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Minister Matschie will Unterrichtsausfall in Thüringen verringern

ERFURT. Als Springer eingesetzte Lehrer sollen in Thüringen im neuen Schuljahr krasse Fälle von Unterrichtsausfall vermeiden. Eine Verbeamtung der Pädagogen rückt aber in weite Ferne.

Thüringens Kultusminister Christoph Matschie macht sich bei den Lehrerverbänden beliebt. Foto: Kultusministerium Thüringen

Thüringens Kultusminister Christoph Matschie macht sich bei den Lehrerverbänden beliebt. Foto: Kultusministerium Thüringen

Im neuen Schuljahr will Thüringens Kultusminister Christoph Matschie (SPD) vor allem extreme Fälle von Unterrichtsausfall an den Schulen vermeiden – mit sogenannten Springern. «Klar ist, dass kein Bundesland es schafft, den Unterricht so abzusichern, dass gar kein Unterricht ausfällt», sagte Matschie in Erfurt. Mit einer Personalreserve, die neu geschaffen werden soll, werde es dem Freistaat aber gelingen, die Zahl der ausgefallenen Stunden schon in den kommenden Monaten «ein ganzes Stück zu reduzieren». Indes schwelt in der Regierungskoalition weiter Streit um eine Verbeamtung von Lehrern – und die Opposition gibt sich mindestens skeptisch zu Matschies Bildungspolitik.

Für die Personalreserve sollen laut Matschie Lehrer für bis zu zwei Jahre im Rahmen des bestehenden Stellenplans als Springer eingestellt werden. Diese Reserve solle bei vier Prozent des sogenannten Lehrergrundbedarfs liegen. Das entspreche rund 580 Stellen. Wenn es keinen Personalengpass gebe, würden die Lehrer mit Aufgaben betraut, die über den Unterricht hinausgehen, wie etwa Projektarbeiten, erläuterte Matschie. Drohe Unterricht auszufallen, würden diese Aufgaben ruhen und die Lehrer unterrichten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte eine solche Reserve gefordert. GEW-Landeschef Torsten Wolf sprach von insgesamt 475 Vollzeitstellen für Lehrer und Erzieher, die dafür nötig seien. Matschie habe die Notwendigkeit dazu erkannt, sagte Wolf. «Der Ball hierfür liegt nicht mehr im Bildungs-, sondern eindeutig im Finanzministerium.»

Am Montag (26. August) startet in Thüringen das neue Schuljahr für knapp 234 000 Schüler an 1018 Bildungseinrichtungen im Freistaat. Etwa 16.600 von ihnen sind Erstklässler. Die Kinder und Jugendlichen werden von etwa 18.000 Lehrern unterrichtet.

Matschie sagte, 400 Lehrer würden in diesem Kalenderjahr neu in den Schuldienst eingestellt, 127 davon seien schon im Februar verpflichtet worden. Nach Ministeriumsangaben scheiden für die 400 neuen Lehrer in diesem Jahr 400 Pädagogen aus Altersgründen aus. Die Zahl der Zu- und Abgänge lasse sich nicht einfach addieren, da mancher der ausscheidenden Lehrer schon nicht mehr unterrichtete. Andererseits arbeiteten andere Lehrer im Rahmen des Floating-Modells von diesem Schuljahr an statt 90 Prozent nun wieder 100 Prozent, so dass diese Mehrarbeit vor dem Hintergrund der gleichzeitigen Zu- und Abgänge unterm Strich einem Plus von 125 Lehrerstellen entspreche. Matschie kündigte zudem an, bei den Verhandlungen zum Haushalt 2015 für mehr Neueinstellungen kämpfen zu wollen.

Ob in Thüringen Lehrer in Zukunft verbeamtet werden, dazu gibt es in der Koalition indes weiterhin unterschiedliche Meinungen. Matschie sprach sich noch einmal dafür aus, Lehrern diese Option auch in Thüringen zu bieten und damit einen Wettbewerbsnachteil zu beseitigen. «Gute Schule braucht kein Berufsbeamtentum», konterte CDU-Fraktionschef Mike Mohring. Die sonst entstehenden Pensionsansprüche seien eine nicht tragbare Belastung für das Land.

Zwar sei es gut, dass 400 neue Lehrer an die Schulen kämen, konstatierten FDP und Grünen. Dennoch müssten die Pläne zum Aufbau der Personalreserve nun wirklich umgesetzt werden, sagte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Franka Hitzing. Die Bildungsexpertin der Grünen, Astrid Rothe-Beinlich, äußerte sich skeptisch, wie angesichts der hohen Zahl der Abgänge bei den Lehrern «der hehre Anspruch der individuellen Förderung eines jeden Kindes von Anfang an gelingen soll».

Kritik kam auch von der Linken. «Die Situation beim Unterrichtsausfall ist dramatischer als die Landesregierung zugibt», erklärte die Bildungspolitikerin der Fraktion, Susanne Hennig.

Zum Bericht: „Thüringens GEW fordert 475 Reservelehrer gegen Unterrichtsausfall – ein Interview mit dem Landeschef“

 

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