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Umstrittene Sammelleidenschaft – Schulleiter sind in Sachen Panini geteilt

OSNABRÜCK. Die Fußball-EM in Frankreich wirft ihre Schatten voraus und erreicht deutschlandweit auch die Grundschulen. Derzeit vor allem noch in Form des 680 Sticker fassenden Panini-Sammelalbums. Wie zu jedem fußballerischen Großereignis hat unter Schülern ein munteres Bildchentauschen eingesetzt. Doch was für viele Erwachsene zu den schönsten Kindheitserinnerungen zählt ist an Schulen umstritten, zumal der italienische Verlag ein offensives Marketing betreibt. Einige Beispiele aus Niedersachsen:

Seit Jahrzehnten gehören für viele Kinder die kleinen Fußballer-Bildchen des italienischen Panini-Verlages zu den Europa- und Weltmeisterschaften wie Bologneser Sauce zu Spaghetti. Aber dürfen sie die Tauschbilder von Spielerstars wie Mario Götze, Thomas Müller und Co. auch mit in die Grundschulen bringen? Einige Schulleiter sagen Nein und verbieten den Bildertausch während der Pause. An anderen Schulen ist es erlaubt – manchmal kommen sogar die Lehrer mit ihren Sammelalben in die Schulen.

 

Erlauben oder Verbieten. Schulen gehen mit dem Tauschen von Panini-Fußball-Bildern unterschiedlich um. (Archivbild). Foto: Silveira Neto / flickr (CC BY-SA 2.0)

Erlauben oder Verbieten. Schulen gehen mit dem Tauschen von Panini-Fußball-Bildern unterschiedlich um. (Archivbild). Foto: Silveira Neto / flickr (CC BY-SA 2.0)

Zu den Ablehnern gehört Julia Fokken, Leiterin der Grundschule Iprump-Stickgras in Delmenhorst. Kürzlich habe die Grundschule eine nicht bestellte Lieferung von Panini-Alben erhalten. Die seien nicht verteilt worden. «Als Schule haben wir das schon seit Jahren unterbunden», sagt sie. An den beiden Schulstandorten sei es auch nicht erlaubt, dass die Kinder ihre eigenen Alben mitbringen, sagt Fokken. «Wir sammeln das ein, und das Kind kann es am Ende des Schulvormittages wieder abholen.» Vor einigen Jahren habe es auf dem Schulhof viel Streit um die Alben und den Bildertausch gegeben. Das Verbot gelte nicht nur für Panini-, sondern auch für andere Sammelbilder. «Es ist auch ein unglaublicher Geldbetrag, der da von Kindern und Eltern reinläuft», hat die Grundschulrektorin beobachtet.

Ebenfalls nicht gut auf Panini zu sprechen ist Rita Lemper, Leiterin der Altstädter Grundschule in Osnabrück. Auch sie habe unaufgefordert Panini-Sammelalben bekommen. Nach einer Beschwerde seien sie aber wieder abgeholt worden. In diesem Jahr sei ihr noch nicht aufgefallen, dass Kinder ihre eigenen Alben mitbringen und die Bilder auf dem Schulgelände tauschen. «Das hatten wir vor vier Jahren. Da gab es auch eine Diskussion im Kollegium darüber, ob wir das erlauben sollen», sagt Lemper. Solange «friedlich» getauscht werde, spreche nichts dagegen. Es sei aber immer wieder dazu gekommen, dass Bilder abhanden gekommen seien, dass sie gestohlen oder zu horrenden Preisen verkauft wurden. «Da muss irgendwann die Schule einschreiten», sagt die Rektorin.

Anders geht man an der Grundschule auf dem Süsteresch in Schüttorf (Grafschaft Bentheim) mit dem Thema um. «Wir sind da mehr auf der Seite der Kinder», sagt Schulrektor Heinrich Brinker. Er und seine Konrektorin seien selber begeisterte Fußballfans und würden auch verkleidet als Fußballspieler in die Schule kommen. Seine Kollegin habe bei der letzten WM sogar ihr eigenes Album mitgebracht – ein Verbot des Tausches käme niemanden in den Sinn. «Das Tauschen begeistert die Kinder und setzt so viel Kreativität frei», sagt Brinker. Der einzige Kritikpunkt sei der kommerzielle Aspekt. «Aber auch Erwachsene geben unheimlich viel Geld für irgendwelche Dinge aus – etwa für Zigaretten», sagt Brinker.

Klare Regeln gelten in der Grundschule Mellendorf nördlich von Hannover. «In den Pausenzeiten ist das Tauschen erlaubt, mit Unterrichtsbeginn müssen die Bildchen runter vom Tisch», sagt Schulleiter Thomas Wenzel. Wer das nicht beachte, müsse damit rechnen, dass die Paninis bis zum Ende des Unterrichts einkassiert würden. Grundsätzlich steht auch Wenzel dem Bildchen-Tausch positiv gegenüber: «Das hat auch wertvolle pädagogische Effekte, fördert die Fähigkeiten beim Zählen, Rechnen, Verhandeln.»

Das Fußball-Sammelalbum zur Europameisterschaft des Panini-Verlags aus Modena hat Platz für 680 Sticker. Dazu gehören die Bilder von 20 deutschen Spielern. Ähnliche Sammelbilder gibt es auch von anderen Herstellern. Die meisten stecken in Tütchen oder in Süßigkeiten. (dpa)

zum Bericht: Panini-Album: Immer mehr Schulen verbieten Kindern das Tauschen der Fußball-Bilder auf dem Schulhof

Ein Kommentar

  1. ich bin auch eher entspannt:
    – die vom verlag zugestellten Alben werden entsorgt
    – zivilisiertes tauschen in pausen
    – im unterricht Bilder wegpacken
    – bei Verstoß Bilder bis unterrichtsschluss einkassieren
    – bei wiederholtem Verstoß dauerhaftes bilderverbot und ggf. der übliche Maßnahmenkatalog

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