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Ausbildungsreform beschlossen: Schleswig-Holstein bekommt den umstrittenen „Einheitslehrer“

KIEL. Um die Reform der Lehrerausbildung im Norden hatte es heftige Verwerfungen gegeben, in deren Verlauf Bildungsministerin Wende stark unter Druck geraten war. Mit der letzten Landtagssitzung vor der Sommerpause ist nun die Reform beschlossen. Regierung und Opposition liefern sich ein lebhaft geführte Debatte.

Mit den Stimmen von SPD, Grünen und SSW hat der Landtag die umstrittene Reform der Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein verabschiedet. Zuvor hatten sich am Donnerstag Opposition und Regierung im Plenum allerdings noch einmal eine hitzige Debatte über das Projekt von Wissenschaftsministerin Waltraud Wende (parteilos) geliefert. «Wir werden Lehrkräfte qualifizieren, die zu unseren Schulstrukturen passen», sagte Wende mit Blick auf die Einführung des zweigliedrigen Schulsystems bestehend aus Gymnasien und Gemeinschaftsschulen zum kommenden Schuljahr.

Die Unis in Flensburg und Kiel werden künftig Lehrer ausbilden, die prinzipiell an allen Schularten in Schleswig-Holstein unterrichten können. Foto: Jirka Matousek / flickr (CC BY 2.0)

Die Unis in Flensburg und Kiel werden künftig Lehrer ausbilden, die prinzipiell an allen Schularten in Schleswig-Holstein unterrichten können. Foto: Jirka Matousek / flickr (CC BY 2.0)

«Die Debatte um Gewinner und Verlierer der Reform geht vollkommen am Thema vorbei», sagte Wende. Die Universitäten Flensburg und Kiel seien weder Gewinner noch Verlierer. Es würden keine personellen Ressourcen von der Uni Kiel nach Flensburg verschoben.

Heftige Kritik an der Reform kam erneut von sämtlichen Oppositionsfraktionen. Der CDU-Hochschulpolitiker Daniel Günther sprach von «einem vermurksten Gesetz». Die Koalition tue so, als habe es die Anhörung und die Kritik nicht gegeben. «All die Argumente lassen die SPD nicht davon abbringen, endlich ihre Pläne vom Einheitsschulsystem durchzusetzen», sagte er. Er fügte hinzu: «Es gibt keinen einzigen sachlichen Grund, warum dieses Gesetz heute bar jeder Vernunft durch das Plenum gepeitscht wird.» Die Koalition nutze die Gunst der Stunde durch den Rummel um die deutschen Erfolge bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien.

Günther nahm auch Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) ins Visier. Der hatte sich mit Änderungen an der Ursprungsvorlage persönlich in die Reform eingeschaltet. «Wie weit hat sich ein Ministerpräsident von seinen Bürgern entfernt, wenn er sich vor demonstrierende Studenten stellt, die sich Zukunftssorgen machen, und diese als respektlos, töricht und dumm bezeichnet», sagte Günther in Anspielung auf eine Demonstration vor dem Kieler Landtag.

Die FDP warf der Koalition vor, über die notwendige Anpassung der Lehrerausbildung an das Schulsystem hinauszugehen. «Sie wollen damit offenbar auf Teufel komm raus die nächste Schulstruktur-Reform vorbereiten», sagte Fraktionsvize Christoper Vogt. «Der Entwurf ist dermaßen unausgegoren, dass die Umschreibung Murks noch eine Verniedlichung ist.» Die Koalition schaffe unnötige Doppelstrukturen an den Unis Kiel und Flensburg und habe die Besoldungsfrage der Lehrer nicht geklärt.

Die Piraten bezeichneten den Gesetzentwurf als nicht beratungswürdig. Fraktionschef Torge Schmidt warf der Koalition Basta-Politik vor. «Ich distanziere mich so weit es geht, weil es nicht seriös ist.»

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat betonte, die Koalition wolle Schulen und Lehrer, die ihre Schüler bestmöglich individuell fördern und zum bestmöglichen Schulabschluss führen. «Da ist die Aufgabenbeschreibung für Gymnasien und Gemeinschaftsschulen zunächst einmal dieselbe.» Große Zustimmung habe es für das Praxissemester gegeben. Der Union warf er vor, «eine persönliche Schmutzkampagne gegen unsere Ministerin» zu führen.

