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An den Hochschulen herrscht Anpassungsdruck: Wer nicht „gendert“, bekommt Punktabzug

BERLIN. Der Druck an den Hochschulen, vermeintlich geschlechtergerechte Sprache zu verwenden, nimmt zu. Immer öfter werden Studenten, die sich dem sogenannten Gendern verweigern wollen, mit Punktabzügen und damit mit schlechteren Noten bedroht. In Berlin hat sich jetzt ein Student verweigert – und durchgesetzt, dass er seine Prüfungs- und Seminararbeiten nicht mit Binnen-Is, Sternchen oder Unterstrichen in Personenbezeichnungen versehen muss.

Die Geschlechter-Verwirrung hat offenbar nicht nur die deutschsprachigen Hochschulen erreicht - Beispiel aus London. Foto: flickr / Cory Doctorow (CC BY-SA 2.0)

Die Geschlechter-Verwirrung hat offenbar nicht nur die deutschsprachigen Hochschulen erreicht – Beispiel aus London. Foto: flickr / Cory Doctorow (CC BY-SA 2.0)

Früher gab es an der Uni Studenten, später waren es Student/-innen, heute sind es Studierende – oder Wortneuschöpfungen wie StudentInnen, Student*innen, Student_innen oder gar Studentx. Blanker Unsinn? Für die Befürworter keineswegs. So meint die Referentin der Frauenbeauftragen der Uni Würzburg, Gisela Kaiser: „Früher stand in den Ordnungen noch, den Studenten soll der Mutterschutz ermöglicht werden. Selbst wenn die Frauen da mitgemeint sein sollen – Studenten brauchen nie Mutterschutz.“ Studierende, so möchte man einwenden, aber zur Hälfte auch nicht. Ein schlichtes und Duden-konformes „Studentinnen“ würde in dem genannten Beispiel ausreichen, um präzise den Sachverhalt zu beschreiben.

Aber die „BefürworterInnen“ (um im Neusprech zu bleiben) ficht das nicht an. Sprache spiegele immer die Wirklichkeit, erläuterte die Frauenbeauftragte der Uni Bayreuth, Karin Birkner – „und wir denken immer noch sehr prototypisch“. Schon lange sei durch psycholinguale Studien erwiesen, dass Menschen, die beispielsweise „Arzt“ lesen, dabei nicht zugleich auch an eine Ärztin denken.

Ein Student der TU Berlin findet das offenbar nicht so schlimm. Er war Teilnehmer eines Seminars „Einführung in das Verkehrswesen“, in dessen Richtlinien es hieß, eine „gendersensible Sprache“ werde „in einer wissenschaftlichen Arbeit erwartet“. Der Student hakte nach und wollte wissen, wo denn das bitteschön stehe. Die Lehrkraft schrieb ihm zurück, das Gendern sei „eine Vorgabe seitens der TU Berlin“, deren Nichtberücksichtigung einen Punktabzug zur Folge habe. Außerdem habe es sich „inzwischen als gesellschaftlicher Konsens auch in wissenschaftlichen Ausarbeitungen niedergeschlagen“. Und wenn er sich entschließe, eine Prüfung oder Seminararbeit stattdessen nur auf Wissenschaftlichkeit und Lesbarkeit hin auszurichten und dafür eine schlechtere Note bekomme, dann werde ihm „alles diskutieren“ nichts helfen, heißt es unwirsch in dem Schreiben, wie der Informationsdienst „Heise online“ berichtet. Der junge Mann wandte sich irritiert an die Rechtsabteilung der Universität. Und die teilte ihm mit, dass es die von der Lehrkraft behauptete Vorgabe zur Verwendung einer „gendergerechten Sprache“ gar nicht gibt.

In Deutschland hat mittlerweile zwar jede Hochschule einen Leitfaden zur sogenannten gendergerechten Sprache; Studierende und Lehrende sind angehalten, diesen zu beachten. Verpflichtende Sanktionen drohen aber nicht, wenn die Vorgaben nicht erfüllt werden – offiziell jedenfalls nicht. Lehrkräfte, die bei Nichtgendern mit Punktabzug drohen, gibt es den Recherchen von „Heise“ zufolge aber nicht nur an der TU Berlin, sondern auch an der Berliner Humboldt-Universität , am Geschwister-Scholl-Institut der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, an der Universität Hamburg, der Universität Salzburg, der Fachhochschule St. Pölten und der Fachhochschule des Berufsförderungsinstituts Wien. Auch der Redaktion von news4teachers sind Hochschulen bekannt, an denen „Gender-Verweigerern“ von einzelnen Dozenten mit schlechteren Noten gedroht wird.

