Startseite ::: Leben ::: Protest gegen „sexuelle Vielfalt“ im Unterricht schwillt an – über 4.000 Demonstranten in Stuttgart

Protest gegen „sexuelle Vielfalt“ im Unterricht schwillt an – über 4.000 Demonstranten in Stuttgart

STUTTGART. Ist Sexualität ein öffentliches Thema oder gehört es in die Privatsphäre? Teilnehmer der «Demo für alle» haben gegen zu viel staatlichen Einfluss plädiert. Die Bewegung wird langsam zum Problem für Grün-Rot in Baden-Württemberg – gut neun Monate vor der Landtagswahl. So viele Menschen wie nie zuvor haben heute in Stuttgart gegen eine Aufwertung des Themas „sexuelle Vielfalt“ im Unterricht demonstriert.

Mehr als 4000 Menschen demonstrierten heute in Stuttgart gegen den Aktionsplan der Landesregierung. Foto: Demo für alle

Mehr als 4000 Menschen demonstrierten heute in Stuttgart gegen den Aktionsplan der Landesregierung. Foto: Demo für alle

Öffnung der Ehe für Homosexuelle oder Vorrang für die Ehe mit Vater, Mutter, Kind: Befürworter einer völligen Gleichstellung von Homo- und Heterosexuellen sowie Verfechter des klassischen Familienbildes haben sich am Sonntag in Stuttgart unversöhnlich gegenübergestanden. Bei einer Demonstration gegen die Aufwertung des Themas sexuelle Vielfalt blieb es bis auf Rangeleien zwischen Gegendemonstranten und Polizisten zwar weitgehend friedlich. Allerdings attackierten sich beide Lager verbal. Ein Großaufgebot von Beamten, darunter Bereitschaftspolizisten aus Göppingen und Bruchsal, versuchten die Demonstrationen von einander zu trennen. Es habe einige Festnahmen unter anderem wegen Beleidigungen gegeben.

Rund 250 Gegner der sogenannten «Demo für alle», die für konservative und christliche Werte eintritt, hatten sich mit Regenbogenfahnen und -luftballons – Symbole der Schwulen- und Lesbenbewegung – am Stuttgarter Schlossplatz versammelt. Einige skandierten: «Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda.»

Auf der anderen Seite standen nach Polizeiangaben 4000 Menschen, darunter Geistliche, mit rosa und blauen Luftballons. Nach Angaben von Organisatorin und Demo-Moderatorin Hedwig von Beverfoerde war es die größte von fünf solcher Veranstaltungen. Ihr Protest richtet sich gegen die Pläne der grün-roten Landesregierung gegen sexuelle Diskriminierung und für mehr Toleranz etwa durch des Thema Vielfalt im Schulunterricht. Im Bildungsplan 2016 soll die Akzeptanz auch sexueller Vielfalt festgeschrieben werden; im Aktionsplan sind etliche Schritte aufgeführt, um die Gleichstellung von homo-, bi-, inter- und transsexuellen Menschen mit Heterosexuellen zu erreichen.

Die Demonstranten befürchten infolge dessen eine «Frühsexualisierung» und «Gender-Experimente» mit Kindern, «Gehirnwäsche» von Jugendlichen und die Abschaffung der Ehe. Die Besucher der «Demo für alle», darunter viele Familien mit Kindern, wehrten sich auch gegen die Forderung des Bundesrates an die Bundesregierung, homosexuelle Partnerschaften komplett mit der Ehe gleichzustellen.

Zu den Rednern gehörten AfD-Mitglied Lukas Kuhs, Christoph Scharnweber vom evangelischen Arbeitskreis der CDU Heilbronn sowie der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung Rhein-Neckar, Malte Kaufmann. Die CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß und Thomas Dörflinger schickten Grußworte ebenso wie der katholische Weihbischof Thomas Maria Renz der Diözese Rottenburg/Stuttgart. Der Kirchenmann sieht die Grundlage des Menschseins, nach seiner Meinung die Verbindung zwischen Mann und Frau, in Gefahr.

CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf hatte gesagt, seine Fraktion werde an der Demonstration nicht teilnehmen, äußerte aber Verständnis für die Demonstranten. Der Chef der «La Manif Pour Tous», einer ähnlichen Bewegung wie «Demo für alle» in Frankreich, sprach am Sonntag von «teuflischen Folgen» einer Öffnung der Ehe für Homosexuelle.

