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Viele Schüler kommen ohne ihr Material zur Schule – und etliche Lehrer bezahlen es dann vom eigenen Gehalt

DÜSSELDORF. Viele Lehrkräfte in Deutschland fühlen sich offenbar dazu gedrängt, fehlende Schulmaterialien für ihre Schüler vom eigenen Gehalt zu bezahlen. Das hat ein Schreibwarengroßhändler in einer Umfrage unter 500 Lehrkräften herausgefunden. Danach gaben 44 Prozent der Befragten an, zumindest hin und wieder Geld auszugeben, damit die Kinder sich am Unterricht beteiligen können.

Offenbar kommen viele Schüler ohne vollständiges Material zur Schule. Foto: pixabay

Offenbar kommen viele Schüler ohne vollständiges Material zur Schule. Foto: pixabay

Zur Repräsentativität der Umfrage macht der Initiator, Staples, keine Angaben; die Übertragbarkeit der Prozentzahlen auf die gesamte Lehrerschaft in Deutschland ist also mit Vorsicht zu betrachten. Trotzdem sind Trends erkennbar – und die sind bedenklich: 73 Prozent der Lehrkräfte in der Umfrage geben an, dass sie Schüler unterrichten, die stets ohne eigene Materialien zur Schule kommen. Nicht ganz überaschend dabei: Je jünger die Kinder sind, desto häufiger kommt das vor. „Grundschullehrkräfte fühlen sich am meisten dazu verpflichtet, Materialien aus eigener Tasche zu bezahlen. Lehrerinnen und Lehrer, die Sieben- und Achtjährige unterrichten, spüren den Druck ganz besonders (67 Prozent)“, so heißt es.

Und die  Ausgaben sind nicht gering – immerhin rund ein Viertel derjenigen, die Schülermaterialien kaufen, geben an, innerhalb von vier Monaten zwischen 40 und 100 Euro dafür auszugeben, was im Schuljahr bis zu 300 Euro wären. Etwa ein Achtel dieser Gruppe gibt sogar mehr als 120 Euro innerhalb von vier Monaten für Schreibutensilien, Hefte und anderes Schülermaterial aus. Warum so viele Lehrkräfte sich dazu verpflichtet fühlen? Die Befragung gibt einen Hinweis: Zwei Drittel der Befragen meinen, dass es negative Auswirkungen auf das Leistungsniveau eines Schülers habe, wenn ihm über längere Zeit immer wieder Lernmaterial fehle – es ist also Fürsorge.

Von Eltern erwarten die Lehrerinnen und Lehrer hingegen nicht allzu viel. Wie würden Sie das Verhalten der Eltern beschreiben, wenn es sich um die Besorgung der richtigen Lernutensilien und anderen Equipments für das neue Schuljahr ihrer Kinder handelt? Nur rund ein Viertel der Lehrkräfte meint, sie seien mehrheitlich aktiv daran interessiert, ihre Kinder richtig auszustatten – ein Drittel hingegen beschreibt die Eltern überwiegend als passiv, aber immerhin noch einigermaßen pflichtbewusst. Genauso viele allerdings beschreiben die Eltern als mehrheitlich desinteressiert, gestresst und sogar verärgert darüber, dass sie Materialien für ihre Kinder besorgen sollen.

Dass der Unwillen vieler Eltern am Geld liegt, glauben allerdings offenbar nur die wenigsten Lehrkräfte – nur ein Viertel der Befragten meint, dass sich die Situation bessern würde, wenn den Familien mehr Einkommen zur Verfügung stünde. Fast doppelt so viele schlugen als Gegenmaßnahme vor: „Die Eltern dazu ermutigen, sich mehr für die Schulausbildung ihrer Kinder zu interessieren“. Agentur für Bildungsjournalismus

 

 

14 Kommentare

  1. “Die Eltern dazu ermutigen, sich mehr für die Schulausbildung ihrer Kinder zu interessieren”.

    Das Desinteresse bzw. eher die mangelnde Beharrlichkeit der Eltern kann ich bestätigen. In immer mehr Klassen wird dann aus der Klassenkasse eine allg. Materialecke aufgestellt. Das deutsche Schulwesen verkommt immer mehr zur sozialen Auffangstation. Es ist nicht mehr 50 % – 50 % Pädagogik und Didaktik sondern vielmehr Soziale Arbeit….nur das hatte ich nicht studiert!