Warum wird um die vermeintlich geschlechtergerechte Sprache so viel Aufhebens gemacht? Sprache könne das Anzeichen für und der Auslöser von Veränderungen sein, meint die Frauenbeauftragte Birkner. Beispiele aus der Geschichte gebe es genug. So habe sich die Doppelformulierung „Sehr geehrte Damen und Herren“ längst etabliert, sagt Birkner. Ob es allerdings der immer noch in der beruflichen Korrespondenz üblichen Anrede zu verdanken ist, dass Frauen heute zumindest rechtlich gleichgestellt sind, darf getrost bezweifelt werden. Interessanterweise leiden Frauen gerade im Berufsleben, in dem die Floskel gebraucht wird, ja durchaus noch unter Nachteilen wie niedrigeren Einkommen und schlechteren Karrierechancen.

Und ausgerechnet die deutschen Hochschulen, an denen bisweilen fanatisch das „Gendern“ betrieben wird, erweisen sich bei näherer Betrachtung als Hort des Patriarchats: Beide Geschlechter schaffen zu etwa gleichen Anteilen den Studienabschluss. Bei der Promotion geht dann der Frauenanteil auf etwa 40 Prozent zurück, und bei der Habilitation beträgt er nur noch 25 Prozent. Gerade mal jede fünfte Professur in Deutschland ist mit einer Frau besetzt. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Kommentar: Gendern, umbenennen, verklausulieren: Wie sehr wir unter der „political correctness“ leiden

42 Kommentare

  1. Ich fand das „Schüler und Schülerinnen“ bzw. SuS (mit Sternchen erläutert) in der Uni zumeist recht praktisch. Man musste schließlich exakt eine bestimmte Seitenzahl treffen.

  2. mehrnachdenken

    Dem Studenten zolle ich meinen größten Respekt. Es gehört schon großer Mut und ein „stabiles Rückgrat“ dazu, sich diesem anmaßenden Gender-Wahn zu widersetzen.
    So sieht für mich vorbildliches Verhalten oder ziviler Ungehorsam eines mündigen Bürgers aus, das Schule machen sollte.

    Ich kenne keine gesetzliche Vorgabe, die uns vorschreibt, „gendergerecht“ zu schreiben oder zu sprechen.
    Die Gender-Leute schaffen es aber offensichtlich, der Bevölkerung und den Institutionen zumindest ein „schlechtes Gewissen“ einzureden, wenn sie sich nicht daran halten. Studenten drohen nun sogar schon Sanktionen.

    Üblich ist es, im Vorwort von Publikationen darauf hinzuweisen, dass aus Gründen der besseren Lesbarkeit nur die männliche oder weibliche Form benutzt wird. Gleichzeitig wird aber auch betont, natürlich auch das jeweils andere Geschlecht zu meinen.
    Dieser klare und eindeutige Hinweis reicht den Gender – Ideologen aber wohl nicht. Daran wird recht gut deutlich, dass es denen nur und ausschließlich um Ideologie geht!! Die wird „ums Verrecken“ gnadenlos durchgedrückt und es wird billigend in Kauf genommen, dass es schon eine Qual und Zumutung bedeuten kann, sich durch „gendergerechte“ Texte zu „kämpfen“.

    • mehrnachdenken

      Diesen Kommentar habe ich noch einmal hervorgeholt, weil er m.E. die Gender – „Diktatur“ noch einmal treffend beschreibt.

      Papa51
      13. Januar 2015 um 15:45

      Sie können es hin- und herbiegen wie Sie wollen. Der Genderismus verhunzt ohne Notwendigkeit, aber mit
      viel Ideologie und Bergen von Steuergeld unsere deutsche Sprache. Wir brauchen kein Gender-Mainstreaming, nicht in der Gesellschaft, nicht in den Schulen, nicht in den Köpfen der Menschen und auch nicht in der Sprache.
      Die Bürger haben nicht nach Gender verlangt, diese krude Weltanschauung hat klammheimlich die Institutionen unterwandert und die giftigen Früchte werden erst allmählich sichtbar.
      Ich kann nur hoffen, dass diese weit fortgeschrittene Verhunzung der Sprache und anderer Lebensbereiche noch wirkungsvoll zurückgedrängt werden kann.
      Mit Emanzipation und Stärkung der Frauenrechte hat das nichts mehr zu tun, höchstens als Feigenblatt.

