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Schulstart in Niedersachsen – neu: Distanz-Unterricht für Insel-Kinder

HANNOVERDer demografische Wandel schlägt auch in Niedersachsen zu. Im neuen Schuljahr bedeutet das kleinere Klassen und damit weniger Schüler pro Lehrer. Für Schüler die gute Nachricht: Es gibt weniger Hausaufgaben.

Neuartiges Distanzlernen für Insel-Kinder und kleinere Klassen: Niedersachsen geht nach Ansicht von Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) gut gerüstet ins neue Schuljahr. «Wir investieren in Bildung fast fünf Milliarden Euro», gab er am Freitag in Hannover bekannt. 30 Grundschulen werden schon ein Jahr vor dem verbindlichen Starttermin mit der Einführung der inklusiven Schule beginnen, bei der Kinder mit Förderbedarf in der ersten Klasse gemeinsam mit nicht behinderten Kindern unterrichtet werden.

Für Ostfrieslands Inseln wird erstmals ein Distanz-Unterricht angeboten. In Zusammenarbeit mit dem Internatsgymnasium Esens sollen dabei neue Lernformen erprobt werden. Das jährlich rund 200 000 Euro teure Modellprojekt soll ab Mitte November den klassischen Unterricht ergänzen. Umgesetzt wird es vom Verein «n-21:Schulen in Niedersachsen online e.V.» über Videokonferenzen und Internet-Systeme. Im laufenden Schuljahr werden 886 000 Schüler die 3050 allgemein bildenden Schulen besuchen – darunter 75 450 Erstklässler. «Das sind rund 105 000 Schülerinnen und Schüler weniger als noch 2004», betonte der Minister und meinte: «Die Schülerzahlen in Niedersachsen sind insgesamt weiter rückläufig.» Die Schulen starten nach seinen Angaben mit 2698 neu eingestellten Lehrern ins neue Schuljahr – im gesamten Jahr waren es bisher 4200 Lehrkräfte.

Kritik an Althusmann von der SPD

Kritik an diesen Zahlen kam von der SPD. «Althusmann besetzt lediglich die frei gewordenen Stellen neu und mehr nicht», sagte die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Frauke Heiligenstadt. Sie kritisierte neben mangelnden Handlungsanweisungen zu den inklusiven Schulen ungelöste Probleme und Rechtsunsicherheit bei den Honorarkräften an Ganztagsschulen. Ihre Kollegin Ina Korter von den Grünen schloss sich dieser Sichtweise an. Die schulpolitische Sprecherin bemängelte zudem: «Die Landesregierung hat die berufsbildenden Schulen auf dem Weg in die Eigenverantwortlichkeit weitgehend im Stich gelassen.» Dagegen meinte der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen, Horst Audritz: «Das langjährige Thema Unterrichtsausfall stellt derzeit an den Gymnasien kaum noch ein Problem dar.» Nur in Mangelfächern gebe es noch Lücken. Zudem seien die Klassengrößen deutlich gesunken.

Die durchschnittliche Klassengröße in Niedersachsen liegt nach Angaben von Althusmann nun bei 20,3 Schülern. Auf einen Lehrer komme heute eine Klassenstärke von statistisch 14,28 Schülern – im Vorjahr lag das Verhältnis noch bei 1 zu 17. «Wir haben die beste Lehrer-Schüler- Relation seit 40 Jahren in Niedersachsen», betonte Althusmann. Die Linke im Landtag forderte trotz sinkender Schülerzahlen mehr Lehrpersonal und befürwortet eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren sowie Lerngruppen mit höchstens 25 Schülern in allen Stufen.

An Gymnasien und im Gymnasialzweig der Kooperativen Gesamtschulen schrumpfen die Schülerzahlen pro Klasse von 32 auf 26. Auch in den 1. und 3. Klassen der Grundschulen werden mit 26 Schülern zwei Kinder weniger sitzen als in den Vorjahren. Ein neuer Hausaufgaben-Erlass soll stärker als bisher berücksichtigen, dass die Hälfte aller Schulen im Lande bereits Ganztagsschulen sind. Für Aufgaben außerhalb der Schulzeiten soll es nun Richtwerte geben: im Primärbereich 30 Minuten, im Sekundarbereich I 1 Stunde und in der Sekundarstufe II maximal 2 Stunden. Mit den 82 neuen Oberschulen, die erstmals ihre Pforten öffnen, wird es nun 215 Oberschulen in Niedersachsen geben. dpa
(1.9.2012)

Zum Bericht: „Inklusion à la Niedersachsen: Es darf weiter abgeschult werden“

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