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Prekär am Gymnasium oder verbeamtet an der Grundschule – Hessen will Lehrer in Mangelbereiche locken

WIESBADEN. Einem eklatanten Lehrermangel an Grund- und Förderschulen in Hessen stehen immer noch viele Kollegen gegenüber, die an anderen Schulformen keine festen Stellen erhalten. Rund tausend von Ihnen werden auch in diesem Jahr wieder in die Sommerarbeitslosigkeit gehen, fürchtet die FDP. Mit einem Umschulungsangebot will Kultusminister Lorz das Problem überwinden.

Im Kampf gegen den Lehrermangel an Grund- und Förderschulen will Hessens Kultusministerium Pädagogen ohne feste Stellen für eine Weiterbildung gewinnen. Das Angebot richtet sich an Pädagogen, die bereits an Gymnasien oder Haupt- und Realschulen unterrichten dürfen. Unter bestimmten Voraussetzung lockt binnen weniger Jahre die Verbeamtung, wenn sie zumindest für eine Zeit an eine Grundschule wechseln, wie aus einer Mitteilung des Ministeriums hervorgeht.

Über die „Schleife Grundschule“ zum Wunschberuf? Für viele Lehrkräfte könnte das attraktiv sein. Foto: Tony Webster / flickr (CC BY 2.0) Foto: Tony Webster / flickr (CC BY 2.0)

Über die „Schleife Grundschule“ zum Wunschberuf? Für viele Lehrkräfte könnte das attraktiv sein. Foto: Tony Webster / flickr (CC BY 2.0) Foto: Tony Webster / flickr (CC BY 2.0)

Die FDP-Fraktion im Landtag befürchtet unterdessen, dass Hessen im bundesweiten Vergleich für Lehrer immer unattraktiver wird. Bei der Arbeitslosigkeit der Pädagogen während der Sommerferien belege das Land nach Baden-Württemberg den zweiten Platz, sagte der Bildungsexperte der FDP-Landtagsfraktion, Wolfgang Greilich,. Das werde zu einem Abwandern in andere Bundesländer führen und die angespannte Situation bei der Lehrerversorgung gerade an den Grundschulen nochmals verstärken.

Ein Sprecher des Kultusministeriums erklärte, sein Haus sei recht zuversichtlich, mit dem attraktiven Weiterbildungsangebot Lehrer zu gewinnen. Das Programm umfasst 200 Plätze an Grund- und rund 80 Stellen an Förderschulen, es startet bereits am 1. Juni mit einer 14-monatigen Grundqualifizierung. «Unser Ziel ist es, zu Schuljahresbeginn alle zur Verfügung stehenden Lehrerstellen auch mit Personen zu besetzen», erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU).

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An die Grundqualifizierung schließe sich die zweijährige eigentliche Weiterbildung an, die nach erfolgreicher Prüfung zum Lehramt an Grundschulen führt. Bereits vom kommenden Schuljahr an würden die Lehrer an Grundschulen eigenverantwortlich unterrichten und dafür einen Angestelltenvertrag bekommen. Nach der Zusatzprüfung winkt den Pädagogen die Verbeamtung – falls sie sich verpflichten, mindestens drei Jahre als Grundschullehrer zu arbeiten. Danach könnten sie wieder in ihr ursprünglich erworbenes Lehramt wechseln. „Die Weiterbildung ist für alle Lehrerinnen und Lehrer, die bislang noch keine Chance auf eine Festanstellung hatten, ein attraktives Angebot“, erklärte Kultusminister Lorz. „Neben der sofortigen Festanstellung im öffentlichen Dienst winkt nach erfolgreicher Zusatzprüfung schließlich auch die Verbeamtung und die Möglichkeit, mittelfristig in das ursprünglich erworbene Lehramt zu wechseln.“

Die FDP bezieht sich bei ihrer Kritik auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach waren 2013 in den relevanten Monaten Juli und August 759 Pädagogen ohne Job. Nach der Regierungsübernahme von CDU und Grünen sei die Sommerferien-Arbeitslosigkeit dann im Jahr 2014 auf 998, ein Jahr später auf 1063 und 2016 auf 1102 Lehrer gestiegen, erklärte Greilich.

«Das ist ein schlechtes Signal im Wettbewerb Hessens mit den anderen Ländern um die besten Lehrer», betonte der FDP-Politiker und kündigte einen Antrag der Liberalen dazu für die nächste Landtagssitzung an. Greilich forderte die schwarz-grüne Regierungskoalition auf, Lehrer mit befristeten Anstellungen dauerhafte Verträge anzubieten.

Sollte das nicht umsetzbar sein, sollten die Pädagogen zumindest so angestellt werden, dass auch die Zeit der Sommerferien in die Vertragszeit fällt und damit «eine gerechte Bezahlung erfolgt».

Wegen des Lehrermangels an Grund- und Förderschulen versucht Kultusminister Lorz derzeit auch, Pensionäre zu reaktivieren. Insgesamt hatte Lorz seit Januar 2180 Pädagogen angeschrieben, davon rund 1600 Ruheständler. Auch Lehrern kurz vor der Rente sollte so ein längerer Dienst an den Schulen schmackhaft gemacht werden. Bis Ende März hatten sich rund 300 Pädagogen auf den Brief des Ministers gemeldet. (dpa)

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