Anzeige


Startseite ::: Praxis ::: In Kinderköpfen ist viel Platz für neue Sprachen

In Kinderköpfen ist viel Platz für neue Sprachen

HILDSHEIM. Englisch lernen inzwischen alle Grundschüler und ein Kindergarten mit Betreuung in einer Fremdsprache ist nicht mehr ungewöhnlich. Selbst im Windelalter können Kleinkinder bereits in ein Sprachbad eintauchen. Kinder lernen Sprachen einfach leichter und schneller als Große.

"Auch begabte und leistungsstarke Schüler brauchen eine ihnen angemessene Unterstützung." Foto: Abdullah Al-Naser / Flickr (CC BY 2.0)

„Kleinen Kindern fällt das adaptieren von fremden Sprachen einfach leicht. Es können auch ruhig mehrere sein.“ Foto: Abdullah Al-Naser / Flickr (CC BY 2.0)

Englisch, Italienisch oder gar Chinesisch schon im Kindergarten üben – nach Einschätzung von Experten ist das kein Problem. Im Gegenteil, je früher eine Sprache gelernt wird, desto leichter fällt dies, sagte Fremdsprachenprofessorin Kristin Kersten. Überfordert sind die Kleinen meist nicht, der Erfolg hängt allerdings vom Konzept ab. Noch mangelt es ihrer Ansicht nach beim Sprachenlernen oft an einem strukturierten Übergang zwischen Kindergarten und Grundschule sowie später der weiterführenden Schule. An diesem Wochenende leitet Kersten, die Juniorprofessorin für Fremdsprachenunterricht und Zweitspracherwerb ist, eine Fachtagung zu bilingualem Lernen an der Uni Hildesheim.

Je früher der Input, desto größer die spätere Kapazität bei den Fremdsprachen

«Das Gehirn ist durchaus in der Lage, verschiedene Sprachen zu verarbeiten und zu speichern, wenn es früh intensiven Input in mehreren Sprachen bekommt, und das im früheren Alter stärker als bei den älteren Lernern», sagte Kersten.

Beim frühen Sprachenlernen sei es wichtig, dass der Inhalt verständlich vermittelt werde. «Unsere Studie in bilingualen Kindergärten zeigt ganz deutlich, dass die Länge der Kontaktdauer zur Fremdsprache, die Intensität dieses Kontaktes wie die Gruppengröße und die Stunden pro Woche wichtig sind, sowie der sprachliche Input.» Die Sprache müsse aus verschiedenen Wegen vermittelt werden, etwa über Körpersprache, Bilder, das Vorführen und das eigene Ausprobieren.

Es sei kein Problem, wenn beim Start in die Grundschule manche Kinder schon größere Englischkenntnisse mitbrächten als andere, sagte Kersten. «Da haben wir in bilingualen Programmen mittlerweile ganz gute Erfahrungen, die zeigen, dass die Kinder, die die Fremdsprache noch nicht gut kennen, von den Leistungsstärkeren tatsächlich profitieren und nach einer Zeit auch aufschließen.» Die Lehrkräfte müssten allerdings auf den unterschiedlichen Kenntnisstand eingehen.

Bilinguales Lernen – Belastung oder Vorteil?

Einige Studien zeigten, dass mehrsprachig aufwachsende Kinder beim Erlernen weiterer Sprachen in der Schule sogar Vorteile haben könnten. Ein Vorteil von bilingualem Lernen sei auch die Fähigkeit, schnell umschalten zu können und sich in andere Menschen hineinversetzen zu können. Und nicht zuletzt sei die von der EU propagierte Mehrsprachigkeit auch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt.

Zum Deutscherwerb von Kindern mit ausländischen Wurzeln sagte Kersten: «Es macht einen großen Unterschied, aus welchem kulturellen Umfeld ein Kind kommt und wie die Sprache zu Hause verwendet wird.» Von Einfluss sei auch, ob eines der Elternteile Deutsch spreche und und ob mit dem Kind zu Hause etwa Bücher gelesen würden. «Aus der Wissenschaft kommt an die Eltern die Aufforderung, stärkt die Erstsprache der Kinder so gut wie möglich. Nach unseren bisherigen Erfahrungen können die Kinder dann auch gut damit umgehen, wenn eine weitere Sprache hinzukommt.» dpa

(19.01.2013)

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*