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Schüler profitieren vom Auslandsjahr – aber: Kinder aus armen Familien bleiben zu Hause

JENA. Ein Auslandsjahr erweitert den Horizont und kann für die persönliche Entwicklung Jugendlicher ungemein förderlich sein. Das bestätigt gerade wieder einmal eine Studie der Universität Jena. Auch Wirtschaft und Gesellschaft profitierten nach Meinung der Forscher von der Erfahrungen die Schülerinnen und Schüler im Ausland erwerben. Austausch- und Förderprogramme programme sollten alllerdings breiter aufgestellt werden.

Mit einem Auslandsjahr kann man nicht früh genug anfangen. Zu diesem Schluss kommen jetzt Psychologen der Universität Jena, die im Rahmen des Projektes Personality, Identity, and Relationship Experiences in Adolescent Trajectories (PIRATS) untersucht haben, welche Auswirkung die Auslandserfahrung auf die Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern hat.

Während eines Jahres im Ausland können über Grenzen hinweg lebenslange Freundschaften entstehen. Foto: Embajada de los Estados Unidos en Uruguay/flickr (CC0 1.0 Universal)

Während eines Jahres im Ausland können über Grenzen hinweg lebenslange Freundschaften entstehen. Foto: Embajada de los Estados Unidos en Uruguay/flickr (CC0 1.0 Universal)

Dazu befragten sie insgesamt 741 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren. Etwa zwei Drittel nahmen an einem Schulaustausch im Ausland teil, ein Drittel blieb zuhause. Die Befragungen fanden vor, während und nach der Zeit im Ausland statt um Unterschiede in der Persönlichkeitsentwicklung feststellen, die unmittelbar auf die Erfahrungen in der Ferne zurückzuführen seien.

„Die Austauschschüler kommen aufgeschlossener, selbstsicherer und reifer als ihre Altersgenossen nach Hause zurück“, sagt Henriette Greischel, die im Rahmen ihrer Promotion die Studie durchgeführt hat.

Sie habe zwar auch festgestellt, dass die Jugendlichen, die das Abenteuer Ausland wagen, generell etwas extravertierter seien, aber sie gewännen darüber hinaus auch durch ein solches Lebensereignis in ihrer Persönlichkeitsentwicklung dazu. „Sowohl die Erfahrung der Selbstständigkeit als auch die interkulturellen Einflüsse dürften sich hier als besonders wertvoll erweisen“, sagt die Jenaer Psychologin.

Das soziale Netzwerk der Austauschschüler bestehe aus deutlich mehr internationalen Kontakten, die von ihnen auch genutzt würden. Ein höheres Maß an Offenheit gegenüber anderen Menschen und Kulturen sei die Folge.

Die Ergebnisse dieser Studie sprächen eindeutig für ein Auslandsjahr. „Aufgrund unserer neu gewonnenen Erkenntnisse können wir ein solches Lebensereignis nur jedem empfehlen“, sagt Greischel.

„Allerdings sollte die Gruppe derer, die an einem Austauschprogramm teilnehmen, heterogener werden.“ Auch wenn die Zahl der Schüler, die für ein Schuljahr in die Fremde gehen, Jahr für Jahr ansteige, so beschränke sich das nach wie vor weitgehend auf Jugendliche, die durch den sozioökonomischen und Bildungshintergrund der Eltern ohnehin bessere Startchancen haben.

Prof. Dr. Franz Neyer von der Universität Jena, der das PIRATS-Projekt gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Peter Noack leitet, hofft deshalb, dass die Ergebnisse der Jenaer Studie Einfluss auf zukünftige Austauschprogramme haben werden. „Schon während des Auswahlprozesses sollten die Organisatoren und Pädagogen die positiven Effekte für die Persönlichkeitsentwicklung berücksichtigen und auch die Schüler für das Abenteuer Ausland motivieren, die eine solche Unternehmung vorher vielleicht nicht unbedingt in Erwägung ziehen“.

Außerdem sollten Barrieren für Auslandsaufenthalte beseitigt werden: Wünschenswert sei zum einen eine finanzielle Unterstützung für Jugendliche aus einkommensschwächeren Haushalten, um ihnen die besonderen Entwicklungsmöglichkeiten nicht vorzuenthalten. Zum anderen sollte aus dem gleichen Grund nicht nur für Gymnasiasten sondern auch Besucher anderer Schultypen ein solches Austauschjahr besser umsetzbar sein. „Die Ergebnisse der Studie lassen den Schluss zu, dass mit den Schülerinnen und Schülern auch unsere Gesellschaft von diesen besonderen Erfahrungen profitiert“, fasst Neyer zusammen. (pm)

zum Bericht: Schüler auf ein Auslandsjahr vorbereiten

Ein Kommentar

  1. Ein Auslandsaufenthalt setzt in der Regel die sichere Beherrschung der jeweiligen Landessprache voraus. Schon bei Englisch ist es bei sehr vielen Schülern auf allen Schulformen nicht weit her, eine zweite Fremdsprache ist abseits vom Gymnasium meines Wissens nicht Pflichtfach für alle.

    Das Argument mit dem besseren sozio-ökonomischen Hintergrund ist nachvollziehbar, weil für etliche Familien so ein langer Auslandsaufenthalt eines Kindes selbst bei kostenfreier Unterkunft in der Gastfamilie ohne ein Stipendienprogramm, das den Namen auch verdient, nicht bezahlbar ist.

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