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Das Duale System gerät in Not: So wenig neue Auszubildende wie noch nie

WIESBADEN. In Deutschland haben im vergangenen Jahr so wenige junge Menschen eine Berufsausbildung begonnen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. 516.200 Frauen und Männern traten eine duale Ausbildung an und damit 0,4 Prozent weniger als 2014, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Damit setzte sich der seit 2011 anhaltende Abwärtstrend bei den Neuverträgen fort. Gründe sind nach Einschätzung der Statistiker die geringere Zahl der Menschen in der für eine Ausbildung in Frage kommenden Altersgruppe und die höhere Neigung zu studieren.

Noch vergleichsweise stabil zeigte sich das Handwerk, wo die Zahl der Neuverträge im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,2 Prozent zurückging. Im größeren Bereich Industrie und Handel wurden 1,1 Prozent weniger Ausbildungsverträge geschlossen. Mehr neue Auszubildende gab es hingegen bei freien Berufen – dazu zählen beispielsweise medizinische Fachangestellte, zahnmedizinische Fachangestellte oder Steuerfachangestellte – sowie im öffentlichen Dienst.

Eine duale Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und enthält neben der betrieblichen Arbeit auch Unterricht in der Berufsschule. Zum Ende des vergangenen Jahres befanden sich nach vorläufigen Zahlen des Bundesamtes fast 1,34 Millionen Jugendliche in einer Ausbildung im dualen System. Das waren 1,6 Prozent oder 22 400 weniger als ein Jahr zuvor.

«Die Unternehmen in Deutschland stemmen sich gegen den demografischen Trend und geben auch Leistungsschwächeren in den Betrieben Chancen auf Ausbildung», erklärte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks. Angesichts eines «ungebrochenen Trends zum Studium» und eines Rückgangs der bei der Bundesagentur (BA) gemeldeten Ausbildungsbewerber um knapp zwei Prozent im Vorjahresvergleich seien die aktuellen Zahlen ein gutes Ergebnis.

«Die Wirtschaft intensiviert ihr Werben um die jungen Menschen weiter, denn die Betriebe suchen händeringend Nachwuchs», betonte Dercks. «Erneut konnten bis Ende September 41.000 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete Ausbildungsstellen nicht besetzt werden.»

Entgegen den vorläufigen Zahlen des Bundesamtes geht das Handwerk von einer ganz leicht um 0,1 Prozent gestiegenen Zahl neuer Verträge aus. Besonders erfreulich sei der Anstieg in Ostdeutschland, erklärte der Generalsekretär des Zentralverbandes, Holger Schwannecke. «Man sieht, dass es uns gelingt, immer mehr Jugendlichen die beruflichen Chancen und Karrieremöglichkeiten in den Handwerksberufen deutlich zu machen. Auch unsere Bemühungen, die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu erhöhen, zahlen sich aus.»

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