die Existenz biologischer „Rassen“, und rund 48 bis 50 % schreiben bestimmten Gruppen (Deutschen natürlich) von Natur aus Eigenschaften wie besonderen Fleiß zu. Gerne hier nachlesen: https://www.dw.com/de/rassismus-in-deutschland-zeigt-sich-weniger-offen-bleibt-aber-tief-verankert/a-76444762
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Warum werden die Jugendlichen gewalttätig?
Positiv formuliert: die Erfahrung von Selbstwirksamkeit.
Darunter liegt duebKompensation oder Über Kompensation von Selbstwertschäden.
Damit ist die Geschichte erzählt.
„Und warum erreichen wir sie oft erst, wenn ein anderer am Boden liegt?“
„Ein weiterer Grund ist, dass gerade in den letzten Jahren viele Präventionsangebote Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen sind“
„…richtet den Blick deshalb auf Schulen und andere Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche begleiten“
Frage gestellt, Frage selbst beantwortet, trotzdem die übliche Folgerung: Keiner direkt zuständig, keine Mittel, zuviel Aufwand und Kleinarbeit – da gibt’s doch noch die Schulen, dann wurde bestimmt da etwas übersehen. Dass Sozialisation auch im Elternhaus und in Peergroups passiert, dass Schulen nur einen Anteil daran haben und nicht überwiegen, das steht zwar in der eigenen Analyse, aber so klingt es einfach runder.
Wahrscheinlich brauchen wir doch noch eine Mischung aus Palantir und chinesischem Social Scoring, die KI (endlich eine Anwendung!) sagt uns dann voraus, wann wo von wem Gewalt zu erwarten ist. Übrigens ist das wie bei Vorsorgeuntersuchungen: wieviel Gewalt wurde denn im Vorfeld an den Schulen verhindert, erreicht man die Täter wirklich ‚oft‘ oder nur ‚manchmal‘ zu spät? Confirmation bias? Wir ‚verlieren‘ sie nicht, wir übersehen sie nicht. Wir wenden schon bei weitem mehr als vertretbar Arbeitszeit und Aufmerksamkeit auf, um sozial auffällige SchülerInnen zu betreuen. Ergebnis dieser langwierigen pädagogischen Bemühungen ist meist eine Frage aller anderen: Können Sie XY nicht einfach rausschmeißen? Zu viele Aufgaben für Lehrkräfte, zu wenige Sozialpädagogen und Psychologen, die da eigentlich gefragt wären. Zu wenig Familien- und Jugendhilfe, zu wenige Perspektiven, zu viele Tiktok-Videos mit fragwürdigen Role Models (ich mag sie nicht Vorbilder nennen), permanente Negativerfahrungen, weil Mathe, Technik usw. (‚Jungenfächer‘ im Selbstbild) bezüglich sprachlicher Anforderungen langsam Ableger von Deutsch werden, aber: warum verlieren wir sie in den Schulen…
„Eine wesentliche politische Aufgabe sieht Kolleck deshalb in der Prävention. Nach der Wiedervereinigung habe es bereits eine Phase ausgeprägter Jugendgewalt gegeben, auf die mit erheblichen Investitionen in Jugendarbeit und Gewaltprävention reagiert worden sei.“
Schön, dass wir wissen, wie sich solche Taten VERHINDERN ließen, anstatt von immer härteren Konsequenzen zu phantasieren…
Dass „social“ media eine neue (negative) Qualität beiträgt, ist meiner Meinung nach tatsächlich etwas Neues, die „Krise der Männlichkeit“ dagegen, nunja…
„Wer Jungengewalt verhindern will, muss vor der Tat hinschauen: Wie wachsen diese Jungen auf? Wo verlieren wir sie? In der Schule und darüber hinaus? Und warum erreichen wir sie oft erst, wenn ein anderer am Boden liegt?“
Darauf gibt es eine Antwort: Weil vielen Tätern erst hinterher bewusst wird, was sie überhaupt getan haben. Bei den meisten gibt es eine Einsicht – oft dann, wenn sie mit einer harten Strafe einhergeht. Andere haben die Ausübung von Macht über eine andere Person zu sehr genossen und lassen sich vom Weg der Gewalt zunächst nicht abbringen. Wenn sie dann noch den Respekt der Gruppe erfahren, wird es umso schwieriger.
