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Verbot von „Schreiben nach Gehör“ – Grundschulverband fordert Kretschmann auf: Schreiten Sie ein! Stoppen Sie die Kultusministerin!

STUTTGART. Kulturkampf im Ländle um „Schreiben nach Gehör“: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat den Grundschulen Lehrmethoden, bei denen Kinder zunächst nicht auf die richtige Rechtschreibung achten müssen, verboten – der Grundschulverband ist empört. Seine Landesvorsitzende, die Prorektorin der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd Prof. Claudia Vorst, fordert Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) jetzt in einem Brief auf, einzuschreiten und die Anordnung seiner Ministerin rückgängig zu machen. News4teachers dokumentiert den Inhalt des Schreibens.

Letzte Hoffnung für den Grundschulverband: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann. Foto: Bündnis 90 / Die Grünen / flickr (CC BY-SA 2.0)

Letzte Hoffnung für den Grundschulverband: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann. Foto: Bündnis 90 / Die Grünen / flickr (CC BY-SA 2.0)

Eisenmann hatte in einem Brief an die  Grundschulen das Verbot gerechtfertigt und dabei dargelegt, dass „richtiges Schreiben“ eine „Schlüsselkompetenz“ sei, die „wieder gestärkt werden“ müsse. Dies lege den Umkehrschluss nahe, so meint nun die Vorsitzende des Grundschulverbands, dass den Grundschullehrkräften unterstellt werde, die Entwicklung dieser Kompetenz vernachlässigt zu haben. Claudia Vorst widerspricht: „Die uns vorliegenden empirischen Untersuchungen zeigen, dass die Rechtschreibleistungen seit 2000 in der Sekundarstufe gleich geblieben, in der Grundschule sogar besser geworden sind.“

Die Ministerin stelle damit Unterrichtskonzepte, die von Anlauten ausgehen, ins Abseits. Diese würden ihr zufolge häufig zu einem unangemessen langen Verharren der Schüler in der Phase des alphabetischen Schreibens führen und somit einem frühen systematischen Rechtschreibunterricht entgegenwirken.  „Diese wissenschaftlich und didaktisch haltlose Aussage, die so tut, als gäbe es nur die erste Stufe des Schriftspracherwerbs, nicht aber die nachfolgenden orthographischen und morphematischen Strategien, bei deren Erwerb die Kinder in der Grundschule selbstverständlich differenziert unterstützt und angeleitet werden, ist nur befremdlich“, meint die Verbandsvorsitzende.

Debatte um Rechtschreibung: Grundschullehrer fühlen sich von Eisenmann zu Unrecht kritisiert und werfen ihr Einmischung in die Pädagogik vor

Auch widerspreche Eisenmann damit den Empfehlungen der KMK zur Arbeit in der Grundschule. Darin heiße es: „Beim Schriftspracherwerb ist das lautorientierte Schreiben ein Entwicklungsschritt auf dem Weg zum normgerechten Schreiben. Das Kind wird ausgehend von seinen lautorientierten Verschriftungen von Anfang an systematisch an das orthografisch korrekte Schreiben herangeführt. Orientiert an fundierten Modellen der Fachwissenschaft und Fachdidaktik unterstützt der Unterricht diese individuellen Entwicklungen.“

Mit ihrem Verbot bringe Eisenmann die Schulen, die Seminare für Didaktik und Lehrerbildung und die Weiterbildungsinstitutionen in eine schwierige Lage. „Denn der rechtlich bindende Bildungsplan trägt ihnen auf, aktuelle empirische Erkenntnisse aus der Lernforschung, der (Neuro-)Linguistik und der wissenschaftlichen Sprachdidaktik in ihren Unterricht einzubeziehen. Das Schreiben der Ministerin hingegen verlangt von ihnen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu vergessen und dem Bauchgefühl oder dem veralteten Kenntnisstand ihrer Ministerin zu folgen, die dem seit den 80-er Jahren widerlegten Fehlervermeidungsprinzip anhängt“, so schreibt Claudia Vorst. „Denn wir wissen längst, dass unser Gehirn völlig anders funktioniert, sehr viel beweglicher ist, dass sogenannte ‚Fehler‘ sich nicht unverzüglich einbrennen und dass Gelerntes viel nachhaltiger wirkt, wenn es in aktiver Auseinandersetzung mit den Gegenständen passiert.“

Krabbeln auch verbieten?

Nach derselben Logik müsse die Kultusministerin einem Kind, welches das Laufen erlernt, das Krabbeln verbieten, beim Spracherwerb auf korrekter Artikulation von Anfang an bestehen – oder Milchzähne als ineffektive Mittel zum Kauen gesetzlich untersagen. Die Verbandschefin: „Beim lautierenden Schreiben handelt es sich um einen notwendigen Entwicklungsschritt, der unterrichtlich zeitweilig unterstützt werden muss, und keinesfalls um eine Methode, die bis ins weit fortgeschrittene Grundschulalter hinein perpetuiert wird.“

Aus dem Verbot durch Eisenmann ergäben sich eine Reihe von – durchaus ernstgemeinten – Fragen:

  • „Dürfen die Grundschülerinnen und Grundschüler so lange keine eigenen Texte mehr schreiben, bis sie die Orthografie beherrschen? Dies wäre nicht vor Klasse 9, denn laut den Bildungsplänen (die hier wiederum der Forschung folgen!) ist dann erst das Erlernen der Rechtschreibung abgeschlossen.
  • Wie sollen Kinder Fehlersensibilität entwickeln, wenn sie nicht (mehr) über Schreibweisen nachdenken dürfen, sondern nur noch korrekte Schreibweisen einüben?
  • Kann es sich ein Land wie Baden-Württemberg leisten, sich bundesweit lächerlich zu machen, indem wichtige – und zum Teil jahrzehntealte – Forschungsergebnisse schlichtweg ignoriert werden?“

Den Grundschulverband hätten in den vergangenen Tagen zahlreiche entsetzte E-Mails und Anrufe von Schulen aus dem ganzen Land erreicht. Sie sähen sich unter den Generalverdacht gestellt, ihren fachdidaktischen Auftrag im Fach Deutsch nicht ernst zu nehmen. Vorst: „Der Rechtfertigungsdruck der Schulen, die nicht von Anfang an jedem Kind in jedem Fach jeden Fehler rot anstreichen wollen, sowohl vor den Eltern als auch in einer zunehmend populistisch geprägten Öffentlichkeit, wird enorm.“

Warum lasse die Ministerin sich von der AfD im Landtag treiben, anstatt die Schulen durch Fortbildungen zu unterstützen? „Dass uns jetzt noch die eigene Ministerin unprofessionelle Arbeit unterstellt und uns umgekehrt eine stammtischreife, populistische Lösung ans Herz legt nach dem Motto ‚Wir achten einfach jetzt mal wieder auf richtiges Schreiben‘, ist empörend“, meint Vorst.  Bundesländer, die sich laut aktueller Schulleistungsstudien verbessert hätten, investierten in Unterricht, in Fortbildung und in ihre Lehrkräfte. Vorst betont: „Unserer Meinung nach besteht hier für Baden-Württemberg dringend Handlungsbedarf. Wir brauchen Fortbildungen und kompetente Prozessbegleitung für die Schulen vor Ort für die Qualitätsentwicklung von innen.“

Eisenmann hatte ihr Verbot von „Schreiben nach Gehör“ auch mit dem schwachen Abschneiden Baden-Württembergs im IQB-Bundesländervergleich begründet. Danach sackte der einstige Primus auf hintere Ränge ab – von Platz 2 im Fach Deutsch beim Zuhören rutschten die Neuntklässler im Land auf Platz 14, beim Lesen von Platz 3 auf Platz 13 und bei der Orthografie vom zweiten auf den zehnten Rang.

Die Antwort von Kretschmann auf den Brief steht aus. Agentur für Bildungsjournalismus

Streit ums Schreibenlernen nach Gehör kocht wieder hoch – Online-Petition fordert Verbot der Methode

 

 

354 Kommentare

  1. Ich glaube inzwischen, Frau Eisenmann ist der einzige für Schulen zuständige Minister, der wirklich Hosen anhat und die Probleme von Grund auf anpackt. Die Reichen-Methode ist so, wie sie in BaWü streckenweise an Grundschulen praktiziert wurde, gescheitert. Und je eher daraus die Konsequenzen gezogen werden, desto besser.

  2. Schreiben nach Gehör ist wie Rechnen nach Gefühl. Kinder in der Schule, und darüber reden wir hier, haben einen Rechtsanspruch darauf, dass ihnen ein Erwachsener/ein Lehrer sagt, ob etwas richtig oder falsch ist, und Kinder wollen das normalerweise auch immer wissen.

    • „Schreiben nach Gehör ist wie Rechnen nach Gefühl.“

      Das ist plakativ und absoluter Quatsch.
      „Schreiben nach Gehör“ bezieht sich darauf, die Sinne und die Wahrnehmung zu schulen, sodass die Grundstrukturen der Sprache erfasst werden.
      Einen Post mit Links habe ich eben auf die Nachfrage von GriasDi eingestellt, wird aber vor dem Veröffentlichen zunächst redaktionell geprüft.

      • Plakativ und absoluter Quatsch?
        Wie war es dann möglich, dass die Schüler vor der Reichen-Methode die Grundstrukturen der Sprache erfassten und obendrein noch korrekt zu schreiben lernten? Waren die Lehrer früher tüchtiger oder sogar Zauberkünstler?
        Als noch beseren Werbespruch für Ihre Verteidigung der Reichen-Methode schlage ich die kurze, aber knackige Formulierung vor: „Schreiben nach Gehör“ fördert die Sprachkompetenz.
        „…die Sinne und die Wahrnehmung zu schulen, sodass die Grundstrukturen der Sprache erfasst werden“, wie Sie es ausdrücken, hört sich zwar toll und überlegen an, noch wirkungsvoller wäre jedoch die Verwendung des Kompetenzbegriffs. Im Bildungsbereich wird er meinem Eindruck nach sowieso weitgehend missbraucht für die Verschleierung oder Beschönigung von Leistungsdefiziten.
        Was die Schüler in den Kulturtechniken zum großen Teil noch leisten, ist zwar ziemlich beklagenswert, aber den Kindern werden dafür nach Ihrer Darstellung „die Sinne und die Wahrnehmung“ geschult und „Grundstrukturen“ beigebracht.
        Gibt es dafür Beweise oder nur Beteuerungen?

        Ich finde es brandgefährlich, wenn offensichtiche Schwächen im Bildungsbereich mit unbewiesenen, weil nicht nachprüfbaren, Zuwächsen in einer Sinnesschärfung und Erkennung von Grundstrukturen oder anderen Gewinnen schöngeredet werden. Das erinnert mich an Formeln von Glaubensgemeinschaften.

        • „Wie war es dann möglich, dass die Schüler vor der Reichen-Methode die Grundstrukturen der Sprache erfassten und obendrein noch korrekt zu schreiben lernten?“

          Woher machen Sie denn fest, dass es genau an dieser einen Methode liegt oder gelegen hat?
          Mehrfach habe ich mit anderen darauf verwiesen, dass diese Methode gar nicht so weit verbreitet ist, wie hier gerne behauptet wird. Dass Lehrkräfte durchaus mit den Kindern an der Rechtschreibung arbeiten und üben. Wortklauberer wegen operationalisierter Ziele muss ich dafür nicht betreiben.

          Hinweise auf ganz andere Gründe werden nicht gehört, nicht gesehen und abgetan. Schnell sind es dann wieder DIE LEHRER, die sich nicht kümmern, nicht tüchtig sind, jedem neuen Ansatz unreflektiert hinterher laufen, etc.

          Es wird absolut einseitig argumentiert und allein „DIE REICHEN-METHODE“ für etwas verantwortlich gemacht, das gar nicht durch diese Methode begründet sein muss.
          Meiner Beobachtung nach kann dies gar nicht der Grund sei, denn in meiner Region arbeitet kaum jemand nach Reichen, auch Spracherfahrungsansätze etc. werden wenig umgesetzt. Dennoch sind die Leistungen andere als vor 20 Jahren, andere als vor 10 Jahren … und die SuS, die in Klasse 1 sitzen, sind anders, als die vor 4 Jahren.

          Und ich behaupte: mit den Methoden „vor Reichen“ – wie hier immer so schön gesagt wird – würde man heute auch nicht sehr weit kommen, gerade weil die Kinder heutzutage mit anderen Lernvoraussetzungen kommen und andere Zugänge benötigen um das zu lernen, was früher für viel mehr Kinder selbstverständlich war.

          Dies zeigt sich im übrigen nicht allein in der Rechtschreibung, sondern in sehr vielen weiteren Bereichen. Da können die Reichen-Gegner ja mal auf die Suche gehen, welchem Gedanken sie dort den Schwarzen Peter zuschieben möchten, damit sie nicht über die wirklichen Hintergründe nachdenken müssen. Sonst könnte man noch dazu kommen, Schulen anderweitige Unterstützung zusprechen zu wollen und Kinder vorschulisch und in der Grundschule vehement zu unterstützen. Aber das ist ja offenbar nicht gewollt.

          Die Schwächen im Bildungsbereich sind brandgefährlich?
          Ja, finde ich auch.
          Aber genauso gefährlich finde ich es, sich mit Scheuklappen auf genau einen Aspekt zu stürzen und daran die Misere der Bildung festzuzurren.

          • Da ist viel wahres in ihren Ausführungen.Natürlich kann man die Lese- und Rechtschreibschwächen nicht allein auf diese eine negative Methode schieben.Was wir brauchen ist eine professionelle Sprachfördeung in Vorschulen und in den Kindergärten. Dazu müssten die Kindergärtnerinnen besser ausgebildet und bezahlt werden. Am meisten lernt man im ersten Lebensjahr und die Lernfähigkeit nimmt bis zum 15 Lebensjahr kontinuierlich ab. Umlernen ist schwieriger als von vornherein richtig zu lernen. Das sind alles Erkenntnisse aus der Hirnforschung (Manfred Spitzer, Güntürkün etc). Entscheidend ist aber auch, dass in der Familie mit den Kindern gelesen wird, Reimspiele gespielt werden, Lieder gesungen werden. Dadurch lernt man die Sprache, schärft das phonologische Bewusstsein der Kinder. Besonders wichtig ist es für Migranten-Kinder und Kinder aus einer Sprach fernen Umgebung. Leseübungen müssen aktiv in den Schulen und von den Eltern geleistet werden. Rechtschreiben lernt man durch schreiben, lesen befördert das Sprachbewusstsein, den Wortschatz und die Argumentationsfähigkeit.

          • Axel von Lintig

            Reichen hat aber bewusst auf die Vermittlung orthographischer Fähigkeiten verzichtet, dies sogar strikt abgelehnt. Es wäre Zeitverschwendung und würde einer Beamtenmentalität Vorschub leisten.
            Die Vermittlung der Orthographie wäre Ausdruck einer kollektiven Zwangsneurose.
            Die Kinder sollten sich eigenständig das Lesen durch eigenes Schreiben beibringen.

          • Den Weitblick, dadurch Generationen von LRS-Fällen zu erzeugen, hatte er offensichtlich nicht. Brauchte er auch nicht, weil er mit seinem Schreiben nach Gehör viel Geld verdienen konnte.

          • Axel von Lintig

            Wo sind Kurse in Linguist und Orthographie vorgeschrieben.
            Diese Bereiche gehört zum Grundwerkzeug eines Lehrers, so wie die Anatomie und die Physiologie des Menschen beim Arzt.
            Wer ist für die Vermittlung dieser Kenntnisse an den Hochschulen zuständig?

          • Axel von Lintig

            Wo sind Kurse in Linguist und Orthographie für angehende Lehrer vorgeschrieben ?
            Diese Bereiche gehörten zum Grundwerkzeug eines Lehrers, so wie die Anatomie und die Physiologie des Menschen beim Arzt.
            Wer ist heute für die Vermittlung dieser Kenntnisse an den Hochschulen zuständig?

        • Axel von Lintig

          g.h.

          Die Lehrer waren früher besser ausgebildet und sehr engagiert.
          Es wurde sehr viel mehr mit den Schülern gelesen und eine direkte Hilfestellung bei der Umsetzung der Sprache in die Schriftsprache des lateinischen Alphabets geleistet.
          Auch war die Vermittlung der Unterrichtsinhalte viel mehr Lehrer zentriert und dem Schüler direkt zugewandt, als Hilfestellung mit direkter Instruktion.
          Diese Generation von Grundschullehrern verstand sich noch als echte Lehrmeister ihres Faches und wurde auch so angenommen und hoch geachtet.
          Es wurde versucht eigentlich alle Schüler mitzunehmen.Ein direkter austausch mit den Eltern fand zur Unterstützung statt.
          Mit viel akribischer Arbeit mit den Schülern wurden in einem mütterlichen oder väterlichen Arbeitserhältnis in meiner Jugend die Lerninhalte vermittelt.
          Am rechten Niederrhein und in Rendsburg/Schleswig-Holstein wurde nicht geschlagen.
          Etwas anders lief der Unterricht anscheinend im Münsterland, am linken Niederrhein und anderen in schwarzen Ecken Deutschlands ab.
          Das erklärt wohl auch den energischen Willen jener Reformpädagogen um Häns(chen )Brügelmann und Norbert Sommer-Stumpenhorst.
          Die persönliche Lebenserfahrung hatte dort anscheinend entscheidenden Einfluss auf deren Denkweise.
          Sommer-Stumpenhorst Lernkarten liefern ein Psychogramm dieses Ungeistes dieser kleinbürgerlicher Denkweise.(„Der Teufel ist böse.“etc.)
          Da „lernen“ die Schüler noch „etwas fürs Leben“. Dümmer gehts nimmer.(Siehe auch -grundschulservice- Jansen elternbriefe.)
          Deshalb gehören deren Methoden erst Recht abgeschafft als Teil einer absurden Vergangenheitsbewältigung jener „Pädagogen“, die in ihrer Heil bringenden,Widerspruch feindlichen Art es verstanden, gewinnbringend ihre Methoden an den Mann zu bringen.
          Wir Eltern lassen uns diese Art der unterlassenen Hilfeleistung nicht mehr bieten und pochen zu Recht auf valide, wissenschaftlich fundierte Unterrichtsmethoden gegen eine ideologisierte Unterrichtspraxis dieser verschroben denkenden Heilsbringer.

          • Ja und – früher war eben alles noch aus Holz.
            Nur die Ausbildung der lehrkräfte war nicht besser und nicht schlechter. Lediglich der Vorbereitungsdienst war ein halbes Jahr länger.
            Wenn Ihr Kind – wie sa ständig berichten – an einer FöS unterrichtet wird, dann hat es ja keine „Lehrer“ sondern „Sonderpädagogen“, die es unterrichten. Folglich frage ich, wie Sie vom Berufsbild der Sonderpädagogen auf das „grundständiger Lehrkräfte“ schließen.

            Ebenso macht die Polemik gegen die derzeitige Landesregierung wenig Sinn, die Anlauttabelle, mit deren Hilfe den Kindern im ersten Schuljahr der GS Lesen und Schreiben beigebracht werden soll, wurde vor mehr als 10 Jahren ebenso wie das G8 in NRW unter einer anderen politischen Federführung initiiert. Aber die Partei, die damals das Bildungsresort verantwortet hat, reagiert heute nach der Devise ihres politischen Übervaters „Was stört mich mein dummes Geschwätz von gestern“.

          • Axe3l von Lintig

            Aber getragen wurden diese Veränderungen und Reformen von allen in diesen Jahren an der Regierung beteiligten Parteien.
            Nebenbei bemerkt habe ich fünf Kinder in ihrer Schullaufbahn zu begleiten und meine Mutter, sowie weitere Verwandte waren Grundschullehrer und durften die Umbrüche kritisch mitbegleiten.
            So gesehen hat man einen recht guten Einblick in die veränderten Lehrmethoden erhalten.
            Und die Stadt Beckum und andere Orte in NRW haben nicht derart hohe Anteile an Kindern mit einem Migrationshintergrund, wie die Städte im Ruhrgebiet.
            Ich weiß auch, dass in Ruhrgebietsstädten viel intensiver, im Sinne einer direkten Instruktion mit Feedback, mit den KLindern gearbeitet wird.

          • Axel von Lintig

            Der frühere bildungpolitische Sprecher der CDU im Düsseldorfer Landtag, Bernhard Recker aus Ahlen, hat damals für die Rechtschreibwerkstatt des Norbert Sommer-Stumpenhorst im Düsseldorfer Landtag geworben (www.grundschulservice- elternbriefe-Jansen).

          • Nur ist Beckum auch nicht die Stadt der Glückseligen und die Migrationsquote nicht so gering.
            Was NRW betrifft sind die Parteien in der Schulpolitik – außer in den Fragen der Schulstruktur – eh nur Erfüllungsgehilfen. Spätestens seit B.S. ist der Einfluss der B-Stiftung übermächtig. Dazu muss man sich nu, um ein einfaches beispiel aufzuzeigen, die Kriterien für SEIS ansehen, die als Selbstevaluationskriterien für Schulen 1:1 übernommen worden sind (auch wenn das Programm mittlerweile tot ist).

          • Man kann es sich auch schön reden!

            „Die Lehrer waren früher besser ausgebildet…“
            Aha. Ich erinnere mich an Unterricht von kaum ausgebildeten Lehrern in etlichen Fächern und weiß, dass es davor eine Menge Menschen gab, die nach dem Krieg versorgt werden mussten und auf Lehrerstellen gesetzt wurden.

            „…und sehr engagiert.“
            Und heute nicht mehr? Hm.
            Woran könnte es liegen? Wie viel Bürokratie sie wohl zu bewältigen hatten, wie viele zusätzliche Aufgaben ihnen aufgebürdet worden waren? Als Lehrer verbringt man heutzutage höchstens die Hälfte der Arbeit mit Tätigkeiten rund um den Unterricht, alles andere kommt noch hinzu, wird aber selten von Außenstehenden bemerkt. Entweder die Arbeitswoche hat durchgängig 60 oder mehr Stunden oder man muss an irgendeiner Stelle Abstriche machen.

            „Es wurde sehr viel mehr mit den Schülern gelesen“
            Ja, 25 SuS hörten zu, wie ein weiterer stotternd die halbe Seite bewältigte, vorgeführt wurde und ein Donnerwetter bekam. Alle hatten gleichzeitig auf der gleichen Lesebuchseite zu tun. Es war früher so viel besser! In meiner Beobachtung hat die Leseförderung in den letzten 15 Jahren erheblich gewonnen, obwohl viele Kinder zu Hause nur wenig Zugang zu Schrift und Büchern haben, eher läuft der Fernseher rund um die Uhr.

            „Auch war die Vermittlung der Unterrichtsinhalte viel mehr Lehrer zentriert…“
            Stimmt, der Lehrer gab das Tempo vor und die Schüler hatten zu folgen, ob sie konnten oder auch nicht. Wer nicht Schritt hielt, war nicht mehr lange da.

            „…und dem Schüler direkt zugewandt, als Hilfestellung mit direkter Instruktion.“
            Es gab Hilfestellung vom Lehrer. Ja, für einzelne. Heute gibt es auch noch Hilfestellungen und erheblich mehr Differenzierung, sodass man den Schülern ganz anders zugewandt ist, sie anders im Blick hat und sich viel mehr um einzelne, ihre Fähigkeiten und Förderung kümmert.

            „Diese Generation von Grundschullehrern verstand sich noch als echte Lehrmeister ihres Faches und wurde auch so angenommen und hoch geachtet.“
            Ja, „Lehrmeister“ ist man wohl heute nicht mehr, die Zuordnung zu „einem Fach“ hatten Grundschullehrer sicherlich nie – sie sind Zehnkämpfer!
            Die Achtung ist vermutlich häufig nicht mehr so hoch wie beim Dorfschulmeister, aber auch der musste früher aufpassen, dass er nicht den Knüppel zu spüren bekam.
            Insgesamt wurde vermutlich eher auf die Stimme des Lehrers gehört und Erziehung wurde als solche angenommen. Heute erziehen Eltern und Lehrer aneinander vorbei und SuS wissen genau, wie sie beide gegeneinander ausspielen können.

            „Es wurde versucht eigentlich alle Schüler mitzunehmen.“
            Ach so. Darum gab es auch Förderunterricht, der vor etlichen Jahren gestrichen wurde um die Statistik der Unterrichtsversorgung zu beschönigen. Vertretungsreserven gibt es auch nicht mehr, Vertretungsunterricht ist in etlichen Ländern eine Betreuung durch pädagogische Hilfskräfte.
            Die Schüler wurden nicht alle mitgenommen. Ärzte haben früher nicht jedes Kind bei der Schuluntersuchung durchgewunken. Zurückstellungen gab es häufiger und sie konnten auch zu Beginn der 1. Klasse noch vollzogen werden.
            Wer es im Unterricht nicht schaffte, wiederholte die Klasse. Und wer es immer noch nicht schaffte, war nach spätestens 3 Jahren auf der Förderschule, die auch als Abstellgleis geführt werden konnte (nicht unbedingt musste). Die Förderschüler waren nach 3 Jahren Regelunterricht so desillusioniert, dass sie erst wieder aufgebaut werden mussten, um überhaupt zu merken, dass sie etwas können.
            Aber Förderschüler hatten immerhin eine Aussicht auf das Erlernen eines Berufs und eine Anstellung.

            „Ein direkter austausch mit den Eltern fand zur Unterstützung statt.“
            Ja, den direkten Austausch versucht man heute auch noch. Aber Eltern sehen sich nicht immer in der Pflicht oder sind – wie früher – nicht dazu in der Lage, ihren Kindern zu helfen, oder sie arbeiten lieber gegen die Lehrkraft als mit ihr. Ob die Methoden des „Schulmeisters“ auch so sehr in Abrede gestellt wurden?

            Es ist erstaunlich, dass immer wieder schwarz-weiß-Denken die Oberhand gewinnt und differenziertes Betrachten offenbar nicht einmal in Ansätzen gelingt.

          • @ Axel von Linti:
            Ich wurde 1970 eingeschult. Mein Grundschullehrer hat Ohrfeigen erteilt, das einem der Kopf schellte. Gearbeitet hat er prinzipiell nur mit den Akademikerkindern, die anderen hat er links liegen lassen. Wir hatten Angst zu fragen, wenn wir etwas nicht verstanden hatten. Die Gymnasialempfehlung bekamen von ihm auch nur Akademikerkinder. Meine Eltern haben sich darüber hinweggesetzt. Austausch mit den Eltern gab es nur in der 4. Klasse zur Grundschulempfehlung. Da anzurufen, hätte sich sowieso niemand getraut. Es gab weder Kinder mit Migrationshintergrund, noch Inklusion, LRS oder Rechenschwäche. Wenn man nicht mitkam, war man einfach dumm und blieb sitzen. Wenn es schlimmer war, kam man auf die Sonderschule. Hab ich was vergessen? Lesestunden habe ich gehasst. Wie kann man nur so schlecht lesen, dachte ich und war mit den Gedanken überall sonstwo. Das gleiche Lesestück eine ganze Woche lang. Und das ist besser? Achja, die Versuche im Sachunterricht hat er am Lehrerpult gemacht. Vorne saßen seine Lieblinge. Wir anderen hatten keinen Plan, was er da eigentlich macht.

          • Axel von Lintig

            mississippi

            Die Verknüpfung der schwarzen Pädagogik des Schlagens und eines autoritären Fühungsstils wäre auch mit „Lesen durch Schreiben“ möglich.
            Man muss den Unterrichtstil von der Methodik trennen, weil beides nicht zwangsläufig zusammen gehört.
            Eine Instruktion und ein strukturierter Schrifsprachaufbau gelingen in einem offenen und zugewandten Umfeld wesentlich besser als in einem autoritären Umfeld, wie Sie es in ihrer Kindheit erfahren mussten.
            Die Kinder erwarten Hilfen und Erklärungen vom Lehrer.
            Als unheilvoll erweist sich auch für mich die Verknüpfung des Schriftspracherwerbs mit dem Erlernen des Lesens.
            Beides sind zwei vollkommen verschiedene Kulturtechniken, die nur indirekt miteinander verbunden sind.
            Mir haben die Ausführungen mit seinen Untersuchungen von Herrn Prof. Günther Thomée sehr geholfen (ABC und andere Irrtümer zu Legasthenie, Rechtschreibung und LRS).
            Es besteht ein indirekter Zusammenhang zwischen beidem, die sich indirekt beeinflussen.
            Man lernt das Schreiben durch die Übungen und Einübungen im Schreiben.
            Durch das automatisierte Lesen werden die Schüler sehr viel schneller in die Lage versetzt sich selbstständig Wissen anzueignen, der sprachliche und schriftliche Ausdruck wird gefördert und es gelingen wesentlich komplexere Verschriflichungen.
            Als Lehrerin können Sie diesen Vorgang steuern und beschleunigen ihn mit gezielten Einübungen zu Satzanfängen, Wortfeldern, dem Einüben von Konjunktionen, und mit all den Formen der Verschriftlichung wie Briefen, Bildgeschichten, eigenen Erzählungen und was es sonst noch alles gibt.

      • … und „Rechnen nach Gefühl“ bezieht sich darauf, die Sinne und die Wahrnehmung zu schulen, sodass die Grundstrukturen der Zahlen erfasst werden.
        …wer’s noch nicht gemerkt hat: das ist natürlich EBENFALLS Quatsch!…

      • Die Buchstaben des ABC bilden nicht die Laute der deutschen Sprache ab.Beim Lesen durch Schreiben, dem Spracherfahrungsansatz nach Brügelmann und anverwandten Methoden , wird bewusst auf eine Instruktion und eine gezielte Hinführung zu einer korrekten Schreibweise verweigert und auf eine gezielte Vermittlung der Hauptgrapheme verzichtet. Es handelt sich um Methoden einer unterlassenen Hilfeleistung durch die Verweigerung der Vorgabe der korrekten Schreibweise und eine gezielte Irreführung der Schüler, in dem ihnen vermittelt, wird alleine nach Gehör zu richtig schreiben zu lernen.
        Für den Laut T gibt es mehrere Grapheme: Das t in rot, tt in Ratte,d in Wald,dt in Stadt,th in Theater.Der Laut K als Graph K in Kalb,Ch in Christ, ck in Hacke etc. Es gibt alleine 19 verschiedene Vokale , wenn man die Hauptvokale in Kurz- Langvokale, den Schwalaut e in den Endsilben, sowie die verschiedenen Doppelvokale einbezieht. Für eine zielgerichtete Vermittlung der richtigen Schreibstrategie ist es aber wichtig zu wissen, dass nach einen Kurzvokal ein Doppelkonsonant folgt. Beispiele. Qualen- Quallen, Maßen,-Massen, kamen-kommen etc. Das kann man sehr gut mit den Kindern herausarbeiten. Genauso wie man die Wortfelder und überhaupt den Sprachaufbau in einem direkten Unterricht gemeinsam für die Kinder sehr interessant und abwechslungsreich erarbeiten kann.Wenn nach der LdS-Methode falsche Schreibungen, seien es Wortruinen , mit einem smile versehen werden , oder erklärt wird die korrekte Schreibweise wäre die der Erwachsenen, vermittelt man den Kindern, dass es verschiedene Schreibweisen gibt.Außerdem nimmt man ihnen die Möglichkeit aus Fehlern lernen zu können, und diese müssen gemacht werden.Wenn , wie hier in NRW in den ersten zwei Schuljahren nicht verbessert wird ,festigen sich die falschen ,eigenen Regeln zum Schreiben in ihren Gehirnen. Wir wissen aber aus der Hirnforschung, dass Umlernen deutlich schwieriger ist als es von vorn herein richtig zu erlernen.

        • Ja, und diese sprachwissenschaftlichen Aspekte sollte man studiert haben und in Bezug zur phonologischen Bewusstheit setzen können. Das genau ist das Fachwissen, das Grundschullehrkräfte für den Erstunterricht benötigen, zusammen mit der Pädagogik, wie man Kindern die Schrift als Abbild der Sprache vermittelt.
          Dazu gehört dann eben auch die Erkenntnis, dass Grapheme Phoneme visualisieren. Handelnd entdecken die SuS dann, dass die Korrespondenz der beiden Systeme nicht immer eindeutig ist. Dennoch braucht es die Erfahrungen der alphabetischen Strategie um überhaupt das Schriftsystem an sich verstehen zu können. Es ist m.E. eine Hauptaufgabe im Erstunterricht, die SuS anzuleiten, Phoneme wahrzunehmen. Die Vermittlung dessen ist nicht so leicht, wie von vielen gedacht, nicht allein wegen der oben beschriebenen Vielfältigkeit, sondern auch, weil phonologische Voraussetzungen oder andere notwendige Wahrnehmungsleistungen nicht gegeben sind oder die Sprache nicht beherrscht wird. Auch dies ist durch die Lehrkraft im Unterricht zu berücksichtigen.
          Positive Verstärkungen werden dann den Kindern gegeben, wenn sie in ihrer Schreibentwicklung voranschreiten. Dies kann bereits der Fall sein, wenn sie Silbenanzahl, Anlaut oder Vokal richtig erkennen, auch wenn das Wort an sich noch nicht vollständig richtig abgebildet werden kann. Wer diese grundlegenden Fähigkeiten nicht beherrscht, wird mit Vokallängen überfordert sein und beim Abschreiben nur Zeichen abmalen, nicht aber verstehen, worum es geht. Es braucht eine sehr enge Begleitung der Lehrkraft gerade zu Beginn des Lernens und die ersten Schreibleistungen der SuS geben eine Menge Anhaltspunkte, worin Unterstützung zwingend notwendig ist.

          • Axel von Lintig

            Ihre Ausführungen sind stimmig. Leider gibt es auch weniger gut ausgebildete Lehrer wie Sie.Wenn man ohne Korrekturen im Anfangsunterricht arbeitet werden sich bein den Schülern strukturelle Fehler einschleichen,welche sich nur schwer abtrainieren lassen.

      • Wir Eltern haben in den staatlichen Schulen einen verfassungsgemäßen Rechtsanspruch auf einen strukturierten, Wissenschaft basierten Unterricht.Die Marburger Kleinstudie von 2002 bis 2004 ,geleitet von Gerd Schulte-Körne wies in einer Vergleichsstudie zwischen drei Gruppen, die erste mit einem strukturierten, analytisch-synthetischen Schreiblehrgang von Metze (Lollipop-Fibel) mit zweiten, der Rechtschreibwerkstatt (Lesen durch Schreiben) des Schulmaterial-Unternehmers Norbert Sommer-Stumpenhorst (Marienstraße/Beckum) und einer dritten, von Lehrern gestalteten Unterrichtgruppe ,das Versagen von Lesen durch Schreiben nach. In der Rechtschreibwerkstatt-Gruppe wren nach zwei Jahren 23 % Rechtschreibversager festzustellen, in der Lollipop-Fibelgruppe nur 3 % Rechtschreibversager. Trotzdem wurde LdS in NRW von einflussreichen Ministerialdirigenten in Düsseldorf unterstützt , in NRW flächendeckend eingeführt. Dazu kann man auch Rüdiger Urbaneks Tinto zählen.Dünnere Bretter kann man nicht mehr bohren. Wie mit diesen „Werken“ das Lesen und schreiben vermittelt werden soll ist mir schleierhaft.Ohne wissenschaftliche Prüfung werden hier diese Werke für den Unterricht frei gegeben. NRW rangiert zu recht an der drittletzten Stelle im Ländervergleich.

        • Sie überschätzen den Einfluss von Ministerialdirigenten. Die sind zwar B6 mt Zulage besoldet, gibt aber nicht so viele. Im übrigen macht das Bildungsministerium nichts, was nicht von der B.-Stiftung lanciert worden wäre.

          • Norbert Sommer-Stumpenhorst hat hier vor 15 Jahren im Kreis seine Rechtschreibwerkstatt in den Grundschulen breit vor den Eltern und Lehrern vorstellen dürfen.Das weiß ich von damals betroffenen Eltern. Außerdem wurden Fortbildungsveranstaltungen für Grundschullehrer abgehalten, für die anwesende Lehrer Freistunden erhielten. Unterstützt wurde das ganze von befreundeten Schulpsychologen.
            Unterstützt wurde alles von Schulministerium.

          • In diesem Zusammenhang lohnt es sich auch mal die Internetseite von einem ehemaligen Lehrer ,Herr Jansen, der später bis zur Pensionierung im Schulministerium beschäftigt war. elternbriefe -grundschulservice-

        • @ Axel,

          noch eine Frage dazu: „Wir Eltern haben in den staatlichen Schulen einen verfassungsgemäßen Rechtsanspruch auf einen strukturierten, Wissenschaft basierten Unterricht.“

          Ich bin sehr für einen strukturierten Tagesablauf und ebenso Unterricht für Kinder. Nur wundert mich der Verweis auf Verfassung. Wo steht denn sowas in der Verfassung (Grundgesetz).

          Normalerweise gilt für die Unterrichtspraxis die „pädagogische Freiheit“ des Lehrers, d.h., er entscheidet zwar nicht das WAS, aber das WIE ! Das ist mir selbst sehr wichtig, denn es gibt mir das Recht, gewisse neue Moden nicht mitmachen zu müssen.

          • Nur setzt das GG in diesem Kontext keine Maßstäbe. Dafür müssen schon die jeweiligen Landesverfassungen herangezogen werden.

          • Gemeint war das Üben von Diktaten. Und natürlich habe ich mit ihm Lesen geübt. Ich habe das Intra-Act Konzept und den Kieler Leseaufbau erst durch suchen im Internet gefunden.Es sind zwei Konzepte, deren Wirksamkeit nicht nur empirisch bewiesen ist. Das Lesen von Silben führte ich maximal 3 x in der Woche maximal 5 Minuten durch, indem ich mit einer Schablone (ein Blatt Papier mit einem kleinen Ausschnitt in der Größe einer Silben)über die Silbentafel schob. Die Kinder prägen sich die Silben im visuellen Cortex ein und erkennen diese beim erlesen von anderen Texten subcortical wieder, das heißt sie brauchen nicht ihr Arbeitsgedächtnis aktivieren und können sich mit diesem auf den Inhalt des Textes konzentrieren.Mir wurde von den Lehrern vorgehalten es wäre eine veraltete Methode.Ich sage Ihnen aber das sie sehr gut hilft.In Ergänzung erfolgt dann noch das abgestufte erlesen von silbierten Wörtern ohne visuelle Hilfen, wie Bilder. Und schließlich werden einfache Texte gelesen in aufsteigender Schwierigkeit.
            Natürlich entscheiden sie selbst, wie sie unterrichten.Das will Ihnen auch keiner bestreiten. Und wenn sie den Unterricht wohl strukturiert aufbauen, mit den Kindern den Unterrichtstoff lebendig in einer emphatische Atmosphäre erarbeiten , mit vorausgehenden Erklärungen vor eigenständigen Arbeiten der Schüler,dann entsprechen sie doch auch dem Gleichbehandlungsgrundsatz vor dem Grundgesetz Artikel 3.
            Grundschullehrer sein erfordert in den ersten zwei Jahren sehr viel Arbeit und Steuerung der Schüler mit feedbach, das heißt auch Fehlerrückmeldung, einüben, üben.Setzen sie doch die Hattie-Studie um. Alles Methoden, die einen größeren Effekt als 0,4 haben sind gut wirksam.

          • @ Axel,

            das meinten Sie mit „verfassungsmäßigem Recht“?

            „Und wenn sie den Unterricht wohl strukturiert aufbauen, mit den Kindern den Unterrichtstoff lebendig in einer emphatische Atmosphäre erarbeiten , mit vorausgehenden Erklärungen vor eigenständigen Arbeiten der Schüler,dann entsprechen sie doch auch dem Gleichbehandlungsgrundsatz vor dem Grundgesetz Artikel 3.“

            Naja, bei aller Sympathie für Ihre Ansichten, ich denke, das ist viel zu vage / schwammig / auslegbar. Im Übrigen sagen die Juristen auch: Gleiches soll gleich und Ungleiches soll ungleich behandelt werden.

          • Art. 3

            (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

            (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

            (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

            „Natürlich entscheiden sie selbst, wie sie unterrichten.Das will Ihnen auch keiner bestreiten. Und wenn sie den Unterricht wohl strukturiert aufbauen, mit den Kindern den Unterrichtstoff lebendig in einer emphatische Atmosphäre erarbeiten , mit vorausgehenden Erklärungen vor eigenständigen Arbeiten der Schüler,dann entsprechen sie doch auch dem Gleichbehandlungsgrundsatz vor dem Grundgesetz Artikel 3“

            Den Artikel 3 habe ich voran gestellt. Der Sinnzusammenhang zu einer Unterrichtssituation erschließt sich mir hinten und vorne nicht. Hinzu kommt, dass ich Integrations- und Inklusionschüler eben nicht gleichbehandeln darf. Sie sind teilweise per Erlass und Schulgesetz von der Gleichbehandlung befreit.

          • stimmt. weiter gedacht widerspricht individuelle Förderung auch dem gleichbehandlungsgesetz.

          • @ Axel,

            ich schließe mich dickebank (selten genug kommt das vor) und xxx an.

            Bleibt also festzustellen, dass aus dem Grundgesetz kein „verfassungsmäßiges Recht“ auf … (worauf genau eigentlich? auf strukturierten Unterricht?) abgeleitet werden kann.

            Nichts für ungut. Es hatte mich nur interessiert, wo das im Grundgesetz stehen soll.

          • In Artikel 3 Absatz 3 steht aber auch, dass niemand wegen seiner Herkunft benachteiligt werden darf. Das geschieht aber, wenn ich Schulkinder beim Lese- und Schreiberwerb alleine lasse und dann die Kinder der Bildungsbürger Nachhilfen geben. Um Gleichheit zu schaffen muss die Schule die unterschiedlichen Chancen ausgleichen. Wir dürfen die Benachteiligten nicht abhängen. In meiner Schulzeit von 1966 bis 1980 waren alle meine Freunde Kinder von Arbeitern. Diese wurden durch unser sehr gutes Bildungssystem so gut gefördert, dass sie alle Abitur machten. Es gab keine explosionsartige Vermehrung von Einser Abituren gepaart mit einem großen Feld von Schülern mit schlechten Abi-Abschlüssen .Da müssen wir wieder hinkommen um unsere Demokratie zu stärken. Es steht sehr viel auf dem Spiel.Es darf nicht sein, dass wie in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 25 $%der männlichen Schulabgänger keinen Schulabschluss haben. Das macht den Artikel 3 Abs 3 des Grundgesetzes aus.

          • @ Axel, Sie verrennen sich da gerade etwas (Grundgesetz). 🙂 Es sind grundsätzliche, aber deshalb auch recht allgemein gehaltene Aussagen. Die „Durchführungsbestimmungen“, Gesetze, Verordnungen, Erlasse, Richtersprüche regeln die Details. 😉

            Ihre Argumentation erinnert mich an die „Freiheitsberaubung“, die kürzlich dem Musiklehrer Philipp Parusel vorgworfen wurden, weil er sich Kindern in den Weg stellte, die nach Schulschluss, aber ohne seine Erlaubnis einen Raum verlassen wollten. Freiheitsberaubung wäre dann aber in einer undifferenzierten Auslegung wie bei Ihnen oben auch, wenn ich Schüler dazu zwinge, an meinem Unterricht teilzunehmen und ich sie dazu im Raum „festhalte“, sie es aber eigentlich gar nicht wollen.

            Bleiben Sie bei Ihren anderen Argumenten. Die waren besser.

          • Axel von Lintig

            Nein, es geht um den verfassungsgemäßen Auftrag zur Vermittlung von Bildung unabhängig von der Herkunft,

          • Richtig „Bildung und Erziehung“. Dabei heben das GG und die Landesverfassung den Vorrang der Eltern bei der Erziehung besonders hervor.
            Durch die bestehende Schulpflich obliegt der Bildungsauftrag entsprechend der jeweils geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen (siehe für NRW die BASS) dem Staat.

            Den Eltern steht es frei, sich an der Schulen ihrer Kinder beratend in die Arbeit der Fachkonferenzen einzubringen. Es hat aber gute Gründe, dass der Gesetz- und Verordnungsgeber den ltern respektive Erziehungsberchtigten kein Abstimmungsrecht einräumt.

            Was Sie unter dem Rechtsanspruch auf „gleiche Bildung“ versuchen einzufordern, würde die zieldifferente Unterrichtung von Schülern mit Förderbedarf Lernen a priori ausschließen bzw. ad absurdum führen.

            Der Bildungsauftrag muss nämlich einer in ihrer Heterogenität so noch nicht dagewesenen Schülerschaft gerecht werden können, ohne – und das ist das wichtigste – die staatlichen und kommunalen Haushalte höher zu belasten.
            Die von den Eltern ja eingeforderte individuelle Förderung heißt dann eben nicht auch, dass alle dermaßen gefördert werden, dass sie das selbe Ziel erreichen können. Sie werden vielmehr dahingehend gefördert, dass sie individuell festgelegte Ziele erreichen können.

