HAMBURG. Pädagogische und therapeutische Fachkräfte an (Hamburger) Schulen arbeiten unter deutlich belastenderen Bedingungen als viele andere Berufsgruppen – und fühlen sich gleichzeitig zu wenig wertgeschätzt. Das geht aus einer von der GEW Hamburg in Auftrag gegebenen und durch die Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften durchgeführten Befragung hervor. Besonders alarmierend: Die Werte für Gewalt und verbale Aggression durch Schüler*innen liegen weit über dem Durchschnitt.

Die Auswertung zeigt: In den Bereichen quantitative und emotionale Anforderungen sowie beim Verbergen von Emotionen liegen die Werte der pädagogischen und therapeutischen Fachkräfte signifikant höher als in den Vergleichsgruppen aus der COPSOQ-Datenbank (Gesamtbevölkerung, Erziehungsberufe, Sozialarbeit/Sozialpädagogik). Auch Work-Privacy-Konflikte und die Entgrenzung von Beruf und Privatleben treten deutlich häufiger auf.
Besonders kritisch ist der Bereich Pausengestaltung: Hier liegen die Werte mehr als 50 Prozent unter denen der Vergleichsgruppen. Viele Beschäftigte geben an, dass Pausen nicht erholsam seien, es zu wenige Pausen gebe und diese oft von Schüleranliegen durchbrochen würden. „Neben besseren räumlichen Erholungsmöglichkeiten an den Schulen müssen auch Strukturen geschaffen werden, damit die Kolleg*innen ihre tägliche Erholungspause effektiver nutzen können“, fordert Daniel Heitmann, Sprecher der GEW-Fachgruppe PTF.
Auch bei den positiven Faktoren schneiden die PTF schlechter ab: Weniger Einflussmöglichkeiten, geringere Wertschätzung, schwache Führungsqualität und mangelndes Feedback sind typische Befunde. Besonders problematisch sind niedrige Werte für Rollenklarheit und Unterstützung durch Kolleg*innen und Vorgesetzte.
Die spezifischen Skalen für den Schulbereich zeichnen ein dramatisches Bild: Konflikte mit Eltern, mangelnde Unterstützung durch Eltern und Betriebe, schlechte Ausstattung sowie fehlende Anerkennung werden überdurchschnittlich häufig berichtet. Noch gravierender: Die Werte für verbale Aggression und körperliche Gewalt durch Schüler*innen liegen deutlich über dem Referenzwert für Lehrkräfte.
“Es bedarf dringend Entlastungen durch Stellenzuweisungen, Supervision und Unterstützung der Kolleg*innen in Krisensituationen“
Innerhalb der PTF gibt es deutliche Unterschiede: Berufsschulen und Gymnasien berichten von besonders hohen Anforderungen und geringen Erholungsmöglichkeiten. Sonderschulen zeigen hingegen höhere Werte bei Wertschätzung und weniger Unsicherheit. Sozialpädagog*innen und Erzieher*innen sind stark von Rollenkonflikten und fehlender Unterstützung betroffen. Therapeut*innen bewerten zwar Führungsqualität und Kollegialität günstiger, bemängeln jedoch ihre schlechtere tarifliche Eingruppierung
Die Studie enthält auch einen Abgleich mit den Belastungsprofilen von Lehrkräften. Bei Unterrichtsstörungen, Lärm- und Stimmbelastung sowie pädagogischer Zusammenarbeit zeigen sich ähnliche Muster – allerdings sind die Belastungswerte der PTF tendenziell noch ungünstiger. Besonders auffällig: Die PTF melden häufigere Gewalt- und Aggressionserfahrungen als Lehrkräfte. Auch beim Erholungsspielraum schneiden PTF deutlich schlechter ab als Lehrkräfte. Damit wird klar: Die pädagogischen und therapeutischen Fachkräfte stehen zwar in ähnlichen Spannungsfeldern wie Lehrkräfte, sind aber an vielen Stellen noch stärker belastet – bei gleichzeitig geringerer Anerkennung.
