Anzeige


Startseite ::: Praxis ::: Kolumne: Dem Herrn Schmied sein Schultag – „Im neuen Jahr rette ich die Welt“

Kolumne: Dem Herrn Schmied sein Schultag – „Im neuen Jahr rette ich die Welt“

ERLANGEN. Unser Kolumnist Nicolas Schmidt, alias Herr Schmied, ist Lehrer im fränkischen  Erlangen. Die zweite Folge von „Dem Herrn Schmied sein Schultag“  lesen Sie ab sofort hier. Heute: „Im neuen Jahr rette ich die Welt“.

Herr Schmied, kennen Sie den fünften Elefant?

Es heißt „den fünften Elefanten“, Leon. Aber hä? Was soll das sein?

Das ist n Film!

Ach so, du meinst wohl „Das Fünfte Element“. Aber ist der nicht ab 16?

Keine Ahnung, aber ich mag so Snaff Movies.

Nicolas Schmidt alias Herr Schmied schreibt ab sofort regelmäßig für news4teachers.de. (Bild: Periplenata Verlag)

Nicolas Schmidt alias Herr Schmied schreibt ab sofort regelmäßig für news4teachers.de. (Bild: Periplenata Verlag)

Naja, n Snuff Movie ist das nicht gerade, aber ich glaub, ich muss mal mit deiner Mama über deinen Filmkonsum reden.

Na, die schaut die Filme doch immer zusammen mit mir an.

Äh, okee. Aber sag mal, Leon, was wolltest du eigentlich über „Das Fünfte Element“ sagen?

Der kam an Weihnachten, und da hat die eine Frau mit den roten Haaren am Ende gesagt, dass sie die Welt nicht retten will, weil die Menschen so böse sind.

Ja und?

Finden Sie auch, dass die Menschen böse sind?

Wenn ich das finden würde, warum würde ich dann hier vor euch stehen? Und außerdem wäre die Welt dann doch am Ende des Films zerstört worden, und es gäbe jetzt keine Menschen mehr und keine DVD-Player und keine Schule und keine Ferien und keine Bundesliga.

Aber das ist doch nur n Film, das passiert gar nicht in echt!

Ja, aber schau, Leon, die Welt ist ja außerdem am Ende des Films gerettet worden, und weißt du noch wie?

Weil der Bruce Willis die Rothaarige gebumst hat.

Fast, Leon, fast. Durch die Liebe. Die Liebe hat die Welt gerettet, und sie tut es jeden verdammten Tag. Stellt euch mal ne Welt ohne Liebe vor. Jeder würde nur dann was machen, wenn es ihm was bringt, also Geld oder Ruhm oder irgend n anderen Vorteil, und nicht, weil er Bock drauf hat  oder er anderen was Gutes tun will.

Sie kriegen doch auch Geld als Lehrer.

Naja, nur weil ich für etwas bezahlt werde, heißt ja nicht, dass ich es nicht lieben kann.

Sie können Ihr Geld ja mir geben, ich kauf mir dann Snaff Movies, ich liebe Snaff Movies!

Herr Schmied, mein Papa sagt, wenn man nicht schaut, wo man bleibt, bringt man’s zu nichts im Leben.

Na, dein Papa hat schon recht, Lucas. Man muss schon wissen, was man kann und was einem gut tut, und welche Ziele man hat, und dass man sich anstrengen muss, wenn man was erreichen möchte im Leben.

Ja, und er sagt auch, dass alle, die keinen Job haben, faule nutzlose Arschlöcher sind, die dem Steuerzahler auf der Tasche liegen.

Ist dein Vater in der FDP?

Ja, wieso?

Och, nur so.

Ja, aber es ist doch so, Herr Schmied! Wenn ich weiß, dass es mir nix bringt, warum soll ich mich dann anstrengen?

Wenn du so ein Menschenbild hast, Lucas, dann wär es vielleicht besser gewesen, die Welt wäre am Ende des „Fünften Elementes“ zerstört worden.

Hä? Ich denk, das ist nur n Film!?

Ist es ja auch, Tanja, aber vielleicht können wir uns alle im richtigen Leben vornehmen, erst mal ans Gute im Menschen zu glauben, und an die Liebe. Die Welt ist verblüffend voll mit guten Menschen und guten vibrations, man muss es nur sehen wollen.

Ist das Ihr Vorsatz fürs neue Jahr, Herr Schmied?

Ja, so ungefähr. Ich möchte mehr das Positive betonen und nicht dauernd rummeckern …

 … warum maulen Sie mich dann die ganze Zeit an?

Weil du dauernd schwätzt, Sascha, aber nicht mehr so viel wie letztes Jahr, find ich gut, weiter so …

Und ich grüße all die da draußen, die anders sind, die Eckigen in den runden Löchern, die Marty-Feldman-Gesichter, die Ausgegrenzten, die Sonderlinge, die Misfits, die Loser, die Armen, die Hässlichen, die Alten, die Ungeschickten, die Unbegabten, die Uncleveren, die Langsamen, die Überforderten, die Ängstlichen, die mit den falschen Freunden und die ohne, die im Schatten stehen, die Einsamen und die Traurigen. Erst wenn ihr vergessen seid, hat die rothaarige Frau recht, und die Welt ist es nicht mehr wert, gerettet zu werden.

Yeah, snaff snaff!

Zu Folge eins der Kolumne „Das Christkind ist ein Mädchen“ kommen Sie hier

Über den Kolumnisten Nicolas Schmidt lesen Sie hier

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*