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Nach Hotpants-Verbot: Schüler erstellen selbst eine Rote Liste – strenger als die Schulleitung

HORB. Ein Brief der Leiterin einer Schule im baden-württembergischen Horb an Eltern wegen  freizügiger Kleidung von Schülerinnen sorgte vor einem Jahr bundesweit für viel Aufregung. Das seinerzeit angekündigte Hotpants-Verbot wurde heftig kritisiert. Inzwischen haben die Schüler der Schule ihre eigenen Kleiderregeln aufgestellt – und einige Kleidungsstücke mehr auf eine „Rote Liste“ gesetzt, Baggypants etwa.

Die Hotpants von Schülerinnen fallen mitunter sehr knapp aus. Foto: David Holt / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Hotpants von Schülerinnen fallen mitunter sehr knapp aus. Foto: David Holt / flickr (CC BY-SA 2.0)

Keine langen Unterhemden und keine zu kurzen Hotpants: Eine Werkrealschule in Horb (Kreis Freudenstadt) hat ein Jahr nach ihrem bundesweit diskutierten Hotpantsverbot eine Rote Liste für Kleidung erarbeitet. «Die Schüler haben Kleidungsstücke draufgesetzt, die nicht in die Schule passen», erklärt Schulleiterin Bianca Brissaud (38). Brissaud war vor einem Jahr wegen eines Briefes an Eltern, in dem sie aufreizende Kleidung von Schülerinnen thematisierte, scharf kritisiert worden.

Sie hatte in einem Elternbrief die vorläufige Regel aufgestellt: «Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants…), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.» Eine endgültige Kleiderordnung werde noch gemeinsam mit Schülerinnen, Schülern und Eltern erstellt.

Mit dem Brief wurde ein Shitstorm im Netz losgetreten; auch Sexismus-Vorwürfe wurden laut. So kritisierte der Schülerbeirat Baden-Württemberg. Ein Pauschalverbot sei der falsche Weg, denn: «Hier werden Jungs unter sexistischen Generalverdacht gestellt und ein falsches Rollenbild vermittelt.» Andere stießen sich daran, dass allein Mädchen mit einem Verbot belegt würden. «Wir hatten von Anfang an nicht nur die Mädchen, sondern genauso auch die Jungs im Blick. Deren Kleidung kann ebenso unpassend sein», korrigierte Brissaud schon damals.Das Riesen-T-Shirt, das Schüler mit unangebrachter Kleidung damals überziehen mussten, hat im vergangenen August das Bonner Haus der Geschichte aufgekauft.

Inzwischen sieht die Schuldirektorin keinen Bedarf mehr, unangemessen gekleidete Schüler in zu große T-Shirts zu gewanden. «Wir haben die Liste und wollen Probleme über die Kommunikation klären», betonte Brissaud. Die Schüler seien sensibler und fragten sich untereinander, ob sie angemessen gekleidet seien. Seit dem Medienrummel vor einem Jahr habe es keine Beschwerde über Kleidung mehr gegeben.

Eine Rechtsgrundlage für Kleidervorschriften gibt es nach Angaben des Kultusministeriums nicht. Danach darf ein Lehrer nur einschreiten, wenn durch ein Kleidungsstück – «oder ein fehlendes Kleidungsstück», so die Ministeriumssprecherin Christine Sattler, – die Ordnung der Schule gefährdet sei. Über ein Kleidergebot an Schulen sagt sie: «Wenn alle mitmachen und das Konsens ist, kann man das sicher machen.»

Die Rote Liste an der Horber Schule entstand, indem Schüler und Lehrer während einer Projektwoche extreme Kleidungsstile ausprobiert haben – zum Beispiel Schlabberlook, Abendgarderobe und Kombinationen von offensichtlich schlechtem Geschmack. Was Schüler als unangemessen betrachteten, steht nun auf einer Liste in jedem Klassenzimmer: unter anderem Bademäntel, Hausschuhe, Kostüme, zu tiefe Ausschnitte, bauchfreie Oberteile, «zu kurze Hotpants» und  Baggypants – also Schlabberhosen, die (von Jungs) auf der Hüfte getragen werden. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Mehrheit der Bürger in Deutschland fände Hotpants-Verbot in Schulen gut – allerdings: Jüngere sind dagegen

Ein Kommentar

  1. Konsequenter Weise müssten die Eltern jetzt auch lautstark protestieren, weil ihre Kinder doch stärkere Regeln gegenüber dem von den Eltern praktizierten Laissez faire bevorzugen …

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