Startseite ::: Nachrichten ::: Zu stark reglementiert? Schulen rufen Geld für Klassenfahrten nicht ab

Zu stark reglementiert? Schulen rufen Geld für Klassenfahrten nicht ab

SCHWERIN. An Geld für Klassenfahrten mangelt es im Land Mecklenburg-Vorpommern nicht, wohl aber an Gelegenheiten, es auszugeben. Offiziell sind für Schüler in zehn Jahren nur zwei Fahrten vorgesehen – einmal drei und einmal vier Tage. Zu wenig und zu kurz, finden die Linken im Landtag.

Obwohl das Land mehr Geld zur Verfügung stellt, gehen weniger Schüler in Mecklenburg-Vorpommern auf Klassenfahrt. Auf diesen Widerspruch hat die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, hingewiesen. «Hunderttausende Euro werden jedes Jahr nicht ausgegeben», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Mindestens 700 000 Euro seien seit Inkrafttreten der neuen Richtlinie, die Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) 2013 erlassen hat, nicht abgerufen worden. Die Zahl der Klassenfahrten habe sich verringert, sagte Oldenburg unter Berufung auf die Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage.

Demnach ist die Zahl der Schulfahrten von knapp 2700 im Jahr 2013/14 auf etwas über 2400 im Schuljahr 2015/16 gesunken. Allerdings waren die nach Schulamtsbereichen gegliederten Angaben nicht 100-prozentig vergleichbar, da in einem Bereich die begleitenden Lehrer gezählt wurden, in einem anderen nach Kalender- statt Schuljahren abgerechnet wurde. Berufsschulen wurden zuletzt gar nicht mehr erfasst.

Dennoch sei ein Trend erkennbar, sagte Oldenburg. Als Gründe für den Rückgang nannte sie die vorgeschriebene, nach ihrer Ansicht zu geringe Dauer und die zu geringe Anzahl der Fahrten. Klassenfahrten dürfen bei älteren Schülern nur noch vier Tage, bei Grundschülern nur noch drei Tage dauern. Das sei kein pädagogisches Angebot, sondern ein Wettlauf zwischen An- und Abreisetag. «Meine Fraktion fordert, dass Grundschulklassen zweimal die Möglichkeit haben sollen, auf Klassenfahrt zu gehen, und die Dauer der Fahrten auf vier Tage verlängert wird», sagte die Politikerin.

In den höheren Klassen seien vier Tage zu wenig. «Fast alle Anbieter von Klassenfahrten wie Schullandheime haben nur Fünf-Tage-Reisen im Angebot», sagte Oldenburg. Sie forderte eine Rückkehr zur vorherigen Regelung von fünf Tagen und die Möglichkeit für zwei Klassenfahrten von Klasse 5 bis 10.

Aus dem Bildungsminiserium hieß es dazu, es gebe keinen signifikanten Rückgang bei der Zahl der Klassenfahrten. Das Land habe die Finanzmittel für Schulfahrten und -wanderungen seit 2011 um 60 Prozent auf 700.000 Euro pro Jahr erhöht. dpa

Zum Bericht: „Wie ein Lokführer, der vor der Arbeit ein Zugticket lösen muss“: Lehrer fordern mehr Geld für Klassenfahrten

Ein Kommentar

  1. In den 50er Jahren gab es wohl noch die „Frolleins“, Grundschul-Lehrerinnen ohne Familie und weitere Verpflichtungen, die ganz für die Schule lebten. Für die sind sicher viertägige Klassenfahrten in der Grundschule kein Problem.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*