  3. So, so, „Gerade mal jede fünfte Professur in Deutschland ist mit einer Frau besetzt.“ Die Lehrstühle für die sog. „Gender-Wissenschaft“ sind allerdings fast alle in Frauenbesitz. Wer da nicht ins Grübeln kommt,…

    • Ja und, der „Gleichstellungsbeauftrage“ muss ja auch weiblich sein und darf nicht von allen Bediensteten gewählt werden. Ist wie auf der animal farm, alle Tiere sind gleich – nur Schweine sind gleicher.

  4. dergroßeRadler

    „Das Bildungsmagazin“ heißt es so schön ganz oben auf der Seite, wenn auch in hässlichem „Neudeutsch“ mit „news4teachers“ versehen. Na denn:

    „Immer öfter werden Studenten, die sich dem sogenannten Gendern verweigern wollen, mit Punktabzügen und damit mit schlechteren Noten gedroht.“ – Ups!- „Gedroht“?

    „Warum wird aus der vermeintlich geschlechtergerechten Sprache so viel Aufhebens gemacht?“ – „Aus etwas Aufhebens machen?“

    „Interessanterweise leiden Frauen gerade im Berufsleben, in der die Floskel gebraucht wird, …“ – Na ja, der Fehler ist doch offensichtlich.

    “ … ja durchaus noch unter Nachteilen wie schlechteren Einkommen und Karrierechancen.“ Einkommen sind m.E. weder „gut“ noch „schlecht“ sondern „hoch“ oder „niedrig“.

    Bildung, gar Sprachbildung?

    • Wir danken für die Hinweise – und haben den Text entsprechend korrigiert.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

    • mehrnachdenken

      Gut und schön, möchten Sie auch noch etwas zum THEMA beisteuern??

      • Ich finde es passend, wenn ein Magazin für Lehrer in gutem Deutsch verfasst ist.

      • dergroßeRadler

        Wenn das Thema des Beitrags „Sprache“ ist, und ich auf sprachliche Leistungen hinweise, die nicht zum eigenen Anspruch des Mediums passen („Bildungsmagazin“), dann passt das schon. Tippfehler dürfen sein, die Wortwahl muss aber stimmen. Auch im Online-Bereich darf man Beiträge prüfen bzw. sie anderen zur Korrektur zeigen, bevor sie publiziert werden.

        • mehrnachdenken

          Natürlich sollten die Beiträge auf n4t fehlerfrei und in einwandfreiem Deutsch geschrieben werden. Da gibt es wohl keinen Dissens.
          Ich will hinzufügen: Für mich gehört auch dazu, die Regeln der Groß- und Kleinschreibung zu beachten!!

          Im Gegensatz zur Redaktion ist es den Nutzern aber nicht möglich, Geschriebenes nachträglich zu korrigieren. Nach wie vor empfinde ich das als Ärgernis.

          In dem vorliegenden Beitrag von n4t und der dpa ist das Thema aber nicht „korrekte Rechtschreibung oder Grammatik“, sondern es geht um die Verhunzung unserer Sprache durch die Gender – Ideologie.
          Darum begrüße ich es, wenn Sie sich auch dazu äußern.

          • dergroßeRadler

            Neben anderen Unzulänglichkeiten löst der Artikel auch nicht ein, was er verspricht: In der Einführung findet sich die Aussage, ein Student der TU Berlin habe „durchgesetzt“, nicht Gendern zu müssen. Zitat:

            „In Berlin hat sich jetzt ein Student verweigert – und durchgesetzt, dass er seine Prüfungs- und Seminararbeiten nicht mit Binnen-Is, Sternchen oder Unterstrichen in Personenbezeichnungen versehen muss.“

            Im Text wird dann berichtet, eben dieser Student habe sich an die Rechtsabteilung der TU gewandt und von dort die Auskunft bekommen, “ … dass es die von der Lehrkraft behauptete Vorgabe zur Verwendung einer „gendergerechten Sprache“ gar nicht gibt.“

            Kein Wörtchen darüber, wie die Sache für ihn ausgegangen ist, auch kein Wörtchen darüber, ob die Rechtsabteilung die Lehrkraft (M oder W?) informiert hat. Die Behauptung, der Student habe sich „durchgesetzt“, steht jedenfalls ganz und gar beleglos im Raum, es findet sich kein Hinweis darauf, wie er sich durchgesetzt hat.

            Was soll ich diesem Artikel also entnehmen? Wie ernst soll ich ihn nehmen?

