Berlin weiß kaum, wohin mit all den vielen Schülern – Bildungsministerin Scheeres erprobt jetzt Schulneubauten im Schnellverfahren

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BERLIN. Die Hauptstadt wächst und braucht in den kommenden Jahren Zehntausende neue Schulplätze. Neue Schulen sollen deswegen deutlich schneller hochgezogen werden – aber wie?

In der Kritik: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft
Kümmert sich ab sofort auch ums Bauen: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Berlin will dringend benötigte neue Schulen in der Hälfte der Zeit planen und bauen. Der Senat erprobt das derzeit an zehn Schulen, die ersten Bauarbeiten sollen 2018 beginnen. «Wir müssen einfach schneller werden, sonst wird uns das nicht gelingen, mit den wachsenden Schülerzahlen zurecht zu kommen», sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

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Das Modellprojekt setzt etwa auf schnellere Architekturwettbewerbe, vorgefertigte Wandelemente und testet an einigen Schulen die Holzbauweise. Ein Generalplaner soll Genehmigungen für gleich sechs Schulgebäude einholen. Auch den Bau könnte ein Generalunternehmer übernehmen. «Ob einer für alle Standorte oder mehrere, das ist noch offen», sagte Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke).

Weil viele Menschen zuziehen und mehr Kinder geboren werden, braucht die Hauptstadt neue Schulen. Der Senat hat für Neubau und Sanierung 5,5 Milliarden Euro bis 2026 bereitgestellt. Insgesamt sollen mehr als 50 neue Schulen mit rund 26.400 Plätzen gebaut werden. Erweiterungsbauten sollen weitere knapp 34.000 Plätze bringen.

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Bisher habe man für die Planung und den Bau einer Schule zehn Jahre gebraucht, sagte Scheeres. Nun sollten die Zeiten halbiert werden. Zu den zehn Modellprojekten zählen etwa eine integrierte Sekundarschule in Mahlsdorf (Bezirk Marzahn-Hellersdorf) und eine Grundschule in Lichtenberg, die aus Holz gebaut werden. Dort sollen die erste Spatenstich 2018 sein, die Übergabe dann bereits 2019. Für manche andere Projekte sind vier Jahre Bauzeit vorgesehen.

Die Schulen werden von der Landesregierung gebaut. Die Baugenehmigungen für die zehn Modellprojekte sollen aus Lompschers Senatsverwaltung kommen, wie die Senatorin ankündigte. Die Bezirke sind für kleine Sanierungen zuständig, sie müssen bis Ende des Jahres an Scheeres’ Behörde melden, was bei ihnen erneuert werden muss. Die oppositionelle FDP warf die Frage auf, ob es genug Personal in den Verwaltungen gibt, um die Schulvorhaben so schnell umzusetzen.

Neue Schulen sehen zum Teil auch anders aus als früher. So haben viele zum Beispiel Teilungsräume – von den Zimmern geht dann ein kleinerer Raum ab, mit denen die Klasse geteilt und zum Beispiel Kindern mit größerem Förderbedarf geholfen werden kann. dpa

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5 KOMMENTARE

  1. Jahrelang wurden in ganz Deutschland Schulen stillgelegt, geschlossen, verkauft, anderweitiger Nutzung übergeben … die meisten davon sind ja auch noch da ………… jetzt müssen neue gebaut und andere mit Millionenkosten erweitert werden.

    Das muss man doch wohl schon einen Schildbürgerstreich nennen!

    Vorausschauende Politik sieht anders aus.

    • Politiker schauen auf den aktuellen Haushalt und maximal bis zur nächsten Wahl. Schule erfordert eine Planung über mindestens zehn Jahre. Lehrpläne haben etwa eine solche Haltbarkeit, weshalb auch deswegen kaum Ruhe in den Betrieb kommen kann.

  2. Noch vor wenigen Jahren hat man ganz offiziell sinkende Schülerzahlen verkündet:

    http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/zukunft-bildung/175009/demografischer-wandel

    Das bezieht sich nicht speziell auf Berlin, aber es gibt ja fast überall einen Mangel and Lehrern, an Schulgebäuden usw. Da Kinder immer schon 6 Jahre da sind, bevor sie in die Schule gehen (außer Zuwanderer aus dem Ausland), müsste man eigentlich rechtzeitig Bescheid wissen. Oder wenn die (relativ wenigen) Flüchtlinge unsere ganze Planung durcheinander bringen, dann stimmt was nicht. Offenbar schaffen wir das doch nicht.

  3. Diese “Schnellbaugeschichte” liest sich interessant. Ob ein Bildungsministerium diese umsetzen kann, wird sich noch zeigen müßen. Es gibt inzwischen eine Unmenge von kompetenten Herstellern von Modulelementen, die in verschiedensten Segmenten gute Referenzen haben. Modulelemente sind äußerlich, wie im Innern kaum von Gebäuden konventioneller Bauart zu unterscheiden. Mit ein Vorteil ist die Versetzbarkeit bei geänderten Anforderungen, oder an andere Standorte. Schulen, Kitas, Verwaltungseinheiten, Seniorenzentren, kurzum die gesamte Palette von Bildungs- und Sozialeinrichtungen kann durch Grundtypen mit leicht abwandelbaren Innengrundrissen zweckgerecht umgesetzt werden.
    Dass Planung und Bau von Schulen bisher 10 (!) Jahre gedauert hat und nun auf 5 Jahre “reduziert” werden soll, ist wohl eine “Berliner Eigenheit”, die in anderen Bundesländern -bei zur Verfügung stehender Fläche- in der Hälfte der 5 Jahre umgesetzt wird. Schulbauten, die z.B. nach Bränden ersetzt werden mußten, sind in nicht wenigen Fällen unter einem Jahr Bauzeit realisiert worden. Das zeigt, daß bei Zähmung der sich überall aufplusternden Politik mit ihrer Bürokratie, viel mehr möglich ist, als oft von “Fachleuten” prognostiziert.
    Architektenwettbewerbe, Modellversuche, usw. sind im Schulbau nur unnötig kostentreibend. Sich auf einzelne Hersteller zu beschränken ist ökonomisch unnötig.
    Die Anforderungen von Schulbetreibern können -von kompetenten Herstellern- “aus dem Stand” umgesetzt werden, da es eine Unmenge von “Baubeispielen” gibt.
    Beim Besuch einer Montessori-Schule in Modulbauweise war ich vor kurzem erstaunt, wie schnell, kostengünstig, termingerecht und vor allem flexibel diese Bauweise sein kann.
    Vielleicht denkt die Bildungssenatorin über die aus dem Artikel heraus zu erahnenden Kosten des Bauumfelds nach und holt sich in ihren anzusiedelnden “Schulbauapparat” überwiegend Zeitgenossen mit gesundem Menschenverstand. Es bedarf keiner überkandidelten Architekten, die das Rad neu erfinden, keiner total anspruchsvollen Eltern, die für ihre Kinder “nur das Beste” wollen, keine Denkmäler für Bau- und Schulverwaltungen und keine Bauexperimente für längst bekannte Gebäudetypen und -materialien.
    Die Projekte sollten auf das reduziert werden, was sie eigentlich sind: In die Zeit passende Schulen mit zufriedenen Schülern und zufriedenen Lehrern bei vertretbaren Kosten.

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