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„Büffelferien“ statt ausspannen – Immer mehr Schüler nehmen im Urlaub Nachhilfe

BERLIN. Der Trend in Berlin geht zur Nachhilfe. Rund ein Drittel der Schüler nimmt die Hilfe von Nachhilfe- Instituten in Anspruch. Auch die Zahl derjenigen, die auch in den Sommerferien zumindest zeitweise die Schulbank drücken steigt. Unterstützt die Regierung finanzschwache Familien sogar bei der Finanzierung, ist die Entwicklung nicht unumstritten.

Eigentlich können die Berliner ganz zufrieden sein mit ihren Schülern. Der Notenschnitt beim Abitur blieb in diesem Jahr stabil bei 2,4. Erstmals erreichte eine Berlinerin 2016 sogar die volle Punktzahl beim Abitur, insgesamt werden in Berlin immer mehr Abiturzeugnisse verliehen. Doch Eltern und Schüler in Berlin scheinen ehrgeizig: Immer mehr Kinder und Jugendliche drücken auch im Sommer die Schulbank.

Berlin ist Deutschlands Nachhilfe-Hauptstadt, Immer mehr Schüler lernen in den Ferien. Foto - Archiv. Foto: woodleywonderworks / flickr (CC BY 2.0)

Berlin ist Deutschlands Nachhilfe-Hauptstadt, Immer mehr Schüler lernen in den Ferien. Foto – Archiv. Foto: woodleywonderworks / flickr (CC BY 2.0)

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Januar 2016 nehmen in Berlin mehr Schüler Nachhilfe, als in allen anderen Bundesländern. Etwa ein Drittel der Schüler besucht dafür Nachhilfe-Institute. Eines der größten und ältesten Institute für Schülernachhilfe in Deutschland ist der Studienkreis. In Berlin betreut das Unternehmen an seinen 39 Standorten zur Sommerzeit gut 2000 Schüler – etwa jeder zehnte davon besucht einen Ferienkurs.

Für 35 bis 40 Euro bieten hiesige Nachhilfeinstitute solche Ferienkurse an. Die Kurse beinhalten in der Regel zehn Unterrichtsstunden, in denen den Schülern der Stoff des zurückliegenden oder kommenden Schuljahres in kleineren Lerngruppen vermittelt werden soll. Die Ferienpaukerei liegt in der Hauptstadt offenbar im Trend: Allein beim Studienkreis hat sich die Nachfrage nach den Ferienkursen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

Das Institut führt das auf ein gewandeltes Bewusstsein bei Schülern und Eltern zurück. «Viele Schüler sehen heutzutage einen Sinn darin, in den Ferien etwas für die Schule zu tun», sagt Friederike Ostwald vom Studienkreis. Dabei sind die Noten vieler Nachhilfeschüler befriedigend: Rund ein Drittel der Schüler vom Studienkreis lassen sich in Fächern helfen, in denen sie auf 3 oder besser stehen.

Die neue Strebsamkeit der Kinder ist umstritten. Grundsätzlich sei Nachhilfe nichts Schlechtes, sagt Björn Eggert, jugendpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Die Regierung unterstütze finanzschwache Familien sogar bei der Finanzierung des Extra-Unterrichts. Von Nachhilfe in den Ferien hält der Kreuzberger Politiker jedoch wenig. «Ferien sollten eher für nonformale Formen des Lernens genutzt werden, etwa durch die Teilnahme an einem Feriencamp einer Jugendorganisation», sagt Eggert.

Eine lockerer Form des Lernens bieten verschiedene Unternehmen in Gestalt von Sprachreisen an. Mit dem internationalen Anbieter EF etwa können Schüler für zwei bis sechs Wochen ins Ausland reisen und dort Fremdsprachen lernen. Für die Dauer ihres Aufenthalts wohnen die Kinder bei Gastfamilien oder in Wohnheimen und werden zwischen 26 und 32 Schulstunden pro Woche in internationalen Klassen unterrichtet. «Es bleibt also auch genug Zeit, um nebenbei Freizeitaktivitäten zu unternehmen» sagt Niklas Kukat, Geschäftsführer von EF Deutschland. Für einen zweiwöchigen Aufenthalt beispielsweise in Dublin mit Unterkunft, An- und Abreise müssen Schüler aus Berlin 2400 Euro investieren.

Immer mehr Schüler und Eltern scheinen bereit zu sein, diesen Preis zu bezahlen: Während die Anmeldungen für ein klassisches Austauschjahr in Deutschland zurückgehen, steigen die Buchungen für die sogenannten Sommercamps. Sprachreisen nach Deutschland sind sogar noch beliebter: Bei Schülern aus dem europäischen Ausland verzeichne EF Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich, sagt Kukat. Die Berliner EF-Schule etwa ist in diesem Sommer ausgebucht. So verbringen nicht nur einheimische Kinder den hiesigen Sommer auf der Schulbank, sondern auch 340 Schüler aus aller Welt. (dpa)

zum Bericht: Philologen mahnen Eltern: Sommerferien sind zur Erholung da!

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