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„Schweigeminute verweigert“ – Immer mehr Lehrer fordern Unterstützung beim Thema radikaler Islamismus

BERLIN. Nach islamistischen Terroranschlägen kommt es immer wieder zu Problemen in Schulklassen mit vielen muslimischen Schülern. Es wird aggressiv diskutiert und provoziert. Beim Thema Islam und Terrorismus stoßen Lehrer oft an ihre Grenzen.

Berlin will mit Fortbildungen für Lehrer und Sozialarbeiter die Gefahr der Radikalisierung muslimischer Jugendlicher bekämpfen. Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) stellte am Freitag ein Modellprojekt zur Lehrerschulung mit dem Titel «Protest, Provokation und Propaganda» vor. Bis 2019 bezahlen Berlin und der Bund jährlich zusammen 130 000 Euro für das Projekt des Vereins Ufuq. Es sollen etwa 10 Fortbildungen für je 20 Lehrer angeboten werden, außerdem noch Fachtagungen. Ufuq hofft, etwa 500 Lehrer zu erreichen. Ufuq gehört zu einer Reihe von Berliner Vereinen, die sich gegen die Radikalisierung junger Muslime engagieren.

Wir sind Paris: Nach den Anschlägen wurde das Brandenburger Tor in den Farben der französischen Nationalfragge angestrahlt. Foto: Sandro Schroeder / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Wir sind Paris: Nach den Anschlägen in Paris wurde das Brandenburger Tor in den Farben der französischen Nationalfragge angestrahlt. Foto: Sandro Schroeder / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Viele Lehrer seien in Debatten mit den Schülern über Islam, Salafismus und Terrorismus überfordert und bräuchten Hilfe, sagte Jochen Müller von Ufuq. Gerade in den vergangenen Wochen nach den Terroranschlägen von Paris habe es eine riesige Zahl von Anfragen aus Schulen gegeben. Der Gesprächsbedarf von Lehrern und Schülern sei groß.

Müller berichtete, Lehrer wüssten oft nicht, wie sie auf Provokationen reagieren sollten, etwa wenn Schüler Schweigeminuten verweigerten. Klar sei aber, gerade Schüler aus Einwandererfamilien suchten nach Anerkennung und drückten das auch über Provokationen aus. Lehrer sollten darauf nicht mit Ablehnung oder Anweisungen zum Trauern reagieren, sondern mit Gesprächen. «Jede Provokation ist eigentlich ein Angebot zum Reden.»

Kolat betonte, viel mehr als bisher seien auch die Moscheen in der Pflicht, sich gegenüber den jungen Menschen aktiv und präventiv gegen Radikalisierung und Gewalt einzusetzen. Hier gebe es noch einigen Nachholbedarf. dpa

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Ufuq zu dem Projekt

4 Kommentare

  1. Zurückschicken?

  2. Zurückschicken? Wohin? Nach Hamburg, Köln, Berlin, Hinterposemuckel, wo sie geboren und aufgewachsen sind?

    Es gibt viele gute Analysen und Ideen zur Prävention. Die müssten nur umfänglich ausgestattet und auf Dauer gestellt werden, leiden sie doch wie alle Projekte der außerschulischen Bildungsarbeit unter schlechter und prekärer Finanzierung, sowie überbordendem Verwaltungsaufwand durch ständigen Zwang zum Schreiben und Abrechnen von Anträgen.

    http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/pr%C3%A4vention-wie-rassismus-und-salafismus-sich-beeinflussen-9767

    http://www.bpb.de/186686/weltcafe

    http://mediendienst-integration.de/artikel/projekte-gegen-islamismus-radikalisierung-und-fuer-praevention.html

    „Allerdings sind die vermittelten Inhalte demokratiefeindlich, rigide und patriarchal. Warum ist das für Jugendliche reizvoll? „Manche Jugendliche können mit der Vielfalt der möglichen Lebensentwürfe nicht umgehen. Sie suchen eindeutige Antworten, der Salafismus bietet sie. Und verspricht: Folgst Du unseren Regeln, kannst Du nichts mehr falsch machen. Die „Anderen“, ein wichtiger Topos, machen dagegen ALLES falsch – da hat man ein Feindbild und kann man sich auch noch erhaben fühlen“, sagt Mirko Niehoff von der „Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus“ (KIgA). Jugendliche suchen bei den Salafisten Identität, Zugehörigkeit, Gemeinschaft und Orientierung in einer komplexen Welt – auch dies eine Parallele zum Rechtsextremismus. Vielen Jungen gefällt das Bild, ein rebellischer Kämpfer für den „wahren“ Islam zu sein. Viele Mädchen erleben einen Prediger wie Pierre Vogel als Gegenbild zu den Jungen, die sie kennen und als unzuverlässig, unhöflich und restriktiv erleben.

    Ein wesentlicher Faktor für das Wachsen des Salafismus in Deutschland ist aber auch der antimuslimische Rassismus in der Gesellschaft. „Jugendliche fühlen sich als Muslime permanent in einer Verteidigungssituation, erleben in Presseberichterstattung und Alltag antimuslimischen Rassismus – und die Antworten der anderen Islam-Auslegungen als schwach“, sagt Niehoff. Der Salafismus dagegen verspricht den Jugendlichen, Teil einer historischen Bewegung für die Verbreitung des Islam zu werden – und bietet auch Legitimationen, dafür Gewalt anzuwenden.“

    Und wer bei der Integration versagt hat? Die deutsche Gesellschaft.

    Alle ein Blick auf das, was in der Schule passiert, reicht schon, um zu erkennen, wie schon im Kindesalter durch Diskriminierungen massenweise Bildungsbiografien und damit Lebensläufe und -möglichkeiten vorgeprägt werden.

    http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Expertisen/Expertise_Diskriminierung_im_vorschulischen_und_schulischen_Bereich.pdf?__blob=publicationFile

  3. Wo war die Schweigeminute nach den Anschläge in Istanbul?

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