          • @ dickebank

            So kann man es auch sehen, ist aber in der Konsequenz weder von der Politik, den Elternverbänden und den Bildnugsforschern so gedacht worden. Dann muss man beim Elternsprechtag ja knall hart auf die Frage, weshalb das hochbegabte Kind nur so schlechte Noten hat, antworten „Ich fördere Ihr Kind individuell auf den MSA ohne Quali, weil es zu mehr nicht reicht. Andere Kinder der Klasse werden auf das Abiturniveau vorbereitet mit anderen individuell auf sie zugeschnittenen Material. Den Bildungsplan haben ich Ihnen ja schon vor Wochen ausgehändigt.“

          • @xxx
            Genauso ist es. Wie Sie wissen bin ich an einer GeS eingesetzt. Die Vorbereitung des Schulabschlusses begint ab Ende der Klasse 5 mit der Sprachwahl (2. Fremdsprache) bzw. der Wahl des WPI-Faches.
            Ab Ende der Klasse 6 kommen die Einstufung in den Fächern E und M in E- und G-Ebene – also Erweiterungs- oder Grundniveau. Am Ende der Klasse 7 die in D und am Ende der Klasse 8 in Chemie oder Physik, je nachdem ob es eine Chemie- oder Physikschile ist. b Ende der Klasse 9 kann nicht mehr gestuft werden.
            Im Prinzip ist also Anfang der 9. Klasse klar, wohin die Reise geht. Deshalb gibt es ab der 9 halbjählich Abschlussprognosen, damit die Schüler und ihre Eltern erkennen können, welcher Schulabschluss bestmöglichst erreicht werden kann.
            Wenn am Ende der 9 die Versetzung in Klasse 10 erreicht ist, ist der erste berufsqualifizierende Abschluss erreicht. Über dei Anzahl der E-Kurse und die in den Fächern der Fächergruppe I und II )vulgo Haupt- und Nebenfächer) erreichten Leistungsstände wird am Ende der 10 über den SekI-Abschluss entschieden.

            Die von Ihnen überspitzt dargestellte individuelle Förderung findet dadurch statt, dass ggf. durch Förderkurse versucht wird, die Schüler an ein ihrem Vermögen entsprechendes leistungsniveau heran zu führen. Dazu gehört eben auch sie ggf. aus E-Kursen heraus zu nehmen und abzustufen.

      • Palim

        Plakativ ist richtig. Allerdings bedarf es der Vermittlung der Vokaldifferenzierung (Lang- Kurzvokal) und der direkten Heranführung des Schülers an die Verwendung der korrekten Grapheme zur Übertragung der Schrift in die Sprache.
        Das Arbeiten mit der Anlaut-Tabelle in Verbindung mit Bilder verhindert die direkte Verbindung zwischen dem Buchstaben und dem Phonem, die Neigung zum Erraten des Lautes wird gebahnt. Diese bunten Bildchen behindern den Aufbau des kindlichen Sprachspeichers, der direkten Zuordnung des Graphems (Buchstaben oder Buchstabencluster, z.B.sch) zum Phonem (Laut).
        Eine Automatisierung im Lese- und Schrifterwerb wird behindert und verzögert.
        Weiter verhindert die unterschiedliche Schreibweise der selben Wörter den Automatisierungsprozess beim Schriftspracherwerb.
        Antrainierte Fehler im Schriftspracherwerb verzögern und behindern den weiteren Fortschritt der Schüler, Fehler organisch in Synaptischen Verbindungen hinterlegt und diese sind schwer abzutrainieren und resistent gegen Veränderungen.
        Lernmotivation hängt auch vom Lernerfolg ab. Wenn dann in der dritten Klasse die bisher antrainierten rein „Laut“-orientierten Strategien zur systematisch falschen Verschriftlichungen geführt haben, da ja nicht von der Seite des Lehrers interveniert wurde und die Grapheme auch nicht gezielt vermittelt wurden, so setzt in der dritten Klasse die Frustration beim Schüler ein. Er hat das Gefühl betrogen worden zu sein und hat große Probleme wieder umzulernen.

        • Fehler sin organisch…

          • Palim

            Das Modell von Glaser und Glaser aus der Psychologie beschreibt das Vorhandensein zweier Sprachspeichersystem im menschlichen Gehirn. Den Bedeutungsspeicher und das Sprachspeichersystem für Lesen,Schreiben, Sprache und Sprache verstehen.
            Beide sind nur unmittelbar verbunden.
            Bevor wir unser Sprachsystem aufbauen können wir Dingen Bedeutungen zuordnen, die im Bedeutungsspeicher durch Erfahrungen hinterlegt wurden.
            Das Modell von Glaser und Glaser erklärt gut den bekannten Stroop-Effekt. Erlesen wir die geschriebenen Farben rot, blau, grün,gelb, wobei diese jeweils in einer anderen Farbe geschrieben sind, also rot in blau, so können wir die Wörter ohne Probleme lesen. Sollen wir anschließend auf die Farben der geschriebenen Wörter achten, so stört uns das geschriebene Wort, da das blau des geschriebenen Wortes Rot nicht zu diesem passt. Der Bedeutungsspeicher merkt das.
            Es ist also nicht falsch den Sprachspeicher separat aufzubauen und das ohne bildliche Hilfen der Buchstaben-Lautbeziehung.
            Unser Gehirn ist in der Lage in Folge der antrainierten Automatisierungsprozesse Wörter zu lesen, deren Bedeutung wir nicht kennen. Das Kind fragt dann nach der Bedeutung.
            Kinder können fremdsprachigen Lieder mit dem Sprachspeicher erlernen ohne deren Bedeutung zu kennen.
            Wir können unseren Kinder Geschichten automatisiert vorlesen und an etwas vollkommen anderes Denken.
            Die Automatisierung ist im Langzeitspeicher hinterlegt, während wir dann mit dem Arbeitsspeicher des Gehirns den Sinn des Gelesenen erfassen.

          • Palim

            Ich habe und ich trainiere die direkte Laubeziehung zum Buchstaben und dann wird der dehnbare Buchstabe als mm gesprochen. Es erfolgt eine systematische Erarbeitung der Laute ohne Bilder, weil diese einfach nicht nötig sind, nur ablenken und zusätzlich einen störenden Impuls beim Automatisieren bewirken.Jeder Schüler hat sein individuellen Lerntempo und seinen Erfolg ohne blockierende Bildchen .
            Die Erfolge einzelner früher Verschriftlichungen enthalten eigene „gramatikalische Strukturen “ der Schüler, die nichts mit der Deutschen Orthographie gemein haben. Später dürfen die Schüler wieder umlernen.Das sehen wir hier in der täglichen Praxis. Das erfordert dann eine Menge Arbeit und Geld durch die Nachhilfe. Und diese kann sich nicht jeder leisten.
            Die deutsche Schreibung ist in ihrer Systematik einfach zu vermitteln. Allerdings scheinen viele deren Regen und deren Anwendung nicht zu beherrschen.
            Wenn sie mit den Schülern die Laute mit den Buchstaben ohne Umwege direkt einüben, so werden ndiese im Langzeitspeicher direkt hinterlegt, die Reizantwortzeit ist viel schneller (7ßß ms) als des mühsame dechiffrieren mit dem Kurzzeitspeicher (1100 bis 1700 ms).
            Außerdem wird bei der direkten Abspeicherung im Langzeitgedächtnis der langsame Arbeitsspeicher des Kurzzeitgedächtnisses frei, der den Inhalt des automatisierten Gelesenen erfasst.
            Jetzt wird Ihnen auch klar, warum schlechte Leser immer schlechter Textinhalte erfassen, als jene Kinder, die automatisiert lesen.
            Das ist nur ein Teil Grundlagenforschung der letzten 30 Jahre und die wird Sie in ihrem Schulalltag bald einholen.
            Und systematische Fehler behindern den weiteren Lernfortschritt, wie andauernde frustrierende Erlebnisse der Schüler, die fehlende emphatische Unterstützung der Lehrer und eine fehlende Vermittlung von eigenständigen Lernstrategien durch eigenständiges Einüben des Schülers in seiner individuellen Geschwindigkeit.

          • Lautbeziehung

        • Sie werfen mal wieder alles in einen Topf, das Modell von Glaser und Glaser, auf das Sie sich beziehen, kann ich leider im Internet nicht finden und damit nicht nachlesen.
          Erstlesen und Automatisiertes Lesen oder gar Vorlesen ohne Mitdenken sind doch grundverschiedene Dinge, wobei letzteres für Erwachsene ein Segen sein kann, bei Kinder ein Fluch, wenn sie zwar perfekt vorlesen, den Sinn aber überhaupt nicht erfassen können.

          Zunächst einmal geht es darum, das System der Schrift überhaupt zu verstehen. Dazu müssen die Kinder Laute analysieren können und diesen dann Schriftzeichen zuordnen.
          Ihre Behauptung, die Anlauttabelle würde das verhindern, kann ich nicht nachvollziehen. Kinder, die das Schriftsystem im Aufbau verstanden haben, aber noch nicht alle Buchstaben beherrschen, erhalten durch die Anlauttabelle eine Hilfe. Statt zu raten, vergleichen sie den Laut mit bekannten Anlauten und wählen entsprechend das Schriftzeichen. Darüber gelingt es ihnen, das Wort zu schreiben, nebenbei lernen sie auch die Bedeutung der Buchstaben – B wie Banane ist auch in Roboter. Sch hat in der Regel ein eigenes Anlautbild, gerade weil die Kinder nicht Es-Ce-Ha sagen sollen, sondern eben sch als Graphembild lernen und wiedererkennen.

          Das Automatisieren des Lesens erfolgt m.E. durch andere Übungen. Zunächst einmal ist es mühsames Entschlüsseln der Buchstaben, Zusammenbinden zu Silben oder Wörtern und m.E. möglichst früh auch das Erkennen der Bedeutung sowie die Bedeutungsunterscheidung bei Minimalpaaren – Mama – Lama – Lara – Sara … Das ist in einer erlernten Sprache erheblich einfacher als in einer neu zu erlernenden, aber dennoch nicht unmöglich, wie die arabisch sprechenden MigrantInnen täglich zeigen: mühsam, aber machbar.
          Kinder, die Wortbilder recht schnell automatisieren, gibt es, aber auch da kommt es gerne zu Übergeneralisierungen, wenn jedes Wort mit 3 Buchstaben als „mit“ gelesen wird, selbst wenn dort „und“ oder „nur“ steht. Ebenso kommt es zum Erraten von Wörtern, wenn die Bedeutung zu großes Gewicht bekommt und die Kinder nach dem Anlaut bereits den Rest des Wortes erraten, ohne auf die weiteren Grapheme zu achten. Andere Kinder stückeln stetig die Wörter aneinander und das fließende Lesen lässt auf sich warten.

          Beim Schreiben lernen gibt es auch Kinder, die über die selbst verfassten Texte sehr schnell Erfolge erzielen, weil sie Texte von persönlicher Bedeutung verfassen und diese auch vorlesen möchten, sodass es zum Lesen kommt. Dabei nutzt man das kreative Moment oder die persönliche Begabung zum Erzählen als Motivation und lässt die Kinder Erlebnisse oder Geschichten schreiben. Über vielfältiges Schreiben kommen diese Kinder tatsächlich zu einem erheblichen Lernfortschritt, den andere auf diesem Weg nicht erzielen.
          Diese Unterschiede findet man in jedem Bereich. Die eine hat herausragende Begabung, etwas auswendig zu lernen, ist aber nicht ein Deut kreativ, die andere kann sich Geschichten erdenken und produziert immer neue, findet aber jedes Auswendiglernen eines Gedichts eine Zumutung. Die eine ist fasziniert vom Zahlsystem und meistert jede Herausforderung oder suchst sich selbst welche, die andere kann Mengen nicht simultan erfassen und versteht den Symbolwert von Zahlen nicht, geschweige denn Rechenoperationen.
          Es sind nicht alle gleich und alle brauchen sie unterschiedliche Angebote und Wege, die sie gehen dürfen.
          Ich freue mich, dass mein lernbeeinträchtigtes Kind nach 4 Jahren wirklich gut lesen kann – dank stetiger Übung und anhaltend hoher Motivation – und auch, dass mein hochbegabter Mathematiker endlich Radfahren gelernt hat – mit viel Ehrgeiz und Übung.
          Übrigens sorge ich mich auch, wenn es nicht so gut läuft und überlege mir neue Ansatzpunkte, Übungen, Möglichkeiten … und ich bin enttäuscht, wenn das alles nicht ausreicht oder andere Umstände oder Bedingungen das Lernen zu Nichte machen.

          • Palim
            Das Modell von Glaser und Glaser finden Sie in den wisenschaftlichen Grundlagen des IntraAktPlusKonzeps unter Jansen-Steit-Fuchs IntraAktPlusKonzept als pdf auf Seite 18.
            Richtig ist die Vermittlung zwischen Sehen und Hören im Gehirn, was nach Dehaene nicht genetisch determiniert ist , sondern jeder sich selbst erarbeiten muss.
            Es geht darum eine Automatisierung im Leseprozess, sowie im Schriftspracherwerb aufzubauen.
            Diese bunten Bildchen werden mitgelernt, wenn man diese Anlauttabellen verwendet um sich die Phonem Graphem Beziehung zu vermitteln. Und Sie wissen selbst, dass diese Beziehung im Deutschen und anderen Sprachen nicht 1:1 ist.
            Außerdem sind diese Buchstaben auf den Tabellen zu klein um sich diese in der Sehrinde abzuspeicher.
            Und die Bilder B wie Baum werden mitabgespeichert beim Erlernen der Buchstaben. Beim Lesen müssen diese dann im Gehirn unterdrückt werden. Bilder lenken von der direkten Lautbeziehung der Buchstaben und Silben ab.
            Erst durchautomatisiertes Lesen über das Langzeitgedächtnis kann man dann parallel mit dem sehr viel langsameren Arbeitspeicher den Sinn des gelesenen entnehmen.
            Schlechte Leser erfassen das Gelesene mit dem Arbeitsspeicher, d.h. Kurzzeitgedächtnis. Eine Automatisierung ist noch nicht eingetreten.
            Also lassen Sie doch diese Bilder weg, die den Lernprozess verlangsamen.
            Das gleiche gilt für Fehler im schreiben. Auch diese behindern die Automatisierung, weil die Kinder wieder umlernen müssen. Alles gelernte wird synaptisch hinterlegt und ist stark veränderungsresistent.

          • Die Anlautbilder sind für einige Kinder mit Sicherheit eine Hilfe und ein Zugang. Warum nur nutzt man inzwischen zusätzlich auch noch Lautgebärden, die beim Sprechen, Lesen oder Schreiben angewandt werden können? M. E. sind vielfältige Zugänge beim Lernen notwendig und die heterogene Schülerschaft zu erreichen. Dabei wähle ich und biete verschiedenes an, aber ich wähle eben auch solches, was Kinder anspricht und wobei ich Erfolge erzielt habe. Dazu gehört auch die Anlauttabelle, die manche Kinder sich als Hilfe freiwillig dazu holen, anderen reichen die ausgehängten Buchstaben (samt Bildern) oder ihr eigenes Gedächtnis oder die Gebärden.

            „Alles gelernte wird synaptisch hinterlegt und ist stark veränderungsresistent.“
            Das würde ja bedeuten, dass man nichts dazulernen kann und nichts Neues lernen kann, dem ist aber nicht so.
            Auch bei anderen Inhalten lernt man zunächst grobe Inhalte, Referenzgrößen, Vergleiche, Eselsbrücken, Anhaltspunkte und anschließend vertieft man Inhalte, lernt Ausnahmen etc.
            Könnte man nichts Neues lernen, hätte man nie eine Rechtschreibreform durchsetzen können, schließlich haben alle vorher nach den alten Vorgaben geschrieben und gelesen. Vermutlich könnte man nur eine Schrift, nur einen Rechenweg, nur ein Ordnungssystem.

            Fehler beurteile ich auch anders als Sie. Für mich sind sie Anhaltspunkt der Gedanken beim Schreiben, geben Aufschluss über das Vermögen des SuS. Ein falsch geschriebenes Wort ist kein Weltuntergang, es tut auch keinem weh, es zeigt, was jemand noch nicht gelernt hat oder wo jemand übergeneralisiert, es zeigt auch Wahrnehmungsschwächen etc.. Niemand wird SuS seitenweise falsche Wörter abschreiben lassen, um diese einzuschleifen, aber jeder kennt Kinder, die beim Abschreiben seitenweise den gleichen Fehler immer wieder machen. Dennoch ist es den SuS möglich, auch diese Wortschreibung als falsch zu lernen, die richtige zu erlernen und sich zu merken.
            Vielleicht ist es gerade das Schwarz-Weiß-Denken und die Einseitigkeit einer einzigen Methode, die Ihrem Kind zum Verhängnis geworden ist, auch wenn Sie selbst sie für eine andere Methode auch unterstreichen. Es gibt nicht allein das IntraAct-Plus-Konzept, sondern vielfältige und daraus gilt es den SuS ein Angebot zu bieten, dass unterschiedliche Zugänge ermöglicht und die Kinder ermuntert, Schrift und Schreiben lernen zu wollen. Bei einigen funktioniert es, indem man ihnen sagt, dass sie es jetzt machen müssen, weil alle das so machen, bei anderen hilft es aber auch, Kreativität, Kommunikation u.a. mit einzubeziehen, um Notwenidigkeit, Vorteil, Freude oder Vergnügen an und mit Schrift in den Fokus zu rücken.

          • Palim

            Lautgebärden sind etwas vollkommen anderes als diese Bilder,
            weil diesen Kindern die akustische Reizübertragung ganz oder teilweise fehlt. Der Nachteil der fehlenden akustischen Gegenkontrolle wird teilweise ausgeglichen, aber der Nachteil im Verknüpfen des optischen mit dem akustischen System bleibt bestehen.
            Und die Fähigkeit diese zu verbinden macht erst das Erlernen von Lesen und Schreiben aus.
            Aber diese Bilder werden unmittelbar im visuellen Cortex mit den Buchstaben verknüpft, abgespeichert und jedesmal wieder aktiviert und müssen beim Lesen als Signal unterdrückt werden.
            Bilder behindern das Erlernen der automatischen Zuordnung des Lautes (Phonem-Graphem-Beziehung) zum Buchstaben.
            Das wurde auch durch zahlreiche Versuche in der Psychologie bewiesen.
            Außerdem werden die Kinder durch Bilder zum Erraten verleitet.
            Beim Versuch die Buchstaben zu verknüpfen müssen dies Signale der Bilder unterdrückt werden. Eine Automatisierung im Langzeitgedächtnis auf der Ebene der Erfassens der Silben wird behindert, weil immer zu jedem Buchstaben diese Bilder auftauchen.
            Ich habe und ich arbeite mit allen Kindern in der Weise des IntraAktPlusKonzepts und benutze den Kieler Leseaufbau. Er ist nicht zwingend erforderlich den Sinn erlesener Worte zu erfassen, weil beide System des Bedeutungsspeichers und des Sprachsystems nicht direkt miteinander verknüpft sind. Der Bedeutungsspeicher ist eher entwickelt bevor wir srechen, schreiben und lesen können.
            Die Methode Kindern sich eigenständig mit einer Anlaut-Tabelle das Lesen und Schreiben beizubringen birgt gerade für Kinder mit Wahrnehmungsstörungen der akustischen Reizleitung (Hörgeräte) und der Schallverarbeitung ebenso Probleme wie Kindern aus anderen Sprachkulturen(z.B Türkischkeine kr,br,fl etc Anlaute, aus Flugzeug wird Fulugzeug).
            Und nebenbei. Der Geist fiel nicht vom Himmel. Es ist genetisch determiniert zu hören, zu sehen ,das Laufen und Klettern zu lernen. Aber wir nutzen unsere Gehirn durch die Verknüpfung des Optischen und Akustischen System anders als jede andere Spezies. Ohne kulturelle Hilfe gelingt diese Verknüpfung nich und ohne wiederholende Übungen noch weniger gut.Intellektuelle Leistungen mit der weiteren sprachlichen und geistigen Entwicklung sind unserem Gehirn erst durch Automatisierungen möglich.
            Und dieses Fenster um diese Fähigkeiten des automatisierten Lesen und Schreibens zu lernen sind in der frühen Schulzeit am besten ausgeprägt.
            Lernen funktioniert auch durch Erfolg.
            Das heißt, wenn ich dann in der dritten Klasse in Folge fehlender Gegenkorrektur des Lehrers als Schüler erkenne, dass das rein Laut orientierte Schreiben mich zu falschen Automatisierungen geführt hat, so stecke ich in einer Sackgasse und erlebe Frustration.
            Und dieses gespeicherte falsche Wissen falscher Strategien zur Verschriftlichung ist fest im Gehirn verankert und zwar in Form von synaptischen Verbindungen.Und diese sind resistent gegenüber Veränderungen.
            Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten schon alle Leitungen im Hause rausreißen und anders, sowie neu verlegen.Das hat Herr Prof. Manfred Spitzer mit den Spuren im Schnee gemeint. Sie werden im Hochschnee einer verschneiten Landschaft immer den bereits benutzen Weg nutzen, weil Sie diesen kennen und dieser einfacher erscheint.

          • Palim

            Wenn man Fehler in das Sprachsystem einarbeitet wird der Prozess des Lernens verlangsamt. Mehr habe ich nicht geschrieben. Der Fehler wird aber auch immer wieder aufgerufen und natürlich lernen die Schüler weiter, eben nur langsamer mit Fehlern.

          • Palim

            Ich habe 5 eigene Kinder und begleite und unterstütze weitere.
            Es geht beim Erlernen des Lesen ,des Schreiben ,des Sprechens und des Hören bzw Verstehens von Sprachen um die Entwicklung von Automatisierungen mit Hilfe eines individuellen Lernerfolgs, positiver Unterstützung durch eine Lehrkraft im eigenen individuelle Tempo des Lernens.
            Das sind individuelle Prozesse der Verknüpfungen im Gehirn, die sich jeder selbst, aber am besten mit den richtigen Materialien, selbstständig erarbeiten muss.
            Lesen Sie sich doch einmal selbst die theoretischen Grundlagen des IntraAktPlusKonzepts durch und handeln Sie nicht wie Brügelmann.
            Die Forschung der Psychologie und der Medizin der letzen 30 Jahre sind die Grundlage dieses Konzepts im Anfangsunterrichts im Kindergarten und der Grundschule.

          • Palim

            Systematische Fehler sind die Katstrophe, wie die Schreibungen Schtain, Fäla,Gehöa,Muta, Mesa,kenen Schuhlä,Strasse, Fuss etc.
            Wenn die einfachsten Grundregeln der Verschriftlichung vernachlässigt wurden und nichts eingeübt wurde, dann liegt einiges im Argen.. Und diese Grundlagen erlernt man in der Grundschule und nicht erst in der 9.Klasse.
            Und natürlich sind einzelne Fehler nicht die Katastrophe. Ich entdecke bei mir ja selbst genügend Fehler, auch hier im Block.

          • Palim

            Fehler werden auch synaptisch fixiert und das bedeutet aber nicht, dass man nicht weiter hinzulernt.
            Aber es fällt schwerer die Systematik der deutschen Schreibweise zu erlernen und durch das Erlernen dieser Systematik auch unbekannte Wörter richtig, und automatisiert schreiben zu können.
            Der Lernprozess verlangsamt sich und das Gehirn bemerkt den Unterschied der Schreibweisen, die Automatisierung wird gebremst.

            Menschen wie Herrn Reichen hat sich das System der systematischen Verschriftlichung nie erschlossen, sie taten dessen Erlernen als Auswurf einer kollektiven Zwangsneurose ab und versperrten den schwachen Schülern einen systematischen Zugang zum Erlernen des deutschen Sprachsystems.
            Kinder mit einer Förderung von Hause aus sind deutlich im Vorteil, weil die Eltern intervenieren und die korrekten Schreibweisen selber vermitteln.Allen anderen droht bei der unkritischen Anwendung der Anlaut-Tabelle durch unkritische Lehrer, durch den Rost zu fallen und im Schulsystem zu scheitern.
            Viele Schüler werden wohl nie ein automatisiertes Lesen und Schreiben erlernen, da sie ständig mit dem Kurzzeitgedächtnis mühsam dechiffrieren müssen und sich bei geringer Speicherfähigkeit dieses Systems, sich die Inhalte von Texten nicht (auditive Wahrnehmungsstörungen, Verarbeitungs- und Leitungsstörungen, Fremdsprachigkeit) vermitteln können.
            Bei der Automatisierung ohne Umwege geht es wie gesagt, um die Vermittlung der Unmittelbaren Laut-Beziehung des bildliche Buchstaben und dem gesprochenen und gehörten Laut, welche direkt durch wiederholende Übung direkt im Langzeitspeicher hinterlegt wird.
            Das erfolgt sukzessive in kleinen Schritten. Es folgt parallel die sprachlich, akustische und visuelle Abspeicherung von gesprochenen Silben, und durch das Kurzzeitgedächtnis erfolgt die Sinn erschließende Erfassung und Vermittlung des Bedeutungsinhaltes der Wörter, was auch sukzessive aufgebaut wird.
            Es werden also Hirnareale verknüpft, für die es eigentlich keine Verbindung gibt, nämlich dem visuellen Cortex, dem Sprachzentrum , dem motorischen Cortex und der Hörrinde.
            Begünstigt wird die Abspeicherung der Lerninhalte im Langzeitspeicher durch den sechsschichtige Aufbau des menschlichen Großhirns mit seinen unendlich vielen Verknüpfungsmöglichkeiten in der Höhe übereinander.
            Aber erst die Querverbindungen eigentlich nicht verbundener getrennt liegender Areale macht Schriftsprache und Lesen erst möglich.
            Das muss sich wie gesagt jeder , aber bitte mit effektiven Methoden mit Hilfen selbst beibringen.
            Der Geist fiel nicht vom Himmel.
            Alles entspricht einer schrittweisen und effektiven Programmierung des Gehirns durch direkte synaptische Verknüpfungen
            Dabei erfolgt automatisiert die Abspeicherung der Schrift in Verbindung mit der bereits vorhanden abgespeicherten Sprache.
            Und es erklärt auch warum Kinder mit auditven Wahrnehmungsstörungen und deren Verarbeitung, sowie Menschen mit einem eingeschränkten Zugang zur deutschen Sprache langsamer lernen als Kinder mit einem gut ausgeprägten phonologischen Bewusstsein
            Kinder mit einer Einschränkung in der Sprachwahrnehmung und mit Migrationshintergrund werden durch die Methoden der Laut orientierten Vermittlung des Schriftspracherwerbs, des Lesens und der Sprache benachteiligt. Die können sich auch nichts deutlich vorsprechen. Erst durch Einzelübung und Vorgaben von Silben, deren Einüben schriftlich wie mündlich gelingt eine Annäherung an andere.

            Die von Ihnen angesprochene Rechtschreibereform setzte systematisch und strukturiert die in Silben gegliederte Schrift um.
            In erster Linie betraf es das scharfe ß nach einem gesprochenen langen Vokal( Füße,Straße) oder nach zwei Vokalen ( heißer, dreißig) in der zweisilbigen Form, sowie dem ss nach einem gesprochenen Kurzvokal (Schlösser, Küsse) in der zweisilbigen Schreibeweise systematisch um(Eis leitet sich übrigens aus Eisen ab.)
            Die Schreibungen der Schüler geben Anhaltspunkte ,an welchen Stellen des Sprachsystems des Schülers noch gearbeitet und geübt werden muss.
            Und das läuft nicht über eine übersteigerte Fehlertoleranz, wie sie durch die Entwicklungsstufenmodelle im Schriftspracherwerb erklärt und begründet wird.
            Diese Modelle werden noch fatalerweise als Begründung für ein System an unstrukturierten, eigen initiativen Schreibweisen des Schülers verwendet, der sich über eine chaotische Struktur selbstständig das Lesen und Schreiben selber beibringen soll.
            Es fehlen diesen Ordnungssystemen allein die wissenschaftlichen Grundlage.
            Und solange die selben Köpfe aus den Universitäten schauen, welche für dieses Chaos mit verantwortlich sind, solange dürfen wir Eltern gegensteuern.

          • Noch eine Literaturstelle zum Nachweis der stark silbenangelehnten Textproduktion:
            Nottbusch, G. (2008): Handschriftliche Sprachproduktion – sprachstrukturelle und ontogenetische Aspekte. [Analysis of Children’s Handwriting Movements. Orthographic and Developmental Aspects.] Linguistische Arbeiten Bd. 524. Tübingen: Max Niemeyer Verlag

          • Palim
            Auch Dehaene hat Versuche zum Erlernen des Lesens und Schreibens durchgeführt. Und auch er kommt zu den selben Ergebnissen wie Glaser vom Institut für Psychologie der Universität Tübingen.
            Die Vermittlung des Lesens guter Leser erfolgt zunächst ohne Bedeutung,Buchstaben -Lautbeziehungen werden dargeboten.
            Unser Gehirn erfasst auf dem Wege der Automatisierung zunächst die Phoneme zu den entsprechenden Buchstaben.
            Entsprechend werden diese auch eintrainiert. Das M nicht als em gesprochen, sondern als m etc. In der Folge werden sukzessive Silben zu sprechen und schreiben eingeübt und über die Übungen über den Arbeitsspeicher schließlich im Langzeitspeicher hinterlegt.
            Durch automatisierende Verknüpfung der Buchstaben-Lautbeziehungen entnimmt dann bei automatisierenden Lesen der Arbeitsspeicher den Inhalt. Die Automatisierung schreitet durch weitere Übungen voran,weitere Verknüpfungen werden angelegt.
            Unterstützen kann man den Lerneffekt durch Buchstabierung oder silbierte Gliederung der Worte durch den Schüler.
            Der Bedeutungsspeicher wird beim Erkennen des Wortes dann indirekt aktiviert.
            Das Modell von Glaser erklärt den Erfolg guter Leser und den Erfolg dieser Methodik.
            Das Erlesen und Erlernen der Laut-Buchstaben und Silben- Buchstaben-Cluster erfolgt schneller, Schüler gesteuert und individuell und mit einem deutlich größeren Erfolg des Lesen und Schreiben Lernens als das mühsame Zusammenschleifen der Buchstaben zu Wörtern ohne eine orthographische Unterstützung durch den Lehrer im Spracherfahrungsansatz nach Brügelmann.

          • G.Taubert
            Vielen Dank noch einmal für den Hinweis.

          • Palim, Sofawolf, XXX,Ursula Prasuhn, Wilma Pause

            Warum sollen heut zu Tage Erstleser immer noch mühselig und sogar erfolgloser als zu den unsäglichen Zeiten unserer Großväter und Großmütter ,sich durch mühseliges Zusammenschleifen der Buchstabenlaute, ergänzt durch Bildsymbole von viel zu kleinen Anlaut-Tabellen ( B wie Ball, A wie Apfel ) , welche die Automatisierung durch die Abspeicherung der Bildsymbole noch blockieren, sich weiterhin mit bescheidenen Ergebnissen (PISA IGLU) die Lese- und Schreibkompetenzen aneignen ?
            Es existieren wissenschaftlich fundierte Methoden, wie das IntraAktPlus Konzept von Jansen,Streit und Fuchs, sowie den Kieler Leseaufbau, welche durch visuelle Programmierung der Buchstaben in ihrer Lautbeziehung zwischen Graphem-Phonem eine sehr viel schnellere,nachhaltigere und automatisierende Vermittlung des Lesens und Schreibens ermöglichen.

            Befinden sich die Anhänger des Spracherfahrungsansatzes in einer gemeinsamen Seilschaft auf unzugänglichem Gelände, die jegliches Abweichen vom eingeschlagenen Weg starrsinnig ablehnt ?
            Man hat sich vollkommen verrannt und versucht durch öffentliche Beschwichtigungen und Relativierungen der bekannten Misserfolge, in der Presse, sowie in Funk und Fernsehen und über den eigen Verband und durch politische Einflussnahme auf die Kultusministerkonferenz, den eigenen Absturz zu verhindern.

          • @ Axel,

            ein Tippfehler? 🙂

            Ich bin kein Grundschullehrer. Ich kann dazu wenig sagen und habe doch nie dagegen argumentiert.

          • Sofawolf

            Sie haben sich aber mit dem Fördermaterial befasst ,sich dafür interessiert und schließlich erwartet man auch von Ihnen die Schüler in ihren schriftsprachlichen und Lese-Fähigkeiten voranzubringen.

          • Ich habe es noch nicht komplett gelesen – das IntraActPlusWissenschaftsPDF – aber

            a) die angesprochenen negativen Einflüsse von Bildern bezieht sich gar nicht auf Anlautbilder, sondern auf Bilder im Lesebuchtext, wobei ausgesagt wird, dass die Kinder dann auf das Bild schauen und im Folgenden beim Lesen häufiger raten bzw. vom Bild auf den Text schließen.

            und

            b) kann ich aus Erfahrung sagen, dass es durchaus auch Kinder gibt, die das Lesen darüber lernen, dass das angebotene Wortmaterial eben nicht allein aus bedeutungslosen Silben besteht, sondern aus begreifbaren Wörtern oder Minimalpaaren. Gerade dies sind die Kinder, die das Kommunikative an der Schrift sowohl beim Schreiben, als auch beim Lesen, bevorzugen und daraus den Reiz am Lesen lernen erfahren.

            und

            c) Wieder einmal betonen sie den einzig wahren Weg, wollen aber nicht sehen, dass es in Schulräumen eine Vielfalt gibt, die ein vielfältiges Angebot braucht.

            und

            d) Unterstreiche ich, dass es nicht eine einzelne Methode gibt, die für alle gut ist, sondern Vielfalt braucht, bei der Lehrkräfte die SuS begleiten, motivieren und unterstützen, um sie in ihrem Lernprozess voran zu bringen. Da hilft es nicht, sich allein auf ein Modell zu stützen, weil man dann jedes Mal Gefahr läuft, einzelne Kinder abzuhängen. Wichtiger ist es, alle im Blick zu behalten und das, was das jeweilige Kind motiviert, zu verstärken.
            Unterricht ist mehr als das Abspulen eines Programms.
            Unterricht in der Klasse ist mit einer 1:1-Förderung am Nachmittag zudem nicht zu vergleichen.

          • und

            e) sehe ich in den Entwicklungsstufenmodellen im Schriftspracherwerb keine übersteigerte Fehlertoleranz, sondern Hinweise darauf, an welcher Stelle im Schriftspracherwerb Probleme oder Übungsbedarf bestehen.
            In der Regel kann man die selbst produzierten Texte recht zügig einordnen und erhält darüber Ansatzpunkte, welche Hilfen das Kind benötigt. Da geht es eben nicht um losgelöstes Üben irgendwelcher Schreibweisen, sondern darum, die Schrift systematisch aufzubauen – was sie ja auch ständig fordern – und nicht den 4. Schritt vor dem 1. zu machen.

            und
            f) Weise ich noch einmal darauf hin, dass kaum eine Lehrkraft LdS in Reinkultur nutzt. In einem Artikel zu einer Umfrage stand 3%.
            Durchaus werden aber Elemente aus LdS oder dem Spracherfahrungsansatz in andere Lehrgänge oder Materialien integriert, von Lehrkräften und später von Verlagen. DAS ist auch gut so, denn sonst wären silbenorientierte Ansätze bis heute nicht in Schulbüchern angekommen.
            Dennoch ist nicht jede Lehrkraft, die sich nicht allein an einem Lehrbuch entlang hangelt, sondern sich umschaut und weitere Mehoden zu Nutze macht, eine glühende Anhängerin von Reichen. Silbenbasierte Methoden gab es zuerst im Unterricht verschiedener Lehrkräfte, bevor damit andere auf den Markt gegangen sind – das IntraActPlus ist ja offenbar erst von 2007, ähnliche Materialien waren aber bereits seit 2000 im Umlauf.

          • Palim

            Es handelt sich um ein Förderkonzept im Kindergartenbereich und im Anfangsunterricht. Ich verstehe es auch als ein Angebot.
            Die Buchstaben sind deutlich größer, die Laute werden eingeübt und man kann es in Gruppen und zur Einzelförderung einsetzen.
            Entscheident ist, dass erst einmal nicht der Sinn von Wörtern vermittelt werden soll, sondern die Phonem Graphem Verbindung im Langzeitspeicher abgebildet wird. Das Sinn entnehmende Lesen erschließt sich erst später beim Zusammensetzen mehrerer Silben und beim Laut orientierten Schreiben..Es handelt sich um Förder-Material zur Herausbildung der Lese-Automatik.
            Den Kieler Lese-Aufbau setzen wir hier bei arabisch stämmigen Migranten ein. Aber diese neben durch ihre deutlich schwere Sprach deutliche Vorteile gegenüber türkisch stämmigen Schülern.

          • Den letzten Satz habe ich nicht verstanden, da hat wohl das Handy mal wieder zugeschlagen.

            Insgesamt halte ich zwar das Einüben von Silben für sinnvoll, nutze es aber NEBEN sinnvollen Wörtern oder zur Unterstützung des Lesens derselben. Lesen nur um des Lesens willen finde ich ungünstig, da es den Kindern allein die Technik unterbreitet, den Sinn aber fehlen lässt. Anders als im Modell von Glaser behaupte ich, dass es einerseits Kinder gibt, die gerade das kommunikative Element förderlich finden, und sehe andererseits immer wieder Kinder, die hervorragend mechanisch Vorlesen können, sich selbst aber dabei gar nicht zuhören, somit den Sinn nicht entnehmen (… und Erwachsene, die es nicht erkennen, aber davon schwärmen, wie schön das Kind doch lesen würde.) Entsprechend vielfältig muss das Material zum Üben sein, um unterschiedliche Fähigkeiten abzudecken oder zu erzielen.

            Für Migranten habe ich eigenes DaZ-Material entwickelt, das meinem Lesematerial stark ähnelt, Buchstaben allmählich einführt, sinnvolle Wörter und Minimalpaare mit Silbenübungen und Worttreppen mischt. Gerade da finde ich von Vorteil, wenn Bilder neben den zu erlesenden Wörtern sind, damit die SuS Wort und Bild miteinander verknüpfen und der Wortschatz beim Lesen wächst. Zusätzlich habe ich eine Version des gleichen Lesematerials ohne Bilder erstellt, um zu gewährleisten, dass die Kinder nicht das Bild erraten, sondern tatsächlich lesen üben. Die Bilder sind auf der Seite verschoben, sodass man sie dennoch beim Üben zur Hand hat und bei Unverständnis darauf zeigen/ verweisen kann oder zur Überprüfung des Leseverständnisses die Bilder zeigen lässt.
            Außerdem gibt es diverse AB, die immer wieder auf das gleiche Wortmaterial zurück greifen und darüber den Wortschatz erweitern helfen sollen, eine einfachere, noch übersichtlichere Version ist noch nicht online gestellt, ich setze es aber im Unterricht ein.
            Die wiederholenden Übungsformate sind gewollt und im Unterricht ohne ständige Begleitung unerlässlich – eben auch individuelle Förderung über materialzentrierten Unterricht mit vielen AB + Arbeitsplan in Mappen.

          • Palim

            Arabisch ist phonetisch deutlich schwieriger zu sprechen als die deutsche Sprache. Von daher gesehen fällt es denen einfacher Deutsch zu sprechen.

          • Palim

            Diese Kinder , welche rein mechanisch dechiffrierend lesen, erfassen den Text mit dem Arbeitsspeicher.Dessen Speicher ist aber deutlich geringer. Er umfasst ca. 7 Sequenzen. Er arbeitet deutlich langsamer ( 1100 ms vs.700 ms) und es ist dann nicht mehr genügend Speicher vorhanden, um den Sinn des Gelesenen zu erfassen.
            Der Kieler Lese-Aufbau wird ,so wie sie es bereits praktizieren, im Wechsel des Erlesen von Silben und in Silben gegliederten Wörtern erarbeitet.Das heißt, dass die Kinder auch Sinn entnehmend Wörter erfassen. Ansonsten wäre das reine Silben erlesen und Abspeichern langweilig für die Kinder. Bildmaterial taucht erst beim Lesen der ersten kleinen Geschichten auf. Die Schwierigkeit ist in aufsteigenden Schwierigkeitstufen gegliedert, so dass die Kinder schrittweise und individuell sich selbstständig weiterbringen.Ich lasse die Kinder auch nur maximal 5 Minuten Silben lesen und das an zwei bis drei Tagen in der Woche.
            Dabei werden dann später auch die schwierigen Doppelkonsonanten pr, br, schr etc. geübt, die in aufsteigender Schierigkeit erarbeitet werden.
            Gelesen wird ebenso wie bei Ihnen im Wechsel zwischen dem Erlesen von Buchstaben und Silben, später werden dann nur noch Geschichten gelesen.Ähnlich arbeitet man mit dem Luka-Leselernbuch.

          • Palim
            Das Luka-Leselernbuch ist deutlich günstige (ca 34,-Euro) gegenüber dem Kieler-Leseaufbau (ca. 160 Euro) und man kann direkt mit dem Luka von vornherein ohne Erklärungen anfangen zu arbeiten. Die Bebilderung ist derart gestaltet, das die Kinder ein Wort erlesen sollen und dann den Gegenstand suchen müssen. Zum Beispiel lesen diese:“Ich sehe eine Möwe „etc. Das macht denen richtig Spaß.
            Die Vokale werden als Kapitäne vorgestellt,lang gesprochene Vokale als dicke Kapitäne, kurz gesprochene als schlanke Kapitäne und die Konsonanten als Matrosen. Insgesamt ist das Luka-Leselernbuch sehr kindgerecht gestaltet.
            Die Ergotherapeuten arbeiten hier mit dem Buch und Kinder haben zum ersten mal Erfolgserlebnisse.Auch hier erfolgt der Wechsel im Erlesen von Silben und in Silben gegliederten Wörtern.

  3. Kinder wollen aber auch motiviert werden und Schreibmotivation entwickeln. Des Weiteren verlieren sie schnell das Selbstvertrauen das Schreiben anzufangen, wenn von Anfang an gesagt wird, dass die Wörter falsch geschrieben sind. Allein im ersten Post ist zu sehen, dass sich bei Erwachsenen (Lehrern) Fehler einschleichen.

    „Frau Eisenmann ist die einzige…“ müsste es heißen und „,die wirklich die Hosen anhat…“

    • Bernhard Färber

      Da haben Sie aber dann die vermutlich von Conny intendierte Ironie der Vermännlichung dieser Ministerin, die Hosen anhat, nicht verstanden.
      Macht nichts, sprachliches Ironieverständnis kann man heute auch nicht mehr voraussetzen.

      • Ironie ist hier völlig Fehl am Platz.

        Meiner Meinung nach ist es falsch, immer nur eine Methode anzuprangern!
        Ich dachte immer seien Manager/Trainer einer Gruppe motivierter Schülerinnen und Schülern???

        Nicht zu Kreuze kriechen in einem heterogenem Schulsystems, wie es sonst kein zweites gibt erfordert Einsatz, Zuverlässigkeit, Motivation, Intelligenz und kommunikatives Handlungsgeschick!!!!

        Sowie soziale Fähigkeiten, die ein Lernen erst möglich machen. Da die heutigen SuS aus zerrütteten Familien, schlechter sozialer Stellung (Status) und 2-3 Generation Harz stammen, steigen die Anforderungen und Belastungen erheblich.

        ——> Jeder sollte sich fragen, ob er seinen selbstgewählten Beruf mit Freude ausführt!
        ——> Bitte fragen Sie sich auch, ob Sie einen guten und gesunden Einsatz zeigen!
        ——> Haben Sie schon überlegt, dass jede(r) SuS evtl. individualisiert
        Lernformen oder Methoden benötigt? Mit individuellem Material in einem

        funktionierendem Class-Roommanagement?

        Was ist die Lösung???

        • Wie Sie sehen, sage ich ganz ohne Ironie: Ihre abgehobenen ideologischen Allgemeinplätze können mich trotz allen Anscheins von großem Durchblick und Überblick nicht im geringsten beeindrucken. Im Gegenteil, schillernde Luftblasen mag ich nicht.

          • Führen Ideologien nicht immer zu positiven Veränderungen???

          • Gut geschrieben!

          • @ SR500 um 18:40

            Die zwischen 1933 und 1945 vorherrschende Ideologie führte in der Tat zu einer Verbesserung im Anschluss, die Katastrophe in den letzten sechs Jahren der Ideologie möchte aber niemand erleben. Übertragen auf die Bildungslandschaft muss also zunächst alles zusammenbrechen, ehe mal wieder aufgeräumt wird.

