Realschullehrer fordern mehr Hilfe, um wachsendem Extremismus begegnen zu können: „Demokratie-Erziehung in Schulen wichtiger denn je“

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MÜNCHEN. Der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) hat eine stärkere Unterstützung der Schule bei der Demokratie-Erziehung angemahnt – einer Schlüsselaufgabe, um Extremismus in jeder Richtung vorzubeugen und entgegenzutreten, ob nun politisch oder religiös motiviertem. „Es ist unsere wichtigste Aufgabe, insbesondere den  Heranwachsenden die Grundwerte zu vermitteln, die unsere Gesellschaft ausmachen“, erklärte VDR-Vorsitzender Jürgen Böhm mit Blick auf die zunehmende politische Gewalt in Deutschland. Dies sei eine wesentliche Herausforderung, die auf die Bildungspolitik im neuen Jahr zukomme.

Herzstück der deutschen Demokratie: der Bundestag. (Foto: Deutscher Bundestag/Marc-Steffen Unger)
Herzstück der deutschen Demokratie: der Bundestag. (Foto: Deutscher Bundestag/Marc-Steffen Unger)

„Wer unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft bewahren und weiterentwickeln möchte, muss angesichts der aktuellen Situation in unserem Land unbedingt auf demokratisch fundierte Werte, Normen und Verhaltensweisen setzen“, erklärte Böhm.  „Dabei müssen klare demokratische Verhaltensnormen eingefordert werden – extremistischen Bestrebungen und Äußerungen muss auch an den Schulen klar begegnet werden“, sagte der Verbandschef.

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Bereits im vergangenen Jahr hätten die Schulen die mit der Flüchtlings- und Migrantenintegration einhergehenden großen Herausforderungen meistern müssen – die Rahmenbedingungen hierfür müssten dringend verbessert und die Lehrkräfte „ mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ unterstützt werden. Böhm: „Die Lehrer benötigen eine eindeutige gesamtgesellschaftliche Unterstützung bei ihrer Tätigkeit. Die Zukunft unseres Landes hängt wesentlich von einer gelingenden Bildungs- und Erziehungsarbeit ab.“ Hierbei komme den Bereichen der Werte- und Demokratie-Erziehung ein besonders hoher Stellenwert zu. Das Vermitteln demokratischer Normen müsse im Fokus stehen, so die Forderung des VDR-Bundesvorsitzenden, um die Jugendlichen mit entsprechendem Wissen und Fähigkeiten auszustatten, die sie selbstbewusst ihren Lebensweg meistern ließen. „Charakterlich gestärkte und zielorientierte Jugendliche sind weniger anfällig für politischen oder religiösen Extremismus und Gewalttaten“, konkretisiert Böhm.

Die individuelle Förderung der jungen Menschen müsse bei deren Ausbildung immer am wichtigsten sein. Ebenso wichtig seien Wertschätzung und Anerkennung der unterschiedlichen Leistungen der Menschen – zentraler Baustein einer demokratischen Kultur in Deutschland müsse endlich eine Anerkennungskultur werden, die akademische und berufliche Bildung gleich wertschätzte und Erfolge der beruflichen Ausbildung entsprechend berücksichtige.

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„Auf die Herkunft der jungen Menschen bezogen darf es keine Rolle spielen, ob es sich um Kinder oder Jugendliche mit Migrationshintergrund handelt oder um Jugendliche mit deutschen Eltern. Heranwachsende in unserem Land  brauchen Anerkennung, Erfolg, Zukunft und Selbstbewusstsein. Dieses demokratische Selbstbewusstsein, verbunden mit einem klaren  Wertekanon, muss die Basis für unsere moderne, wissensorientierte, freiheitliche Gesellschaft bilden. Dabei dürfen das Geschlecht, die Religion oder die individuelle Einstellung des Einzelnen keine Rolle spielen“, so Böhm, der dann auch noch für die Realschule (und damit für das gegliederte Schulsystem) eine Lanze brach.