Schule kann da tatsächlich wenig machen. Warum? Weil Jugendliche dort „nur“ sechs Stunden am Tag verbringen. Die Zeit danach verbringen sie meist autonom in ihren Peergroups. Die haben oft ihre ganz eigenen Regeln, insbesondere, wenn es um die Ausübung von Gewalt geht. Hinzu kommt die pure Abstumpfung. In den Whatsapp-Gruppen tummeln sich dutzende Videos mit gewalttätigen Aktionen. Je mehr „Gewalt“ man konsumiert, umso harmloser wirkt sie am Ende, zumal man in den Videos oft nur die Tat selbst sieht. Die Folgen für das Opfer sind fast nie präsent.
Gespannt bin ich, wie lange man noch die „Nachwirkungen der Pandemie“ als Erklärungsansatz nutzen möchte. Meiner persönlichen Meinung nach taugt dieser vier Jahre nach Corona im Zusammenhang mit Jugendgewalt nicht mehr.
„Schule kann da tatsächlich wenig machen.“
Mal die Fakten dagegen:
Eine umfassende, internationale Meta-Analyse von Prof. Dietrich Oberwittler und Robert Svensson zeigt, dass die Jugendkriminalität in den meisten westlichen Industrienationen seit den 1990er-Anjahren drastisch gesunken ist (trotz der aktuellen Entwicklungen nach oben). Als Hauptursachen gelten veränderte Freizeitstrukturen (weniger unkontrollierte Zeit auf der Straße), ein Rückgang des jugendlichen Alkoholkonsums sowie eine veränderte Erziehung und stärkere Einbindung durch – die Schule. Gerne hier nachlesen: https://www.praeventionstag.de/nano.cms/news/details/10330
Die DGUV erfasst alle Unfälle und Verletzungen durch Raufereien und Gewalt an Schulen, die meldepflichtig sind. Die Daten der Schüler-Unfallversicherung zeigten über die Jahrzehnte (z. B. im Vergleich von 2004 zu den Folgejahren) einen deutlichen Rückgang an gemeldeten Verletzungen durch tätliche Auseinandersetzungen im Schulalltag, was direkt auf den Erfolg von Schulsozialarbeit, Streitschlichter-Programmen und Deeskalationstrainings zurückgeführt wird. Gerne hier nachlesen:
https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/jugendkriminalitaet/ZDF_Jugendgewalt_Mai_2025.pdf
„Meiner persönlichen Meinung nach taugt dieser vier Jahre nach Corona im Zusammenhang mit Jugendgewalt nicht mehr.“
Bei Vierjährigen sicher nicht. Jugendliche, die prägende Jahre unter dem Eindruck der Pandemie erlebt haben, leiden nachweislich nach wie vor unter den Folgen: Depressive Symptome und Angststörungen haben seit Beginn der Pandemie deutlich zugenommen; ca. 20–25 % der Kinder und Jugendlichen zeigen auffällige psychische Belastungen (vor der Pandemie lag der Wert bei rund 15–20 %). Gerne hier nachlesen: https://www.uniklinikum-leipzig.de/presse/Seiten/Pressemitteilung_8223.aspx
Besonders bei Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren stiegen die Diagnosen von Essstörungen (wie Anorexie) markant an (Teilweise um über 50 % laut Krankenkassendaten wie DAK). Gerne hier nachlesen: https://www.uniklinikum-leipzig.de/presse/Seiten/Pressemitteilung_8223.aspx
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Die Jugendkriminalitätsrate mag insgesamt gesunken sein, aber wie sieht es inbesondere mit dem Bereich Gewalt aus? Und wie intensiv wird Gewalt inzwischen ausgeübt? Vielleicht wird weniger gestohlen, dafür aber härter zugeschlagen… Viele uns bekannte männliche Jugendliche geben beispielsweise offen zu,ein Messer mitzuführen, wenn sie unterwegs sind. Auch mag die Anzahl an Gewalt direkt in der Schule gesunken sein – wie sieht es auf der Straße aus? Wir betreuen in unserer Arbeit immer mal wieder Täter und immer mal wieder Opfer. Von einem Rückgang merken wir nichts. Seit etwa zehn Jahren erleben wir mehr Taten und massivere Gewalt – mit einem Knick nach unten während der Pandemie (anekdotische Evidenz).
