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GEW fordert nach Urteil: Schluss mit Kettenverträgen an Schulen

FRANKFURT/MAIN. Ein Frankfurter Lehrer vertritt seit acht Jahren seine Kollegen. Dabei hangelt er sich von Vertrag zu Vertrag – 14 sind es laut GEW insgesamt. Diese Praxis müsse das Land rasch ändern, fordert die Gewerkschaft und beruft sich auf ein Urteil aus Gießen.

Eine 40 Jahre alte Grundschullehrerin muss nach dem Urteil des Arbeitsgerichts Gießen unbefristet beschäftigt werden, nachdem auch sie zehn Jahre mit 14 Verträgen Kollegen vertreten hatte.  Foto: Florentine / pixelio.de

Eine 40 Jahre alte Grundschullehrerin muss nach dem Urteil des Arbeitsgerichts Gießen unbefristet beschäftigt werden, nachdem auch sie zehn Jahre mit 14 Verträgen Kollegen vertreten hatte. Foto: Florentine / pixelio.de

Die hessische Landesregierung muss nach Ansicht der Bildungsgewerkschaft GEW die Zahl befristeter Arbeitsverträge an Schulen und Hochschulen deutlich verringern. Das Land sollte die erfolgreiche Klage einer Lehrerin vor dem Gießener Arbeitsgericht zum Anlass nehmen, bestehende Kettenverträge sofort zu entfristen, forderte der GEW-Landesvorsitzende Jochen Nagel in Frankfurt. Mit neuen Vertretungsverträgen müsse nach maximal zwei Jahren Schluss sein. «Die Landesregierung sollte nicht warten, bis jeder Einzelne klagt.» Die Zahl der befristeten Verträge für Lehrer habe sich seit 2003 auf inzwischen rund 6000 mehr als verdoppelt.

Eine 40 Jahre alte Grundschullehrerin muss nach dem Urteil des Arbeitsgerichts Gießen unbefristet beschäftigt werden, nachdem auch sie zehn Jahre mit 14 Verträgen Kollegen vertreten hatte. Der Vorsitzende Richter hatte das Land bei der Urteilsverkündung am vergangenen Freitag aufgefordert, seine Befristungspraxis zu überdenken. Der bestehende Dauervertretungsbedarf von Kollegen könne nicht allein mit befristeten Stellen abgedeckt werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Zehn Prozent der rund 50 000 Lehrerstellen in Hessen sind der GEW zufolge – vor allem wegen Krankheit und Elternzeit – dauerhaft nicht besetzt. Die Vertretungslehrer müssten immer wieder zittern, ob sie in den Sommerferien Geld bekämen und könnten ihr Leben nicht planen, kritisierte die Gewerkschaft. Sie fordert, für die zehn Prozent Lehrer unbefristet Personal einzustellen. Sie könnten in den ersten beiden Jahren Kollegen vertreten, anschließend müssten sie aber eine reguläre Stelle bekommen. «Dauerhafter Vertretungsunterricht ist für alle Seiten völlig unzumutbar», sagte Nagel.

«Auch an den Hochschulen sind fast 90 Prozent der wissenschaftlichen Beschäftigten befristet beschäftigt», ergänzte Roman George vom GEW-Landesverband. Dies seien keine guten Voraussetzungen für die Qualität von Lehre und die wissenschaftliche Qualifikation, zumal für eine Doktorarbeit im Schnitt fünf bis sechs Jahre gerechnet werden müssten.

Die Gewerkschaft Verdi hatte am Mittwoch auf ein Urteil des Arbeitsgericht Darmstadt vom Dezember 2012 hingewiesen. Danach musste ein Lehrer erst einmal unbefristet beschäftigt werden, nachdem ihm innerhalb von sechs Jahren sein Arbeitsverhältnis 13 Mal befristet worden war. dpa

(14.3.2013)

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