          • Wo ist das Problem. Am Lehrstuhl hat eine Rechtsauffassung bezüglich der Abfassung von Prüfungsarbeiten bestanden, die vom betroffenen Studenten nicht geteilt worden ist. Er hat den Sachverhalt von der Rechtsabteilung der universität prüfen lassen und Recht bekommen. Sein Widerspruch gegen den anderslautenden Beschluss (Begründung der Bewertung der Arbeit) des Instituts/Lehrstuhles war erfolgreich und ihm wurde stattgegeben.

            Die Rechtsfolgen sind somit klar. Die arbeit muss entsprechend der gültigen Prüfungsordnung neu bewertet werden. Das Institut der uni kann gegen die Entscheidung der Rechtsabteilung der gleichen Uni ja nicht klagen.

            Die Aussage, dass der Student sich durchgesetzt habe (mit seiner Rechtsauffassung), ist also durchaus statthaft. Der Verwaltungsakt des Institutes war also fehlerhaft und ist damit nichtig. Er muss durch einen neuen, fehlefreien Verwaltungsakt ersetzt werden.

            Näheres siehe VerwVO.

  5. Zitat: „Auch wenn Klischees nicht immer stimmen, erwachsen beliebte Zuschreibungen aus einer Grundwahrheit: Mann und Frau unterscheiden sich – in Aussehen, Denken und Neigungen. Nicht alle wollen das hinnehmen, denn ein Einheitsmensch wäre in vielerlei Hinsicht leichter zu handhaben, sei es als Bürger, Steuerzahler oder als Mitarbeiter in einem großen Unternehmen. Die Ideologie des „Gender Mainstreaming“, die alles gleichmachen will, kommt manchen daher sehr entgegen.
    Die EU hat sich vor einigen Jahren dieser Lehre unterworfen. Die Europäische Kommission finanziert deshalb Untersuchungen, um herauszufinden, wie man die Unterschiede zwischen den Geschlechtern einebnen kann. Dabei lotet sie mit dem Forschungsvorhaben „Language, Cognition, and Gender“ ganz gezielt auch sprachpolitische Maßnahmen aus. Die Forschungsergebnisse sind in wissenschaftlicher Form übrigens nur auf Englisch zu haben.
    An einer entsprechenden Studie, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden, wirkte auch Bettina Hannover mit, die Ehefrau des Europaabgeordneten Hans-Olaf Henkel. Die Professorin arbeitet als Psychologin und Genderistin an der Freien Universität Berlin. In Hausarbeiten streicht sie es ihren Studenten als Fehler an, wenn sie sich nicht den Vorgaben der politisch korrekten Gendersprache unterwerfen. Mit rund 417.000 Euro förderte die EU-Kommission das Berliner Teilprojekt.“
    https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2015/gender-eu-prueft-sprachmanipulation-an-kindern/

    • mehrnachdenken

      Danke für den Link.

      Was soll ich aber von O. Henkel halten? Obwohl er mittlerweile aus der AfD ausgetreten ist (hat er das Mandat zurück gegeben?), sollte er aber wissen, dass diese Partei gegen die Gender – Ideologie „zu Felde zieht“.
      Jetzt erfahre ich, dass seine Frau zweifelhafte Studien als Genderistin betreibt.
      Wie habe ich mir Gespräche im Hause Henkel/Hannover vorzustellen? Wer hat da wohl die „Hosen an“, lach.
      Der so konservativ und bodenständig wirkende O. Henkel ist mit einer Gender – Feministin verheiratet – ich kann’s kaum glauben!

    • Auch ich möchte für Ihren Beitrag danken. Dass die Genderistin Bettina Hannover mit Olaf Henkel verheiratet ist, war mir bisher nicht bekannt, erklärt aber vieles von der Spaltung der AfD.

  6. Der Artikel entlarvt, dass der reißerische Titel nicht zutrifft: Es ist eben an keiner Hochschule so, dass nicht gegenderte Sprache generell zu Punktabzug führt. In dem einzigen geschilderten Fall scheint es sich um eine Einzelmeinung der Dozentin zu handeln – derer gibt es zahlreiche in diversen Bereichen. Punktabzug kann ich als Dozent vergleichsweise willkürlich verteilen – für alles, was mir nicht passt. Und als Student kann ich mich beim Justiziar beschweren. Viel Lärm um nichts.

    P.S.: Bei mir geben Studenten von sich aus gegenderte Hausarbeiten ab. Machen sie dabei Fehler, schreibe ich gerne dazu, dass sie diese Verrenkungen bitte lassen sollen, wenn sie sie nicht beherrschen.