Corona wirkt nach, da gebe ich Ihnen gerne recht – ich habe das ja bereits während den Lockdowns immer wieder angemahnt. Dass sich psychische Belastungen in dem Ausüben von Gewalt widerspiegeln, lese ich aus Ihren Ausführungen jedoch nicht heraus.
„Die Jugendkriminalitätsrate mag insgesamt gesunken sein, aber wie sieht es inbesondere mit dem Bereich Gewalt aus?“
Lesen Sie’s doch einfach: Sie ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesunken – trotz dem Anstiegs zuletzt.
Was Sie zu Corona angemahnt haben (wenn wir uns recht entsinnen), war übrigens ein schutzloses „Schule auf“. Das hätte aber noch ein paar Zehntausend Menschenleben mehr gekostet. Wir reden hier von dem Unwillen der politisch Verantwortlichen, für Schutzmaßnahmen in Schulen – die Wissenschaftler entwickelt hatten und die mehr Präsenzunterricht ermöglicht hätten – Geld auszugeben.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich habe während der Pandemie dafür plädiert, die Schulen offenzuhalten und insbesondere auf die psychischen und sozialen Folgen der Schulschließungen für Kinder und Jugendliche hingewiesen. Dass diese Sorgen berechtigt waren, ist inzwischen durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt worden. Sie behaupten, offene Schulen hätten „ein paar Zehntausend Menschenleben mehr“ gekostet. Für eine derart konkrete Behauptung erwarte ich einen Beleg.
Im Übrigen war die Forderung nach möglichst offenen Schulen keineswegs wissenschaftsfeindlich. Selbst das Robert Koch-Institut sprach sich bereits 2020 dafür aus, den Präsenzunterricht möglichst aufrechtzuerhalten und vollständige Schulschließungen zu vermeiden (vgl. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/COVID-19-Pandemie/Protokolle/FAQ-Liste-Krisenstab.html?nn=16776932#entry_16926162).
Offene Schulen ohne besondere Schutzmaßnahmen hätten ein paar Zehntausend Menschenleben mehr gekostet. Beleg: Länder wie die USA beispielsweise, wo die republikanisch regierten Staaten die Schulen umgehend wieder öffneten. Die relative Sterberate lag in den USA insgesamt rund 1,7-mal so hoch wie in Deutschland.
Schweden konnte seine Schulen schneller öffnen, weil es in schwedischen Schulen – anders als in Deutschland – nahezu durchgängig flächendeckende, mechanische Lüftungsanlagen gibt. Schweden nimmt hier europaweit eine absolute Vorreiterrolle ein, was sich während der Corona-Pandemie als massiver Vorteil erwies.
Einfach nur „Schulen auf“ zu fordern – war damals unverantwortlich. Hat auch das Robert-Koch-Institut nicht getan, sondern für Schutzmaßnahmen bis hin zum Wechselunterricht plädiert.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Der erste harte Lockdown war absolut berechtigt und sinnvoll.
Kann man „im Nachhinein“ sagen was man will.
Die Abwägung „war richtig“ meiner Meinung nach. Man wusste nicht, was das Potential der Pandemie war. Und das hätte wirklich enorm sein können – also noch gewaltiger als es eintraf.
Was eher fragwürdig ist, ist der Umgang danach. Man tut so, als ob wir keine potentiellen Pandemien mehr bekommen würden … Warten wir es ab. Und hoffen. Weil wirklich gut vorbereitet sind/wären wir erstmal wieder nicht.
