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Ex-CSU-Minister Zehetmair geht – und rät zum G8

MÜNCHEN. In seinen 17 Ministerjahren galt der CSU-Bildungspolitiker als Erzkonservativer. Nun rät der gelernte Gymnasiallehrer und Chef des Rechtschreibrats der Staatsregierung, beim G8 zu bleiben, obwohl er das G9 für besser hält.

Hans Zehetmair gilt als erzkonservativ. (Foto: Michael Lucan/Wikimedia CC-BY 3.0

Hans Zehetmair gilt als erzkonservativ. (Foto: Michael Lucan/Wikimedia CC-BY 3.0

Nach zehn Jahren gibt der frühere Bildungs- und Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) an diesem Montag den Vorsitz der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung ab. Nachfolgerin soll die frühere Landtagsabgeordnete Ursula Männle werden. Zum Abschied betont der 1936 geborene Zehetmair die Eigenständigkeit der Stiftung, die Notwendigkeit des Dialogs mit dem Islam – und plädiert dafür, das achtjährige Gymnasium beizubehalten.

«Ich hätte es nicht eingeführt, aber jetzt sollte man nicht schon wieder die Sau durchs Dorf treiben», sagte Zehetmair. «Da nun endlich die Geburtswehen überwunden sind, sollte man nicht wieder neue Wunden aufreißen.» Der lateinbegeisterte Altphilologe diente von 1986 bis 2003 unter Franz Josef Strauß, Max Streibl und Edmund Stoiber abwechselnd als Schulminister, Wissenschaftsminister und zwischenzeitlich auch als Chef beider Ressorts.

Im Vordergrund steht am Montag nicht die Schulpolitik, sondern die Hanns-Seidel-Stiftung. Während sich in der Partei alles um Bayern dreht, ist die Stiftung sehr international ausgerichtet und unterhält Kontakte in weit entfernte Länder, in die sich CSU-Politiker ansonsten eher selten verirren – Myanmar etwa oder Kuba.

Zehetmair legt Wert darauf, dass die Seidel-Stiftung keinen partei-, tages- oder machtpolitischen Zwecken dienen soll. «Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe geben», sagt er. «Die birmanische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi hat vor vier Wochen in Berlin gesagt, wir müssten ihr helfen, die Wahlen zu gewinnen. Da habe ich klipp und klar geantwortet: Es ist nicht unsere Aufgabe, Wahlen zu gewinnen.»

Zu den selbst gesetzten Aufgaben der Stiftung gehört auch der Dialog mit dem Islam. «Natürlich sind die terroristischen Erscheinungsbilder schrecklich», sagt Zehetmair. «Aber wir haben auch im christlichen Bereich keine Zukunft, wenn wir nicht einen modus vivendi mit dem Islam finden.»

Deshalb habe sich die Stiftung auch in Ägypten für den Dialog mit dem Islam eingesetzt. «Wir bemühen uns auch sehr, in Indonesien voranzukommen, weil es das nach Einwohnern größte islamische Land ist. Und das gelingt uns.»

Die Stiftung sei ein «politischer Player» – «aber es gibt da unterschiedliche Philosophien», sagt Zehetmair – und betont den Unterschied zur Stiftung der Schwesterpartei CDU. «Die eine Philosophie, und die pflegt die Konrad-Adenauer-Stiftung stärker als wir, ist eine mehr parteipolitische Orientierung. Daher hat die Adenauer-Stiftung auch große Probleme in Ägypten bekommen. Wir sind im Moment die einzige deutsche politische Stiftung, die im Kulturabkommen mit Ägypten vorkommt», sagt Zehetmair.

Die Schwerpunkte, die er vor zehn Jahren gesetzt habe, hätten nichts an Aktualität verloren. «Werteorientierung, Verhältnis Bürger und Staat, Globalisierung und Regionalisierung.» Die Stiftung fördere heute dreimal so viele ausländische Stipendiaten wie 2004: Damals waren es 400, heute sind es 1200. dpa

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