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Unesco-Schulen: Globales Denken im Stundenplan

TRIER. Unesco-Projektschulen sind anders. Von der Kita bis zum Gymnasium lernen Kinder, über den nationalen Tellerrand zu blicken. In Rheinland-Pfalz beispielsweise gehören 19 Einrichtungen zum Unesco-Club.

Das Logo der UNESCO. Quelle: Wikimedia

Das Logo der UNESCO. Quelle: Wikimedia

Sie sind ganz normale Schulen – mit einem gewissen Extra: In Unesco-Projektschulen stehen neben Mathe, Musik und Deutsch auch Themen wie Menschenrechte, Umweltschutz und Toleranz auf dem Stundenplan. «Wir wollen unseren Schülern bewusst machen, dass sie durch lokales Handeln global eingreifen können», sagt der Leiter des Trierer Auguste-Viktoria-Gymnasiums (AVG), Bernhard Hügle. Seine Schule ist eine von insgesamt 19 in Rheinland-Pfalz, die zum weltweiten Unesco-Schulnetz gehören: «Von der Grundschule bis zur berufsbildenden Schule ist jeder Schultyp dabei», sagt der rheinland-pfälzische Koordinator Alois Wiszniewsky von der Förderschule Bernardshof in Mayen.

Konkret gehandelt wird etwa an dem Trierer Gymnasium am 2. und 3. Mai: Da machen die rund 1100 Schüler 24 Stunden Sport. Nonstop werde Fußball, Tischtennis oder Basketball gespielt, geschwommen und auf einem Laufband gerannt – und zwar für einen guten Zweck. Für ihren Einsatz sammeln die Kinder im Vorfeld Spenden, die dann in ein Projekt in Südindien fließen. «Mit dem Geld sollen Tische und Bänke für Schulkinder gekauft werden, die derzeit immer auf dem Boden sitzen», sagt der Unesco-Schulkoordinator des AVGs, Hermann Anton.

Das Trierer Gymnasium, das 1996 als erste Schule im Land das Unesco-Label tragen durfte, macht sich bereits seit 16 Jahren für Schüler in Südindien stark. 22 Schulen wurden mit Hilfe der in Trier gesammelten Spenden dort gebaut – eine Schule in Cowdalli mit rund 600 Schülern wird aus Trier finanziert. Jedes Jahr gehen rund 50 000 Euro in die südindische Region – insgesamt kam schon eine Million Euro zusammen. «Die Kinder erfahren bei diesem Projekt, dass sie konkret was Gutes tun können», sagt Anton. Alle zwei Jahre fahren Schüler nach Indien zum gegenseitigen Austausch.

Andere Unesco-Schulen pflegten Partnerschaften mit Ruanda, Estland, Polen oder Südkorea, sagt Landes-Koordinator Wiszniewsky. Zudem spielten Projekte des Denkmalschutzes und der Umweltbildung eine große Rolle: Die Schule Bernardshof in Mayen habe seit Jahren etwa eine Bachpatenschaft, bei der Schüler viel über das Ökosystem Fluss lernten. Zudem habe die Förderschule eine Partnerschaft mit einer Schule in Tschechien. «Jede Schule hat ihre eigenen Schwerpunkte.»

Zum Unesco-Netz gehören unter anderem auch die Nelson-Mandela-Schule in Dierdorf (Kreis Neuwied), die Gesamtschule Kurt Schumacher in Ingelheim am Rhein und das Gymnasium im Pamina-Schulzentrum Herxheim (Pfalz). Bundesweit gibt es nach Angaben der Deutschen Unesco Kommission in Bonn rund 200 Unesco-Schulen, davon 155 anerkannte und 45 mitarbeitende. Weltweit sind es etwa 8800 Schulen.

Das Trierer AVG-Gymnasium hat eine Streuobstwiese mit gut 160 Bäumen angelegt, die von Schülern gehegt und gepflegt wird. Ein Schulgarten mit Gemüse und Kräutern sei in der Entstehung, sagt Erdkundelehrer Sebastian Weismüller. «Hier sollen die Kindern lernen, was wir alle komplett verloren haben: Die Möglichkeit zur Selbstversorgung.» Und im schulischen Eine-Welt-Kiosk und beim «Fairen Handel» werde der Blick auf die Eigenverantwortung beim Konsumieren gelenkt.

Der Internationale Unesco-Projekttag, an dem die jeweiligen Schulen besondere Aktivitäten starten, wird seit 1996 alle zwei Jahre am 26. April begangen. Manche sind auch jährlich dabei. Da der Tag in diesem Jahr in Rheinland-Pfalz in den Osterferien liegt, verschieben die Schulen ihre Projekte auf danach: Landesweit wird der Tag in diesem Jahr am 14. Juni an der Siedlungsgrundschule in Speyer begangen, sagt Wiszniewsky. Dort sei auch für September 2015 eine Unesco-Bundesfachtagung geplant.

Die Unesco (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) wurde 1946 als Sonderorganisation der Vereinten Nationen gegründet. Von Anfang an stand Bildung im Fokus, vor allem für ein besseres internationales Verständnis. Daher kamen bald auch Schulen ins Boot, bei denen interkulturelles Lernen groß geschrieben wird. dpa

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