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Sexuelle Vielfalt als Unterrichtsthema – AfD: „Umerziehungskampagne“

STUTTGART. Wie oft soll Homosexualität Thema in Schulen sein? Für die Grünen-Fraktion steht fest: Der Bildungsplan muss modernisiert werden. Die AfD sieht das ganz anders – und wähnt die Elternrechte in Gefahr.

Die Regenbogenflagge ist Symbol des Kampfes für Gleichberechtigung Homosexueller. Foto. Benson Kua / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Die Regenbogenflagge ist Symbol des Kampfes für Gleichberechtigung Homosexueller. Foto. Benson Kua / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

In der Debatte um sexuelle Vielfalt als Unterrichtsthema hat die Grünen-Fraktion der Landesregierung volle Rückendeckung gegeben. Man unterstütze SPD und Grüne «bei ihrem Bemühen um zeitgemäße, den Zielen der Landesverfassung entsprechenden Formulierungen im Bildungsplan, um Offenheit, Respekt und Akzeptanz sexueller Vielfalt zu fördern», heißt es in einem einstimmigen Beschluss der Fraktion. Fraktionschefin Edith Sitzmann sagte: «Die Akzeptanz sexueller Vielfalt gehört mit zu den Grundprinzipien einer pluralen Gesellschaft.»

Die Landesregierung strebt an, dass Schüler künftig stärker über unterschiedliche Formen des Zusammenlebens informiert werden. Erste Ideen aus einem Arbeitspapier zum Bildungsplan 2015 werden aktuell heftig diskutiert. Bei Online-Petitionen hatten bis Mittwoch knapp 140.000 Menschen gegen den Bildungsplan gestimmt, 73 000 beziehungsweise 118.000 Menschen unterschrieben zwei unterschiedliche Petitionen für den Bildungsplan. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte angekündigt, trotz der Kritik der Kirchen und zahlreicher Bürger an dem Vorhaben festhalten zu wollen. Zudem werde er mit Vertretern der Kirchen darüber sprechen.

Aus Sicht der FDP ist Grün-Rot verantwortlich für die Debatte: Durch eine «verkorksten Bildungsplanung» sei «ein sinnloser und gefährlicher Grabenkampf zu einem wichtigen gesellschaftspolitischen Thema vom Zaun gebrochen» worden, sagte der Abgeordnete Timm Kern. «Hätte die (…) Landesregierung (…) einen auf dem Grundgesetz beruhenden Toleranzbegriff zu Grunde gelegt, der konsequent jegliche Form der Diskriminierung ablehnt, wäre den Menschen (…) diese problematische Debatte erspart geblieben.» Der Bildungsexperte der CDU-Fraktion, Georg Wacker, sagte: «Die Grünen sind in ihrer eigenen Ideologie gefangen.»

«Die Reaktionen von CDU und FDP zeigen eindrücklich, wie wichtig der Regierungswechsel 2011 für die Entwicklung eines weltoffenen und toleranten Baden-Württemberg war und ist», heißt es im Beschluss der Grünen-Fraktion weiter. Die von Teilen der evangelischen und katholischen Kirchen vorgebrachten Argumente, die Jugendlichen würden dadurch in ihrer sexuellen Identität beeinflusst, seien nicht nachvollziehbar.

Derweil hat sich die Alternative für Deutschland (AfD) in Baden-Württemberg auf die Seite der Gegner von Grün-Rot geschlagen. Mit dem umstrittenen Bildungsplan 2015 bereite die Landesregierung «eine pädagogische, moralische und ideologische Umerziehungskampagne an allgemeinbildenden Schulen» vor, heißt es in einer Mitteilung des Landesverbands. «Die Alternative für Deutschland protestiert gegen die eklatante Missachtung der Elternrechte bei der Erziehung und die Relativierung und Diskreditierung traditioneller Geschlechterrollen unter der Flagge des Gender-Mainstreamings», heißt es weiter.

Die Beratungsstelle pro familia Baden-Württemberg hingegen begrüßte die grün-roten Pläne. Landeschefin Ruth Weckenmann sagte: In der Petition gegen den Bildungsplan werde «mit Falschaussagen und Vorurteilen gearbeitet, um Ängste zu erzeugen». Nicht Ausgrenzung und Ablehnung ermöglichten es jungen Menschen ihren eigenen Weg zu finden, «sondern das Lernen eines vorurteilsfreien Umgangs mit der eigenen und mit anderen sexuellen Identitäten». Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Erzdiözese Freiburg unterstützt die Initiative der Landesregierung. Es sei «höchste Zeit», dass Schulen auch in diesem Bereich offensiv für Respekt und Toleranz einträten. dpa

 

2 Kommentare

  1. PseudoPolitiker

    Recht hat sie, die mit Diffamierungen überhäufte AfD. Mit dem umstrittenen Bildungsplan 2015 bereitet die Landesregierung auch meiner Meinung nach «eine pädagogische, moralische und ideologische Umerziehungskampagne an allgemeinbildenden Schulen» vor.
    Umerziehung oder Beeinflussung soll auch an den Hochschulen her, allerdings bezüglich noch anderer Ziele.

  2. Wenn „sexuelle Vielfalt“ mal in den Gesetzen steht, kann man in den kommenden Jahren noch einiges in diesen sehr weit gefassten Begriff hineinlesen. Gehören auch one-night-stands, BDSM, Polygamie, „polyamore Gemeinschaften“, Inzest dazu? Das wüsste man gerne vorher.

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