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So kann man die Unterrichtsversorgung auch sichern – Referendare müssen ab sofort in Sachsen-Anhalt schon nach vier Wochen eigenen Unterricht geben

HALLE. Fehlende Lehrer in den Klassenzimmern sorgen für eine Dauerdiskussion im Land. Sachsen-Anhalt bildet jetzt mehr Referendare aus – und lässt sie eher als bisher eigene Stunden halten. Der Grundschulverband sieht das kritisch.

Sachsen-Anhalt hat rund 150 neue Referendare eingestellt. Bildungsminister Marco Tullner begrüßte sie am Freitag bei einer feierlichen Vereidigung in Halle. «Ich habe großes Vertrauen in die Qualität der Ausbildung und in Ihre Fähigkeiten», sagte der CDU-Politiker laut Mitteilung. Die jungen Kollegen haben bereits einen Uni-Abschluss und werden in den kommenden 16 Monaten in den Schulen und im Seminar praktisch auf den Lehrerjob vorbereitet.

Auf die neuen Referendare kommen Veränderungen zu: Das Ministerium änderte die Regeln, ab wann sie in der Praxisphase auch selbstverantwortlich Unterricht geben: Statt nach mehreren Monaten beginnen die Referendare jetzt schon nach vier Wochen damit, Stunden auch ohne Begleitung durch einen erfahrenen Fachkollegen zu halten. Anfangs gehe es um bis zu acht, später um bis zu zehn Stunden, sagte ein Ministeriumssprecher. Daneben gebe es weiter Stunden, in denen die Referendare den Unterricht erfahrener Kollegen beobachten, um zu lernen – oder von ihren Betreuern vor der Klasse unterstützt werden.

Der Grundschulverband hatte die geänderte Praxis zuletzt mehrfach kritisiert. So würden junge Kollegen schon vor dem Ende ihrer Ausbildung verheizt, monierte Verbandschefin Thekla Mayerhofer. Sie wertete die Neuregelung als weiteren Kniff des Ministeriums, um die Unterrichtsversorgung trotz fehlender Lehrer schön zu rechnen.

Sachsen-Anhalt hat derzeit nicht genügend Lehrer, um das selbstgesteckte Ziel der schwarz-rot-grünen Regierung bei der Unterrichtsversorgung zu erreichen. Bis 2021 sollen 14 500 Vollzeitstellen besetzt sein. Weil vergleichsweise viele Kollegen in den Ruhestand wechseln, sind nach Schätzungen der schwarz-rot-grünen Koalition bis dahin bis zu 4000 Neueinstellungen nötig. Zuletzt waren 100 von 370 Stellen frei geblieben. Das Ministerium kündigte an, sie in den kommenden Wochen noch zu füllen und dazu unter anderem mit Referendaren, die kurz vor dem Abschluss stehen, im Gespräch zu sein.

Weil bundesweit mehr Pädagogen gesucht werden und es einen Wettbewerb zwischen den Ländern um neue Lehrkräfte gibt, bildet das Land verstärkt eigenen Nachwuchs aus. Laut Bildungsministeriums stieg die Zahl der Plätze für Referendare in diesem Jahr von 620 auf 780. Sie werden über das Jahr verteilt an verschiedenen Stichtagen eingestellt. Nächstes Jahr soll es noch einmal 50 mehr geben. Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) hatte zuletzt im Sommer angekündigt, auch die Zahl der Studienplätze zu erhöhen. dpa

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