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Sonntags in die Kita? – 24-Stunden Einrichtung in Schwerin ausgeweitet

SCHWERIN. Für Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Rudolph sind 24-Stunden-Kindertagesstätten ein Teil des Idealbilds für einen leistungsfähigen Wirtschaftsstandort. Für Eltern im Schichtdienst sind sie ein willkommenes Angebot, auch wenn die Kinder nicht länger in die Kita gehen als andere.

Sonntags in die Kita? Für mehr als 60 Mädchen und Jungen in Schwerin ist es nichts Besonderes, auch mal am Wochenende oder über Nacht in der Kita zu sein. Ihre Eltern arbeiten in Branchen, für die Ausnahmen von der gesetzlich festgelegten Sonntagsruhe gelten. «Sie sind Ärzte, Schwestern und Pflegekräfte oder Feuerwehrleute und Polizisten, Mitarbeiter in der Gastronomie, bei Bus und Bahn», zählt die Leiterin der 24-Stunden-Kita «Nidulus» (Nestchen), Grit Brinkmann, auf.

In die Schweriner 24-Stunden-Kita werden nur Kinder aufgenommen deren Eltern im Schichtddienst arbeiten. (Foto: Λ |_ ν- Γ Ø/Flickr CC BY-NC-SA 2.0)

In die Schweriner 24-Stunden-Kita werden nur Kinder aufgenommen deren Eltern im Schichtddienst arbeiten. (Foto: Λ |_ ν- Γ Ø/Flickr CC BY-NC-SA 2.0)

Die Kita wurde vor fünf Jahren auf dem Gelände der Helios-Kliniken eingerichtet, mit 48 Plätzen. Eine weitere gibt es in Neubrandenburg. «Damals dachte ich noch, ob wir die jemals voll kriegen?», erinnert sich Grit Brinkmann. Die Nachfrage sei größer als gedacht, die Kita wurde inzwischen auf 64 Plätze erweitert. Nun wurde ein zweiter Standort mit 69 Plätzen errichtet – «Nidulus duo». Träger ist die Schweriner Kita gGmbH. Zur offiziellen Eröffnung am Freitag sind Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und Landes-Sozialministerin Birgit Hesse (beide SPD) gekommen.

Grit Brinkmann führt durch das frisch sanierte denkmalgeschützte Haus, das einmal Kinderheilanstalt und Krankenhaus war. In der Nachbarschaft leben auf dem Parkgelände alte Menschen im betreuten Wohnen und in einem Pflegeheim. In den Räumen mit hellen Holzmöbeln herrscht jeweils eine Farbe vor – etwa grün bei der jüngsten, orange bei der ältesten Gruppe. Es gibt einen Sportraum, einen Medienraum und das «Kinderrestaurant» für die Mahlzeiten. Ihre Mittagsruhe halten die Größeren auf Liegen. Die Kleinen haben ihre Gitterbettchen, in denen sie auch schlafen, wenn sie über Nacht bleiben. Für die Älteren stehen sieben Betten in einem Schlafraum für die Nacht.

In die Einrichtung werden nur Kinder aufgenommen, deren Eltern beide im Schichtdienst arbeiten oder die alleinerziehend Schichten leisten müssen, erläutert Brinkmann. Eine junge Mutter verabschiedet sich von ihrer zweijährigen Tochter. Sie ist froh, den Kita-Platz bekommen zu haben. «Ich bin alleinerziehend und arbeite in der Gastronomie», sagt sie. Lea gefalle es gut in der Kita. «Morgens weint sie noch, aber am Abend will sie nicht weg», berichtet die Frau. Über Nacht sei die Kleine noch nicht geblieben – das ist erst nach der zweimonatigen Eingewöhnung möglich. Die ersten Kinder sind seit vier Wochen hier.

Dass Kinder in der Kita schlafen, ist die Ausnahme, nicht die Regel, stellt die Kita-Chefin klar. Sie ärgert sich, wenn die Einrichtung mit «Wochenkrippen» verglichen wird. Die Kinder seien nicht länger in der 24-Stunden-Einrichtung als in anderen Kitas.

Wer am Wochenende komme, habe an anderen Tagen frei. Die Kleinen könnten auch nicht jederzeit gebracht und geholt werden. «Die Kinder brauchen ihren Rhythmus», erklärt Brinkmann. Zum Übernachten müssen sie bis 19.00 Uhr in der Kita sein, auch wenn der Dienst der Eltern erst um 22.00 Uhr beginnt. Dann gibt es das abendliche Ritual, dessen Höhepunkt auch mal eine Schaumschlacht im geräumigen Bad sein kann. Geholt werden können die Kinder erst, wenn sie ausgeschlafen haben, nicht etwa nach Schichtschluss um 6.00 Uhr.

Brinkmann ist überzeugt, dass ihre Kita für Eltern, aber auch für Kinder eine große Entlastung ist. «Wenn man weiß, welche privaten Netzwerke manche Eltern auf die Beine stellen, um ihre Kinder am Wochenende bei Großeltern, Verwandten oder Freunden unterzubringen, wie viele Zimmer die Kinder durchwandern, ist es hier klar: Es gibt das Bett zu Hause und das in der Kita.» Zudem ermögliche es die Kita Eltern, nicht ständig im gegenläufigen Schichtdienst zu arbeiten, damit einer für die Kinder da sein kann. Sie könnten ihre Dienste so legen, dass ein Familienleben möglich ist.

Den Plan für Erzieher und Kinder aufzustellen, ist für Brinkmann jeden Monat eine Herausforderung. Die Eltern geben dafür im Voraus ihre Dienstpläne ab. «Das genaue Know-how verrate ich nicht», sagt die Kita-Leitern. «Daran haben wir sehr lange gearbeitet.» (Birgit Sander, dpa)

zum Bericht: Neue 24-Stunden-Kita in Rostock

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