    • Bernhard Färber

      Da haben Sie aber dann die vermutlich von Conny intendierte Ironie der Vermännlichung dieser Ministerin, die Hosen anhat, nicht verstanden.
      Macht nichts, sprachliches Ironieverständnis kann man heute auch nicht mehr voraussetzen.
      Strauß soll zum Beispiel über seine Staatssekretärin Berghofer-Weichner gesagt haben, sie sei der einzige Mann in seinem Kabinett. War wohl dann auch ein Grammatikfehler?

    • Andernfalls verlieren sie später die Lust zu schreiben, wenn auf einmal alles, was sie vorher geschrieben haben jetzt falsch ist.

    • Uns wurden früher die richtigen Grapheme gezeigt und eingeübt.Es gab strukturierte Schreiblehrgänge, welche einen ziemlich schnell in die Lage versetzten sich auszudrücken. Es erfolgte auch eine Spracherweiterung durch gezieltes Üben des Lesen.Wir haben sehr viel Stoff mit dem Lehrer erarbeitet.Hier und heute sollen meine Kinder sich durch Berge von Zetteln arbeiten, die sie dann noch alleine bearbeiten dürfen. Das ist stinklangweilig, ineffektiv und wird von den Kindern als ätzend empfunden.Für die Lehrer sind die Methoden des offenen Unterrichts auch sehr viel angenehmer, da sie sich auch gar nicht so intensiv auf die einzelnen Unterrichtsstunden vorbereiten müssen. Sie fungieren nur noch als Lernbegleiter, anstelle den Unterricht direkt zu steuern. Das dürfen wir Eltern dann alles ausgleichen und die Hilfe der Eltern macht dann ja auch erst den Erfolg der Methoden nach Reichen, Brügelmann und Sommer-Stumpenhorst aus. Abgehängt werden all jene Schüler, die nicht in den Maßen unterstützt werden ,wie es Eltern aus dem Bildungsbürgertum tun. Letztendlich erweist sich Lesen durch Schreiben als eine reaktionäre Methode, welche den kinder in ihrer schulischen Entwicklung schadet. Die Ergebnisse der Befragung von 350 betroffenen Eltern und Schülern reichen mir, und diese lehnten diese Methoden fast vollständig ab. Die Politik ist gut beraten diese Methoden zurückzudrängen.

      • @Axel von Lintig
        Für Ihre beiden sachkundigen Kommentare mit dem positiven Rückblick auf erfolgreiche Lese- und Schreiblernmethoden von früher möchte ich Ihnen herzlich danken.
        Leider ist der Glaube sehr verbreitet und kaum zu erschüttern, dass neue Methoden prinzipiell besser sein müssten als alte, die auf bewährtem und langerprobtem Erfolgs- und Erfahrungswissen beruhen. „Altmodisch“ oder „überholt“ sind typische Schimpfbegriffe, die den Weg frei machen für Schnapsideen. Hauptsache sie sind neu und tragen das Gütezeichen „Neue Erkenntnis“.
        Das lädt unterschiedlichste Fremdinteressen ein, sich im Bildungsmarkt mit kurzsichtigen Schnellschüssen breit zu machen, die zwar meilenweit das Ziel verfehlen, bei denen dann allerdings aus der Not eine Tugend gemacht wird, indem kurzerhand Erfolge auf anderen Gebieten konstruiert und als Gewinn verkauft werden.
        Es ist ja so leicht, frühere Arbeitsweisen und ihre Erfolge schlecht zu machen oder in Abrede zu stellen durch billige Unterstellungen wie „nostalgisch verklärter Blick“, „typisches Märchen von der guten alten Zeit“ oder „sturer, menschenunwürdiger Drill“.

        • Mein ältester Sohn, er ist heute 24 Jahre alt, wurde noch mit einem strukturierten ,analytisch-synthetischen Schreiblehrgang nach (Tobi-Fibel) Metze in Bielefeld unterrichtet. Er und seine Mitschüler beherrschten am Ende der vierten Klasse alle die lateinische Ausgangsschgrift, sie schrieben Diktate und eigene Aufsätze, und man musste bis auf wenige Übungsdiktate nicht intervenieren.Inzwischen habe ich vier weitere Kinder, von denen die ältesten inzwischen die Grundschulen durchliefen. Bei der ältesten brachte die Reichen Methode nach Sommer-Stumpenhorst die absolute Katastrophe im Schreib- und Leseerwerb. Die Kinder sollten sich alles weitgehend selbstständig, eigen initiativ beibringen. Dabei ging sie ebenso wie viele andere Schüler unter. Sie hatte bedingt durch eine drei Jahre lang übersehene , beidseitige Schallleitungsstörung eine Sprachentwicklungsverzögerung, war Rechtshänderin mit einem dominanten linken Auge und trug ein Hörgerät.Wie sollte sie sich bei undeutlicher Sprache die abgebildeten, zu verschriftlichen Bilder selbst vorsagen. Und dann war da noch der ständige Lärm in der Klasse.Ich habe ihr und ihrer jüngeren Schwester dann zu Hause mit dem Kieler Lesaufbau das (Luka Leselernbuch und Kieler Leseaufbau) das Lesen und Sprechen beigebracht.Außerdem haben wir mit einem strukturierten silben-analytischen Schreiblehrgang den Kindern das Schreiben beigebracht. Es ist eine Freude zu sehen ,wie gut diese Methoden in Verbindung mit einer direkten Instruktion, dem feedback und dem eigenständigen Einüben sehr schnell Erfolge bringen. Ich werde auch bei den beiden letzten Kindern so vorgehen. Ich habe zwei berentete Lehrerinnen in der Verwandtschaft und teilen mit ihnen den Eindruck des Leistungseinbruch in den hiesigen Grundschulen in NRW Kreis Warendorf.In der Schulmedizin arbeiten wir Leitliniengerecht nach Methoden, die in großen ,übernationalen Studien herausgearbeitet wurden.Wir ziehen uns hier eine Generation von lese- und rechtschreibschwachen Erwachsenen heran.Wann wird der Einfluss von Herrn Brügelmann,Rüdiger Urbanek,Sommer.
          -Stumpenhorst, Hecker,Barnitzki und Frau Erika Brinkmann endlich enden?

          • @ Axel,

            Sie schreiben: „Er und seine Mitschüler beherrschten am Ende der vierten Klasse alle die lateinische Ausgangsschgrift, sie schrieben Diktate und eigene Aufsätze, und man musste bis auf wenige Übungsdiktate nicht intervenieren.“

            Darf ich das fragen: Warum mussten Sie bei einigen Übungsdiktaten „intervenieren“? Das interessiert mich als Lehrer. 🙂

          • Gemeint war das Üben von Diktaten. Und natürlich habe ich mit ihm Lesen geübt. Ich habe das Intra-Act Konzept und den Kieler Leseaufbau erst durch suchen im Internet gefunden.Es sind zwei Konzepte, deren Wirksamkeit nicht nur empirisch bewiesen ist. Das Lesen von Silben führte ich maximal 3 x in der Woche maximal 5 Minuten durch, indem ich mit einer Schablone (ein Blatt Papier mit einem kleinen Ausschnitt in der Größe einer Silben)über die Silbentafel schob. Die Kinder prägen sich die Silben im visuellen Cortex ein und erkennen diese beim erlesen von anderen Texten subcortical wieder, das heißt sie brauchen nicht ihr Arbeitsgedächtnis aktivieren und können sich mit diesem auf den Inhalt des Textes konzentrieren.Mir wurde von den Lehrern vorgehalten es wäre eine veraltete Methode.Ich sage Ihnen aber das sie sehr gut hilft.In Ergänzung erfolgt dann noch das abgestufte erlesen von silbierten Wörtern ohne visuelle Hilfen, wie Bilder. Und schließlich werden einfache Texte gelesen in aufsteigender Schwierigkeit.

          • @ Axel,

            Sie kennen das IntraActPlus-Konzept? Interessant. Bisher kenne ich es nur vom Hörensagen. Sie bestätigen es ja nun auch.

            Es ist aber nicht alt, sondern basiert auf neuen psychologischen Erkenntnissen.

            Sie haben also interveniert, weil Diktate zu wenig geübt worden waren? Verstehe ich richtig?

          • Bravo! gut erkannt! Das Problem besteht immer noch. Schauen Sie sich mal die Beführworte der „Grundschrift“ an.

      • „Abgehängt werden all jene Schüler, die nicht in den Maßen unterstützt werden, wie es Eltern aus dem Bildungsbürgertum tun.“

        Ja. Diesem Satz stimme ich uneingeschränkt zu.

        Allerdings ist dies nicht durch ein Verbot eines einzelnen didaktischen Ansatzes, der in Reinform kaum genutzt wird, zu umgehen.

        Meines Erachtens ist es das System, das sich den derzeitigen Anforderungen nicht angepasst hat, sondern das gleiche wie vor 50 Jahren geblieben ist.

        Lehrkräfte bemühen sich nach Kräften, dennoch die heutige Schülerschaft angemessen zu unterrichten.
        Offener Unterricht soll helfen, die zwingend notwendige Differenzierung bei fehlenden, aber unverzichtbaren personellen Ressourcen zu ermöglichen.
        Dabei sind offene Formen nicht mit Laissez-faire gleichzusetzen. Auch ist meiner Meinung nach ein differenzierter Unterricht weitaus vor- und nachbereitungsintensiver, wenn man den Lernstand eines jeden Kindes im Blick behalten will, zielgerichtete Aufgabenformen für mehrere Niveaus zur Verfügung stellt, den Lernfortschritt kontrolliert und womöglich dokumentiert und stetig entsprechend der Anforderungen, die beim Lernen entstehen, nachsteuert.

        Es kann erheblich entspannter für Lehrkräfte sein, alle Kinder an das gleiche Arbeitsheft zu setzen und zu erwarten, dass sie die vorgegebene Seite abarbeiten, Störungen mit Sanktionen zu unterbinden, den SuS anschließend alle Fehlschreibungen rot zu unterstreichen und zu erwarten, dass sich die Leistungen allein dadurch, dass das Kind die vielen roten Markierungen sieht, verbessern. (… oder das AH womöglich mit einem roten „bitte verbessern“ zu versehen und das Kind damit nach Hause zu schicken.)

        Welchen Anteil hatten denn früher die Eltern am Bildungserfolg ihrer Kinder?
        Was haben Eltern früher zu Hause begleitet oder gesehen oder aufgearbeitet?
        Wie wurde früher mit den Kindern verfahren, die die Leistungen nicht erbringen konnten?
        Welche Herausforderungen gab es, wenn Kinder die für alle angesetzten Aufgaben mit Leichtigkeit erledigten und sich langweilten?

        • In meiner Kindheit waren sehr viel mehr die Mütter bei der Betreuung der Hausaufgaben ,sowie beim Lesen eingebunden. Meist waren diese nicht berufstätig. Die Lehrer besprachen mit den Eltern durchzuführen Übungen und hielten sich daran.Die Gesellschaft war auch nicht so heterogen wie heute mit den unterschiedlichsten sprachliche Voraussetzungen der Kinder. Wenn Kinder heute noch nicht einmal einfache Begriffe wie einen Strauch kennen, dann hat man es als Lehrer heute deutlich schwerer. Heute sind meistens beide Elternteile berufstätig, sie haben entsprechend auch weniger Zeit und Lust auf eine außerschulische Nachhilfe, sondern haben noch hohe Erwartungshaltungen an die Schule.Es soll alles möglichst einfach für die Kinder sein, gleichzeitig sollen sie aber auch viel lernen. Das passt nicht zusammen, da brauchen Lehrer mehr Unterstützung, einen motivierenden Antrieb von zu Hause zu lesen und zu schreiben.

    • Ich bin gespannt, wann es heißt: Kinder dürfen ihre eigenen Buchstaben entwickeln – dann sind sie noch mehr motiviert zu schreiben, sie sind ja so kreativ im Erfinden neuer Zeichen. Wenn sie Buchstaben verwenden müssen, die ihnen vorgegeben sind, lähmt das die Schreibfreude.

    • Die Kinder sind sowieso mit dem Beginn der Einschulung motiviert, und das sind sie unabhängig von der angewandten Methode. Wenn sie dann ohne feedback, das heißt ohne eine Fehlermeldung ,dann noch vermittelt bekommen, dass alles was sie schreiben richtig ist, weil sie sich ja in der alphabetischen Phase befinden, dann aber in der dritten Klasse alles als falsch angerechnet bekommen, dann sind sie frustriert oder sie sind gleichgültig gegenüber Fehlermeldungen.
      Man lernt aber besser aus Fehlern ,welche dann besprochen werden und dann durch einüben vermindert werden. Es bringt auch gar nichts ständig mit Merkwörtern zu arbeiten. Einfacher ist es Rechtschreibregeln mit Einübungen zu vermitteln, da man damit deutlich weniger lernen muss.Unser ABC bildet nicht die Laute der deutsche Sprache ab. Siehe Thome ABC und andere Irrtümer über Orthographie,Rechtschreiben,LRS/Legasthenie.

    • In Artikel 3 Absatz 3 steht aber auch, dass niemand wegen seiner Herkunft benachteiligt werden darf. Das geschieht aber, wenn ich Schulkinder beim Lese- und Schreiberwerb alleine lasse und dann die Kinder der Bildungsbürger Nachhilfen geben. Um Gleichheit zu schaffen muss die Schule die unterschiedlichen Chancen ausgleichen. Wir dürfen die Benachteiligten nicht abhängen. In meiner Schulzeit von 1966 bis 1980 waren alle meine Freunde Kinder von Arbeitern. Diese wurden durch unser sehr gutes Bildungssystem so gut gefördert, dass sie alle Abitur machten. Es gab keine explosionsartige Vermehrung von Einser Abituren gepaart mit einem großen Feld von Schülern mit schlechten Abi-Abschlüssen .Da müssen wir wieder hinkommen um unsere Demokratie zu stärken. Es steht sehr viel auf dem Spiel.Es darf nicht sein, dass wie in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 25 $%der männlichen Schulabgänger keinen Schulabschluss haben. Das macht den Artikel 3 Abs. 3 des Grundgesetzes aus.
      Individuelle Förderung ist sehr zeitaufwendig und kann Ungleichheiten ausgleichen, etwa durch Förderunterricht, um Migranten die deutsche Sprache näher zu bringen. Häufig kennen die gar nicht unsere Begriffe.Lesen durch schreiben stützt sich nur auf den Sprachschatz der Kinder ohne diesen zu erweitern. Deshalb halte ich diese Methode auch für reaktionär, da eEtern aus dem Bildungsbürgertum ihre kinder durch eigene oder professionelle Nachhilfe weiter bringen, als es die Methode ermöglicht.

      • So sehr ich Ihre Aussagen in Ihren sonstigen Kommentaren schätze, so sehr verwundert mich auch, wie wichtig Sie Grundgesetzpragraphen für eine Überzeugung in der eigentlichen Sache ansehen.
        Schade, denn die viel wichtigeren sachlichen Argumete zur Methode „Lesen durch Schreiben“ werden dadurch in den Hintergrund gedrängt und Sie erwecken den Eindruck, bei dieser Methode ginge es ganz wesentlich um Fragen des Gesetzes und nicht der Pädagogik.
        In der Sache waren Sie für mich bisher sehr überzeugend unterwegs. Jetzt argumentieren Sie auf einem Nebengleis, das ich schade finde. Ehrlich gesagt, interessiert es mich nicht und macht mich nur bedenklich.
        Es wirft unnötige Fragen zu dem auf, was Sie bezüglich der Schreiblern-Methoden bisher recht einleuchtend ausgeführt haben. Wenn aber auch noch das Grundgesetz helfen muss, einer Methode den Garaus zu machen, komme ich ins Grübeln, obwohl mich die sachlichen Argumente vordem überzeugt hatten.

        • Ich will die Methode gar nicht auf ihre verfassungsgemäße Übereinstimmung mit dem Grundgesetz überprüfen lassen. Es geht mir alleine darum, dass keine Benachteiligungen für Kinder von Migranten und Kinder aus einer Sprach armen Umgebung durch diese Methode benachteiligt werden. Deshalb wurde die Methode auch in Hamburg zurückgedrängt.

      • Ihre Interpretation des GG sollten Sie ggf. vom dafür zuständigen BVerfG in KA überprüfen lassen:

        Art. 3 des GG

        (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

        (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

        (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

        Den Artikel 3 habe ich voran gestellt. Der Sinnzusammenhang zu einer Unterrichtssituation erschließt sich mir hinten und vorne nicht. Hinzu kommt, dass ich Integrations- und Inklusionschüler eben nicht gleichbehandeln darf. Sie sind teilweise per Erlass und Schulgesetz von der Gleichbehandlung befreit.

        • Eben diese unterschiedliche Methoden, die sie auf diese Kinder anwenden gleichen doch die Unterschieede aus. Mir ging es darum,dass man Lesen durch Schreiben nicht auf alle Schüler anwenden kann. Schwache Schüler brauchen einfach mehr input und die korrekte Vorgabe der richtigen Schrift.Die sind mit LdS einfach überfordert. So erging es meiner ältesten Tochter. Und dann sollte man andere Methoden als eine rein lautorientierte Methode anwenden.

          • Nein, die Inklusionskinder werden von mir nur als Fachlehrer unterrichtet, nicht aber gefördert. Der Gleichheitsgrundsatz gem. GG würde dann nämlich auch zur Folge haben, dass ich die gleiche Eingangsbesoldung wie die Sonderpädagogen hätte.

  4. Das ist natürlich ganz schlimm, dass die Ministerin einen unsäglichen Missstand abstellen will. Dass die Anderen jedem hermeneutischen Erkenntnisprozess durch ihr Lernen nach „Niveaus“ das Skalpell anlegen, das hat natürlich niemanden aufgeregt. Denn pädagogische Spielchen sind ja wichiger in den Schulen als ernsthaftes Denken und Lernen.

  5. Zu Frage 1: Nach der Logik müsste die Grundschule bis Klasse 9 verlängert werden. Aber mal ernsthaft: Jeder Mensch lernt im gesamten Leben immer wieder neue Worte und Rechtschreibregeln kennen. Beispielsweise dürften nahezu alle heute aktiven Lehrer die Worte „Handy“ und „dass“ in ihrer Grundschulzeit niemals geschrieben haben.

    Zu Frage 2: Fehlersensibilität ergibt sich automatisch, wenn ein sofort korrekt gelerntes und automatisiertes, aber aktuell falsch geschriebenes Wort als „hässlich“ empfunden wird, während die korrekte Schreibweise „normal“ wirkt.

    Zu Frage 3: Ja, weil dadurch eine Debatte in Gang gesetzt wird, die möglicherweise neue Impulse in die Forschung bringt. Ein Schritt zurück kann auch ein Fortschritt sein.

  6. Als Berufsschullehrerin sitze ich manchmal fassungslos vor den Klausuren der Schüler. Viele haben das Gefühl für Sprache erst gar nicht entwickelt, weil sie sich zu wenig mit ihr beschäftigt haben. Ich habe dieses Verbot als Stern am Firmament gesehen und nun wird schon wieder gewettet dagegen. Sieht denn niemand, wie katastrophal die Entwicklung in der Rechtschreibung ist?

    • Sie sprechen von Gefühl für Sprache und wollen 6-Jährige mit Regeln bombadieren?

      Wundern Sie sich nicht wieso Ihre SuS „keinen Bock auf schreiben haben“?

      • Es wird in den strukturierten Schreiblehrgängen ,z.B ABC der Tiere,Lollipop,Tobi Fibel etc niemand mit Rechtschreibregeln bombardiert.Diese werden den Kindern sukzessiv vermittelt.Ein sicheres Schreiben wird ihnen schneller vermittelt. Wenn sie die Kinder nur mit einer Anlaut-Tabelle Schreiben lassen, handelt es sich um eine unterlassene Hilfeleistung und die Kinder werden eigene Regeln entwickeln , wenn sie diese Wortruinen dann auch noch mit einem smile versehen.Die Bachstaben des ABC bilden nicht die Laute der deutschen Sprache ab( sieheGünther Thome/ABC und andere Irrtümer über Orthographie,Rechtschreibung,LRS).

    • Doch, das Problem wird erkannt und regelmäßig in der Öffentlichkeit thematisiert. Aber dann taucht auch schon wieder Herr Brügelmann, oder einer seiner Epigonen auf, wie Herr Becker-Mrotzek .Und die stellen dann alles wieder ganz anders da. So war das auch nach dem Spiegel Artikel über die“ Rechtschraipkatertrofä“ 2015.
      Es bist schon ein wissenschaftliches Unding, wenn die Lese-Leistungen von heute sechzigjährigen, welche invalidisierende Erkrankungen zum Teil hinter sich haben (z. B. als Folgen von Diabetes mellitus, Schlaganfall,M.Parkinson, Demenz) oder fehlende Lese-Praxis über Jahre mit heute zwanzigjährigen verglichen werden. Die Gruppen kann man nicht vergleichen. Wenn dann aber bei der Leo-Studie herauskommt, dass die heute zwanzigjährigen kaum besser abschneiden als die älteren Personen, dann sollte man sich doch mal seine Gedanken machen.

  7. Hoffentlich halt Frau Eisenmann durch.

    Ganz interessant finde ich das IntraActPlus-Kozept, das auf wissenschaftlichen Erkenntnissen bruht und früherer Methodik nahekommt.

    Link: https://www.amazon.de/Lesen-Rechtschreiben-lernen-IntraActPlus-Konzept-individualisiertes/dp/364225585X

    • Eine Kundenrezension:

      ——————————

      Top-Kundenrezensionen
      5.0 von 5 SternenEndlich Hoffnung!!!
      Von alina am 10. April 2014
      Format: Loseblattsammlung Verifizierter Kauf
      Hallo, ich werde erst mal erzählen wieso ich mich für das Konzept überhaupt interessiert habe:

      Meine 7 Jährige Tochter (Anfang 2.Klasse), wurde mit LRS diagnostiziert. Nach dem die Psychologin gemeint hatte es gibt keine Aussicht auf eine Förderung vom Jugendamt München – das Kind ist (noch) nicht am Boden zerstört und hat ein gutes Zeugnis im ersten Schuljahr gehabt(keine Ahnung wie das Kind das geschafft hat) fing die Suche nach einer Lösung an.
      Aus der Schule habe ich überhaupt keine Hinweise auf eventuelle Probleme bekommen. Deswegen bin ich erst Ende der ersten Klasse in Alarm geraten und das alles nur weil meine Tochter ein Zwilling ist. Ihre Zwillingsschwester kann sehr gut lesen. Zwar habe ich immer wieder gesagt ich darf die beiden nicht miteinander vergleichen aber am Ende der 1.Klasse war der Unterschied vernichtend – gleicher Übungsaufwand. Es hat ewig gedauert bis ich mir eingestehen konnte das Sie ein Problem hat. Als ich die Lehrerin angesprochen hatte und den Verdacht der Leseschwäche ausgesprochen habe hieß es: „Lassen sie mal die Kirche im Dorf“.

      Meine Tochter hat alle Klischees einer LRS bedient: Buchstaben verwechseln ( b und d, B und D, k und t, K und T, a und e, s und f, m und n), Leserichtung verwechselt, Schwierigkeiten beim Zusammenziehen der Buchstaben, kein Leseverständnis, extrem langsames lesen, keine Lust zu lesen. Musste jeden Tag Überzeugungsarbeit leisten damit ich sie zu 15 Min Lesen bewege.
      Es folgte eine umfangreiche Informationsrecherche durch Internet und sonstige Lektüre. Die erste gewonnene Erkenntnis war, dass die Leseprobleme durch die „bewusste“ Wahrnehmung der Buchstaben entsteht (es gibt kein Automatismus). Meine Tochter hat die Buchstaben nie verwechselt als sie die Buchstaben einzeln gesehen hatte, nur im Text… es ist schwer jedes Buchstabe einzeln bewusst zu identifizieren. Daraufhin habe ich „ertasten Buchstaben“ gebastelt: Buchstaben aus Pappe ausgeschnitten, auf quadratische Kärtchen aufgeklebt – rechtes Eck des Kärtchen abgeschnitten wegen der Richtung (die Problembuchstaben hab ich mehrfach gebastelt). Meine Tochter sollte die Buchstaben mit geschlossenen Augen ertasten und erraten – jeden Tag einmal alles durch. Dadurch sind die meisten Verwechslungen innerhalb einer Woche weg gewesen… alle bis auf die „b und d“ Problematik. Als ich damit aufhören wollte fingen die Verwechslungen wieder an, also machen wir immer noch (4 Monate später) „Buchstaben raten“ jeden Tag (dauert 5-10 Minuten).
      Die andere Probleme sind aber geblieben und ich hab mich weiter informiert. Und desto mehr ich darüber gelesen hab, desto bewusster ist mir geworden dass ich das auch hatte bzw. habe (habe meinem Uni-Abschluss mit 22 gemacht und bin Zeit 12 Jahren in Deutschland, muss aber immer noch überlegen ob „Banane“ mit einem oder 2 „n“-s in der Mitte geschrieben wird). Und klar fragt man sich wieso es bei mir nicht wirklich ein Problem gewesen ist. Meine einzige Erklärung ist die Leselernmethode die in meinem Fall unterrichtet wurde. Ich komme aus Rumänien (bin Deutch-Rumänin). In Rumänien hat man erst ganz lange Schreibübungen gemacht, damit die Kinder sich an die Stifthaltung gewöhnen: Gehstöckchen, Striche, Halbkreise und Kreise haben wir 1,5 Monate geschrieben. Dann kamen die Buchstaben, einzeln, Groß und Klein. Da war ein Buchstabe und es hatte ein Namen genau wie jeder Mensch ein Namen hat (es heißt „A“ oder „M“), keine „A wie Affe“ Assoziation oder sonstige Hilfsmittel. So bald wir mehr als 1 Buchstabe konnten, richtig konnten, ging es mit der Silbenbildung los… Silben lesen, Silben lesen, Silben lesen. Als kleine einfache Sätze gebildet werden konnten (auch mit Hilfe von Bilder), mussten wir diese Texte so oft durchlesen biss wir in der Lage waren den Text flüssig zu lesen. Die Texte waren am Anfang komplett in Silben geschrieben:
      „MA-MA HAT…“ „Ma-ma hat…“
      Langsam gingen die Texte von der Silbenschreibweise zur flüssige Schreibweise hinüber. Wenn ein neues Wort aufgetaucht war, ist dieses neue Wort in Silben geschrieben gewesen. Und immer sollten wir die Fibel Texte so oft lesen bis wir diese flüssig lesen konnten.

      Im Internet hab ich das IntraAktPlus Konzept entdeckt und es macht genau das was ich in der ersten Klasse machen musste. Und jetzt habe ich auch die Erklärung für die Wiederholungen und „lesen bis es flüssig gelesen werden kann“: die Kinder sollen sich die Buchstaben und Buchstaben Reihenfolgen im Langzeit Gedächtnis merken damit das bewusste wahrnehmen wegfällt. Nur so kann ein Automatismus entstehen. Sonst lesen die Kinder mit einer Lesestörung jedes Wort immer so als ob sie es das erste Mal lesen. Sie nehmen jedes Buchstabe immer bewusst wahr – das KANN NICHT schnell sein.

      Wir benutzen jetzt das Material seit Dezember und sind in der Mitte der Folien mit Kleinbuchstaben angekommen. Das Material ist ganz leicht anzuwenden. Man muss nicht groß die Theorie durchlesen, einfach die Anwendungsregeln lesen und los geht’s. Die Beschreibung ist klar und einfach. Es gibt nur eine Sache die bei dem Produkt zu Verbessern währe: es gibt wenig Folien, ich muss ziemlich viel selber basteln. Das geht aber ganz leicht sobald man das Prinzip verstanden hat. Ich beobachte meine Tochter beim Lesen und bastle für die einzelnen Leseproblemen Übungsfolien. Es funktioniert. Über das Schreiben kann ich noch nichts sagen, melde mich nochmal wenn wir soweit sind.

      Die ersten Anzeichen eines Erfolges waren nach 3 Wochen, als meine Tochter anfing Schilder und sonstige kurze Mitteilungen beim Vorbeigehen zu lesen (als wir in der Stadt unterwegs waren, beim Einkaufen). Sie übt freiwillig – instinktiv empfindet sie es als richtig. Jetzt, 3,5 Monate später, ist sie deutlich lockerer und entspannter wenn es ums Lesen geht. Sie liest sogar kleine Bücher (Mia und Mio Tiergeschichten – in Silben) WEIL SIE ES WILL: jeden Tag den Text einer Seite (oder auch weniger), jedes Mal so lange bis sie den Text flüssig lesen kann. Und sie ist sooo stolz dass sie flüssig lesen kann, sooo zufrieden! Die Lesegeschwindigkeit ist nicht signifikant besser geworden, aber sie liest jetzt genauer, so dass sie das gelesene meist gleich versteht.

      Sehr zu empfehlen!!!!

      Ergänzung vom 23.04.2015
      Ich wollte mich nochmal melden wenn wir beim Schreibteil angekommen sind… nun ja, den haben wir noch nicht durchgemacht, hätten wir wahrscheinlich in der 2.Klasse machen sollen…
      Aber: meine Tochter liest!!! Bücher für die 3. Klasse. Und sie versteht es! Sie ist natürlich langsamer als ihre Zwillingsschwester aber sie kann lessen! „Kannst du mir das vorlesen“ sagt sie kaum noch! Seit Dezember üben wir auch mit dem Computerprogramm „Celeco“, wir waren im Kinderzentrum München deswegen. Damit hat sie nochmal einen richtigen Sprung in der Lesegeschwindigkeit gemacht. Im Kinderzentrum München wurde festgestellt dass Fixationszeit und Augenbewegungen nicht zueinander passen (sie braucht länger als normal um zu focussieren). Seit einer Woche hat sie eine Brille, es wurde bei ihr eine sog. Winkelfehlsichtigkeit festgestellt. Diese wird vom Optiker geprüft, der Augenarzt ignoriert es. Hätten wir davon vor 1 Jahr erfahren, würde die Situation jetzt mit Sicherheit noch besser aussehen.

      • Zitat: „Im Internet hab ich das IntraAktPlus Konzept entdeckt und es macht genau das was ich in der ersten Klasse machen musste.“

        Soweit zum Thema ältere Methoden!

      • Das ist eher Literatur für so manche Elternschaft.

      • Herr Prof.Brügelmann hat in einer Stellungnahme des Grundschulverbands in 3/2009 erklärt:“ Die Konzeption von IntraActPlus ist lerntheoretisch zweifelhaft,fachdidaktischunhaltbar und grundschulpädagogisch nicht wünschenswert.“
        (Siehe Antwort von Streit/Jansen/Fuchs) auf das Gutachten des Herrn Brügelmann.
        Das Konzept ist empirisch und wissenschaftlich untersucht sehr effektiv, es wird aber von einem Spitzenvertreter dieses Vebandes verrissen. Was soll man dazu noch sagen.

  8. Sehr geehrte Redaktion, ich finde es gut, dass Sie über die Stellungnahme des „Grundschulverbands“ berichten, aber meiner Meinung nach sollte der Artikel auch Informationen über den „Grundschulverband“ enthalten, denn nicht jeder weiß, dass es sich hierbei um eine Lobbyorganisation für die kritisierten Lehrmethoden handelt.

    • Lieber Pälzer,

      wir berichten immer wieder über die unterschiedlichsten Verbände und Organisationen, ob Philologenverband, VBE, deutscher Lehrerverband, GEW, oder auch die Parteien – die allesamt Lobbyorganisationen für die von ihnen vertretenen Menschen und Positionen sind (was übrigens völlig legitim ist), ohne dass wir deshalb Hintergründe zu den jeweilgen Verbänden und Organisationen bringen oder sie gar kritisch auseinandernehmen.

      Der Grundschulverband ist ein seit Jahrzehnten etablierter Verband in Deutschland. Ihm gehören nach eigenen Angaben mehr als 9.000 Mitglieder an, und zwar Grundschulen, Lehrer, Studierende, Wissenschaftler sowie an der Grundschule interessierte Personen und Institutionen. Wenn wir ihn für unseriös hielten, würden wir über seine Positionen gar nicht berichten.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

      • Natürlich ist der Grundschulverband nicht unseriös, aber er ist natürlich parteiisch, und wer darauf hinweist, welche Tendenz ein Verband hat, informiert seine Leser ausgewogener.

      • Vielen Dank für die Zahlen! Wenn wir annehmen, dass etwa die Hälfte der 9000 Mitglieder Lehrer sind, dann macht das bei 223400 Grundschullehrern in Deutschland einen „GS-Vertretungsanteil“ von 2,3%. „Grundschulverband“ klingt aber eher so, als seien alle dabei.

        • Wie viele Philologen sich wohl vom Philologenverband vertreten lassen?
          Wie viele sind Mitglied und wie viele stehen ihm nahe, sind aber nicht beigetreten?

          Beim Grundschulverband kann man sich auch als Schule anmelden, sodass damit die Lehrkräfte der Schule im Verband vertreten sind und Zugang zu Schriften und Materialien erhalten.

          • Genau, wir sind auch mit der Schule dabei und das ist gut, denn wenn man schon in einem Lehrerverband Mitglied ist, das sind die meisten und die Beiträge sind bei Lehrerverbänden ziemlich hoch – dann ist das eine gute Lösung, dass sich im Grundschulverband auch die Schulen anmelden können.

          • Mir würde es widerstreben, per Schule oder als Einzellehrkraft in einem Verband zu sein, der für neue Methoden sorgt, für die er dann auch noch die Lehr-, Lern- und Arbeitsmittel anpreist und gewinnbringend verkauft.
            Eine Verquickung von wirtschaftlichen mit unterrichtsmethodischen Interessen gelten seit jeher als fragwürdig. Meiner Meinung bestehen hier Vorbehalte zu Recht.

          • „der für neue Methoden sorgt, für die er dann auch noch die Lehr-, Lern- und Arbeitsmittel anpreist und gewinnbringend verkauft.“

            Nur, dass dieser Verband die Sachen gar nicht verkauft, sondern seinen Mitgliedern kostenlos zur Verfügung stellt und vieles davon auch anderen als Download allen, die es nutzen wollen, anbietet.

          • Wenn man indoktriniert werden möchte kann man das ja machen.

        • Axel von Lintig

          Seine wichtigsten Vertreter sind Herr Hans Brügelmann, Frau Brinkmann , Herr Hecker, sowie Herr Barnitzki.
          Brügelmann lancierte die Einführung der dem Schrift-Zugang der Schüler wenig zuträgliche „Vereinfachte Ausgangsschrift“(VAS).
          Unterstützung für diese gab es auch von der Schulbuch-Industrie. Mit ihrer Einführung ,mussten die bisher verwendeten Schulbücher ersetzt werden, was den Umsatz dieser Schulbuch-Industrie steigerte. Wenig glücklich war es auch, dass sich sozialdemokratische Entscheidungsträger für diese Methode begeistern ließen und sie in NRW einführten.
          Die eigene Studie des Erfinders (Grünwald) umfasste in einer vergleichenden Studie zwischen Lateinischer Ausgangsschrift und Vereinfachter Ausgangsschrift lediglich jeweils etwa 120 Schüler. Allerdings unterschied sich die Zusammensetzung der beiden Gruppen. In der VAS waren deutlich mehr Mädchen vertreten, während in der LAS überwiegend mehr Jungen vertreten waren. Mädchen sind in ihren grapho-motorischen Fähigkeiten weiter als Jungen. Eine postulierte schnellere Erlernbarkeit, geringere Fehlerzahl schnellerer Schreibung etc. konnten durch Untersuchungen von Prof. Topsch /Oldenburg(Die vereinfachte Ausgangsschrift, Ende einer Legende) wiederlegt werden. Es wurden zahlreiche systematische Fehler bei Grünwalds vergleichender Untersuchung nachgewiesen
          Das Ergebnis sind deutlich schlechtere Schriftbilder, wie fast jeder Lehrer in den weiterführenden Schulen selbst überprüfen kann. Die Zahl der Schüler, die eine Schreibschrift anwenden nimmt ab.
          Inzwischen hat Herr Brügelmann eine eigene Schrift, die Grundschrift kreiert, und er bewirbt diese. Aus dieser, der Druckschrift sehr ähnlichen Schrift, sollen die Schüler in Zukunft ihre eigene Handschrift entwickeln.
          Das Einzige was dann noch flüssig ist, ist die Tinte in den Schreibstiften.
          Ein Kulturgut wird verloren gehen.Die Lateinische Schrift ist im Gegensatz dazu sehr schnell im zweiten Schuljahr zu erlernen. Das ist empirisch belegt.
          Als weiteres übernahm er die Methode „Lesen durch Schreiben“ von Reichen und entwickelte daraus seinen „Spracherfahrungsansatz“ ohne eigene Unterrichtserfahrungen.
          Es bleibt dem Leser überlassen, die von ihm propagierten Methoden mit den in der Hattie-Meta-Analyse abgebildeten jeweiligen Effekt-Stärken auf das Lernverhalten der Schüler abzugleichen.Es lohnt sich.Meist schneiden diese unter 0,2 ab und das entspricht dem Effekt, wenn ein Kind ein Jahr älter wird.

          • Was Sie über die VA schreiben, trifft auch meine Erfahrungen. Den Verfall der Schrift merkt man schon schleichend ab dem 3. Schuljahr, sobald die Schüler mehr schreiben müssen. Über die lateinische Ausgangsschrift als Alternative lässt sich streiten. Sie erfordert viel Übung. Wenn man allerdings an die kinesiologische Auswirkungen auf das Gehirn glaubt (Achterbewegungen, Schleifenbewegungen) kommt diese Schrift diesen Aussagen entgegen, denn durch die Verschleifung der Schrift werden ja gewisse Gehirnregionen laut dieser Lehre aktiviert. Ich selbst bevorzuge die Schulausgangsschrift als Kompromiss. Ich bin froh, dass diese in unserem Bundesland erlaubt ist. Die Schrift ist deutlich klarer und verführt nicht zu dem eckigen schnellen Schreiben. Die Grundschrift – auch wenn sie vom Grundschulverband kommt – lehne ich ab, weil diese überhaupt nichts mehr motorisch trainiert und ich bin noch nicht von der Überzeugung losgekommen, dass durch gewisse motorische Herausforderungen die beiden Gehirnhälften angeregt werden.
            Der Ansatz, es den Kindern so einfach wie möglich zu machen, lässt die Feinmotorik verkümmern und gewisse Gehrinregionen werden nur noch selten aktiviert.
            Einen anderen Nachteil hat noch eine zu „schnelle“ Schirft: Sie verführt sehr früh zu einer oberflächlichen Arbeitsweise. Das hat wiederum zur Folge, dass viele Dinge ohne zu überlegen dahingeschrieben werden.
            Allerdings ist eine zu komplizierte Schrift ebenso fehlerbehaftet, weil sich die Schüler dann zu sehr auf die Schreibmotorik konzentrieren müssen. Ich bin, wie schon oben erwähnt, für einen Kompromiss, nämlich für die SAS.

          • Zu Hattie:
            In der Hattie- Studie – ich besitze das Buch – steht sinngemäß auf S. 167, dass ein guter Leseunterricht auf 5 Säulen ruht: phonemische Bewusstheit, Lautier-Methoden, Flüssigkeit, Vokabular und Verständnis; die Methode ist zweitrangig. Am effektivsten sind Leseprogramme, die Fähigkeiten der visuellen und akustischen Wahrnehmung fördern, am ineffektivsten ist die Ganzheitsmethode.

            Nebenbei bemerkt: Die Hattiestudie nimmt für ihre Ergebnisse zumeist Untersuchungen aus englischsprachigen Ländern, die bekanntlich ein völlig anderes Schulsystem haben als wir. Deutsche Untersuchungen werden kaum aufgeführt, und wenn, dann sind das oft keine Untersuchungen, die die allgemein bildenden Schulen betreffen.

          • Axel von Lintig

            Ich habe bei meinen Kindern einfach den von der Schule ausgearbeiteten Schreiblehrgang in die Lateinische Ausgangsschrift abgeändert. Die Buchstaben nehmen ihren Anfang an der Grundlinie.Belassen habe ich das große S. Es macht den Kindern deutlich mehr Freude ,als es diese eckige Schrift der „Vereinfachten“ Ausgangsschrift bewirkt. Der Schreibfluss ist, wie sie schon sagten gleichmäßiger, die einzelnen Bausteine der Buchstaben werden in den verschiedenen Buchstaben wiederverwendet. Dadurch fällt den Kindern das Erlernen leichter.Auch in folgenden Schuljahren kann man sie noch gut lesen. Und selbstverständlich kann man aus dieser verbundenen Schrift eine eigene Handschrift entwickeln. Das ist bei einer Art Keilschrift, wie der Grundschrift eher nicht zu erwarten. Jedenfalls gelang uns nicht der empirische Nachweis, aber empirisch ist ja auch nicht wissenschaftlich.
            Die haben dort maximal 25 Schüler in einer Klasse, und deshalb hat die Klassengröße eben doch einen Effekt auf das Lernverhalten. Es gibt dort eben nicht so großen Unterschiede zwischen den Klassen.
            Die Ergebnisse der Hattie-Meta-Analyse kann man sehr wohl ,ebenso wie die Ergebnisse von medizinischen Groß-Studien, die auf unsere deutschen Patienten übertragen werden, auf unsere deutschen Schüler übertragen.
            Mir haben zum Verständnis auch die Vörträge im Internet von Herrn Prof. Zierer geholfen.

    • Das stimmt! Man weiß nie bei seinen Hauptvertretern ,als was sie gerade unterwegs sind. Gemeint sind Hans Brügelmann, Frau Brinkmann .Sie sind wichtige Lobbyisten für LDS/ Spracherfahrungsansatz, Miterfinder der Methoden oder Hauptverbreiter, Herrausgeber von Lehrmaterialien und waren in NRW gleichzeitig Gutachter im Antragsverfahren der FDP zum Verbot von LdS in NRW-Schulen.Leider ist die schulpolitische Sprecherin der CDU im NRW Landtag selbst Grundschullehrerin und eine Verfechterin dieser Methoden.

  9. @ SR500,

    hm, wo ist denn mein Kommentar hin? Habe ich ihn aus Versehen an einer falschen Stelle gepostet?

    Wollte nur sagen, dass IntraActPlus-Konzept ist doch nicht eher etwas für die Elternschaft. Warum denn? Eine Mutter, die damit „begeistert“ ist, sagte mir, ihr einer Sohn habe das in seiner ersten Grundschule so gelernt. Er hat keine LRS wie der andere Sohn, der wie heute üblich Lesen und Schreiben gelernt hat. Er hat eine LRS. Inzwischen schreibt er bei mir Übungsdiktate mit einer (1. Mal) 4, (2.Mal) 2. Ok, wir haben geübt und geübt und geübt und die Eltern ziehen echt mit. Aber trotzdem, ein Kind mit klassischer LRS schreibt normalerweise sogar bei einem Abschreibdiktat noch eine 6.

    Die Kundin aus Rumänien (Rezension oben) wiederum sagte ja, so habe sie seinerzeit selbst Lesen und Schreiben gelernt (an einer deutschen Schule in Rumänien).

    Warum also soll das nur für Eltern gut sein?

    Es wurde hier immer nach einer Alternative gefragt. Vielleicht ist sie das?

    • Ich habe intra Act auch im Unterricht durchgeführt = sehr erfolgreich. Nachteil: das Schreiben lernen kommt zu kurz und ich musste viele, viele AB zur Übung selbst ausarbeiten. Das hat aber schon deshalb Spaß gemacht, weil alles beim Lesen so toll geklappt hat. Habt Mut zu
      “ old school“. Egal, was mancher hier glaubt oder auch nicht: Nicht alles, was alt ist ,ist schei …benhonig.

  10. @Axel von Lintig
    Dem, was Sie in Ihren Kommentaren sagen, kann ich als pensionierte Lehrerin immer wieder nur zustimmen – und zwar aus eigener Erfahrung mit dem Erstlese- und Schreibunterricht.
    An einer Stelle könnte meine Meinung jedoch etwas abweichen, weil ich die Bedeutung von Regelwissen in den ersten beiden Schuljahren vermutlich geringer einschätze als Sie.
    Das A und O am Schulanfang ist für mich, dass die Kinder sich eine möglichst große Anzahl häufig gebrauchter und immer wiederkehrender Wortbilder einprägen und sie fürs flüssige Lesen und sichere Rechtschreiben jederzeit aus dem Gedächtnis abrufen können.
    Darum ist es so wichtig, dass sie in der Hauptprägephase, nämlich den ersten Schuljahren, nicht gefüttert werden mit mal so und mal so geschriebenen Wörtern, sodass der Zufall darüber entscheidet, welche Schreibweise – wenn überhaupt – in ihrem Gedächtnis hängen bleibt und fortan für Schwächen im Lesen und Schreiben sorgt.

