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Grün-Schwarz plant ein Gütesiegel für Kitas, das aber kein Ranking sein soll

STUTTGART. Meist ist es Mund-zu-Mund-Propaganda, auf die sich Eltern bei der Wahl der Kitas verlassen. Ein Gütesiegel soll künftig bei der Entscheidung von Müttern und Vätern helfen. Das Land Baden-Württemberg startet eine entsprechende Initiative.

Eltern in Baden-Württemberg sollen sich künftig anhand eines Gütesiegels über die Qualität einer Kita für ihren Nachwuchs informieren können. «Wir wollen mit diesem Anreiz die Qualität in den Einrichtungen vorantreiben», erläuterte Kultusstaatssekretär Volker Schebesta (CDU) in Stuttgart. Berücksichtigt werden könnten etwa Personalschlüssel, Sprachförderung, Leitungszeit oder Förderung der Naturwissenschaften. Die Zertifizierung soll den mehr als 8700 Kitas helfen, Nachholbedarf zu identifizieren und ihre bereits gute Arbeit zu dokumentieren, sagte er. Das Land erwartet auch vom Bund Mittel, den Qualitätsmanagementprozess zu unterstützen. Als weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit nannte der Vater von vier Töchtern den Ausbau von Familienzentren.

«Wir fangen beim Gütesiegel nicht bei Null an», erläuterte Schebesta. Es gebe bei den Kirchen schon Erfahrungen damit. Abgestimmt mit den anderen Trägern werde das Land eigene Maßstäbe entwickeln. Gespräche darüber führe er mit kirchlichen und freien Trägern, mit dem Kommunalverband Jugend und Soziales sowie den kommunalen Spitzenverbänden. «Das Feedback ist sehr positiv.» Ein landesweites Ranking oder eine Benotung der Kitas kann Schebesta sich aber nicht vorstellen. «Ranglisten belasten Qualitätsmanagementprozesse, wenn das Ziel nicht der Prozess ist, sondern der Platz, den man erreicht.»

In den Kitas der Diözese Rottenburg-Stuttgart steht seit vielen Jahren Qualitätsentwicklung im Fokus. Dabei werden nicht nur die Kita-Leiterinnen, sondern alle Erzieherinnen entsprechend fortgebildet. Ziel ist das Erarbeiten individueller Handbücher, an denen sich eine Einrichtung orientiert und deren Einhaltung überprüft werden kann. Eine solche Zertifizierung vom Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder haben bislang nur zwei Träger in Leinfelden-Echterdingen und Waiblingen. Geprüft werden dabei Eingewöhnung, Beobachtung der Kinder, Elterngespräche oder Vorbereitung auf die Grundschule. «Wir wollen unsere Kitas zukunftsfähig machen und unsere Pädagogik zum Wohl des Kindes absichern», erläuterte Ursula Vaas-Hochradl vom Landesverband Katholischer Kitas.

Markus Kürschner vom Landeselternrat der Kitas begrüßt, dass Qualitätsstandards festgeschrieben werden. Diese müssten später auch verbindlich werden. «Den Eltern bringt das Transparenz und Vergleichbarkeit der Einrichtungen.» Eine Qualitätsoffensive sei wichtig, weil die Seiteneinsteiger, die wegen Fachkraftengpässen eingestellt wurden, wesentlich besser qualifiziert werden müssten.

Schebesta will die Zertifizierung mit einem Modellversuch starten, der entweder regional, trägerspezifisch oder hinsichtlich der Zahl der teilnehmenden Kitas begrenzt wird. Er soll nach fünf Jahren ausgewertet sein. Das bedeute aber nicht, dass nicht weitere Einrichtungen mitmachen können. «Da wird niemand ausgeschlossen.»

Überdies will Grün-Schwarz die Kinder- und Familienzentren im Südwesten ausbauen. In ihnen sollen Betreuung und Bildung von Kindern, aber auch Veranstaltungen und Workshops für Eltern sowie Freizeit- und Integrationsangebote gebündelt werden. Das Land unterstützt die Weiterentwicklung von bis zu 100 Kitas zu Kinder- und Familienzentren 2016 mit einer Million Euro. Die Träger erhalten pro Kita eine Pauschale von 10.000 Euro. Die Hälfte ist dafür vorgesehen, den Kita-Leiterinnen mehr Zeit für Qualitätsentwicklung zu gewähren.

Nicht ausgebaut werden die Bildungshäuser drei bis zehn, von denen es knapp 200 im Land gibt. Sie waren von der CDU-geführten Vorvorgänger-Regierung geschaffen worden, um den reibungslosen Übergang von der Kita in die Grundschule zu erleichtern. Auch mit der Forderung eines kostenlosen Kindergartenjahres vor der Einschulung konnte sich die CDU in den Koalitionsverhandlungen nicht durchsetzen. Stattdessen kommt der Familienbildungspass, der Eltern im Jahr vor der Einschulung bei Kitagebühren um 75 Euro monatlich entlastet. Julia Giertz, dpa

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