Startseite ::: Nachrichten ::: Mehr Hilfe für Brennpunktschulen in Niedersachsen

Mehr Hilfe für Brennpunktschulen in Niedersachsen

HANNOVER. Der Begriff spricht für sich: An Brennpunktschulen brennt es. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt reagiert nun auf Beschwerden von Eltern und Lehrern und schickt 20 zusätzliche Sozialarbeiter an ausgewählte Schulen. Bis 2021 sollen nach Plänen der Ministerin an allen Ganztagsschulen im Land Sozialarbeiter tätig sein. Zu langsam und zu wenig rüffeln Opposition und Bildungsexperten.

Nach Hilferufen von Eltern und Lehrern schickt das Land Niedersachsen 20 zusätzliche Sozialpädagogen an Schulen in sozialen Brennpunkten. Ziel sei es, die dort tätigen Lehrkräfte, Sozialpädagogen und Schulleitungen in ihrem schwierigen Job noch besser zu unterstützen, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Bei der Auswahl der Brennpunkte wurden statistische Daten wie die Arbeitslosenquote oder der Migrantenanteil berücksichtigt. Auch Erkenntnisse der Landesschulbehörde sowie der Akteure vor Ort flossen in die Entscheidung ein.

Schulen berichten von einem Klima der Verrohung und Gewalt. Nun will Niedersachsens Kultusministerin Heiligenstadt 20 zusätzliche Sozialarbeiter schicken. Foto: Martina Nolte / Wikimedia Commons (CC BY-SA-3.0 BY 2.0)

Schulen berichten von einem Klima der Verrohung und Gewalt. Nun will Niedersachsens Kultusministerin Heiligenstadt 20 zusätzliche Sozialarbeiter schicken. Foto: Martina Nolte / Wikimedia Commons (CC BY-SA-3.0 BY 2.0)

Das Land habe im vergangenen Schuljahr die soziale Arbeit mit 600 zusätzlichen Stellen an allgemeinbildenden Schulen deutlich ausgebaut, betonte Heiligenstadt. Den Anstoß gab unter anderem die Integration der Flüchtlingskinder. Zurzeit arbeiten der Ministerin zufolge 875 sozialpädagogische Fachkräfte in 698 Vollzeitstellen. 2015 waren es erst 207 Stellen im Landesdienst gewesen. Die Sozialpädagogen beraten Schüler und Eltern und bieten zum Beispiel Gewalt- und Suchtprävention an. Ihr Aufgabenspektrum regelt der neue Erlass «Soziale Arbeit in schulischer Verantwortung», der am 1. August in Kraft tritt.

Kritik kam von der Opposition im Landtag. CDU und FDP bemängelten, der Ausbau gehe nicht schnell genug. SPD und Grüne geben laut dem CDU-Schulexperten Jörg Hillmer nur einen Bruchteil dessen aus, was sie den Schulen versprochen haben. Insgesamt gebe es noch 2000 Schulen ohne Schulsozialarbeit im Land, sagte der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling. Nach Ministeriumsangaben sollen bis 2021 alle Ganztagsschulen mit Sozialpädagogen versorgt werden, bisher fehlen sie an Gymnasien noch weitgehend.

Von den 20 neuen Brennpunkt-Stellen gehen voraussichtlich fünf an die Stadtteile Mühlenberg/Ricklingen sowie Vahrenheide/Sahlkamp in Hannover. Unterstützt werden außerdem Schulen in Salzgitter, Braunschweig, Delmenhorst, Wilhelmshaven, Hildesheim, Lüneburg-Kaltenmoor, Emmerthal-Amelgatzen und Quakenbrück-Neustadt. Heiligenstadt zufolge handelt es sich teilweise um Brennpunkte, die schon seit den 1970er Jahren bestehen. Andernorts gebe es Probleme durch Zuwanderung im Rahmen der europäischen Erweiterung.

Im Frühjahr hatten sich Eltern und Lehrer der Grundschule Mühlenberg hilfesuchend an die Behörden gewandt und von einem Klima der «Verrohung und Gewalt» berichtet. Der Erziehungswissenschaftler Manfred Bönsch gehörte zu den Unterzeichnern eines Forderungskatalogs für Brennpunktschulen. «Wenn mehr als 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler Ausländer sind, ist Schule im herkömmlichen Sinne kaum noch zu realisieren», sagte der emeritierte Professor der Universität Hannover. Notwendig seien weit mehr Personal, kleinere Klassen und alternative Unterrichtsangebote, damit die Kinder erst einmal Deutsch lernen.

Die Berechnung von Lehrerstunden müsse an Brennpunktschulen um ein Drittel erhöht werden, forderte Bönsch. «Idealerweise sollten zudem die Lerngruppen auf zehn bis zwölf Kinder verkleinert werden.» Sinnvoll wären Doppelbesetzungen für diese Klassen, also dass eine Lehrkraft und ein pädagogischer Mitarbeiter ständig parallel arbeiteten. Mit Personalaufstockungen und einem sinnvollen Konzept habe sich auch die Berliner Rütli-Schule innerhalb von zehn Jahren von einem sozialen Brennpunkt zu einem Vorzeigeprojekt entwickelt, sagte der Professor. (dpa)

660 unbefristete Stellen im Landesdienst: Sozialarbeiter etablieren sich an Niedersachsens Schulen

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*