    Regelwissen gewinnt für mich erst an Bedeutung, wenn die Kinder über einen zwar noch kleinen, aber ausreichenden Grundwortschatz verfügen, an dem sie wiederkehrende Schreibungen erkennen können, z.B. die von Silben.
    Auch Rechtschreibregeln sind tückisch. Sie haben Ausnahmen und können falsch verstanden oder angewendet werden. Aus Vorsicht und zur Vermeidung von Irritationen habe ich deshalb im ersten und teilweise noch zweiten Schuljahr nur eine Regel für wichtig gehalten: Das erste Wort nach einem Punkt wird großgeschrieben.

    Allen, die jetzt vielleicht fragen, wie die Kinder denn das Erlesen – also das Zusammenziehen von Lauten – erlernen sollen, möchte ich sagen, dass diese Technik natürlich immer im Mittelpunkt des ersten Schuljahrs stand und nicht erst von Herrn Reichen dorthin gerückt wurde. Sie braucht aber keinerlei Vernachlässigung der Rechtschreibung, auf der seine Methode „Lesen durch Schreiben“ beruht.
    An exotischen und zunächst einsilbigen, dann längeren Namen oder sog. Unsinnwörtern, die in eine Rahmengeschichte gebettet werden, lassen sich schon mit wenigen erlernten Buchstaben (Lauten) spannende und spaßige Leseübungen an Wortgebilden durchführen, die nach einmaliger Verwendung in der Versenkung verschwinden und auf Grund ihrer Bedeutungslosigkeit nicht gespeichert werden.
    Mit allmählich wachsender Buchstabenkenntnis lernen die Kinder dann auch korrekt geschriebene und häufig wiederkehrende Wörter ihres Sprachschatzes zu lesen und sich einzuprägen, anstatt die Lesetechnik über falsche Schreibweisen zu erlernen, deren Folgeschäden nicht nur vom Erfinder selbst ignoriert oder verharmlost wurden, sondern auch von seinen Epigonen.

    • Regelwissen habe ic ab der zweiten Klasse einfließen lasse. Das ie (Wiese, liegen etc.) in zweisilbigen Wörtern mit dem Schalaut e in der Endsilbe,ee bei betonter Endsilbe(Kaffee etc),Übungen mit den Endlauthärtungen g/k, b/p,d/t durch bie Bildung von Wortverlängerungen,Doppelkonsonanten Übungen wie Qalen- Quallen, kamen- kommen,Polen-Pollen,Hüte-Hütte etc. (hier kommt es auf den kurz/Langvokal an). Es wird das phonologische Bewusstsein trainiert.Dann gehört da noch die Ableitung vom Wortstamm, z.B. 1 Person plural bei Werben dazu.

  11. Wenn die Verbandsvorsitzende des Grundschulverbandes schreibt etwas wäre empirisch bewiesen, so bedeutet es doch nur das die Erfahrung damit es beweist. Es ist also auch nicht wissenschaftlich bewiesen und andere können andere Ergebnisse aus den selben „empirischen“ befunden ziehen. Solange in derartig arbeitende „Wissenschaftler“ derart arbeiten, kann man sich eigentlich nur noch auf die Ergebnisse der Hattie-Meta-Analyse stützen.Mit den 230.000.000 Schülerdaten handelt es sich um eine sehr gewichtige Meta-Analyse. Und in ihr schneiden die offenen Unterrichtsmethoden, wie Freiarbeit, Wochenarbeit, Leistungsbeschreibung statt Noten, jahrgangsübergreifender Unterricht und offener Unterricht sehr schlecht ab(von Peter Petersen entwickelt/Jenaplan aus der Nazizeit7siehe auch B.Ortmeyer). Dagegen sind Feedback, direkte Instruktion,Förderung der Selbstverbalisierung ,inhaltliche Klarheit,Leseförderung,herausfordernde Ziele setzen ,reziprokes Unterrichten und formative Evaluation hoch wirksam.Individualisierung , Teamteaching und entdeckendes Lernen haben lediglich einen mittlleren Effekt, diese Methoden stehen in NRW aber ganz oben an im Kultusministerium. Warum man dort die Methoden eines Peter Petzersen, der eng mit dem Nationalsozialismus verbunden war, sollte man dort einmal nachfragen.Effektiv sind dessen Methoden nicht.

  12. @Axel von Lintig
    Im Punkt „Regelwissen“ am Anfang der Grundschulzeit sind wir offensichtlich konträrer Meinung. Ich halte die Kinder eines 2. Schuljahrs von dem, was Sie schreiben, für überfordert.
    Sogar im 4. Schuljahr können z.B. viele nach meiner Erfahrung noch immer nicht lange und kurze Vokale unterscheiden. Es braucht zahlreiche Hörübungen, bis die Mehrzahl dazu halbwegs in der Lage ist und diesbezügliche Regeln dann auch halbwegs anwenden kann.
    Wie ich bereits schrieb, halte ich das Wortbildgedächtnis und dessenTraining für Fortschritte in den Lese- und Schreibfähigkeiten für viel entscheidender.

    Wir könnten jetzt noch lange darüber diskutieren, welche Meinung die richtige ist und auf Studien verweisen, die den eigenen Standpunkt unterstützen oder den des anderen in Frage stellen. Das bringt erfahrungsgemäß nur nicht viel.
    Darum möchte ich lieber eine einfache Frage nach Ihrer Selbstbeobachtung stellen: Schreiben Sie sicher und flüssig wegen Ihres guten und rasch abrufbaren Regelwissens oder weil die Wörter in Ihrem Kopf gespeichert sind und mühelos (automatisch) abgerufen werden können?
    Und wie erklären Sie sich, dass Menschen bei Unsicherheit in der Rechtschreibung eines Wortes dieses häufig erst ins Unreine schreiben um zu sehen, ob ihnen das Bild vertraut vorkommt?
    Auch flüssiges Lesen ist nur möglich, weil häufig gebrauchte Wortbilder auf Anhieb wiedererkannt und nicht immer wieder mühsam entziffert werden wie zu Beginn des Leselehrgangs.

    • Zur Wortbild-Theorie hat sich Herr Prof.Günther Thome in seinem Buch ABC und andere Irrtümer über Orthographie, Rechtschreiben ,LRS/Legastenie (9,80 Euro/vom Institut für sprachliche Bildung) geäußert. Er verdeutlichte dem Leser an Hand eines kleinen Experiments die Widerlegung der Wortbild-Theorie.
      Zum zweiten konnte er mit Hilfe der DESI-Studie (Deutsch Englische Sprachstudie International von von 2007- 2008 , an der 11.000 Schüler der neunten Klasse teilnahmen , nur einen indirekten Zusammenhang zwischen Lesen und Schreiben nachweisen.
      Ich kann flüssig schreiben , da ich ständig gezwungen bin schriftlich meine ärztlichen Tätigkeiten zu dokumentieren.Zu Anfang fiel es mir schwer, aber inzwischen ist man sehr schnell, weil man eben sehr viel schreibt. Genauso geht es den Kindern. Es macht gar keinen Sinn Buchstaben im Anfangsunterricht die Buchstaben mit Bildern zu unterlegen. Es ist richtig, wie sie bereits schrieben, mit den Kindern die an der Tafel geschriebenen Wörter gemeinsam oder einzeln zu lesen.
      Kinder haben bereits zu beginn der Einschulung ein ausgeprägtes Gehör für die Kurz- und Langvokale. Dieses geht ihnen aber durch die einseitige Einseitige Einüben der Langvokale verloren( (siehe auch Prof.Günther Thome oben)
      Sie könne die Kurz und Langvokale auch systematisch mit der silben-analytischen Methode, wie Frau Prof. Christa Röber, Frau Prof.Ursula Bredel und andere vermitteln, durchführen.Es gibt dazu zwei ausgereifte, strukturierte Schreiblehrgänge.:ABC der Tiere von Herrn Kuhn und seinen Lehrerkollegen,sowie aus dem Westermann-Verlag das Karibu. Das erste ist stark linguistisch ausgerichtet,verfolgt systematisch die Eingliederung der sprachlich deutstämmigen ,zweisilbigen Wörter in die Häuschen: Typ A Hü te, Typ B Hüf te,
      Typ C Hütte.Man kann sehr gut den unterschiedlichen Rhythmus zwischen Hü te und Hütte mit den Kinder herausarbeiten. .Heißt es ko men oder kommen, schwimmen im Meer Qua len oder Quallen etc.
      Kinder erfassen zu Beginn ihrer Einschulung sehr genau die einzelnen Silben der Wörter, welche sie hören. Das hat bereits Bosch 1937 und Mitarbeiter von Frau Prof. Röber jetzt untersucht. Sprach man den Kindern kurze Sätze vor und forderte sie auf die Anzahl der Worte zu zählen, so zählte der überwiegende Teil der Kinder die Silben und nicht die Worte.
      Kinder haben also ein gut ausgebildetes Gespür für die Silbe. Es war mir deshalb auch nie ersichtlich, warum sie dieses Wissen und Können durch die Anwendung einer auflautierende Methode , wie Lesen durch Schreiben,aufgeben sollten. Warum sollte diese Struktur durch ausschließliche Langvokal-Anwendung verschüttet werden.Außerdem eignet sich die Methode sehr gut um den weiteren Sprachaufbau voranzutreiben.Lesen und Schreiben muss beides bearbeitet werden, in jeden Fall und durch häufiges lesen verbessert sich der Ausdruck, die Argumentation und das Textverständnis. Orthographische Fähigkeiten bilden Sie aus, wenn sie schreiben, üben und noch mal üben und je früher, um so besser. Und sie müssen Fehler machen um daraus zu lernen.

  13. Das Unterrichtskonzept des eigenständigen,selbst gesteuerten und Laut orientierten Schreiberwerbs mit einer Anlaut-Tabelle und ohne Fehlerkorrektur steht schon von Beginn seiner Einführung in der öffentlichen Kritik. Seriös arbeitenden Sprachwissenschaftlern( z.B. Prof. Agi Schründer-Lenzen, Prof.Renate Valtin,,Prof. Ursula Bredel, Prof.Christa Röber, Prof. Günther Thome) und Neurowissenschaftlern (z.B. Prof.Manfred Spitzer, Prof.Güntürkün) haben wiederholt fundierte Kritik an diesem Modell geäußert.
    Erschwert wird das Erlernen des Schreibens und Lesens nicht nur bei Bevölkerungsgruppen mit einem sprachlichen Dialekt, sondern auch bei Schülern mit dem Hintergrund einer Migration, Legasthenie, mit audio-visuellen Entwicklungsstörungen, ADS/ADHS, einer Lernschwäche, sowie von Kindern aus einer an Sprache armen Familien.
    Bei den von Frau Prof. Claudia Vorst angeführten empirischen Untersuchungen handelt es sich um Erfahrungswerte ohne wissenschaftliche Untersuchungen im großen Maßstab.Alleine die Marbuger-Studie von 2002 bis 2004 lieferte ein widersprechendes Ergebnis der Methode „Lesen durch Schreiben“.
    Die Argumentationslinie stützt sich alleine auf ein theoretischen Modelle zum Schrifterwerb von Kindern, welches diesen in vier Phasen gliedert.
    Es handelt sich ein Modell, welches zum Allgemeinverständnis des Lernprozesses beitragen soll , aber keineswegs diesen real wiederspiegelt.
    Durch die Wahrnehmung dieses theoretischen Konstrukts als reales und nicht als theoretisches Denkmodell, entstand bei vielen Anhängern der Methodik des eigenständigen, selbstgesteuerten Lese- und Schrifterwerbs mit einer Anlaut-Tabelle, die Wahrnehmung einer natürlichen, automatischen Entwicklung des Schrifterwerbs der Kinder. Beeinflussungen von außen, etwa von Seiten der Eltern, sollten möglichst vermieden werden, um diesen“natürlichen“ Schrifterwerb nicht zu stören. Dieser mehrphasige Prozess des Schrifterwerbs soll sich nach Aussage der Kritikerin des Verbots an LdS bis zum Ende der 9 Klasse ziehen.
    Diese Denkweise steht im eklatanten Widerspruch zu traditionalen Methoden , wie etwa dem von strukturierten, analytisch-synthetischen Methoden mit einem gezielten, effektiven Hinführen der Kinder zur Schrift.
    Aus Klagen der Wirtschaft und der Universitäten wissen wir aber, das Schüler, welche mit dieser Methode beschult wurden, zum großen Teil dieses Ziel nicht mehr erreichen.Sicherlich ist diese Methode nicht der alleinige Grund der desaströsen Ergebnisse, aber angesichts der propagierten Erfolge dieser Methode eine Niederlage.
    Aus der neueren Hirnforschung wissen wir aber, im Gegensatz zu den geäußerten Vorstellungen der Kritikerin des Verbots, dass sich falsch Gelerntes ohne eine Fehlerkorrektur im Gehirn einbrennt. Die Schüler entwickeln ohne Korrekturen eigene Strategien des Schreibens, welche durch ein zusätzlichem Feedback mit Smilies eine Verstärkung erfahren. Die Weigerung von Lehrern, konstruktiv mit Fehlern der Schüler umzugehen , verhindert einen durch Gegenkorrekturen und Erklärungen effektiven Lernzuwachs im Schreibprozess.
    Die Reaktion der Kultusministerin auf die schlechten Ergebnisse ist korrekt und angemessen.

  14. Das Unterrichtskonzept des eigenständigen,selbst gesteuerten und Laut orientierten Schreiberwerbs mit einer Anlaut-Tabelle und ohne Fehlerkorrektur steht schon von Beginn seiner Einführung in der öffentlichen Kritik. Seriös arbeitenden Sprachwissenschaftlern( z.B. Prof. Agi Schründer-Lenzen, Prof.Renate Valtin,,Prof. Ursula Bredel, Prof.Christa Röber, Prof. Günther Thome) und Neurowissenschaftlern (z.B. Prof.Manfred Spitzer, Prof.Güntürkün) haben wiederholt fundierte Kritik an diesem Modell geäußert.
    Erschwert wird das Erlernen des Schreibens und Lesens nicht nur bei Bevölkerungsgruppen mit einem sprachlichen Dialekt, sondern auch bei Schülern mit dem Hintergrund einer Migration, Legasthenie, mit audio-visuellen Entwicklungsstörungen, ADS/ADHS, einer Lernschwäche, sowie von Kindern aus einer an Sprache armen Familien.
    Bei den von Frau Prof. Claudia Vorst angeführten empirischen Untersuchungen handelt es sich um Erfahrungswerte ohne wissenschaftliche Untersuchungen im großen Maßstab.Alleine die Marbuger-Studie von 2002 bis 2004 lieferte ein widersprechendes Ergebnis der Methode „Lesen durch Schreiben“.
    Die Argumentationslinie stützt sich alleine auf ein theoretischen Modelle zum Schrifterwerb von Kindern, welches diesen in vier Phasen gliedert.
    Es handelt sich ein Modell, welches zum Allgemeinverständnis des Lernprozesses beitragen soll , aber keineswegs diesen real wiederspiegelt.
    Durch die Wahrnehmung dieses theoretischen Konstrukts als reales und nicht als theoretisches Denkmodell, entstand bei vielen Anhängern der Methodik des eigenständigen, selbstgesteuerten Lese- und Schrifterwerbs mit einer Anlaut-Tabelle, die Wahrnehmung einer natürlichen, automatischen Entwicklung des Schrifterwerbs der Kinder. Beeinflussungen von außen, etwa von Seiten der Eltern, sollten möglichst vermieden werden, um diesen“natürlichen“ Schrifterwerb nicht zu stören. Dieser mehrphasige Prozess des Schrifterwerbs soll sich nach Aussage der Kritikerin des Verbots an LdS bis zum Ende der 9 Klasse ziehen.
    Diese Denkweise steht im eklatanten Widerspruch zu traditionalen Methoden , wie etwa dem von strukturierten, analytisch-synthetischen Methoden mit einem gezielten, effektiven Hinführen der Kinder zur Schrift.
    Aus Klagen der Wirtschaft und der Universitäten wissen wir aber, das Schüler, welche mit dieser Methode beschult wurden, zum großen Teil dieses Ziel nicht mehr erreichen.Sicherlich ist diese Methode nicht der alleinige Grund der desaströsen Ergebnisse, aber angesichts der propagierten Erfolge dieser Methode eine Niederlage.
    Aus der neueren Hirnforschung wissen wir aber, im Gegensatz zu den geäußerten Vorstellungen der Kritikerin des Verbots, dass sich falsch Gelerntes ohne eine Fehlerkorrektur im Gehirn einbrennt. Die Schüler entwickeln ohne Korrekturen eigene Strategien des Schreibens, welche durch ein zusätzlichem Feedback mit Smilies eine Verstärkung erfahren. Die Weigerung von Lehrern, konstruktiv mit Fehlern der Schüler umzugehen , verhindert einen durch Gegenkorrekturen und Erklärungen effektiven Lernzuwachs im Schreibprozess.
    Die Reaktion der Kultusministerin auf die schlechten Ergebnisse ist korrekt und angemessen.

  15. Axel von Lintig

    Es steht weit mehr auf dem Prüfstand als nur „Lesen durch Schreiben“.
    Es geht vor allem um die Art der Vermittlung der drei zentralen Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens, deren Beherrschung erst ein eigenständiges , selbstbestimmtes Leben in einer Industriegesellschaft ermöglicht. Wenn hier die Landes-Verbandsvorsitzende erklärt , der Erwerb dieser Fähigkeiten wären ein natürlicher Entwicklungsprozess, der über verschiedene Entwicklungsstufen bis zum 9. Schuljahr verlaufen, dann befindet sie sich auf einem Irrweg.Es sind Kulturtechniken wie jede andere und diese erlernt man besten mit der Hilfe von befähigten Fachkräften und nicht von alleine ohne Anleitung.
    Wir hatten hier in NRW bis etwa 2000 ein wohl strukturiertes System im Erwerb dieser Techniken.
    Seit dem hat sich hier viel verändert und man sieht heute nach den abgelaufenen 16 Jahren der Umstellung die Folgen der Umstellung. Wenn Leher ihre Funktion nur noch als Lernbegleiter sehen anstatt als Steuerer und ihren Einfluss auf die Leistungen der Schüler als gering erachten, dann läuft hier etwas grundsätzlich falsch.
    Nicht die äußeren Strukturen der Schulen, ob drei- zweigliedrig, oder wie auch immer das Schulsystem gegliedert ist haben Einfluss auf das Lernverhalten. Es ist im wesentlichen der Lehrer auf den es ankommt. Er ist wichtig, denn er ist der Mittler dieser Kulturtechniken und da treten die Methoden dann mehr in den Hintergrund.
    Natürlich kann man mit offenen Methoden sehr viel differenzierter arbeiten, man muss die Schüler aber auch deutlich mehr instruieren, damit sie verstehen , wie sie arbeiten sollen.
    Aber nicht jeder ist gleich gut in der Vermittlung dieser Techniken und da ist es schon ganz gut, wenn man dann auf strukturierte Hilfsmittel zurückgreifen kann , die das Einüben des Schreibens und Lesens standartisiert vermitteln. Da bleibt dann immer noch genügend Platz für eigenen kreativen Freiraum
    Es darf einfach nicht sein, dass strukturelle Fehler nicht abgestellt werden. Auf die Vermittlung einfachster Regeln zu verzichten halte ich für obsolet, da diese Regeln das Schreiben und Erlesen unbekannter Wörter vereinfachen. Man muss diese natürlich mit eigenständigen Übungen der Schüler vermitteln.
    Alleine die Motivation der Schüler reicht nicht aus. Die ist bei der Einschulung sowieso vorhanden. Sie geht aber spätestens dann verloren, wenn die Schüler merken ,dass ihre selbstständig erworbenen Strategien unbrauchbar sind. Dann tritt der absolute Frust ein, sie sind verwirrt, verunsichert und gegebenenfalls vollkommen gleichgültig gegenüber Interventionen von Seiten der Lehrer oder anderer.
    Ein Musikinstrument lernt man auch anders. Da kommt es auch entscheidend auf den Lehrer an.
    Braucht man da einen Lernbegleiter oder einen , der einem die wichtigsten Griffe, die Melodik, das Gefühl vermittelt.Und es erfordert ebenso das wiederkehrend Einüben.
    Der Elfenbeinturm des Hans Brügelmann wackelt gewaltig.

    • Ja,
      ich stimme in vielem zu und finde den Vergleich zum Musikinstrument gelungen.
      Da gibt es viele verschiedene, Übung braucht es, und doch gibt es Musiker, die nicht allein durch Übung und Einschleifen Erfolge erzielen, sondern durch Kreativität, Gespür für Musik und Instrument und Inspiration, Ausdruck…

      Meiner Meinung nach umfasst die Differenzierung eben auch, dass diese Möglichkeit mit angeboten wird, um den SuS einen Weg zu bieten, die in diesem Fall Schrift als kreativen Ausdruck verstehen und darüber zum Schreiben kommen. Die gibt es nämlich auch.
      Und es gibt sogar SuS, die nach erfolglosem Üben und vielen Misserfolgen und rot-markierten Texten eine Schreibhemmung entwickeln, die sie der Bereitschaft, überhaupt nur eine Zeile zu schreiben, beraubt. (Schulwechsel nach Klasse 2,3 o. 4)
      Über die Möglichkeit der Kreativität – zunächst ohne Rotstift – können diese SuS den Zugang zum Schreiben erneut finden. Der geübte Leser und Lehrer wird dann an einem einzigen Text eine Fehleranalyse vornehmen können (auch dazu braucht es keinen Rotstift) und daraus die notwendigen Schlüsse ziehen.

      Man muss die Schüler im Blick behalten. Ich fasse den Begriff „Lernbegleiter“ anders … oder ich begreife mich nicht als solcher? Eine Begleitung ist für mich mehr, als unbeteiligt anwesend zu sein. Es ist Interesse, Motivation (die ist nämlich nicht bei allen Kindern vorhanden), Beratung, Zuspruch zu Abkürzungen, neuen Zielen, Nebenstrecken oder Umwegen… Auch da braucht es Differenzierung, auf die man sich einlassen sollte.

  16. Axel von Lintig

    Korrektur Zeile 14-15): wie auch immer das Schulsystem gegliedert ist haben keinen Einfluss auf das Lernverhalten.

  17. Dann scheint NRW ja ganz andere Wege gegangen zu sein als der Rest der Republik. In den Bundesländern, die ich aus eigener Lehrerinnentätigkeit her kenne, bzw. Verwandte beschult werden, wird sehr wohl ab der 2. Klasse Wert auf die Vermittlung von (Rechtschreib – und Grammatik)Regeln gelegt. Wir schreiben doch benotete Lernzielkontrollen und es gibt einen zu erlernenden Grundwortschatz. Ist das denn in NRW anders?

    • In anderen BL ist das anders.
      Niedersachsen verteilt in Klasse 2 keine Noten, Diktate sind nicht vorgeschrieben und einen festgelegten Grundwortschatz gab es in den letzten 35 Jahren nicht … aber seit Anfang 2016 Hinweise dazu.

      Bundesdeutsche Bildungsstandards und Curricula, die danach erstellt wurden, weisen für die ersten 2 Jahre sehr wenige Anforderungen aus, allerdings gab es die auch vorher nicht. Generell hieß es (und das wird bei uns weiter so gehandhabt), dass die SuS 2 Jahre für den „Schreiblehrgang“ Zeit haben. Das würde ich nicht als Norm ansehen, aber es galt auch zuvor schon, klasseninten zu differenzieren.

      Das alles bedeutet dennoch nicht, dass man die Kinder allein lassen würde oder dass alles egal wäre oder nichts korrigiert würde.

  18. Axel von Lintig

    In NRW wird der Vermittlung der Graphem -Phonem -Vermittlung bis zum Ende der zweiten Klasse gewartet. Vorher wird nicht gravierend interveniert. Das ganze soll wohl mehr spielerisch ablaufen.
    Diese ersten zwei Jahre sind aber für die Entwicklung der eigenen Schriftsprache in den folgenden Jahren sehr wichtig.
    Was hier verpasst wird muss dann in den folgenden Jahren mit sehr viel mehr Arbeitsaufwand nachgearbeitet werden.Die Schüler sind in diesen ersten zwei Schuljahren sehr viel motivierter und lernfähiger als den folgenden Jahren. Die Lernfähigkeit nimmt bis zum Ende des 15 Lebensjahres ständig ab. Die Schüler brauchen am Anfang eine deutliche Führung. Das läuft genauso ab , wie beim Erlernen eines Musikinstruments.

    Die Kompetenzerwartungen an die Schüler im Land NRW sind am Ende der flexiblen Schuleingangsphase, so heißt das Ungetüm, sind sehr niedrig: Die Schüler
    – schreiben bekannte Texte mit überwiegend lautgetreuen Wörtern fehlerfrei ab
    – Nutzen Abschreibtechniken
    – wenden beim Schreiben eigener Texte erste Rechtschreibmuster und rechtschriftliche Kenntnisse an (z.B. Einhalten der Wortgrenzen, Großschreibung nach Satzschlusszeichen, Endungen -en,er,sowie von Wörtern mit au,ei,eu,ch,sch,st,sp und qu)
    – Nutzen des Alphabet beim Nachschlagen in Wörterverzeichnissen

    Mit diesen Kompetenzen alleine hat man in den weiterführenden Schulen im weiteren Schriftspracherwerb erhebliche Probleme, und die Probleme ziehen sich bis zum Ende der Schulzeit und darüber hinaus.
    Aber wer hat diese Richtlinien erstellt.
    Maßgeblich beteiligt an der Erstellung der neuen Richtlinien für das Fach Deutsch als Koordinator war Herr Rüdiger Urbanek, Herausgeber des Lehrwerks Tinto, das genau den Vorgaben entspricht, wie die des befreundeten Autors des Lehrwerks Rechtschreibwerkstatt des Norbert Sommer-Stumpenhorst.
    Mehr geben diese Lehrwerke auch nicht her.

    • Auf den ersten Blick erscheint es im Lehrplan tatsächlich in der Schuleingangsphase wenig. Allerdings werden im Bereich „Sprache und Sprachgebrauch untersuchen“ zumindest die Ableitungen angesprochen, die ja auch zu den Rechtschreibstrategien gehören. Dann werden noch allgemein im Bereich „Schreiben“ im letzten Kapitel: „Wichtige Fähigkeiten und Kenntnisse im Rechtschreiben – Klasse 1 bis 4“ schon die wichtigsten Rechtschreibstrategien erfasst, d.h., man könnte ja dann auch schon weitermachen. Am Ende von Klasse 4 erscheinen mir die Kompetenzen etwas geringer ausgeführt zu sein als in meinem Bundesland, doch noch akzeptabel. Laut Lehrplan müsste das Handwerkszeug am Ende des 4. Schuljahrs für die Rechtschreibung auch in NRW einigermaßen da sein.
      http://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplannavigator-grundschule/deutsch/lehrplan-deutsch/kompetenzen/index.html
      Vielleicht könnte sich dazu einmal ein/e Kollegin/ Kollege aus der Grundschule in NRW äußern.

      • Axel von Lintig

        Der Lehrplan ist aber deutlich abgespeckt zu denen davor, und wenn man die Ziele absenkt muss man sich auch nicht mehr über die schlechten Ergebnisse wundern. Die werden natürlich schlechter, genauso wie die entsprechenden Lehrwerke nur noch sehr wenig Wissen vermitteln, eben nur Kompetenzen. Nachhaltig lernen sieht anders aus. die Schule hat auch die Aufgabe die Sprache der Schüler zu erweitern. Nach den neuen Lehrplänen sollen sich die Schüler ihre „Kompetenzen“ selbst gesteuert, eigen initiativ,selbst entdeckend, selbst initiiert und eigenverantwortlich vermitteln. Hurra, was da wohl bei herauskommt. Die Eltern, welche noch Verantwortung auf sich nehmen, machen bei diesem Reform-Chaos nach Herrn Brügelm. nicht mehr mit. Dann werden eben die weniger priviligierten Schüler abgehängt. Deshalb schreibe ich dagegen auch an, weil ich eben noch andere Zeiten kenne.
        Die Methoden hängen all diese schwachen Schüler ab,und gespart wird dabei auch noch ganz kräftig.
        Wie will sich NRW eigentlich noch weiter als Bildungsland darstellen.

        • „Die Schule hat auch die Aufgabe die Sprache der Schüler zu erweitern.“ Diese Aufgabe wird bei den Ausführungen zu den Bereichen extra erwähnt.
          In der Handreichung, die man auf dieser Seite
          http://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplannavigator-grundschule/index.html
          herunterladen kann, wird der kompetenzorientierte Unterricht weiter ausgeführt. Wenn man sich die entscheidenden Stellen anschaut, wird schon eine hohe Anforderung an den kompetenzorientierten Unterricht gestellt. Es wird u.a. schon Struktur gefordert. So, wie Sie die Kompetenzen oben beschreiben, kann ich aus der Handreichung nicht herauslesen. Zu einem kompetenzorientierten Unterricht gehört auch die Selbstreflexion der Schüler und die Konsequenzen, die man dann für das weitere Lernen zieht. Da ist die Lehrkraft sehr wohl gefordert, alles in die richtigen Bahnen zu lenken. Das Missverständnis von außen ist öfter, dass man meint, die Schüler wären sich selbst überlassen. Das stimmt aber nicht so. Die Herangehensweise ist eine andere, bei der Reflexion und der Korrektur der Ergebnisse ist die (an)leitende Hand der Lehrkaft gefragt.

          Natürlich ist alles im Lehrplan immer idealistisch beschrieben und nicht alles lässt sich so erreichen, wie es der Lehrplan vorsieht. Das war auch in den alten Lehrplänen so, wo Schüler bei Lehrervorträgen abgeschaltet haben und alles auf den Lehrer bezogen haben und wenig Verantwortung für ihr eigenes Lernen übernommen haben, weil sie es gar nicht gewöhnt waren bzw. es kein Ziel eines Lehrplans war.

          Wichtig finde ich in jedem Bundesland, dass sich Lehrer über die Intentionen eines Lehrplans intensiv fortbilden um ihn erstmal zu verstehen. In meinem Bundesland gab es diese Fortbildungen bisher.

          • Axel von Lintig

            In welcher zeit wurden vom Lehrer dem Schülerin der Grundschule einseitig die Lehrinhalte um die Ohren gehauen. Das war vielleicht noch 1965 so. Ich und viele andere haben diese Art von Frontalunterricht nicht mehr erlebt.So wie ich mich erinnere haben wir die Unterrichtsinhalte immer gemeinsam erarbeitet. Selbstverständlich haben wir Inhalte nach einer vorausgegangenen Erklärung selbstständig erarbeitet und anschließend erfolgte die Gegenkontrolle.Es gab eine innere Differenzierung ab der dritten Klasse mit unterschiedlich schweren Aufgaben und selbstverständlich haben Schüler mit einem höheren Entwicklungsstand schwächeren geholfen.
            Es gab klare Lernziele im Lesen, Schreiben und Rechnen bis zum Enden der vierten Klasse. Diese wurden erreicht ohne Drill, einfach mit mehr Unterstützung. Die Heterogenität der Zusammensetzung der Schüler war natürlich nicht so groß wie heute.Dafür waren wir mit bis zu 40 Schülern in einer Klasse.So etwas wollen wir heute natürlich nicht mehr. Der Unterricht war insgesamt sehr lebendig.
            Wenn ich heute meine Tochter frage, erzählt sie mir von dicken Blattsammlungen, durch die sich selbst durcharbeiten muss. Und die Schüler finden diese Art von Unterricht stinklangweilig und einfach nur ätzend.
            Wir wurden von Lehrern der Apo-Zeit unterrichtet und wussten uns sehr gut gegen jene Lehrer zu wehren, die uns mit Gruppenarbeit und ähnlichem Mist langweilen wollten oder auch reinem Frontalunterricht bombardieren wollten .

          • Axel von Lintig

            Es leuchtet wohl jedem ein, dass bei einer Absenkung der Lernziele, die Ergebnisse der Schüler schlechter werden müssen.
            Und das ist mit einer der Gründe, warum die Leistungen der Schüler nachlassen.

          • Zitat:
            „Zu einem kompetenzorientierten Unterricht gehört auch die Selbstreflexion der Schüler und die Konsequenzen, die man dann für das weitere Lernen zieht.“

            und das für Grundschüler. Ich wäre froh, wenn Oberstufenschüler oder Studierende in den ersten Semestern so weit wären.
            Das nenne ich mal völlig überzogene Erwartungen, aber es hört sich verdammt gut an in so nem Lehrplan.

          • @ GriasDi
            Mit diesen Dingen müssen Sie sich dann ab nächsten Schuljahr im Gymnasium ebenfalls herumschlagen und sich überlegen, wie Sie die Schüler zur Selbstreflexion bringen, denn der kompetenzorientierte Lehrplan wird ja in Bayern ab dem Schuljahr 2017/18 in der Sekundarstufe weitergeführt. 😉

          • Warum sollte ich das tun? Ich unterrichte ja auch nicht Differenzialgeometrie in der 5ten Jahrgangsstufe.

          • Da hätte ich viel zu tun, Schüler zur Selbstreflexion zu bringen.

          • „Wenn ich heute meine Tochter frage, erzählt sie mir von dicken Blattsammlungen, durch die sich selbst durcharbeiten muss.“
            Die Umstände, weshalb diese Methode gewählt worden ist, kenne ich jetzt nicht. Ich selbst würde als Lehrkraft diese Art jetzt nicht unbedingt wählen, indem ich den Schülern dicke Blattsammlungen zum Selbstdurcharbeiten überlasse. Sie haben ja oben schon einige gute Methoden erwähnt, die sie selbst positiv erfahren haben. Gerade die neuen kooperativen Unterrichtsmethoden mit sinnvollen Aufgaben stellen eine Bereicherung im kompetenzorientierten Unterricht dar. Da ist übrigens alles mit drin, auch die Selbstreflexion.
            Ich finde eine Methodenvielfalt so oder so besser – da darf auch einmal ein fragend- entwickelnder Frontalunterricht – manche Fächer und Inhalte erfordern diese Methode – mit dabei sein. Methodenvielfalt macht den Unterricht abwechlungsreicher, muss allerdings heute mehr denn je auf die Ausgangslage (Klassensituation) Rücksicht nehmen.

        • Da ein großer Teil der Schülerschaft aus einem Umfeld entstammt, in dem die Unterrichtssprache Deutsch nicht die alltägliche Verkehrssprache ist – und ich rede hier von gesprochener Sprache – macht es doch überhaupt keinen Sinn an Standards von anno dunnemals fest zu halten.
          Ebenso muss klar sein, dass die Vermittlung der Schriftsprache bezüglich Interpunktion, Grammatik und Orthographie erst Ende des ). Schuljahres abgeschlossen werden kann. Warum sollten die SuS sonst noch das Fach Deutsch in Klasse 9 und 10 haben.

          • Axel von Lintig

            Wir hatten 1970 beim Übertritt in die 5.Klasse alle Grundrechenarten sicher drauf. Außerdem beherrschten wir die Grammatik und die Orthographie sicher. Genau das ist heute eben dann gegeben, wenn man selbst als Eltern interveniert oder noch ältere Lehrerinnen unterrichten. Und in den weiterführenden Schulen, den Gymnasien und den wenigen verbliebenen Realschulen z.B. in Sendenhorst, wird dieses Wissen vorausgesetzt und entsprechend knallhart aussortiert.
            Da wäre bei den lieben Grundschullehrern hier vor Ort, die mit dem Tinto, der Rechtschreibwerkstatt und dicken Blattsammlungen eigenständiges Lernen einfordern , Selbstreflektion über diese fraglichen Methoden erforderlich um eine Verbesserung der Lernerfolge zu erzielen. Aber hier in NRW gibt man sich mit dem schlechten Abschneiden im Ländervergleich zufrieden und bringt statt dessen immer wieder Neuerungen in den Bildungsmarkt. Ohne wissenschaftliche Untersuchungen wurden diese Methoden eingeführt und auf Betreiben des Kultusministerium durchgesetzt.
            So steht der Flächenstaat NRW als Ganzes genauso schlecht da wie die Stadtstaaten Bremen und Berlin. Bravo, weiter so.

          • tempi passati.

            Die schriftliche Division gehört seit Anfang des Jahrtausends nicht mehr zu den Kernrichtlinien Matematik der GS.
            Interessanterweise sind die Kernrichtlinien für die SekI nicht entsprechend angepasst.

            BTW vergessen Sie die gesamten Rankings in Hinblick auf Vergleiche der Schülerbildung in den Ländern. Sie müssen sich nur die Schülerzahlen insgesamt un die der Förderschüler in Bayern, Sachsen und Thüringen ansehen und die entsprechenden Relationen bilden und z.B. mit NRW vergleichen.

            Die grundsätzlich aufgezeigten Mittelwerte bei diesen Rankings sind kein Vergeleichsmaßstab. Wenn man die Bundesländer vergleichen will, dann auf der Grundlage der jeweiligen Medianwerte sowie der Quartilsgrenzen.
            Ansonsten fehlt grundsätzlich die Korrelation zu den sozio-ökonomischen Grundlagendaten der Vergelichsländer. Welchen Einfluss diese daten haben zeigen Ihnen die Daten für die gleiche Schulform bei unterschiedlichen Standorttypen für die LSE8 und die ZP10.

          • Axel von Lintig

            Die Förderschüler mit einer Lernschwäche werden bei den Lernstandserhebungen gar getestet.

          • Wieso werden die gar getestet? Können die nicht roh getestet werden?

            Vermutlich meinen Sie, dass in NRW die Schüler, die zieldifferent unterrichtet werden, die LSE8 und die ZP10 nicht mitschreiben müssen und so deren Ergebnisse gar nicht erfasst werden.

            In den von mir genann Bundesländern mit wesentlich höherer Gesamtzahl von Förderschülern Werden die Ergebniss aller Förderschulen unabhängig vom Förderschwerpunkt nicht mit in die Landesergebnisse eingerechnet.

          • Axel von Lintig

            Gemeint war Förderschüler werden gar nicht getestet

          • Axel von Lintig

            So löst so mancher Schreibfehler allgemeine Heiterkeit aus.

          • Das ist ja auch okay so, dass die attestierten Förderschüler bei benoteten Lernstandserhebungen, die allgemein in der Klasse für „normale“ Schüler erhoben werden, nicht mitschreiben. Sie würden da ja nur den Notenfrust erfahren. Wenn sie einen lernzieldifferenten auf sie zugeschnittenen Förderplan haben, dann erreichen sie das, was für sie möglich ist. Im Vergleich zu den anderen erreichen sie Abschlüsse nur schwer oder kaum.

          • Es werden nur die Schüler an allen Förderschulen und die Schüler an Regelschulen, die zieldifferent unterriochtetwerden nicht getestet.
            D.h. der Schüler z.B. mit Förderschwerpunkt ESE muss als Schüler einer FöS nicht an der LSE8 und der ZP10 teilnehmen. Als Regelschüler, der zielgleich unterrichtet wird, muss er teilnehmen. Hier liegt der Unterschied zwischen BY und NRW, da in BY prozentual wesentlich mehr Förderschüler aus den Testungen ausgeklammert werden, da sie auf FöS beschult werden.

          • @ dickebank
            Wir haben immer mehr geteste Förderschüler meist dem Schwerpunkt L auf Elternwillen in der Regelschule (meist in den sg. Kooperationsklassen) und die Bestimmungen für diese Schüler sind ähnlich.

    • Axel von Lintig

      Das Tinto (Rüdiger Urbanek/Koordinator der NRW Rechtschreibleitlinien) und die Rechtschreibwerkstatt(Norbert Sommer-Stumpenhorst) sind die weitesten verbreiteten Lehrwerken in NRW-Grundschulen.

      • Das Lehrwerk Tinto wird bei uns eigentlich nur in jahrgangsgemischten Klassen 1/2 verwendet. Beide Jahrgänge haben ein gemeinsames Sachkundethema, daran orientieren sich die Deutschthemen. Als ich jahrgangsgemischte Klassen hatte, habe ich gerne damit gearbeitet. Die Anforderungen, v.a. in Klasse 2 waren aber schon auf angemessenem bis hohem Niveau. In Klasse 1 habe ich aber zusätzlich analytisch-syntetisch gearbeitet beim Erstlesen und Erstschreiben.

  19. Axel von Lintig

    Die Reformpädagogen , wie Frau Vorst im obigen Artikel zu lesen ist, gehen davon aus, dass der Erwerb der orthographischen Kenntnisse erst mit dem Ende der 9. Klasse abgeschlossen ist Was für ein Abgrund.
    An diesen Thesen, Zielen und der Methodik kann man den dramatischen Verfall der Ansprüche ablesen und das Versagen dieser Art von Pädagogik des eigenständig, ,entdeckenden, selbst gesteuerten, eigen initiativen und eigenverantwortlichen Unterricht ablesen.Ich brauche ihnen wohl nicht zu sagen, was aus dieser Art von Pädagogik wird.
    Da halte ich mich lieber an Hattie,Frau Röber, Frau Bredel,Herrn Thome und all die anderen seriös arbeitenden Pädagogen und hoffe auf einen baldigen Wechsel in der Bildungspolitik. Es wurde einfach zu viel neues implementiert und ständig gab es neue Innovationen in der Grundschulpädagogik.
    Sonst unterrichte ich meine Kinder weiter parallel zum Pflichtunterricht.

      • Axel von Lintig

        Im Moment setzt man in den Kultusministerien auf den für Schüler langweiligen ,Material zentrierten Unterricht, bei dem meine Kinder sich durch Stapel von Arbeitsblättern durcharbeiten müssen. Alle Schüler, die ich dazu befragte, hassen diese Art von Unterricht mit der ständigen Unruhe des stillen Lernens. Und das waren auch schon Kinder in der zweiten Klasse. Die sind mit dieser vollständigen Eigenarbeit überfordert und sehnen sich nach einer Orientierung am Lehrer. Dies bezüglich bin ich im Kultusministerium vorstellig geworden und habe mit zuständigen Ministerialdirigenten über die Ergebnisse meine Befragungen von 250 befragten ehemaligen Schülern dieses individualisierten Unterrichts gesprochen. Dabei kam dann u.a. heraus, dass diese Herrschaften wenig zielstrebig ihr eigenes Studium verfolgt hatten (einer 20 Semester) und im Prinzip genauso unterrichtet wurden, wie meine Generation, nämlich im Dialog geführten Frontalunterricht. Wie können sich derart geprägte Entscheidungsträger dann heute sich derart verhalten, dass sie der nachfolgenden Generation einen derartigen ,“individualisierten „Unterricht zumuten. Diese Art von Unterricht hätte man mal versuchen sollen zu unserer Schulzeit umzusetzen. Die Lehrer hätten wir boykottiert.
        Es ist ein stinklangweiliger, ätzender und unmenschlicher Unterricht, der dazu noch sehr ineffektiv ist. Am nachhaltigsten lernt man, wenn Emotionen freigesetzt werden (Beleg : neuere Hirnforschung).
        Ohne die menschliche Kommunikation erhält man keine direkte Möglichkeit eine andere Sichtweisen wahrzunehmen und zu respektieren. Das ist auch der Grund, warum ich diese Art Unterricht als so unmenschlich empfinde. Natürlich kann man sich so einmal Vokabeln beibringen, aber auch diese merkt man sich in einem spannenden Umfeld besser, als zu Hause in seinem Zimmer. Probleme der Zukunft können nur im Dialog gelöst werden, und das lernt man in einem spannenden, kommunikativen Umfeld.
        Für mich gehören die Inklusion, der momentan praktizierte individualisierte Unterricht, ebenso in das Sammelsurium an abstrusen Ideen, wie die Mengenlehre, die Prügelstrafe im Unterricht unserer Vorfahren oder die ineffektiven Methoden eines Herrn Brügelmann.

        • Sind sie denn beim Unterricht dabei? Ich kann mir nicht vorstellen, dass SuS sich alleingelassen durch Stapel von Arbeitsblättern durcharbeiten. Wir arbeiten in Mathematik auch individualisiert. Zu meiner Schulzeit war es so, dass der Matheunterricht frontal mit Schüler – Lehrergespräch stattfand. Die Kommunikation führte so ungefähr das beste Drittel der Klasse mit dem Lehrer. Alle anderen schrieben stumm von der Tafel ab und hatten keine Ahnung, worum es eigentlich geht.
          Ich führe in meiner Klasse ein neues Thema gemeinsam ein, dann arbeiten die Schüler nach eigenem Tempo weiter. Die Guten haben meistens keine Probleme und es gibt Schuber mit Zusatzmaterial. Den Mittleren hilft man schon mehr und neben den Schlechten sitze ich meistens und erkläre langsam. Sie müssen auch nicht alles rechnen, die schwierigeren Aufgaben streiche ich schon mal.
          Wenn ich nur frontal arbeite, schreiben die schwächeren SuS nur ab.

