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Minister Brodkorb: „Lehrer scheuen häufig die Verantwortung für guten Unterricht“

SCHWERIN. Was macht gute Schule aus? Der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie meint: gute Lehrer. Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Brodkorb stimmt der These voll zu. Und er handelt längst danach, wie er bei einem Schulkongress in Rostock versichert.

«Auf den Lehrer kommt es an» – diese These des neuseeländischen Bildungsforschers John Hattie gilt nach Ansicht von Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) auch im Nordosten Deutschlands. Studien hätten immer wieder die Erfahrung bestätigt, dass Lehrerpersönlichkeiten die entscheidende Rolle für den Lernerfolg von Kindern spielten, sagte der Minister am Sonnabend am Rande eines Schulkongresses in Rostock. «Das ist hundertprozentig so, wenn ich mich als Lehrer engagiere und einen aufregenden Unterricht mache, dann hat das natürlich andere Effekte, als wenn ich im Monolog und monoton irgendeinen Fachvortrag halte.»

Fürchtet, bald nicht mehr alle Lehrerstellen besetzen zu können: Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Auf das Engagement des Einzelnen Lehrers komme es an, findet Minister Brodkorb. Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Für die Bildungspolitik sei die These von Hattie keine Provokation, sie sei allerdings eine Zumutung für den Lehrer. Denn sie sei mit großer Verantwortung für den Pädagogen verbunden und werde darum häufig abgewehrt.

An dem Kongress, den das Bildungsministerium und das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen im Audimax der Universität Rostock veranstalten, nahmen rund 500 Lehrer und Erzieher teil. 32 Schulen des Landes präsentierten beispielhafte Unterrichtskonzepte. In Arbeitsgruppen ging es um die Frage, wie bei Kindern und Jugendlichen die Lust am Lernen gesteigert werden kann. Im Mittelpunkt standen die Thesen von Hattie. Er war nach Auswertung weltweiter Studien zu dem Schluss gelangt, dass weniger Klassengrößen und Schuldauer den Erfolg von Schülern bestimmen, als vielmehr das Agieren des Lehrers.

Nach den Worten von Brodkorb bestätigen auch eigene Analysen aus dem Land, dass Klassengrößen, Finanzausstattung und Schulstrukturen nicht die entscheidende Rolle spielten. Mecklenburg-Vorpommern habe aufgrund der demografischen Entwicklung auch schon mit die kleinsten Klassen bundesweit. Alle Maßnahmen seines Ministeriums seien darauf gerichtet, die Stellung des Lehrers zu stärken. Er verwies auf die Einführung der Verbeamtung und die geplante Gleichstellung von knapp 2000 Lehrern an Regionalen Schulen mit Gymnasiallehrern. So werde die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sein, dass Mecklenburg-Vorpommern im Wettbewerb der Bundesländer die besten Pädagogen gewinne.

Bei bundesweiten Leistungsvergleichen habe Mecklenburg-Vorpommern schon immer im Mittelfeld gelegen oder gar zur Spitzengruppe gehört. Dass der Nordosten dennoch eine sehr hohe Quote an Schulabgängern ohne Abschluss habe, sei einem Fehler im System geschuldet. Zu viele lernschwache Kinder gingen auf Förderschulen, von denen bislang nur wenige die Berufsreife (Hauptschulabschluss) anboten. Das ändere sich jetzt. Zudem seien die Standards in den Bundesländern unterschiedlich. Mit einer Sechs auf dem Zeugnis gebe es in Mecklenburg-Vorpommern keinen Abschluss. «Deswegen wäre ein wichtiger Schritt, dass wir nicht nur über ein Zentralabitur in Deutschland reden, sondern dass wir auch eine Angleichung der Abschlussstandards bei der Berufsreife/Mittlere Reife hinbekommen», meinte Brodkorb.

Die Tatsache, dass bislang Kinder in vielen Förderschulen keine Chance auf die Berufsreife haben, gilt als das größte Bildungsproblem Mecklenburg-Vorpommerns. Im Schuljahr 2011/12 verließen 11,9 Prozent aller Schulabgänger die Schule ohne Berufsreife. Ein Großteil davon waren Förderschüler. dpa

2 Kommentare

  1. „Dass der Nordosten dennoch eine sehr hohe Quote an Schulabgängern ohne Abschluss habe, sei einem Fehler im System geschuldet. Zu viele lernschwache Kinder gingen auf Förderschulen, von denen bislang nur wenige die Berufsreife (Hauptschulabschluss) anboten. Das ändere sich jetzt. Zudem seien die Standards in den Bundesländern unterschiedlich.“

    „Die Tatsache, dass bislang Kinder in vielen Förderschulen keine Chance auf die Berufsreife haben, gilt als das größte Bildungsproblem Mecklenburg-Vorpommerns. Im Schuljahr 2011/12 verließen 11,9 Prozent aller Schulabgänger die Schule ohne Berufsreife. Ein Großteil davon waren Förderschüler. dpa“

    Leider lesen wir nichts darüber, wie Mecklenburg- Vorpommern das „Problem“ in den Griff kriegen will. Heißt das z.B. auch Zerschlagung des Fördersystems oder ist geplant, die Förderschulen so auszubauen, dass dort vermehrt die Berufsreife (Hauptschulabschluss) erreicht werden kann?

  2. Warum werden dann Lehrer mehr und mehr gegängelt, so dass diese sich immer schwerer entfalten können?

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