    • Die Erfahrung des zu wenig Kümmerns mache ich auch. Bei mir ist es so, dass so gut wie alle am Anfang mit allem gut ausgestattet sind. Danach verabschiedet sich über die Hälfte der Eltern mit dem Kümmern. Da fehlen ständig Tintenpatronen, Lineale, Bleistifte, Radiergummi, Kleber.
      Das geht Hand in Hand: Die Kinder sagen nicht, dass etwas fehlt und die Eltern schauen nicht nach. Manche Dinge verleihen hilfsbereite Mitschüler oder man bekommt sie bei mir. Die Rückgabe klappt einigermaßen, doch es gibt Kinder, die sehr lange brauchen, bis sie selbst wieder die Sachen haben.
      Vor zehn Jahren bekam ich ohne Probleme von den Kindern eine Tintenpatrone zurück, wenn ich ihnen eine gegeben habe, heute von keinem einzigen mehr, wenn ich ihn nicht daran erinnere. Für mich ist das bei allen meinen Aufgaben zu viel Energieverschwendung solchen Dingen auch noch – neben fehlenden Hausaufgaben und Unterschriften – nachzurennen. Wenn ich während des Schuljahres etwas brauche wie z.B. ein Geodreieck, dann dauert es ewig, bis alle so etwas dabeihaben. Deswegen war ich in den letzten Jahren gezwungen, einen Vorrat an Geodreiecken anzuschaffen, damit ich in der geplanten Stunde vernünftig arbeiten kann.

  2. Erst sage ich den Kindern mündlich, dass sie etwas (neu) anschaffen müssen, dann (manchmal auch sofort) lasse ich es die Kinder ins Hausaufgabenheft eintragen, dann schreibe ich eine Mail an die betroffenen Eltern, dann rufe ich an.

    Es klappt. Spätestens nach dem Anruf. Aber das sind dann schon Einzelfälle.

    Geduld muss man haben, ja. Hartnäckig sein auch. Und ein bisschen Verständnis dafür, dass viele Eltern nach ihren Jobs kaputt sind, auch. Denken wir daran, unter was für prekären Bedingungen so manche arbeiten müssen. Die sind auch fix und fertig, wenn sie nach Hause kommen.

    • Ich habe kein Verständnis dafür. Ich schleppe mich auch mit ner Erkältung zum Dienst und versuche stets zuverlässig zu sein.

      Eltern sollten sich nicht hinter den Aufgaben des Alltags verstecken. Dürfen Lehrer dann keine Kinder haben ? Wie soll der Alltag dann bei einer vollen Stelle mit Kind laufen?

      In meiner Schule sind 6 Vollzeitkräfte von 21 tätig.

    • Ich bin doch nicht der Babysitter der Eltern und schreibe denen noch eine Mail oder rufe gar an! Wo kommen wir denn da hin, wenn ich auch den Eltern noch den Hintern pampere?

      Ich finde es schade, dass sie so wenig Interesse an ihren Kindern habe, aber umerziehen kann ich sie nicht!

  3. Für mich hat das Ganze zwei Seiten.
    1.Im Referendariat habe ich auch einen Vorrat angelegt. Einige Eltern hätten den Kindern nichts mitgegeben. Sie interessierten sich schlicht nciht für ihre Kinder. Für diese Kinder brachten wir auch etwas zum Frühstück mit. Die wären sonst verhungert. Hier müsste es Gelder geben, um die Kinder in der Schule versorgen zu können. Hinzu kommen die eigentlich vorbildlichen Kinder. Aber auch die stellen erst fest, dass etwas fehlt, wenn es leer ist, sagen es dann zwei Tage später den Eltern, weil es auf dem Schulweg schon wieder vergessen wurde. Die Eltern können dann vielleciht erst am Folgetag einkaufen. Es fehlt also meist nur kurz, aber kurz ist eben eine Woche mit 20-33 Schulstunden. Und bei 32 Schülern in einer Klasse ist jeder fehlende Bleistift eine Störung zuviel.

    2. Allerdings sehe ich bei meinen eigenen Kindern auch: Es müssen häufig ganz bestimmte Produkte sein, die die Lehrer liebgewonnen haben… und man braucht heute in der Schule eine Menge Kram. Meine Kinder haben vier Deutschhefte (Rechtschreiben, Aufsatz, Diktat, Hausheft) und drei Mathehefte (Arbeiten, Hausheft, Schulheft), dazu 10 Mappen (aus Pappe für Frau A und aus Plastik für Frau L) in allen Regenbogenfarben nebst Schulbüchern, Workbook, etc. Selbst ich als Lehrerin weiß nicht, welches Heft wofür ist und wie die verschiedenen Mappen verwendet werden. Wenn mein Kind also nach Hause kommt und sagt: „Das Hausheft Deutsch“ ist voll, hole ich mit hoher Wahrscheinlichkeit im ersten Moment die falsche Heftnummer vom falschen Hersteller raus (ich habe auch keinen großen Vorrat, weil die Kinder unterschiedliche Lehrer haben und andere Dinge brauchen). Kind weiß es auch nicht besser, also rätseln wir eine Weile, bis das richtige Heft in der Schule ankommt. Das ist ein organisatorisches Problem und ein Problem unserer Wohlstandsgesellschaft.

    • Danke Dina, das ist wohl wahr, das mit den speziellen Heften für spezielle Lehrer. Ich bin als Lehrerin dazu übergegangen, auf die Materialliste, die wir schon vor den Sommerferien ausgeben (sollen), gleich ein paar Reservehefte mit aufzuschreiben. Diese übrigen Hefte sammle ich dann am Schuljahresanfang ein und gebe sie bei Bedarf aus.

