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Zynische Aktion: Satire-Künstler verkaufen Kinder für dumm – und veranstalten einen Fake-Schülerwettbewerb um politisches Engagement

MÜNCHEN. Ist das Satire – und, wenn ja, wer soll denn hier durch den Kakao gezogen werden? Wahrscheinlich zielt die Aktion auf die CSU und ihren Vorsitzenden Horst Seehofer, der unlängst mit einem Besuch des russischen Präsidenten Putin für Schlagzeilen sorgte. Dafür aber werden Kinder und Jugendliche instrumentalisiert (und für dumm verkauft). Denn die werden in einem angeblichen „Schülerwettbewerb“ aufgefordert, „den Widerstand gegen Diktaturen in der Welt voranzubringen“. Die offenbar als Provokation gedachte Aktion von Künstlern des „Zentrums für Politische Schönheit“ wirkt vor allem eines: zynisch.

Die Homepage der Aktion ist professionell gemacht - sie dürfte Schüler ansprechen. Screenshot

Die Homepage der Aktion ist professionell gemacht – sie dürfte Schüler ansprechen. Screenshot

„Du reist pauschal (DZ/HP) in eine Diktatur Deiner Wahl inkl. Rail&Fly und Transfer vor Ort. Du erfährst erstklassige konsularische Betreuung durch die alarmierten Auslandsvertretungen und Sicherheitsdienste der Bundesrepublik Deutschland. Du löst eine diplomatische Krise zwischen der Bundesrepublik und Deinem Zielland aus. Du verunsicherst eine totalitäre Staatsregierung.“ Mit diesem angeblichen Preis („auf Kosten der Bayerischen Staatsregierung“) werden Kinder und Jugendliche angesprochen, sich an der Aktion beteiligen: Sie sollen ein Flugblatt gegen eine Diktatur verfassen. Der (echte) Anlass: der 75. Jahrestag des Erscheinens der ersten Flugblätter der Widerstandsgruppe Weiße Rose aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

„Wir werden überrannt“

Schon nach einem Tag hätten sich 30 Kandidaten gemeldet, die mitmachen möchten, erläuterten die Aktionskünstler um Philipp Ruch am Dienstag in München, die als weitere Preise auch ein iPad und eine „Gedenktstättenfahrt nach Auschwitz“ ausgelobt haben. „Wir werden überrannt. Damit hatten wir nicht gerechnet.“ Die Gruppe, die sich auf der Aktionsseite als „Bayerisches Staatsministerium für Bildung, Kultur und Demokratie“ ausgibt und in erfundenen Beiträgen die Minister für Inneres, Joachim Herrmann, und Kultus, Ludwig Spaenle (beide CSU), zitiert, mussten sich in einer Pressekonferenz zur Aktion harscher Kritik stellen. Die Aktion könne bei den Jugendlichen falsche Vorstellungen wecken und sie in schwierige Situationen bringen, hieß es. Mehr noch: Kinder und Jugendliche, die womöglich glauben, sich tatsächlich an einer politischen Aktion zu beteiligen, werden sich zurecht reingelegt fühlen – und sich womöglich künftig auch von seriösem politischem Engagement fern halten.

Das „Zentrum für Politische Schönheit“  hatte bereits mehrfach mit provokanten Aktionen für Schlagzeilen gesorgt, unter anderem mit einer eBay-Versteigerung von Kanzlerin Angela Merkel. Im vergangenen Jahr sollten sich Flüchtlinge angeblich Tigern zum Fraß vorwerfen, falls der Visumszwang für Syrer, die mit dem Flugzeug einreisen wollen, nicht entfalle. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

Hier geht es zur Seite der Aktion.

Ein Kommentar

  1. Vielleicht ist es aber auch eine Kritik an der Masse an Schülerwettbewerben. Heutzutage gibt es doch schon so viele Wettbewerbe wie Schüler.

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