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Eisenmann nimmt (jetzt auch) Eltern in die Verantwortung: Erziehungspflicht nicht auf die Lehrer abwälzen!

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FELLBACH. Kinder, die sich nicht altersgerecht verhalten, belasten die ohnehin stark geforderten Lehrer zusätzlich. Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann erinnert die Eltern an ihre Pflichten (nachdem sie zunächst die Grundschullehrer für das schlechte Abschneiden des Bundeslands beim IQB-Vergleichstest verantwortlich gemacht hatte).

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann erinnerte Eltern an ihre Erziehungspflicht. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz, hat in der Debatte um die Unterrichtsqualität und wachsende Herausforderungen für die Lehrer an die Eltern appelliert, nicht immer mehr Aufgaben an die Schulen abzugeben. Eltern seien nicht nur erziehungsberechtigt, sondern auch erziehungsverpflichtet, sagte Eisenmann am Montag bei einer Fachtagung in Fellbach und erntete dafür Beifall von den 250 Teilnehmern.

Als sie in die erste Klasse gekommen sei, habe sie schwimmen, Radfahren und Rollschuhlaufen können, sagte Eisenmann. Das sei heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Für auffälliges Verhalten von Kindern würden zunehmend die Lehrer verantwortlich gemacht. Eltern handelten oft nach dem Motto: «Macht mal und zwar so, dass das Kind nicht frustriert wird.»

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Eisenmann zum IQB-Debakel: Nur mehr Geld in die Grundschulen zu stecken, nützt nichts – es sind vor allem die Methoden!

Das ist Wasser auf die Mühlen der Lehrer. «Wir begrüßen, dass Frau Eisenmann so deutlich auf die Verantwortung der Eltern hinweist», sagte der Grundschulrektor Michael Gomolzig, Sprecher des VBE-Landesverbands. Mit den Rechten der Eltern seien eben auch Pflichten verbunden. Der Ausbau der Ganztagesschulen führe überdies dazu, dass Mütter und Väter Zuständigkeiten verstärkt an die Schulen übergeben. Als Beispiel nannte Gomolzig die Beschwerde einer Mutter, die darauf bestand, dass die Lehrerin ihrer Tochter das Binden der Schnürsenkel der Sportschuhe abnimmt. Auch das Argument, dass es nicht Aufgabe der Lehrerin sein könne, 28 Schülern beim Schuhe Anziehen zu helfen, habe die Frau nicht überzeugt.

Im eigenen Unterricht erlebe er immer häufiger, so Gomolzig, dass Schüler ihr Material nicht mitbrächten. Er frage sich, wie er mit einer Klasse Fortschritte erreichen solle, wenn ein Fünftel den Füller, das Lineal oder ein anderes erforderliches Utensil regelmäßig nicht dabei habe. Neben einer Qualitätsoffensive tue auch eine Erziehungsoffensive Not, unterstrich Gomolzig.

Die Grundschullehrer sollen schuld sein? Das IQB-Desaster spiegelt vor allem eins: die völlig vermurkste Inklusion!

Für Eisenmann ist auch wichtig, dass die Eltern die Leistungsfähigkeiten ihrer Kinder richtig einschätzen. In Heidelberg und Tübingen besuchen 78 beziehungsweise 72 Prozent der Kinder nach der vierten Klasse ein Gymnasium. Nach Worten Eisenmanns wechseln bei solchen Übergangsquoten auch etliche Kinder in den Klassen 6,7,8 auf eine andere Schulart. Das werde immer als ein «Runterwechseln» empfunden – obwohl es darum gehe, dass ein junger Mensch eine seiner Begabung entsprechende Schule besuche.

Die Diskussion um die Unterrichtsqualität hat durch die Veröffentlichung des jüngsten IQB-Viertklässlervergleichs vor zehn Tagen neue Nahrung bekommen – Baden-Württemberg ist dabei abgestürzt. In einer ersten Reaktion hatte Eisenmann die (Grundschul-)Lehrer verantwortlich gemacht, jedenfalls indirekt. Sie hatte erklärt, es nütze nichts, nur mehr Geld in die Schulen zu stecken – neue Unterrichtskonzepte müssten her. Der VBE wies diese “Schuldzuweisung” zurück. “Ganz im Gegenteil: Würden Lehrkräfte nicht in großer Zahl über das geforderte Maß hinaus arbeiten, würde Baden-Württemberg wirklich einen der letzten Plätze im bundesweiten Vergleich einnehmen“, meinte VBE-Landeschef Gerhard Brand. News4teachers / mit Material der dpa

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