Die Bildungspolitik in Deutschland müsse „die kontraproduktiven Schulstrukturreformen beziehungsweise den mitunter wahnwitzigen Reformismus in den Schulen stoppen“ und die Vielfältigkeit des deutschen differenzierten und föderalen Schulsystems anerkennen. Dabei rücke die große Bedeutung der beruflichen Bildung zunehmend in den Fokus. „Der Schlüssel für ein erfolgreiches Berufsleben liegt nicht ausschließlich in einer Akademisierung, einer quantitativen Betrachtung von Schulabschlüssen und dem damit einhergehenden Druck, mit dem viele Jugendliche konfrontiert werden. Er liegt gerade auch in der Vielfältigkeit beruflicher Bildung“, führte Böhm aus.  Letztlich seien im differenzierten Bildungswesen die unterschiedlichen Schulabschlüsse  („ sofern sie mit einer entsprechenden Qualität hinterlegt sind“) das „Sprungbrett für eine vielversprechende Karriere und persönliche Zufriedenheit“. N4t

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22 KOMMENTARE

  1. „Es ist unsere wichtigste Aufgabe, insbesondere den Heranwachsenden die Grundwerte zu vermitteln, die unsere Gesellschaft ausmachen“
    Wirkungsvoller und für Schülerinnen und Schüler überzeugender wäre eine Volksschule, welche demokratische Grundwerte im Schulalltag umsetzt. Dazu braucht es entsprechende Rahmenbedingungen und Grundsätze. z.B.: Jedes Kind ist wichtig, ein Kind darf nicht beschämt werden, niemand darf auf der Strecke bleiben. Vermeiden von Diskriminierungen und Stigmatisierungen.

    • Bernie, das ist doch Traumtänzerei. Kinder von hinten bis vorn verwöhnen, Steine aus dem Weg räumen, mit Wohltaten überhäufen, für jede Kleinigkeit loben usw. sorgt für geringes Selbstvertrauen (weil nicht selbst verdient) und eine übersteigerte Erwartungshaltung, letztendlich wird für eine gewisse Lebensuntüchtigkeit gesorgt.
      Dass Diskriminierungen und Stigmatisierungen nicht nur vermieden, sondern strikt bekämpft werden müssen, versteht sich von selbst.

        • Doch, im Satz “Jedes Kind ist wichtig, ein Kind darf nicht beschämt werden, niemand darf auf der Strecke bleiben.”, der in der Praxis auf Verwöhnung, sofortige Erfüllung aller Wünsche, insbesondere für technische Geräte. Auf der Strecke kann ein Kind auch in dieser Hinsicht bleiben, weswegen es auf dem Schulhof beschämt und stigmatisiert werden kann.

          • Das ist nur eine Interpretation.

            “Doch, im Satz “Jedes Kind ist wichtig, ein Kind darf nicht beschämt werden, niemand darf auf der Strecke bleiben.”, der in der Praxis auf Verwöhnung, sofortige Erfüllung aller Wünsche, insbesondere für technische Geräte.”

            Es handelt sich bei der Forderung um die Einhaltung von Menschenrechten.
            Das Sie es anders erleben, sei Ihnen unbelassen.

          • Im Satz “Jedes Kind ist wichtig, ein Kind darf nicht beschämt werden, niemand darf auf der Strecke bleiben” steckt Verwöhnung?

            Das Gegenteil wäre dann logischerweise aus Ihrer Sicht richtig? Hieße dann: Nicht jedes Kind ist wichtig (welche denn nicht?), ein Kind darf beschämt werden und manche dürfen ruhig auf der Strecke bleiben – sehen so Ihre pädagogischen Grundsätze aus?

  2. Ja, jedes Kind ist wichtig. Deswegen muss jedes auch möglichst leistungs- und lebenstüchtig erzogen werden. Wie das geschehen soll oder kann, darüber lässt sich streiten. Ich bin inzwischen jedenfallks geheilt von lieblichen Tönen, die in Richtung Erleichterungs- und Verwöhnungspädagogik gehen, weil sie Kinder schwach halten statt stark machen.
    Vielleicht habe ich Bernie tatsächlich in diese Richtung missverstanden. Wenn ja, möge er mir bitte verzeihen.

