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Philologen-Chef: Latein boomt – weil Englisch so schwer ist

STUTTGART. Für die einen Relikt altväterlicher Bildungsideale und ein versteckter Numerus clausus an der Uni – für die anderen ein Schlüssel zu unserer Kultur und zu den romanischen Sprachen. Für den Deutschen Philologenverband ist Latein alles andere als eine tote Sprache.

Wenn der Papst auf Latein seinen Rücktritt erklärt, dann verstehen das nach Ansicht von Heinz-Peter Meidinger mehr Menschen als man glaubt. Für den Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes ist das Interesse an Latein ein seit langem anhaltender Trend. «Latein behauptet sich an deutschen Schulen», sagte er . Rund 30 Prozent der Gymnasiasten belegen nach seiner Einschätzung Latein als zweite Fremdsprache.

Heinz-Peter Meidinger

Philologenverbandsvorsitzender Heinz-Peter Meidinger hat sich selbst mit Latein schwergetan. Foto: Deutscher Philologenverband

Latein sei logisch aufgebaut und biete die Grundlage für romanische Sprachen. Es helfe aber auch beim Verständnis für Englisch. Außerdem diene Latein als Fachsprache in der Forschung, etwa in Medizin, Jura und Geschichte: «Ich kenne keine Wissenschaft, bei der das nicht so ist», sagte Meidinger.

Als Grund für den anhaltenden Trend nannte er die Schwierigkeiten vieler Schüler mit Englisch. Das rühre daher, dass es im Englischen zwischen dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort einen großen Unterschied gebe. «Bevor sie sich dann eine Sprache wie Französisch antun, versuchen es diese Schüler lieber mit Latein.»

Als Manko des Lateinischen nannte Meidinger, dass die tote Sprache weitgehend ohne mündliche Praxis auskommen muss. Viele Schulen überlegten deshalb, wie sie die Mündlichkeit von Latein ausbauen könnten. An seiner Schule in Bayern gebe es eine lateinische Theatergruppe, erzählte Meidinger. Zudem organisiere sie seit kurzem einen Schüleraustausch nach Italien. «Dort ist der Lateinunterricht Pflicht.»

Meidinger, als Schüler wegen Latein sitzengeblieben, ist heute froh, die Hürde doch noch genommen zu haben. Kein anderes Fach bringe einem antike Philosophie oder die römisch-griechische Mythologie so nahe. «Die Römische Kultur hat das moderne Europa geprägt. Das ist eine Welt, die nicht tot ist.» So könne man mit Lateinkenntnissen außer den Papst auch vieles andere besser verstehen. «Dann fällt einem bei Achilles nicht nur Brad Pitt ein.» (dpa)

(18.02.2013)

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