    • Ursula Prasuhn

      Sie schreiben: “ Bei mir geben Studenten von sich aus gegenderte Hausarbeiten ab.“
      Das widerspricht Ihrer Behauptung „In dem einzigen geschilderten Fall scheint es sich um eine Einzelmeinung der Dozentin zu handeln.“
      Abgesehen davon, dass es sich nachweislich nicht um einen Einzelfall handelt, wäre für mich eine Verbindung zwischen Ihren beiden Aussagen nur durch die unrealistische Annahme herzustellen, dass die Studenten von sich aus so überzeugt und begeistert von der Genderisierung der Sprache seien, dass sie ihre schriftlichen Arbeiten freiwillig und ohne Notwendigkeit dieser mühevollen Prozedur unterziehen.
      Apropos „Einzelfall“ oder nicht: Im drittletzten Abschnitt des Artikels steht dazu Näheres, das auch zum Titel passt. Warum Sie diesen als reißerisch und unzutreffend bezeichnen, erschließt sich mir nur, wenn ich auch hier meine Phantasie über Sie bzw. Ihre Meinung zum Gender Mainstreaming walten lasse. Ansonsten stehen Artikel und Überschrift für mich in völligem Einklang.

      • Nein, das widerspricht sich überhaupt nicht, da kein logischer oder sonstiger Zusammenhang besteht. Ausgangsbehauptung des Artikels: Studierende werden von Dozenten zum Gendern gezwungen. Wenn nun einer meiner Studenten gendert, bedeutet das weder, dass er sich von mir dazu genötig fühlen muss noch dass er von anderen Dozenten dazu genötigt wird, sondern vielmehr bezüglich der unterschiedlichen ‚Behauptungen‘ zum Thema ‚Genderzwang‘ rein gar nichts. Aus einem gezeigten Verhalten lässt sich weder eindeutig auf die Intentionen des handelnden Subjekts geweige denn (wie sie es anscheinend tun) auf das Verhalten anderer Personen in der sozialen Umgebung schließen. Erwachsene Menschen können sich zuweilen durchaus ohne Druck eine Meinung bilden – und sei es nur eine Meinung darüber, was vermeintlich von ihnen gefordert / gerne gesehen wird und was nicht.
        Ich für meinen Teil habe von 2006 bis 2010 und dann wieder von 2012 bis 2014 an drei deutschen Hochschulen vier text- und hausarbeitenlastige Fächer studiert und Gendern in Hausarbeiten war nieThema in auch nur einem einzigen Seminar. Auch habe ich selbst konsequent nicht gegendert und niemals dazu auch nur eine einzige Anmerkung von einem Dozenten gelesen oder von Punktabzug gehört. Ich persönlich bin froh, wenn Studenten einigermaßen schreiben können und kann mir kaum vorstellen, dass es einer nennenswerten Zahl von Kollegen anders geht.

        Zum drittletzten Absatz: Genderstatuten liest kein Student, der sich nicht ohnehin für das Thema interessiert und dann von sich aus gendert, weil er oder sie das für richtig hält. Die lesen meist noch nicht einmal ihre eigene Studienordnung. Mit Glück wissen sie, dass es so etwas gibt. Anschließend werden einzelne Hochschulen aufgezählt, an denen von einzelnen Lehrenden berichtet wird, die dies tun – wie schön. Ich kann auch von einzelnen Lehrenden an mehreren Hochschulen berichten, die Hausarbeiten gar nicht lesen und trotzdem benoten (‚passende‘ Headline für 4teachers liefere ich gleich mit: An deutschen Hochschulen herrscht die reine Willkür: Dozenten erfinden Noten). Das rechtfertigt meiner Meinung nach aber nicht, im Titel des Artikels so zu tun, als handle es sich um ein deutschlandweit verbreitetes Phänomen, das Studierende flächendeckend und ernsthaft benachteiligt, die nicht gegendert schreiben möchten. Und notfalls kann man sich dagegen wehren.

        Allgemein empfehle ich zur Beruhigung der hypergenderisierten Nerven: http://www.zeit.de/kultur/2015-07/gender-studies-feminismus-10nach8/seite-2

        • Was für ein unlogisches Geschwurbel, Ina, das Sachkenntnis und Objektivität vortäuscht. Für wie blöd halten Sie eigentlich die Leser Ihrer Kommentare?
          Und bei dem angeblich zur „Beruhigung“ empfohlenen ZEIT-Artikel einer Gender-Dozentin von der FU Berlin sollten Sie besser nicht zu sehr mit einem Publikum rechnen, dem Sie ein X für ein U vormachen können.
          Interessant ist auch die Frage, wer hier wohl „hypergenderisierten Nerven“ hat.