  3. Merkwürdig, dass weder im Artikel noch hier im Forum jemand sagen will, worin diese “Grundwerte, die unsere Gesellschaft ausmachen”, eigentlich genauer bestehen. Auch Formulierungen wie “demokratisch fundierte Werte, Normen und Verhaltensweisen, klare demokratische Verhaltensnormen” erklären ja eigentlich nichts. Soll über Werte und Verhaltensnormen jeweils von Zeit zu Zeit abgestimmt werden? Es wird gesagt, dass “Geschlecht, die Religion oder die individuelle Einstellung des Einzelnen” keine Rolle spielen sollen. Die “demokratischen Grundwerte” von Bernie sind auch kein klarer Begriff. Ist das Grundgesetz als ganzes gemeint? Nur das Grundgesetz ist etwas einigermaßen Präzises. Leider wird auch dort nicht festgelegt, was etwas die Ausübung von Religion genau bedeutet und wo deren Grenzen sind. Wann darf man Politik als Religion deklarieren? Die sozusagen “negative” Definition als Negation und Ablehnung von Extremismus taugt wohl auch nicht, denn was ist Exxtremismus nun genau? Sind ernstgenommene Religionen nciht immer etwas extremistisch? Von Demokratie ist in keiner Heiligen Schrift die Rede, die Heiligen Schriften sind vordemokratisch.
    “Demokratie” ist zunächst einmal eine Staatsform, wir meinen damit auch die Gewaltentrennung in Exekutive, Legislative und Judikative. Welche politische Strömung letztlich regiert, wird in Wahlen festgelegt, aber doch nicht vorab in der Erziehung oder in der Schule. Was das mit “Beschämen” zu tun haben soll, verstehe ich nicht, “Ausgrenzung, Mobbing” usw. verstehe ich. Man kann aber auch lesen, dass das laute Vorlesen in der Grundschule abgeschafft oder eingeschränkt wurde, um diejenigen, die das nicht können, nicht zu beschämen, ebenso Diktate und vielleicht auch Kopfrechnen, sogar das auswendig zu könnende kleine 1×1. Das hat doch mit Demokratie nichts zu tun. Über das Schulsystem, über die Anforderungen in der Schule usw. müsste eigentlich mal demokratisch abgestimmt werden. Aber nur in der Schweiz geht sowas.
    Fazit: Neuerdings ist es Mode geworden, Demokratie-Erziehung zu fordern, so als ginge das so ähnlich wie Hygiene-Erziehung. Etliche Politiker, Gewerkschafter, Verbandsfunktionäre üben sich im Postulieren, ohne präzise zu sagen, was sie meinen. Jetzt fehlt nur noch, dass Demokratie als Kompetenz deklariert wird.

    • Was wir wollen
      Die Demokratie besteht nicht nur aus Verfassung, Parlament und Wahlen. Sie ist eine kreative Gesellschaftsform, wenn Menschen sich dafür engagieren, politische und soziale Probleme anzupacken und die Welt mitzugestalten. Sie lebt von Diskurs und Kritik, Gestaltungsmöglichkeiten und Beteiligung.
      Partizipation ist für uns daher ein elementares demokratisches Prinzip. Grundlage demokratischer Entscheidungsprozesse muss die Beteiligung aller Betroffenen sein – das gilt besonders für Kinder und Jugendliche. Unsere Demokratie hat nur eine Zukunft, wenn sie dem Wunsch nachwachsender Generationen nach echten Mitgestaltungsmöglichkeiten entspricht.
      Hier sind die Institutionen gefordert. Schule, Jugendeinrichtungen und das übrige Gemeinwesen müssen dafür sorgen, dass eine Beteiligungskultur entstehen kann. Nur wenn Demokratie als Gesellschafts- und Lebensform erfahrbar wird, ist ihre Verfassungsordnung zukunftsfähig. Nur wenn Demokratie als Lebensentwurf überzeugt, haben ihre Gegner keine Chance.
      Aus:
      http://degede.de/index.php
      Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e V

      Schülerinnen und Schüler erleben, dass sich Lehrerinnen und Lehrer ihrer Schule vorbehaltlos an bestimmte Werte halten, diese im Schulalltag durchsetzen, zur Diskussion stellen und weiter entwickeln.
      Beispiel: Lernende und Lehrpersonen bestimmen gemeinsam einen aktuellen thematischen Schwerpunkt für einen definierten Zeitraum. ,An der Schule X. werden alle Lernenden ernst genommen’. In regelmässigen Klassenrunden können alle ihre Erfahrungen und Vorschläge mitteilen.