„Die Befragung bestätigt noch einmal die hohen Belastungen, die ja auch durch den hohen Krankenstand im PTF deutlich geworden sind. Hier bedarf es dringend Entlastungen durch Stellenzuweisungen, Supervision und Unterstützung der Kolleg*innen in Krisensituationen“, erklärt Bodo Haß, stellvertretender Vorsitzender der GEW Hamburg. Die Gewerkschaft fordert unter anderem eine Dienstvereinbarung für altersgerechtes Arbeiten, differenzierte Fachaufsichten für die einzelnen Professionen sowie schulformübergreifende Gefährdungsbeurteilungen.
Fazit: Die Studie liefert erstmals detaillierte Vergleichsdaten, die zeigen: Pädagogische und therapeutische Fachkräfte in Hamburg sind nicht nur ähnlich belastet wie Lehrkräfte – sie tragen in manchen Bereichen sogar eine noch schwerere Last. News4teachers









Und verdienen meistens dafür auch noch weniger Geld. Aber Probleme und Belastungen sind die gleichen, wie bei den Lehrern.
Ich bin jetzt sehr kurz vor meiner Pension – im Moment im Krankenstand.
Die beschriebenen Bedingungen – hinlänglich bekannt, valide erforscht und den polit. Entscheidungsträgern zur Kenntnis gebracht (wie oft eigentlich schon?), lassen mich überlegen, in den Vorruhestand zu gehen.
Ich schaffe meinen Beruf nicht mehr.
Ließe “man” mich einfach ” nur” 😉 unterrichten, überlegte ich das nicht.
Ich vermisse meine Klasse, die Kollegen, das bunte Treiben, die Lebendigkeit (Grundschule).
Alles andere (s. Artikel) jedoch sicher nicht.
Ich bin froh, dass mein Sohn eine andere Laufbahn eingeschlagen hat!
Krank und dann gleich in die Pension. Typisch. Können auch nur Beamte.
Was macht denn die “hammerharte, freie” Wirtschaft in so einem Fall. Sie “entsorgt” die entsprechenden AN auf Kosten der Sozialversicherungen (“arbeitslos”) und des Staates (“Bürgergeld”). Schön die Kosten aufgrund von vermutlich miesen Arbeitsbedingungen “externalisiert”, steigert schließlich den Gewinn und die Dividenden.
Und am nächsten Tag wird über hohe Steuern und Sozialabgaben gejammert.
“Gier ist gut” oder so ähnlich…
Beamtinnen auch.
Eine Pensionierung direkt an den Krankenstand anschließend? Wo steht das geschrieben?
Ich gehe zurück in den Beruf, nur sehr, sehr wahrscheinlich schaffe ich es nicht bis zum regulären Pensionsalter.
Wissen Sie, wie krank diese Person ist? Kennen sie ihr Leben? Kennen Sie Ihr leid? Es ist beschämend was Sie hier schreiben.
“Neid ist der Schatten von unglücklichen Seelen.” (Unbekannt)
“Der Neider glaubt, besser zu sein, wenn er andere schlecht macht.” (Stefan M. Gergely)
“Deutschland ist das einzige Land der welt, in dem der Neid stärker ausgeprägt ist als der Geschlechtstrieb.” (Stephan Reimertz)
@Gizi – wie würden Sie an der Stelle von @Ruhrgebiet handeln, wären Sie verbeamtet? “Man muss auch gönne könne!”
die meisten pädagogischen Fachkräfte sind nicht verbeamtet.
“Pädagogische und therapeutische Fachkräfte in Hamburg sind nicht nur ähnlich belastet wie Lehrkräfte – sie tragen in manchen Bereichen sogar eine noch schwerere Last.”
Willkommen im deutschen Schulsystem! – Sehr geehrte pädagogische und therapeutische Fachkräfte: Hatten Sie wirklich etwas anderes erwartet?