          • Ina schreibt in sachlichem Ton, g.h. verwendet Wörter wie „Geschwurbel“ und einen anklagenden Grundton. Wer schreit, hat vermutlich Unrecht.

          • Hier eine interessante Stellungnahme (mit vielen Kommentaren) zu Ihrer Lesempfehlung:
            http://www.danisch.de/blog/2015/07/17/die-zeit-versucht-sich-in-gender-jammer/comment-page-2/

            @Pfälzer
            Mich erstaunt Ihre Stellungnahme bzw. Richterrolle.
            M. E. ist die Grenze des Erlaubten dann überschritten, wenn Andersdenkende in ihrer Person angegriffen werden anstatt in ihren Äußerungen. Unterstellung hässlicher Charaktereigenschaften gehört z. B. zu dieser Unsitte, aber nicht das Wort „Geschwurbel“. Es betrifft eindeutig den Kommentar.

  7. dergroßeRadler

    @ dickebank heute, 19. Juli, 12:41 (leider erscheint der Button „Antworten“ nicht bei mir):

    Zitat: „Wo ist das Problem. Am Lehrstuhl hat eine Rechtsauffassung bezüglich der Abfassung von Prüfungsarbeiten bestanden, die vom betroffenen Studenten nicht geteilt worden ist. Er hat den Sachverhalt von der Rechtsabteilung der universität prüfen lassen und Recht bekommen. Sein Widerspruch gegen den anderslautenden Beschluss (Begründung der Bewertung der Arbeit) des Instituts/Lehrstuhles war erfolgreich und ihm wurde stattgegeben.“
    Antwort: Sie gehen davon aus, dass (1) eine Bewertung der Arbeit unter fehlerhaften Voraussetzungen stattgefunden hat und (2) ein Widerspruch eingelegt worden ist. Beides ist allerdings eine Interpretaiton Ihrerseits, im Artikel finden sich diese Informationen nicht. Mag ja sein, dass es so abgelaufen ist, wie Sie es schildern, aber wie gesagt, im Artikel steht das nicht. Im Artikel steht nur, der Student habe sich bei der Rechtsabteilung erkundigt und er habe von dort die Auskunft bekommen, es gebe eine solche Vorschrift („Gendern“) nicht.

    Vielleicht watr es aber auch anders – vielleicht ist der Student mit der Auskunft der Rechtsabteilung zur Lehrkraft gegangen und hat untere Hinweis auf diese Auskunft erklärt, er werde nicht „gendern“. Angesichts der Sachlage hat dann womöglich die Lehrkraft auf eine schlechte Bewertung der Arbeit verzichtet? Fragen über Fragen, die der Artikel nicht beantwortet.

    • Die Rechtsabteilung ist von sich aus bestimmt nicht tätig geworden. Die arbeitet auch nur, wenn ihr ein sachverhalt zur Prüfung vorgelegt wird. Im geschilderten Fall gibt es aber nur zwei Parteien, die eine Entscheidung überprüfen lassen können, das Institut, das seine rechtsauffassung absegnen lassen will, und der betroffene Student, der mit Berufung auf die Studienordnung in seinem Studiengang die Rechtsauffassung des Institutes überprüfen lassen will.

      • dergroßeRadler

        Es gibt, wie Sie schreiben, zwei Parteien, die entweder eine Rechtsauffassung oder einen Verwaltungsakt/eine Entscheidung überprüfen lassen wollen/können. Sie schreiben selber einmal von der Überprüfung einer Entscheidung, im gleichen Satz aber später von der Überprüfung einer Rechtsauffassung. „Entscheidung“ oder „Rechtsauffasung“, das sind, da werden Sie mir zustimmen, zwei unterschiedliche Dinge. Wie im Artikel oben steht, hat sich der Student an die Rechtsabteilung gewandt, die Sache ist klar, bleibt die Frage: Hat er sich erkundfigt, oder hat er Widerspruch gegen etwas eingelegt.
        Ich bleibe dabei – der Bezugsartikel von „news4teachers“ macht nicht klar, ob es einen Widerspruch des Studenten gegeben hat, oder es womöglich gar nicht so weit gekommen ist. Und das ist eine Schwäche des Artikels.