          • Axel von Lintig

            Die Aufgabenstellung wird in der vierten Klasse meiner Tochter einmal erklärt. Wenn später nachgefragt wird , hat man Pech gehabt. Häufig fragt die Lehrerin die Kinder auch wie sie meinen ,die Aufgabenstellung lösen zu müssen.Sie sollen es zunächst selbst herausfinden und offenen erklären, nicht für jeden verständlich.
            Im Deutschunterricht wurde ein Buch (bezeichnet als Ganzschrift) zunächst zu Hause gelesen. Anschließend erhielten die Schüler einen abgehefteten Stapel an Arbeitsbögen, durch den sie sich vollständig oder in Partnerarbeit durcharbeiten mussten .Die Gruppenarbeit verläuft chaotisch ab, da sich gewisse Persönlichkeiten durchsetzen müssen ohne anderen zuzuhören oder auf deren Vorschläge einzugehen.Ebenso läuft der Rechtschreibuntericht mit dem Jahndorf Selbstlernheft. Die Mathematik-Übungen laufen ohne große Erklärungen und Rechenbeispiele ab. Gegenkontrolliert wird später.Schwache Schüler kommen gar nicht mit.

          • Viele Eltern von Schülern aus der 5ten Klasse geben uns folgende Rückmeldung:
            „Endlich weiß mein Kind mal, was es machen soll.“

          • Das ist in meinen Augen jetzt nicht schulartenabhängig, sondern lehrerabhängig. Das sagen nämlich einige Eltern bei uns auch, je nachdem, welche „Vorerfahrungen“ sie mit Lehrern haben. Das kommt immer darauf an, welche Hausaufgaben man stellt, ob man, wenn sie unklar zu sein scheinen noch etwas dazu sagt und wie sie zum Unterrichtsthema passen.

          • Es ging gar nicht um Hausaufgaben.

          • Dann kann ich aus Ihrer Aussage nur schließen, dass die Eltern damit meinen, dass ihre Kinder am Gymnasium dem Unterricht besser folgen können als dem in der Grundschule, wenn man Ihr Beispiel verallgemeinert. Dazu fällt mir nichts mehr ein.

        • Ich überlege auch seit Tagen, wie es zu dieser Einschätzung kommen kann, und denke darüber nach, ob Eltern Teile meines Unterrichts als „Arbeitsblätter abarbeiten“ wahrnehmen (könnten).

          Dieser Eindruck kann entstehen, wenn man vom Unterricht selbst nichts sieht und hört, der Unterricht an sich nicht erläutert oder vorgestellt wird und in den Mappen eben viele AB sind.

          Anders herum ist es so, dass innerhalb der Klasse sehr viele unterschiedliche Kinder beschult werden (müssen) und auch meine Differenzierung zu einem recht großen Teil inzwischen über Arbeitsblätter oder sogar Mappen mit Arbeitsplänen läuft – mal als differenzierter Wochenplan, mal als Hefter (Alphabetisierung und i-Kinder) für alle Gelegenheiten, in denen diese Kinder dem Unterricht nicht folgen können (oder sollen: Religion).
          Außerdem gibt es auch Kinder, die bestimmte Inhalte zum wiederholten Mal üben müssen und dazu reichen AH nicht aus, es braucht AB … oder Karteien, andere Lernmaterialien für die ständige Wiederholung, die man in solche Pläne integrieren kann.

          Natürlich fallen mir eine Menge anderer Dinge ein, aber ich kann mich während des Unterrichts nicht mehrteilen (sonst übrigens auch nicht) und sehr vieles würde bedeuten, dass einzelne SuS erheblich mehr Hilfe benötigen, als ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Dabei ist die Klasse wirklich klein, aber eben auch wirklich vielfältig und ich möchte den i-Kindern genauso gerecht werden wie den nicht alphabetisierten Migranten und den in Teilen sehr begabten SuS und allen anderen eben auch.

          Da bietet z.B. ein Wochenplan gerade in Übungsphasen viele Möglichkeiten der Differenzierung und zusätzlich auch die Chance, sich mal mit einzelnen SuS oder kleinen Gruppen zu beschäftigen und noch etwas zu fördern oder Herausforderungen anzubieten und ebenfalls zu besprechen (Knobelaufgaben, Schüler-Texte, Fehlerschwerpunkte…)

          Aber wenn ich mich in solchen Stunden eine Zeit lang um einzelne SuS kümmere, haben die anderen eben besagte Pläne vor der Nase. Und wenn ich mich dann wirklich mal mit bestimmten Kindern zusammensetze, dann ist es nicht möglich, dass ich mich gleichzeitig um die anderen kümmere.

          Nun besteht auch mein Unterricht nicht allein aus dem Abarbeiten von AB und schon gar nicht aus dem gleichmäßigen Füllen der gleichen AH-Seite zur gleichen Zeit (das finde ich persönlich viel schlimmer), aber von dem Unterricht, der im Gespräch verläuft, der andere Medien nutzt, der ausprobiert etc. bekommen die Eltern ja nichts mit und davon gibt es auch nicht immer etwas, das nach Hause mitgenommen wird und dort zur Ansicht ist. Meiner Meinung nach braucht es nicht für jede Stunde ein AB, eine Übersicht, eine Zusammenfassung, einen Hefteintrag.

          Deshalb die Überlegung, ob es auch bei mir „für Schüler langweiligen ,Material zentrierten Unterricht (gibt), bei dem (…) Kinder sich durch Stapel von Arbeitsblättern durcharbeiten müssen.“

          • Axel von Lintig

            Ihr Unterricht läuft ganz anders ab als der meiner Tochter. Die arbeiten hier alle gleichzeitig das gleiche Blattmaterial ab, egal ob der Schüler eine Lernschwäche hat oder jemand in seinen Fähigkeiten viel weiter entwickelt ist, arbeiten alle immer am selben Material. Die sind meistens nur unterschiedlich weit. Korrekturen oder selten durchgeführte Besprechungen (feedback) finden zu einem anderen Zeitpunkt statt, wenn der Stoff nicht mehr präsent ist.

          • Axel von Lintig

            Natürlich müssen die Schüler eigenständig nach einer gezielten Anleitung auch eigenständig Material bearbeiten. Und wie sie es praktizieren ist es gut. Deshalb müssen die Klassen ja auch kleiner sein.Es kommt immer auf den Lehrer an,reflektiert er über sein Handeln und wie kommt er bei den Schülern an. Die meisten Kinder in der Grundschule sind sehr lernwillig und aufgeschlossen.

          • Axel von Lintig

            Die Lehrerin meiner zweitältesten Tochter sorgt aber immerhin dafür, dass die Schüler in Ruhe arbeiten können. In den Parallelklassen ist es richtig laut, das man den Lärm bis in die benachbarten Klassen hört. Wie man da in Ruhe eigenständig die Blattsammlungen bearbeiten kann ist mir unergründlich.
            In den Elternabenden stellt sie regelmäßig den weiteren Ablauf des Unterrichts im nächsten halben Jahr vor.

          • @Palim
            Beißt sich hier nicht die bildungspolitische Katze in den eigenen Schwanz?
            Wenn dafür gesorgt wird, dass die Klassen immer heterogener werden sind die Lehrer zu einem ,Material zentrierten Unterricht, bei dem (…) Kinder sich durch Stapel von Arbeitsblättern durcharbeiten müssen‘ gezwungen.
            Wie anders als mit unterschiedlichem Arbeitsmaterial sollen sie sonst der wachsenden Spannbreite begegnen?
            Dieser Unterricht, bei dem Lehrer immer mehr zu Materialbeschaffern fürs Selbstlernen werden, trägt dann den schönen Namen “innere Differenzierung”, der falsche Vorstellungen im Sinne von humanitärem Fortschritt weckt, obwohl er vor allem eine Notmaßnahme ist, um mit der immer größer werdenden Spannbreite der Lernvoraussetzungen und Begabungen fertig zu werden.

            Herrn von Lintig stimme ich voll zu, wenn er die Entwicklung weg vom Lehrer hin zum Materialbeschaffer (z.B. massenhaften unterschiedlichen Arbeitsblättern) kritisch sieht und nicht müde wird, die Bedeutung des Lehrers hervorzuheben. Ich kann verstehen, wenn Lehrer sich nicht anders zu helfen wissen bei einer überbordenden Heterogenität.
            Nicht verstehen kann ich allerdings, wenn sie den Notbehelf noch verteidigen und der Falschaussage auf den Leim gehen, selbstbestimmtes und selbstentdeckendes Lernen sei eine kindgerechte und fortschrittliche Unterrichtsmethode.

  20. Axel von Lintig

    @ ysnp
    Die Lehrerin hatte wahrscheinlich durch die Anfeindungen von Seiten unserer Tussi-Mütter, welche mit dem nur mäßigen Abschneiden ihrer Schützlinge unzufrieden waren, keine Lust mehr auf einen aufgelockerten Unterricht. Als ich zu Beginn der ersten Klasse die LDS Methode ,hier Rechtschreibwerkstatt ,am ersten Elternabend wegen der fehlenden Korrektur von Fehlern, dm unreflektierten Umgang mit dieser Anlaut-Tabelle, in Frage stellte,fielen diese mir in den Rücken .Dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Jetzt haben wir in der Klasse eine Kontrollgruppe zur Rechtschreibwerkstatt, ebenso wie in anderen Klassen versus Silben-analytischer Methodik. Meine Kinder sind gut vorbereitet.

  21. @ Dickebank: In BaWü lernen die Kinder in der Grundschule die schriftliche Division. Bei mir sogar mit Rest. NRW ist ein seltsames Bundesland. Oder?

    • Nee, nur abhängig von der Bertelsmann Stiftung.

    • In den bundesweiten Bildungsstandards von 2004 steht:
      „schriftliche Verfahren der Addition, Subtraktion und Multiplikation verstehen, geläufig ausführen und bei geeigneten Aufgaben anwenden“
      Welche Bundesländer oder Verlage oder Lehrkräfte sich daran halten, wird unterschiedlich sein.

      Letztlich müssten die Curricula aller weiterführenden Schulen daran angepasst worden sein, dass die schriftliche Division nicht vorausgesetzt werden kann.

      Ähnliche Diskrepanzen gibt es auch in anderen Bereichen. Diese können inzwischen nicht mehr darauf zurückgeführt werden, dass die Curricula der weiterführenden Schulen erst Jahre später umgestellt wurden.

  22. In BaWü steht unter „Leitidee: Zahl“

    ° Zahlen bis 1000000
    ° Stellenwerttafel HT/ZT/T/H/Z/E
    ° Vielfache, Teiler
    ° schriftliche Addition, schriftliche Subtraktion
    ° schriftliche Multiplikation (mit zweistelligem Multiplikator)
    ° schriftliche Division (mit einstelligem Divisor)….

    Bei uns ist die schriftliche Division auf alle Fälle dabei, auch in den Lehrbüchern. 🙂

    • … nur das der einstellige Divisor an Lächerlichkeit nicht zu überbieten ist. Die schriftliche Division ist ja gerade der „Rattenschwanz“, der in allgemeinerer Form bei der Polynomdivision gebraucht wird. Diese wurde allerdings auch schon vor Jahren in Verbindung mit den gebrochen-rationalen Funktionen aus der Oberstufe entsorgt.

      • Das steht im Lehrplan. Mit meinen letzten Vierern, die einiges stärker waren als die jetzigen, habe ich auch mit zweistelligem Divisor gerechnet. Die konnten aber auch das große Einmaleins.

        In Bayern rechnet man übrigens bis zum Divisor 20.

        • Divisor bis 20:
          Wobei hier nicht richtig die Strategie des zweistelligen Dividierens geübt wird, weil die Schüler die Multiplikationsaufgabe beim Dividieren eher mit dem großen 1×1 rechnen (z.B. 5×17 ist die Hälfte von 170) , d.h. im Kopf ausrechnen und nicht die Ziffern einzeln multiplizieren, wie man es beim schriftlichen Multiplipizieren macht. Deshalb müssen die weiterführenden Schulen beim Dividieren durch 2stellige Zahlen neu ansetzen. Bis 20 ist auch das Höchste der Gefühle, die Zeit reicht einfach nicht, die Division durch Zahlen über 20 ganz traditionell zu üben. Außerdem frage ich mich, wie tief man im Zeitalter der Taschenrechner /Smartphones in die schriftlichen Rechenverfahren einsteigt, letztendlich ist alles das Anwenden einer automatisierten Technik und ein einfaches Stellenwertrechnen bei der schr. Addition und Substraktion im Zahlenraum bis 20 und bei der schr. Multiplikation und Division im kleinen 1×1 Bereich. Also keine große mathematische Herausforderung. Ausnahme: Die nötigen Einschätzungen von Teilergebnissen ab den zweistelligen Divisoren bei der schriftlichen Division. Einschätzungen von Zahlen bzw. Ergebnissen – die das Zahlenverständnis trainieren und die ich für enorm wichtig erachte – oder auch Kopfrechnen kann man anders und „intelligenter“ üben.

  23. Ups, im neuen Bildungsplan 2016 steht sogar die Division mit Rest. Ja, ja, die Grünen…

    • auch mit der Einschränkung auf einstellige Divisoren? Falls ja, sind die Schüler rein formal nicht in der Lage die Aufgabe 1000:100 (schriftlich) zu lösen, die ungleich schwierigere Aufgabe 1000:7 hingegen schon.

      • In der Grundschule legen wir Wert auf das vorteilhafte Rechnen. Keinem würde einfallen, 1000:100 schriftlich zu lösen. Für diese Aufgabe gibt es andere, zielführendere Lösungsstrategien. Das, was im Kopf geht, wird auch im Kopf gelöst. Schriftliche Rechenverfahren werden nur bei schwierigen, nicht mehr im Kopf zu lösenden Aufgaben verwendet. In Mathebüchern gibt es Aufgaben, wo die Schüler die Lösungsart auf ihrem Niveau wählen können (Z.B. schriftlich, halbschriftlich mit Aufnotieren der Zwischenergebnisse oder im Kopf). Aufgaben mit zwei – oder dreistelligen Divisoren sind dann wirklich schwieriger, weil nur die schriftlich gelöst werden müssen, die diese Art auch nötig haben.

      • Unser Lehrwerk teilt auch durch zweistellige Zahlen und es werden Kommazahlen dividiert. Durch ganze Zehner, Hunderter, Tausender usw. kommt auch vor, aber nicht schriftlich.

  24. @ Axel von Lintig: Der Deutsch – und Mathematikunterricht beinhaltet viele Übungsphasen. So wie ich das mache, (oben geschildert), bin ich zufrieden und ich habe das Gefühl, die Kinder gut zu kennen, weiß schon, wer wo Probleme haben könnte. Bei nur lehrerzentriertem Unterricht kommt man gar nicht dazu, sich dem Einzelnen zu widmen, auch den sehr Schlauen, die etwas kniffligere Aufgaben bekommen oder dem Asperger Autisten, der den Stoff der 4. Klasse schon in der 3. fertig hatte. Die GS hat so ein breites Spektrum.

    Jetzt werden bestimmte user hier wieder schreiben, dass ich gegen Frontalunterricht bin. Das stimmt überhaupt nicht.

    Das was bei ihnen als Blattsammlung ankommt, ist wahrscheinlich nicht das Ergebnis von stundenlangem allein still sitzen und arbeiten, dazwischen sind bestimmt andere Phasen, die Sie zu Hause ja nicht mitbekommen.

    • Ein Problem bei den Diskussionen über Schulen, Didaktik und Vorgehensweisen liegt in der Problematik der Subjektivität. Wir sprechen aus Gefühlslagen heraus, aber auch aus Erfahrungswerten.
      Bei mir ist es so, dass ich als Mathelehrer einer weiterführenden Schule in den letzten Jahren immer geschockter werde, welche Kompetenzen die Kinder zu Beginn der Klasse 5 demonstrieren, obgleich sie damit zum Ende der Klasse 4 ein „sehr gut“ und eine Gymnasialempfehlung erhalten haben. Einige Kinder haben nie gelernt selbstständig oder still zu arbeiten, einige können das kleine „1mal1“ gerade so, wenn man ihnen ihre Finger und die nötige Wartezeit gibt, einige haben riesige Defizite im Arbeits- und Sozialverhalten.
      Ich glaube Ihnen, dass Sie Methodenvielfalt betreiben und invidivualisieren, aber es gibt viele Aspekte, die man dabei unbedacht lässt:
      – Welchen Unterricht betreiben die Kolleginnen und Kollegen?
      – Wie verändert sich die Schülerschaft?
      – Wie verändern sich die Inhalte und die didaktischen Vorgaben?
      Hierbei muss ich gestehen, dass ich mich einfach des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die Einführung des Kompetenzbegriffs, die „Heiligsprechung“ des schülerzentrierten Unterrichts zu Gunsten der „Verteufelung“ des lehrerzentrierten Unterrichts und die Überfrachtung der Grundschulen mit neuen Inhalten und Konzepten zu einer negativen Entwicklung der Schülerschaft beigetragen hat, von der sie selbst aufgrund der gleichbleibenden Zensuren nichts merkt.
      Auch trägt die „Heterogenisierung“ der Kinder jetzt Früchte, um es überspitzt auszudrücken.
      Zum Wohle der Schülerschaft habe ich jetzt in fast jeder Klasse Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, mit Rechen-Schwäche, mit ADS oder ADHS und bin bei 30 Schülerinnen und Schüler aufgrund zahlreicher „Benachteiligungen“ eher dabei allen Bedürfnissen als dem Unterrichtsziel zu begegnen – das ganze einen EInklang zu bekommen, ist nicht einfach. Daher kann ich mir die Arbeit in den Grundschulen, an denen noch keine Selektion vorgenommen worden ist, nur als höchst schwierig vorstellen.

      • @ Peter Pan: Die Arbeitsweise der Gymnasien hat sich nicht sehr geändert in den letzten Jahrzehnten. Die Kinder kennen das von der Grundschule her nicht so. Wenn ich mir die Klassenzimmer meiner Kinder im Gymnasium anschaue, dann ist das so wie bei mir als Schülerin. Eine Tafel, ein OHP, nach vorne gerichtete Tische in viel zu engen Räumen. Kein PC, keine Bücher, kein weiters Material. Vielleicht ist das ja woanders anders. Durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung, bei uns vor 5 Jahren, gehen viele Kinder ins Gymnasium, deren Eltern wir etwas anderes empfehlen. In BaWü bekommen die Fünftklasslehrer weder Grundschulzeugnisse, noch unsere Empfehlung zu sehen (bis jetzt), Die Realschulen reagieren, indem sie jetzt auch den Hauptschulabschluss anbieten, d.h. Ende Klasse 6 entscheidet die Realschule, wer den Realschulzweig weitergeht und werd en Hauptschulzweig weitergeht. So sieht es aus. Unsrer Eltern müssen anscheinend noch lernen, auf die Lehrer zu hören. Die genießen es jetzt, die weiterführende Schule nach ihrem Gusto wählen zu dürfen.

      • Axel von Lintig

        Wegen des generalisierten Leistungsabfalls der Grundschüler, wurden am hiesigen Gymnasium extra Förderkurse für Orthographie, Mathematik und Englisch in der 5.Klasse eingeführt, um leistungsschwache Schüler an das Niveau eines Gmnasiums heranzuführen. Allerdings verließen allein im vergangenen Jahr 35 Schüler das Gymnasium, da sie den Anschluss nicht mehr schafften. Aufgrund der schlechten orthograhischen und gramatikalischen Fähigkeiten ,der Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre mit der Zunahme des Unterrichtstoffes pro Jahr und dem Vorziehen der zweiten Fremdsprache in die 6. Klasse, nimmt der Stress für die Schüler deutlich zu.
        Und da sind wir wieder bei den abgründigen Vorstellungen einer Pädagogik der Landesvorsitzenden des Baden-Würtembergischen Grundschulverbandes , deren Zielvorstellung darin besteht, dass Schüler erst mit dem Ende der 9. Klasse die Orthographie beherrschen sollen.
        Wenn man erst einmal die Anforderungen an die Schüler herabsenkt, Schule nur noch Spaß machen soll, man sich als Schüler die Aufgaben frei wählen darf und andererseits Eltern nicht bereit sind positiv auf die Leistungsbereitschaft ihrer Kinder einzuwirken,dann kommt es eben zu diesem Leistungsabfall.

      • Genau, Peter Pan. Selektieren, bis kein Schüler mehr übrig bleibt, der Mühe macht – und des Lehrers Leben ist ein Traum. Was für eine absurde Berufseinstellung.

        Die „Heterogenisierung“ der Kinder ist nun mal Ergebnis einer weltoffenen und liberalen und demokratischen Gesellschaft, und keine von wem auch immer gesteuerte Entwicklung, um Lehrer zu ärgern. Deutschland hat sich in den vergangenen 30, 40 Jahren sozial und technologisch dramatisch verändert, was sich natürlich auch an einer bunteren Schülerschaft zeigt. Kindheit heute hat mit der Kindheit von vor 50 Jahren nur noch sehr wenig zu tun. Als Lehrer haben Sie zwei Möglichkeiten, damit umzugehen: sich drauf einstellen – oder den Dienst quittieren. (Um ehrlich zu sein, haben Sie als Beamter durchaus noch eine dritte Möglichkeit: frustriert die Situation bis zur Rente aussitzen).

        • Milch der frommen Denkungsart

          Ich kann mich durchaus noch an jene Zeiten erinnern, da es in der „alten“ Bundesrepublik bereits liberal und demokratisch zuging, während das Gros
          der Schülerschaft obendrein flüssig zu lesen und schreiben in der Lage war.

          • Axel von Lintig

            @ Milch der frommen Denkungsart

            Vergleichen sie einmal ältere Grundschulbücher, z.B.das Auer Lesebuch, mit neueren, z.B. dem Tinto.
            Mit den Grundschülern wurde früher viel mehr gelesen, was man allein an der Textfülle der älteren Bücher sieht. Die Texte sind deutlich abgespeckt und sehr dürftig aufgebaut.Außerdem sollen die Kinder sich noch selbst das Lesen beibringen. Da wird dann der Schwa-Laut-e in den Endsilben betont gesprochen.
            Durch das häufigere, gemeinsame Lesen wurden die Schüler früher viel weiter gebracht als heute.
            Heute sind Kinder aus einem das Lesen anregenden Elternhaus ganz deutlich im Vorteil gegenüber Kindern, bei denen nicht zu Hause gelesen wird.
            Selbst die Kinder meiner arabischen Kollegen lesen deutlich mehr Deutsch und Arabisch als Kinder aus weniger belesenen Familien.

          • Ja, früher war alles super!

            Ich kann mich noch an den Unterricht erinnern, in dem Schüler stotternd vor dem Text saßen und nicht lesen konnten.
            Wie viele der Texte wohl wirklich gelesen wurden und wie viele der Texte nur von wenigen Kindern gelesen wurden?

            Gerade im Bereich Lesen sind die Anstrengungen und Übungsformen in den letzten 10 Jahren um ein Vielfaches erhöht worden. Gelesen werden aber eben nicht allein Lesebuchtexte, sondern es gibt auch viele andere Möglichkeiten der Leseförderung und -herausforderung.

            Auch DAS hat womöglich mit Individualisierung zu tun: In einer 2. Klasse habe ich herausragende Leser sitzen, aber auch Kinder, die knapp Silben zusammenbinden können. Sie können nicht die gleichen Texte lesen. Selbst – wie früher erfolgt – den schwachen Kindern nur den ersten Absatz zuzumuten, hilft der Leseförderung nicht wirklich.

            Wie mühsam das Lesenlernen und Üben für manche Kinder ist, erschließt sich offenbar etlichen Menschen nicht. Es hat etwas mit Betreuung und Fördeurng zu tun – aber Förderstunden wurden ja gestrichen – wo doch früher alles so gut war: ja, ich hätte gerne die Förderstunden zurück oder sogar weitaus mehr Hilfen, um Kindern das betreute Erlesen bieten zu können.
            Nach wie vor sind sehr viele Kinder auf das tägliche Üben zu Hause angewiesen, dass in manchen Elternhäusern gar nicht erfolgt.

            Lesen lernen die wenigsten Kinder von ganz allein, gerade bei denen, die das System der Schrift noch nicht verstanden haben und die damit frühzeitig Schwierigkeiten haben, braucht es jemanden, der mitliest, genau hinsieht, auffordert, korrigiert. Erst wenn das Prinzip an sich verstanden ist, kann man die Leser ein Stück weit in die Selbstständigkeit entlassen.

            „Heute sind Kinder aus einem das Lesen anregenden Elternhaus ganz deutlich im Vorteil gegenüber Kindern, bei denen nicht zu Hause gelesen wird.“
            Ja. Das hat sich womöglich nicht geändert. Das war aber 1970 auch so.
            Aus diesem Grund gibt es vielerlei Programme, die Elternhäusern Bücher, Vorlesen, Lesen nahebringen und Tipps geben (schon von Geburt an). Dennoch gibt es weiterhin Familien, in denen es kaum Bücher gibt, nicht vorgelesen wird („Das ist nicht so meins“), und Kinder, die entsprechend weniger Zugang zum Lesen haben oder finden.
            Parallelen gibt es auch zu Technik, zum Denken an sich, zum Interesse zeigen, Forschen, Neugierig sein, miteinander Sprechen … Es ist nicht leicht, diese Benachteiligung aufzufangen. Um so unverständlicher, warum nicht in die frühe Bildung mehr investiert wird.

          • axel von Lintig

            @Palim

            Früher war nicht alles super. Es gab aber „Leseomas“, die mit einem gelesen haben oder der Lehrer sprach mit den Eltern ab was und wie es gelesen werden sollte. Das ist natürlich eine vordrigliche Aufgabe der Eltern.Es müssten auch viel mehr Förderstunden eingerichtet werden für die jenigen, denen die Eltern nicht helfen könne durch gemeinsames Lesen.

          • axel von Lintig

            @Palim

            Die Kritik an Lesen durch Schreiben rührt aber daher, dass sich Schüler selbst das Lesen durch Schreiben beibringen sollen. Und das funktioniert auch nicht. Dafür gibt es strukturierte Leselehrgänge, wie den Kieler Leseaufbau, das Luka-Leselernbuch oder das IntraActKonzept.
            Der Kieler Leseaufbau wurde 1966 entwickelt.
            Das IntraActPlus-Konzept wurde von Herrn Brügelmann abgelehnt. Er setzt auf den eigenstänigen Erwerb des Lesens durch die Schüler mit Lesen durch Schreiben. Ohne eine Unterstützung im Lesen geling das Lesen nur sehr schwer. Man braucht dafür eine Anleitung und das kostet Geld.

          • @Palim
            Ich verstehe die genervte Reaktion „Ja, früher war alles super!“ nicht.
            Fühlen Sie sich kritisiert, wenn von früheren guten Erfahrungen berichtet wird? Sollen die lieber verschwiegen werden?
            Es kann doch nicht schaden, wenn ältere Kollegen ihre guten Erfahrungen mitteilen. Wahrer Fortschritt besteht doch darin, Dinge zu ändern und zu verbessern, die wirklich besser gemacht werden können. Was sich bewährt hat im Gegensatz zum Neuen, darauf kann und sollte meines Erachtens sogar hingewiesen werden.
            Jede Firma würde sich von einem neuen Verkaufsmodell nach einer gewissen Zeit trennen, wenn es geringeren Erfolg hat als das alte und bei den Kunden schlechter ankommt. Irrungen und Wirrungen sind in der Pädagogik doch nicht ausgeschlossen.
            Da kann es auch nicht schaden, wenn ältere Lehrer auf die Vorzüge von früheren Modellen hinweisen, an die sie sich lebhaft erinnern.

          • „Ohne eine Unterstützung im Lesen geling das Lesen nur sehr schwer. Man braucht dafür eine Anleitung und das kostet Geld.“

            Ja, dem stimme ich zu.
            Ohne die Rahmenbedingungen zu kennen einzelne alte und neue Lehrwerke herauszugreifen und per se zu kritisieren, ist aber wenig zielführend.
            Sich Unterstützung durch „Leseomas“ zu wünschen, in Zeiten, in denen Eltern und Großeltern arbeiten gehen, ist schwierig. Da ringt man um jede Stunde, die Menschen ehrenamtlich ermöglichen. Darauf sollte ein Schulsystem nicht bauen, es darf eine weitere Möglichkeit sein.
            Dass das reine „Lesen durch Schreiben“ umstritten ist, wird in Ihrer Kritik deutlich. Dass sie ähnliche Materialien (Tinto, Brügelmann, Spracherfahrungsansatz) ablehnen, weil Ihnen der Einsatz in der Schule Ihrer Kinder nicht zusagt, ist klar. Dass Sie mit der angeblich fehlenden Unterstützung Ihrer Kinder seitens der Lehrkraft nicht zufrieden sind, auch.

            Dennoch halte ich es für einen Rückschritt, sich Materialien, Methoden oder Bedingungen von 1970 für die heutige Schülerschaft zu wünschen. Oder möchten Sie mit den Möglichkeiten von 1970 in Ihrem Beruf arbeiten?

            Es braucht keine teuren Konzepte und Materialien, es gibt inzwischen viele kostengünstige Materialien und z.B. bei 4teachers auch eine Menge kostenfreier Materialien, die zum Üben eingesetzt werden können.
            Auch kenne ich Lehrkräfte, die durchaus mit den Materialien des Spracherfahrungsansatzes guten Unterricht machen, die SuS entsprechend ihrer Fähigkeiten fördern … und sie anleiten, unterstützen, begleiten, herausfordern.

            Ich habe schon an anderer Stelle geschrieben, dass der Streit um „Lesen durch Schreiben“ oder ein Verbot der Methode die Probleme nicht verhindert. Es ist nicht eine einzelne Methode, die von wenigen Lehrkräften so eingeschränkt eingesetzt wird, dass ganze Länder in Tests schlecht abschneiden.

            Was es dringend braucht, sind bessere Bedingungen in Grundschulen. Wären die gegeben, wäre die Unterstützung aller Kinder erheblich einfacher. Förderung könnte frühzeitig erfolgen und Kinder mit erheblichen Schwierigkeiten würden nicht schon in den ersten Monaten oder Jahren ihrer Schulzeit abgehängt.

            Die meisten Kinder brauchen zum Lernen Unterstützung, aber das kostet Geld, und das wird zurzeit nicht gewährt.

          • Sie sagen: „Dennoch halte ich es für einen Rückschritt, sich Materialien, Methoden oder Bedingungen von 1970 für die heutige Schülerschaft zu wünschen.“
            Als jemand, der die genannte Zeit als junge Lehrerin miterlebt hat, kann ich Ihre pauschale Aussage nur dann verstehen, wenn ich mir vorstelle, dass Sie meinen, dass jede „Modernisierung“ zwangsläufig gut sein müsse und alle älteren Personen verklärt auf die vergangenen Zeiten zurückblicken.
            Kein älterer Mensch wird zurückblickend von seinem Schwarz-Weiß-Fernseher schwärmen, von seinem früheren Herd, seiner Waschmaschine oder der Tonqualität seiner Stereo-Anlage.
            Auf erzieherischem, nachbarschaftlichem oder umgangsformalen Gebiet wird er allerdings dem „Fortschritt“ weniger huldigen und differenzierend sagen, worin er heute Entwicklungen in die falsche Richtung sieht.
            So eindeutig wie auf technischem und naturwissenschaftlichem Gebiet ist der „Fortschritt“ meiner Meinung nach nicht.
            Es glänzt eben nicht alles, was neu ist, vor allem nicht in den Augen von Menschen die Zeitzeugen sowohl von damals als auch von heute sind.

          • axel von Lintig

            @ Palim
            Der Kieler Leseaufbau wurde zwar 1966 entwickelt , er ermöglicht aber den strukturierten Zugang zum Lesen. Im übrigen gibt es die stark abgespeckte Version, herausgegeben als Luka-Leselernbuch (Veris-Verlag).
            Das setzen bei uns Ergotherapeuten erfolgreich bei gescheiterten Leserfolg in der dritten Klasse ein.
            Und für die Mathematik gibt es das im AOL-Verlag erschienene Heft Fit trotz Rechenschwäche von Lilo Göhrs.
            Nicht alles muss wieder neu erfunden werden.Wir brauchen nicht ständig eine Innovation an neuen Methoden und Ideen.

          • Man sollte vielleicht unterscheiden, ob es ums Lesenlernen oder um das weiterführenden Lesen geht.
            Ihre Erfahrung @axel von lintig beschreiben die Erfahrung an einer einzelnen Schule. In meinem Umkreis ist mir keine Schule bekannt, die die von Ihnen beschriebene Methode generell einsetzt. Bei uns – auch in den Erstklassbüchern – werden weiterhin Buchstabe für Buchstabe (analytisch-synthetisch) eingeführt. Die Anlauttabelle gibt es, doch sie spielt kaum eine Rolle.
            Da ich selbst seit den 80igern unterrichte, habe ich einen Überblick über eine große Anzahl von Jahren:
            Für Klasse 3/4 und dem weiterführendem Lesen ist von meinem Bundesland zu sagen (ich denke, das trifft auch für andere Bundesländer zu):
            Die Lesedidaktik hat sich gewaltig geändert und diese Änderungen sehe ich im Lichte einer Weiterentwicklung:
            Als ich angefangen habe, hat man Texte gelesen, vielleicht einmal auf Kassettenrekorder zur Selbstkontrolle aufgenommen, ein Rollenspiel dazu gemacht und über den Text gesprochen.
            Als die Orientierungs- und VERA arbeiten vor ca. 15 Jahren anfingen und es LeseVERAs gab, begann man, das sinnverstehende Lesen zu verbessern. In Bayern schrieb man dann plötzlich „Leseproben“ (= Arbeiten zu Texten). Diese Arbeiten enthielten Fragen zu längeren Texten, die die Schüler beantworten mussten. Parallel zu den VERAs wurden die Aufgaben in den Leseproben immer vielfältiger. Inzwischen achtet man zum einen auf unterschiedliche Aufgabenformate, unterschiedliche Niveaustufen, zum zweiten kann eine solche „Arbeit“ Aufgaben zum Sinnverständnis und zur Lesetechnik (genaues Lesen, Querlesen) beeinhalten.
            Vor einigen Jahren merkte man, dass man wieder mehr den Fokus auf die Lesetechnik richten müsse. Im Internet kursierte dazu der „Stolperwörter – Lesetest“. Federführend in der Erweiterung der Lesetechnik empfehlen sich Rosenbrock/Nix mit ihren Lautleseverfahren, die modern und praxistauglich sind.
            Begleitend dazu wurde in den Lehrplänen immer wieder auf die Wichtigkeit – und das ist etwas, das schon sehr lange in der Lesedidaktik vorkommt – auf die Schaffung des Zugangs zur Kinder- und Jugendliteratur geachtet.
            Inzwischen haben wir eine weitere Optimierung, zu sehen an den aktuellen Lesebüchern, die für den bayerischen Lehrplan (auch das Auer Lesebuch) zugelassen sind:
            Im Lesebuch aufgenommen sind Lesestrategien auf der einen Seite zum Sinnverständnis und auf der anderen Seite zur Lesetechnik. Darüber hinaus wird in jedem mir bekannten Lesebuch in jedem Kapitel ein Buch aus der Kinderliteratur angesprochen – oft mit Autoreninfos. Es wird darauf geachtet, dass unterschiedliche Textsorten unter einem Thema stehen, sodass Jungen und Mädchen zu den verschiedenen Texten Zugang gewinnen. (Von Comics, Tagebucheinträgen bis zu traditionellen Texten und Gedichten.) Zum Thema gibt es oft Bilder aus dem Kunstbereich.

          • Ich setze einen weiteren Kommentar unten auf der Seite, damit das Weiterlesen und Antworten erleichtert wird.

        • Lehrer brauchen keine moralinsauren Belehrungen, Anna, sondern realistische Perspektiven. Eine immer heterogener werdende Schülerschaft sorgt nun mal für immer mehr Schüler mit Lernschwächen, weil kein Lehrer es schafft, Kindern mit den verschiedensten Problemen auch nur annähernd ausreichende Hilfestellung zu bieten.
          Sie reden immer wieder wie eine Blinde von der Farbe und ergehen sich in Vorwürfen gegen alle, deren Blick noch intakt ist statt ideologisch verengt.
          Damit helfen sie keinem Kind mit Lernproblemen, sondern nur sich und Ihrer moralapostolischen Glaubensgemeinschaft, die Humanität im Munde führt, aber inhuman argumentiert und handelt über billige Schimpfwörter wie „Selektion“, „Ausgrenzung“ oder „Abschiebung“.
          Kinder besserer Hilfe zuzuführen durch spezielle Fördereinrichtungen ist kein Akt der Barbarei, sondern wahrer Humanität, auch wenn die Sache teuer ist und den Staat bzw. die Steuerzahler mehr Geld kostet als die schöngeredete „Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“ in Regelklassen.

        • So lange ein ideologisch denkender Herr Brügelmann mit seinem Kreis an Gleichgesinnten einen derartig starken Einfluss auf die Kultusministerkonverenz hat,so lange wird sich leider inhaltlich an den Lernergebnissen der Grundschüler nicht viel ändern.
          Dieser „Lord Voldemort“ der Grundschulpädagogik hätte mit seinen fachfremden Qualifikationen niemals Professor für den Anfangsunterricht in Grundschulen werden dürfen. Das war wohl nur in Bremen möglich.

          Seit dem ist sehr viel im Schulbereich verändert worden,neu eingeführt und wieder abgeschaft worden. Und bei jedem schlechten Abschneiden der Schüler, in welcher Lernstandserhebung auch immer, wird der Ruf von seiten dieser ideologisch denkenden Reformeiferer nach noch mehr Individualisierung ständig lauter. Erfolge sind bei den Lernergebnissen leider nur marginal feststellbar.
          Im anglo-amerikanische Raum geht man ganz andere Wege.
          Der Unterricht ist viel Lehrer zentrierter mit mehr direkter Anleitung und Unterstützung. Und genau dahin wird der Weg gehen.
          Lernmethoden werden eben an ihrer Effektivität und ihren Lernerfolgen gemessen und nicht an frommen Wunschvorstellungen einer ideologischen Denkweise.

          • Genau, Beate S., eine realistische Perspektive – und zu der gehört, dass man die heutigen Schüler (an)nimmt, wie sie sind. Nämlich sehr bunt von ihrer Herkunft, von ihrer Sozialisiation, von ihren Lernvoraussetzungen und von ihren Erfahrungswelten her. Und sich nicht eine imaginäre Wunschschülerschaft zusammenbackt, ohne die vernünftiges pädagogisches Arbeiten ja angeblich gar nicht möglich ist.

            Der anglo-amerikanische Raum setzt sehr stark auf Digitalisierung – und genau dahin wird der Weg gehen. Eben: Effektivität und Lernerfolge. Und von PISA lernen wir, dass die deutschen Gymnasien, obwohl sie die homogenste Schülerschaft aller Schulformen weltweit hat, in der Spitze nicht besonders viel zuwege bringt.

            Aber klar: Man kann immer darüber klagen, dass die Schülerschaft nicht homogen genug ist. Irgendwann sitzt man dann mit einem Schüler da. Und dann heißt es wahrscheinlich: Der ist zu doof.

          • Zitat:
            „Der anglo-amerikanische Raum setzt sehr stark auf Digitalisierung – und genau dahin wird der Weg gehen. Eben: Effektivität und Lernerfolge. Und von PISA lernen wir, dass die deutschen Gymnasien, obwohl sie die homogenste Schülerschaft aller Schulformen weltweit hat, in der Spitze nicht besonders viel zuwege bringt. “

            Die USA fahren ihre Digitalisierungsbemühungen mangels Erfolg schon wieder zurück.

            Zur homogenen Schülerschaft an Gymnasien:
            „Das Gymnasium ist sozial immer noch die homogenste, leistungsmäßig aber mittlerweile die heterogenste Schulform, während etwa die Schülerschaft der Gesamtschulen sozial heterogen, aber leistungsmäßig wider Erwarten relativ homogen ist.“

            Siehe:
            https://www.mpib-berlin.mpg.de/volltexte/institut/dok/full/Baumert/bjnuip__/bjnuip__.htm

          • Die USA fahren ihre Digitalisierung an den Schulen zurück? Wo haben Sie das denn her?

            Das Gegenteil ist richtig: Es gibt mittlerweile (Privat-)Schulen in den USA, die den Eltern Einblicke in den laufenden Unterricht erlauben. Mittels Online-Streaming natürlich.

            „Wir müssen sicherstellen, dass Technologie für jedes Kind zugänglich ist”, so erklärte Noch-Präsident Obama in einer Rede zur Digitalisierung der amerikanischen Schulen. Nach Angaben des Weißen Hauses stehen weniger als 30 % der amerikanischen Schulen die neuste Technik zur Verfügung. Das soll sich nun ändern: Bis 2018 soll 99 % der Schülerinnen und Schüler in Amerika das digitale Lernen vom Kindergarten bis zur 12. Klasse ermöglicht werden ‒ so das Ziel von Obamas Initiative ConnectEd.

            Dass Trump auch die einstampfen wollte, wäre mir neu. Der hat, glaube ich, erst mal genug mit der Abschaffung der Krankenversicherung und der Mauer zu Mexiko zu tun.

          • PS. Grias Di – Ihr Zitat ist wirklich interessant: „Das Gymnasium ist sozial immer noch die homogenste, leistungsmäßig aber mittlerweile die heterogenste Schulform“ – das heißt doch im Klartext: Das Gymnasium ist eine schreiend ungerechte Veranstaltung. Hauptsache Zahrarztsohn, Leistung spielt keine Rolle (dazu auch mein Kommentar unten).

          • Ich habe damit nur widerlegt, was Sie oben geschrieben haben, nämlich dass das Gymnasium die homogenste Schülerschaft weltweit hat. Scheint nicht mal für Deutschland zu stimmen.

          • Zitat:
            „Der Laptop-Flop
            Lernen Kinder wirklich durch digitale Medien? In den USA mehren sich Zweifel daran. Einige Schulen haben Computer wieder aus den Klassenzimmern verbannt. “

            Quelle:
            http://www.sueddeutsche.de/digital/computer-in-der-schule-der-laptop-flop-1.912372

          • Das ist ein Artikel von 2010!

          • Stimmt er deswegen nicht?

            Zitat:
            „Es gibt mittlerweile (Privat-)Schulen in den USA, die den Eltern Einblicke in den laufenden Unterricht erlauben. Mittels Online-Streaming natürlich.“

            Handelt es sich auch um Digitalisierung, wenn im Lehrerzimmer ein vernetzter Kühlschrank steht?

          • Genau. Er ist längst überholt. Der Artikel quanitfiziert ja auch nichts, es wird nur vage von „einigen“ Schulen in den USA gesprochen – bei, geschätzt, 100.000 Schulen in den USA dürften es immer „einige“ sein, die dies oder das tun. Haben Sie seitdem von einer breiten Gegenbewegung gegen das mittlerweile von Obama aufgelegte Programm zur Digitalisierung der Schulen gehört oder gelesen? Ich nicht.

          • Nachtrag: Das Beispiel soll natürlich nur zeigen, wie extrem die Digitalisierung in den Schulen in den USA voranschreitet und den Alltag von Lehrerinnen und Lehrern bestimmt.

            Natürlich sind auch digitale Lernmittel in den USA sehr viel weiter verbreitet als in Deutschland. Kunststück: In keinem Industrieland werden Computer im Unterricht so selten eingesetzt wie in Deutschland. Erzählen Sie mal zum Beispiel einem niederländischen Grundschullehrer, dass es in deutschen Grundschulen keine Tablets gibt – der guckt Sie an, als kämen Sie aus dem Urwald.

          • Ich wünsche Ihnen, dass sich all Ihre Hoffnungen in die digitale Technik erfüllen.

    • Axel von Lintig

      Die Blattaufgaben beinhalten aber gar keine Differenzierung im Schweregrad.Mein Wissen erhalte ich durch die Gespräche mit meiner Tochter, und sie kann auch sehr genau schildern , wie der Unterricht strukturiert ist.
      Ein Unterricht wie Palim ihn schildert kommt den Kindern sehr entgegen. Dieser Unterricht ist für den Lehrer aber auch sehr arbeitsaufwendig.

      • Dann liegt die Differenzierung halt in der Bearbeitungsdauer bzw. in der Auswahl der schülerseits gemachten Aufgaben.

        Ist wei mit den Zeugnissen für Lerner in regelklassen. Zunächst wird aufgeführt welche Lerninhalte im Regelunterricht gem. Curriculum bearbeitet worden sind. Danach wird dargestellt welche Inhalte der lerner „kann“. Interessant ist lediglich, was im gegensatz zu den curricularen Inhalten keine Erwähnung beim Auflisten der individuellen Kompetenzen des lerners nicht mehr erwähnt werden, da ja keine Negativ-Bemerkungen Eingang in die Zeugnisformulierungen fnden dürfen.