Die Vorsitzende der Grünen Jugend Baden-Württemberg, Lena Christin Schwelling, warf den «Familienkreuzrittern» vor, ein homophobes und frauenfeindliches Weltbild zu vertreten. «Für uns ist fundamental wichtig, Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind.» An sexueller Selbstbestimmung sei gar nichts zu kritisieren. Das müsse auch Wolf einsehen, der angeregt hatte, Themen wie Sexualität wieder mehr ins Private zu verlagern. «Wer Sexualität verstecken muss, ist nicht frei.» Unter den Zuhörern waren auch lokale FDP-Politiker.

Die Pläne im Land und Bund zielen nach Ansicht von von Beverfoerde auf das Aushöhlen der klassischen Ehe ab. Die Mutter von drei Kindern betonte: «Ehe bleibt Ehe, und zwar zwischen Mann und Frau.» Alles andere komme einem Dammbruch gleich, nach dem auch Vielehe und Leihmutterschaft möglich werden könnten. Vorwürfe des linken Spektrums, den Nährboden für Rechtsextremismus zu bereiten, wies sie zurück. «Wir stehen auf dem Boden des Grundgesetzes.» Werde dieses allerdings umdefiniert, könne man den Vertreter des Schutzes der Ehe nicht vorwerfen, nicht mehr zur Verfassung zu stehen. Von Beverfoerde drohte Grün-Rot mit einem Denkzettel bei der Landtagswahl 2016: «Die Landesregierung soll sich warm anziehen, wenn sie weiter Volkes Stimme ignoriert.» Von Julia Giertz, dpa

Zum Bericht: „Sexuelle Vielfalt“ auch im Unterricht: Kretschmann verteidigt Aktionsplan – CDU: Ohne Augenmaß

17 Kommentare

  1. Eine endlich mal erfreulich ausgewogene dpa-Berichterstattung von der „Demo für alle“, ohne diffamierende Begriffe und Seitenhiebe auf die Veranstalter und Teilnehmer.
    Eine Frage am Rande: Können Demos und Gegendemos nicht mal zeitlich getrennt werden? Es müsste doch möglich sein, Genehmigungen nur noch für eine Demonstration zu erteilen. So werden hässliche Zusammenstöße und Riesenaufgebote von Polizeikräften vermieden, die außerdem einiges an Steuergeld kosten.

    • die gegendemonstranten sind politisch gewollt, gesponsert (20 €/h) von der links-grünen politiker-kaste. im grunde demonstrieren die konservativern gegen 2 parteien, die atheisten und die unchristlichen politiker, samt ihren menschenverachtenden indoktrinations diktatoren.

  2. Zitat: […] Vorrang für die Ehe mit Vater, Mutter, Kind[…]

    Soviel zum Thema Ausgewogenheit.

    Entweder ist Vater, Mutter, Kind eine Familie oder kinderlose Familien sind keine Ehe.

    Allein durch die synonyme verwendung der Begriffe Ehe und Familie wird hier schon tendenziöse Berichterstattung betrieben. Außer der Verfasser ist schlecht informiert oder selten beschränkt.

    Ehe und Familie sind rechtlich grundverschiedene Rechtsbereiche. Wenn Ehe als gemeinschaft von Vater, Mutter, Kind postuliertw ird, dann müssen sämtliche Bestimmungen zum Ehegattensplitting abgeschafft und ein Familiensplitting eingeführt werden. Dabei sind dann aber auch Kinder zu berücksichtigen, die nicht in Ehen leben oder geboren worden sind. Somit ist der Rechtsbegriff „Ehe“ in seiner traditionellen Definition hinfällig. Einer Neudefinition verweigern sich die Konservatieven aber. Genauso verhält es sich mit der Begriffsbestimmung „Familie“, die ja bereits in der realität über die bürgerliche Kleinfamilie (vater, Mutter, Kind) himausgeht.

    Wer also schon im Einleitungssatz eines Artikels dermaßen daneben schießt, der zeigt, dass er ein erhebliches Verständnisproblem in Bezug auf den Auslöser der Demos hat.