      • Alles gut und schön, aber was bedeutet “sich vorbehaltlos an bestimmte Werte halten” ? Die Werte müssen doch irgendwie definiert werden. Ihr Beispiel betrifft ein “gemeinsames” Agieren, aber was ist, wenn es keine Gemeinsamkeit gibt, sondern eine Aufteilung 50:50 in die einen und die anderen?
        Es wurde mal irgendwo berichtet, ein Schüler hat ein Referat zum Nahost-Konflikt gehalten, und das fiel nicht so aus, wie sich eine Gruppe anderer das gewünscht hat. Also wurde der Referent von den anderen später verprügelt, obwohl er selber unschuldig ist an diesem Konflikt. Die Werte müssten so aussehen, dass genau das NICHT geschieht, egal wie man den Nahost-Konflikt politisch bewertet. Streit ja, aber mit Worten. Und genau das scheint doch der Knackpunkt zu sein.
        Gerade heute wird berichtet, dass eine kleine Demonstration (aus aktuellem Anlass) gegen Antisemitismus in Berlin-Neukölln wegen Gewalt abgebrochen werden musste:
        https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/lage-zu-bedrohlich-kleine-aktion-gegen-antisemitismus-in-berlin-nach-15-minuten-abgebrochen-a2410222.html
        Wo sind da nun unsere Werte? Es geht doch um die Behandlung von Konflikten, nicht um die Parteinahme in solchen. Das Faustrecht des Stärkeren wie bei den Neandertalern, das wollen wir nicht mehr. Früher sprach man mal von “anständigem Benehmen”. Ich vermisse einfach klare Worte dazu.

  4. Noch wichtiger als klare Worte sind klare Visionen und deren konkrete Umsetzungen. Ein gelungenes Beispiel liefert die Rütlischule in Berlin:
    Vor acht Jahren war die Rütlischule in Berlin ein Symbol des Scheiterns. Heute kann sie eine Erfolgsgeschichte vorweisen. Die ersten haben am neuen “Campus Rütli” Abitur gemacht.

    Rütlischule – das stand für Gewalt unter Schülern und gegen Lehrer, misslungene Integration. Die Lehrer klagten in einem Brandbrief: das Modell Hauptschule sei dem nicht gewachsen. Die Medienpräsenz war groß und hatte durchschlagenden Erfolg.
    Aus der Hauptschule wurde der „Campus Rütli” – ein Verbund von Kitas, einer Gemeinschaftsschule von der ersten Klasse bis zum Abitur und Freizeiteinrichtungen. Innovative Lernkonzepte hielten Einzug, neue Lehrer, zum Teil mit Migrationsgeschichte, eingestellt – und zusätzlich andere pädagogische Fachkräfte.
    Zudem gibt es Angebote wie gemeinsame Schulspeisung und musikalische Erziehung. Es wurde Geld investiert von staatlicher Seite und von privaten Stiftungen. Auch das gehört zum Erfolgsgeheimnis des Campus Rütli, das weiß man hier, aber eben auch: Geld ist nicht alles. Die Lehrer des Campus Rütli wünschen sich mehr Wertschätzung für Schulen in Brennpunktbezirken. Denn die hätten mehr Potenzial, als bisher wahrgenommen wird. Die Schüler sind ganz anders motiviert. Und einige der Neu-Abiturienten wollen jetzt selbst Lehrer werden.
    Aus:

    • “klare Visionen”
      Ich glaube nicht, dass die Sache mit der Rütli-Schule viel mit Visionen zu tun hat, und mit Klarheit schon gar nicht. Ich will hier nicht Helmut Schmidt bemühen, der angeblich gesagt hat “wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen”. Nein, die Geschichte ist in Wahrheit etwas komplizierter und wird hier recht glaubhaft geschildert:
      https://www.tagesspiegel.de/berlin/schulen-in-sozialen-brennpunkten-was-hat-berlin-aus-dem-ruetli-brandbrief-gelernt/13309852-all.html
      Unsere “demokratischen Werte” wurden nämlich derart mit Füßen getreten (aber von Schülern, nicht von Lehrern), dass ein Brandbrief an die Schulbehörde geschickt wurde. Vier Wochen lang blieb er ohne Reaktion, dann hat sich ein mutiver Mann von der GEW für eine Veröffentlichung in der Presse eingesetzt. Eigentlich ist das verboten, man muss doch den Dienstweg einhalten. Und nur mit diesem Presserummel kam Bewegung in die Sache. Hochrangige Politiker wurden darauf aufmerksam, und plötzlich war auch Geld da.
      In dem Link werden andere Schulen in der weiteren Umgebung benannt, die trotz Brandbrief nichts abbekamen und von der Schulverwaltung eher noch schikaniert werden wegen schlechter Evaluation. Solche Evaluation hat den Brennpunktschulen mit ihrem katastrophalben Alltag gerade noch gefehl! Von wegen “klare Visionen”.
      Die Rütli-Schule dagegen bekam viel Geld und hat jetzt auch einen Wachschutz. Wer sich allzu schlecht benimmt, bekommt es also mit den Sheriffs zu tun. Als man den kürzlich bei der Spreewald-Grundschule in Berlin anheuern musste, haben die übergeordneten Behörden gesagt, sie würden das nicht bezahlen, es sei nicht nötig. Aber nötig war es nach Meinung der Schulleitung.
      Was soll das jetzt mit Visionen zu tun haben? Ich würde eher von “Vorzeigeprojekt” sprechen. Solche Vorzeigeprojekte sind bei Politikern beliebt, weil sie sich damit nebenbei auch wichtig machen können. Das ist so richtig geeignet zum Zitieren in Sonntagsreden. Da gibt es ein paar wunderbare Gesamtschulen und sogar eine Vorzeige-Hauptschule.
      Das vorher diskutierte Thema mit der Frage “wie werden denn unsere Werte nun genau bestimmt?” bekommt dadurch jedenfalls keine Klärung. Wie steht es damit, bernie ?

  5. ‘Realschullehrer fordern mehr Hilfe, um wachsendem Extremismus begegnen zu können: „Demokratie-Erziehung in Schulen wichtiger denn je“
    Realschullehrer/innen fordern mehr Hilfe, um dem wachsenden Extremismus begegnen zu können. Es geht darum, dass betroffene Lehrpersonen mit ihren Schwierigkeiten ernst genommen werden von den verantwortlichen Stellen, angehört werden, und entsprechend klassen- und schulbezogene Unterstützung erhalten. Anhand von konkreten Beispielen und Konfliktsituationen werden Werte-Diskussionen in den Hintergrund treten.

    • Also jetzt verstehe ich überhaupt nicht mehr, wie Sie argumentieren. Ganz oben im ersten Eintrag steht was von “demokratischen Grundwerten im Alltag”, die Sie einfordern. Zwischendurch wird das bekräftigt mit Formulierungen wie: “… dass sich Lehrerinnen und Lehrer ihrer Schule vorbehaltlos an bestimmte Werte halten, diese im Schulalltag durchsetzen, zur Diskussion stellen und weiter entwickeln.”
      Dann sind auf einmel “klare Visionen” das Wichtigste, und im letzten Eintrag schreiben Sie was von “klassen -und schulbezogener Unterstützung”, womit dann die Werte-Diskussionen in den Hintergrund treten.
      Alles klingt so merkwürdig wischiwaschi. Wenn von Werten die Rede ist, muss auch klar sein, welche das sind. Sie können nicht irgendwelchen Zufallskonstellationen anheim gegeben werden. In einer Klasse mit überwiegendem Araberanteil dürfen keine anderen Werte gelten als in einer mit überwiegendem Russen- oder Deutschenanteil. Welche konkreten Werte meinen wir? Die Abschaffung des Faustrechts des Stärkeren gehört vielleicht doch dazu. Hier haben bereits Leute vom VBE ein besseres Benehmen und einen anderen Umgangston gefordert (weg von der aggressiven Gossen- und Fäkaliensprache). Das gehört vielleicht auch zu unseren Werten. Aber niemand im Forum hat bisher was dazu geschrieben, merkwürdig:
      http://www.news4teachers.de/2016/11/wir-erleben-eine-aggressivitaet-eine-sprache-des-hasses-vbe-fordert-einen-besseren-umgangston-nicht-nur-in-der-schule/

  6. Realschullehrer/innen fordern mehr Hilfe: Es geht darum, dass die Lehrpersonen möglichst konkret formulieren, was sie unter ‘Hilfe’ verstehen, wo der grösste Leidensdruck besteht, um den Schulalltag konstruktiv gestalten zu können. Es geht darum, deren berufliche Situation ernst zu nehmen und entsprechende unterstützende Szenarien klassen-und schulbezogen zu klären und bereit zu stellen. Im Sinne von Soforthilfe.

