KIEL. 81 Prozent der Norddeutschen befürworten die Notenvergabe an Grundschulen und das neunjährige Gymnasium – das geht aus einer Befragung zum Schulsystem des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap hervor. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) teilt diese Einstellungen nicht. Im Hinblick auf die Benotung von Grundschülern hält die Gewerkschaft es nach eigenen Angaben „nach wie vor für richtig, aus pädagogischen Gründen an Grundschulen auf Ziffernnoten zu verzichten“. Nicht immer lägen große Mehrheiten richtig, so die GEW.
„Menschen orientieren sich bei der Beurteilung bildungspolitischer Fragen meistens an dem, was sie kennen, an ihrer eigenen Schulzeit. Daher verwundert es nicht sonderlich, dass die ganz große Mehrheit Ziffernnoten in der Grundschule behalten will. Dem steht aber fast der gesamte wissenschaftliche Sachverstand von Pädagogen, Grundschullehrkräften, Hirnforschern und Lernpsychologen entgegen“, sagt der schleswig-holsteinische GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn. Für die Fachleute sei nämlich klar, dass Kinder bis zur Pubertät ohne Ziffernnoten besser lernten.
Heidn wies darauf hin, dass in der Schule der Wille, etwas wissen zu wollen, und der Spaß am Lernen im Mittelpunkt stehen sollten. Für die Motivation der Kinder seien diese Antriebsfedern wesentlich wichtiger als der Wunsch nach Noten. „Kinder müssen lernen, sich für sich selbst anzustrengen und nicht nur für gute Noten.“ Ziffernnoten gaukelten außerdem eine Schein-Objektivität vor und ließen keinen Platz für differenzierte Rückmeldungen zu den Lernleistungen der Kinder.
Im Hinblick auf die Auseinandersetzung um G 8/G 9 mag die GEW der großen Mehrheit der Befragten, die sich zu 83 Prozent eine neunjährige Gymnasialzeit wünscht, ebenfalls nicht folgen. Heidn: „Wir halten die Lösung in Schleswig-Holstein, G 8 über die Gymnasien und G 9 über Gemeinschaftsschulen (wenn diese keine Oberstufen haben zum Beispiel auch in Kooperation mit beruflichen Gymnasien) für einen gangbaren Weg, der an den meisten Schulen auch zu funktionieren scheint.“