        • Ohne Entscheidung kein entsprechender Verwaltungakt. Ohne Betroffenheit keine Möglichkeit die Entscheidung von der rechtsabteilung überprüfen zu lassen. Um betroffen zu sein, muss der Verwaltungsakt also gegen den Studenten gerichtet gewesen sein.

          Wie gesagt, Nähres ist der VerwVO zu entnehmen. Ebenso hilft die Lektüre des Verwaltungsverfahrensgesetzes.

          • dergroßeRadler

            Prima, mag wohl sein, aber habe ich als Leser die Holschuld, mir all dies Wissen zu besorgen? Oder gehört das nicht eher zu einer vernünftigen Recherche im Berufsfeld Journalismus? Der Artikel liest sich nach wie vor so, als sei es nicht zu einer ungünstigen Bewertung und anschließendem Widerspruch des Studenten gekommen.

            Und ich habe keinen Hinweis darauf gefunden, dass sich diese Veröffentlichung ausschließlich an Verwaltungsrechtsexperten mit dem Schwerpunkt Hochschulwesen wendet :).

          • Worüber ich als Tarifbeschäftigter im ÖD immer wieder verwundert binn, ist die Tatsache, wie wenig grundständige Lehrkräfte über die rechtlichen Grundlagen ihrer Tätigkeit informiert sind. Dabei ist jedes Schreiben, das von der Schule an die Erziehungsberechtigten versandt wird, Teil des Verwaltungshandelns. Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich um eine allgemeine Elterninfo z.B. zum Sportfest der Schule oder die Bekanntgabe der Entlassung von der Schule handelt.

            Warum sollte die redaktiion dieses Forums also ihre Stammleserschaft über Dinge informieren, die sie ohnehin bereits wissen müsste?

  8. Ursula Prasuhn

    Im konkreten Fall bleiben auch bei mir Fragen offen. Allerdings beschäftigt mich mehr, dass Ina schreibt „Genderstatuten liest kein Student,“ Auch wenn sie noch nicht gelesen werden, existieren sie offenbar. Wozu eigentlich, wenn nicht geplant ist, sie nach einer Phase des Ausprobierens und Angewöhnens zur verpflichtenden Auflage zu machen? Nur so kann ich mir erklären, warum manche Dozenten sich ermutigt fühlen zu sagen, dass sie schriftliche Arbeiten in „gendersensibler“ Sprache besonders wertschätzen.
    Ina ist anscheinend Dozentin und schreibt noch „Auch habe ich selbst konsequent nicht gegendert“. Sie hat zwar gegendert, nur nicht konsequent. Auch hier sehe ich ein Zeichen, wohin die Reise geht. Eine Gewöhnungszeit „inkonsequenten“ Genderns läuft mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Verpflichtung hinaus. Wie wurde dem Studenten doch so schön gesagt? Er möge bitte gendern, weil sich das „inzwischen als gesellschaftlicher Konsens auch in wissenschaftlichen Ausarbeitungen niedergeschlagen“ habe.
    Noch ist Gendern nur Kür, aber es mehren sich die Hinweise, dass am Ende die Pflicht stehen wird, wenn nicht in der gegewärtigen Phase einer schleichenden Etablierung des Gender Mainstreamings Wachsamkeit herrscht und Widerstand laut wird.
    Zur Gendersprache erzogene Studenten sitzen morgen in den Redaktionsstuben der Medien, haben leitende Funktionen in Gesellschaft, Politik und Behörden – sind also bestens geeignet für die Durchsetzung rigider Weltanschauungen und Ideologien.

    • dergroßeRadler

      Zitat Ursula Prasuhn: „Ina ist anscheinend Dozentin und schreibt noch „Auch habe ich selbst konsequent nicht gegendert“. Sie hat zwar gegendert, nur nicht konsequent.““

      – Zwischen „konsequrent nicht gendern“ und „nicht konsequent gendern“ klafft aber doch eine große Lücke, oder irre ich mich? Ich zumindest kann in Inas Beiträgen nicht sentdecken, was auf „hin und wieder gendern“ hindeutet, sondern nur die Aussage, sie habe eben konsequent nicht gegendert – anders ausgedrückt „nie“.

      • Ursula Prasuhn

        Sie haben Recht. Danke, dass Sie auf eine andere Bedeutung der Aussage hinweisen. Glücklicher Weise hängt mein Kommentar nicht von diesem möglichen Missverständnis ab.

