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Kind nach Brandschutzübung an Grundschule traumatisiert – Schule unter Druck

FÜRSTENBERG. Eine Brandschutzübung an einer Grundschule im brandenburgischen Fürstenberg geriet offenbar allzu realistisch – mit viel Blaulicht, künstlichem Rauch und Statisten, denen blutige Wunden geschminkt wurden. Seine damals zehnjährige Tochter sei dabei schwer traumatisiert worden, beklagt ein Vater, kritisiert die Schule massiv – und die Stadt gibt ihm recht. Jetzt soll sogar Brandenburgs Bildungsminister Günther Baaske (SPD) eingeschaltet werden.

Wie realistisch muss eine Feuerwehr-Übung an einer Grundschule sein? Foto: Maik Meid/Flickr (CC BY 2.0)

Wie realistisch muss eine Feuerwehr-Übung an einer Grundschule sein? Foto: Maik Meid/Flickr (CC BY 2.0)

Im September vergangenen Jahres habe die Schule die regelmäßige Evakuierungsübung mit einer realistischen Feuerübung der Feuerwehr verbunden, so berichtet der Vater auf einer eigens eingerichteten Homepage, „Albtraum Grundschule“ betitelt. „Hierzu wurden Freiwillige geschminkt, so dass sie aussahen wie schwer Verletzte – also Blut, offene Wunden und herausstehende Knochen.“ Mit einer Nebelmaschine sei der Rauch eines Brandes simuliert worden – während die Kinder ahnungslos im Unterricht gesessen hätten. In der Klasse seiner Tochter habe die Lehrerin gerufen: „Alles raus hier”, und darauf seien die Kinder aus dem Klassenraum gestürmt. Die Schüler seien unkontrolliert die Treppen heruntergelaufen – „blind durch einen völlig verrauchten Treppenaufgang mit der für sie realen Bedrohung, dass sie sterben könnten“.

Seine Tochter habe durch die Übung eine ausgeprägte Schulangst entwickelt. „Ein paar Tage später manifestierten sich bei S. ein Trauma: Sie bekam massiv Angst, die Schule – besonders nach oben – zu betreten, zeigte eine Belastungsstörung bezüglich dem Schulgebäude, traute sich kaum noch zur Schule“, so heißt es in einem schulpsychologischen Gutachten. Tatsächlich habe das Kind in der Folge immer öfter zu Hause bleiben müssen; die Klassenlehrerin habe kein Verständnis gezeigt. Auch von der Schulleitung sei wenig Unterstützung gekommen. Allerdings: „Die Lehrerin, welche unsere Tochter in den ersten drei Jahren als Klassenlehrerin hatte, erkundigte sich regelmäßig, bot Hilfe an und war immer ein sicherer Anlaufpunkt für sie. Dafür auch hier vielen Dank. Denn es gibt sie noch die Lehrer mit Verantwortung und Herz“, so schreibt der Vater.

Bis heute sei seine Tochter aber kaum in der Lage, zur Schule zu gehen. Ein Arzt habe sogar allen Ernstes eine  Einweisung in eine Nervenklinik empfohlen. Die Schulleitung weigere sich bis heute anzuerkennen, dass seine Tochter von der Übung einen Schaden davongetragen habe, meint der Vater. Die Schulleiterin will sich laut „Märkischer Oderzeitung“ zu den Vorwürfen nicht äußern.

Die Feuerwehr ist sich keiner Schuld bewusst. Der Kreisbrandmeister zeigt sich laut „Märkischer Oderzeitung“ überrascht von der scharfen Kritik der Eltern. „Ich halte sie für unangemessen“, so zitiert ihn das Blatt. Die Übung war von der Feuerwehr nach seinen Worten auf Anregung der Schule organisiert worden – „möglichst realitätsnah“ (als ob die Schule sich so etwas wünschen würde). Derartige Übungen seien allgemein üblich, wobei der Schwerpunkt in Fürstenberg auf der praktischen Erprobung einer Evakuierung der Schule gelegen habe. Aus seiner langen Dienstzeit sei ihm kein weiterer derartiger Fall der Traumatisierung eines Kindes bekannt.

Die Stadt Fürstenberg als Schulträger will der Zeitung zufolge künftig auf solche „realitätsnahen Übungen“ verzichten. Das habe Bürgermeister Robert Philipp (parteilos) erklärt. „Wir als Schulträger fordern vom Land mehr Mitspracherecht an Schulen“, sagte er – und wies damit implizit der Schule die Alleinverantwortung zu. Er habe Verständnis für die Empörung der Eltern. Ihnen und dem Kind wünsche er, dass das für sie schlimme Erlebnis bald überwunden werde. CDU-Landtagspolitiker Henryk Wichmann kündigte an, demnächst mit Brandenburgs Bildungsminister Günther Baaske (SPD) über den Vorfall sprechen zu wollen. „Ich werde außerdem alles erdenklich Mögliche tun, damit Kommunen mehr Gestaltungsmöglichkeiten an Schulen bekommen“, sagte er. Das Potsdamer Bildungsministerium erklärte gegenüber der „Märkischen Oderzeitung“, mit realitätsnahen Übungen kein Problem zu haben. News4teachers

 

 

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