  3. War auf der Demo, finde auch den DPAText mit das ausgewogenste an Berichterstattung was ich zu dem Thema bisher gelesen habe. Habe von uns niemanden gesehen der die Antifas beleidigt hätte, die 5 Minuten wo ich den Protestzug an den „Gegnern“ vorbeiziehen sehen habe, waren die Reaktionen von unserer Seite aus zwischen Erschrockensein, Kopfschütteln und (mein Favorit) freundliches, blickhaltendes Zulächeln angesiedelt. Einige von den Gegendemonstranten waren sehr fröhlich bei der Sache und wohl auch etwas enttäuscht „man hört ja gar nichts“. Es waren aber auch einige Mädels dabei deren Gesicht so von Hass und Verloren sein verzerrt war, dass man dachte gleich drehen sie ab (blieb dann aber beim Mittelfinger zeigen). Sowas sehe ich sonst nur auf Station (forensische Psych., wo ich ARBEITE;). Aus der Mitte der Gesellschaft (nicht schwarz gekleidet etc.) hab ich da nur sehr wenige gesehen. Ich denke aber, dass dafür auch spricht, dass es einfach so wenige sind. Die Antifas kommen einmal, sind enttäuscht weil halt 0 Kontra, dafür mitleidige Blicke, für die man nicht gerne weit fährt.
    Ein Mitdemonstrant meinte, er habe sich mit ihnen unterhalten und die dächten wir sind dabei den „Schwulendiskriminierungsparagraphen“ wieder einzuführen und ähnliches.

    Ps.: Nach belieben zu verteilen: ,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,

  4. Gab es eigentlich in Rom auch eine Demo zu diesem Thema? Der Spiegel behauptet’s.

    • mehrnachdenken

      Es sollen über eine Million Menschen teilgenommen haben. Darüber habe ich aber im Rundfunk/Fernsehen in Deutschland nichts gehört oder gesehen.
      Dagegen wurde die Volksabstimmung für die Homo – Ehe in Irland teilweise frenetisch gefeiert. So etwas nenne ich gezielte Meinungsmache!

      • Richtig! Auch mit Verschweigen werden falsche Vorstellungen geweckt und somit Stimmungen erzeugt. Verschweigen ist die elegante Zwillingsschwester der Lüge.

      • So etwas nenne ich selektive Wahrnehmung. Wie ein kurzer Blick auf Google News zeigt, haben zahlreiche deutsche Medien über die Demonstration in Rom berichtet. Der Umfang der Berichterstattung ist aber auch eine Frage der Relevanz: Eine Demo ist nunmal etwas anderes als eine Volksabstimmung, die zu entsprechenden Gesetzen führt.

        • Ach, da haben wir ja schon wieder den nächsten Verschwörungstheoretiker: Die deutschen Medien, klar, lügen – unterwandert von der Homo-Lobby. Und Pegida war in Wahrheit ein Friedensmarsch weltoffener Sachsen. Und die Amerikaner waren nie auf dem Mond.

          • Schon wieder der Vorwurf „Verschwörungstheoretiker“, obwohl er hinten und vorne nicht passt, weil Ihre Meinungsgegner nur Fakten benennen. Sie dürfen diese gern widerlegen, Bernd. Das wäre sogar hilfreich.
            Sich mit deplazierten Unterstellungen aus der Affaire zu ziehen, ist jedoch eine ärgerliche Beleidigung für die Intelligenz der anderen.

          • Den Zusammenhang zwischen meiner Frage, der Pegida und dem Mond habe ich noch nicht verstanden.

        • mehrnachdenken

          Sie müssen schon genau lesen!! Ich erwähnte ganz bewusst den Rundfunk und das Fernsehen. Die Printmedien ließ ich außen vor, weil ich da keinen Überblick habe.

          Doch, auf den bekannten Internet-Plattformen wie web.de oder t-online habe ich ebenfalls nichts gelesen.
          Wenn ich dann aber sehe, dass die sich nicht zu schade sind, jedes „A-wackeln“ eines Sternchens ausführlich zu kommentieren, sollte doch für so eine gewaltige Demo auch noch Platz sein.

          • PseudoPolitiker

            Meinen Sie wirklich, es läge am ungenauen Lesen? Bei manchen Kadetten dürfte doch klar sein, woher der Wind weht.

          • mehrnachdenken

            Gerade habe ich über eine Bekannte erfahren, dass die „Umerziehung“ in den Kitas Baden – Württembergs in Richtung „sexuelle Vielfalt“ konkrete Formen angenommen hat.
            Na klar, wen kann ich am besten einseitig beeinflussen oder vielleicht besser indoktrinieren?

  5. Wer interessiert ist, kann hier Unschönes über die Darstellung der „Demo für alle“ im SWR lesen:

    https://fairemedien.de/wieder-tendenzioeser-bericht-ueber-demo-fuer-alle-in-der-landesschau-baden-wuerttemberg/

    • mehrnachdenken

      Danke für die Info. Da habe ich doch gleich eine „nette“ Mail an die zuständige Redaktion geschickt.
      Ergänzend erhielten sie noch den dpa-Bericht.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*