  9. Was hier ganz offensichtlich wird: Eine naturwissenschaftliche Arbeit dürfte das nicht gewesen sein. Naturwissenschaftler beschäftigen sich mit Fakten und nicht mit so nem Scheiß!

    • Auch naturwissenschaftliche Arbeiten können (demnächst „müssen“?) in gegenderter Sprache verfasst werden. Birgit Kelle, die nicht müde wird, gegen den Gender-Wahnsinn vorzugehen, berichtet von der Zuschrift eines Medizinstudenten, der sogar eine Arbeit über die Prostata in geschlechterneutraler, sprich „gendersensibler“ Sprache schreiben musste.

      • Seit wann ist eine Dissertation an einer medizinischen Fakultät eine naturwissenschaftliche Arbeit?

        • literaturarbeiten sind es eher selten. experimentelle arbeiten hingegen schon. die sind aber nicht parallel zum studium in 3-6 Monaten zu schaffen und besitzn im gegensatz zu den erst genannten zumindest häufig relevanten inhalt.

          • Ja, dann führen die Promovierten aber auch einen Dr. rer. nat. und keinen Dr. med. – die medizinischen Dissertationen sind also von vornherein keine naturwissenschaftlichen Arbeiten. Es bräuchte an den Hochschulen keine medizinischen Fakultäten, wenn die medizinischen Lehrsttühle den naturwissenschaftlichen Fakultäten angehörten.

          • @ Dickebank: Nein, es sind immer noch Dr. med., die verwendeten Methoden sind naturwissenschaftlich. Bestes Beispiel dafür ist eine Freundin von mir, die irgendetwas mit Mäusen und Medikamenten gemacht hat. Sie wollte aber von Anfang an in die Forschung. Künftigen praktischen Ärzten genügt aber eine als Dissertation getarnte Bachelor-Arbeit.

          • „… irgendetwas mit Mäusen und Medikamenten …“

            Jau, da wird gendern schwierig 🙂

            … irgendetwas mit männlichen und weiblichen Mäusen …
            … irgendetwas mit Mäusen und Mäuserichen ..
            … irgendetwas mit MäusInnen …
            … irgendetwas mit Mäus°° …

            Gar nicht so einfach. Gut dass die Dame bereits promoviert ist, zukünftig wird dat schwieriger.

  10. Liebe Elterinnen und Eltern,
    liebe Päpstinnen und Päpste,

    muss man noch was ergänzen…???

  11. Mama51,

    laut EU soll es bei einem Elternteil „Elter“ heißen! (Was für ein Quatsch)

    Ich persönlich mag das Gegendere nicht, doch kann ich aus eigender Studienerfahrung sagen, dass im pädagogischen Bereich, insbesondere die jungen Dozenten (hier auch die weiblichen mit eingeschlossen) zum Gendern neigen.
    Mir ist es egal, ob es nun Schüler oder SuS etc. heißt, so lange alle wissen, wer gemeint ist.
    Das hat doch vor Jahren auch geklappt.
    Außerdem haben die Schüler doch die Möglichkeit zu sagen, dass sie anders angesprochen werden möchten wenn sich etwas geändert hat.

    • im englischen gibt es meines wissens das wort „parent“. wenn nicht, würde ich es ohne weiteres akzeptieren. das wort „elter“ wäre nur konsequent.

      ich gendere in text kaum, in unterrichtsentwürfen habe ich das durch eine entsprechende Fußnote (aus Gründen der lesbarkeit bla bla) abgefrühstückt. bei allgemeinen ansagen wähle ich aber formulierungen wie „der eine oder die andere hat …“.

      Schüler selbst gendern meiner beobachtung nach überhaupt nicht. jungs nehmen so gut wie immer die männliche Form, mädchen etwas seltener. letzteres wohl weil sie manchmal über sich reden.

    • Veränderung der Sprache verändert auch das Denken. Nur darauf kommt es den Genderisten an, Selene. Denken Sie an den verordneten Neusprech in George Orwells Buch „1984“. Er sollte die Denkweise der Menschen verändern. Hinter dem Gender-Neusprech steht eine dicke Ideologie, die weit über die Sprache hinausreicht.
      Danke für die Information, „dass im pädagogischen Bereich, insbesondere die jungen Dozenten (hier auch die weiblichen mit eingeschlossen) zum Gendern neigen.“
      Klar, über den Lehrernachwuchs wird das Gender Mainstreaming in die Schulen getragen und über den Schülernachwuchs in die Gesellschaft. Keiner sollte „Gender“ als harmlose Spinnerei abtun, die sich von selbst wieder gibt.

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