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„Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen“ – Merkel auf Schulbesuch

BERLIN. Kanzlerin Merkel nimmt sich eine Auszeit. Auf dem Schulhof. Kreative Ratschläge inklusive.

Mischt sich gerne unter Schüler: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: Aleph / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5)

Mischt sich gerne unter Schüler: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: Aleph / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5)

Angela Merkel singt. Nicht laut, aber leidenschaftlich – und direkt ins Mikro. «Hei ho, Hei ho» und «Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen.» So haben die wenigsten ihre Bundeskanzlerin je gehört. Doch bei Terminen wie diesen kann die CDU-Chefin ganz entspannt sein. Merkel besucht eine Berliner Schule. Das heißt Handy-Fotos, Blazer-Schulter an Schüler-Schulter. Projektpräsentation mit nervösen Jugendlichen. Ein bisschen Trommeln, ein paar aufmunternde Worte, gut gemeinte Ratschläge. Für die Schüler eine Kanzlerin zum Anfassen. Für Merkel ein kurzes Durchschnaufen direkt vor dem Treffen mit dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin.

Diese Schulbesuche macht die Kanzlerin jedes Jahr, zum EU-Projekttag, den sie selbst 2007 ins Leben gerufen hat. Harte Politik, sollte man meinen, werde auf dem Schulhof nicht gemacht. Doch mit Händeschütteln alleinlassen die Kids den hohen Besuch dann doch nicht davonkommen.

Merkel soll erklären, was sie tut, damit Schüler mit Migrationshintergrund nicht länger ausgegrenzt werden. «Wir können ja nicht so eine Partnerbörse machen: Suche deutschen Freund», meint sie erst. Überlegt kurz. «Warum eigentlich nicht?» Und schlägt dann vor: «Geht doch mal in Hellersdorf ins Kino oder in Charlottenburg.» Die Röntgen-Schule, eine kleine Sekundarschule für die Klassen sieben bis zehn, liegt im Berliner Problembezirk Neukölln. Die bunte Schülerschaft traut sich selten raus aus dem Kiez. Sie bekämen jede Menge Vorurteile zu spüren, berichten die Schüler. Und ja: Sie selbst hätten auch welche, gegen die Deutschstämmigen.

Mit politischen Plattitüden ist es bei so einem Termin nicht getan. Die Schüler wollen Lösungen, wollen Rat. Da erzählt die 15-jährige Fatma, wie sie wegen ihres Kopftuches den Praktikumsplatz in der muslimischen Kita nicht bekam. «Vielleicht nimmste mal einen staatlichen Kindergarten», rät Merkel. Eine andere Schülerin möchte in England Kunst studieren. Sie soll ihre E-Mail-Adresse dalassen, sagt die Kanzlerin. Da bekomme sie Informationen zum Auslandsbafög. «Aber Kunst studieren? Glaubst du, damit kannst du am Ende Geld verdienen?» Der Seitenhieb muss sein – gut gemeint natürlich.

Am Ende, Merkel ist schon auf dem Sprung zu Rivlin, horcht der Saal nochmal auf. Warum Deutschland Waffen verkaufe an Israel, will ein Schüler spontan wissen. Merkel spricht von einer besonderen Verantwortung Deutschlands und ihrem gleichzeitigen Einsatz für einen Palästinenser-Staat. Darüber werde sie jetzt wohl mit dem israelischen Präsidenten streiten müssen. So schnell holt einen der Alltag wieder ein – selbst auf dem Schulhof. Theresa Münch, dpa

 

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