    • Wir achten in unserer Brennpunktschule schon darauf, dass die Eltern nicht zuviel anschaffen müssen und die Materialliste klein zu halten. Für Sozialschwache gibt es die Schulbuchausleihe und soweit ich weiß, bekommen sie vom Jobcenter Geld, um den Kindern Sachen kaufen zu können.
      Es ist sicherlich auch nochmal ein Unterschied, ob ich an deiner Dorfschule mit 12 Kindern in der Klasse unterrichte, die immer schön brav alles dabei haben, oder an einer Brennpunktschule mit 24 Kindern in der Klasse unterrichte und bei der Hälfte der Kinder fehlt irgendetwas. Da könnte man Bücher schreiben….

      • Es gibt dafür das Bildungs- und Teilhabepaket. Aber wie auch schon häufiger erwähnt, den Eltern sind die Bedürfnisse ihrer Kinder schlichtweg egal bzw. sie bekommen den Allerwertesten nicht hoch, um die benötigten Sachen anzuschaffen.

        Folglich bleibt nur eines über, die Materialliste mit Preisen zu versehen, die Antragsformulare für das BuT-Paket bei der ARGE und dem Sozialamt (FD Soziales) zu besorgen, auszufüllen und den Eltern nur noch zur Unterschrift vorzulegen …
        Aber den Einkommensnachweis kann man nicht für die Eltern erledigen – und schon hängt das Verfahren wieder.

        Das, worüber wir uns hier aufregen, ist ein vollkommenes Versagen der Schulträger. Es ist deren Aufgabe, austehende Beträge anzumahnen und die Gelder einzutreiben. Egal ob Umlagen für Klassenfahrten, Theaterbesuch, Kopiergeld, Bibliotheksbeitrag etc. die SuS erhalten einen Elternbrief mit den notwendigen Informationen einschließlich der Kosten. Das Geld wird von der Klassenleitung kassiert (bar oder bargeldlos über ein Klassenkonto). Kommt das geld nicht bis zum Zahlungsziel gibt es eine Zahlungserinerung von der Klassenleitung. Kommt das Geld dann immer noch nicht, geht der Vorgang an das Sekretariat der Schule weiter, das im Zuständigkeitsbereich des Schulträgers ist. Das bedeutet, die Stadt oder Gemeinde als Schulträger sind für das Mahnverfahren zuständig. Im Umkehrschluss bedeutet das eben auch, die Kommune muss erst einmal in Vorleistung treten und die Kosten vorstrecken. Nur so können die Sachen, die benötigt werden zentral angeschafft werden, ohne dass die lehrkräfte privat in Vorleistung treten müssen.

        Es kann nicht sein, dass die säumigen Zahlern die Lehrkräfte in die Rolle des Gläubigers bringen. Ich als Lehrkraft unterhalte keine Wirtschaftsbeziehung zu den Erzeugern des von mir beschulten Nachwuchses.

  4. Nitsirk Relühcs Dass die Kinder keine Materialien haben, liegt definitiv nicht am Gehalt oder Hartz 4 Satz der Eltern. Es ist Desinteresse und schlicht und einfach das Chaos im eigenen Leben, dass sich auf die Kinder überträgt. Sie schaffen es einfach nicht, das Pausenbrot, Schulbücher, Turnbeutel und Mäppchen organisiert zu bekommen. Gerade die sozialschwachen Schüler achten nicht besonders gut auf ihre Schulsachen. Lasse ich ein Kind, dass eh kaum Bildungschancen hat 2 Wochen lang nicht mitarbeiten, weil es kein Heft hat? Rufe ich die Eltern 3 mal an und schreibe 10 Mal ins HA-Heft, dass sie doch bitte einen Bleistift kaufen sollen? Da habe ich lieber alles in der Klasse und leihe es dem Kind aus. Verschenken sollte man es nicht, denn 2 Tage später ist es wieder irgendwo verbummelt….Ach, und das ist nicht plötzlich irgendein Trend. Das ist Realität in Schulen und zwar seit Jahren!!!

    • Gut auf den Punkt gebracht. Dieser Trend ist überall zu beobachten, egal wie groß die Stadt oder das Dorf ist. Größere Schüler können ja ihre Sachen selbst kaufen, sofern die Dinge vor Ort erhältlich sind (allerdings sind viele Schüler auch da nicht zuverlässig), aber die kleineren Grundschüler sind auf die Unterstützung durch ihre Eltern angewiesen. In den letzten Jahre ist mir zusätzlich aufgefallen, dass immer mehr Eltern spätestens beim Nachkauf von Heften sich nicht an die Vorgaben halten.

  5. Von den privaten Ausgaben, die die mangelnde Ausstattung der Schule ergänzen ganz zu schweigen.

  6. Könnte nicht etwa ausgerechnet werden was an Matrial nötig ist und dies im Voraus bei den Eltern einfordern. Dann allen die gleichen Hefter abgeben und eine Kartongschachtel mit dem Nötign Matrial in der Schule lassen. Zuhause ein Schreiber für Hausaufgaben. So haben die Eltern kein Stress…..:)

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