  25. Das Für und Wider des materialzentrierten Unterrichts zeigt sich im Beitrag von Reni: Innere Differenzierung zum Nulltarif gibt es nicht.
    Es sind die Lehrkräfte, die sich bemühen, über Materialien und Methoden möglichst allen Kindern gerecht zu werden, aber häufig ist es eine Notmaßnahme.

    Trotzdem gewinne ich diesen Unterrichtsformen auch etwas Positives ab. Ich möchte, dass die Kinder recht selbstständig arbeiten, sich selbst in gewissem Rahmen etwas aneignen. Allerdings plädiere ich dafür, dass die Lehrkraft den Rahmen im Blick behält und die Kinder auch.

    Der frontale Unterricht verliert auch deshalb an Bedeutung, weil immer mehr Kinder diesen Phasen gar nicht folgen können. Das hat vielfältige Gründe. Waren es früher womöglich weniger Kinder oder hat man es billigend in Kauf genommen? Ist die Umstellung des Unterrichts nicht auch ein Versuch gewesen, diejenigen, die damals abgehängt wurden, zu erreichen?

    Zurzeit ist es so, dass man die SuS alle ansprechen will, dass man die Selbsttätigkeit erhöht, damit Kinder sich nicht einfach zurückziehen und berieseln lassen oder abschweifen. Letzteres schaffen sie übrigens trotzdem, auch bei materialzentriertem Unterricht.

    Die SuS zum selbstbestimmten Lernen zu bringen (eigene Wahl der Aufgabe, eigene Methode, eigenes Zeitmanagement, Selbstevaluation…) ist allerdings eine Mammutaufgabe, die auch nicht „mal eben so“ zu erreichen ist, sondern Heranführung und Hilfen braucht.

    Auch stark geöffnete Unterrichtsformen haben Positives, aber sie brauchen viel Zeit und meiner Meinung nach trotzdem Anleitung, Hilfen etc. Etliches, was ich früher schon durchgeführt habe, ist mir in den jetzigen Lerngruppen nicht mehr möglich, u.a. da die andere Differenzierung schon genügend Zeit benötigt. Alles ist nicht zu schaffen. Vielleicht liegt es auch daran, dass der übliche Unterricht ohnehin erheblich differenzierter ist, als noch vor 15 Jahren.

    Meiner Meinung nach stellen die KuMi vor allem „kompetenzorientierten Unterricht“ und „offene Aufgabenformen“ in den Focus. Dabei gibt es eine offenere Aufgabenstellung und mehrere Möglichkeiten, sich Kompetenzen anzueignen.
    Die Erarbeitung dieser Aufgaben ist ebenfalls sehr aufwändig, wenn ggf. auch nicht so materialintensiv. Diese Arbeit ist an vielen Schulen nicht erfolgt. Vielmehr mussten die Curricula recht schnell umgesetzt werden und man hat mit bestehenden Mitteln und Möglichkeiten versucht, die Anforderungen zu erfüllen. Vorbereitungszeit, Einarbeitung, Unterstützung, inhaltliche schulstufenspezifische Fortbildungen gab es in meiner Region nicht, auch ein zentraler Aufgabenpool (online) wäre sinnvoll. (zur Kontrolle gab es dann Schulinspektion und VERA). Ich kenne einzelne Aufgabenstellungen, bei denen ich mir den Unterricht vorstellen kann oder die ich auch integriere. Es gibt andere, die ich nicht einsetzen würde, weil die guten SuS nicht genug Anreize erhalten und die schwächeren reine Beschäftigungsaufgaben erfüllen. (An dieser Stelle müsste man konkrete Aufgaben/-stellungen diskutieren.)

    Letztlich geht es mir nicht darum, dass SuS das Ergebnis auf irgendeinem Weg erreichen oder sich gleichzeitig mit einem Thema beschäftigen, und ich bin ich der Meinung, dass Inhalte und Techniken nicht vom Himmel fallen, sondern vermittelt werden und geübt werden müssen. … und dann bin ich doch wieder beim materialzentrierten Unterricht mit differenzierten Aufgaben: Eine Einführung für alle, vielfältige Übungen auf unterschiedlichen Niveaus, weitere Erläuterungen und Hilfen für die, die es benötigen, dazu Knobelaufgaben (wenn es geht zum Thema) für diejenigen, die die Übungen schnell oder längst beherrschen.
    Wenn es möglich ist, kann man die Migranten und i-Kinder mit einbeziehen, aber das geht nicht zu jedem Thema und wird sicherlich in den weiterführenden Schulen noch viel schwieriger, wenn grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten gar nicht oder noch nicht bestehen.

    Für mich bedeutet der individualisierte Unterricht, dass er die Lehrkraft stark fordert. Die Entwicklung der SuS muss im Blick behalten und ständig darauf reagiert werden. Materialzentrierter Unterricht und Individualisierung bringen einen hohen Arbeitsaufwand mit sich, Vor- und Nachbereitung sind immens. Innerhalb des Unterrichts möchte man sich gerne mehrteilen, eine gute Unterrichtsorganisation ist zwingend notwendig, aber kein Allheilmittel.

    Letztlich verpuffen die positiven Effekte womöglich deshalb, weil an Bildung und besseren Bedingungen gespart wird. Dann ist es nicht der indiviudalisierte Unterricht an sich, der weniger Erfolge vorzeigt, sondern die Tatsache, dass Lehrkräfte mit viel zu vielen Aufgaben allein gelassen werden.

  26. Das ist jetzt bestimmt nicht sehr sachlich, aber mich macht es wütend, dass hier schon wieder so viel Raum und Zeit verwendet wird, die Grundschule schlecht zu reden.

    Gibt es irgendwo eine Seite, auf der man DIE ÄRZTE schlecht machen kann, weil man gerade einen unfähigen erwischt hat? ICH KÖNNTE EINE MENGE ERZÄHLEN!!!!

    Die Gymnasiallehrer meckern sowieso die ganze Zeit rum und schon wieder haben sie Nahrung.:(

  27. Wie geht es eigentlich Kindern, deren Eltern die Schule so sehr in Frage stellen? Die Kinder ausfragen und eingreifen, andere Schreibschrift üben, Leselehrgang usw. Fragen sich die Kinder nicht, warum die Eltern sie in diese unfähige Schule schicken? Eltern und Lehrer sollten an einem Strang ziehen und nicht gegeneinander arbeiten. Gute Schüler bringen gute Leistungen, egal wie die Lehrmethode ausfällt und wie der Lehrer ist. Ich möchte hier weder Tochter noch Lehrerin sein.

    • Axel von Lintig

      Meinen Kindern geht es gut, nur würde ich mir wünschen, wenn alternativ zum LDS /Spracherfahrungsansatz Schulen zur Verfügung stünden , die analytisch-Synthetisch oder Silben-analytisch arbeiten würden.Dann wäre ich mehr entlastet, aber im Moment läuft es hier vor Ort anders als bei Ihnen.
      Und natürlich könnte ich Ihnen auch genug über eine falsch geplante Gesundheitspolitik (DRG-System/Bertelsmann) schreiben und falsche Strukturen im Gesundheitssystem. Dazu müsste ich mich aber hinter einem Pseudonym verstecken.Sie haben doch eine kritische Distanz zum Bildungswesen und ich wäre froh, wenn der Unterricht so wie bei Ihnen laufen würde.

    • axel von Lintig

      @ mississippi

      Was haben sie dagegen, wenn ich meinen Kindern mit einem strukturierten Leselehrgang das Lesen beibringe, ich mich mit ihnen über den Unterricht unterhalte, ihnen mit strukturierten Schreiblehrgängen das Schreiben Lernen erleichtere.
      Die Kritik kommt nicht von mir alleine, sondern von vielen Eltern.
      Aber solange im Anfangsunterricht der ersten und zweiten Klasse keine strukturierten Lehrgänge eingesetzt werden und Lesen durch Schreiben und Freies Schreiben nach Heinrich Scharrelmann und Fritz Ganzberg (1912/14 “ Der freie Aufsatz“) praktiziert werden , ohne Korektur von falschen Schreibungen, sowie positiver Verstärkung diese Schreibungen durch Smilies,, so lange werden wir uns gegen diese Methoden wehren.
      Freies Schreiben gab es bereits schon einmal . Es wurde unter dem Namen „Der freie Aufsatz“ von H.Scharrelman und Fritz Ganzberg propagiert. Allerdings wurde in den damaligen Untersuchungen nachgewiesen, dass die betroffenen Schüler nie mehr zu guten Rechtschreibern sich entwickelten, weshalb diese Methode unterbunden wurde.
      Das Gleiche gilt für die bereits wiederlegte Wortbild-Theorie, dass sich Schüler durch das Lesen von Wörtern diese einprägen.

      Gute Schüler bringen nicht gute Leistungen , egal welche Methoden angeboten werden. Effektive Methoden stützen den Unterricht und fördern den Lernerfolg. Hattie ist angesagt. 230.000.000 Schülerdaten sind aussagekräftiger als alle diese „empirisch belegten “ Methoden unserer Reformeiferer um den „Lord Voldemort“ der Grundschulpädagogik H.Brügelm. Diese Seilschaften sind ein Greul.
      Und es kommt sehr wohl auf den Lehrer an, der ist entscheidend für den Lernerfolg.
      Und bei den offenen Methoden müssen sie sogar viel mehr erklären als bei den direkten, Lehrer orientierten Methoden. Beides kann abwechseln. Aber bitte nicht Lesen durch Schreiben , Texte abschreiben nach Sommer-Stumpenhorst oder freies Schreiben nach Scharrelmann/Ganzberg.
      Man kann doch aus den Fehlern anderer Generationen lernen.

  28. Den Punkt setzt man übrigens gleich hinter dem letzten Wort. Dann kommt eine Leertaste. Unsere Grundschüler können das. Wir haben PC`s in den Klassenzimmern.

  29. @Anna:
    Liebe Anna,

    vielen Dank für die vielen Worte und die emotionale Position, die Sie in dieser Diskussion einnehmen. Trotz Ihrem Bestreben Ihre Sache zu vertreten, möchte ich Sie bitten sachlich zu diskutieren und besonders auf persönliche Anfeindungen zu verzichten. Auch wäre es schön, wenn Sie nicht einfach Worte aus Kommentaren nähmen, die Ihnen nicht passen, um darauf aufbauend einen Kreuzzug für Menschlichkeit zu beginnen. Natürlich habe ich nichts gegen eine „weltoffene und liberale und demokratische Gesellschaft“, wie Sie es so schön formuliert haben. Das bedeutet aber nicht, dass ich keine Kritik am Schulsystem oder den darin enthaltenen Missständen üben darf.
    Ihr erste Antwort auf meinen Kommentar erachte ich in diesem Zusammenhang als sehr unverständlich, weil sie sich – wie erwähnt – nicht am Inhalt orientiert haben, sondern an zwei aus dem Kontext gerissenen Worten.
    Bleiben wir aber mal beim Begriff der Selektion:
    Theorerisch verfügte Deutschland einmal über ein gegliedertes Schulsystem, das nach dem Verlassen der Grundschule dem Leistungsvermögen entsprechend fördern und fordern sollte. Durch die Entwicklung der letzten Jahre haben sich hierbei das Gymnasium und das Modell der Gemeinschafts-/Gesamtschule als die verbliebenen Stützpfeiler herauskristallisiert. Durch den Wegfall verbindlicher Grundschulempfehlungen und dem Ziel der individuellen Förderung hat sich jedoch meiner Ansicht nach ein Problem eingeschlichen:
    Während die Schulzeit dank G8 und G9 unterschiedlich lang ist und somit die beiden Schularten unterschiedlich anspruchsvoll sind, findet keine Selektion der Schülerschaft hinsichtlich der Leistungsfähigkeit mehr statt. Viel schlimmer ist hierbei, dass die Möglichkeit eines Wechsels nur vom Gymnasium zur Gemeinschaftschule und nicht anders herum erfolgen kann. Dabei wird aber jeder Wechsel eines Gymnasiasten an eine Gemeinschaftsschule indirekt zu einem Versagen des Gymnasiums erklärt, da dieses seinem Auftrag der individuellen Förderung nicht nachgekommen ist.
    Somit haben wir zwei Schularten auf unterschiedlichem Niveau, die ungeachtet der Schülerschaft ebendiese zum Abschluss führen sollen. Eine Durchlässigkeit ist nicht erkennbar und dies führt zu Problemen für Lehrkräfte, Kinder und Eltern.
    Warum gibt es denn dann überhaupt zwei Schultypen? Warum gibt es denn dann überhaupt G8 und G9?
    Es hat hier nichts mit einer „absurden Berufseinstellung“ zu tun oder damit, sich keine Mühe machen zu wollen. Es geht um den Sinn hinter dieser Entwicklung. Als Lehrkraft fördere ich alle Kinder nach bestem Wissen und Gewissen, aber ebenjenes Gewissen macht mir dabei auch zu schaffen:
    Wissen Sie, wie es ist, Kinder zu unterrichten, die trotz aller Mühen und aller Arbeit keine ausreichenden Leistungen erzielen?
    Kennen Sie das Gefühl mit weinenden Schülern zu sprechen, die bei einem G8-Ganztag und zusätzlicher Nachhilfe das Klassenziel nicht erreichen?
    Soll ich diese Kinder belügen, indem ich Ihnen einfachere Ziele stecke, damit sie nur nicht sitzen bleiben?
    Heterogenität ist etwas, mit dem man als Lehrkraft zu leben gelernt hat und aus dem man Vorteile ziehen kann, aber sie ist keine Entschuldigung für falsche bildungspolitische Entscheidungen.
    Hierbei darf die Schülerschaft sehr gerne bunt sein, denn unabhängig von Herkunft, Sozialisation und Erfahrungen bemühen sich Lehrkräfte, um den besten Weg für ein Kind.
    Dabei aber die Lernvoraussetzungen in einem Atemzug mitzunennen, halte ich für schwierig.
    So wie es nämlich unterschiedliche Kinder gibt, die alle Träume und Persönlichkeiten besitzen, existieren auch unterschiedliche Möglichkeiten. Nicht jedes Kind kann Arzt werden, nicht jedes Kind kann Sportprofi werden und nicht jedes Kind kann die Anforderungen von G8 erfüllen. Um diesen Gedankengang also abzuschließen, halte ich es für anmaßend und illusorisch Lehrkräfte zu beleidigen, die zum Schutz der Kinder die zunehmende Heterogenität an allen Schultypen aufgrund fehlender Selektion anprangern.
    Zugespitzt ausgedrückt: Wie soll ich eine Gymnasialklasse mit 30 Kindern bestmöglich zum Abitur und damit zur Hochschulreife führen, weil ich sonst meinem individuellen Bildunsauftrag nicht nachgekommen bin, wenn ich aufgrund von Bestimmungen nach Nachteilsausgleichen, Integration, Inklusion und Fördermaßnahmen unterrichten und dabei noch fordern soll, während zehn Kinder höchstens einen Hauptschulabschluss erreichen werden?

    Über die Homogenität der Schülerschaft an den unterschiedlichen Schultypen und die Leistungsergebnisse der Schülerschaft nach Schultypen unterhalte ich mich an dieser Stelle nicht, möchte aber anmerken, dass Ihre Aussagen nur einer Meinung und keinem befund entsprechen.

  30. Lieber Peter Pan,

    es tut mir leid, wenn meine Wortmeldung zu aggressiv ausgefallen ist – und natürlich wollte ich Ihnen nicht unterstellen, gegen eine liberale, weltoffene Gesellschaft zu sein. Dass die Schülerschaft immer heterogener wird, hat aber nicht allein mit der Schulpolitik zu tun, sondern ist eben Ergebnis dieser Gesellschaft, in der Lebensstile, Herkunft, Werte, Erziehungsstile, Lebenswelten, soziale Unterschiede zunehmend divergieren.

    Wenn das Gymnasium eine Schulform wäre, die sich wirklich den leistungsstärksten Schülern widmen würde, dann wär’s ja gut. Dann könnte man, wie in asiatischen Ländern üblich, den Zugang zur Oberschule von einem Leistungstest abhängig machen, der nichts anderes als Leistung erfasst. Und wer den besteht, der darf drauf. Harte, aber faire Geschichte.

    Tatsächlich haben wir aber in Deutschland von je her mit dem Gymnasium eine Schulform, die bevorzugt Kinder aus dem Bürgertum aufnimmt – und zwar etliche mittelprächtige Schüler, die nach reinen Leistungskriterien auf die Realschule oder auf die Hauptschule gehörten, die dann aber doch die Empfehlung bekommen, weil der Vater Anwalt oder Zahnarzt ist. In Bundesländern, in denen die Schulwahl für die Eltern frei ist, ist ohnehin klar, wer sein Kind aufs Gymnasium schickt – und wer sich das eher nicht traut. Und in Bundesländern, in denen die Lehrer die Empfehlung aussprechen, läuft es auch kaum gerechter, weil die Grundschullehrkräfte – durchaus mit Mitgefühl – bei dem Zahnarztsohn die entsprechende Unterstützung voraussetzen können, beim gleichermaßen begabten und leistungsstarken Migrantenkind aber nicht. PISA dokumentiert diese Zusammenhänge.

    Und jetzt sind wir an dem Punkt, wo die Diskussion unerlich wird: Eltern zu sagen, es kann halt nicht jeder Abitur machen, und es kann halt nicht jeder Arzt werden, damit aber de facto nur die sozial Schwächeren zu meinen, während – überspitzt gesagt – auch der dööfste Anwaltssproß bis zum Abitur und bis zum Examen durchgeschleppt wird, ist halt wenig überzeugend. Wenn Sie glaubwürdig argumentieren wollten, sie möchten eine Leistungselite unterrichten, dann müssten sie auch politisch dafür einstehen, eine echte Leistungselite zu selektieren, um Ihren Begriff zu gebrauchen. Mit falschen Schulreformen in der Vergangenheit hat das aber nichts zu tun, weil es ein solches Gymnasium in Deutschland noch nie wirklich gab (und gegen den Widerstand des breiten Bürgertums, siehe G8, auch gar nicht durchzusetzen wäre).

    Vor allem aber: „Herogenität“ – im Sinne unterschiedlicher Herkunft – ist eben kein Kriterium, das Leistungsstärke ausschließt.

    • Heterogenität habe ich nie im Sinne von unterschiedlicher Herkunft verstanden und kann mir auch nicht vorstellen, dass dies die Lehrer tun.
      Diese Interpretation kommt allerdings gern von linksideologischer Seite.

    • Axel von Lintig

      Der Terminus Heterogenität bezieht sich auf die unterschiedliche Zusammensetzung der Schüler in der sprachlichen Entwicklung auf Grund von Unterschieden im audiovisuellen, kognitiven, sozialen und geistigen Sprachvermögen dieser Gesamtgruppe.
      Diese Unterschiede dienen als Begründung für den individualisierten Unterricht.
      Wissenschaftlich nachgewiesen für diesen Ansatzpunkt, konnte aber bisher kein Vorteil für Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder aus einem Sprach armen familiären Umfeld und mit eingeschränkten geistigen Fähigkeiten.
      Es scheint eher so zu sein, dass diese Schülergruppen mehr von einem strukturierten , Lehrer gesteuerten Unterricht profitieren.

  31. Milch der frommen Denkungsart

    @Anna:

    Solche Wiedergänger des Klassenkampfs wie Sie haben einen Donald Trump überhaupt erst
    hochgespült.

    • Boah, wegen mir hat Donald Trump gewonnen? Das tut mir dann aber doch leid… wollt‘ ich wirklich nicht.

    • Völlig richtig, Milch…! Viele Amerikaner konnten das Mitleidsgesülze um die Armen, Schwachen und Abgehängten nicht mehr hören. Donald Trump bekam sogar von diesen „Armen und Verfolgten“ wie den sog. Latinos erstaunlich viele Wählerstimmen.

      @Anna
      Nicht von Ihnen war die Rede, sondern von „Wiedergängern des Klassenkampfs wie Sie“. Wenn Sie schon witzig sein wollen, dann bitte nicht so sehr neben der Spur.

      • Von Wiedergängern des Klassenkampfs „wie mich“? Auweia. Bin ich jetzt auch Lenin schuld? Und die schwere deutsche Grammatik?

        Und war es mit Trump vielleicht nicht doch so, dass Menschen ihn gewählt haben, weil er versprochen hat, Ihnen zu helfen? Und nicht, weil er versprochen hat, Ihnen nicht zu helfen?

        Hier wird ein Käle verbraten.

        • Pardon: Käse.

          • Axel von Lintig

            Was haben diese Einträge mit dem obigen Artikel zu tun?

          • Darum geht es Anna nach meiner Beobachtung nie. Ihr scheint Hauptsache, ideologischen Streit zu führen und Meinungsgegner als Unmenschen zu diskreditieren.

          • Ganz einfach: Der Rost-Belt in den USA hat Trump doch gewählt, weil er „Mitleidsgesülze“ mit den Arbeitslosen und Absteigern von sich gegeben hat und sie wieder „great“ machen will – und nciht, weil, wie MJ behauptet, irgendwer irgendwie die Nase voll hätte von Mitleidsgesülze.

            Heißt: Schon die Prämisse dieser These ist an den Haaren herbeigezogen, ebenso die Übertragung auf die deutsche Bildungspolitik. Es geht nicht um „Mitleidsgesülze“, es geht darum, dass sicfh ein reiches Land wie Deutschland es leistet. 20 Prozent seiner Kinder durch den Rost fallen zu lassen – viel mehr (wie PISA zeigt) als fast jedes andere vergleichbare Industrieland, übrigens auch mehr als die USA. Und das ist nicht nur ein Problem fehlender Fairness, das sit auch ein sozioökonomisches Problem: Wer finanziert diejenigen ein Leben lang, die kaum Chancen haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen?

            Es geht auch darum, den Leistungsgedanken konsequent ins Schulsystem zu tragen – wenn schon, denn schon. Deutschland aber gleitet langsam aber sicher in ein „Kastensystem“ (Günter Wallraff), in dem die soziale Herkunft wichtiger für das Fortkommen ist als die persönliche Leistung. Die Konsequenz: Leistung wird in dieser Gesellschaft zunehmend egal. Sieht man doch an VW und den Banken: Man kann als Spitzenmanager gar nicht genug Mist machen, um nicht mit Boni zugeschmissen zu werden.

          • Axel von Lintig

            Ihre chaotischen Ablenkungsmanöver tragen nicht zu einem strukturierten Gesprächsaufbau bei.

          • Was für Ablenkungsmanöver? Es geht ums Durchdeklinieren einer Grundthese: Wir sind immer weniger eine Leistungsgesellschaft – an den Schulen nicht, und in der Spitze der Wirtschaft nicht.

  32. Axel von Lintig

    bezieht sich auf Anna

  33. Bist du nicht für mich, bist du gegen mich? oder wie lautet das Spiel?

    Auch in den 70ern gab es nicht nur EIN Buch, EINE Methode, EINE Herangehensweise.

    Es gab nicht nur Schüler, die alles sofort erlernt haben, sondern Lernen war auch damals schon für etliche Kinder mühsam.

    Es gab auch damals schon Eltern, die sich nicht um ihre Kinder gekümmert haben – aus welchen Gründen auch immer – da konnte der Lehrer noch so viele Hinweise geben.

    Es gab auch damals schon Kinder, die mit notwendiger Betreuung erheblich besser gelernt hätten – Ergotherapie war damals aber wohl eher unbekannt, heute bekommen in meiner Region Eltern nur sehr schwer ein Rezept dafür, egal wie dringend das Kind Therapie benötigen würde. Im Übrigen sollte doch Bildung nicht auf Nachhilfe durch Therapeuten angewiesen sein. Wo sind die Fachkräfte in den Schulen, die helfen könnten?

    Ich fühle mich nicht kritisiert, „wenn von früheren guten Erfahrungen berichtet wird“, in dem Wissen, dass damals eben durchaus Kinder stotternd vor der gesamten Klasse lesen mussten und vorgeführt wurden. Auch weiß ich, dass damalige Klassen mit heutigen nicht annähernd zu vergleichen sind – in meinem Umfeld jedenfalls hat sich die Zusammensetzung einer Klasse gewaltig geändert, nicht nur aber auch durch Migration und Inklusion.

    „Wahrer Fortschritt besteht doch darin, Dinge zu ändern und zu verbessern, die wirklich besser gemacht werden können.“
    Ja, stimmt.
    Und gerade, WEIL in den 70er nicht alles Gold war, hat man begonnen, etwas zu ändern.

    Zwar denke auch ich, dass manches heutzutage Geschäftemacherei ist und vieles den Einsparzwängen zum Opfer fällt, dennoch meine ich, dass sehr viele Innovationen innerhalb der Schule gerade nicht von Verlagen ausgehen, sondern von Lehrkräften, die die Schüler im Blick haben – und nicht den eigenen Geldbeutel – die sich Gedanken machen, auf welche Weise ihre Schüler bessere Erfolge erzielen können.

    Ich kann mich an Schwarz-Weiß-Fernseher erinnern, ja, aber dass es hier so viele Schwarz-Weiß-Schreiber gibt, finde ich schon beachtlich. Ein bisschen mehr Vielfalt und Farbe wäre angebracht.

    Es gibt nicht DIE EINE Methode. Die Vielfalt ist wichtig und der Blick der Lehrkraft, welches Kind welche Hinweise und Hilfen benötigt.

    Wie viele der absoluten Gegner haben eine Anlauttabelle (die es auch zum Kieler Leseaufbau gibt, wie auch zu vielen Fibeln) in der Hand gehalten und wer hat wirklich schon einen selbst verfassten Text eines Erstklässlers gesehen und sich vorlesen lassen?

    Seit Jahren sind es eher die randständigen Materialien, die Silben betonen, wodurch dieser Ansatz in den letzten 10 Jahren erstaunlicherweise auch in analytisch-synthetischen Lehrgängen und Fibeln aufgegriffen wird. Gab es schon? Ja. Gab es. Lange Zeit vorher bereits. Nutzte aber kaum einer mehr. Dazu brauchte es erst wieder Innovation von Lehrkräften, die die Silbe wieder dazu genommen haben und als wichtig erachtet haben. Auch daraus haben sich unterschiedliche Konzepte entwickelt. Offensichtlich ist aber, dass seit ca. 5 Jahren in allen Lehrgängen und Fibeln wieder Silben eingesetzt werden.

    Ähnliche Entwicklungen gibt es in nahezu allen Bereichen und ICH wünsche mir die 70er nicht zurück.

    • Es geht doch nicht darum, sich die 70er Jahre in ihrer Gesamtheit zurückzuwünschen, sondern um die Frage, ob es in der Vergangenheit nicht das ein oder andere (in der Erziehung bzw. Pädagogik) gab, das es wert gewesen wäre, nicht über Bord geschmissen und von Schlechterem abgelöst zu werden.
      Die Geschichte der Menschheit ist doch voll von Beweisen, dass es nicht stetig bergauf ging, sondern Irrtümer und falsche Lehren auch für Rückschläge und Fehlentwicklungen sorgten, die zurückwarfen.
      Natürlich hatten die 70er Jahre Schattenseiten, die heute überwunden sind.
      Was die Lese- und Schreibfähigkeiten der Schüler anbelangt, wage ich jedoch zu behaupten, dass ein mittelmäßiger Volksschüler von damals so manchen mittelmäßigen Abiturienten von heute in den Schatten stellen würde.
      Ich weiß, wovon ich rede, weil ich beide Zeiten erlebt habe, und mein Enkel im letzten Jahr sein Abitur mit der Note 2,1 abgelegt hat und ich seine Rechtschreibfähigkeiten kenne. Ich traue ihm heute kaum zu, besser abzuschneiden als das Gros unserer damaligen Viertklässler.
      Mir genügt einfach nicht, Palim, verächtlich auf alles zu blicken, was mal war. Wahrscheinlich könnte ich das ungehemmter, wenn ich als Erwachsene nicht beide Zeiten mit ihren Vor- und Nachteilen erlebt hätte. Pauschaler Fortschrittsglaube sucht sich leider immer das raus, was heute wirklich oder auch nur angeblich besser ist, um das Kind mit dem Bade auszuschütten und einen Rundumschlag gegen alles Frühere zu führen. Das halte ich weder für klug noch für weiterführend.

    • Axel von Lintig

      In den 60-70er Jahren gab es einen anderen Methodenstreit,den um die Ganzwortmethode, der in der Durchsetzung der analytisch-synthetischen Methoden endete. Danach lief es einiger Maßen gleichmäßig weiter ohne große Veränderungen im Schulsystem. Na ja, die Mengenlehre und das Sprachlabor. Aber dann lief es wohl strukturiert einfach weiter und lief und lief.

      Und dann kamen Reichen und später Brügelmann. Da kam der Zeitgeist auf alles Alte in Frage zu stellen, Veränderungen,Verbesserungen vorzunehmen. Unsere dauerstudierenden 68er waren flügge geworden. Die drehten erst einmal richtig auf.

      Und mit den Folgen haben wir es in den Schulen heute immer noch zu tun.
      Jeder verkauft seine Methode unter dem Deckmantel des möglichen Sparens (z.B.Jahrgangsübergreifender Unterricht, Inklusion,freies Schreiben,Schreiben mit der Anlaut-Tabelle, Lesen durch Schreiben, Abschreibtexte,Schuleingangsphase,neue Lernkonzepte,Vereinfachte Ausgangsschrift,digitale Medien,lernen mit dem Internet, Grundschrift,offener Unterricht und andere Methoden etc) und man verdient daran auch noch ganz gut (z.B.Norbert Sommer-Stumpenhorst mit der Rechtschreibwerkstatt und Herrn Glowallas Ehefrau mit der Lerndesign GmbH oder auch Frau Prof.Brinkmann mit ihrer ABC Lernlandschaft). Über die Innovation der „Vereinfachten Ausgangsschrift“ und ihre Folgekosten,neue Schulbücher mussten her, schreibt eigentlich auch keiner mehr.
      Nur heute steht der Sparkurs ganz oben an. Durch die Schließung von Förderschulen lässt sich eine Menge Geld sparen und man erfüllt vermeintlich eine UN-Konvention, die zum Ziel hatte behinderten Menschen in der dritten Welt einen Schulbesuch zu ermöglichen. Viele Eltern und ihre Kinder wollen das aber nicht.
      Auch durch die Umsetzung von G8 lässt sich über eingesparte Lehrergehälter eine Menge Geld sparen.Das führt zwar zu einer Menge Stress für die Schüler und man konnte damit auch auf Stimmenfang beim Wähler gehen. Jetzt fängt man Stimmen mit einer propagierten erneuten Umstellung auf G8+G9 oder nur G9 ,so wie gerade jeder will.

      Inzwischen ist eigentlich alles im Fluss.

      Alles wird und wurde versucht,altes neu entdeckt, dann wieder verworfen, nichts vorher untersucht oder gar wissenschaftlich untersucht, weil das auch zu teuer war und ist.Jeder versprach eine Verbesserung, andere waren dagegen. Alle machen mit,andere nicht, eine klare Linie gibt es auch nicht mehr, jeder probiert herum, aber alle machen mit. Jeder weis es besser, andere anders,andere noch viel besser und es wird immer verrückter, mal geht besser individualisiert, dann Lehrer zentriert, hier gegen diese,dort gegen andere, aber alle machen mit.

      Und die Schüler ?
      Ach ja, die, was ist mit denen ?

      • Ja, der Methodenstreit: analytisch GEGEN synthetisch.

        Das Ende? MethodenINTEGRATION: analytisch-synthetisch

        Es werden also in Schreiblehrgängen Aspekte des analytischen UND AUCH des synthetischen Ansatzes berücksichtigt.

        Diese Integration sollte bewirken, dass in den leistungsheterogenen Klassen – auch davon war damals schon die Rede – den unterschiedlichen Bedürfnissen Genüge getan wurde.

        Die Heterogenität ist weit aus größer als damals, die Ansätze haben inzwischen weitere Aspekte aufgenommen, angesprochen, angemerkt oder wiederentdeckt.
        Und es gibt INTEGRATIVE Ansätze, die verschiedene Methoden und Möglichkeiten miteinander verbinden.

        Dass ein Lehrgang immer durch die Lehrkraft an die Schüler angepasst werden muss, war schon viel eher genannt worden. Es geht darum, die Lebenswirklichkeit der SuS mit einzubeziehen. Schließlich lernen wir nicht mehr an Bibel und Gesangbuch lesen – Texte, die zuvor jedes Kind kannte.

        Die Selbsttätigkeit zu erhöhen, persönlichen Bezug herzustellen, aktiv zu sein, sind Ansätze der Reformpädagogik, die in den 40ern unterdrückt und später wieder aufgegriffen wurden. Dabei ging es schon in den 20er Jahren darum, die Kinder und ihre Bedürfnisse stärker in den Blick zu nehmen. … aber ich hatte ja neulich schon davon geschrieben, dass einige sich den Unterricht der Nachkriegszeit zurückwünschen.
        Unterricht bewegt sich zwischen „abarbeiten“ und „selbst erdenken“, zwischen Vorgabe und Kreativität, zwischen genau vorgegebener Handlungsanweisung und selbst gewähltem Lösungsweg.

        Dabei verändert sich die Gewichtung: bei jedem Unterricht, bei jedem Lehrwerk, bei jeder Methode, bei jeder Klassenzusammensetzung, bei jeder Lehrkraft. Auch Fibeln und Schulbücher verändern sich von Auflage zu Auflage. Der Unterricht war nie so gleichmäßig und einheitlich, wie hier gerne von Kritikern unterschiedlichster Methoden dargestellt wird.
        Auch wenn „Fibeltrott“ kritisiert wurde, werden sich die meisten Lehrer nicht sklavisch an die Vorgaben des Lehrerhandbuchs gehalten haben. Aber die Kritik betraf die Lehrkräfte, die sich NUR NOCH auf die zeitlichen Vorgaben eines Handbuches beschränkten und die Schüler eben NICHT MEHR im Blick hatten.

        Und auch die kritisierten Methoden sind nicht ein Einheitsbrei. Erstleseunterricht ist eine Mischung, bei der viele Teilfähigkeiten benötigt und geübt werden. Das trifft auch auf alle angesprochenen Methoden zu.

        Fibeln und andere Materialien sind nicht mehr allein analytisch oder allein synthetisch, aber eben auch nicht nur analytisch-synthetisch, andere Ansätze werden mit einbezogen. Viele Fibeln geben eine Anlauttabelle mit heraus, Anlaute bestimmen die ersten Wochen des Unterrichts, phonologische Bewusstheit wird trainiert, weil sie notwendig ist, das System der Schrift zu begreifen. Schreibversuche werden auch hier mit einbezogen, Kreativität angeregt, Schreiben und Lesen erhält darüber kommunikativen Wert und für manche erst darüber einen Sinn.

        Integration ist bunt, sie hat alle im Blick, sie bewirkt, dass unterschiedlichen Bedürfnissen Genüge getan wird.

    • Rechtschreiberegeln haben ihre guten Gründe. Sie sollten in allen Lehrbüchern wieder einen hohen Stellenwert erhalten. Die erste Schreibbegegnung nach Gefühl, intuitiv und individuell ist ein Irrtum. Dieser pflanzt sich ganzheitlich ein und später muss er dann rein kognitiv wieder ausgemerzt werden – das bedeutet nicht nur große Schwierigkeiten für Lehrer und Schüler, sondern es gelingt vielen Schülern auch nicht mehr. Somit trägt dieses Schreiben nach Gehör lediglich dazu bei, sprachliche Inkompetenz wie auch eine genrelle Skepsis gegenüber Regularien zu kultivieren. Schaut man sich die Elternschaft an, fällt überdies auf, dass die Anhängerschaft dieser Fehlmethode von ihrer Lebenseinstellung her eine Art gescheiterte Grünenklientel ist. Es ist typisch, dass solche Leute Strategien befürworten, die Regeln, Notwendigkeiten und Abrechenbarkeit bekämpfen und die notorische Unlust gegenüber solchen Dingen mit der Entfaltung der individuellen Persönlichkeit zu begründen versuchen.

  34. Sehr aufschlussreich zum Thema „Lesen durch Schreiben“sind auch die Kommentare von betroffenen Eltern,Lehrern und Schülern in der über das Internet zugänglichen Petition „Verbot Lesen durch Schreiben“ in NRW von 2015. Im Prinzip wird die Methode von der überwältigenden Mehrheit der Betroffenen abgelehnt.

    • Axel von Lintig

      @ Palim
      Beim Methodenstreit, der Ende der 60 er Jahre endete ging es um die Methode sich ganze Wörter geschrieben zu merken gegen analytisch-synthetische Verfahren den Schriftspracherwerb zu vermitteln. Die Ganzwort-Methode entspringt der Wortbild-Theorie des 19.Jahrhunderts. Sie ist aber schon mehrfach widerlegt worden.
      Allerdings findet sie inzwischen wieder bei Abschreibdiktaten ihre Anwendung. Richtig abschreiben können aber auch geistig debile Menschen ohne dass sie den Inhalt des Geschriebenen erfassen könne. Auch das wurde bewiesen.

      • @ Axel von Lintig: Zwischen Methode und Schüler steht immer noch der Lehrer. In dem von Ihnen kritisierten Lehrwerk Tinto finden sich sehr viele Möglichkeiten zur auditiven, visuellen, auditiv-visuellen und graphomotorischen Übung. Allein in dem Arbeitsordner zu jedem Buchstaben 6 Seiten, allerdings DIN A5. Zusätzliche Übungen zum Buchstabenzuordnen, Silbenklatschen, Silbenbögenzeichnen, Laute Hören und Sehen findet man im Arbeitsheft. Dazu immer wieder die Möglichkeit, mit Hilfe der Anlauttabelle einzelne lauttreue Wörter oder Wortendungen zu verschriftlichen. Manchmal stehen auch die Wörter da und man muss sie zu den Bildern dazuschreiben. Es gibt auch noch ein Erstlesebuch, das zum Sprechen und Freien Schreiben und später Lesen anregt. Alles andere, was dazwischen läuft und mit dem Lehrer geübt wird, sieht man nicht. Auch bei dieser Methode kommt der Zeitpunkt, bei dem man das Zusammenschleifen von Buchstaben und Lauten übt. Was im Unterricht dazu läuft, bekommt man als Elternteil meistens nicht mit.
        Ich persönlich habe Ganztextmethode, Sprachlabor und Mengenlehre überstanden und kann dem allen noch etwas Gutes abgewinnen.
        Der Rechtschreibunterricht sollte nicht mit der Grundschulzeit enden, das war bei uns auch nicht so. Man kann nicht erwarten, dass Fünftklässler eine tadellose Rechtschreibung beherrschen. Die Grundschule ist eine eigene Schulform und kein Zubringer für die weiterführenden Schulen.

        • Axel von Lintig

          @ mississippi

          Natürlich endet der Rechtschreibunterricht nicht mit der vierten Klasse. Es ist in den weiterführenden Schulen die Beherrschung des Präsens, des Präteritum, des Perfekt,des Konjunktiv, der Futur 1 und 2 ,sowie der Imperativ zu erwarten. Außerdem Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv,sowie weitere Satzglieder wie die adverbiale Bestimmung des Ortes und der Zeit.
          Die Schüler sollten die Hauptgrapheme ,z.B. langes i gleich ie in Wiese (Zweisilbige Wörter und deutscher Stamm) und die Orthographeme, hier i in Biber, ih in ihn, ieh in Vieh, kennen. Endlauthärtungen b/p , z.B. Kalb,halb, d/t z.B rund, Wald,g/k z.B. Berg,Zwerg, Doppelkonsonanten nach Kurzvokal kommen, rennen etc, was sich auch Silben-analytisch nach Röber erschließt. den Schwa-Endlaut-e in zweisilbigen Wörtern, dazu den Kontrast des Doppel-e bei Kaffee,Tee etc. bei betonter Endsilbe,,das Dehnungs-H in Einsilbern Ohr ,Rohr und Zweisilbigen Wörtern ,l,m,n,r nach Langvokal un d kurzem Anlaut.
          Ich kann gerne weiter machen. Aber all dieses Wissen wird den Kindern im ABC der Tiere vermittelt. Auch wie man Reizwortketten bildet, Diktate übt, Aufsätze und geschichten schreibt, alles gut strukturiert.

          • KonjSie nennen, sollte in den weiterführenden Schulen auch noch geübt werden. Die vollkommene Beherrschung ist nicht zu erwarten. Das war 1974, als ich ins Gymnasium kam, auch so. Etwas ältere Kinder kommen mit diesen abstrakten Inhalten viel besser zurecht als Grundschüler. Nun konzentriere ich mich lieber auf Interpretationsmöglichkeiten eines Brecht-Gedichtes. Denn auch das gibt es in der Grundschule.
            Schönen und erholsamen Sonntag allerseits

          • Oh, Entschuldigung, da ist etwas schief gelaufen. Mein Beitrag von 13.46 beginnt so: Konjunktiv und Futur II existieren im Lehrplan der GS in BaWü nicht. Die Themen, die Sie oben nennen…

          • Axel von Lintig

            Und all das wird hier in NRW beim Wechsel in die weiterführenden Schulen nicht vorausgesetzt. Das Anspruchsniveau und die Anforderungen an die Schüler sind gegenüber 1970 abgrundtief gesunken.
            Man könnte mit strukturierten Schreib- und Leselehrgängen, verbunden mit einem Lehrer zentrierten Unterricht viel mehr erreichen.

        • Axel von Lintig

          Die Grundschule hat früher aber das Rüstzeug dazu geliefert um in den weiterführenden Schulen weiter zu kommen. Die Ansprüche an die Schüler sind weiter gesenkt worden.Und es wird für Schüler mit zunehmenden Alter schwieriger zu lernen. Der Scheitelpunkt ist das 15 Lebensjahr. Und je früher ich Inhalte vermittel, um so mehr können die Schüler später noch dazu lernen.Wenn wir in den ersten Schuljahren mit der Vermittlung von Lerninhalten schludern, wird es für diese um so schwieriger diese zu vermitteln.
          Wir brauchen uns hier in NRW nicht mehr wundern , wenn wir nicht mehr genug qualifizierten Nachwuchs für die Polizei,die Feuerwehr und die Pflegeberufe finden. Und andere Berufszweige trifft es genauso hart.
          Da werden dann die Einstellungskriterien weiter gesenkt.

      • Beim analytischen Ansatz, auch Ganzwort-Methode oder ganzheitlicher Ansatz, ging es darum, die Wörter als Ganzes zu lesen, dann aber Laute auszugrenzen – zu analysieren eben.
        Beim synthetischen Ansatz ging es darum, Laute zu Silben und Wörtern zusammenzusetzen.
        Methodenintegration bedeutet, dass BEIDES genutzt wird, dabei ging es bei diesem Methodenstreit vorrangig ums Lesenlernen, wobei es vom Schreibenlernen ohnehin nicht mehr getrennt gesehen wird.

        „Wörter abschreiben“ und „Wörter mit einer Anlauttabelle selbst schreiben“ sind ebenso 2 Paar Schuhe. Und gerade weil auch geistig debile Menschen Abschreiben (ich spreche da lieber von“ Abmalen“) können, hat auch das eigene Schreiben von Wörtern seine Berechtigung.
        Es zahlt sich m.E. aus, Methoden zu integrieren, sie in unterschiedlicher Weise einzusetzen und verschiedene Fähigkeiten anzusprechen.

        • Axel von Lintig

          @ Palim
          Den Zugang zur Schrift erhalte ich durch kognitiv gesteuerte Zugänge und nicht über das Abmalen oder das Abschreiben von Wortbildern. Wenn ich ihnen eine Aneinanderkettung von Ihnen fremden Wortzeichen vor halten würde und sie diese abschreiben müssten, so würden sie diese sich nicht merken können, da Ihnen der kognitive Zugang, wie Lautierung, Regelwerk etc. für das aktive Schreiben dieser Worte fehlt.
          Deshalb erleichtert das Verarbeiten von Rechtschreibregeln und Lautiertechniken im Unterricht das schriftliche Erfassen von Wörtern.

        • Axel von Lintig

          @ Palim
          Den Zugang zur Schrift erhalte ich durch kognitiv gesteuerte Zugänge und nicht über das Abmalen oder das Abschreiben von Wortbildern. Wenn ich ihnen eine Aneinanderkettung von Ihnen fremden Wortzeichen vor halten würde und sie diese abschreiben müssten, so würden sie diese sich nicht merken können, da Ihnen der kognitive Zugang, wie Lautierung, Regelwerk etc. für das aktive Schreiben dieser Worte fehlt.
          Deshalb erleichtert das Verarbeiten von Rechtschreibregeln und Lautiertechniken im Unterricht das schriftliche Erfassen von Wörtern.

