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Nach Twitter-Botschaft: VBE warnt vor einer zu starken „Kopflastigkeit“ der Schule

STUTTGART. Wie viel vom humboldtschen Bildungsideal brauchen Schulen – vor allem Gymnasien – heute noch? Anlässlich der bundesweit Aufsehen erregenden Twitter-Botschaft der Kölner Schülerin Naina zum mangelnden Praxisbezug des Unterrichts, warnt jetzt auch der Verband Bildung und Erziehung vor einer zu einseitigen Bevorzugung der meist auf den Intellekt ausgerichteten schulischen Arbeit – und beruft sich auf Pestalozzi.

Schulreformer des 19. Jahrhunderts: Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt (* 22. Juni 1767 in Potsdam; † 8. April 1835 in Tegel). Foto: Wikimedia Commons

Preußens Schulreformer: Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt (* 22. Juni 1767 in Potsdam; † 8. April 1835 in Tegel). Foto: Wikimedia Commons

Eltern und Wirtschaft sollten bei der Würdigung von Schülerleistungen weg von einer zu einseitigen Fokussierung auf die Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache(n). Musisch-künstlerische Unterrichtsfächer, Technik und Schulsport seien kein schmückendes Beiwerk zur Entspannung, sondern für eine positive Entwicklung der Schülerpersönlichkeit gleichfalls notwendig, so der Verbandssprecher.

Nainas Kommentare im sozialen Netzwerk Twitter. Screenshot

Nainas Kommentare im sozialen Netzwerk Twitter. Screenshot

Unterrichtsfächer, die zumindest gefühlsmäßig für das schulische und berufliche Weiterkommen nicht ausschlaggebend seien, würden immer mehr an den Rand gedrängt und verlören an Bedeutung. So seien die musisch-ästhetische Erziehung und der Schulsport heute oft ungeliebte Kinder. Deshalb warnt der baden-württembergische Verband Bildung und Erziehung (VBE) erneut vor einer zu starken „Verkopfung“ des schulischen Arbeitens. Da auch Eltern mehr denn je auf die berufliche Verwertbarkeit der Unterrichtsfächer achteten, fielen, wenn Lehrer fehlten, in der Regel eher Musik, Sport und bildende Kunst aus, bevor eine Deutsch- oder Mathematikstunde gestrichen werde. Die Schüler seien jedoch auf eine ganzheitliche Bildung und Erziehung angewiesen, in der auch Ästhetik, Bewegung und Emotionen eine tragende Rolle spielen sollten.

Wenn um die Bedeutung der einzelnen Unterrichtsfächer gestritten werde, gehe es meist lediglich darum, ob eine sprachliche oder technisch-naturwissenschaftliche Ausrichtung der Schule die Wichtigere sei. Der künstlerisch-musisch-sportliche Bereich werde von vielen mehr als schmückendes, aber nicht unbedingt notwendiges Beiwerk betrachtet, bedauert der VBE-Sprecher. Pestalozzis 200 Jahre alter pädagogischer Ansatz ganzheitlichen Lernens „mit Kopf, Herz und Hand“ sollte in der stark technisierten Welt von heute mehr denn je Maxime unterrichtlichen Tuns sein – und das nicht nur in den Grundschulen. Und dabei gehe es keinesfalls lediglich um die Fähigkeit, Formulare korrekt ausfüllen zu können, wie die Twitterin angemahnt hatte.

Auch Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835), auf den das humboldtsche Bildungsideal zurückgeht, ging von einer ganzheitlichen Bildung aus – durch die Auseinandersetzung mit der antiken Kultur. Humboldt stand (und steht bis heute) für eine strikte Trennung von allgemeiner Menschenbildung und fachlicher Berufsbildung.

12 Kommentare

  1. meint der vbe das ernst? reduzierung des kopfanteils lässt das niveau noch weiter verflachen. außerdem braucht man in der heutigen technisierten welt um so mehr kopf um mit der hand etwas tun zu können. ohne herz funktioniert das nicht.

    • Wenn es nicht mehr für Klein- und Großschreibung reicht …
      Das eigentliche Problem, dass in dem Artikel angesprochen wird, haben Sie leider auch nicht durchdrungen.

      • dann erklären sie ihn doch.

        wer künstlerische Schwerpunkte ohne kopf habrn möchte, findet in der waldorfschule die richtige form.

        • Echt jetzt? Muss ich wirklich den Sinn von Musik- oder Sportunterricht an Schulen erklären?
          Der VBE möchte doch offensichtlich nur eine Position in der Debatte einnehmen, in der immer mehr gefordert wird, dass die Schule Zulieferer für die Wirtschaft/Uni sein möge oder gar das Rundum-Sorglos-Paket für den Schüler inklusive Versicherungslehre und Steuerrecht zu liefern habe.

          Der BE hätte auch sagen können: Es kann doch in der Schule nicht nur um Wissensvermittlung gehen, zu einer lebendigen Schule gehört viel mehr und dies darf nicht beschränkt werden.

  2. “…mangelnder Praxisbezug des Unterrichts….” warnt der VBE. Jou, ich wäre beispielsweise im Sinne eines größeren Praxisbezugs des Schulunterrichtes sofort dafür, den exorbitant teuren Fahrunterricht samt Führerscheinprüfung und beispielsweise auch die teuren Tanzkurse gratis in den Lehrplan zu integrieren. Das würde das Haushaltsportemonnaie vieler Familien spürbar entlasten. …oder gibt es da eventuell eine Lobby, die das verhindert?…

  3. @ Küstenfuchs, privat benutze ich auch oft die grundsätzliche Kleinschreibung. Das breitet sich immer mehr aus. Wenn es Deutsch in 100 Jahren überhaupt noch gibt, dann sicherlich mit grundsätzlicher Kleinschreibung!

    • Totzdem finde ich es gut, wenn man nicht selbst noch dazu beiträgt, aus Bequemlichkeit einen Trend zu falscher Rechtschreibung zu unterstützen. Danke, dass Sie sich wenigstens hier an die korrekte Rechtschreibung halten. Obwohl mir die Kommentare von xxx meistens gefallen, stoße ich mch ebenso wie “Küstenfuchs” am nachlässigen Umgang mit der Rechtschreibung.

      • mit dem smartphone ist groß-/Kleinschreibung mehr als lästig.
        bitte kritisieren sie meine bequemlichkeit in die richtung. vom pc aus achte ich darauf.

  4. Wann bitte geht es in der heutigen Schule noch um Kognition? Empathieerziehung, Sportevents usw. sind doch inzwischen die Hauptakteure auf der Bühne der Anstalt.

  5. Wo, wenn nicht in der Schule geht es um den Kopf???

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