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Soziologie: Experten diskutieren über das Krisenphänomen

TRIER. Krisen gibt es überall. Finanz- und Schuldenkrisen, aber auch Vereins- und persönliche Krisen. Warum der Begriff oft verwendet wird – und warum er nicht immer passt, diskutieren Experten in Trier.

Der Begriff der Krise wird nach Einschätzung des Trierer Soziologen Martin Endreß inflationär verwendet. Ob Finanzkrise, Bildungskrise, Vereins- oder Beziehungskrise: «Es scheint schick geworden zu sein, Phänomene als Krise zu bezeichnen», sagte der Professor für Allgemeine Soziologie an der Universität Trier.

Warum dies so ist, wollen Wissenschaftler vom 6. Oktober an auf einem Kongress in Trier erörtern. Unter dem Titel «Routinen der Krise – Krisen der Routine» werden Veränderungsprozesse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und deren gewohnheitsmäßige Deutung als Krise betrachtet. Erwartet werden knapp 2000 Teilnehmer.

In der Soziologie gebe es bislang «keine systematisch durchgearbeitete Analyse des Begriffs Krise», sagte Endreß. Er hoffe, dass der Kongress «Generator für weitere Forschung» sein könne. Der Begriff werde teils «entdramatisierend» verwendet, wie etwa bei der Ukraine-Krise, die eher Kriegscharakter habe. Im Gegensatz dazu heiße es dramatisierend «Vereinskrise», wenn die Mitgliederzahl sinke.

Die alle zwei Jahre ausgerichtete Tagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie ist der größte Soziologiekongress im deutschsprachigen Raum. Geplant sind bis zum 10. Oktober rund 700 Beiträge. Zum Auftakt hält Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan einen Gastvortrag. dpa

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