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Jetzt amtlich: Schulklo-Gebühren in NRW verboten

ARNSBERG. Um Schultoiletten gibt es viel Ärger. Trotz Reinigung sind sie oft verdreckt oder kaputt. In Bochum wollte eine Schule mit einer Gebühr Abhilfe schaffen – und bekommt dafür jetzt, wie sich bereits in der vergangenen Woche abzeichnete, die Rote Karte von der Schulaufsicht. Andere Schulen in Nordrhein-Westfalen praktizieren das Modell seit Jahren, dürften aber nun deshalb Ärger bekommen.

An manchen Schulen mögen Schüler gar nicht mehr aufs Klo gehen. Foto: boskizzi / flickr (CC BY-NC 2.0)

An manchen Schulen mögen Schüler gar nicht mehr aufs Klo gehen. Foto: boskizzi / flickr (CC BY-NC 2.0)

Ulrich Sauter, stellvertretender Schulleiter der Maria-Sibylla-Merian-Gesamtschule in Bochum, hatte angesichts übler Zustände auf dem Schulklo vor Jahren eine „Soko“ ins Leben gerufen. Als Ergebnis stand eine Toilette, die für 120.000 Euro frisch renoviert wurde und seitdem von einer Putzkraft betreut wird. Die Angestellte stellt sicher, dass aus dem fein herausgeputzten Ort nicht nach wenigen Wochen wieder ein Ekelklo wird. Aber das Personal kostet Geld. Die Schüler mussten 10 Cent pro Besuch beisteuern oder ein anderes Klo im Schulgebäude aufsuchen.

Doch die Schulaufsichtsbehörde der Bezirksregierung Arnsberg hat das Modell jetzt gestoppt. «Es darf in der Schule keine Zweiklassengesellschaft geben», sagte Sprecher Christian Chmel-Menges. Die Bezirksregierung bezieht sich bei dieser Entscheidung auf einen Erlass des Schulministeriums in Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2009, der die Errichtung von Premium-Toiletten verbietet.

Der Vorsitzende der Landeselternkonferenz in Nordrhein Westfalen, Eberhard Kwiatkowski, steht hinter diesem Erlass. «Schüler sollten für einen Klogang nicht bezahlen. Und sie sollten nicht benachteiligt werden, wenn die finanziellen Mittel nicht da sind.» Nach seiner Meinung hätte die Schule in Bochum das geschickter lösen können. «Wir haben das an unserer Schule anders gemacht. Wir haben einmal im Jahr – wie auch beim Kopiergeld – etwas für den Unterhalt der Toiletten eingesammelt. Und wer dann nichts bezahlen konnte, durfte natürlich trotzdem aufs renovierte Klo gehen.»

Die Euregio Gesamtschule in Rheine im Münstlerland hat 2008 ein ähnliches Konzept wie in Bochum umgesetzt. Dort zahlen die Schüler 15 Euro pro Jahr für den Gang auf die frisch renovierten Toiletten, die in einen Lern- und Erste-Hilfe-Bereich integriert sind. Aber es gibt auch weiterhin frei nutzbare stille Örtchen.

In anderen Bundesländern sorgt der Streit in NRW für Stirnrunzeln. «Dass Kinder in bayerischen Schulen etwas für die Toilettenbenutzung bezahlen müssten, ist in Bayern noch nie aufgeschlagen», sagte ein Sprecher des Bayerischen Gemeindetags in München. In Schleswig-Holstein sagte Schulrätin Dagmar Lorenzen vom Schulamt Kiel, es gebe Schulen, die die Toiletten während der Schulstunden abschließen. Wer während des Unterrichts auf die Toilette muss, bekommt einen Schlüssel und es wird vermerkt, wer wann den Schlüssel hatte.

Dreckige Schultoiletten seien ein Dauerthema, sagt der Lübecker Schulrat Gustaf Dreier. Bezahltoiletten seien aber keine Lösung. «Die gibt es nicht und die wird es auch nicht geben.» dpa

Zum Bericht: “Schulaufsicht: Bezahl-Klos in Schulen gefährden den sozialen Frieden”

 

Ein Kommentar

  1. Jetzt sind die Klos also wieder alle kostenlos und so sauber, wie sie dann eben sind.
    Das ist sozial gerecht – aber ist es gut für die Gesundheit?

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