Der Grünen-Hochschulpolitiker Rasmus Andresen warf der CDU eine populistische Blockadehaltung vor. Die Koalition habe es gewagt, dieses sensible Thema anzugehen «auch wenn uns manchmal der Wind entgegengeweht ist». Andresen verteidigte insbesondere den geplanten Ausbau der Lehrerausbildung an der Universität Flensburg. «Wir haben die Kosten im Blick und haben einen Kostendeckel eingezogen», sagte er. Aber gute Bildung gebe es nicht zum Nulltarif.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat die Bildung zu einem Schwerpunkt seiner Regierung erklärt. Nach der Einführung des zweigliedrigen Schulsystems zum neuen Schuljahr bestehend aus Gymnasien und Gemeinschaftsschulen, die auch zum Abitur führen können, folgt nun die Reform der Lehrerausbildung.

Im Kern will Wende die Ausbildung einheitlicher gestalten. Lehrer sollen künftig an allen Schularten unterrichten können. Opposition und Philologenverband sprechen deshalb vom «Einheitslehrer». Der Gymnasiallehrerverband sieht gar die Zukunft der Gymnasien gefährdet, weil damit der Weg zu einer «Einheitsschule» geebnet werde.

Die Pläne führten zu erbittertem Streit der Universitäten in Kiel und Flensburg. Das Studienangebot in Flensburg wird deutlich aufgewertet. Dort sollen künftig Sekundarlehrer bis zur Klasse 13 in elf Fächern ausgebildet werden. Bei den Naturwissenschaften bleibt es bei der Ausbildung mit Abschluss Sekundarstufe I (Klasse 5 bis 10). Darauf hatten sich beide Unis schließlich mit dem Ministerium verständigt. (News4teachers, dpa)

zum Bericht: SPD hält an Reform der Lehrerausbildung fest

10 Kommentare

  1. Man kann ja noch in 15 anderen Bundesländern Lehrer werden, in Berlin sogar ohne Ausbildung.

  2. Ich begrüße das sehr !!! Ein Lehrer sollte an allen Schularten einsetzbar sein (abgesehen von einer gesonderten Ausbildung für Grund- oder Förderschulen) !!!

    • Christian Möller

      Toll, wenn Sie sich (wenn ich nicht irre, sind Sie Grundschulehrer/in) für einsetzbar an allen Schularten halten, außer an Förderschulen.
      Mein Wissen und Können würde niemals für den Stoff des Gymnasiums ausreichen. Vielleicht ist das Niveau dort inzwischen aber so niedrig, dass ich mich irre.

  3. Kleine Nachfrage, weil es aus dem Text nicht hervorgeht: Plant man in SH den Einheitslehrer so, dass dieser an wirklich allen Schultypen / Schularten unterrichten kann (inklusive Grund- und Förderschulen) ???

  4. Die Qualität der Ausbildung wird sicher nicht besser – eher schlechter. Man gleicht im fachlichen Bereich sicher die Grundschulausbildung nicht der Gymnasialausbildung an, was aber dringend erforderlich wäre, wie die TEDS-M-Studie zeigt. Würde man allerdings die Anforderungen steigern hätte man weniger Absolventen, was ja sicher nicht das Ziel ist.

  5. @ Christian Möller, wenn Sie noch mal genauer nachlesen, bemerken Sie sicherlich, dass ich weder von mir sprach noch davon, dass eine Grundschullehrerausbildung fürs Gymnasium reiche. Warum unterstellen Sie mir etwas, was ich ausdrücklich ausschloss???

  6. @ GriasDi, aus meiner Uni-Zeit weiß ich noch recht genau, dass sich die Ausbildung der Lehrämter für die weiterführenden Schulen (Haupt-, Realschule, Gymnasium) lediglich darin unterschied, dass die einen ein paar mehr und die anderen ein paar weniger „Scheine“ erbringen mussten. Ansonsten saßen wir überall in den gleichen Seminaren und Vorlesungen. Da sowieso ständig Lehrer an Schularten eingesetzt werden, für die sie eigentlich nicht ausgebildet sind, ist es doch sinnvoll, sie gleich für alle Schularten auszubilden, oder ?!?

    • Aus meiner Uni-Zeit (in Bayern) weiß ich, dass Realschullehrer das als Abschlussprüfung hatten, was Gymnasiallehrer als Zwischenprüfung hatten. Hier saßen die Gymnasiallehrer mit den Diplomstudenten in gemeinsamen Vorlesungen. Von Haupt-, Real- oder Grundschullehrern war hier nichts zu sehen, die mussten ihre Fächer „nicht-vertieft“ studieren. In Bayern ist der Wechsel zwischen Schularten auch nicht so einfach. Sehen Sie sich die Ergebnisse von TEDS-M an, hier wird drauf verwiesen, dass Lehrer auch didaktisch umso besser sind, je besser sie fachlich sind. Also sollte die fachliche Ausbildung aller doch eher schwerer werden.

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