Und auch die Skepsis usw. könnte hier verheerend auch sein. Schauen wir mal … Hoffen aber nicht.
Prävention beginnt auch und zu aller erst in den Familien
Wenn Eltern wütend werden: Der schwierige Alltag im Jugendamt | mdr.de
„Eine starke Kinder- und Jugendhilfe muss dabei immer auch vorbeugend arbeiten können. Prävention ist kein Luxus, an dem man in schwierigen Zeiten zuerst sparen sollte. Wenn Familien nicht mehr rechtzeitig erreicht werden und Hilfsangebote wegfallen, besteht die Gefahr, dass sich Belastungen verfestigen und Krisen weiter zuspitzen“, sagt sie.
Gerade in schwierigen Zeiten müsse man darauf achten, präventive Angebote zu sichern und die Jugendhilfe zu stärken, statt ihre Arbeit durch zusätzliche Einschnitte zu erschweren. Das sei nicht nur „sozialpolitisch geboten, sondern auch finanzpolitisch vernünftig.“
Gefühlt steigt in den letzten Jahren auch das Aggressionspotential bei Erwachsenen, oder gab es früher auch schon so viele Übergriffe gegen Mitarbeiter der Jugendämter, gegen Lehrer und Erzieher?
„Prävention beginnt auch und zu aller erst in den Familien“
Was sollen Gesellschaft und Schulen also tun, wenn die Familien dies nicht leisten?
„Gefühlt steigt in den letzten Jahren auch das Aggressionspotential bei Erwachsenen“
Stimmt, das ist nur Ihr Gefühl 😉
Scheint nicht nur mein Gefühl zu sein:
„In der medialen Berichterstattung wird seit Jahren die Zunahme der Gewalt gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes thematisiert; auch in der Literatur findet das Thema mehr und mehr Beachtung. Flächendeckende Zahlen zu Übergriffen auf Beschäftigte des öffentlichen Dienstes liegen bislang aber nicht vor. Auch ein systematischer Überblick über praktische Erfahrungen mit Ansätzen zur Gewaltprävention fehlt bisher.“
Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Ergebnisse der Behörden- und Beschäftigtenbefragung.
Interessant finde ich auch folgendes – es könnte die unterschiedliche Wahrnehmung („Gefühle“) erklären 🙂
.“5 Stellenwert des Themas Gewalt am Arbeitsplatz
Während Befragte das Thema „Schutz der Beschäftigten vor gewalttätigen Übergriffen“ zu 91 Prozent für (eher) wichtig halten, nimmt der Stellenwert aus Sicht der Beschäftigten mit jeder Hierarchieebene ab (direkte Vorgesetzte (63 %), Bereichsleitung (53 %) und Be hörden-/Dienststellenleitung (47 %)). Haben Beschäftigte selbst Gewalterfahrungen ge macht, ist diese Diskrepanz noch größer. Dies deutet darauf hin, dass Beschäftigte mit Gewalterfahrungen sich insgesamt von übergeordneten Ebenen nicht genug unterstützt und wahrgenommen fühlen.„
Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst: Zusammenfassung
Wurde nicht letztens erst ein Gesetzesentwurf zum Schutz der im öffentlichen Bereich Tätigen verabschiedet?
https://www.spiegel.de/panorama/justiz/gewalt-gegen-zugbegleiter-bundesregierung-plant-haertere-strafen-a-e2dc0bd5-a8dc-4f39-8c6a-1a4868933bfb
Komisch, wer fühlt denn da jetzt falsch?
Ein wichtiger Faktor ist Armut. Vor 30/40 Jahren gab es sehr viel Gewalt im Vergleich, weil während der Wendezeit sehr große Armut mit sehr hoher Arbeitslosigkeit herrschte. Dann kamen noch die Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion dazu.