        • Axel von Lintig

          @ Palim
          Ich habe die Ganzwort-Methode am eigenen Leib erfahren. Das ganze lief in Lateinischer Ausgangsschrift ab und wir sollten uns die Wörter als Ganzes merken. Die Sätze wurden dann mehrfach abgeschrieben und geübt. Ich kenne sogar noch den Text auswendig. Das hat nichts mit analytisch oder silbieren zu tun.
          Soll ich es Ihnen antun. ?
          Nebel, Nebel, Nebel. Wo ist die Schule , wo ist das Haus?
          Und dann hat mir meine Mutter in silbierter Technik das Schreiben beigebracht.
          So einen Unsinn kann man sich gar nicht merken, in dem man einfach nur abschreibt. Deshalb wurde diese Methode abgeräumt. Aber inzwischen taucht der Kram wieder im Schuluntericht auf als Abschreib-„Diktat“.
          Besser erscheinen mir dann Diktate, die einzelne Regeln bearbeiten. Das übt den kognitiven Zugang zur Schrift. Man muss die Schüler natürlich beim Schreiben unterstützen( Mikroteaching) und helfen (denk an ähnliche Wörter die du kennst,z.B. nicht, Licht, Wicht ,Sicht,weiter, Leiter,Reiter etc)

          • „Abschreib-Diktat“ sagt mir nichts, vermutlich eine der Diktatformen, bei der die Vorlage an anderer Stelle liegt als das Heft.
            Dies dient dazu, dass eben nicht Buchstabe für Buchstabe abgemalt werden kann, sondern das Lesen und Merken der Wörter erforderlich wird sowie die Lautiertechnik.

            Im Übrigen ist die schwammige Unterscheidung von Ganzwort-Methode und analytischer Methode nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern wird in der Literatur immer wieder durcheinander gebracht.

            „Mikroteaching“ ist ein schöner Ansatz. Fände ich auch in Teilen gut. Aber bei derzeitigem Personaleinsatz in Schulen ist daran leider nicht zu denken. Warum gibt es HelferInnen bei Ärzten und Rechtsanwälten, in der Hauswirtschaft, in der Landwirtschaft… nicht aber bei Lehrern?

          • Axel von Lintig

            @Palim

            Abschreibdiktate werden bei uns praktiziert, in dem die Schüler den vorliegenden Text direkt abschreiben müssen. Das machen die hier in der dritten und vierten Klasse.
            Diktate gibt es nicht. Allerdings Schleichdiktate. Einen Satz lesen und dann aufschreiben.Zum automatisierten schreiben tragen aber besser Diktate bei, in denen bestimmte Innhalte, z.B. die Endlauthärtung geübt wird und keine anderen Hürden der Grammatik.

          • Den Begriff „Microteaching“ kenne ich noch von meinem Lehrerstudium her. Hier hat man in einem Seminarraum mit einer Kleingruppe von Schülern bestimmte Unterrichtseinheiten geübt, die dann mit fest installierten Kameras aufgezeichnet wurden. Hinterher wurde das Lehrerverhalten Schriit für Schritt zusammen mit den Professoren analysiert.

  35. Ich habe ja einen Verdacht, den ich allerdings nicht beweisen kann.

    Aufgrund dessen, dass das Lernprogramm der Grundschule: Grundrechenarten, Lesen, Schreiben unveränderbar und allgemein akzeptiert seit jeher festgeschrieben ist, kreieren eine Grundschuldidaktiker und Hochschulprofessoren alle Jahrzehnte eine pädagogisch-didaktische Neuerung, die ihnen und den Verlagen Aufmerksamkeit und den Verkauf neuer Lehrwerke garantiert.
    So war das vor mehreren Jahrzehnten bei der Mengenlehre, so war das bei der Einführung neuer Subtraktions- und Divisionsmethoden, so ist das jetzt beim Grundschulenglisch und bei der Reichenmethode „Lesen durch Schreiben“.

    Jedesmal versucht man praktisch bewährte und erprobte Lehrmethoden durch neue zu ersetzen, spart sich aber die eigentlich notwendigen Modellversuche und degradiert die betroffene Schülergeneration zu Versuchskaninchen, um dann festzustellen, dass die Kollateralschäden größer sind als der erhoffte Nutzen.

    Positiv begleitet wird das alles jeweils von sich so bezeichnenden fortschrittlichen Lobby- und Verbandsgruppierungen wie etwa dem Grundschulverband und der GEW.

    Ich bin mir sicher, dass die nächste „Innovation“ schon in den Schubladen liegt.

    • Das kann durchaus eine Rolle spielen. Es kommt bei der Reichemethode dennoch auch eine gehörige Portion Ideologie dazu.

    • Axel von Lintig

      @ Conny

      Die nächste Innovation liegt schon bei Herrn Brügelmann in der Schublade. Es ist die flächendeckende Einführung der von ihm entworfenen Grundschrift.
      Und damit macht er sich dann unsterblich.
      Allerdings gibt es dann auch keine verbundenen Schreibschrift mehr.
      Er wird seinen Einfluss in der Kultusministerkonferenz geltend machen, undarauf können wir uns jetzt schon verlassen.
      Ich kenne selbst Lehrer , welche diese , von Herrn Brügelmann gestreute Argumentation übernommen haben.
      Die Schüler könnten aus dieser Schrift eine eigene Schreibschrift entwickeln. Genau das behauptet Herr Brügelmann schon jetzt in seiner Verbandzeitschrift, und er rührt die Werbetrommel für seine Erfindung. Aber es existieren gar keine validen Untersuchungen zur Grundschrift. Es ist eben wieder nur empirisch “ erforscht“. Alles nur Hokus Pokus, wie alles was er umwirbt oder umworben hat. Mit dem nötigen Abstand zu derartigen „Persönlchkeiten“ , wird es deutlich einfacher diesen “ Lichtgestalten“ der Grundschulpädagogik entgegen zu treten.
      Ich behaupte einmal, dass bisher kein einziger Schüler aus der Grundschrift eine eigene Handschrift eigeninitiativ, selbstgesteuert um einmal beim Vokabular dieser „Freigeister“ zu bleiben,entwickelt hat.
      Wer niemals eine Schreibschrift gelernt hat und diese auch nicht weiter angewandt hat, wird es auch nicht mehr lernen diese anzuwenden oder zu entwickeln.

      • Stimmt. Die Schüler neigen eher zu einer Vereinfachung ihrer Schrift als umgekehrt. Als es noch die Lateinische Ausgangsschrift gab, entwickelten die Schüler daraus eine Vereinfachung, was ab einem gewissen Alter nicht verboten und kein Nachteil war.
        Ich glaube, dass die Grundschrift eine Antwort auf die schlechten feinmotorischen Vorasusetzungen ist, die man jetzt bei den Erstklässlern beobachtet. Statt aber darauf zu achten, dass man die Feinmotorik schult (auch die Kitas sollten darauf gezielt achten), vereinfacht man die Schreibausgangsschrift weiter. Das wird in meinen Augen weitreichendere Auswirkungen haben. Man könnte diesen Mangel höchstens damit auffangen, dass man die Stunden im Fach Werken oder Kunst erhöht und dort die Feinmotorik weiter schult.
        Ich bin für eine verbundene Schrift als Ausgangsschrift, weil dort die Feinmotorik zwangsläufig geschult und vorausgesetzt werden muss (Schwungübungen usw.) und der Schreibfluss zudem flüssiger und dynamischer ist. Mit einer einfachen Druckschrift ist die Notwendigkeit der Motorikschulung kaum gegeben.

      • „Ich behaupte einmal, dass bisher kein einziger Schüler aus der Grundschrift eine eigene Handschrift eigeninitiativ, selbstgesteuert um einmal beim Vokabular dieser „Freigeister“ zu bleiben,entwickelt hat.“

        Ja, behaupten können Sie das.
        Ich kann Ihnen versichern, dass es viele Schüler gibt, die auch mit der Grundschrift eine gute Handschrift entwickeln, formklar und gut leserlich wie auch schnell und zügig schreiben.

        Dass Sie die Anregungen des Grundschulverbandes generell anfeinden, alles kritisieren und offenbar Nutzen und Notwendigkeiten für SchülerInnen nicht pädagogisch bedenken wollen, wird leider an dieser Stelle deutlich.
        Als Vater persönlich betroffen zu sein hinsichtlich LdS und LRS ist etwas anderes, als Lehrkräften generell sämtliche Fähigkeiten abzusprechen und ihnen Unfähigkeit zu unterstellen sowie vorzuwerfen, sie würden nur einem Guru und seinen Ansätzen hinterherrennen – sei es Reichen oder Brügelmann.
        Hoffentlich wird Ihnen in Ihrem Beruf mehr Wohlwollen und Vertrauen auf Ihr Können entgegen gebracht, wenn Sie sich mit den Inhalten auseinandergesetzt haben.

        Die Innovation der Grundschrift liegt nicht bei Brügelmann in der Schublade, sondern wird seit Jahren unterrichtet. Die bundesweiten Bestimmungen der KMK werden dabei eingehalten.
        In den meisten Bundesländern ist als Ausgangsschrift inzwischen die Druckschrift per Erlass vorgegeben, Kinder schreiben also zuerst Druckschrift, die Schrift, die sie auch lesen. Oder sollte es immer noch Fibeln in LA geben, mit denen Lesen gelehrt wird?

        Der Einsatz der Grundschrift bedeutet, sich von der zusätzlichen Einführung einer 2. Schrift, die eine verbundene Schreibschrift ist, abzuwenden, stattdessen aber Schriftpflege und Schriftkultur auf andere Weise im Unterricht durchzuführen.
        Dabei entwickeln Kinder eine Handschrift, wie sie es bei einer verbundenen Schreibschrift früher oder später auch tun. Sie schreiben flüssig, dynamisch und natürlich muss auch hier auf Schrift, Leserlichkeit etc. geachtet werden – wie bei jeder anderen Schrift auch.
        Für mich ist es die Antwort auf vieles:
        – erheblich verminderte Nutzung von Schrift im Alltag
        – schlechtere feinmotorische Voraussetzungen (ja, europaweit zu beobachten)
        – vermehrte Inhalte in der Grundschule im Deutschunterricht, für die Zeit benötigt wird
        – verminderte Stundenanzahl für den Bereich Deutsch, Rechtschreiben, Schönschreiben
        – verminderte Anzahl der Förderstunden
        – erweiterte Anforderungen an die zu fördernden Bereiche
        – erweiterte Heterogenität gerade zum Zeitpunkt der Einführung der 2. Schrift, ein Zeitpunkt an dem einige SuS noch gar nicht Lesen können, während andere sehr viel Lesen und Schreiben sollten, weil es ihre Entwicklung weiter fördert
        – erweiterte Anforderungen an die Schule in vielerlei Hinsicht, die auch in den Bereich des Deutschunterrichts hineinspielen und Zeit in Anspruch nehmen
        – und letztlich die Erkenntnis, dass das wochenlange Einüben einer 2. Schrift, die nur maximal 2 Schuljahre genutzt wird, dann aber in einer individuellen Handschrift verwandelt wird, unterbleiben kann, da die guten Motoriker ohnehin sehr schön schreiben und die schwachen Motoriker selbst durch das Üben dieser verbundenen Schriften eben keine herausragende Handschrift erwerben, sondern dennoch nach 2 Jahren ein unleserliches Schriftbild vorweisen, wenn man mit ihnen nicht immer wieder konsequent an ihrer Handschrift arbeitet.

        Bei weniger Zeit und insgesamt mehr Inhalt bin ich froh, dass ich im 2. Schuljahr mehr Zeit für anderes habe, weil ich die Einführung einer Schrift nicht wochenlang verfolgen und üben muss. Auch hier gilt: weniger Zeit für das Abarbeiten vermeintlich wichtiger Inhalte, mehr Zeit für individuelles Üben und Herausfordern.

        • Axel von Lintig

          Herr Brügelmann ist gar kein Lehrer und hat wohl nie Grundschüler unterrichtet, außer vielleicht seine eigenen Kinder.
          Und somit habe ich mich nicht generell gegen Lehrer gestellt, weil Herr Brügelmann eben keiner ist.

          Im übrigen habe ich mich nicht gegen die Druckschrift als Erstschrift gewandt. Die wird überall als erstes vermittelt und das ist auch gut so. Im zweiten Schuljahr folgt dann die Schreibschrift und da kann man durch üben des schreibens beides lernen.
          Das habe ich gemacht mit dem ABC der Tiere. Das ist ein strukturierter, silben-analytischer Schreiblehrgang, der sehr viel mehr ermöglicht als Tinto und die Rechtschreibwerkstatt .Aber mit einem analytisch-synthestischen Schreiblehrgang wären wir auch schon zufrieden.
          Im übrigen habe ich die VAS nicht rundherum abgelehnt, da sie ist immer noch besser ist ,als gar keine Schreibschrift, und sie ist trotz dem schwieriger zu erlernen als die Schulausgangsschrift oder die Lateinische Ausgangsschrift.
          Auch bleibt das Schriftbild bei den zuletzt genannten Schriften klarer und sie sind beide besser zu lesen.
          Ich habe die Umstellung der Schreibschrift bei meinen Kindern mit der Lehrerin abgesprochen. Genauso wie andere es getan haben. Es geht ja um Individualisierung,um sie beim Wort zu nehmen. Vielleicht bringen die anderen Kinder demnächst im Zuge der Individualisierung eigene , strukturierte Schreiblehrgänge mit in die Schule. Wahrscheinlich nicht.
          Bis dahin fliegt hier der Sommer-Stumpenhorst aus dem Programm, und ebenso der Rüdiger Urbanek mit seinem Tinto. Damit wende ich mich nicht gegen Lehrer , sondern gegen eine unterlassene Hilfeleistung im Grundschulunterricht und eine gezielte Irreführung der Schüler, die Ihnen vermittelt, das sie nach gehör schreiben sollen.
          Glauben sie etwa, dass sich ihre Methodik von individualisierten Schriftspracherwerb sich immer halten wird.
          Noch niveauloser , als die Wortkarten von Sommer-Stumpenhorst (Der Teufel ist böse, Opa hat einen Bauch etc. )geht es nimmer.
          Der ist auch kein Lehrer, sondern ber betreibt einen recht floriden Handel mit Schulmaterialien. Wollen sie den mit seinen Seilschaften auch verteidigen.

          Im übrgen war es Brügelmann, der trotz der fraglichen, eigenen Untersuchungen des Erfinders Grünwald ,seiner VAR, massiv sich für deren Einführung eingesetzt hat, eben über diesen Grundschulverband. Und das hatte erhebliche Folgekosten, weil nämlich alle Schulbücher neu angeschafft werden mussten. Und daran haben die Buchverlage sehr gut verdient.
          Und auf die Kultusministerkonferenz hatten Brinkmann und Brügelmann gar keinen Einfluss ? Als führende Vertreter dieser radikalpädagogischen Bewegung, die da antraten das deutsche Schulwesen radikal umzugestalten.
          Einfach alles mal ganz anders gestalten.
          Brügelmann schreibt selbst, das die Zeit für Veränderungen da war und er hat sie genutzt.

          In meinem beruflichen Umfeld wird Evidenzbasierte Medizin betrieben, das heist auf wissenschaftlichen, internationalen, Vergleichsstudien basierende Medizin betrieben.
          Es gibt Leitlinien , die alle 5 Jahre erneuert werden und die von den jeweiligen Fachgesellschaften auf dem Boden dieser internationalen studien erhoben werden Davon sind sie in der Grundschulpädagogik noch 20 Jahre entfernt.
          Und auf diesem Boden betreibe ich meine Arbeit.
          Ich kenne hier nur die DESI Studie mit 11.000 Schülern aus Deutschland.
          Aber es gibt dann im anglo-amerikanischen Raum sehr viel mehr.
          Z.B. die Hattie-Meta-Analyse. Aber die fürchten sie wahrscheinlich und lehnen sie dann wahrscheinlich auch ab, weil sie nämlich nachweist, dass fast alle reformpädagogischen Merthoden, welche in den letzten 20 Jahren entwickelt wurden, nur einen sehr geringen Effekt auf das Lernverhalten von Schülern haben.

        • Axel von Lintig

          Herr Brügelmann ist gar kein Lehrer und hat wohl nie Grundschüler unterrichtet, außer vielleicht seine eigenen Kinder. Er ist ein einflussreicher Grundschulfunktionär, der eben die Grundschulwelt ein wenig auf den Kopf gestellt hat. Jetzt können die Grundschüler eben nicht mehr wie vor 20 Jahren fehlerfrei schreiben. Das war auch nicht sein Ziel. Ihm geht es um die Individualisierung des Unterrichts und da kommen dann eben schlechtere Schreibergebnisse heraus. Er setzt eben die Prioritäten anders im Unterricht und dann hat mnan eben diese bescheidenen Ergebnisse. Und dafür gebührt im wohl Lob und Anerkennung. Er möchte diese Anerkennung aber gar nicht annehmen, sondern er streitet eine stetige Verschlechterung der Schreibleistungen der Grundschüler auch noch ab. Irgend wie hat er da eine andere Wahrnehmung.
          Und somit habe ich mich nicht generell gegen Lehrer gestellt, weil Herr Brügelmann eben keiner ist.

          Im übrigen habe ich mich nicht gegen die Druckschrift als Erstschrift gewandt. Die wird überall als erstes vermittelt und das ist auch gut so. Im zweiten Schuljahr folgt dann die Schreibschrift und da kann man durch üben des Schreibens beides lernen.
          Das habe ich gemacht mit dem ABC der Tiere. Das ist ein strukturierter, silben-analytischer Schreiblehrgang, der sehr viel mehr ermöglicht als das Tinto und die Rechtschreibwerkstatt .Aber mit einem analytisch-synthestischen Schreiblehrgang wären wir auch schon zufrieden.
          Im übrigen habe ich die VAS nicht rundherum abgelehnt, da sie ist immer noch besser ist ,als gar keine Schreibschrift, und sie ist trotz dem schwieriger zu erlernen als die Schulausgangsschrift oder die Lateinische Ausgangsschrift.
          Auch bleibt das Schriftbild bei den zuletzt genannten Schriften klarer und beide Schriften sind besser zu lesen.
          Ich habe die Umstellung der Schreibschrift bei meinen Kindern mit der Lehrerin abgesprochen. Genauso wie andere es getan haben. Es geht ja um Individualisierung,um sie beim Wort zu nehmen. Vielleicht bringen die anderen Kinder demnächst im Zuge der Individualisierung eigene , strukturierte Schreiblehrgänge mit in die Schule. Wahrscheinlich tun sie das nicht.
          Bis dahin fliegt hier der Sommer-Stumpenhorst aus dem Programm, und ebenso der Rüdiger Urbanek mit seinem Tinto. Damit wende ich mich nicht gegen Lehrer , sondern gegen eine unterlassene Hilfeleistung im Grundschulunterricht und eine gezielte Irreführung der Schüler, die Ihnen vermittelt, dass sie einseitig, ohne kognitiven Zugang nach Gehör schreiben sollen.
          Glauben sie etwa, dass sich ihre Methodik von individualisierten Schriftspracherwerb sich immer halten wird.
          Noch niveauloser , als die Wortkarten von Sommer-Stumpenhorst (Der Teufel ist böse, Opa hat einen Bauch etc. )geht es nimmer.
          Der ist auch kein Lehrer, sondern der betreibt einen recht floriden Handel mit Schulmaterialien. Wollen sie den mit seinen Seilschaften auch verteidigen.

          Im übrgen war es Brügelmann, der trotz der fraglichen, eigenen Untersuchungen des Erfinders Grünwald, seiner VAS, massiv sich für deren Einführung eingesetzt hat, eben über diesen Grundschulverband. Und das hatte erhebliche Folgekosten, weil nämlich alle Schulbücher neu angeschafft werden mussten. Und daran haben die Buchverlage sehr gut verdient.
          Und auf die Kultusministerkonferenz hatten Brinkmann und Brügelmann gar keinen Einfluss ? Als führende Vertreter dieser radikal-pädagogischen Bewegung, die da antraten, das deutsche Schulwesen radikal umzugestalten.
          Einfach alles mal ganz anders gestalten.
          Brügelmann schreibt selbst, das die Zeit für Veränderungen da war und er hat sie genutzt.

          In meinem beruflichen Umfeld wird Evidenzbasierte Medizin betrieben, das heißt auf wissenschaftlichen, internationalen, Vergleichsstudien basierende Medizin betrieben.
          Es gibt Leitlinien , die alle 5 Jahre erneuert werden und die von den jeweiligen Fachgesellschaften auf dem Boden dieser internationalen Studien erhoben werden. Davon sind sie in der Grundschulpädagogik noch 20 Jahre entfernt.
          Und auf diesem Boden betreibe ich meine Arbeit.
          Ich kenne hier nur die DESI Studie mit 11.000 Schülern aus Deutschland.
          Aber es gibt dann im anglo-amerikanischen Raum sehr viel mehr.
          Zum Beispiel die Hattie-Meta-Analyse. Aber die fürchten sie wahrscheinlich und lehnen sie dann wahrscheinlich auch ab, weil sie nämlich nachweist, dass fast alle reformpädagogischen Merthoden, welche in den letzten 20 Jahren entwickelt wurden, nur einen sehr geringen Effekt auf das Lernverhalten von Schülern haben.

          • Dennoch muss man doch wissen, wie Studien erstellt werden, sie lesen und beurteilen können, oder?
            Wonach entscheiden Sie beim einzelnen Patienten, was Sie für angeraten halten?
            Wie viel dieser Entscheidung hängt von Ihrer persönlichen Einschätzung ab?
            Wann führt das Breitband-Medikament zum Ziel und wann braucht es speziellere Vorgehensweisen?
            Wann ist eine Entscheidung eindeutig und wann nicht?
            Geben Studien auf alles eine Antwort?
            Gibt es Studien, die sich später als falsch herausstellen, obwohl sie nach höchsten wissenschaftlichen Maßstäben durchgeführt wurden oder weil gerade das doch nicht der Fall war?
            Gibt es in der Medizin Vorgaben, die eindeutig einen finanziellen Hintergrund haben und die Sie durchsetzen müssen, obwohl Sie medizinisch gesehen um eine bessere, aber teurere Möglichkeit wissen?
            Gibt es eine Stelle, an der Sie entscheiden müssen oder können, dass Sie bei einem Patienten nicht weiterkommen oder in Ihrer Kompetenz überfragt sind?

          • Axel von Lintig

            @Palim

            Studien werden von den wissenschaftlichen Gesellschaften zum Teil initiiert, überprüft und sind für jeden zugänglich und werden entsprechend kontrolliert .Sponsoren müssen genannt werden.
            Außerdem helfen mir die Leitlinien entsprechend den Patienten mit der effektivsten Methode zu behandeln. Diese werden von den Fachgesellschaften erstellt und auch von uns Ärzten aus unseren Mitgliedsbeiträgen finanziert und sind nicht von Drittmitteln, wie der Industrie abhängig.Außerdem bilde ich mich regelmäßig fort, so dass ich immer auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand bin.
            Neue Verfahren werden in angeleiteten Kursen durch Kollegen am Patienten und in theoretischen Kursen durch direkte Anleitung vermittelt. So zum Beispiel invasive Katheterverfahren lernte ich durch meinen 20 Jahre jüngeren Chef.
            Die Erstellung der Leitlinien ist finanziell sehr teuer und lässt die Fachgesellschaften an ihre Grenzen bringen.Die Politik verlangt es , gibt uns aber keine Gelder.
            Leitlinien können aber auch in juristischer Sicht für uns werden , wenn wir nicht nach ihnen unsere Patienten behandeln. Sie dienen also auch dem Patienten.Er kann sich darauf in gerichtlichen Auseinandersetzungen auf diese Berufen. Dann wird es für den Kollegen ,der nicht danach handelt schwierig.Das wissen auch die Juristen.
            Diagnosen ergeben sich zum einen aus dem Zusammenführen der entsprechenden Symptome des Patienten ihrer Wahrscheinlichkeit für eine Krankheit, sowie den daraus durchzuführenden diagnostischen Maßnahmen. Am wichtigsten ist die Anamneseerhebung mit der Schilderung der Beschwerden des Patienten.

        • Axel von Lintig

          @ Palim
          Das ist dann aber auch keine Schreibschrift, die da von den Schülern angewendet wird , sondern eine Art Handschrift.
          Und ohne graphomotorische Übungen in der ersten Klasse wird es dann eh nichts mit einer Schreibschrift. das muss man mit den Schülern erarbeiten. Und da sind Mädchen einfach weiter als Jungen.

          • „Das ist dann aber auch keine Schreibschrift, die da von den Schülern angewendet wird , sondern eine Art Handschrift.“

            Ja, DAS entspricht ja auch den geforderten Zielen/Kompetenzen:

            „Die SuS schreiben flüssig eine gut lesbare Handschrift.“ steht sowohl in den Bildungsstandards der KMK als auch in den curricularen Vorgaben meines Bundeslandes.

            Ob Sie das als Schreibschrift betiteln wollen, ist mir nicht klar.
            Und ob Mädchen da weiter sind als Jungen, entscheidet sich in meinen Klassen an den individuellen motoritschen Fähigkeiten und die sind recht gleich verteilt. Die Lernausgangslage wird bei allen erfasst und Auffälligkeiten gibt es sowohl bei Mädchen, als auch bei Jungen.
            Übungen braucht es allein dafür, dass die Kinder überhaupt lesbar schreiben. Auffällig ist für mich auch, dass immer weniger Kinder in der Lage sind, einen Stift angemessen zu halten und über das Blatt zu führen oder vorgegebene Schreibrichtungen oder Übungen in der angegebenen Reihenfolge nachzuahmen.

  36. @ Axel von Lintig
    „Abschreibdiktate“. Ich nehme an, sie meinen ganz normale Abschreibübungen mit dem Ziel, strategisch richtig abschreiben zu können. (schnelles Erfassen, dynamisch und richtig)
    Hinter dem richtigen Abschreiben – was die Schüler ebenso brauchen und nicht alle auf Anhieb leisten können – stecken Abschreibstrategien, die den Schülern in der Grundschule beigebracht werden.

    • Möglichst fehlerfrei, sauber und schnell abschreiben zu können, halte ich auch für eine sinnvolle Übung in der Grundschule. Sogar für ältere Schüler könnte sie ab und zu noch sinnvoll sein.

      • Axel von Lintigl

        Auf welche Weise vermittelt denn das Abschreiben von vorgegebenen Texten den Schriftspracherwerb?

        • Sie schrieben weiter oben von „Abschreibdiktaten“ in der 3. und 4. Klasse. Das hat nichts mehr mit dem Schriftspracherwerb zu tun. Der müsste da ja auch schon längst abgeschlossen sein.
          Richtig abschreiben zu können ist eine Fähigkeit an sich, die man für vieles braucht, auch später für andere Fächer. Dafür gibt es „Abschreibstrategien“ und Übungen, die das genaue Hinschauen, merken und wiedergeben trainieren. Es ist jetzt keine große Unterrichtseinheit, wird aber bei uns ein paar Unterrichtsstunden bewusst mit den richtigen Strategien im Schuljahr geübt. Wenn man nichts dazu macht (früher war das nicht so bekannt), dann kann es sein, dass manche Kinder Buchstabe für Buchstabe im Extremfall abschreiben bzw. gar nicht genau schauen und Wörter nicht richtig speichern und sie demzufolge nicht richtig aufschreiben. Man glaubt gar nicht, wie viele Kinder von Haus aus Probleme mit dem richtigen Abschreiben haben. Das muss auf jeden Fall thematisiert werden.

        • @ Axel von Lintig: Richtig abgeschriebene Wörter speichern sich genauso ein wie falsch geschriebene Wörter. Also ist es doch mit ihren Augen gesehen wohl sehr wichtig, denn SIE erzählen doch immer, wie unwiderruflich sich geschriebene Wörter einspeichern. Mindestens so bedeutend wie es ist, nicht falsche Wörter zu schreiben.

          • Axel von Lintig

            Abgespeichert werden die Wörter aber nicht als Wortbild. Man muss schon eine Taktik anwenden um Wörter zu schreiben, zum Beispiel die silbierte Gliederung der Wörter in ihre einzelnen, sprachlichen Segmente.
            Der Schüler liest sich einzelne Textpassagen durch, sagen wir mal ein bis drei Wörter, speichert sie im Arbeitsgedächtnis zwischen und ruft sie anschließend wieder beim Schreibvorgang wieder ab und wendet dabei dann erworbene Schreibstrategien ,wie eine Silbierung an, oder einzelne trainierte Regeln, z.B.ß nach langem Vokal oder Doppelvokal ei,au gegen ss nach Kurzvokal, Endlauthärtung durch Velängerung der Wörter Berg/k Berge etc.alle -ieren mit ie außer die Iren, -ine
            Diese Methoden müssen durch üben eintrainiert werden und durch feedback vom Lehrer verstärkt oder korrigiert werden.
            Ich übe in Diktaten bei der Erarbeitung der Rechtschreibregeln immer nur ein Rechtschreibproblem. Zum Beispiel eu gegen äu, ss gegen ß, um die Kinder nicht zu verwirren.Vorher üben sie diese Strategie in Lückentexten mit ähnlichen und im Diktat wiederverwendeten Wörtern.

  37. Abschreibdiktate mache ich in Klasse 4 hin und wieder auch einmal (ca. 2 im Schuljahr). Die SuS erhalten einen unbekannten Text mit ca. 150 Wörtern und sollen ihn möglichst fehlerfrei abschreiben. Sie dürfen dabei sogar mit Hilfe der Vorlage korrigieren. Die Fehlerspannbreite lag beim letzten Mal zwischen 0 und 25 Fehlern. Das Kind mit diagnostizierter LRS hatte nur 4 Fehler. Darunter schreibe ich keine Note, sondern eine Verbalbeurteilung, Hinweise und Tipps. So einen Leistungsnachweis kann man m.E. auch unter vielen anderen Aspekten beim Elterngespräch zur Grundschulempfehlung heranziehen.

  38. Da sich die hier laufende Diskussion Richtung Grundschrift ausweitet und Frau Vorst in Ihrem Lamento über Kultusministerin Eisenmann behauptet, dass baden-württembergische Grundschulen aus „wissenschaftlich gut nachvollziehbaren Gründen diese einführen wollten“ verweise ich auf meine Ausarbeitungen über die vermeintliche wissenschaftliche Fundiertheit des Grundschriftkonzeptes bzw. getätigter Behauptungen der entsprechenden Projektgruppe Grundschrift im Grundschulverband (siehe unter http://www.grundschrift.info).

  39. Axel von Lintigl

    Es gibt gar keine wissenschaftlichen Grundlagen , wie prospektive ,vergleichende, randomisierte Studien ,für die Einführung der Grundschrift.Es wird wieder genauso vorgegangen wie bei der Einführung der VAS. Und es sind auch schon wieder die selben Personen aus dem Grundschulverband (Hans Brügelmann, Erika Brinkmann), welche diese Schrift propagieren.

    Über die Folgen will man sich keine Gedanken machen. Die Grundlage für die Einführung der Grundschrift ist rein ideologisch motiviert. Erwerb einer Handschrift eigen initiativ, selbst gesteuert und selbst motiviert ohne strukturierte Hilfen durch den Schüler.
    Aus einer Druckschrift gelingt kein systematischer Erwerb einer Schreibschrift. Den Schülern die Entwicklung einer Handschrift selbst zu überlassen, überfordert diese. Und die Folgen könnte man durch wissenschaftliche Methoden,das heißt randomisierte, standartisierte ,prospektive Studien, wie sie in der Medizin seit über 25 Jahren durchgeführt werden, überprüfen.
    Die Folgekosten einer übereilten Einführung der Grundschrift sind wesentlich teurer als derartige Studien.

    • „Aus einer Druckschrift gelingt kein systematischer Erwerb einer Schreibschrift.“

      Das ist eine Behauptung, die von etlichen Lehrkräften und Schülern widerlegt wird – täglich.
      Ach, nein, SYSTEMATISCH mag der Erwerb nicht sein, dennoch kann eine schöne, geschriebene und in großen Teilen verbundene Handschrift entwickelt werden.
      Dabei kann nicht die Rede davon sein, dass die SuS mit der Entwicklung der Handschrift allein gelassen werden.
      Ebenso muss man auch darauf verweisen, dass es SuS gibt, die in Klasse 2 mit der Einführung einer Schreibschrift maßlos überfordert sind, sodass man diesen SuS Alternativen anbieten musste oder weiterhin wird anbieten müssen.

      Folgekosten kann ich nicht sehen, übereilt finde ich gar nichts…
      … und das Geld, das man sich irgendwo spart, sollte so oder so in die Förderung derjenigen gesteckt werden, die es bitter nötig haben.

      • Ein Kommentar aus der früher war alles besser Richtung:

        Wieso waren Erstklässler vor 30 Jahren mit der verbundenen Schreibschrift nicht überfordert, noch früher auch nicht mit Sütterlin & Co? Dümmer sind die Kinder ja nicht geworden.

        • Vielleicht hat das etwas mit den grob- und feinmotorischen Voraussetzungen zu tun?

        • @ xxx: Mein Opa, 1901 geboren, Linkshänder, konnte sogar rechts schreiben!!!

          (Nein, er musste. Wenn das Saarland mal wieder französisch war, konnten und mussten sie auch auf einmal französisch beten in der Kirche, ging wohl früher alles).

        • Axel von Lintig

          Überfordert waren wir nicht mit der Lateinischen Schreibschrift. Wir hatten in Voerde zum Teil Lehrer, die uns den selben Text mehrfach abschreiben ließen. Diese Texte habe ich immer noch im Kopf. Diese Methode brachte auch nicht viel. Da durften dann unsere Eltern zu Hause nacharbeiten, mit einer silbiert gesprochenen Form eines gestützten Wort-Diktats und später dann mit strategischen Diktaten.

        • Wieso wird immer davon ausgegangen, dass niemand davon überfordert war?

          Wo sind sie denn hin, die Analphabeten von damals?
          Wo sind die geblieben, die im ersten und auch im zweiten Jahr weder Lesen noch Schreiben erlernt haben?

          Nur weil sie aus den Grundschulen entfernt wurden, heißt es doch nicht, dass es sie nicht gab und das niemand überfordert war.

          Wie viele SuS hatten wirklich eine angemessene, schöne, gut leserliche Schrift im 3. SJ, im 5. SJ, im 7. SJ und noch später?
          Wie viele der SuS konnten zwar „schön“ abschreiben, aber sonst kaum etwas darüber hinaus?
          Wie viele sind auch damals an der Rechtschreibung gescheitert, hatten 1,2 oder 3 Lehrgänge am Ende von Klasse 2 nicht bestanden und wiederholten und hatten mit gleicher Methode und gleichen Übungen wieder keinen Erfolg?

          Wer von uns überblickt denn wirklich die Fähigkeiten der SuS der letzten 100 Jahre, die Methoden, die Möglichkeiten, die Notwendigkeiten?

          Man kann LA – mit Variationen – und VA und SAS und Sütterlin und Druckschrift, auch kopfüber, oder Grundschrift schreiben.
          Aber darum geht es doch nicht.

          Es geht darum, die heutigen Schüler so zu beschulen, dass sie Schreibfertigkeiten entwickeln, die ihnen für die Zukunft dienen und sie für die Zukunft befähigen, selbst zu lernen (lebenslang) und sich selbst auszudrücken.

          Und heutige SuS mögen nicht dümmer sein (wer weiß), aber sie bringen andere Fähigkeiten mit als SuS vor 100 Jahren. Manches davon ist wichtig für die Zukunft, manches ist leider nicht so gut ausgebildet, wie es vor 100 Jahren war, aber dennoch wichtig, anderes kann man vernachlässigen.

          Als Lehrkraft muss man sich positionieren, welche Schwerpunkte wichtig sind. Man kann nicht generell erwarten, dass zunächst die Fähigkeiten von Erstklässlern von vor 100 Jahren „herzustellen“ wären, bevor anderes gelehrt und geübt wird. Bei weniger Zeit für erheblich mehr Inhalte ist zu überlegen, was in den Fokus genommen wird und was vernachlässigt werden kann oder muss, was klassisch wie immer unterrichtet werden kann und was Änderungen unterworfen wird.

          • Ich weiß nur, dass mein Opa unter Tränen mit der rechten Hand schreiben musste. Vor Wut und Überforderung hat er einmal der Lehrerin die Uhrkette abgerissen und gleich noch eine Tracht Prügel kassiert. Auch sonst wurde viel geschlagen und mehr Druck ausgeübt, auch beim Schönschreiben. Vielleicht hat es deshalb funtioniert.

          • Axel von Lintig

            @ Palim

            Es existiert das wirklich lesenswertes Buch „ABC und andere Irrtümer über Orthographie ,Rechtschreiben,LRS/Legasthenie“ von Herrn Prof. Günther Thome ,herausgegeben vom Institut für sprachliche Bildung (9,80 Euro), welches sich mit dem deutschsprachigen Schriftspracherwerb befasst.
            Empfohlen wurde es mir vom Lehrer Marek Breuning aus Mülheim- Kehrlich, der ebenfalls unter Skolnet eine Internet-Seite für Grundschullehrer betreibt und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni-Mainz ist. Da kann man sich sehr gute Informationen heranziehen.

          • Axel von Lintig

            @ mississippi
            Derartige Foltermethoden habe ich 1966-70 am Niederrhein nicht erfahren, wahrscheinlich aber einige ältere führende Personen aus meinem „Lieblinsverband“oder aus dem sehr konservativen Münsterland. In der Nähe von Düsseldorf gab es derartige Züchtigungen weniger, dafür habe ich bei Den Befragungen von älteren Menschen aus Westfalen genau diese schwarze Pädagogik eruieren können.
            Anders kann ich mir sonst nämlich auch nicht den radikalen Bruch dieser Verbandsvertreter mit der Tradition erklären.Die älteren müssen da so einiges erlebt haben, was auf uns gar nicht mehr zu traf.

          • Die „schwarze Pädagogik“ gab es sicher, doch weder als Verordnung noch allgemein. Vermutlich wurden Züchtigungen nachträglich aufgebauscht, um den ideologischen Bruch der 68er mit der Tradition auch bildungspolitisch besser zu begründen.
            Wären nur die Züchtigungen Thema gewesen, hätte man nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten brauchen und das pädagogische Rad neu erfinden müssen. Dazu hätten Erlasse und Verbote genügt.

          • Axel von Lintig

            Die schwarze Pädagogik gab es auch in den Familien. So wurde einer meiner Mitschüler bei der Note Mangelhaft mit dem Gürtel verprügelt.Und das kam oft vor. Er hatte dadurch eine regelrechte Schulangst , die wir ihm auch nicht nehmen konnten bis der Schläger mit seinem Roller tot verunglückte.

      • Axel von Lintig

        Folgekosten sind der nicht genau bezifferbare Betrag, den Eltern heute in Form von Nachhilfe ausgeben müssen, wenn effektive Rechtschreibstrategien zu spät vermittelt werden.
        Wenn zum Beispiel durch falsche Lautierung ohne silbierte Gliederung der Wörter Vokale weggelassen werden und die Schüler später wieder umlernen müssen.
        Es macht Schülern aber auch Spaß eine gut erlernbare Schreibschrift, wie die Schulausgangsschrift oder die Lateinische Schrift im zweiten Schuljahr zu lernen.
        Das beweisen auch Schüler und Lehrer. Es wurde aber nie eine standartisierte, prospektive und randomisierte Großstudie zum Schriftspracherwerb durchgeführt.
        Damit hätte man objektive Ergebnisse gehabt und Leitlinien erstellen können.
        So wie in der Medizin.Und da fallen sogenannte Expertenmeinungen gar nicht mehr ins Gewicht bei der Erstellung der Leitlinien.
        Wieso hat man in der Grundschulpädagogik vor derartigem so große Angst?

      • Axel von Lintig

        Und warum sollte jeder seine eigene Schrift entwickeln.Welchen Wert hätte diese Umsetzung einer selbstentwickelten Schrift.Vielleicht entwickeln die Schüler noch eigene Buchstaben. Selbstverständlich eigen initiativ, selbst gesteuert und individuell .
        Schöne Grüße aus dem Elfenbeinturm.
        Ärgern Sie sich nicht.

      • Axel von Lintigl

        Palim

        Brügelmann lügt, wenn er behauptet, dass die unverbundene Druckschrift schneller geschrieben wird als die verbundene Schreibschrift. Untersuchungen von Mai und Meis beweisen das Gegenteil.
        Ich sehe auch hier bei den Schülern keine Entwicklung einer Handschrift aus der Grundschrift.
        Das ist kein wissenschaftliches Arbeiten, das Herr Brügelmann und Herr Barnitzki betreiben. Die Einführung der Grundschrift wird den Schülern schaden.
        Distanzieren sie sich besser von diesen Ideologen.
        Die gesamte Arbeitsweise ist höchst suspekt. Das kommt alles irgend wann an die Öffentlichkeit.

        • Ich kann die Erfolge meiner SuS und ihre Handschriften hier nicht einstellen, kann nicht mit randomisierten Studien aufweisen, weiß aber, dass meine Arbeitsweise nicht suspekt, sondern wohl durchdacht ist und zu unseren Lerngruppen sehr gut passt.

          Als Lehrkraft muss ich weder alles Alte noch alles Neue generell über den Haufen werfen, sondern aus einem breiten Methodenspektrum das passende auswählen.
          Dabei gibt es keinen Rund-um-Sorglos-Leitfaden, der es ermöglicht, etwas abzuarbeiten. Das wäre sogar von der Politik gerne gesehen, aber dazu sollten sich Lehrkräfte nicht degradieren lassen.
          Die entscheidende Aufgabe einer Lehrkraft ist es, Schüler genau zu beobachten und immer wieder nachzusteuern, sodass der Unterricht angemessen ist: Unterricht, der gleichsam anleitet und individualisiert, fordert und fördert, erfahren und entdecken lässt und übt… (das kann man noch lange weiterführen).
          Es gibt nicht DEN EINEN wirklich guten Weg für alle SuS zur gleichen Zeit in gleichen Schritten und mit gleichen Aufgaben, die dann bei allen die gleichen Ziele in gleicher Zeit erreichen lassen. Davon bin ich am meisten überzeugt.

          Ebenso, wie Sie sich offenbar mit neuen Wegen in der Medizin auseinandersetzen müssen, muss ich es mit neuen oder wiederentdeckten Ansätzen in der Pädagogik tun. Dabei gilt es abzuwägen zwischen Aufwand im Unterricht, Zeit, Ziel, Nutzen und Nachteil. Die Einführung der VA/LA in der 2. Klasse hat so viele Nachteile und die Einführung der Grundschrift so viele Vorteile, dass es nicht mir allein, sondern vielen KollegInnen sinnvoll erscheint, hier einen Wechsel vorzunehmen. Ich habe mich damit auseinandergesetzt und ich kann es abendfüllend erläutern. Auch habe ich Erfahrungen gesammelt, gemeinsam mit anderen ausgewertet und gemeinsam eine Entscheidung getroffen, zu der ich stehe.

          Abgesehen von gemeinsamen Entscheidungen kann ich auch selbst welche treffen und entscheide je nach Lerngruppe. Ansätze der Montessori-Pädagogik finde ich gut, kann sie aber unter derzeitigen Bedingungen nicht umsetzen. Also lasse ich es bleiben oder nutze es so weit, wie es möglich und sinnvoll erscheint. Auch sonst habe ich noch viele andere Ideen, wie Schule und Lernen noch besser gelingen könnte. Manches probiere ich aus, manches verwerfe ich schon vorher, Bewährtes wird erneut umgesetzt oder angepasst. Unterricht ist nicht das Abarbeiten von Ordnern,die man 1x angelegt hat und in dem man Seite für Seite „durchnehmen“ kann. Ja, ich habe einen solchen Lehrer gehabt, aber „gut“ war er darum nicht – DAS haben wir schon als SuS erkannt.

          Noch einmal: es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern viele bunte Farben,die die Welt sehr schön machen … und es gibt viele pädagogische Ansätze mit guten Ideen, die auf unterschiedliche Weise alle gleich gut zum Ziel führen, solange man als Lehrkraft die Schüler im Blick behält und sich um sie bemüht.

        • @ Axel von Lintig
          Wer nachlesen möchte, wie Brügelmann im Dienste des Grundschulverbandes Unwahrheiten über Vorteilhaftigkeit von Druckschrift verbreitet, kann dies hier tun:
          http://www.grundschrift.info/bruegelmann.htm
          http://www.grundschrift.info/bruegelmann2.htm
          http://www.grundschrift.info/bruegelmann3.htm

          @ Palim
          „Die Einführung der VA/LA in der 2. Klasse hat so viele Nachteile und die Einführung der Grundschrift so viele Vorteile, dass es nicht mir allein, sondern vielen KollegInnen sinnvoll erscheint, hier einen Wechsel vorzunehmen.“

          Wie sie an den oben eingestellten links sehen können, wird die vermeintliche Vorteiligkeit einer Druckschrift vom Grundschulverband mit unwahren Argumenten zu untermauern versucht. Gleichzeitig erfolgt eine Herabwertung von verbundener Schreibweise, die aus der Sicht eines noch ausschließlich schreibschriftsozialisierten Schreibers einfach nur lächerlich-verteufelnd ausfällt. Zum Dritten hält sich der Grundschulverband e.V. sehr bedeckt, wenn es um die Tatsache geht, dass die tatsächlich schreibwerberbsungünstige Vereinfachte Ausgangschrift von der Vorläuferorganisation Arbeitskreis Grundschule e.V. massiv propagiert, tatsächlich den Schreiberwerb von SuS unnötig erschwert und die Schreibergebnisse oft subotipmal aufallen läßt.

