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Weniger sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen

HANNOVER. Die Zahl der Fälle von sexuellem Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen ist in den vergangenen 20 Jahren offenbar deutlich zurückgegangen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN).

Die Mehrzahl der Opfer von sexuellem Missbrauch ist weiblich. Foto: Jacek NL / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Die Mehrzahl der Opfer von sexuellem Missbrauch ist weiblich. Foto: Jacek NL / Flickr (CC BY-NC 2.0)

So haben 8,0 Prozent der heute 31 bis 40-jährigen Frauen bis zu ihrem 16. Lebensjahr mindestens eine Missbrauchserfahrung mit Körperkontakt erlebt,  die 21- bis 30-jährigen Frauen zu 6,4 Prozent, die 16- bis 20-jährigen Frauen dagegen nur zu 2,4 Prozent. Bei den Männern lauten die Vergleichsquoten 1,8 Prozent, 1,1 Prozent und 0,6 Prozent. Im Durchschnitt sind es aktuell 6,4 Prozent der Frauen und 1,3 Prozent der Männer, die bis zum Alter von 16 Jahren missbraucht wurden.  Nicht einbezogen sind dabei allerdings Opfer von Exhibitionismus.

Mehrere Gründe sieht das KFN als ursächlich für den Rückgang an: Die Anzeigenbereitschaft der Opfer habe sich deutlich erhöht. Zudem hätten sich die öffentliche Aufmerksamkeit und die Anteilnahme für die Leiden der Betroffenen im Lauf der vergangenen drei Jahrzehnte deutlich erhöht. Darüber hinaus stellten Vernachlässigung und körperliche Misshandlung von Kindern einen Risikofaktor für sexuellen Missbrauch dar. Vor allem Väter, die ihre Kinder massiv schlagen, sind den Befunden zufolge nicht selten auch Missbrauchstäter. „Aus verschiedenen Studien ist bekannt, dass die innerfamiliäre Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in den letzten zwölf Jahren deutlich abgenommen hat“, heißt es in der Studie. Es spreche viel dafür, dass die Einführung des Gewaltschutzgesetztes 2002 sowie die Anfang 2000 in Kraft getretene Abschaffung des elterlichen Züchtigungsrecht beigetragen.

Türkischstämmige Mädchen seltener betroffen

Im Vergleich der deutschen Befragten zu denen mit Migrationshintergrund fällt den Autoren der Studie auf, dass vor allem die Frauen mit türkischem Migrationshintergrund erheblich seltener von Missbrauchserfahrungen im Alter bis 16 Jahre berichtet haben – nämlich nur 1,7 Prozent. „Dies könnte damit zusammenhängen“, mutmaßen die Forscher, „dass türkischstämmige Mädchen vergleichsweise stärker behütet aufwachsen und deshalb eventuell im Außenfeld der Familie seltener Risikosituationen ausgesetzt sind.“ Dass die Frauen aus Scham Missbrauchserfahrungen verschwiegen, halten die Forscher für unwahrscheinlich: Für die Zeit ab dem 16. Lebensjahr hätten sie ähnlich häufig sexuelle Gewalterfahrungen angekreuzt wie andere Befragtengruppen.

„Der Großteil der Missbrauchstäter mit Körperkontakt stammt aus dem engen Familienkreis oder ist den Betroffenen bekannt“, berichten die Wissenschaftler. Nur in knapp jedem vierten Fall handele es sich bei den Tätern um männliche unbekannte Personen. Rund zwei Prozent der weiblichen Betroffenen und 17 Prozent der männlichen berichten laut Bericht von weiblichen Tätern. „Im Hinblick auf ‚bekannte Täter‘ hatten die von Missbrauch Betroffenen die Möglichkeit, genauer anzugeben, in welchem Kontext sie diese Person kennengelernt haben. Im Hinblick auf die weiblichen Betroffenen ist hier auffällig, dass 8,6 Prozent solcher Missbrauchsfälle durch bekannte Täter männlichen Lehrern zuzuordnen sind. Täter aus dem Bereich Freizeit/Sport sind dagegen mit 2,5 Prozent relativ selten vertreten“, heißt es in dem Bericht.  Einen katholischen Priester habe nur eine einzige Person als Täter angegeben. Dies stehe nicht im Widerspruch zu den Fällen, die im letzten Jahr öffentlich geworden seien – die lägen größtenteils mehr als 35 Jahre zurück. (red)

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