    • Aber von den Werten ist im Artikel doch explizit die Rede:
      “„Es ist unsere wichtigste Aufgabe, insbesondere den Heranwachsenden die Grundwerte zu vermitteln, die unsere Gesellschaft ausmachen“, erklärte VDR-Vorsitzender Jürgen Böhm.”
      Dann muss man doch wissen, welche diese Werte sind, und sie können auch nicht in unterschiedlichen Kontexten allzu unterschiedlich ausgelegt werden. Dieser Frage sind Sie nur ausgewichen, ich hatte Ansätze angeboten (bei Konflikten reden statt prügeln, Sprache, Benehmen). Ich denke, ein Verzicht auf jede Art von Selbstjustiz gehört auch dazu, auch bei angeblichen Beleidigungen.

  7. Der Begriff Demokratie kommt aus der griechischen Sprache und bedeutet “Herrschaft des (einfachen) Volkes”. Die antiken “Demokratien” in Athen und Rom stellen Vorläufer der heutigen Demokratien dar und entstanden wie diese als Reaktion auf zu grosse Machtfülle und Machtmissbrauch der Herrscher. Aus:https://demokratie.geschichte-schweiz.ch/definition-demokratie.html
    Demokratische Schule ist ein Begriff für eine spezielle Form von Alternativschulen, die folgende Kriterien erfüllen:
    Es gibt bewusst keinen für alle Schüler verbindlichen Lehrplan.
    Möglichst viele Belange des schulischen Zusammenlebens werden basisdemokratisch geregelt, wobei jedes Mitglied der Schulgemeinschaft eine Stimme hat.
    Jeder Schüler kann sich frei in der Schule bewegen, solange er die Freiheit anderer nicht einschränkt oder gegen von der Gemeinschaft beschlossene Regeln verstößt.
    Aus:https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratische_Schule
    ‘Dann muss man doch wissen, welche diese Werte sind, und sie können auch nicht in unterschiedlichen Kontexten allzu unterschiedlich ausgelegt werden’.
    Aus meiner beruflichen Erfahrung mit Kollegien weiss ich, dass Arbeit am Wertsystem eines Kollegiums nur möglich ist, wenn das – meistens unausgesprochene Wertsystem – zuerst offen gelegt wird, jede Lehrperson ihre Meinung äussern kann. Dabei können beachtliche Haltungsunterschiede zutage treten.
    Es geht darum, dass jedes Kollegium sein Wertsystem basisdemokratisch definiert, mit dem sämtliche Kolleginnen und Kollegen einverstanden sind. Je nach Ort und sozialem Kontext, können die Wertsysteme voneinander abweichen.
    Beispiel:Schule mit hohem Anteil an Flüchtlingen versus Schule in einem Villenviertel.

    • Naja, in der antiken Demokratie durften Frauen und Sklaven natürlich nicht wählen, und die Sklaven haben ja wohl die Hauptarbeit geleistet. Darüber hinaus schreibt Wikipedia:
      “Durch ein von Perikles eingebrachtes Bürgerschaftsgesetz war seit 451 v. Chr. dafür gesorgt, dass der Kreis derjenigen, die als Bürger in politische Ämter gelangen und Diäten empfangen konnten, auf diejenigen begrenzt blieb, die sowohl väterlicher- wie mütterlicherseits von Athenern abstammten.”
      Heutzutage würde es als “rassistisch” gelten, die Herkunft auch nur zu erwähnen.

      Die “demokratische Schule” a la Summerhill jetzt aus der Versenkung wieder auftauchen zu lassen, das halte ich in dem oben diskutierten Zusammenhang doch für unrealistisch. Wo waren die Erfolge, wie sind die Perspektiven? Gehört das nicht ins Wolkenkuckucksheim?

