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Umfrage unter Lehrern zur Korrekturbelastung: Jeder 25. nimmt Klassenarbeiten mit ins Bett

DÜSSELDORF. Korrekturen? Gehören für Außenstehende zur unsichtbaren Arbeit von Lehrkräften. Sie finden also wenig Anerkennung. Dabei summiert sich laut Josef Kraus, dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, der jährliche Korrekturaufwand eines Lehrers an einer weiterführenden Schule mit zwei Sprachen als Unterrichtsfächern auf jährlich rund 1.000 Stunden (bei sechs Sprachklassen, insgesamt rund 180 Schülern, pro Schüler rund 12 bis 16 zu korrigierende Übungsarbeiten und Prüfungsarbeiten; insgesamt also zwischen 2.000 und 3.000 Korrekturarbeiten). Der Blog „Der Lehrerfreund“ wollte von seinen Lesern wissen, wie stark die Belastung durchs Korrigieren erlebt wird. Überraschender Befund: im Schnitt gar nicht so schlimm wie erwartet.

Wenn der Rotstift zum Einsatz kommt ... Foto: identity chris is / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Wenn der Rotstift zum Einsatz kommt … Foto:
identity chris is / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

„Wie schlimm ist das Korrigieren für Sie?“ Das wollten die Macher der Studie, an der sich stattliche 1.300 Lehrkräfte aus allen Schulformen beteiligten, wissen. Auszuwählen war ein Skalenwert von 0 („Macht mir überhaupt nichts aus“) bis 10 („Es ist fürchterlich!“). Ergebnis: Für für knapp die Hälfte der Befragten ist Korrigieren arg belastend, 39 Prozent beklagen sich eher nicht. Dabei sind allerdings Unterschiede auszumachen. Die gefühlte Korrekturbelastung hängt der Studie zufolge vor allem von der Schulstufe ab: Im Primarbereich wird Korrigieren als nicht ganz so anstrengend empfunden, Lehrerinnen und Lehrer aus der Sek. II gaben dagegen höhere Werte an. 48 der 58 Personen, die eine 10 („Fürchterlich!“) angaben, unterrichten und korrigieren in der Oberstufe.

Auch das Fach spielt eine Rolle: Während die Korrektur in den fremdsprachlichen und gesellschaftlichen Fächern sowie Deutsch mit einem Mittelwert von jeweils ungefähr 5,5 auf der 10er-Skala eher als belastend empfunden wird, scheint das Korrigieren in den naturwissenschaftlichen Fächern mit einem Mittelwert von 4,6 deutlich weniger zu nerven.

Das Alter der Lehrkraft scheint ebenfalls eine Rolle zu spielen – und zwar anders als zu erwarten wäre. Routine und Erfahrung, so könnte man meinen, helfen beim Korrigieren. Tatsächlich aber besteht laut Umfrage die Tendenz, dass jüngere Lehrpersonen das Korrigieren als weniger anstrengend empfinden. Bei den unter 25-Jährigen war der schlechteste vergebene Wert die 7, die 25- bis 29-Jährigen vergaben – obwohl sie die größte Altersgruppe stellten – nur eine einzige 10 und nur drei 9en. Mit zunehmendem Alter häufen sich die schlechteren Werte tendenziell, ebenso sinken die guten.

Ebenfalls unterschiedliche Korrekturstrategien wurden deutlich: Die Zahl derjenigen, die sich grundsätzlich und ausnahmslos auf einen Korrekturvorgang beschränken, liegt je nach Schulstufe zwischen neun und 14 Prozent wird von den Autoren der Studie als „doch recht hoch“ eingeschätzt – das Gros der Lehrerschaft korrigiert in zwei bis drei Durchgängen und sichtet das Material dann meist nach anderen Kriterien. In der Primarstufe, wo immerhin jede dritte Lehrerkraft angibt, bis zu drei Korrekturvorgänge pro Klassenarbeit vorzunehmen, werde im Vergleich zur weiterführenden Schule akribisch korrigiert wird – was aber wohl schlicht mit der zeitlichen Machbarkeit zusammenhänge, so mutmaßen die Autoren: „Wer 30 Oberstufenaufsätze dreimal korrigiert, hat zwei Wochen zu tun (30 Aufsätze x 8 Seiten x 3 Durchgänge = 720 Seiten)“.

Ein Punkt erscheint kritisch – fast ein Drittel der Lehrkräfte (30 Prozent) sortiert die Arbeiten vor der Korrektur, und zwar zur Hälfte nach vermutetem Leistungsstand der Schüler (der Rest zum Beispiel nach Alphabet). Kann dies dazu führen, dass die Erwartungen die Ergebnisse stärker beeinflussen als nötig? Eine kritische Nachfrage sah die Umfrage leider nicht vor. Dafür ein Kuriosum – nämlich die Frage, wo denn korrigiert wird. Neun von zehn Lehrkräften korrigieren, keine Überraschung, am heimischen Schreibtisch. Fast vier Prozent tun dies allerdings – im Bett. Und immerhin drei der Befragten nutzen den Fußboden.

Einer der Befragten geht zum Korrigieren aus dem Haus: Er pflegt diese Arbeit ins Restaurant zu verlegen. News4teachers

Hier geht es zur Umfrage beim „Lehrerfreund“.

3 Kommentare

  1. „Einer der Befragten geht zum Korrigieren aus dem Haus: Er pflegt diese Arbeit ins Restaurant zu verlegen.“ Na sowas: Ich habe doch an der Umfrage gar nicht teilgenommen?!

  2. Na, dann sind wir schon drei.

  3. ich vermute, zumindest einige der doppelsprachler haben bei ihrer fächerwahl den korrekturaufwand nicht bedacht.

    ich habe jedoch im Nachhinein das intellektuell schwere mathestudium durch weniger korrekturzeit pro klausur längst raus. lk kriege ich bei gutem erwartungshorizont in meist weniger als 30 minuten pro klausur im ersten durchgang hin, mache aber in der regel 2.

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