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Pampers statt Partys – Mit Kind im Ausland studieren

BERLIN. «Es geht nicht, dass es nicht geht», dachte sich Caroline Waldschock immer dann, wenn es Schwierigkeiten gab. Und Schwierigkeiten hatte die heute 32-Jährige bald einige. Denn sie hatte sich etwas vorgenommen, was jedes Jahr nur sehr wenige machen: ein Erasmus-Semester – mit Kind.

Ein Baby macht das studieren nicht leichter - im Ausland schon gar nicht. Foto: paparutzi / Flickr (CC BY 2.0)

Ein Baby macht das studieren nicht leichter - im Ausland schon gar nicht. Foto: paparutzi / Flickr (CC BY 2.0)

Waldschock macht an der Universität in Potsdam einen Bachelor in italienischer Philologie. Ein Auslandssemester gehört in dem Studiengang so gut wie dazu. «Ich wollte unbedingt lernen, Italienisch zu sprechen. Und allein durch den Sprachunterricht an der Uni kann man die Sprache nicht», erklärt sie. Doch für ein oder zwei Semester im Ausland zu studieren, war für sie nicht so einfach zu planen wie für viele ihrer Kommilitonen. Denn Waldschock plante für zwei – für sich und ihre Tochter Lara.

Lara war damals fünf Jahre alt. Waldschock fragte sich, ob sie ihrer Tochter das Abenteuer Auslandssemester zumuten konnte. Würde sich das Kind in einem italienischen Kindergarten überhaupt zurechtfinden? Wie würde sie den Aufenthalt finanzieren? «Am Ende kann ich jedem nur raten, nicht zu viel darüber nachzudenken, sondern einfach zu machen. Irgendwie funktioniert es», so Waldschock. So war es zumindest bei ihr. Sie war mit Lara am Ende ein Semester lang in Padua. Von Zeit zu Zeit kam ihr Vater aus Berlin zu Besuch.

«Wer mit Kind ins Ausland möchte, braucht auf jeden Fall eine große Portion Mut und Gelassenheit», sagt Anja Graeff, die an der Hochschule Wismar Studenten zum Thema Auslandsstudium mit Kind berät. Denn ein Auslandsaufenthalt bringe viel Planungsunsicherheit mit sich. Wichtig sei es daher, frühzeitig anzufangen, zu organisieren. «Ich empfehle immer, eineinhalb Jahre vor dem Auslandssemester mit der Planung zu beginnen», rät Franziska Schneider, die Studenten an der Technischen Universität Dresden zu dem Thema berät. Spezielle Stipendienprogramme für ein Auslandssemester mit Kind gibt es nicht. Grundsätzlich läuft die Bewerbung daher genau wie bei kinderlosen Studenten über das internationale Studienbüro der Uni.

Etwas leichter haben es Hochschüler mit Kind, die ihr Auslandssemester in einem skandinavischen Land machen. «Dort ist es viel einfacher als zum Beispiel in Frankreich und Italien», erklärt Schneider. Denn die dortigen Universitäten seien etwa durch eigene Kinderbetreuungsmöglichkeiten besser auf Hochschüler mit Kindern eingestellt.

Zuschuss von 150 Euro im Monat fürs Kind

Um das Auslandssemester mit Kind zu finanzieren, können Studenten bei den meisten Stipendienprogrammen einen Zuschuss beantragen. So bekämen Hochschüler mit Kind im Erasmus-Programm zum Beispiel einen Zuschuss von 150 Euro im Monat pro Kind, erklärt Schneider. Ähnliche Regelungen gebe es beim DAAD. «In der Regel reichen die Zuschüsse aber nicht aus, um den Lebensunterhalt als Familie dort vollständig zu bestreiten», erzählt Graeff.

Das bestätigt auch Waldschock. Von den 450 Euro, die sie pro Monat über das Erasmus-Programm bekam, konnte sie gerade einmal die Miete bezahlen. Für den Rest nahm sie ihre Ersparnisse. Viele Eltern stresse dabei, dass die Bescheide für die finanzielle Förderung meist erst kurz vor Beginn des Auslandsaufenthalts kämen, so Schneider. Da müsse man starke Nerven haben.

Dasselbe gilt für die Möglichkeiten der Kinderbetreuung vor Ort. Von Deutschland aus ließe sich meist kaum ein Kita- oder Kindergartenplatz für den Nachwuchs organisieren. «Wir empfehlen daher immer, bereits vier Wochen vor Start des Auslandssemesters anzureisen und sich dann vor Ort umzuschauen», rät Graeff. Auch könnten etwa Krippenplätze in Spanien oder Frankreich erst beantragt werden, wenn der Student vor Ort gemeldet sei.

Waldschock hat es als hilfreich empfunden, dass sie bereits Grundkenntnisse in Italienisch hatte, bevor sie mit Lara in Padua anreiste. «Gerade bei Dingen wie der Krippenbetreuung muss man ja alles verstehen können.» Wer da die Sprache nicht wenigstens in Grundzügen könne, sei schnell hilflos.

Dass Lara kein Italienisch konnte, hatte ihrer Mutter im Vorfeld große Sorgen gemacht. Es sollte sich jedoch schnell herausstellen, dass es für sie kein Problem war, sich im Kindergarten zu verständigen. «Mit Händen und Füßen ging es irgendwie», sagt Waldschock. Bald konnte ihre Tochter dann die ersten Brocken Italienisch.

Trotz des ganzen Aufwands würde sie ein Auslandssemester mit Kind weiterempfehlen. Sie hat es genossen, die Kultur eines anderen Landes und neue Leute kennenzulernen. «Auch wenn man als Mutter natürlich weniger neue Leute trifft, wie die anderen Erasmus-Studenten, die abends auf Partys gehen können.» Italienisch hat sie trotzdem gut gelernt.

Genau wie ihre Tochter übrigens. Zurück in Potsdam waren sie neulich in einem italienischen Restaurant. Der Inhaberin hatte Waldschock damals von ihren Plänen mit dem Auslandssemester in Padua erzählt. Auf Italienisch fragte sie Lara nun, wie alt sie denn sei. Waldschock war sehr stolz, als Lara ganz selbstverständlich antwortete: «Cinque», also fünf. KRISTIN KRUTHAUP, dpa

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