      “Es geht darum, dass jedes Kollegium sein Wertsystem basisdemokratisch definiert, mit dem sämtliche Kolleginnen und Kollegen einverstanden sind. Je nach Ort und sozialem Kontext, können die Wertsysteme voneinander abweichen. Beispiel: Schule mit hohem Anteil an Flüchtlingen versus Schule in einem Villenviertel.”
      Das finde ich aber höchst befremdlich. Ist das Ihr Ernst? Das sind nicht die (EU-weiten) Werte, von denen unsere Politiker immer sprechen (Merkel, Macron, Steinmeier, auch M.Schulz).
      Jede Schule mit anderen Werten, je nach Zusammensetzung des Kollegiums? Wenn es eine Mehrheit von kopftuchtragenen Schülerinnen und Lehrerinnen gibt, dann gehört plötzlich das Kopftuch zu “unseren Werten” ? Wenn genügend viele türkische Nationalisten dabei sind, dann übernehmen wir deren Werte als “unsere” (großtürkisches Reich, turanische Rasse usw.) ? Wenn genügend viele deutsche Nationalisten dabei sind, dann kommen die alten Nazi-Werte noch mal als recycling (Ehre, Kameradschaft, Vaterland usw.) ? Wenn die konservativen Christen den Ton angeben, dann definiert das unsere Werte und das Kruzifix wird wieder aufgehängt? Im Villenviertel gehört dann ggfs. das Golfspielen zu den unverzichtbaren Werten, weil es der Gemeinschaft der Wohlhabenden dienlich ist?
      Wenn Sie schreiben “mit dem sämtliche Kolleginnen und Kollegen einverstanden sind”, dann ignorieren Sie den zu erwartenden Standard-Fall, dass man sich eben nicht einstimmig (!) auf gemeinsame Werte einigen kann. Das ist doch auch in der EU das Problem bei der sog. Flüchtlingsfrage. Oder es bleiben nur ein paar Selbstverständlichkeiten übrig, so wie in der Politik auch.
      Schon bei der Frage, ob ein anständiges Benehmen von Schülern zu den Werten zählt oder nicht, wird es kaum Einigkeit geben. Das dürfte zu noch weiterer Nachgiebigkeit gegenüber denjenigen führen, die irgendwelche verqueren Werte hier etablieren wollen. Beispiel: Beschimpfung von Mädchen wegen angeblich nicht sittenstrengen Verhaltens, Beschimpfung von Juden wegen der Israel-Politik. Was passiert überhaupt mit Leuten, die die Werte nicht akzeptieren?

      Was meinen die anderen? Sind unsere “demokratischen Werte” derart relativ und den lokalen Gegebenheiten preisgegeben wie Bernie meint? Ich dachte eigentlich, die Werte müssten übergeordnet und im ganzen Land dieselben sein. Maßgeblich dürfte das Grundgesetz sein, das nicht verhandelbar ist. Freilich ist es leichter von Werten zu reden als sie zu definieren. Aber im obigen Artikel klingt der Anspruch an: “… die Grundwerte zu vermitteln, die unsere Gesellschaft ausmachen”, erklärte VDR-Vorsitzender Jürgen Böhm. Man muss also wissen, was man da vermitteln soll.

      • “Realschullehrer fordern mehr Hilfe, um wachsendem Extremismus begegnen zu können: „Demokratie-Erziehung in Schulen wichtiger denn je“:
        Was verstehen die betroffenen Realschullehrer/innen unter Demokratie-Erziehung?
        Welche zusätzlichen Hilfen brauchen sie in ihrem anspruchsvollen Schulalltag?
        Antworten direkt betroffener Lehrpersonen führen weiter. Lehrpersonen werden ernst genommen.

      • Die Diskussion dreht sich im Kreis. Bislang scheint der Stand zu sein: “Extremismus ist das, was unsere Werte verletzt, unsere Werte sind als Gegenteil von Extremismus definiert.” Diese Zirkeldefinition eignet sich für politische Sonntagsreden, bei denen das Volk gar nicht merkt, dass es verarscht wird.

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