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Stiftung entzieht Hentig den Comenius-Preis

FRANKFURT/M. „Wegen seiner Verstrickungen in den Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule“, so heißt es zur Begründung, hat die Comenius-Stiftung dem Pädagogen Hartmut von Hentig (86) den 1994 verliehenen Comenius-Preis aberkannt. 

Galt als renommiertester Pädagoge in Deutschland: Hartmut von Hentig, hier auf einem Foto von 1972. Foto: Bundesarchiv

Galt als renommiertester Pädagoge in Deutschland: Hartmut von Hentig, hier auf einem Foto von 1972. Foto: Bundesarchiv, Engelbert Reineke / Wikimedia commons (CC-BY-SA)

Auf der Homepage der Stiftung ist er noch auf der Liste der Preisträger neben Persönlichkeiten wie Prof. Jakob Muth, Hildegard Hamm-Brücher, Bischof Wolfgang Huber oder Simon Rattle aufgeführt: Hartmut von Hentig. Hinter seinem Namen steht allerdings seit einigen Tagen ein Sternchen, das auf einen Passus am Fuß der Seite verweist: „Aufgrund eines einstimmigen Beschlusses des Kuratoriums sowie des Vorsitzenden aberkannt.“

Hentig hat der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) zufolge schriftlich von der Stiftung an ihn gestellte Fragen zum Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule nur ausweichend beantwortet. Dies verlängere, so zitiert die FAZ die Stiftungsleitung, das von Hentig praktizierte Verschweigen, Verharmlosen und Vertuschen. In dem Beschluss der Stiftung heißt es laut Bericht: „Die bronzene Comenius-Statuette mögen Sie behalten, zumal der böhmische Bischof Sie zu mahnen vermag, sich um das Wohl und Wehe von Kindern zu kümmern, nicht aber um die sexuelle Befriedigung Erwachsener durch den Missbrauch an den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen.“ Der Reformpädagoge Hentig, Gründer der Bielefelder Laborschule und einer der bekanntesten Pädagogen in Deutschland, war lange Jahre Lebenspartner des mittlerweile verstorbenen Leiters der Odenwaldschule und Haupttäters, Gerold Becker. Hentig hat sich nie von dessen Praktiken distanziert.

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Ein Kommentar

  1. Das war eine sehr gute Entscheidung !
    Das durfte aber auch nicht das Ende des Roll-Back sein.
    Eigentlich haben sich auch noch andere Reformpädagogen diskreditiert, nämlich alle jene, die trotz der ersten Gerüchte um Gerold Becker noch gemeinsam in öffentlichen Verantstaltungen auftraten.
    Herr Brügelmann und Herr Sommer-Stumpenhorst dürften jetzt Zahnschmerzen bekommen.

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