Startseite ::: Leben ::: Mehr Kopfläuse unter Jugendlichen wegen Selfie-Trend? Lehrer sind gefährdet – außer die mit Glatze

Mehr Kopfläuse unter Jugendlichen wegen Selfie-Trend? Lehrer sind gefährdet – außer die mit Glatze

HANNOVER. Läuse bekommen vor allem Acht- bis Zwölfjährige – hieß es bisher. Nun wird beobachtet, dass immer öfter auch Jugendliche von den Tierchen heimgesucht werden. Das betrifft auch die Erwachsenen, die mit Kindern und Jugendlichen im Kontakt stehen, also auch Erzieher und Lehrer. Die schlechte Nachricht: Nur Glatzenträger und Einsiedler können sich sicher fühlen. Die gute: Läuse sind zwar lästig, aber nicht gesundheitsgefährdend.

Lästig, aber nicht gefährlich: die Kopflaus (hier ein Männchen). Foto: Gilles San Martin [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Lästig, aber nicht gefährlich: die Kopflaus (hier ein Männchen). Foto: Gilles San Martin [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Die meisten Menschen ekeln sich vor Läusen. Sie assoziieren die kleinen Tierchen mit Schmutz, Schmuddeligkeit und ungewaschenen Haaren. Dabei hat Kopflaus-Befall nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellte schon vor Jahren in einer Informationsbroschüre klar: Läusen ist es völlig egal, wie oft sich ihre Opfer waschen. Sie legen ihre Eier wahllos in alle Haarschöpfe, die sie erreichen können.

Nach Angaben der Deutschen Pediculosis Gesellschaft sind am häufigsten acht- bis zwölfjährige Kinder betroffen. Auch Erzieher, Lehrer und Eltern können sich anstecken. Grundsätzlich scheinen Erwachsene aber nur selten von den blutsaugenden Insekten heimgesucht zu werden. «Läusebefall ist eindeutig eine Kinderkrankheit», erklärt Jan Krüger, Vorsitzender der Pediculosis Gesellschaft. Läuse verbreiten sich von Haar zu Haar. Auch wenn sie weder springen noch fliegen können, sind sie doch relativ schnelle Krabbler. Kurz die Köpfe zusammenstecken oder sich umarmen reicht aus, um sich die Tierchen einzufangen. Einige Experten äußerten jüngst den Verdacht, dass auch Selfies mit dem Smartphone für eine Zunahme des Läusebefalls bei 13- bis 15-Jährigen verantwortlich sein könnten, berichtet Krüger. Für die Fotos stecken die nämlich immer öfter ihre Köpfe zusammen.

Michael Forßbohm, Läuseexperte beim Gesundheitsamt Wiesbaden, warnt aber vor Panik. Es würde nichts bringen, aus Angst vor einer Ansteckung enge menschliche Kontakte zu meiden. «Vorbeugende Maßnahmen, die vor Läusen schützen, gibt es nicht», erklärt der Arzt. «Nur Glatzenträger und Einsiedler können sich sicher fühlen.» Die beste Prävention sei, schnell und konsequent zu handeln, wenn es in einer Kita oder einer Schule zu einem Ausbruch kommt. «Die Eltern sind hier in der Verantwortung», sagt Forßbohm. Sie müssen die Erzieher und Lehrer umgehend informieren, wenn sie bei ihrem Kind Läuse bemerken.

Wird ein Läusebefall gemeldet, ist es notwendig, alle Kinder und Familienmitglieder, die sich angesteckt haben könnten, auf Läuse zu untersuchen. Nicht immer machen sich die Blutsauger sofort durch Jucken bemerkbar. Gerade Kinder, die zum ersten Mal betroffen sind, spüren die Reaktion auf die Bisse erst nach ein bis zwei Wochen. «In dieser Zeit werden die meisten Läuse übertragen», erklärt Forßbohm.

Um Läuse aufzuspüren, wäscht man die Haare zunächst am besten ganz normal mit Shampoo und verwendet dann eine Pflegespülung. Darin können sich die Läuse nicht mehr bewegen. Mit einem feinen Kamm kämmt man Strähne für Strähne und streicht den Kamm auf einem Tuch aus – dort landen im Fall des Falles dann auch die Läuse. Eine detailliertere Beschreibung findet sich auch auf der Homepage der Deutschen Pediculosis Gesellschaft.

Um die lästigen Tierchen schnell wieder loszuwerden, raten das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu einer Kombination aus zwei Methoden: Läusemittel und Auskämmen. Zunächst sollte man die Haare mit einem Läuseshampoo oder einem Läusespray aus der Apotheke behandeln. Wenn man sich dabei streng an die Vorgaben der Gebrauchsanweisung hält, werden in der Regel schon bei der ersten Anwendung alle Läuse auf dem Kopf getötet.

Die Kinder können daher am nächsten Tag wieder in den Kindergarten oder die Schule gehen. Allerdings überleben die Läuseeier, die in den Haaren festkleben, die erste Prozedur. «Deswegen ist es zwingend erforderlich, die Behandlung nach acht bis zehn Tagen zu wiederholen, wenn die Larven geschlüpft sind», erklärt Forßbohm. Zusätzlich sollten die Haare viermal – jeweils im Abstand von vier Tagen – nass mit Pflegespülung und einem Läusekamm gekämmt werden. Das verbessert den Behandlungserfolg, denn durch das Kämmen werden überlebende Läuse und frisch geschlüpfte Larven beseitigt.

Bei der Wahl des richtigen Läusemittels empfiehlt Forßbohm, sich in der Apotheke beraten zu lassen. Nicht jeder verträgt die klassischen chemischen Mittel, die Insektizide enthalten. Bei Schwangeren, Stillenden und Kleinkindern dürfen sie gar nicht angewendet werden. Als Alternative gibt es seit einigen Jahren in Deutschland auch Läusemittel auf Silikonöl-Basis. Sie wirken, indem sie in die Atemöffnungen der Läuse eindringen und sie so ersticken. Wie Hermann Feldmeier vom Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Charité Berlin erklärt, ist die Wirksamkeit dieser Mittel erwiesen. «Sie können bedenkenlos wiederholt angewendet werden.» Der physikalische Therapieansatz habe auch den Vorteil, dass eine Resistenzentwicklung, wie sie bei den chemischen Mitteln bereits beobachtet wird, unwahrscheinlich sei.

Weitere Hygienemaßnahmen wie Putzorgien, die häufig auf die Entdeckung von Läusen folgen, hält Läuseexperte Forßbohm für unnötig: «Läuse können maximal 55 Stunden außerhalb des Wirtes überleben. Eine Übertragung über die Luft ist nicht möglich und eine Übertragung über Bettwäsche, Kuscheltiere oder Kleidung ist unwahrscheinlich.» Grundsätzlich gebe es keinen Grund für Hysterie. Denn die kleinen Krabbler sind zwar lästig, aber nicht gesundheitsgefährdend. Von Caroline Mayer, dpa

Zu Frau Wehs Kolumne: Elternarbeit mit Läusen

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