Jetzt haben wir doch wieder ähnliche Entwicklungen. Aus Arbeitslosen sind halt Mindestlöhner geworden, die sich auch nicht mehr leisten können. Ich kenne da Menschen, die heizen nur noch ein Zimmer ihrer Wohnung richtig, weil die Heizkosten so hoch sind, dass sie es sich anders nicht leisten können. Also Zustände wie vor 80 Jahren. Und es gibt eine ganz große Gruppe von bitterarmen Alleinerziehenden, die kaum nötige Hilfe bekommen.
Dazu kommt die Zuwanderung aus allen Kriegen dieser Welt.
Medienkonsum sehe ich beim Thema Gewalt gar nicht als so gravierend an. Ich glaube auch nicht, dass Pornographie zu Vergewaltigungen führt. Bei Essstörungen und Medienkonsum gibt es wohl eher eindeutige Zusammenhänge.
Vor fast einem Jahr:
Mehrere Jugendliche attackieren Kinder auf Spielplatz in Berlin
Ein Jahr später, meldet sich der Vater des verletzten und kurzzeitig entführten Kindes öffentlich zu Wort:
Migranten-Gang terrorisiert Pankow: Vater klagt die Berliner Justiz an
„Das mit dem Täterschutz sagt der Vater nicht so daher. Leo habe nur einmal einen Anruf von der Gewaltschutzambulanz der Charité bekommen. Seit dem Überfall übt sich der Junge im Boxsport und in der Selbstverteidigungskunst Krav Maga.
Jens U. weiß, dass die Fahnder der Polizei auch beim Jugendklub vorsprachen, der sich in der Nähe des Tatortes befindet. Die Mitglieder der Jugendgang sollen dort verkehren. Doch die Sozialarbeiter dort hätten Auskünfte verweigert, sagt der Vater. „Das fand ich sehr traurig.“Jetzt laufen die Gerichtsprozesse gegen den inzwischen 16-jährigen Intensivtäter und zwei seiner Schlägerkumpane. Wegen des jugendlichen Alters der Angeklagten sind die Verhandlungen nicht öffentlich, und die Behörden halten sich mit Auskünften zurück…“
“Über die Arbeit der Kriminalpolizei kann der Vater nichts Schlechtes sagen. „Die haben Ahnung, stehen voll im Geschehen und haben mit uns immer Kontakt gehalten“, sagt er“
„Aber wie so oft in solchen Fällen geht es den Behörden vor allem um Täterschutz und weniger um Opferschutz“, sagt Jens U., der Vater des verletzten 13-Jährigen.“
„Jens U. macht sich so seine Gedanken. Er weiß, dass beim Jugendstrafrecht der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht. „Aber da muss gleich was passieren, um einen Erziehungseffekt zu erzeugen“, sagt er, „und nicht ein Jahr später!“ Er hält es auch für grob fahrlässig, solche Gewalttäter sofort wieder auf freien Fuß zu setzen. „Da fühlt man sich von der Justiz auf den Arm genommen.“
„Jens U. sagt, dass er und seine Frau Eltern kennen, die ihren Kindern deshalb das geraubte Handy einfach ersetzen und gar nicht erst zur Polizei gehen würden.„
Opferhilfe
„Opfer von Gewalt und Straftaten verdienen besondere Unterstützung. Wegen der Vielzahl an Hilfsangeboten kann es im Einzelfall jedoch schwierig sein, einen passenden Ansprechpartner zu finden. Um hier Abhilfe zu schaffen, sieht das BMJV in Umsetzung des Koalitionsvertrags 2018 – 2022 die Schaffung einer zentralen Informationsplattform für Opferhilfe vor. Das Referat wirksam regieren unterstützt dieses Vorhaben der Bundesregierung durch die direkte Einbindung der Perspektive von Opfern bei der Gestaltung dieser Plattform.“
Das war ein Vorhaben des Koalitionsvertrages von 2018-2022. Ich habe mal gegoogelt, wie weit dieses Vorhaben mittlerweile gediehen ist … und fand … nichts! Aber wahrscheinlich bin ich zu doof. Ich hoffe, wirkliche Opfer von Gewalt, sind da schlauer als ich und finden etwas, wenn sie Hilfe und Schutz benötigen.