          Zumindest die Studie von Speck-Hamdan et al. (1996) für bayerische SuS ein anderes Bild ergeben und auch in Baden-Württemberg konnte man sich nach einem Erprobungsversuch nicht für die Grundschrift erwärmen, da keine bedeutsamen Vorteile selbst gegenüber ab dem 2. Grundschuljahr VA-schreibenden Schüler gefunden werden konnten.

          Zahlen, Daten oder Fakten bezüglich der tatsächlich der der Grundschrift erreichbaren Schreibkompetenz (Leserlichkeit, Geschwindigkeit, Ausdauer, ggf. auch noch Lesekompetenz von Schreibschriften) am Ende der 4. Klasse werden übrigens vom Grundschulverband auch in der neuesten Veröffentlichung (Bartintzky et al.; 2016) nicht vorgelegt, was ich als Armutszeugnis ansehe und mich gleichzeitig äußerst stutzig macht.

          Literatur:
          Speck-Hamdan, Angelika / Falmann, Peter / Heß, Stefan / Odersky, Eva / Rüb, Angelika (2016): Zur Bedeutung der graphomotorischen Prozesse beim Schreiben(lernen). In: Liebers, Katrin / Landwehr, Brunhild / Reinhold, Simone / Riegler, Susanne, Schmidt, Romina (Hrsg.): Facetten grundschulpädagogischer und -didaktischer Forschung, Jahrbuch Grundschulforschung Bd. 20, Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 183-198
          Bartnitzky et al. (Hrsg.): Grundschrift. Kinder entwickeln ihre Handschrift. Beiträge zur Reform der Grundschule, Bd. 142, 2016

          • Axel von Lintig

            Götz Taubert

            Vielen Dank für die Textquellen zum „wissenschaftlichen“ Arbeiten eines Herrn Prof. Brügelmann.
            Ich halte die verbunde Schreibschrift in Form der lateinischen Ausgangsschrift oder der Schulausgangsschrift für einen wichtigen Grundstein im Schrifterwerb, der unbedingt als Kulturtechnik erhalten werden sollte.

      • Axel von Lintig

        Bisher gibt es keinerlei groß angelegten Studien, die belegen, dass Schüler aus der Druckschrift eine eigene Schreibschrift entwickeln.
        Es ist wieder der selbe Kreis um Herrn Brügelmann, der seine eigene Schrift propagiert ohne wissenschaftliche Voruntersuchung.
        Auch bei der Einführung der „Vereinfachten „Ausgangsschrift war dieser Personenkreis die treibende Kraft für deren Einführung. Allerdings hat sich das Schriftbild der Schüler, welche die VA anwenden deutlich verschlechtert.Das sieht jeder Lehrer in den weiterführenden Schulen.
        Das Gegenteil ist der Fall. wir sehen hier, dass Schüler meistens bei der Druckschrift bleiben, oder sie diesen verunglückten Schrifttyp der VA anwenden.
        Noch einmal, man kann aus einer Druckschrift keine verbundene Schrift entwickeln.
        Die von Herrn Götz Taubert angegebenen Textstellen belegen die unwissenschaftliche Arbeitsweise des Herrn Brügelmann.
        Auch sein negativer Kommentar zum Intra-Akt-Plus-Konzept belegt seine ideologisch fundierte Argumentationsweise.
        Es bleibt abzuwarten was aus diesem Hause noch an unheilvollen Neuerungen auf die Schüler zukommen wird.

        • „Noch einmal, man kann aus einer Druckschrift keine verbundene Schrift entwickeln.“
          Doch, kann man.
          Es gibt im übrigen auch keine groß angelegte Studie, die beweist, dass das nicht ginge.

          Kommen Sie vorbei, dann zeige ich Ihnen die Ergebnisse, während meine SuS selbstständig an Stationen, in Gruppen oder anderweitig arbeiten 🙂

          • Axel von Lintig

            Wir arbeiten hier direkt im zweiten Schuljahr mit der Erarbeitung einer Schreibschrift, wobei durch das Einüben der Schreibschrift auch gleichzeitig die Lerninhalte in einer automatisierten Schreibschrift vermittelt werden.
            Wir haben zum Teil auf die Lateinische Ausgangsschrift zurückgegriffen, den Schreiblehrgang entsprechend abgewandelt von der VA zur Lat. Ausgangsschrift.
            Dabei war festzustellen, dass die Lesbarkeit letzterer deutlich besser war und die lateinische Ausgangsschrift einfacher zu erlernen war.
            Die Grundelemente der einzelnen Buchstaben wiederholen sich. Der Ansatz der Buchstaben ist an der Grundlinie, ohne irgend welche hakeligen Verzerrungen, die Buchstabentreue eindeutig.
            Schließlich stütze ich mich auf die Untersuchungen von Herrn Prof. Topsch/Uni Oldenburg „Die Vereinfachte Ausgangsschrift, das Ende einer Legende“, der die Positionen von Brügelmann hinsichtlich der vermeintlichen Vorteile der „Vereinfachten Ausgangsschrift“ , ihrer angeblichen, einfacheren Erlernbarkeit, Lesbarkeit und Vermeidung Fehlern , widerlegt hat.
            Es wurde so vieles in den letzten 30 Jahren ohne wissenschaftliche Grundlagen in der Schulpädagogik verändert.Das allein rechtfertigt den Widerstand gegen die unkritische Einführung fraglich neuer Methoden.

  40. Axel von Lintigl

    Liebe Redaktion. schauen sie einfach mal auf die Internetseite von Herrn Jansen unter grundschulservice nach. Er war bis zu seiner Berentung ein ehemaliger Lehrer und Beschäftigter im Kultusministerium in Düsseldorf .

  41. @ von Lintig 18.45 Uhr: Keine Sorge, das tun wir alles auch. 🙂

  42. Axel von Lintig

    Und sie korrigieren falsche Schreibungen.

  43. Ich erlebe auch, dass Kollegen in den Heften der Grundschüler falsche Schreibweisen korrigieren. Das finde ich richtig. Aber als ich fragte, was dann damit passiert und ob das Kind das falsch geschriebene Wort dann richtig schreiben muss, war die Antwort: Nein.

    Da weiß ich gar nicht, wozu sich der Lehrer diese Arbeit macht?!?

    • PS: Also es geht um die Mitschriften (Hefte), die die fleißigen Kollegen mit nach Hause nehmen und dann dort mühselig „stundenlang“ die Fehler korrigieren. Dann geben sie die Hefte zurück und nichts passiert. Wozu?

      • Axel von Lintig

        Natürlich sollen die Kinder die richtige Schreibung einüben.Zum Beispiel durch die Ableitung vom Wortstamm, Wortanalogien wie Wind,e-, Kind,er- blind,er-Rind,er, stehen, drehen, gehen, wehen,flehen, weiter, Leiter,Reiter,heiter, sonst wird es öde.

    • @ Sofawolf,XXX,Palim

      Ich war beim Tag der offenen Tür eines Gymnasiums im westlichen Münsterland. Dort teilten uns die Lehrer mit, dass sie Beobachter wären und keine Lehrer.
      Wie kann man diese Äußerungen einordnen. Bedeutet dies die Umsetzung von offenen Unterrichtsformen ohne Lehrersteuerung des Unterrichts ?

      • Da hätten Sie gleich vor Ort nachfragen sollen, wie diese Äußerung gemeint ist.

        Lehren und Beobachten kann man meines Erachtens nicht trennen.

        Man muss als Lehrer beobachten, wenn man unterrichten will – ohne dem wird es nicht gehen. Schnell geht es dann über die Köpfe hinweg, gleicht dem Dozieren … aber für mich ist eine Lehrkraft kein Dozent, schon gar nicht in der Grundschule.

        Aber nur zu beobachten und nicht zu lehren, das kann ich mir auch nicht vorstellen. Selbst in den offensten Schulformen, die mir geläufig sind, ist die Rolle der Lehrkraft nicht auf die der Beobachtung begrenzt.

        Ohne Zusammenhang ist es nicht möglich, die genannte Aussage zu interpretieren. Wenn das Interesse so groß ist, sollten Sie sich mit dem Gymnasium in Verbindung setzen.

  44. @ Ignaz,

    für mich ist der Lehrer „Lenker und Leiter“.

    @ Axel,

    Ihre Antwort kann ich nicht so richtig als Antwort auf meinen Einwurf erkennen. Wenn korrigiert wird, finde ich, müsste auch berichtigt werden (von den Schülern). Ansonsten sehe ich gar keinen Sinn darin. Aber gerade das haben mir mehrfach Grundschulkollegen gesagt: Sie korrigieren zwar die Mitschriften in den Heften, aber die Kinder müssen die Fehler nicht berichtigen.

  45. @ Axel,

    das IntraActPlus-Konzept, das Sie doch kennen und für gut befanden und das auf psychologischen Untersuchungen und Erkenntnissen beruht, sagt etwas genau anderes, nämlich, dass wir uns beim Schreibenlernen in erster Linie WORTBILDER einprägen. Eben deshalb sind oft Kinder, die viel lesen, im Vorteil, da sie sich die Wortbilder eingeprägt haben.

    Rechtschreibregeln spielen nach dem IAP-Konzept ja nur im Zweifelsfall eine Rolle. Die Aussprache hingegen führe eher zu Fehlern, als dass sie helfe, heißt es. Wenn ich so an die vielen unterschiedlichen Aussprachen (Akzente, Dialekte) denke, leuchtet mir das ein.

    • Danke für Ihren Beitrag, sofawolf!
      Was die Wortbilder betrifft, gebe ich Ihnen bzw. dem von Ihnen unter die Lupe genommenen IntraActPlus-Konzept vollkommen Recht. Auch mich hat gewundert, dass Axel von Lintig dem Wortbildgedächtnis eine so geringe Bedeutung beimisst und ständig auf Regelwissen pocht.
      Regeln spielen auch für mich nur im Zweifelsfall eine Rolle. Wenn gebräuchliche Wörter oft genug gelesen und geschrieben werden, braucht es aber keine Analogien, Wortverlängerungen oder andere Hilfsmaßnahmen um zu wissen, wie sie geschrieben werden. Dafür sorgt das fotografische Gedächtnis. Für mich ist es das A und O der Lese- und Schreibfähigkeiten.
      Ich kann mir allerdings vorstellen, dass bei echten (und nicht nur bescheinigten) Legasthenikern eine gewisse Unfähigkeit im Speichern von Wortbildern vorliegt und ihnen darum Regeln eine größere Hilfe sind als Kindern ohne Lese- und Rechtschreibschwäche.

      • Nach meinen Erfahrungen gibt es beim Rechtschreiblernen den Königsweg nicht, weil wir es mit unterschiedlichen Lerntypen zu tun haben. Manche lernen besser über das bildhafte Gedächtnis, andere wieder über Rechtschreibstrategien (und da sind nicht nur die Regeln gemeint, sondern z.b. auch das Herleiten über Wortfamilien). Es gibt Kinder, die viel lesen, aber dennoch größere Rechtschreibschwierigkeiten haben. Auf der anderen Seite gibt es wieder Kinder, die zwar erklären können, warum man ein Wort so oder so schreibt, aber die Rechtschreibregeln/-strateien nicht schnell umsetzen können, wenn sie etwas auswendig schreiben sollen (selbst geschriebene Texte oder Diktate).
        Unterrichtlich gesehen macht man am besten eine Mischform, um beide Lernwege anzusprechen: Fit sein in Rechtschreibstrategien und die Automatisierung der Wörter (in Bayern haben wir einen Grundwortschatz, der ausbaufähig ist) durch vielfältige Übungsformen (die wiederum Strategien ansprechen).

        • Axel von Lintigl

          @ ysnp

          Es gibt nach aussagen des Intra-Act-Plus-Konzept unterschiedliche Lernwege, aber nur ca 10 – 15 % der Schüler finden den richtigen Weg, und den meist nur mit Hilfe von Geschwistern und Eltern.
          Hier geht es um die Lese- und Schreibhilfe bei Kindern mit einer Lernschwäche, ADS, auditiven Störungen, Störungen im viso-motorischen Bereich, Kinder aus anderen Sprachkreisen ( z.B. Türkisch, offene Silben, Statt Flugzeug wird Fulugzeug geschrieben).
          Durch wiederholendes Lesen von Silben und silbiert gegliederten Wörtern wird eine Automatisierung eintrainiert, das heißt im schnellen Langzeitgedächtnis hinterlegt.Man liest unbewusst richtig.

      • @Sophia St.
        Nach meinen Beobachtungen haben Schüler mit einer Rechtschreibstörung keine oder wenige Ordnungssysteme in der Rechtschreibung entwickelt. Sie schreiben die Wörter so wie es ihnen einfällt, mal so, dann wieder so. In ihrem Kopf muss ein größeres Chaos in Bezug auf die Rechtschreibung herrschen. Eine reine Wortbildspeicherung hilft ihnen eher wenig. Ich denke, sie müssen systematisch die Rechtschreibung verstehen lernen durch sinnvoll aufgebaute Übungen und natürlich diese Wörter in der Folge dann abspeichern.

        • Ergänzung: Es gibt auch Schüler, die etwas weiter sind, aber auch noch nit auf dem Niveau: Bei ihnen kann man eine gewisse Fehlerhäufigkeit bei bestimmten Regeln feststellen, z.B. die Groß- und Kleinschreibung, Wörter mit ck oder Doppelkonsinanten usw. oder was schwerwiegender ist – bei der Wortdurchgliederung. Wenn man die Fehler sozusagen einordnen kann, dann ist es einfacher, dem begegnen.

      • Axel von Lintigl

        @ Sophia ST

        Es geht doch nicht um die Speicherung von ganzen Wortbildern, sondern um die Speicherung von ganzen Silben im Langzeitspeicher der Schüler.
        Die Schüler speichern ganze Silben ab und rekrutieren diese beim Lesen aus dem schnellen neuronalen Langzeitgedächtnis.
        Deshalb hilft wiederholendes Lesen und Schreiben mit unterschiedlichen Silben-Kombinationen.
        Kinder können bei gut ausgebildetem Phonologischen Bewusstsein diese Silben noch besser erfassen. Jedes Kind arbeitet unterschiedlich schnell an den gestellten Aufgaben des silbierten Lesens. Kinder mit auditiven Störungen, z.B.Hörgeräte, Kreuzdominanz im Viso-motorischen Bereich, ADS etc.brauchen länger als sprach unauffällige Kinder.
        Meine Sprach unauffällige zweite Tochter lernte so sehr schnell mit dem Kieler Leseaufbau lesen.
        Und die erste kann sehr schnell automatisiert lesen, obwohl sie die Texte von rechts nach links mit ihrem linken, dominanten Auge erfasst. Sie ist Rechtshänderin, und erst durch Schreib-Automatisierungen kann sie jetzt schreiben.
        Und natürlich wurden Schreibregeln eingeübt, sodass beide sichere Schreiber sind.

        Die Wortbild-Theorie ist eine ganz andere, sie stützt nicht diese Methode und ist auch mehrfachwiderlegt.

        • Die Ausführungen zu Ihren Töchtern zeigt doch aber, dass Kinder unterschiedlich lernen. Ich schließe mich ysnps Ausführungen an: es gibt unterschiedliche Lerntypen und diesen nutzen verschiedene Methoden und Herangehensweisen.

          Da ja auch nach „Beobachtung“ gefragt wurde: Meiner Meinung nach braucht es die Beobachtung und Diagnose der Lehrkraft, eine sehr gut geschulte Wahrnehmung, auch Gespür für Lerntypen, Herangehensweisen, gepaart mit einem breiten Methodenrepertoire … und der Bereitschaft und Möglichkeit, das eine mit dem anderen zu verbinden und unterschiedliche Ansätze den SuS anbieten zu können.
          Dabei ist das hier schon mehrfach genannte „Mirko-Teaching“ in zeitlich intensiver Form unter psychologisch optimalen Bedingungen sicherlich erfolgreicher als der Unterricht in großen heterogenen Klassen ohne zusätzliche personelle Ressourcen.

          Und immer wieder frage ich mich, warum die Bedingungen in Grundschulen so schlecht sein müssen und man in den ersten zwei Schuljahren schon so viele Bildungsverlierer produziert oder den schon vor der Schule Benachteiligten in keiner Weise helfen kann, auf einen grünen Zweig zu kommen.

          Inklusion sollte nicht bedeuten, dass die Kinder mit Benachteiligungen gleich welcher Art mit dazu gesetzt und sich selbst überlassen bleiben oder mit geringfügiger Förderung irgendwie beschult werden, sondern dass im System ausreichend Ressourcen vorgehalten werden, um spezifische Förderung und Herausforderung in zeitlich intensivem Maß im Team durchführen zu können.

          • Axel von Lintig

            Palim

            Ich stimme ihnen vollkommen zu.
            In erster Linie müssen die Klassen verkleinert werden.Kinder mit angeborenen Lernschwächen, Hörproblemen, Migrationshintergrund, ADS etc. profitieren viel mehr von einer direkten Führung.
            Lesen lernen kann man mit diesen automatisierenden Methoden des Kieler Leseaufbaus auch zu Hause. Ich habe den gesamten Kieler Leseaufbau meinem arabischen Kollegen fotokopiert und damit wird jetzt in der arabischen Gemeinde gearbeitet.
            Er sagte mir, das sich die Sprache derjenigen, die diese Methode anwenden, deutlich besser, schneller deutsch lesen und sprechen.
            Ich kann aber noch mal nachfragen, wie viele Personen damit gearbeitet haben. Er bestätigte aber das es sehr gut hilft Deutsch zu sprechen.

    • Axel von Lintigl

      @ Sofawolf
      Beim Kieler Leseaufbau und dem Intra-Act-Plus-Konzept werden durch wiederholendes Lesen von Silben, nicht einzelnen Wörtern, synaptische Verbindungen im Langzeitgedächtnis aufgebaut.
      Die Reaktionszeit beträgt nach erfolgtem automatisierten Lese-Erwerb der Silben B,Ba,Ban,Bans konstant 700 ms, während die Reaktionszeit über das Kurzzeitgedächtnis, etwa bei schlechten Lesern infolge Lesen durch Schreiben im Kurzzeitgedächtnis die Reaktionszeit sich von 1000 ms bei der Entzifferung eines Buchstaben B bis auf 1900 ms bei der Entzifferung von 4 Buchstaben Bans steigert !
      Durch das wiederholte Lesen erfolgen die synaptischen Verbindungen nachhaltiger. Es ist aber auch nicht sinnvoll sich ganze Wörter einzuprägen, da unser Gehirn die gespeicherten Silben miteinander verbindet, das heißt rekrutiert.
      Das ist auch der Grund , warum der Silben-analytische und der analytisch-synthetische Lernansatz so erfolgreich sind. Man übt Automatisierungen im Lesen und im Schriftspracherwerb ein, welche im Langzeitgedächtnis hinterlegt sind.
      Neuronale Automatisierung ist das Erfolgskonzept von beiden Konzepten.
      Aber es gilt : Lesen lernen sie durch lesen und Schreiben durch schreiben (siehe ABC und andere Irrtümer über Orthographie,Rechtschreiben/Legasthenie von Prof.Günther Thome )

      Lesen sie sich das Konzept des Intra-Act-Plus-Konzept im Internet durch.

  46. @ Axel,

    ich habe das ganze Buch dazu gelesen.

    Nein, ich möchte mit Ihnen in keinen Wettstreit treten, wer das IntraActPlus-Konzept am besten verstanden hat oder wer überhaupt die beste Rechtschreibstrategie kennt. Ich wollte nur einwerfen, dass das IAP-Konzept sehr auf Wortbilder und ihre Automatisierung setzt und Rechtschreibregeln eher hintenan stellt. Man muss auch bedenken, dass es rund 100 (früher rund 200) Rechtschreibregeln gibt. Die meisten von uns, die größtenteils richtig schreiben, kennen nicht diese 100 Rechtschreibregeln und denken nicht bei jedem Wort daran, sondern wie gesagt in Zweifelsfällen. Jeder kennt den Tipp dazu aus „Omas Trickkiste“: Wenn du nicht sicher bist, wie man ein Wort schreibt, schreibe dir beide Varianten auf und die, die bekannter vorkommt, die ist meist die richtige. (Siehe: Automatisierung) 🙂

    Ich gebe zu, dass ich kein Experte für LRS bin. Da, wo die LRS wirklich hirnorganisch begründet ist, will ich nicht mitreden. Da kenne ich mich einfach zu wenig aus.

    • Axel von Lintigl

      @ Sofawolf

      Automatisierung, darauf kommt es an und die lernt man durch einüben.
      Somit stimmen wir doch überein.

      • Axel von Lintig

        @ Palim,ysnp,mississippi

        Das Intra.Akt-Konzept ist im Internet als pdf Datei hinterlegt unter Lesen und Rechtschreiben lernen mit dem Intr-ASkt-Plus-Konzept von Jansen/ Streit/Fuchs
        Die Neurophysiologische Wirkweise wird gut verständlich erklärt.

    • Anmerkung: Ich schreibe von einer überschaubaren Anzahl Rechtschreibstrategien- keinen Merksätzen, denn die sind unsystematisch und somit nebensächlich.

      • Axel von Lintig

        ysnp

        Automatisiertes Einüben von den häufigsten Regeln.
        Zum Beispiel alle deutschstämmigen Wörter sind zweisibig . In jeder Silbe ist mindestens ein Vokal ,und es muss immer ein Vokal in einer Silbe sein. Die Endsibe hat in diesen Zweisilbern immer den Scwa-Laut e .Hören sie mal selbst beim Sprechen hin. AlleHauptregeln beziehen sich auf die drei Silben -Typen nach Christa Röber.
        Haus A Hü te,
        Haus B Hüf te,
        Haus C Hütte
        Beim üben von Wörtern mit doppel mm,ll,nn,ck,tz,pp,bb bilden sie mit den Schülern Kontrastpaare.
        Zum Beispiel: heißt es ko men oder kommen, re nen oder rennen, le ken oder lecken und so weiter.
        Viele Schüler haben bereits ein sprachliches Ordnungssystem und daran können sie anknüpfen. Sie können natürlich auch nach Thome arbeiten mit den Kurzvokalen vor dem Doppelkonsonanten. Aber nach Röber ist es für die Schüler anschaulicher.
        Endlauthärtungen kann man genauso automatisiert mit den Wortverlängerungen einüben.
        g/k Berg /Berge, Zwerg/Zwerge, arg arger/, b/P Kalb/Kälber, d/t Wald/Wälder, kalt/kälter
        rund/runder etc das sind doch Rewgeln,welche man gut automatisieren kann.
        Bei Skolnet im Internet stehen eine Menge Beispiele zu üben.

        • @ Axel von Lintig
          So ins Detail wollte ich jetzt nicht gehen. In Bayern haben wir sehr lange mehrheitlich nach dem Konzept von Ute Steinleitner, die das Rechtschreibwerk „Zauberlehrling“ herausgegeben hat, und an zweiter Stelle nach Röbe (Auer) gearbeitet. Bei uns steht seit über 15 Jahren im Lehrplan (jetzt auch im neuen wieder, wenn auch nicht mehr so ausführlich wie im alten), welche Rechtschreibstrategien und welchen Grundwortschatz wir den Schülern vermitteln sollen. Also ist ein klares Konzept da.
          Wenn aber bei einer Halbtagsschule im 1./2. Schuljahr nicht genug zuhause bei Schwierigkeiten geübt wird, dann gibt es zu den „echten“ Legasthenikern selbst gemachte Rechtschreibstörungen und auch Lesestörungen.

          • Ja, und wenn diese Ordnungssysteme eben nicht in Klasse 1 oder 2 beim Kind vorhanden sind und durch das normale Üben nicht ausgebildet werden, braucht es spezifische Förderung.

            Erhält das Kind diese nicht, weil Schulen keine Zeit und keine Ressourcen dafür haben und Eltern keine Zeit, keinen Zugang oder kein Geld für Nachhilfe haben, werden diese Kinder in ihrer Entwicklung weiter verzögert.

            DAS lässt sich auf sehr viele andere Bereiche Übertragen: Motorik , Wahrnehmung in verschiedenen Bereichen, Merkfähigkeit etc. und führt auch in der Regel in mehreren Bereichen zu Schwierigkeiten. Je länger diese anhalten, desto schwieriger ist es, Kinder dort wieder herauszuführen, zumal dann psychologische Aspekte verstärkt und verstärkend hinzu kommen.

          • Hunderprozentige Zustimmung. So ist das auch mit der Dyskalkulie. Je älter, desto schwieriger ist es, Grundlagentraining zu machen, weil die anderen Anforderungen immer wieder das Ganze überlagern.

  47. Bei meinen 3 Kindern habe ich festgestellt, dass sich viele Rechtschreibfehler auch einfach noch „verwachsen.“ So spätestens in der 8. oder 9. Klasse war es so weit. Vielleicht einfach, weil in der Zeit seit der Grundschule dann doch täglich in der Schule und zu Hause eigentlich in allen Fächern viel gelesen und geschrieben wird.

    • Axel von Lintig

      mississippi

      Wo wachsen die denn hin ?

      Synaptische Verbindungen ändern sich zwar, aber durch den wiederholten Gebrauch eines bestimmten Wissens gehen die Neurone andere, festere verbindungen ein. Unser gehirn verändert sich beim Gebrauch ständig. dabei ist ses schwer falsch gelerntes wieder umzulernen. Wer anderes behauptet , der weiß es nicht besser oder er sagt die Unwahrheit,
      Und da sind wir wieder bei Herrn Brügelmann, der bei der Zitierung von Untersuchungen zur Schreibgeschwindigkeit zwischen der Druckschrift zu der lateinischen Schreibschrift in den 60 und siebziger Kahren einfach falsche angaben machte.

      P.S. Unterlassen Sie es bitte meine Identität irgendwelchen Rechtsextremisten zu verraten.

  48. @ Axel, ok. Wollte das nur eingeworfen haben.

  49. Axel von Lintig

    Danke noch mal für den Hinweis, um das ganze noch einmal besser darstellen zu können.
    Dies Ergotherapeuten vom Pari-sozial arbeiten mit dem Luka-Lese-Lernbuch nach dem Kieler Lese-Aufbau.

  50. Axel von Lintig

    Die Schreibleistungen der Schüler sind seit 1990/91 zu 2001 deutlich gesunken.
    Dazu verweise ich auf die NRW-KIDS-Studie. Diese Untersuchte die Rechtschreibleistungen am Ende der Grundschulzeit.
    Auffallend ist eine deutliche Abnahme der Textproduktion von 110 auf 62.
    Die Quote der Grammatikfehler stieg von 2% auf 6 %.
    Die Quote der Rechtschreibfehler stieg von 9 % auf 16 % an.
    Wilfried Metze ist in seiner Übersichtsarbeit, „Lernwegsorientierter Schriftspracherwerb im Spiegel der Empirie und des Schulalltags“, auf die Thematik des Vergleichs von strukturierten Schreiblehrgängen zu den selbst gesteuerten, eigen initiativen Methoden des Spracherfahrungsansatzes mit Hilfe von Lesen-durch-Schreiben und freiem Schreiben eingegangen.
    Ihm gebürt besonderer Dank für die wissenschaftliche Aufklärung und die Gegendarstellung zu den Mainstream-Methoden des Spracherfahrungsansatzes/Lesen-durch-Schreiben, welche eine unterlassene Hilfeleistung und gezielten Irreführung der Schüler bedeuten, durch das eigenständige Schreiben mit einer Anlaut-Tabelle ohne Instruktionen durch den Lehrer.

  51. Axel von Lintig

    Palim

    Abschließend noch ein Hinweis zum Spracherfahrungsansatz/Lesen-durch-Schreiben:

    Herrr Prof.Dr.W.Sendlemeier, Sprachwissenschaftle r(Geistes- und Bildungswissenschaften,Institut für Sprache und Kommunikationwissenschaften/Berlin) hat eine vergleichende Untersuchung drei verschiederen Lehrgänge durchgeführt.
    Er verglich die Tobi-Fibel, als Beispiel einer analytisch-synthetischen Methode, das ABC der Tiere, als Beispiel einer Silben-analytischen Methode, sowie stellvertretend für den Spracherfahrungsansatz, den Lehrgang der Firma Graf Orthos Rechtschreibwerkstatt GmbH & CoKg, bekannt unter dem Namen Methode Sommer-Stumpenhorst, miteinander.

    Abschließend bescheinigte er dem Fibelansatz, wie auch dem Silben orientierten Zugang eine systematische und wohlstrukturierte Heranführung an die Rechtschreibung.
    Dem Spracherfahrungsansatz nach Sommer-Stumpenhorst konnte er kein positives Zeugnis ausstellen.
    Diesen Ansatz bezeichnete er eher als eine Mischung an unterlassener Hilfeleistung und gezielter Irreführung der Grundschüler.

    • Ich kenne die Studie,
      aber Sie weder meine Arbeit noch – offenbar – meine Materialien 😉

      Hinweisen möchte ich darauf, dass auch Metze in den letzten 15 Jahren in seine Materialien sowohl Silben übernommen hat, die neueste Fibel samt Material ist ähnlich dem ABC der Tiere farbig markiert,
      also auch Ansätze des Freien Schreibens/ Schreiben zu Bildern. Leider (meiner Meinung nach) ist dann ein Rückschritt erfolgt, indem über die Bilder passende Wörter eingetragen wurden und die eigene Leistung und Textproduktion zum Abschreiben verkommt.

      • Axel von Lintig

        Ich kenne noch die ältere Ausgabe der Tobi-Fibel von 1997 und das ABC der Tiere.
        Entscheident ist aber immer der Lehrer, der mit den Schülern direkt arbeitet, so sieht es auch Metze. Er ermöglicht erst die Vermittlung der Hauptgrapheme und steuert die Entwicklung des Schrifterwerbs der Schüler, verbessert, gibt neue Aufgaben zum Einüben und Vertiefen der schriftsprachlichen Erkenntnisse der Schüler. Metze ist ein didaktisch gut ausgebildeter Praktiker, der selbst Erfahrungen in der Arbeit mit Schülern sammeln konnte und diese Erkenntnisse in seinen Lehrwerken umsetzte. Allerdings habe ich ihn auch so verstanden, dass ein schlecht ausgebildeter Lehrer eben nicht ein gut strukturiertes Lehrwerk gut umsetzen kann.

  52. @ dicke bank,

    ZITAT: „Richtig „Bildung und Erziehung“. Dabei heben das GG und die Landesverfassung den Vorrang der Eltern bei der Erziehung besonders hervor.“

    Das ist wieder etwas, was mir Kopfzerbrechen bereitet. Wieso heben GG und LV das VORRECHT der Eltern bei der Erziehung hervor? Es gibt ein Gerichtsurteil, wonach das Erziehungsrecht der Schule dem Erziehungsrecht der Eltern eben nicht unter-, sondern gleichgeordnet (!) ist. Daraus folgt, dass die Schule auch Erziehungsziele verfolgen darf, die die Eltern nicht haben (z.B. Toleranz ggüb. anderen Meinungen, Hautfarben, Religionen u.dgl.).

    Gilt dieses Gerichtsurteil nun wieder nicht? Oder nur in einem bestimmten Bundesland? Oder gar nur in einem bestimmten Einzelfall???

    • * … die die Eltern vielleicht nicht haben …

    • Noch Fragen? – Siehe:

      Grundgesetz I. Die Grundrechte (Art. 1 – 19) Art. 6

      (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

      (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

      (3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.

      (4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

      (5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern.

  53. @ dicke bank,

    2.-4. sind in der „Streitfrage“ ja schon mal unerheblich. Zu (1.) komme ich gleich ….

  54. zu 2.) (nicht zu 1.)

    Entscheidung des BVerfG, Urteil vom 21.12.1977:

    „Das Erziehungsrecht der Eltern ist dem schulischen Erziehungsrecht nicht übergeordnet.“ (!!!)

    Das „zuvörderst“, auf das Sie sich vermutlich beziehen, interpretiere ich anders. Nicht „zuvörderst“ gegenüber anderen, sondern ihre (der Eltern) allererste Pflicht bzw. im Zweifelsfalle sind immer sie dafür verantwortlich. Das Erziehungsrecht der Schule ist ja deshalb auch „nur“ gleichgeordnet, nicht übergeordnet. Aber eben auch nicht untergeordnet.

    • @ dicke bank, gelesen?

      Was sagen Sie nun?

    • Bedeutet den Vorrang bei der Erziehung, der in allen Belangen an erster Stelle bei den Eltern liegt. Die Erziehungsberechtigung der Schule ist gegeben, tritt aber hinter die der Eltern zurück. Schule und Eltern sollen bei der Erziehung und der schulischen Bildung zusammenarbeiten, die Eltern müssen sich aber nicht den Erziehungszielen der Schule unterordnen.

      • Naja, aber die Schule eben auch nicht den Erziehungszielen der Eltern, oder?

        (Das sagt doch das Gerichtsurteil ?!?)

        • Im Einzelfall. Das Gericht hat einen konkreten Einzelfall beurteilt. Daraus lassen sich keine rechtssetzenden Konsequenzen für alle Schulen des betreffenen Bundeslandes ableiten.
          Prinzipiell lässt sich sagen, die Eltern haben sich durch die Anmeldung an eine weiterführende Schule für ein bestimmtes Leistungsangebot entschieden und somit auch den „Werten“ und „Erziehungszielen“ dieser gewählten Schule – soweit diese durch das Leitbild der Schule, das Schulprogramm und die Veröffentlichungen der Schule erkenbar sind – stillschweigend zugestimmt.
          Davon muss zunächst einmal ausgegangen werden, dass die Eltern durch Anmeldung ihres Kindes an einer bestimmten Schule sich mit deren Erziehungszielen und Methoden im Großen und Ganzen einverstanden erklären. Das schließt allerdings Differenzen in Einzelfragen nicht aus. In diesen Fällen muss dann eben ein Gericht entscheiden, wer mit seinen Erziehungsgrundsätzen hinter den jeweiligen Erziehungsstil des anderen zurück treten muss.
          Die Frage, die dabei im Raum steht ist, ob der „Schulfrieden“ leidet, wenn auf die Interessen Einzelner besonders eingegangen werden mus bzw. ob dieses Vorgehen im Einzelfall verhältnismäßig ist.

          Beachtet werden muss dabei immer, dass gegen einzelne Erziehungsziele, Erziehungsmethoden der Schule oder Erziehungsstile einzelner Lehrpersonen nicht geklagt werden kann. Es kann nur gegen Verwaltungshandeln der Schule geklagt werden. D.h. es muss gegen eine konkrete Maßnahme (z.B. den Beschluss einer Konferenz über Erzeihungs- und Ordnungsmaßnahmen, eine Schulleiterentscheidung (z.B. Ausschluss vom Unterricht bis zu 2 Wochen) juristisch vorgegangen werden.
          Dazu muss zunächst der Maßnahme der Schule widersprochen werden. Die Schulaufsicht als Widerspruchbehörde muss daraufhin den Fall prüfen. Schlägt sie den widerspruch nieder, steht der Klageweg offen.
          Das Gericht entscheidet, ob es die Klage annimmt oder nicht. Nimmt es sie an, gibt es entweder einen Vergleich oder einen Urteilsspruch. Gegen ein Urteil kann Berufung eingelegt werden. Der Prozess wird in der nächst höheren Instanz noch einmal geführt und es gibt ein neues Urteil. Entscheidend ist an diesem Punkt, ob an dieser Stelle die Möglichkeit zur Revision zugelassen wird oder nicht. In der revision wird die „Richtigkeit“ des Zustandekommens der vorangegangenen Urteile bzw. die Prozessführung auf formale und inhaltliche Fehler geprüft. Hat das Urteil in der Revision bestand, dann hat dieses Urteil auch Auswirkungen auf ähnlich oder gleich gelagerte Fälle im Bezirk dieses „Obergerichtes“. Im regelfall werden diese Urteile auch von den andeen „Obergerichten“ des betreffenden Bundeslandes in die eigene Rechtsprechung übernommen.
          Bedarf es einer grundsätzlichen Klärung, wird ein Verfahren in der jeweils höchsten, zuständigen Gerichtsinstanz angestrengt – also am VGH eines Landes. Dieses muss dann prüfen, ob Vorbehalte der Landesverfassung die Rechtmäßigkeit eines Urteiles der Vorinstanzen tangieren.

          Das Aufstellen allgemeingültiger Regeln ist Aufgabe der Legislative, nicht die der Judikative.

  55. Liane Klingler

    Der Vergleich mit dem Krabbeln hinkt auf „allen vier Beinen“…
    Krabbeln ist darüber hinaus auch keine zwangsläufige Übergangs-Fortbewegungsart, es gibt auch „Rutschkinder“, die sich nahezu sitzend vorwärts bewegen können. Beiden Varianten ist aber gemeinsam, dass sie von sich aus, einem genetischen Programm folgend früher oder später abgelöst werden von Versuchen, sich an Gegenständen hoch ziehen und dann zunächst vom Stehen, später von den ersten Schritte.
    Schrift dagegen ist eine Kulturleistung, auch heute noch existieren Naturvölker mit eigener, ursprünglicher Sprache und OHNE eigene Schrift.
    Kulturleistungen müssen erlernt werden und das von Anbeginn richtig.

    Kindern das „richtig“ nicht bei zu bringen ist keine moderne Pädagogik, sondern unterlassene Hilfeleistung.

    Dass die Schüler heutzutage die Orthographie besser beherrschen sollen als „früher“, das wird wohl guten Gewissens nur jemand behaupten, der diese (für den Unterrichtenden) kommode Methode mit allen Mitteln verteidigen möchte – alle weiterführenden Institutionen nach der Grundschule bis hin in die Universitäten und Hochschulen machen nachweislich gegenteilige Erfahrungen.
    Allein: eine Sache wird nicht richtiger, wenn man sie Gebetsmühlenartig wiederholt!

    Ich erspare mir eine Ausführung darüber, dass es natürlich wesentlich komfortabler ist, nach „laissez-faire“ vorzugehen…

  56. Norbert Sommer-Stumpenhorst – der ist doch schon vor fast 15 Jahren in der Wirksamkeit wiederlegt worden. Auf weia, ich wusste gar nicht, dass das Konzept sich noch halten konnte.

    • Axel von Lintig

      OMG

      Leider wird das Konzept der Rechtschreibwerkstatt eines Norbert Sommer-Stumpenhorst, dass mit der Tolerierung der Bildung von Wortruinen im eigenständigen Schriftspracherwerb arbeitet, hier im Münsterland noch genauso betriegen wie damals im Nordhessischen Raum.
      Und man lässt die Schüler ohne Fehlerrückmeldung weiter so schreiben, getreu dem Motto, dass es sich beim Schriftspracherwerb um einen Prozess handelt, der wie beim Erlernen des Laufen Lernens erfolgt.
      Jeder Eingriff von Eltern und Lehrern könnte schwere Folgen für die Schüler haben. Der Schriftspracherwerb würde bis zum 9. Schuljahr dauern und würde 4 Phasen der Verschriftlichung durchlaufen,alles hintereinander. Dass es sich um theoretische Modelle handelt, die durchaus parallel durchlaufen werden können, wird genauso ausgeblendet.
      Und dann kommt noch die unheilvolle Verknüpfung des Lesen Lernen mit dem Schriftspracherwerb hinzu.
      An der Uni Münster hält dieser Schulmaterialien-Unternehmer auch noch Seminare ab und vermittelt seine Matrix des Schriftspracherwebs, seine Anlaut-Tabelle als Lernmittel im Anfangsunterricht.Ich kann Ihnen mehrere Schulen nennen, die damit arbeiten. Und sogar in Förderschulen gibt nes Anhänger dieser Methodik.
      Wer da mit anderen , älteren Methoden arbeitet, der wird von diesen durchs Studium in Münster geprägten Lehrern nur ungläubig angeschaut.

      • Axel von Lintig

        OMG

        Das grotestkeste sind dann aber noch seine Wortkarten mit seinen Erklärungen.Da lernen die Kleinen richtig was fürs leben. Alte Stereotype vom Opa, der Oma, Räubern oder auch dem Teufel werden in Dreiwort-Sätzen vermittelt.
        Die besten Informationen für diese Arten des Schriftspracherwerbs in NRW erhalten Sie unter der Internetseite http://www.grundschulservice-von Herrn Jansen.
        Da kommen dann auch unsere 68er „Bilderstürmer“ um das Professoren-Duo Brügelmann/Brinkmann/Barnitzki/Hecker nicht zu kurz.

  57. BEste Grüße aus Nordhessen, dem Bereich der Marburger Studie. Den GS hier hat man nach der Studie und den Ergebnissen von Sommer Stumpenhorst abgeraten. Nachdem aber viele Grundschule gezielt jahrelang auf diese Methode gedrillt worden waren, weil man ja Vergleichsstudien betreiben wollte, finden sich heute noch immer „Reste“ der Methode in der Gegend.

  58. Axel von Lintig

    OMG

    Nicht nur dort. Das Netzwerk an befreundeten Schulpsychologen und des NRW Schulministeriums um den Ministerialdirigenten Christiani, hatte durch die Unterstützung von Fortbildungsveranstaltungen für Norbert Sommer-Stumpenhorsts Rechtschreibwerkstatt erheblichen Anteil an der weiten Verbreitung in NRW.
    Man sieht das deutlich an den eingeschränkten Fähigkeiten der Kind automatisiert zu lesen und zu schreiben.
    Aber SPD,Grüne und die CDU stehen unverändert hinter diesemKonzept des Schriftspracherwerbs. Das erklärt auch das bescheidene Abschneiden der NRW-Grundschüler in den Vergleichstests. Wir Eltern korrigieren diese Ergebnisse durch eigene oder professionelle Nachhilfe nach oben. Somit wird Kindern aus finanzkräftigeren Elternhäusern zu besseren Schulabschlüssen verholfen als den Kinder aus den Ihnen bekannten benachteiligten Gruppen.

  59. Ich zähle auf dieser Seite 231 Rechtschreibfehler. Wo soll das bloß enden?

    • Schreiben Sie auch einmal längere Textpassagen ohne große Nachkontrolle, und dann zeige ich Ihnen mal Ihre eigenen Rechtschreibfehler auf.

  60. Den Lese- und Schriftspracherwerb miteinander zu verknüpfen,dies allein zeugt schon von der grundlegenden Unkenntnis ihrer Erfinder (Reichen/Brügelmann) und von deren rudimentären Kenntnissen im Bereich des Lese- und Schriftspracherwerbs.
    Beides , Lesen wie Schreiben, muss getrennt gefördert und eingeübt werden ,um es richtig zu erlernen.
    Man merkt sich nicht Wörter in ihrer Schreibung durch bloßes Lesen, sondern durch das korrekte Schreiben dieser Wörter mit Hilfe von Korrekturen durch den Lehrer, der Einübung von Rechtschreibstrategien mit der Anwendung einfachster Schreibregeln, wie der Silbierung, Endlauthärtung durch Worterlängerungen, Ableitungen vom Wortstamm, Gliederung der Wörter etc.,sowie der Vermittlung der Hauptgrapheme, gefolgt von der Vermittlung der Orthographeme im Gefolge.
    Und falsche Schreibungen , welche noch durch den Lehrer mit Smiles verstärkt werden, verbleiben im Gehirn haften und sind auch später nur schwer mit sehr viel Aufwand umzulernen.
    Die primär viel zu lange angewandte Methode mit dem verspielten Schreiben nach Gehör mit Hilfe von Anlaut-Tabellen , verhindert eine strukturierte und zügige Hinführung der Schüler zu einem sicheren Schreiben von deutschen Wörtern nach dem orthographischen Prinzip.
    Deshalb bedürfen Lesen durch Schreiben, ebenso wie das Schreiben mit einer Anlaut-Tabelle, einer sehr krischen Prüfung und Kontrolle bei der Anwendung durch den Lehrer.
    Besser noch wäre es diese Methoden nicht unkritisch anzuwenden oder bei Unkenntnis der Gefahren für den Schüler, diese Merthoden gar nicht mehr anzuwenden.
    Es bleibt den Kultusministerien die Freiheit zu deren Anwendung einzuschränken oder diese zu verbieten.
    Wir hoffen, dass sich die Politik bald dieses Problemes annimmt und diese Missstände beheben möge

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